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Treat you better

von Henri1421
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
01.11.2022
28.11.2022
28
48.337
1
Alle Kapitel
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24.11.2022 1.671
 
Matteo
Wir mir dieses dämliche breite Grinsen auf die Nerven geht. Louis geht mir auf die Nerven. Seine Existenz reicht aus, um mir Kopfschmerzen zu bereiten. Und dass er sich an meinen Freund ranmacht, ist die Höhe. Vielleicht sollte ich die Bilder, die ich noch von ihm habe einfach posten. Aber ich fürchte, dass er dann zur Polizei geht und ich dran bin. Louis ist unberechenbar. Erst recht seit der Sache mit Nele. Ich frage mich, ob sie ihm mittlerweile die Wahrheit gesagt hat. Aber vermutlich nicht, sonst wäre er nicht so wütend auf mich. Aber das kann ich jetzt nicht ändern.
Wichtig ist, dass ich Samuel jetzt nicht an ihn verliere. Das will ich nicht. Er gehört mir und nicht ihm.
Ich beobachte die beiden, wie sie von der Schule aus nach Hause laufen. In sicherem Abstand, damit sie mich nicht bemerken. Dass sie öfter gemeinsam den Weg laufen, weiß ich. Samuel hat es mir erzählt. Außerdem habe ich sie schon öfter gesehen oder es wurde mir von Bekannten berichtet. Sie kennen Samuel ja und wissen, dass er mein Freund ist. Und im Prinzip habe ich auch nichts dagegen, dass er mit jemand anderem nach Hause geht. Wäre dieser andere nicht Louis und wüsste ich nicht genau, dass der irgendetwas plant. Ich bin mir sicher, er will einen Keil zwischen Samuel und mich schlagen. Warum sonst sollte mein Freund mich nach meiner Ex fragen. Oder was da zwischen Louis und mir ist? Er vertraut mir nicht mehr so blind wie früher und das nervt mich.
Mir entgleitet die Kontrolle über Samuel mehr und mehr. Und ich weiß nicht wie ich das aufhalten soll. Ich kann mich nicht ständig mit Samuel treffen, um ihn von Louis fern zu halten. Das schaffe ich nicht. Nicht, wenn ich zu Hause im Haushalt helfen und dazu noch nach meiner eigenen kleinen Schwester schauen muss. Meine Eltern sind meistens beide auf der Arbeit und ein Kindermädchen? Nein, das geht nicht. Meine Schwester hat Angst vor Fremden. Und es würde viel zu lange dauern, sie an jemanden zu gewöhnen. Also bleiben nur ich und meine Eltern. Selbst vor Samuel, den sie nun schon öfter gesehen hat, hat sie noch etwas Angst, auch wenn das schon besser geworden ist.
Und dann brauche ich auch irgendwann etwas Zeit für mich alleine. Bis jetzt hat Samuel das immer verstanden und mir keine Vorwürfe gemacht – anders als Nele damals, aber ich habe Sorge, dass Louis ihn einreden könnte, dass ich ihm zu wenig gebe und zu viel fordere. Dabei besteht eine Beziehung doch aus Geben und Nehmen, oder? Warum mischt er sich da eigentlich ein? Meine Beziehungen gehen ihn nichts mehr an. Als ich noch mit Nele zusammen war, war es verständlich, dass Louis sich als ihr Bruder – als ihr Zwilling – manchmal in unsere Angelegenheiten eingemischt hat. Aber in meiner Beziehung mit einer zu ihm unabhängig stehender Person, hat er die Klappe zu halten und sich raus zu halten.
Da ich nicht will, dass Samuel mir gegenüber noch misstrauischer wird, kann ich ihm nicht sagen, dass ich ihnen nach der Schule manchmal folge, um zu sehen, was die beiden machen. Louis ist dabei auch schon mal mit zu Samuel gegangen, was ich überhaupt nicht lustig fand. Aber auch da konnte ich nichts ändern. Wenn ich ihm jedes Mal eine Nachricht schreibe, dass wir was machen können, wenn Louis bei ihm ist, wird er das auch irgendwann hinterfragen. Außerdem habe ich nicht immer die Zeit. Auch jetzt nicht.
Ich schaue auf die Uhr und seufze. Es ist spät geworden und ich muss mich nach Hause beeilen. Meine Eltern warten sicher schon ungeduldig auf mich, damit ich sie im Schwester-Sitten ablösen kann. Also beeile ich mich und jogge nach Hause. In die entgegengesetzte Richtung. Weiß Gott, was die beiden heute noch machen werden und über was sie so breit grinsen. Vielleicht erzählt es mir Samuel morgen in der Schule. Denn Louis wird nicht kommen. Ich habe den Verband an seinem Kopf gesehen und ohne zu wissen, was passiert ist, bin ich mir sicher, dass seine überfürsorgliche Mutter ihn damit nicht in meine Nähe lassen wird. Dabei hat er die letzte Prügelei mit mir angefangen. Und ich nicht mit ihm. Aber das ist in ihren Augen ja egal. Ich bin und bleibe der Böse: ich provoziere Louis, ich stresse Louis, ich rege Louis auf, und er ist der Unschuldige.
Wie ich es mir gedacht habe, stehen meine Eltern schon mit Jacken bekleidet und Taschen in der Hand in der Haustür. Sie arbeiten im selben Büro und meist zu denselben Zeiten. Abwechselnde Schichten zu nehmen, solange meine kleine Schwester – Kiara – ein Problemfall ist, wäre zu einfach. Da ist ja noch der große Sohn, der liebend gerne auf die kleine Schwester aufpasst. Dass ich auch Hausaufgaben habe oder lernen muss, wird dabei unter den Tisch fallen gelassen.
»Danke für's Warten«, meine ich, als ich meiner Mutter die Tür aus der Hand nehme. Sie nickt mir kurz zu, dann verschwinden sie und mein Vater im Auto. Ich gehe ins Haus, Kiara steht schon in der Tür, in ihrer Hand ein Kuscheltier. Ihre Körperhaltung drückt Unsicherheit aus und als ich in die Hocke gehe und sie anlächle, läuft sie sofort in meine Arme.
Dass sie Angst hat, brauche ich nicht zu erfragen, denn Kiara zittert und klammert sich an mich. Dabei war sie nicht einmal alleine. Es ist immer jemand bei ihr. Trotzdem sieht sie in jedem Schatten ein Monster, das sie gleich überfallen wird. Und das wiederum macht mir Angst. Aber meine Eltern weigern sich, Kiara einem Profi anzuvertrauen. Natürlich hätte sie im ersten Moment auch Angst vor dem, aber das würde sich legen. Mit Sicherheit. Es kann kein Dauerzustand sein, dass ich auf sie aufpassen muss.
»Ist schon gut«, versuche ich sie zu trösten und lege meine Arme um sie. Ich drücke sie fest an mich und stehe dann mit ihr in den Armen auf. »Also gut, was magst du machen? Fernsehen? Ich muss noch Hausaufgaben machen. Wir können uns also zusammen hinsetzen, aber spielen kann ich erst später mit dir.«
Kiara schmiegt sich an mich und ich vermute, dass es ihr wie so oft egal ist, was wir machen, Hauptsache ich lasse sie nicht alleine. Also gehe ich ins Wohnzimmer und setze sie auf der Couch ab. Dann schalte ich den Fernseher an, setze mich neben sie und ziehe den Couchtisch näher zu mir. Meinen Schulranzen stelle ich neben dem Tisch ab, das Handy schalte ich wie immer lautlos, denn Kiara erschrickt vor der Vibration und dem Benachrichtigungston immer.
Sie ist ruhig und schaut auf den Fernseher, in dem irgendeine Kinderserie läuft. Irgendein Anime, der harmlos zu sein scheint. Der läuft immer, wenn ich mittags mit Kiara auf der Couch sitze. Und solange er läuft, kann ich mich auf meine Hausaufgaben konzentrieren.
Ab und zu sehe ich auf mein Handy, um nachzusehen, ob Samuel mir schreibt. Aber er tut es nicht. Vermutlich ist er mit Skinna – sein Hund, der mich nicht mag und den ich auch nicht besonders mag, weshalb es nicht so schlimm ist – Gassi und es ist ihm zu kalt, die Hände aus den Taschen zu nehmen. Naja, mir auch egal, ich bin nicht so ein Freak, der pausenlos am Handy hängen muss, damit es ihm gut geht und sein Leben Erfüllung hat. Aber das verstehen auch viele nicht und bewerten es als Desinteresse oder ablehnende Haltung. Muss ich nicht verstehen und werde ich vermutlich auch nie. Ich lege das Handy wieder zur Seite und konzentriere mich nun voll und ganz auf meine Hausaufgaben. Es dauert etwas, denn wir haben in Mathe sehr viel aufbekommen und in Deutsch muss ich einen Aufsatz schreiben, für den ich erstmal Textstellen aus unserer Lektüre heraussuchen muss. Und das nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch. Vor allem, weil Kiara irgendwann unruhig wird und sich immer wieder an mich schmiegt. Der Anime ist vorbei und die nächste Sendung interessiert sie nicht. Deshalb muss ich sie nun bespaßen.
Ich lese ihr vor, spiele mit ihr Karten oder andere spiele und streichle sie schließlich, bis ihr die Augen zufallen und sie einschläft. Ich hoffe nur, dass sie auch fest schläft und nicht in wenigen Minuten wieder durch einen Alptraum aufwacht. Das passiert nicht selten. Also nutze ich die Zeit, in der ich meine Ruhe habe und fokussiere mich voll und ganz auf meine Aufgaben. Ich muss das fertig bekommen, ich darf die Schule nicht schleifen lassen, auch wenn sie mir ziemlich egal ist. Aber meine Eltern haben hohe Erwartungen an mich und die will ich nicht enttäuschen. Ich will sie stolz machen.
Erst sehr spät am Abend beziehungsweise mitten in der Nacht sehe ich wieder auf mein Handy, als ich es zum Laden anstecke. Es sind dutzende Nachrichten von Samuel angekommen. Aber zum Antworten ist es jetzt zu spät, denn ich möchte ihn nicht mitten in der Nacht aufwecken. Ich weiß, dass Samuel mit dem Handy neben dem Kopf schläft. Und ich weiß, dass er auf eine Nachricht von mir wartet. Aber… Seufzend atme ich durch und tippe doch eine kurze Nachricht ein:
Tut mir leid, stressiger Tag. Ich liebe dich, Elchen…
Dann hebe ich Kiara auf und lege sie in mein Bett. Während ich mir die Zähne im Bad putze, hoffe ich einfach, dass sie in der Zeit nicht aufwacht, denn dann werde ich die ganze Nacht keinen Schlaf finden. Sie auch nicht.
Sie wacht nicht auf und so kann ich mich kurze Zeit später neben sie ins Bett fallen lassen. Ich ziehe die Decke über uns beide und lege meine Arme schützend um sie. Ich weiß, dass das Kiara beim Schlafen hilft, auch wenn sie Alpträume hat. Dann schließe ich die Augen und versuche sowohl meine Atmung als auch meine Gedanken, die rasen, zu beruhigen. Das Einschlafen fällt mir meist nicht besonders schwer, denn ich bin nachts schlicht zu erschöpft, um noch lange wach zu bleiben. So ist es auch heute. Meine Gedanken stoppen von alleine und ohne es zu merken, schlafe ich innerhalb von wenigen Sekunden in einen ruhigen und traumlosen Schlaf.
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