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ʟᴏᴠᴇ ᴜɴᴛɪʟ ᴅʏɪɴɢ

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Reita Ruki
31.10.2022
24.11.2022
12
19.391
 
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31.10.2022 1.020
 
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Es war heiß. Die Sommerhitze drückte noch immer, sodass fast jeder Schritt zu viel war. Ab morgen begannen dann für Takanori letztmalig die Ferien und nächstes Jahr war es dann auch bei ihm soweit, wie bei seinem Freund Akira. Apropos...
Pünktlichkeit war nie dessen Stärke. Oder es lag daran, dass Takanori ständig in den Spiegel starrte, um zu kontrollieren, ob noch alles saß. Schon seit längerem benutzte er Eyeliner, Make-up und Wimperntusche. Immerhin war er noch in dem Alter, in dem man sich ausprobierte. Sich immer wieder neu erfand. Vielleicht gehörte die Tatsache, dass er Shonen-Ai-Mangas las und ganz heimlich den ein oder anderen Gay-Porno sah, auch zu dieser Findungsphase?
Was wusste er denn auch?
Vom Tuten und Blasen hatte Takanori keine Ahnung. Wortwörtlich.
Aber eins wusste er:
Er fand Akira attraktiv. In den vergangenen zwei Jahren hatte sich der Kerl herausgeputzt und die Weiber klebten ihm am Arsch. Auf den Takanori auch gerne starrte. Doch Akira war sein bester Freund, sein Ying während er Yang war, seine bessere Hälfte und verdammt nochmal der Kerl, der ihm eine Morgenlatte bescherte. Und das war tricky. Vor allem, wenn der andere bei ihm übernachtete. Manchmal war Takanori auch dankbar, wenn sie gemeinsam einen Porno sahen und sich gemeinsam einen runterholten. Danach redete niemand darüber, da es irgendwie normal war. Zumindest redete sich Takanori dies ein.

Sein Blick wanderte zu dem Digitalwecker auf seinem Nachtschrank. Akira war immer noch zu spät. Vielleicht hatte er auch eine andere Begleitung für die Abschlussfeier gefunden? Takanori kaute nervös auf seiner Unterlippe und starrte erneut in den Spiegel. Ein weites, weißes Shirt, enge Jeans und Boots. Ein Stil, den Takanori seit Neuestem für sich entdeckt hatte. Zumindest verdeckte es all das, was er an sich zu speckig fand. Da rief auch schon seine Mutter von unten »Suzuki-san ist da!« Ein Schmunzeln legte sich auf Takanoris Lippen und er eilte die Stufen hinab zum Eingangsbereich. »Ihr sagt bescheid, wenn ihr abgeholt werden wollt?«
Gosh...seine Mutter war manchmal so....

»Ja, Mama«, bestätigte Takanori die Worte seiner Mutter. Diese nickte zuversichtlich. Tatsächlich wusste sie aber, dass ihr Sohn entweder bei Akira schlief oder dieser bei ihm. Niemand würde somit allein nach Hause kommen. Und so weit entfernt lag die Schule nicht. Deshalb setzte sich Takanori auch schon in Bewegung und zog Akira am Arm mit sich. Selbst in diesem Anzug sah er zum Niederknien aus. Trotzdem würde es bei dem feinen Fimmel bestimmt nicht bleiben.

»Hi«, grinste Takanori dennoch seinem Freund entgegen und schob die Hände in seine Hosentaschen. Schon aus den Augenwinkeln heraus konnte er diesen Ausdruck in dem Gesicht des anderen erkennen. Pünktlichkeit war definitiv nur etwas für Loser. Akira hatte eine unendliche Ruhe und Gelassenheit in sich, weshalb er es nicht mal einsah, sich zu einem Abschlussball zu stressen. Was wollten sie tun? Ohne ihn Anfangen? Am Ende wäre das Schlimmste, was passieren konnte, dass er die Zeremonie stören würde und alle ihn anstarrten - ooooh schrecklich. Von wegen. Takanori konnte sich diese und ähnliche Gedanken bei Akira bestens vorstellen. Klar, er kannte ihn seit der Mittelstufe. Manchmal fühlte es sich an, als wäre es erst gestern gewesen, als Takanori an seinem ersten Schultag nach dem Umzug im strömenden Regen in Akira hinein rannte. Weil er viel zu spät dran war. Danach wurde er von ihm bis zum Klassenzimmer gebracht und das Eis brach binnen eines Augenblicks.

Takanori spürte darauf Akiras musternde Blicke auf seiner Haut kribbeln. Er kannte auch diesen Ausdruck. Wie der Blondschopf selbst wusste auch Akira, dass Takanori mit der Zeit einen verdammten Fick auf die Etikette legte, die die Erwachsenen als Norm bezeichnete. Er sah einfach immer etwas anders aus. Er probierte Verschiedenes und ihm war egal, ob das für Männer oder Frauen war. Shoppen zu gehen bedeutete auch, ungewöhnliche Ecken zu betreten. Es war unkompliziert, locker und eben einfach perfekt für ihn.
»Wie lange hast du gebraucht um da rein zu kommen? Lass mich raten... gestern in der Wanne angezogen und hauteng trocknen lassen?«, riss Akira Takanori aus seinen Gedanken. Er brauchte einige Sekunden, ehe er verstand und Akira entrüstet ansah.
»Und sowas traust du mir zu?«, kam es fast schon empört über Takanoris Lippen. Als wenn er es nötig gehabt hätte, sich auf diese Weise in eine Jeans zu zwängen!
Danke, Akira, dachte der Blondschopf nur stumm und richtete seine Augen zurück auf den Weg vor sich. Akira konnte manchmal wirklich unsensibel. Nur weil sich Takanori viel aus seinem Aussehen machte, hieß das nicht, dass es jedes Mal leicht wäre. Denn da gab es die ein oder anderen Komplexe. Oder was glaubte sein bester Freund, warum er oft zu weiten Oberteilen griff oder alles daran setzte, von den Dingen abzulenken, die Takanori absolut nicht an sich mochte?
Aber gut, er ließ das jetzt auch so stehen. Takanori wollte jetzt nicht die Diva zum Leben erwecken. Außerdem war bereits das Schulgebäude zu erkennen und von überall her drang Gelächter zu ihnen. Nun ging es los zum Abschluss und Akiras Freunde schon am Eingang warteten. »Ey! Immer auf den letzten Drücker, beschwerte sich einer von ihnen mit beherztem Lachen. Akira grinste nur, während Takanori plötzlich immer stiller wurde. »Wo bleibt denn sonst die Spannung?«, waren dann die Worte seines besten Freundes. Da hatte er nicht Unrecht. Aber das war nicht der Grund, warum Takanori Akira am Ärmel zurückzog und die anderen weiterziehen ließ.
»Du lässt mich da drinnen aber nicht allein«, schoss es ihm darauf auch schon über die Lippen, während seine durch Kontaktlinsen blauen Augen die dunklen von Akira fixierten. Dessen perfekt gezupften Brauen hoben sich und seine rechte Hand hob sich. Diese spürte Takanori im nächsten Moment auch schon in seinem Haar. Akira selbst beugte sich zu ihm und er konnte dessen warmen Atem auf seinem Gesicht spüren. »Versprochen.«
Takanoris Herz stolperte unerwartet in der Brust. Das Gefühl hatte er bislang immer verdrängt und er ignorierte es auch wieder. Denn das hier sollte Akiras Abend und nicht von einem pubertierenden Wechselbad der Gefühle ruiniert werden.




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So meine Lieben.
Der erste Auftakt ist getan.
Nicht alles muss immer mit Ach und Krach losgehen.
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