Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ein Leben ohne Club? (Jax und Elli Teil 2)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Clarence "Clay" Morrow Gemma Teller-Morrow Jackson "Jax" Teller OC (Own Character) Opie Winston
29.10.2022
06.02.2023
39
62.794
2
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.01.2023 1.953
 
Donna: Überfall in der Praxis. Kommt schnell.

Mit zitternden Finger schickte Donna die Nachricht an Opie. Sie hoffte, er wäre nicht mit dem Bike unterwegs und würde die Nachricht sofort lesen.
Der Mann hatte sie wohl nicht bemerkt, schnell hatte sie die Türe wieder geschlossen, sogar abgesperrt und sich dann hinter der Waschmaschine versteckt.
Ihr Handy vibrierte und sofort tippte sie auf die empfangene Nachricht.

Opie: Sind unterwegs. Geht’s dir gut?

Donna: Bin im Bad eingesperrt. Aber der Typ ist bei Elli.

Opie: Du kommst erst raus, wenn ich dir das sage

Sie nickte, als könne Opie es sehen und zog die Beine noch ein Stück näher an ihre Brust. Das Handy in der Hand behaltend schlang sie ihre Arme um die Knie. Sie zitterte und Tränen füllten ihre Augen.
Was ging da draußen nur vor sich?
Was wollte dieser Typ von Elli?
Wann waren die Jungs endlich da?

„He Arschloch!“
Elli und der Mann sahen gleichzeitig zu Alessa, die aus dem Behandlungsraum kam und mit einer Waffe auf den Kerl zielte.
„Lass die Stange fallen. Elli ruf die Polizei.“
Nicht in der Lage sich zu bewegen, starrte Elli auf das Geschehen vor sich.
Statt die Brechstange einfach fallen zu lassen, warf der Typ sie in Alessas Richtung. Reflexartig wollte sie diese fangen, ließ die Waffe dabei sinken und der Typ rannte zur Türe hinaus.
Ellis zitternde Beine gaben unter ihr nach. Sie rutschte an der Wand entlang zu Boden.
Alessa war gefasster, kniete sich einen Moment neben Elli, um zu sehen, ob sie unverletzt war, dann nahm sie das Telefon und rief die Polizei an.
Sie hatte gerade aufgelegt, als der Lärm von sich nähernden Motorräder zu hören war.


Kurz nach Opie, Clay, Halfsack und Jax kam Deputy-Chief Hale in die Praxis.
Er befragte Elli, Alessa und Donna, machte ein paar Fotos und versicherte, sich darum zu kümmern. Der Schaden hielt sich glücklicherweise in Grenzen, dennoch sollte Elli Anzeige gegen Unbekannt stellen. Er glaubte nicht, dass Fingerabdrücke auf der Brechstange zu finden seien, denn der Täter hatte Handschuhe getragen.
Zudem wollte er wissen, ob Elli Feinde hätte, mit Blick auf die Jungs, ob es sich vielleicht um Clubangelegenheiten handelte.
Aber Elli bleib dabei, dass sie nichts wusste.
Hale musste sich damit zufriedengeben und verabschiedete sich.
Kurz danach ging auch Alessa.
Noch immer konnte Elli nicht glauben, dass diese eine Waffe hatte. Natürlich mit Waffenschein und Genehmigung zum Tragen einer verdeckten Waffe, das hatte sie versichert. Sie sei aus Texas und ihr Vater in der Waffenlobby. Darum war sie mit Waffen aufgewachsen und konnte damit umgehen. Hale hatte das überprüft und bestätigt.
Trotzdem blieb Elli kritisch, behielt ihre Gedanken jedoch für sich. Immerhin hatte Alessa sie vor Schlimmerem bewahrt.

„Ich mach das schon, ihr könnt gehen.“
Elli griff nach dem Besen und versuchte ihn aus Opies Hand zu reißen. Clay, Halfsack und Jax suchten die Umgebung ab, Donna saß auf Ellis Schreibtischstuhl und atmete durch.
„Seh ich so aus, als würde ich dich allein lassen?“, entgegnete er.
„Du solltest dich um Donna kümmern“, hielt Elli dagegen. Dass diese beinahe mit in die Sache gezogen worden war, tat ihr unendlich leid und sie konnte ihre beste Freundin kaum ansehen.
„Das schließt sich nicht gegenseitig aus“, erwiderte er, ließ jedoch den Besen los. „Sobald die anderen wieder da sind, fahren wir zu uns.“
„Warum warten?“ Elli wollte einfach nur ihre Ruhe und sicher nicht noch eine Befragung des Clubs, wenn die anderen zurückkamen. „Ihr könnt gleich gehen. Ich räum das zusammen, schließ ab und geh dann auch nach Hause.“
Sie hoffte, sie hörte sich überzeugend an, denn so ruhig wie sie sich gab, war sie innerlich nicht. Sie könnte platze, wollte schreien, weinen, etwas kaputt machen. Aber eben allein.
„Du warst bei dem wir miteingeschlossen.“
„Danke, aber das ist nicht nötig“, lehnte Elli ab.
„Und wenn der Typ diesmal zu dir nach Hause kommt?“ Donna fuhr sich nervös durch die Haare.
Aber Elli winkte ab. „Das war wahrscheinlich ein Junkie, der auf etwas Geld gehofft hat. Der wusste ja nicht mal, dass die Praxis noch nicht geöffnet hat.“
Sie versuchte so gelassen wie möglich zu bleiben, während sie ihre Freunde anlog. Weder Donna noch Alessa hatten gehört, dass der Mann etwas zu ihr gesagt hatte, ihre Story könnte also stimmen.
Nur wurde die Stimme in ihrem Kopf langsam lauter und ermahnte sie, dass sie sich hier mit jemandem angelegt hatte, den sie wahrscheinlich nicht besiegen konnte.
Fitzpatrick schien fest entschlossen zu sein, sie in ProCharmings Reihen zu ziehen und offensichtlich war ihm dabei jedes Mittel recht. Zumindest schrie alles in ihr danach, dass er dahintersteckte.
Wüsste der Club davon, könnte es in einen Kleinstadtkrieg ausarten.

Juice und Curt kamen herein, bevor Opie oder Donna etwas dagegen sagen konnten.
Elli fegte die Scherben zusammen und warf alles in den Mülleimer. Kurz sah sie in alle Räume, überprüfte, ob die Fenster geschlossen waren und schaltete dann das Licht aus.
In diesen zwei Minuten waren auch Jax, Clay und Halfsack zurückgekommen und standen mit Curt und Juice zusammen. Opie hatte Donna im Arm und die beiden gesellten sich gerade ebenfalls zu der kleinen Gruppe.
Elli beachtete sie nicht weiter, sondern ging hinter den Tresen. Sie wollte ihren Laptop und ihre Habseligkeiten einpacken und dann nach Hause.
Sie war erleichtert, dass der Club das zu verstehen schien und die Praxis verließ, als sie sich ihre Jacke anzog.
Doch als sie von außen die Türe abschloss, spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter.
Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, zu wem diese Hand gehörte. Ihr Körper erinnerte sich ganz genau an jede seiner Berührungen und was diese in ihr ausgelöst hatten.
Beinahe fiel ihr der Schlüsselbund aus der Hand und sie konnte sich kaum rühren.
„Du solltest wirklich nicht allein sein“, sagte Jax leise und besorgt. „Hale meinte schon du könntest unter Schock stehen, weil du das alles so ruhig und gelassen hinnimmst und der Kerl läuft hier auch noch irgendwo rum.“
„Ich komm klar, danke.“ Ihre Stimme klang heißer. Jax Sorge rührte sie. Sie müsste sich nur umdrehen, ihm in die Arme fallen und es würde ihr besser gehen. In dieser Situation würde er sie nicht davonstoßen. Aber was wäre morgen?
Sie würden sich wieder aus dem Weg gehen und sie selbst könnte wahrscheinlich nicht mehr in den Spiegel schauen.
Sie hatte sich noch immer nicht zu ihm umgedreht, aber er nahm die Hand von ihrer Schulter und sie konnte es vor ihrem geistigen Auge sehen, wie er sich damit durch die Haare fuhr.
„Lass mich wenigstens mitkommen und dein Haus kontrollieren. Ich will nicht, dass dort eine böse Überraschung auf dich wartet.“
Jax in ihrem Haus war sicher keine gute Idee, doch ihr Mund war schneller als ihr Hirn.
„Von mir aus“, stimmte sie zu.

Zwei Minuten später fuhr sie in Opies Truck hinter Jax` Bike zu ihrem Haus.
Sie war nervös.
Einerseits aus Angst tatsächlich eine böse Überraschung vorzufinden, andererseits wegen Jax.
Warum tat er das für sie? Warum schien er besorgt zu sein?
Sein Benehmen jetzt widersprach der Wut, die Samstagnacht in seiner Stimme gelegen hatte.
Was hatte sich seitdem geändert?
Hatte er von den anderen erfahren, was ihr seit seinem Verschwinden noch passiert war?
Zog er daraus eventuell sogar die richtigen Schlüsse?
Immerhin hatte er bereits den Verdacht geäußert, dass es Fitzpatrick gewesen sein könnte.
Hatte er bemerkt, dass sie seinen Verdacht nicht abgestritten hatte und wertete es als Zustimmung?

Sie hatten ihr Haus erreicht und an der Haustüre hielt Jax sie zurück.
„Lass mich zuerst alle Räume kontrollieren.“
Elli stimmte zu und blieb im Eingangsbereich stehen. Jax sah sich im Wohnzimmer um, in der Küche und im Vorratsraum. Aber es schien alles in Ordnung zu sein.
Also ging er nach oben und Elli in die Küche. Sie brauchte ein Glas Wein.
Sie hatte kaum den ersten Schluck getrunken, da kam Jax die Treppe wieder nach unten.
„Es ist alles okay“, meinte er. „Ich kann hierbleiben und auf dem Sofa pennen, nur für den Fall.“
Ellis Herz und Unterleib wollte ihm zurufen, dass er nicht das Sofa nehmen müsste, aber diesmal war ihr Hirn schneller und sie schüttelte den Kopf.
„Da wird nichts sein“, war sie sich sicher.
Fitzpatrick hätte nichts davon, wenn sie verletzt im Krankenhaus landen würde. Er wollte ihr nur das Leben schwer machen.
Da sie in ihr Weinglas starrte, sah sie nicht, dass Jax auf sie zukam, aber sie spürte es. Er kam ihr nah, blieb erst dich vor ihr stehen, und sie hätte sich ihm nur entgegenstrecken müssen, dann hätten sich ihre Lippen getroffen.
Diesem Drang zu widerstehen, fiel ihr von Sekunde zu Sekunde schwerer.
„Ich frage dich nochmal. Steckt Fitzpatrick hinter der ganzen Scheiße?“
Elli starrte schweigend in ihr Weinglas.
Als er auch nach mehreren Sekunden keine Antwort bekommen hatte, nahm er Elli das Weinglas ab und stellte es auf die Arbeitsplatte hinter ihr. Dann nahm er ihre Hände in seine.
„Es muss nicht dein Problem bleiben. Lass dir vom Club helfen oder zumindest von mir und Opie.“
Ellis Vorhaben, den Club nicht miteinzubeziehen, geriet durch seine Worte und Anwesenheit ins Wanken.
Ihr Körper reagierte darauf, dass Jax ihre Hände hielt. Von ihren Fingerspitzen bis zu ihren Kleinenzehen kribbelte es und eine aufregende Vorfreude machte sich in ihr breit.
Wenn sie jetzt auf ihn zuginge, könnte sie alles, was danach geschah auf Verwirrung wegen des Überfalls schieben. Sollte sie es also wagen?
Aber es war Jax, der zuerst handelte und ihr damit den Boden unter den Füßen wegzog.

Er hätte alles tun dürfen, hätte alles von ihr bekommen, nur diese eine Sache nicht.
Er hatte sie auf die Stirn geküsst und es hatte sich angefühlt, wie ein Schlag in den Magen.
Sie hatte es immer geliebt, wenn er das gemacht hatte. Diese kleine Geste war für sie der Inbegriff von Intimität und Zuneigung gewesen. Es hatte sich immer nach zuhause angefühlt, egal wo sie sich tatsächlich aufgehalten hatten.
Diesmal aber fühlte es sich an wie purer Hohn, denn all das, was diese Geste immer so besonders gemacht hatte, enthielt er ihr nun vor.
Würde sie sich ihm jetzt annähern würde es sie morgen erneut brechen.
Gegen die Tränen kämpfend entzog sie ihm ihre Hände und versuchte zurückzuweichen. Mehr schlecht als recht, denn sie lehnte bereits gegen die Arbeitsplatte.
„Geh“, brachte sie gerade so heraus.
„Was?“, fragte er irritiert.
„Du sollst gehen und zwar jetzt.“ Ihre Stimme klang ein wenig fester, obwohl ihr nach Weinen zumute war.
„Ich will dir doch nur helfen“, versuchte er sie umzustimmen.
„Deine Hilfe brauch ich nicht.“ Langsam gewann die Wut die Oberhand. Wut darüber, dass er sie verlassen hatte ohne ein Wort der Erklärung und wie er sie dabei behandelt hatte. Darüber, dass er einfach gegangen war und nun so weitermachte, als sei nichts gewesen. Und vor allem darüber, dass sie nun die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

Jax bewegte sich keinen Zentimeter, sondern musterte sie.
„Ich sagte du sollst gehen“, zischte sie und schlug mit beiden Händen gegen seine Brust. Sie hatte gehofft er würde deshalb zurückweichen und es würde ein wenig Abstand zwischen sie beide bringen. Aber Jax reagierte gar nicht, was sie noch weiter anstachelte.
„Was willst du hier überhaupt? Es kann dir egal sein, was bei mir los ist, so wie es dir egal war, als du unsere Beziehung weggeworfen hast. Du hast mich weggeworfen, wie eine der Schlampen im Club, nur damit du dich bei Jury durchs Clubhaus vögeln kannst. Du bist ein Arschloch. Ein riesengroßes Arschloch und trotzdem liebe ich dich noch immer. Das ist nicht fair.“
Tränen liefen ihr übers Gesicht, ihre Stimme klang hysterisch schrill und sie schlug unaufhörlich mit den Fäusten gegen Jax` Brust. Es war wie ein Rausch, dem sie nicht entkommen konnte.
„Es ist einfach nicht fair.“
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast