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Das geheimnisvolle Portal

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster
28.10.2022
03.02.2023
10
18.334
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25.01.2023 3.603
 
Vor dem Eingang des Amphitheaters stand eine magere Frau mit spitzen Ohren, grau-lila Haut im Hosenanzug, deren schwarze Haare zu einem strengen Dutt frisiert waren. Der Blick mit dem sie uns bedachte war so bitterböse, dass es mir eiskalt den Rücken runterlief.
Ich nahm die Füße in die Hand um wegzulaufen, da stand sie plötzlich hinter mir und hielt mich am Kragen fest "Dageblieben junge Dame, ihr kommt jetzt mit zum Direktor, das sagt die Vorschrift."
Als sie sich jedoch umdrehen wollte, um Trent ebenfalls am Kragen zu packen, war dieser verschwunden. Sie konnte ihn nicht mehr entdecken. Ich musste lächeln. Trent hatte mal wieder seine Fähigkeit, in der Menge unterzutauchen eingesetzt. Ich kannte ihn aber gut genug um ihn noch sehen zu können und zwar marschierte er nonchalant durch die Gänge des unheimlichen Unterweltgebäudes. Niemand schien ihn zu bemerken. Einige grüßten ihn sogar und gingen davon aus, dass er hier her gehörte. Typisch Ocean!
Die schmerzhaften Krallen der Dunkelelfe in meiner Schulter holten mich wieder in die Realität zurück. Gezwungenermaßen lief ich vorwärts in die Finsternis hinein. Ich hörte das unaufhörliche Klackern der seltsamen Geräte, wie das trockene Knacken der Beine von Insekten. Ansonsten war es still. Überall links von mir saßen Dunkelelfen, Männe rund Frauen in allen Schattierungen nebeneinander und bearbeiteten in höchster Konzentration ihre Maschinen.
Plötzlich hielten wir an. Der Raum sah gleichzeitig aus wie ein Wartezimmer und wie der Behandlungsraum eines Zahnarztes. Alle Stühle sahen aus wie Zahnarzt-Stühle.

"Setz dich. Und rühr dich ja nicht von der Stelle, sonst kannst du was erleben. Der Direktor wird eine Strafe für dich finden."

Mit klackernden Absätzen verschwand die Dunkelelfe im Anzug den Flur hinunter und setzte sich schließlich zwischen zwei Kollegen in eine Lücke auf der kalten Sitzbank. Da hatte sogar ich es bequemer auf meiner Liege. Nur dass ich Angst hatte es könne jederzeit ein Zahnarzt kommen und mich behandeln. Was wenn der Direktor ein Zahnarzt war?
Plötzlich hörte ich ein lautes Rascheln. Auf das Schlimmste gefasst, zum Beispiel auf einen Zahnarzt, zuckte ich zusammen. Den Göttern sei Dank, es war nur Trent, der sich aus einer grünen Topfpflanze löste. Offenbar hatte er sich so gut versteckt, dass selbst ich ihn nicht gesehen hatte.

Er deutete in die Finsternis "Hier geht es raus, schnell."

Er packte meine Hand und zog mich mit. Wie ein Wirbel aus Grautönen zogen die Dunkelelfen an mir vorbei. Doch niemand schien uns zu bemerken. Ich hörte wie Trent eine quietschende Tür aufzog. Da plötzlich standen wir wieder draußen und grünes Sonnenlicht schien auf uns nieder von dem rosa Himmel. Niemals hätte ich geahnt dass ich mich so freuen würde, draußen zu sein.

"Danke Trent."

"Keine Ursache, ich hätte dich doch nicht da drin verschimmeln lassen können. Und jetzt lass uns deine Schwester suchen."

Wir hatten das Ende unserer Siedlung erreicht. So klein ist unser kleines Dorf und auch in der Parallelwelt sieht es da nicht anders aus. Hier befand sich, in unserer Welt, die Klinik, in die Christopher sich jeden Tag einlieferte. In der Feenwelt schien es sich hierbei um eine Art Hotel zu handeln, zumindest hatten sie etwas, was wie ein hübscher wenn auch abgrundtiefer Pool aussah, in dem sich elfenhafte Gestalten tummelten. Aber vielleicht war das trotz allem ein Krankenhaus, was wussten wir schon, wie die in der Feenwelt aussahen. Das Tor wurde von zwei großen pelzigen Gestalten bewacht, die wie Werwölfe aussahen. Schnell gingen wir weiter. Schon nach wenigen Schritten hatten wir die letzten Häuser hinter uns gelassen. Jetzt befanden wir uns auf einem Wanderweg.
Wir erreichten einen Wegweiser. Seltsamerweise gab es diesen Wegweiser auch in unserer Welt. Und er sah unserem täuschend ähnlich. Das verwirrende war aber dass auf dem Wegweiser stand "Zum großen See im Norden 1 Stunde"
Eine Stunde nur? Sollte es wirklich so einfach sein, diesen Ort zu erreichen? Warum war ich dann aber erst einmal dort gewesen? Und noch wichtiger: warum waren alle in meiner Familie nur einmal dort gewesen, wenn es doch angeblich so nah war?
Bis jetzt sah der Weg harmlos aus. Gut, er war etwas steil und zu schmal um von einem Fahrzeug befahren zu werden, aber nicht einmal einen überzeugten Stubenhocker wie mich und Trent schreckte das ab.
Auf der rechten Seite wurde der Weg von einem Zaun flankiert, auch hier war die abweichung beider Orte nicht besonders groß, zumindest so weit ich mich erinnern konnte. Doch etwas war seltsam an dem Zaun, selbst für Feen-Welt-Verhältnisse ohne dass ich hätte sagen können was. Vielleicht war er zu ähnlich?
Links und rechts des Weges befanden sich ausladende Wiesen auf denen Schafe grasten. Doch selbst die Schafe schienen anders. Selbst für Feen-Welt-Verhältnisse. Je weiter wir dem Weg folgten umso mehr näherten wir uns dem Wald. Als wir ihn betraten wurde es merklich dunkler.
In dem Wald war es nun allerdings schwer zu leugnen, dass etwas seltsam war. Selbst für Feen-Welt-Verhältnisse. Irgendwie bedrohlich. Auf den ersten Blick schienen die Bäume ganz normal zu sein. Doch schon auf dem zweiten Blick kamen sie mir seltsam fremd vor. Die Blätter der Laubbäume und die Nadeln der Nadelbäume waren eigenartig fleischig. Jedes Mal wenn ich kurz woanders hin guckte und danach denselben Baum erneut anvisierte, kam es mir so vor als hätten seine Äste und sein ganzes Aussehen sich verändert. Die Rinde wirkte jedes Mal unechter, je öfter man sie sich ansah. Seltsam zweidimensional und irgendwie eigenartig fleischig. Und jedes Mal bildete ich mir ein, dass die Bäume ein Stückchen näher kamen wenn man sie einen Moment aus den Augen lies. Eine paranoide innere Stimme sagte mir, dass ich umkehren sollte. Ich sagte mir, dass ich mich zusammenreißen sollte. Doch wenn ich einen Blick auf den schweigsamen Trent warf, hatte ich das Gefühl, dass ihm ebenso mulmig war wie mir. Wobei man sagen musste dass Trent der ängstlichste Vampir war, den ich kannte, aber das nur so nebenbei.

Plötzlich raschelte es sehr laut in einem Gebüsch mit faustdicken Blättern. Ein Knurren war zu hören. Dann erhob sich mit lautem Knacken ein unheimliches Tier das aussah wie eine Mischung aus Fledermaus und Nacktschnecke. Etwa so groß wie ein Hase, schwarz wie die Nacht und mit fleischigen Flügeln die aussahen wie der Mantel eines Zauberers, wenn er lebendig wäre und aus Schneckenhaut bestünde. Es war mir ein Rätsel wie das Ding fliegen konnte, doch es erhob sich in den Himmel wobei seltsame lila Tinte zu Boden tropfte. Blut?
Ich schaute Trent an um mich zu vergewissern ob er das auch gesehen hatte, doch sein Blick war von wabbligen Tentakeln gefesselt, die hinter einem der Bäume hervorlugten. Der Himmel hier war pechschwarz. Trotzdem konnte man beunruhigend viel erkennen. Und was war das überhaupt für ein Mond da am Himmel? Er war eindeutig viel zu nah und waberte seltsam im Wind. Sogar die Pilze wirkten so als habe sie jemand entworfen, der nur davon gehört aber nie welche gesehen hatte.
Wir gingen und gingen. Mag sein dass wir langsam waren, aber die Stunde, die diese Wanderung angeblich dauerte hatten wir schon längst überschritten. Doch wie viel zeit vergangen war ließ sich schwer sagen. Da half es auch nichts dass anstelle des eigenartigen wabernden Mondes plötzlich eine wabernde Sonne am Himmel auftauchte, die dem Mond auffallend ähnelte, nur war sie etwas kleiner und leuchtete rot wie eine Ampel.
Je mehr Zeit verging umso mehr packte mich der Hunger. Anfangs war es nur ein leichtes Nagen, dann aber wurde es zu einem drückenden Schmerz und mir ging immer mehr die Kraft zum Wandern aus. Schließlich entdeckte ich eine kleine Holzbank am Waldrand. Ohne länger darüber nachzudenken, ließ ich mich darauf fallen.
Während ich dort saß, lehnte Trent sich an einen Baum, denn er meinte, das Geheimrezept des erfolgreichen Wanderers sei es, sich bloß nie hinzusetzen.
Ich schloss einen Moment lang die Augen. Dann sah ich wieder Trent an und war entsetzt. Trent Ocean war ein Vampir und daher spürte er nicht dass er offensichtlich am Baum festklebte. Voller Entsetzen stellte ich fest dass sich aus der weichen schleimigen Masse, aus der der Baum bestand, lange spitze und ziemlich scharf aussehende Zähne  nach oben bohrten. Eine große lila Zunge wickelte sich um Trent, während in der Baumkrone Tennisballgroße Augen gierig aufleuchteten. Ich wollte aufspringen und ihn warnen, doch ich merkte, dass auch ich festklebte. Die Bank auf der ich saß war ebenso menschenfresserisch und lebendig wie der Baum an dem Trent lehnte und ich sah wie von der Banklehne herab Zähne auf mich zu zu klappen anfingen. Eine schleimige Zunge schlabberte über mein Gesicht.

"Ocean!", schrie ich. Da erst fiel es Trent Ocean auf dass wir in einer Art Falle saßen. Doch das Schlimmste war dass nun, da wir in der Falle saßen auf allen Bäumen, allen Pilzen, allen Bänken und allen Steinen Zähne aufblitzen und fette runde Augen neidisch auf uns niederschauten. Die Gestalten, was auch immer für Wesen sie waren, hüpften, schlurften und hoppelten nun schamlos in unsere Richtung, vollkommen ihre ohnehin sehr schlechte Tarnung aufgebend, um an dem Festessen teilzuhaben.  
Wie hatten wir nur so dumm sein können? Vermutlich wusste jedes Feenkind dass das keine echten Bäume waren.
Ich sah schon voller Panik mein Leben an mir vorbei ziehen. Das alles geschah innerhalb von Sekunden. Gleich würde es vorbei sein. Das Monster hatte unglaublich viel Kraft und saugte mich nach Innen.
Doch noch konnte ich mich bewegen, noch hielt es nur meine Klamotten fest. So schnell ich konnte griff ich nach meinem kleinen Messer das ich eingesteckt hatte und schnitt mein Kleid der Länge nach auf. Der Stoff machte ein unangenehm reißendes Geräusch, ich hätte heuelen können. Dann schlüpfte ich aus dem was von meinem Kleid übrig geblieben war und rollte mich nach vorne.
Jetzt konnte ich mich um Trent kümmern. Er hatte einerseits mehr Kraft als ich, andererseits hatte er gar nicht bemerkt dass er eingesogen wurde, weswegen er zur Hälfte schon in dem Monster steckte. Ich packte seine Hand.
Doch ich konnte bereits fühlen wie ein Pilz mit einem riesigen Gebiss meinen linken Fuß anknabberte. Das tat schrecklich weh. Ein Gebüsch machte sich über den anderen Fuß her, während die Zunge eines blauen Baumstumpfes nach mir greifen wollte. Es waren einfach zu viele. Da entdeckte ich etwas, einen Hoffnungsschimmer, gut fünf meter von uns entfernt. So nah und doch so fern. Eine blaue Spirale. Ein See? Nein...ein Portal!
Mit einem letzten Adrenalinstoß gelang es mir, Trent Ocean aus dem klebrigen Ding rauszuziehen. Laut schreiend zeigte ich auf das Portal. Endlich verstand er. Er verwandelte sich in eine riesige Fledermaus. Ich hielt mich an seinen Füßen fest und er trug mich durch den Wald, der gar keiner war, vorbei an all den gefräßigen  Kreaturen und ließ mich ins Portal fallen.
Keuchend landeten wir auf weichem Waldboden. Es war unmöglich zu sagen ob wir wieder so weit in der Zukunft gelandet waren, denn um uns herum war es vollkommen menschenleer. Wir befanden uns auf dem Weg zum See. Und der Wald um uns herum sah viel viel normaler aus. Die Bäume wirkten blasser und holzig anstatt fleischig. Ein völlig normales schwarzes Eichhörnchen schaute uns verdutzt an und flüchtete dann auf einen Baum. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so erleichtert sein würde, mich hier draußen wiederzufinden. Erleichtert atmete ich aus. Meine Klamotten waren vollkommen vollgeschwitzt.
"Sag mal du hast dich doch aus deinen Klamotten rausgeschnitten, wie kommt es dass du immer noch vollständig angezogen bist?", fragte Trent.
Ich errötete und murmelte "Was glaubst du denn? Ich zieh mich immer nach dem Zwiebelschema an. Unter jeder Schicht ist noch mindestens eine weitere Lage Klamotten. Für Fälle wie diesen."
Zum Glück fragte Trent dann einfach nicht weiter.
Obwohl keiner von uns ein echter Wanderfuchs war, wussten wir sofort wo wir lang laufen mussten. Keiner von uns wollte zurück in das Portal wo die Gestaltwandler auf uns warteten. Um keinen Preis der Welt. Trent Ocean meinte, wenn wir bislang so viele Portale gefunden hätten, wäre es sehr wahrscheinlich, dass es beim großen See im Norden ein weiteres Portal gab. Am Besten wäre es, wir würden den Weg dorthin in unserer eigenen Welt zurücklegen und dann versuchen entweder ein Portal zu finden oder uns mit Hilfe von Alchimie in die Feenwelt zurückzuschicken. Der Weg zum großen See im Norden war auch in unserer Welt ein einziger langer Aufstieg.
Außerdem hatten wir etwas Neues gelernt. Wir hatten gelernt warum hier so selten jemand lang lief.
Vor uns war ein Schild in dem Boden gehämmert auf dem in großen Buchstaben stand "Vorsicht Bären Naturschutzgebiet" und weiter unten stand ganz klein "Wir sind stolz darauf eine Population von 40 Braunbären zu beherrbergen"
"Das klingt ja nicht nach besonders vielen.", meinte Trent optimistisch, "die Wahrscheinlichkeit dass wir keinem davon begegnen ist ziemlich hoch."
Die Eile mit der wir jetzt voranschritten war kaum zu beschreiben, ich glaube ich bin noch nie so schnell zu Fuß unterwegs gewesen, es war als würden wir über ein Nadelkissen hopsen.
Und bei jedem Rascheln im Gebüsch zuckten wir vor Schreck zusammen. Ganz besonders Trent. Er ist der schreckhafteste Vampir den ich kenne.
Doch es klappte ganz gut, wenn wir das Schild nicht bemerkt hätten, wäre uns wohl gar nicht in den Sinn gekommen, dass es hier Bären geben könnte, denn der Wald wirkte so friedlich wie jeder andere, keine halb gefressenen dahingeschlachteten Hirschkadaver, keine kämpfenden Bärenrüden, nicht einmal Bärenhöhlen.
Alles sah ruhig und harmlos aus. Und doch fühlten wir uns als würden wir auf Nadeln sitzen. Oder auf Nadeln wandeln.
Glücklicherweise hatten wir anscheinend einen Großteil der Strecke bereits in der anderen Welt zurückgelegt.
Denn bald schon sahen wir das azurblaue Glitzern eines spiegelglatten und enorm großen Bergsees. Schon als Kind hatte dieser See mich wahnsinnig fasziniert. Es war der größte See, den ich jemals gesehen hatte. Es wurde einem fast schwindelig, so groß und tief war dieser See. Dad hatte uns erzählt man könne hier vier Kirchen aufeinander stapeln und die Spitze würde immer noch nicht aus dem See ragen. Eine Tiefe, die ich mir kaum ausmalen konnte.
Auch jetzt noch hatte der See seine Faszination. Sogar wenn man ihn nur in der Ferne sah. Und genau in dem Moment passierte es.
Ein Babybär war neben uns aufgetaucht so als wäre er aus einem Wurmloch gefallen. Und er schmiegte sich an Trent wie ein Kätzchen.
Wir starrten einander in maßlosem Entsetzen an. Niemals, NIEMALS durfte man sich in der Wildniss einem Bärenbaby nähern, denn sobald die Mutter einen witterte war das ein Todesurteil.
Kaum hatten wir diesen Gedanken zu Ende gedacht, da hörten wir auch schon ein tiefes Grollen.
In wildem Galopp rannte eine Bärenmutter auf uns zu. Wir liefen davon mit pochenden Herzen als hinge unser Leben davon ab. Was es auch tat.
"Tu doch was!", schrie ich, "du bist immerhin ein jahrhundertealter Vampir! Warum musst du dich immer wie ein kleines Mädchen verhalten?"
"Ich bin ein pazifistischer Vampir. Ich könnte den Bär vermutlich abwehren aber das spricht gegen meine Moralvorstellung. Und ich will  mich nicht selbst in ein moralisches Dilemma manövrieren."
"Trent, du bist so nutzlos!"
Genau in dem Moment sah ich sie. Den Schmetterling der mir für meine Fotosammlung noch fehlte. Die Motte. Faustgroß, gräußlich und fettig schimmernd. Und gerade jetzt war der Zeitpunkt zum Fotografieren am Allerungünstigsten. Es dämmerte schon. Motten fliegen immer ins Licht. Und auch diese Motte flog zielstrebig zu einer Lichtquelle. Ich bog nach rechts ab und folgte ihr "Was machst du denn?", fragte Trent entsetzt.
Ich war noch nie im Leben so glücklich gewesen über das was ich sah. Ein Portal. Und die Motte flog geradewegs hinein. Und Trent und ich folgten ihr.
Das Problem war nur: Die Bärin folgte uns auch.

In der Feenwelt nahm die Motte jedoch die Gestalt einer der fliegenden Nacktschnecken an. Und die Bärin? Sie verwandelte sich in eine Dunkelelfe. Auch ihr Kind war hier. Es sah aus wie ein hübsches Elfenkind mit spitzen Ohren.  
Doch an ihrer Feindseligkeit uns gegenüber hatte sich nichts geändert.
"Finger weg von meinem Kind ihr grausamen Barbarenkinder!"
Doch mit der Elfin konnte man vermutlich reden. Ich wollte gerade etwas sagen, da fiel mir auf, dass wir den Gestaltwandlerwald hinter uns gelassen hatten. Wir befanden uns am großen See im Norden. Und er sah in dieser Welt noch zauberhafter aus. Ein riesiger, in regenbogenfarben glitzernder Berg voller Verschnörkelungen spiegelte sich darin.
Nun packte Trent seine Vampir-Attitüden aus.
"Madame, Verzeihen Sie, wir wollten Ihnen Ihr Kind auf keinen Fall entreißen. Falls wir dies suggeriert haben sollten, tut uns dies außerordentlich leid." er verbeugte sich steif.
"EIN VAMPIR!"
Da half die ganze Höflichkeit nichts, es war wieder Zeit zum Weglaufen. Ich machte mich schon wieder auf die Fersen, da flog auch schon die große Fledermaus über mich hinweg und ich klammerte mich an Trents Füße. So ließen wir die Elfenfrau hinter uns und segelten zu dem riesigen blauen See. Tiefblaues Wasser und das obwohl er Himmel nicht blau sondern rosa schimmerte. Der See schien unendlich tief und ebenso bezaubernd wie tödlich. Ich konnte nicht benennen warum es mir unmöglich war, den Blick abzuwenden. Der See war wie ein riesiges blaues Auge. Es war absolut unmöglich zu sagen wie tief er war. Während Trent darüber hinweg flog, klammerte ich mich zitternd an seinen Füßen fest und hoffte mit jeder Faser meines Körpers nicht hineinzufallen. Der See schien alle Gegenteile zu beinhalten. Es war als würde eine glühende Hitze davon ausgehen aber gleichzeitig auch eine beißende Kälte...und irgendwie auch absolut gar nichts. Tödlich still wirkte seine Oberfläche und gleichzeitig auf eine reißende, schreiende Weise lebendig. War das ein Tentakel gewesen? Der Kopf eines Seeungeheuers?  Ich konnte meinen Blick nicht davon abwenden. Und dabei wurde mir unendlich kalt. Wenn Tracy hier rein gefallen war, dann war sie endgültig verloren.  Da entdeckte ich sie. Meerjungfrauen. Eine Gruppe kichernder wunderschöner Mädchen, ihre Haare brünett, schwarz, rot,  blond,  violett. Mit rosiger, schwarzer, elfenbeinfarbener, brauner und sogar blauer Haut, alle so zart als wären sie durchsichtig.

Ich holte tief Luft. Eine Meerjungfrau kam auf uns zugeschwommen. Ihre seidigen weißen Haare waren zu einem hohen Pferdeschwanz zusammengebunden und ihre bestimmt pfirsichfarbene Haut glitzerte in Regenbogenfarben. Nach menschlichen Standarts mochte sie zwischen 18 und 20 sein doch gleichzeitig wirkte sie ganz so als hätte ein 5-jähriges Mädchen sie entworfen. Ihr Blick war lieblich und mädchenhaft verspielt. Zumindest als sie Trent ansah. Dann fiel ihr Blick auf mich und wurde giftig und kalt. Keine Viper und kein Drache konnte so kalt gucken wie dieses Mädchen. Trent jedoch schien weder die Schönheit der Meerjungfrau, noch ihre Kälte wirklich zu beeindrucken. Er redete mit ihr als würde er an einem Schalter im Finanzamt eine komplizierte Frage stellen.

"Guten Tag.", sagte er kalt, vermutlich aufgrund seiner Vampirität immun gegen zauberhafte Feenwesen, "wir suchen ein Menschenmädchen. Ihr Name ist Tracy. Wir haben gehört sie ist hier. Könntet ihr uns helfen sie zu finden?"

Trent Ocean mochte immun gegen ihren Zauber sein. Trotzdem hieß das nicht, dass er wusste wie er mit der Meerjungfrau umgehen musste, ganz offensichtlich hatte er sie auf dem falschen Fuß erwischt. Dass er sich für ein Menschenmädchen interessierte und nicht für sie- das verletzte ihren Stolz.
Ich hätte damit gerechnet dass sie jetzt einen schnippischen Kommentar geben würde. Doch ich hatte weit gefehlt. Sie spuckte ins Wasser wie ein kleines trotziges Kind und biss Trent in die Hand mit kleinen spitzen Zähnen. Dann tauchte sie unter, sodass nur mehr ihre große grünliche Schwanzflosse zu sehen war- die schließlich auch verschwand.
Eine Nixe mit bronzefarbener Haut und wolkenartigen blonden Locken, die riesige schwarze Ohrringe trug, kicherte spöttisch. Es war ihr jedoch deutlich anzusehen, dass der Vampir ihr gefiel denn sie klimperte wie verrückt mit den Wimpern. "Du darfst Ayesha doch nicht einfach so ignorieren, du dummer kalter Junge. Sie ist sehr stolz. Du musst ihr doch wenigstens sagen wie schön sie ist und ihr einen Kuss geben."
Sie kicherte albern vor sich hin als hätte sie einen wahnsinnig guten Scherz gemacht. Jedoch fiel keine ihrer Freundinnen in das Gelächter ein, sie alle schienen neidisch zu sein, dass sie es war, die mit dem hübschen Jungen sprach. Den Meerjungfrauen schien es nichts auszumachen dass Trent ein Vampir war, im Gegenteil.
Die Meerjungfrau die mit Trent gesprochen hatte, streckte ihre Hand aus als erwarte sie einen Handkuss und piepste "Ich bin übrigens Beagan." Trent tat ganz galant so als würde er ihre Hand küssen wobei er sie kurz mit seinen Zähnen berührte. Die Meerjungfrau kreischte begeistert und warf mir ein siegessicheres Lächeln zu. Ich verdrehte die Augen.
Ich musste allerdings vorsichtig sein. Immerhin wollte ich nicht so gern nochmal ein rosa Elefant werden. Oder Schlimmeres. Also biss ich die Lippen zusammen und sagte nichts.
Gleichzeitig wurde ich immer nervöser und die Verzweiflung trieb mir Tränen in die Augen. Was hatten wir gekämpft um diesen See zu erreichen. Und nun schien alles vollkommen umsonst gewesen zu sein, wir scheiterten an der Boshaftigkeit dieser Wasserfeen. Sie wollten uns nicht zu Tracy bringen. Keine von ihnen wollte es, auch nicht für Trent. Weil sie alle neidisch und eifersüchtig aufeinander waren und nichts anderes wollten als die Gunst eines Jungen. Dafür würden sie sich vermutlich sogar untereinander die Augen auskratzen.
Ich wusste es besser, ich wusste es verdammt nochmal besser und mir war sehr klar wie aussichtslos mein Unterfangen war. Trotzdem stürzte ich mich einfach Hals über Kopf in den tiefblauen unergründlichen See.
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