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Love Again

von leo-b
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
26.10.2022
08.12.2022
7
18.700
5
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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24.11.2022 3.417
 
KAPITEL FÜNF




Ihre dritte Nachhilfesitzung geschah bereits am Sonntag, knappe zwei Tage nach ihrer letzten. Als es an Elias’ Haustür klingelte und in selber Sekunde eine Nachricht sein Handy erreichte, entfloh ihm ein leises Seufzen. Er warf seinen nassen Pinsel in einen seiner Becher und sein Blick huschte zu dem aufleuchtenden Display seines Handys, auf welchem er die Nachricht “ich bin da” lesen konnte. Inmitten seines Wohnzimmers stehend blickte Elias ein letztes Mal auf seine Staffelei, auf welcher an seinem Gemälde gearbeitet hatte, und griff nach seiner Palette, seinen benutzten Pinseln und seinem Wasserbecher. Auf dem Weg zur Haustür ging er einen kleinen Umweg ins Badezimmer, wo er all seine Malutensilien ins Waschbecken warf. Das violett-braune Wasser rannte das Becken hinunter und beschmutzte das sonst so blitzblanke Marmor und kurz überlegte Elias, ob er alles zuerst abwaschen sollte, bevor er Ryan hinein ließ. Doch das schien ein wenig gemein, schließlich war Ryan pünktlich zu ihrem Termin hier angekommen und wartete nun ahnungslos vor der Haustür. Murrend verließ Elias also das Badezimmer und steuerte auf die Haustür zu, die er kurz darauf öffnete, nur um Ryans nerviges Gesicht sehen zu müssen. Er lächelte breit und begrüßte Elias mit seinen leuchtend grünen Augen, ehe er die Wohnung betrat, seine Augen neugierig die Umgebung scannend.

Elias war nicht begeistert darüber, ihn in seiner Wohnung zu haben. Eigentlich hatte er sich mit ihm am Samstag wieder in der Uni-Bibliothek treffen wollen, doch Ryan hatte ihm schuldbewusst erklärt, dass er am Samstag arbeiten musste und am Nachmittag verabredet war, um mit Mitschülern für eine andere Klausur zu lernen. Also war Sonntag ihre einzige Möglichkeit gewesen — ein Tag, an welchem die Uni-Bibliothek geschlossen war. Widerwillig hatte Elias ihm also seine Adresse schicken müssen, denn die einzig andere Variante wäre gewesen, bei Ryan im Studentenwohnheim vorbeizukommen, worauf er wirklich gar keine Lust gehabt hatte. Das Studentenwohnheim war zu laut, zu voll, zu nervig. An einem solchen Ort, da war er sich zu hundert Prozent sicher, konnte er sich nicht konzentrieren.

Unzufrieden beobachtete Elias, wie Ryan, nachdem er auf Aufforderung Elias’ seine Schuhe ausgezogen hatte, den großen Wohnraum entlang lief, bis er schließlich am unaufgeräumten Esstisch zu Halt kam und dort seinen Rucksack auf einem der Stühle abstellte. Mit schnellen Schritten ging Elias auf ihn zu und schob all die bekritzelten Blätter zusammen, um sie dann im Haufen vom Tisch zu heben und stattdessen auf den Couchtisch fallen zu lassen, auf welchem sich noch mehr Skizzen und genauso sein Notizbuch befanden. Er sammelte die Bleistifte auf, die auf dem Esstisch hin und her rollten, und suchte mit seinen Augen vergeblich nach einer seiner Federmäppchen, nur um die Bleistifte dann auf seinen Fernsehtisch zu werfen. Ryan, in der Zwischenzeit, hatte es sich erlaubt, sich hinzusetzen, und rieb sich dabei nervös den Nacken. Ein Lächeln klebte noch immer auf seinen Lippen und nun fragte sich Elias, wie es weitergehen sollte. Sie hatten sich zur Nachhilfe verabredet, aber er war dennoch ein Gastgeber — und hatte keine Ahnung, wie er das richtig anstellen sollte. Die einzigen Menschen, die ihn hier besuchten, waren Alice und seine Eltern, und sie alle machten es sich hier immer wie Zuhause. Etwas, dass er von Ryan sicher nicht sehen wollte. Kurz musterte er Ryan, nur um sich dann zu fragen, ob er ihm etwas zu trinken anbieten sollte.
Schon in nächster Sekunde fragte er. “Willst du etwas trinken? Ich habe Wasser oder Eistee.” Ich biete ihm sicher keine meiner Sodas an.

Ryans Lächeln wurde breiter. “Eistee wäre super.” Elias nickte stumm, und verschwand rasch in der Küche, in welcher er ein Glas mit Eistee füllte. Er warf zwei Eiswürfel hinein, und stellte das Glas Ryan direkt vor die Nase, welcher sich leise bedankte.
“Gib mir eine Sekunde”, murmelte Elias, um dann endlich wieder ins Badezimmer zu verschwinden und seine Pinsel zu waschen, bevor die Farbe in die Haare trocknete und sie ruinierte. Genauso wusch er seine Palette und spülte seinen Becher ab, welche er im Waschbecken zum Trocknen liegen ließ. Die Pinsel jedoch trocknete er direkt nach dem Waschen und er brachte sie zurück ins Wohnzimmer, wo er sie in seine Box mit all seinen anderen Pinseln legte.

Ein Murren entfloh ihm, als er Ryan nicht auf seinem Stuhl entdeckte, sondern direkt vor der Staffelei, an der Elias bis zu seiner Ankunft noch gearbeitet hatte. Dass er sich erlaubt hatte, während Elias’ Abwesenheit durch die Wohnung zu bummeln und sich Dinge anzusehen, störte ihn schon unheimlich, doch ihn direkt vor seinem nassen Gemälde zu sehen brachte ihm nichts als Sorge.
“Nicht anfassen”, sagte er sofort recht laut, woraufhin Ryan einen Schritt zurück zuckte. Beschützend stellte sich Elias zwischen ihn und seiner Staffelei. “Es muss noch trocknen.”
“Tut mir leid, ich war nur neugierig und wollte es mir ansehen”, murmelte Ryan und kratzte sich am Hinterkopf. “Es ist echt … krass. Du hast voll Talent.” Talent? Was ist das überhaupt? Und dieses Gemälde war, in Elias’ Augen, nichts, dass diese Worte verdiente. Er verdiente es nicht, bei dieser Arbeit, welche ihn noch immer beinahe zum Haarausfall brachte, als talentiert bezeichnet zu werden. Er hatte die Leinwand am Freitag mit nach Hause genommen, in der Hoffnung, hier besser daran arbeiten zu können, und noch immer schien er es zu hassen. Noch immer war er nicht zufrieden mit der futuristischen Skyline, die er hier zu erschaffen versuchte. Es ist nicht gut genug.

“Es ist noch nicht fertig. Am Ende wird’s umso besser sein”, entgegnete Elias, sich die Zähne knirschend, hasserfüllt auf seine Leinwand starrend.
“Wow. Darf ich es sehen, wenn es fertig ist?”
“Nein.” Ryan zuckte regelrecht zusammen, als Elias ihm in Blitzesschnelle seinen Wunsch verneinte. Elias starrte ihn an, blickte in dessen Augen, und fühlte sich direkt wieder genervt. Warum nerven mich seine Augen so? Seine grünen Augen, die nichts besonderes an sich hatten, die nichts anderes waren als ein langweiliges Grasgrün, und ihn dennoch dazu zwangen, seinen Blick seufzend abzuwenden.
“Vielleicht. Mal sehen”, korrigierte er seine Antwort und schon begannen Ryans Augen zu leuchten.
“Es erinnert mich irgendwie an ein Spiel, weißt du? Es gibt ein cooles Spiel, da ist man in der Zukunft und da sieht es sehr ähnlich aus. Ich finde das voll cool, diesen Cyberpunk-Stil.” Ryans Augen wanderten das Gemälde entlang.
“Sind Videospiele alles, woran du denkst?” Schlagartig lief Ryan rot an und versuchte stammelnd, zu verneinen und sich zu verteidigen. Mit den Händen wedelte er vor seinem großen Oberkörper, während er erklärte, dass dieses Gemälde ihn nur zufällig daran erinnert hatte. Elias verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte.
“Kannst du mir Fotos zeigen? Von dem Spiel.” Er konnte nicht leugnen, dass er interessiert war. Vielleicht konnte er hier Inspiration finden, welche, die er allein niemals gefunden hätte. Inspiration, die ihn eventuell dabei helfen könnte, sein hässliches Gemälde endlich aus seinem imperfekten Abgrund zu befreien.

“Klar! Gern!” Ryan schien viel zu erfreut darüber, dass Elias Interesse an dem Spiel zeigte. Doch ehrlich gesagt interessierte er sich kein bisschen für das Spiel und nur für die Designs, die im Spiel angewendet worden waren. Wie hatten die Designer dieses Spiels diese Cyberpunk-Welt erschaffen, wie hatten sie sie aussehen lassen, welche Farben dominierten die Oberfläche? Welches Gefühl erweckte ihre futuristische Welt? Es war eine Art Recherche, an die Elias niemals selbst gedacht hätte.
Es war ihm nicht geheuer, dass es Ryan war, der ihm nun diese Bilder zeigte. Auf seinem Handy googelte er das Spiel und fand ein paar Bilder, die er Elias dann vor die Nase hielt. Sie standen direkt nebeneinander, Elias’ Schulter Ryans Arm berührend, doch Elias achtete nur auf die Fotos, die ihm nun präsentiert wurden. Nach nur wenigen Sekunden erlaubte er sich sogar, das Handy aus Ryan’s Hand zu stehlen, um es umso genauer zu betrachten. Was sich vor seinem Auge entfaltete waren Bilder, von denen er kaum glauben konnte, dass sie innerhalb eines Spiels entstanden waren. Eine lebhafte futuristische Welt entdeckte er, mit den verschiedensten Farben, interessanten Formen und Designs. Eine gut durchdachte Welt, ganz anders als das, was sich auf Elis Leinwand befand. Ein Seufzen entfloh ihm und er blickte ein weiteres Mal auf sein Gemälde, bevor er Ryan sein Handy zurückgab.
“Cool”, sagte er lediglich, sein Gesicht keine Emotion frei lassend, wobei er innerlich kurz davor war, seine Leinwand zerreißen zu wollen. Er bereute, überhaupt gefragt zu haben, diese Screenshots des Spiels sehen zu dürfen. Hatte es ihm Ideen gebracht, ihm geholfen? Vielleicht — doch das Gefühl, andere waren so viel besser als er, und das Wissen, dieses Gemälde war nichts als eine schlechte Kopie, waren umso stärker, sodass er gar nicht erst an die Inspiration denken konnte, die diese Bilder ihm eventuell gebracht hatten.

Um das Gespräch zu beenden und endlich zu der Sache zu kommen, für die Ryan eigentlich hier war, setzte sich Elias an seinen Esstisch, dicht gefolgt von Ryan, der sich sofort ihm gegenüber setzte und sich einen Schluck seines Eistees erlaubte. Er hatte sich bereits mit seinen Dingen auf dem Tisch ausgebreitet — sein aufgeklappter Laptop zu seiner rechten, ausgedruckte Blätter zu seiner linken, ein Kugelschreiber zwischen seinen Fingern. Elis Rucksack war in der Nähe des Esstisches, weshalb er aus diesem rasch seinen Notizblock fischte, welcher ihn in der Nachhilfe begleitet hatte und all seine Notizen und Formeln in sich geschrieben trug.
“Sollen wir anfangen?”, fragte Ryan mit seiner sanften Stimme und Elias nickte nur, schnappte sich einen Bleistift und spitzte seine Ohren, als Ryan begann, ihm das nächste Thema zu erklären.

Als Elias, nur wenig später, seine Hausaufgaben ausrechnete und aufschrieb, war der Raum still. Wie sonst glaubte Elias, dass Ryan lediglich auf seine Fragen wartete, darauf wartete, ihm Dinge ein weiteres Mal zu erklären oder es ihm auf dem Blatt zu demonstrieren. Doch er spürte Ryans Blick brennend auf sich, während er Zahlen in seinen Taschenrechner tippte oder seine Lösungen auf sein Blatt schrieb. Eigentlich war Ryan immer an seinem Handy und wartete geduldig darauf, dass Elias seine Aufgaben beendete und er sie überprüfen konnte, doch dieses Mal fühlte sich Elias schlichtweg beobachtet.
Tief atmete er ein und sah von seinem Blatt auf, seine Konzentration durch Ryans Starren schon längst dahin. “Was ist?” Er legte seinen Bleistift auf seinem Blatt ab und musterte Ryan, der ihn ganz überrascht ansah.
“Ich wollte dich nicht ablenken. Es ist nur, ähm, also, ich—“
“Spuck’s aus.”
“Bist du schwul?”, fragte Ryan.
Ein trockenes Lachen entfloh Eli und er wandte seinen Blick sofort ab, um aus dem Fenster zu sehen. “Ich wusste doch, dass du ein Weirdo bist.” Ohne Ryan überhaupt anzusehen war ihm bewusst, wie dieser gerade rot anlaufen musste.
“N-Nein, so meine ich das gar nicht! Ich war nur neugierig. Ein Mädchen hat mich letztens angesprochen und ein paar Dinge über dich gesagt, und ich war mir nicht sicher, ob irgendetwas davon überhaupt stimmt. Ich… Tut mir leid, das war dumm.” Eli sah wieder zu Ryan hinüber, der sich unsicher den Nacken rieb und seinen Blick schuldbewusst abwandte. Er sieht aus wie ein Welpe. Ein Labrador, vielleicht. Ryans Welpenaugen huschten zwischen seinem Laptop und den ausgebreiteten Blättern auf dem Tisch hin und her.
“Ein Mädchen?”, seufzte Eli und Ryan nickte.
“Sie hat ein paar unschöne Sachen über dich gesagt, so ganz ohne Grund. Ich habe ihr gesagt, dass sie das lassen soll. Ich fand’s unangebracht, und dann war’s noch hinter deinem Rücken. Anscheinend habt ihr einen Kurs zusammen? Ich kenne sie nicht, also keine Ahnung, wer das war. Sie hatte kurzes Haar. Ich dachte, vielleicht ist sie eifersüchtig. Und jetzt, weil ich dein Gemälde gesehen habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass das so ist.” Elias murrte — es war ihm ziemlich egal, was die Mädchen aus seinen Kursen über ihn sagten. Doch Ryan hatte wohl Recht, das musste er leider zugeben: sicherlich war sie eifersüchtig. Er konnte sich vorstellen, wer es gewesen war, vor allem, als Ryan ihm die Beschreibung der kurzen Haare nannte. Doch Elias hatte nicht vor, gegen ihr Lästern anzugehen — wenn sie ihre Zeit damit verschwenden wollte, anstatt ihre Kunst zu verbessern, dann war das ihr Problem, nicht seins. Und wahrscheinlich waren die meisten Dinge, die sie sagte, sowieso die Wahrheit. Sie war nicht die einzige, die sich über ihn und seinen Charakter aufregte.

“Ich wollte echt nicht unhöflich sein, ich—“
“Ja, ich bin schwul. Ist das ein Problem?” Nun wagte Ryan es wieder, Elias anzusehen, sein Kopf war noch immer von oben bis unten hochrot angelaufen.
“Natürlich nicht!”, sagte er ganz hastig.
“Und du?” Warum interessiert es mich?
Ich? Also…” Ryan schien seine Antwort tatsächlich zweimal zu überdenken, was Elias mit einem Stirnrunzeln kommentierte. “Bisher mochte ich nur Mädchen.” Er kratzte sich am Hinterkopf, was seine fluffigen Haare auf und abfedern ließ. Irgendwie fiel es Elias schwer, sich Ryan in Beziehungen vorzustellen. Er wirkte so hilflos und unschuldig, dass es kaum zu glauben war, dass er schon ein Mädchen geküsst hatte. Doch genauso wusste er, dass der Schein trügen konnte, und demzufolge sagte er nichts. Im Gegenzug konnte er sich schon vorstellen, dass Mädchen auf Ryan standen. Er war groß mit einem attraktiven Gesicht, und seine planlose Art war schon irgendwie süß. Sicher fühlten sich eine Menge Leute zu einem Typen wie ihm angezogen.
“Hast du einen Freund?” Warum fragst du mich sowas? Elias wandte seinen Blick ab, griff nach seinem Bleistift und begann, mit diesem zwischen seinen Fingern zu spielen.
“Nein. Ich… Nein.” Sein Kiefer verkrampfte sich.
“Oh. Ich bin auch single. Meine Ex hat mit mir Schluss gemacht, bevor wir die High School beendet haben. Sie wollte zu einer anderen Uni und keine Fernbeziehung. So gut haben wir sowieso nicht zusammengepasst, denke ich, also war das okay.” Es interessiert mich nicht. Hör auf zu reden. Warum redest du so viel Schwachsinn?
Elias räusperte sich, drückte seinen Rücken durch und starrte nun auf die Elementarmathematik, die vor ihm auf dem Tisch lag und ausgerechnet werden wollte. “Können wir weitermachen?” Er schürzte seine Lippen, bevor er sie zusammenpresste. Seinen Blick hielt er strikt von Ryan fern.
“Ja, klar. Sorry.”

Der Rest der Nachhilfesitzung verlief so, wie Elias es wollte: ohne nutzlose Konversation, und ohne ablenkende Blicke Ryans. Er schaffte es, sich zu konzentrieren und die Aufgaben erfolgreich zu beenden, um sie dann schließlich als viel zu spät eingereichte Hausaufgaben auf der Uni-Webseite hochzuladen. Zu spät war immerhin besser als nie, zumindest, wenn er Ryans Worten Glauben schenkte und die Hälfte der Punkte dafür erhielt.
“Gut gemacht, Elias. Du lernst echt schnell”, sagte Ryan lächelnd, als er seine Blätter zurück in seinen Rucksack stopfte. Sein Laptop stand noch immer aufgeklappt auf dem Tisch. “Was machst du jetzt noch so?”
Warum? “Ich arbeite an meinem Gemälde weiter.” Er sah Ryan nicht an, wartete nur darauf, dass er seinen Laptop einpackte und verschwand. Doch das geschah nicht so schnell, wie er es eigentlich wollte.
“Echt? Aber hast du nicht schon vorher daran gearbeitet?”
“Ich habe nichts anderes zu tun.” Elias’ Geduld hing an einem winzigen Faden. Er konnte bereits an Ryans Gesicht erkennen, dass er etwas wollte, dass ihm eine weitere Frage auf der Zunge lag. Die Tatsache, dass er damit zögerte, seinen Laptop abzuschalten und in seinen Rucksack zu verfrachten, machte das Ganze noch umso offensichtlicher.
“Aber du brauchst doch sicher eine Pause, oder? Und die Farbe muss sowieso noch trocknen. Warum ruhst du dich nicht aus?”, fragte Ryan und Elias hatte keine Lust, ihm zu offenbaren, dass er sich keine Pause erlauben konnte. Nicht, wenn sein Gemälde noch so viel Arbeit benötigte, wenn es noch so unansehnlich war. Er blieb stumm, sein Ellbogen am Tisch abgestützt, sein Kinn genervt in seine flache Hand fallend.

“Oh, ich habe eine Idee!” Ryan klang viel zu energisch. “Hast du vielleicht Lust, ein Videospiel mit mir zu spielen? Ich könnte es dir beibringen und das macht sicher Spaß. Es ist sogar gratis, also… Dich würde es echt gar nichts kosten, es auszuprobieren. Also, wenn du willst.” Elias’ Augen huschten hinüber zu Ryan, der ein schüchternes Lächeln trug, seine grasgrünen Augen aufleuchtend, als wären sie von der Sonne bestrahlt. Eli presste seine Lippen aufeinander. Ich sollte ablehnen. Er war sich zu hundert Prozent sicher, dass er Ryan aus seiner Wohnung schieben und seine Ruhe wollte und doch kam nichts derart aus seiner Kehle, als er in Ryans hoffnungsvolles, beinahe süßes Gesicht blickte. Tief durchatmend ließ Eli seine Arme fallen, seine Hände nun über seine Jeans streichend. Er blickte hinüber zu seinem noch immer nassen Gemälde und realisierte, dass er wirklich keine Lust hatte, sich weiter damit zu foltern.

“Von mir aus. Was ist das für ein Spiel?” Elias wusste sofort, dass er es bereuen würde. Doch irgendwie hatte er nicht anders gekonnt, als das freundschaftliche Angebot anzunehmen. Er zeigte Ryan seinen PC, der in seinem Schlafzimmer stand, und Ryan war sofort begeistert und fragte ihn, wie es denn möglich sein konnte, dass er einen solch tollen Computer hatte und ihn nicht zum Spielen benutzte.
“Mein Dad hat ihn mir gekauft”, murmelte Elias und wollte es eigentlich dabei belassen, doch sein Mund öffnete sich ein weiteres Mal. “Für all die Programme, die ich brauche, und zum Digitalen Zeichnen.” Nun wanderten Ryans Augen den großen Schreibtisch entlang, bis sie an Elis teurem Grafiktablet hingen blieben. Das große Display war abgeschaltet, der Stift ordnungsgemäß in seiner Halterung ruhend.
“Wow. Echt cool.” Nun klebte Ryans Blick wieder an Elias selbst, noch immer lächelnd und mit begeistertem Glitzern in dem Grün seiner Augen versteckt, welches sich immer wieder an die Öffentlichkeit zwang.

Elias’ Schreibtisch, an welchem er so gut wie immer zeichnete, malte oder an seinem Tablet an digitalen Zeichnungen arbeitete, war riesig, sodass Ryan seinen Laptop direkt neben Elis Desktop abstellte und Eli sich gezwungen fühlte, ihm einen der Stühle am Esstisch zu bringen. Anscheinend mussten sie nebeneinander an ihren jeweils eigenen PCs sitzen, um dieses blöde Spiel zu spielen. Elias’ Mund blieb allerdings verschlossen und er beobachtete, wie er begeistert Elias’ PC beim Anschalten beobachtete. Sein Laptop war schon längst bereit; Ryan hatte sich mit seinem Mousepad, seinen Kopfhörern und seinem Ladekabel auf der anderen Hälfte des Tisches ausgebreitet. Eli setzte sich vor seinen PC, Ryan direkt neben ihm und ihm regelrecht in den Nacken atmend, und hörte nur halbherzig zu, als Ryan ihm voller Energie und Vorfreude von dem Spiel erzählte.

Auf der Webseite des Spielentwicklers sollte Eli einen Account erstellen und schließlich luden sie es herunter. Es dauerte nicht lange und schon startete das Spiel. Es war ein Shooter, aber angeblich, laut Ryan, war es anders und viel spaßiger als die anderen. Es gab verschiedene Agenten, die jeweils ihre einzigartigen Fähigkeiten hatten, und jeder Agent war besonders gut in etwas.
Zu Beginn verstand Elias wirklich gar nicht, was da auf seinem Bildschirm geschah, und er wurde in gefühlt wenigen Sekunden von seinem Gegner vernichtet, bevor er überhaupt die Möglichkeit hatte, zu reagieren. Das macht überhaupt keinen Spaß, dachte er, doch als er zu Ryan sah, der grinste und sich offensichtlich amüsierte, da brachte er es nicht übers Herz, irgendetwas zu sagen. Fuck - das Wort schwebte in seinem Kopf umher, tauchte mehrmals in seinen Gedanken auf und nicht nur, wenn er im Spiel starb. Es hatte viele Gründe.

Nach einigen Runden und den Erklärungen von Ryan begann Eli langsam, das Spielgeschehen zu verstehen. Er schaffte es sogar, relativ gut zu spielen, und in einem Match wurde er aufgrund seiner Performance sogar als MVP gekrönt, was Ryan ganz begeistert komplimentierte und er meinte, dass das irgendwie schwierig war, da der Agent, den Eli ausgewählt hatte, ein unterstützender Agent und eine Art Heiler war und eigentlich nicht so viele Kills einsammelte, wie Eli es eben getan hatte. Es begann, Spaß zu machen — sie lachten und spielten einige Matches und Ryan gab ihm jedes Mal ein “Gut gemacht!” oder ein “Wow, du bist so gut!”, wenn er etwas anscheinend ganz gut gemacht hatte, und litt immer mit ihm mit, wenn er besiegt wurde.

Eli bemerkte, wie seine Augen zu Ryan hinüber huschten, wie das Wort süß in seinem Kopf erschien, als Ryan sich so für das Spiel begeisterte, sich heftig freute, jedes Mal, wenn sie eine Runde gewannen. Sein Herz klopfte schneller und sobald er es bemerkte, wandte er seinen Kopf rasch zur Seite und zwang sich dazu, kein weiteres Mal zu Ryan zu blicken. Er realisierte, dass er sich schon lange nicht mehr so mit einer anderen Person amüsiert hatte, und seine Hände begannen zu zittern an.
Fuck, dachte er. Ich muss so schnell wie möglich die Nachhilfe abschließen und Ryan loswerden.
Fuck, fuck, fuck.










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