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König Castles Chaos Ritter: Pyros Exil

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
25.10.2022
25.10.2022
4
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25.10.2022 6.365
 
Es war eine sonderbare Stimmung in der Burg. Obwohl Pyro nicht unbedingt beliebt war, hatte sich eine gedrückte Stimmung ausgebreitet. Der König rauchte immer noch vor Zorn und niemand wagte es ihn auf seinem Thron zu stören. Cyrill, Thunder und Venom brachten die Prinzessinnen hoch in ihre Zimmer.
„Es ist alles meine Schuld“, schluchzte Goldi.
„Du hast doch nicht wissen können, dass Vater plötzlich in der Tür steht“, versuchte Rubinia sie zu beschwichtigen.
Sie hatte einen Arm um sie gelegt und sorgte dafür, dass die aufgelöste Goldi auf den Stufen die Treppen hinauf nicht stolperte. Ihre Schwestern waren bleich im Gesicht und sagten gar nichts. Es schien Tage her zu sein, dass sie zusammen bei Rubinia im Zimmer auf dem Bärenfell gesessen und ausgelassen erzählt hatten. Die Ritter sagten keinen Ton. Mit den Gedanken waren sie bei Pyro. Obwohl so eine Strafe für Pyro im Prinzip immer in der Luft gehangen hatte, waren sie jetzt irgendwie trotzdem überrascht und konnten es gar nicht fassen. Erst als sie die Prinzessinnen in Goldis Zimmer gebracht hatten und im Flur am Fenster zur Terrasse Wache hielten, fingen sie an leise zu reden.
„Musste ja so kommen“, sagte Venom, vielleicht, damit sich die Situation etwas realer anfühlte.
„Pyro hat aber wirklich viel Mist gebaut. Auch wenn sich das schrecklich anhört, ich kann den König verstehen“, sagte Thunder leise.
„Ich auch“, stimmte der grüne Ritter zu.
Cyrill steckte ein Kloß im Hals. Er nickte und krächzte dann: „Ich auch.“
„Er hatte nicht mal Zeit seine Sachen zu packen“, sagte Venom nachdenklich.
„Was denn für Sachen?“ fragte Thunder jetzt mit lauterer Stimme, weil er verblüfft war.
„Auch wieder wahr“, gab der grüne Ritter zu. „Ob er wohl Egon oder den Arschknaller mitgenommen hat?“
Cyrill zuckte nur mit den Schultern. Er war immer noch zu fertig um zu sprechen. Seitdem er ein Ritter war, war er immer mit Pyro zusammen gewesen. Wie würde es nur ohne ihn sein? Sicher, mit Venom und Thunder konnte er auch Spaß haben, aber es würde nicht das gleiche sein.

Der nächste Tag gab einen Vorgeschmack auf diese Pyrolose Welt. Es war ruhig und friedlich. Venom versuchte seine Freunde mit seinen Geschichten aufzuheitern, aber irgendwie zündeten seine Witze nicht. Beim Training der Ritter ging es geordnet und effizient zu, aber auch irgendwie langweilig. Den Nachmittag über standen die drei Eliteritter ihren Wachdienst im Flur der Prinzessinnen ab. Goldi weinte immer noch und egal was ihre Schwestern auch zu ihr sagten, oder taten, sie konnten sie einfach nicht trösten. Auch die Ritter fühlten sich niedergeschlagen und besonders Cyrill fühlte sich ganz elend zu mute. Den ganzen Tag fragte er sich, wo Pyro wohl steckte, was er vorhatte und wohin er gehen würde. Vermutlich würde er sich keinen Plan machen, sondern einfach in irgendeine Richtung gehen und sehen was auf ihn zukam. Vielleicht wäre er schon in einem Monat in einem anderen Teil der Welt. Vielleicht würde er eine Anstellung in einem weit entfernten Königreich bekommen. Wer weiß wie lange dieser König ihn dort behielt. Und was, wenn er nicht so gutherzig war wie König Castle? Was wenn er ihn in den Kerker werfen und dort verrotten ließ? Oder wenn er ihn sogar hinrichten ließ? Möglich wäre auch, dass Pyro den Weg eines fahrenden Ritters einschlug, so wie es Cyrills alter Mentor Sir Weiwel getan hatte. Dem blauen Ritter fiel es aber schwer sich vorzustellen, dass sein Freund damit langfristig Erfolg haben würde. Dafür fehlte Pyro das gewisse Etwas, das einen tugendhaften Ritter ausmachte, dem die Leute vertrauten. Es wurde Cyrill ganz flau im Magen, als er sich vorstellte, Pyro könnte zum Raubritter werden und unschuldige Menschen überfallen. Vermutlich würde ihn dann eines Tages das Schicksal ereilen an irgendeinem Galgenstrick zu baumeln.
„Wir sollten Pyro nachgehen“, sagte Cyrill plötzlich in die Stille hinein und die Worte waren aus seinem Mund heraus, bevor er sich ihrer überhaupt richtig bewusstwurde.
„Hm?“ machte Venom und sah ihn verwundert an.
„Ohne uns ist er doch aufgeschmissen“, sagte der blaue Ritter jetzt.
„Wie wahr…“ stimmte der grüne Ritter zu.
„Meh, der macht das schon. Wenn sich einer irgendwie durchs Leben schummeln kann, dann ist es Pyro“, hielt Thunder dagegen.
Er ahnte wohl worauf Cyrill hinaus wollte.
„Aber wie lange denkt ihr hält er durch? Früher oder später geschieht wieder eine Katastrophe und dann ist er dran“, sagte der Eisritter unruhig.
„Pyro IST die Katastrophe, das ist ja das Problem“, sagte Thunder scharf.
„Aber er braucht uns“, drängte Cyrill.
„Hm…“ machte Venom brummig, dann stöhnte er. „Ach was solls. Gehen wir ihm nach.“
Cyrill freute sich, doch Thunder klappte der Mund auf.
„Wie bitte? Damit lassen wir aber König Castle im Stich. Wer soll denn sonst unsere Aufgaben übernehmen?“
„Na aus diesem Grund haben wir doch ein Betateam ausgebildet, oder?“ sagte Cyrill, der sich nun, da er einen Hoffnungsschimmer am Horizont sah, besser fühlte.
Thunder seufzte schwer, sah zu Boden, blickte dann den Flur hinunter und seufzte noch mal.
„Also schön. Sprechen wir Grey.“

Sobald sie im Ritterschlafsaal waren und das Thema ansprachen, bildete sich eine große Traube um die drei verbliebenen Eliteritter.
„Auf keinen Fall! Ihr könnt doch nicht einfach abhauen!“, empörte sich der Anführer der Burgwache.
„Wir werden bestimmt nicht lange weg sein“, meinte Cyrill.
Er war nicht gut darin andere Leute zu überzeugen und so war er froh, dass Venom ihm unter die Arme griff.
„Es kommt doch auf die Kameradschaft an. Wir können ihn doch nicht einfach im Regen stehen lassen.“
„Loyalität ist aber auch eine wichtige Tugend unseres Berufs und mit eurem Plan verratet ihr König Castle“, insistierte Grey.
Cyrill und Venom sahen sich beklommen an. Sie wollten König Castle nicht verraten. Er war immer gut zu ihnen und hatte das wirklich nicht verdient. Doch Pyro war ihr Freund und sie wollten ihm beistehen. Es war eine schwere Entscheidung. Entweder sie hielten zu König Castle oder zu Pyro. Sie rangen eine Weile, doch dann gewann die Freundschaft.
„Wir trauen euch voll zu unsere Aufgaben für die Zeit unserer Abwesenheit zu übernehmen“, erklärte Cyrill.
„Ihr habt dann auch was gut bei uns“, setzte Venom hinzu.
Grey sah immer noch nicht überzeugt aus.
„Komm schon Grey. Du würdest das gleiche doch auch für uns tun, oder?“ fragte Jochen.
„Ja, Pyro braucht jede Hilfe, die er kriegen kann“, setzte Gabriel hinzu und Paul sagte: „Vielleicht können sie Pyro helfen eine andere Anstellung zu finden, dann können sie auch beruhigt hierher zurückkehren.“
Weder Venom, noch Cyrill, noch Thunder sagten dazu etwas. Thunder sagte überhaupt nicht viel. Er wollte sich weder für die eine, noch die andere Seite einsetzen und wartete einfach was am Ende herauskommen würde. Auch er mochte Pyro, doch die Vorstellung einfach so ohne Befehl die Burg zu verlassen und wohlmöglich ziellos und kreuz und quer auf unbestimmte Zeit durch die Welt zu laufen um ihn zu finden, behagte ihm gar nicht.
„Na schön“, seufzte Grey. „Wir greifen euch helfend unter die Arme, aber beeilt euch! Wir können euch nicht ewig vertreten.“
Cyrill, Venom und ein paar der Wachen, die einigermaßen mit Pyro auskamen, stimmten ein Freudengeheul an. Thunder brachte immerhin ein Lächeln auf.
„Weiß einer wo er hingegangen sein könnte?“ fragte Cyrill.
„Ich stand am Tor“, verkündete Paul. „Er ist in Richtung Nordwesten gegangen. Vermutlich will er zur Grenze.“

Die Abendsonne beschien ihren Weg zum Stall. Wie sie feststellten, hatte Pyro weder Egon, noch seinen Arschknaller mitgenommen. Sie wunderten sich darüber, doch hatten sie keine Zeit, sich jetzt darüber die Köpfe zu zerbrechen. Sie sattelten gerade ihre Pferde und Thunder sein Pony, als der Stallmeister sie fragte wo sie hin reiten wollten. Sie erklärten möglichst unverbindlich, dass sie noch etwas zu erledigen hatten. Sie ließen die Burg hinter sich zurück und zumindest Thunder fragte sich, wann sie sie wiedersehen würden und wie der König dann auf sie zu sprechen wäre. Sie ritten eine Weile und gelegentlich fragten sie Passanten nach dem Weg.
„He du, hast du Pyro gesehen?“ fragte Cyrill einen Bauer, der sich an einer Baumwurzel am Rand seines Feldes zu schaffen machte.
Eine Beschreibung seiner Person erübrigte sich. Ausnahmslos jeder im Umkreis der Burg kannte Pyro.
„Ja, er ist am Trollwald vorbei nach Nordwesten gegangen. Ich hab gehört, dass der König ihn verbannt hat. Gott sei Dank sind wir diese Höllenplage endlich los“, sagte der Bauer jetzt sehr offen.
„He, pass auf was du sagst, immerhin ist er unser Freund!“ schnauzte Venom.
Der Bauer zog die Schultern hoch und machte ein eingeschüchtertes Gesicht, dann zuckte er mit den Schultern. Die Ritter ließen ihn in der einsetzenden Dämmerung einfach stehen.
„Vielleicht hätten wir bis nach dem Abendbrot mit dem Aufbruch warten sollen“, überlegte Venom laut.
Cyrill grummelte.
„Pyro ist doch wichtiger als eine Mahlzeit.“
Der Giftritter antwortete nicht direkt, sondern sagte: „Zum Glück hab ich einen großen Sack mit Proviant dabei.“
„Wo hast du denn den her?“ fragte Thunder neugierig.
„Aus der Küche, als ich erzählte wir würden losziehen, um Pyro zurückzuholen kamen gleich ein paar Küchenmädchen herbei und haben einen Sack voll mit Wegzehrung eingepackt. Offenbar gaben Pyros Streiche immer einen guten Gesprächsstoff ab und jetzt befürchten sie, dass es langweilig werden könnte.“
Cyrill verdrehte die Augen.
„War ja klar, dass du das überall herumerzählst. Selbst wenn Grey und die anderen Wachen dichthalten, wird es sich durch die Küche bestimmt schnell herumsprechen.“
„Ist doch egal“, meinte Thunder. „Spätestens morgen Früh wird der König schon merken, dass wir weg sind. Uii… wird der sauer sein.“
Cyrills Magen krampfte sich zusammen. Er wollte nicht illoyal sein. Warum musste Pyro ihn nur in diese Situation bringen? Dann rief er sich in Erinnerung, dass es seine Entscheidung gewesen war ihm zu folgen. Was er aber nicht hätte tun müssen, wenn sich sein Freund am Riemen gerissen hätte. Während Cyrill noch eine Weile im Widerstreit mit sich selbst war, schaute der grüne Ritter in den Vorratssack und verkündete: „Also wir haben hier Äpfel, Brot, Kuchen, Würstchen und … hm… lecker Trockenfleisch, das mag ich immer besonders gern.“
„Ist da auch Bier drin?“ fragte Thunder belustigt.
„Ja, dein Fanklub in der Küche hat sogar an deinen Apfelcidre gedacht“, sagte Venom und holte eine Flasche hervor, doch der rote Ritter wehrte ab.
„Danke, aber vielleicht später. Ich will nicht, dass wir zur Grenze kommen und die Wache merkt gleich meine Fahne.“
„Stimmt unsere Fahnen hätten wir auch mitnehmen können, ich hab überhaupt unsere Stammbäume vergessen“, musste Venom zugeben.
„Egal“, grollte Cyrill, der fand, dass es nun wirklich wichtigeres gab als das. „Haben wir sonst doch auch nicht gebraucht.“

Es war schon mitten in der Nacht, als sie zur Grenze kamen, wo eine kleine Burg stand. Anders als weiter im Süden wo früher der Krieg gegen König Stephan getobt hatte, brauchte man hier keine großen Verteidigungsanlagen. Auf der anderen Seite lag das Königreich von König Damian. Da sie gute Verbindungen pflegten, konnten sie sich einigermaßen sicher fühlen. Die Wachen waren sehr überrascht sie zu sehen.
„Ihr wollt wohl Pyro nach?“ fragte der Befehlshaber, ein Mann in ihrem Alter namens Veit.
Er schaute vom Wehr der kleinen Burg zu ihnen herunter. Sie war in eine dicke dunkle Mauer eingelassen. Das Tor befand sich direkt unter dem Wehr. Die drei Eliteritter sahen zum Befehlshaber und seinen Mannen hinauf.
„Du hast uns durchschaut“, sagte Cyrill, der Veit nur flüchtig kannte.
„Er kam heute Nachmittag hier vorbei, meinte, er ist rausgeflogen, stimmt das?“ rief Veit herunter.
„Ja“, rief Venom mit großer kräftiger Stimme hinauf. „Hat aus Versehen die Stadt abgebrannt.“
„Ach bei Pyro ist es doch immer ein Unfall“, sagte Veit lächelnd und stützte sich mit den Unterarmen aufs Wehr.
„Und es kam raus, dass er die goldene Gans gegessen hat“, informierte der Giftritter ihn.
„Hat er? Echt?“ fragte Veit verblüfft und seine Männer sahen sich an und tuschelten.
„Venom, würdest du wohl aufhören zu tratschen?!“ sagte Cyrill kalt.
Der grüne Ritter sah ihn beleidigt an.
„Ich tratsche nicht, ich tausche Nachrichten aus. Die armen Leute hier, die kriegen doch nichts mit was in der Burg so vor sich geht.“
Cyrill verdrehte genervt die Augen, was Venom natürlich nicht sehen konnte.
„Ist ja kein Wunder, dass König Castle ihn rausgeschmissen hat. Irgendwann musste es ja so kommen. Wir hatten schon Wetten laufen wie lange er durchhalten würde“, verkündete Veit. „Hätte nicht gedacht, dass er es so lange schafft.“
Einen drückenden Moment herrschte Stille.
„Wo ist er hin gegangen?“ fragte Cyrill hinauf.
„Da durchs Moor“, gab Veit bereitwillig Auskunft. „Normalerweise nehmen die Leute die Straße. Die führt in einem weiten Bogen drumherum und man kommt sicher in die nächste große Stadt von König Damian, aber das war Pyro wohl zu langweilig. Ich sagte ihm noch, er soll die Straße nehmen. Das Moor ist gefährlich. Gerade jetzt im Dunkeln ist es schwer sich durchzuschlagen, aber er wollte nicht hören.“
„Wir werden ihn schon finden“, verkündete Cyrill.
„Werden wir?“ fragte Thunder leise, doch keiner antwortete ihm.
„Die Tiere sollten wir hier lassen“, meinte Venom. „Sie könnten im Moor versinken.“
Er klopfte Buddy beruhigend auf die Seite. Seine Freunde stimmten zu und Venom grölte hinauf: „Kann einer von euch unsere Pferde zurück zu König Castles Burg bringen? Wir wollen sie nicht durchs Moor führen.“
„Vernünftig, klar machen wir das“, scholl der Ruf zurück. „Wollt ihr hier noch übernachten?“
„Nein, wir gehen gleich weiter …“ antwortete Cyrill.
„Ach tun wir das?“ fragte Thunder leise dazwischen, weil Cyrill das jetzt einfach so für sie alle entschieden hatte.
„… sonst holen wir ihn vielleicht nicht mehr ein.“
Die drei Eliteritter stiegen ab, streichelten ihre Pferde noch einmal und banden sie dann an einem Baum vor der Berg fest. Sie nahmen nur das nötigste mit, wobei Venom die Pflicht übernahm den schweren Sack mit Wegzehrung mitzuführen.
„Und erinnert Pyro daran, dass er mir noch Geld schuldet!“ rief Veit hinunter „Er hatte vorhin nur drei Kupferstücke dabei und das reicht bei weitem nicht. Wenn er noch mal durch dieses Grenztor gehen will, sollte er lieber das Geld dabeihaben.“


Der nächtliche Weg durch das Moor war eine einzige Plackerei. Hier lag nur wenig Schnee und das Wasser war nicht mal gefroren. Es war neblig und kalt und seltsame Geräusche drangen an ihre Ohren. Venom meinte, dass es sich um Frösche handelte, doch Cyrill hatte noch keinen Frosch so tief quaken gehört. Der üble Geruch, der aus dem Sumpf strömenden Faulgase drang in ihre Nasen ein und ließ sie nicht mehr los. Jedes Mal wenn sie einen Fuß aus dem Schlick zogen gab es ein tiefes schmatzendes Geräusch. Es kam ihnen so vor, als hätte sich die Zeit verlangsamt, denn sie kamen kaum voran. Die Entscheidung die Pferde nicht mitzunehmen war goldrichtig, denn die wären wohl einfach stecken geblieben. Auch die Ritter hatten hin und wieder Schwierigkeiten, denn jetzt mussten sie durch verschlammtes Wasser waten.
„Ich glaube, wir haben uns verirrt“, sagte Venom missmutig.
Thunder nickte.
„Quatsch“, rief Cyrill. „Wir haben uns nicht verirrt. Wir folgen Pyro.“
„Und was ist, wenn sich Pyro verirrt hat?“ fragte der grüne Ritter.
„Dann heißt das noch lange nicht, dass wir uns auch verirrt haben“, meinte der Eisritter eisern.
„Wer ist der größere Trottel, der Trottel, der sich verirrt hat, oder die Trottel, die ihm auch noch folgen?“ fragte der rote Ritter zynisch.
Darauf wusste der blaue Ritter nichts zu entgegnen. Thunder konnte sich gerade noch befreien, als sein Fuß begann einzusinken, doch Venom, der kurz angehalten hatte, um zu prüfen, ob der Proviantsack noch trocken war, sank schon nach kurzer Zeit bis zum Bauch im Morast ein.
„Verdammt“, knurrte er.
Er versuchte einen Fuß vor den anderen zu setzen, aber sie bewegten sich nicht mehr vorwärts.
„Venom steckt fest“, teilte Thunder Cyrill beiläufig mit.
Niemand konnte dem roten Ritter vorwerfen, er würde panisch reagieren. Es klang eher etwas vorwurfsvoll. Cyrill drehte sich zum grünen Ritter um und musste aufpassen nicht selbst im Moor zu versinken.
„Brauchst du Hilfe?“
„Ach was“, grummelte der Giftritter in seinen Bart.
Seine grüne magische Aura leuchtete um ihn herum auf und er schoss mit einem schmatzenden Geräusch aus dem Moor heraus und kam auf einem von Grasbüscheln halbwegs trocken gehaltenen Stück Erde wieder auf.
„Und jetzt? Sollen wir den Rest des Weges durch das Moor magisch hüpfend überwinden?“ fragte Thunder spöttisch.
„He, seht mal, was ist denn das für ein Licht?“ fragte Venom und zeigte nach rechts, wo ein kleines blaues Licht rasch näherkam.
Es schwebte in der Luft und vollführte kleine Kreise, wohl um auf sich aufmerksam zu machen.
„Das ist ein Irrlicht“, gab Thunder verstimmt Auskunft und dachte, damit wäre alles gesagt.
Offenbar überschätzte er damit die Vorbildung seiner Kollegen, denn Venom sagte gleich darauf: „Vielleicht kann es uns den Weg aus dem Moor zeigen.“
Thunder seufzte und sah erschöpft nach oben, wo dichter Nebel den Blick auf die Sterne verdeckte.
„Ich dachte Irrlichter suchen nach Waffen und wenn man sie ausbildet, können sie noch viele andere Dinge finden, Heilkräuter, Schätze und wichtige Dokumente und Schlüssel“, erinnerte sich Cyrill daran, das mal gehört zu haben.
„So eine Art kleiner leuchtender Schlüsselfinder?“, fragte der Giftritter begeistert, während er weiterhin auf das kleine blaue Licht sah, dass jetzt kaum noch fünfzehn Meter von ihnen entfernt in der Luft schwebte.
„Das ist ein magisches Wesen, das uns nur noch weiter ins Verderben führen will, ihr Knalltüten“, platzte Thunder nun doch der Kragen.
Es gehörte ganz sicher nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen während einer eisig kalten Dezembernacht bis zu den Unterschenkeln im schlammigen Wasser zu stehen und sich durch ein fürchterliches Moor zu kämpfen.
„Ich will nur einmal mit Profis arbeiten“, sagte er genervt.
Venom und Cyrill sahen sich entrüstet an.
„He“, grollte Venom.
Das Irrlicht flackerte immer noch eindringlich und noch wilder, offenbar, weil es erzürnt war, dass sie es einfach nicht mehr beachteten.
„Na schön, dann lassen wir das Irrlicht eben links liegen und stapfen weiter irgendwie durchs Moor“, meinte Venom genervt.
„Vielleicht ist Pyro ja schon irgendwo hier versunken“, grollte Thunder.
Cyrill hatte einen Einfall.
„Ich könnte den Weg vor uns vereisen, dann können wir weitergehen ohne einzusinken.“
Thunder schnappte verärgert nach Luft und gab dann ein Gurgeln von sich. Als er seine Stimme wiederfand, fragte er erbost: „Und warum hast du das dann nicht schon längst gemacht?“
„Ich dachte es geht auch so. War doch ganz nett einfach mal so querfeldein. Ist doch wie ein kleines Abenteuer.“
„Ganz nett?“ schnappte Thunder und starrte den blauen Ritter ungläubig an. „Sieh bloß zu, dass du deine Magie einsetzt, oder ich dreh gleich wieder um und gehe zur Burg zurück. Und du schwirr ab!“ raunzte er das Irrlicht an und warf einen Kugelblitz.
Es wich gekonnt aus, gab ein verärgertes Knistern von sich und entfernte sich dann beleidigt sirrend.
Cyrill hatte gerade erst damit begonnen den Morast vor sich zu vereisen, da zeigte Venom auf etwas Schwarzes, das die anderen in der Dunkelheit übersehen hatten.
„Seht mal! Sieht verbrannt aus. Bestimmt ist Pyro da eingesunken und hat sich wie ich mit seiner Magie hinauskatapultiert.“
Thunder stapfte näher heran, um sich das genauer ansehen zu können.
„Japp, das war Pyro, offenbar hat er mit seinem Feuer die Faulgase, die hier aufsteigen zur Explosion gebracht. Muss wohl einen gewaltigen Rums gegeben haben.“
„Dann müssten wir ihn doch irgendwo sehen, wenn er hier herumexplodiert“, sagte Venom und stierte angestrengt in die Gegend.
„Nicht, wenn er schon seit Stunden von hier weg ist. Vermutlich liegt er jetzt gerade an einem schönen warmen Lagerfeuer und schläft“, sagte der rote Ritter verdrießlich.
„So, testen wir es mal“, sagte Cyrill, der sich vom Gerede seiner Kameraden nicht runterziehen lassen wollte und ging voran auf die Eisfläche.
Sie hielt ihn problemlos und er ging rasch weiter um noch mehr zu vereisen. Thunder trat auf die Eisfläche und rutschte prompt aus. Er schlug der Länge nach hin, das Eis knackte und er landete im Matsch.
„Lass doch den Quatsch“, meinte Venom, fischte ihn heraus und gerade als er seinen Freund aufgestellt hatte, rutschte er selbst aus und fiel der Länge nach in den Morast.
„Hört auf herumzualbern!“ rief Cyrill zu ihnen nach hinten.
Venom und Thunder schauten sich ungläubig und schlammbespritzt an und stöhnten.
„Das machen wir doch nicht absichtlich“, stellte der grüne Ritter richtig.
„Es ist doch ganz einfach“, meinte der Eisritter. „Ihr stellt eure Füße einfach ganz vorsichtig auf. Die Zehenspitzen zuerst und dann der Rest des Fußes, ganz normal.“
„Normal … normal“, grollte Thunder in seinen Bart. „Was für eine ätzende Nacht.“
Nach einiger Übung schafften es aber auch Venom und Thunder sich etwas geschickter anzustellen, doch hin und wieder geschah es noch, das einer ausglitt, doch dann fing ihn der andere gleich wieder ab, so dass sie nicht mehr stürzten. Cyrill hatte damit natürlich überhaupt keine Probleme, doch es wurde für ihn sehr anstrengend so viel zu vereisen. Hin und wieder sahen sie noch Fährten von Pyro, an denen sie sich orientierten. Er hatte wohl versucht von einer Grasbüschelinsel zur nächsten zu springen, um möglichst trocken durchs Moor zu kommen. Erst in der Dämmerung sahen sie den Rand des Moores. Cyrill vereiste jetzt auch nur noch Stellen, von denen er mit seinem mittlerweile geschulten Auge annahm, dass sie dort einsinken würden.
„Endlich auf der anderen Seite. Ich dachte schon, dieses Moor hört gar nicht mehr auf“, stöhnte der rote Ritter.
Alle drei waren froh, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Der blaue Ritter war vom vielen Einsatz seiner Magie völlig erschöpft und so machten sie ein kleines Päuschen und verdrückten ein paar von den Kuchen aus dem Proviantsack, dazu genossen sie ein kühles Bier.
„Ah, das tut gut“, sagte Venom und wischte sich über den Mund. „Aber wie finden wir jetzt Pyro?“
Er sah zum Waldrand hinüber. Er sah sehr dicht aus und es wäre ein echtes Kunststück eine einzelne Person darin zu finden. Gerade in dem Moment als sie aufstanden, hörten sie ein lautes durchdringendes Niesen durch die ruhige Morgenluft hallen.
„Das ist Pyro“, erkannte Cyrill und grinste. „Er befindet sich etwa einen Kilometer in dieser Richtung.“
Er zeigte seinen Freunden den Weg und sie setzten ihre Reise fort. Als sie sich schon einige Zeit durch die Büsche geschlagen hatten und die Sonne langsam aufging, erreichten sie eine Anhöhe.
„Seht mal, dort ist ein Feuer. Das war bestimmt Pyro“, sagte Venom, zeigte auf ein kleines Inferno von etwa dreißig Meter Höhe und siebzig Meter Breite und grinste. „Endlich haben wir ihn gefunden.“
„Und schon wieder hat er einen Wald angezündet“, kam es verdrossen von Thunder.
„Vielleicht wollte er sich sein Frühstück grillen“, vermutete der grüne Ritter.
Doch es war wohl anders. Durch das riesige Signalfeuer fanden sie ihn bald und wie sich herausstellte, waren wohl auch einige Banditen auf Pyros Niesen aufmerksam geworden. Sie liefen an einigen verkohlten Leichen vorbei und begrüßten den orangenen Ritter freundschaftlich.
„He, da bist du ja, wir haben dich schon überall gesucht“, sagte Venom und nahm den verdutzten Feuerritter in eine grobe Umarmung.
„Wo kommt ihr denn her?“ fragte Pyro verwundert.
„Na von wo wohl, aus der Burg“, lachte Venom.
„Und durch ein endloses stinkendes Moor“, sagte Thunder erschöpft.
Als Venom Pyro losließ und jetzt Cyrill seinem Freund auf die Schulter patschte, fragte der Ausgestoßene: „Aber ich meine, was macht ihr hier? Ich wurde doch verbannt. Ich glaube nicht, dass König Castle sich umstimmen lässt, wenn ihr mich zurückholt.“
„Ja, wie sieht der Plan eigentlich aus?“ fragte jetzt Venom, der wohl noch gar nicht weiter darüber nachgedacht hatte.
Thunder schlug sich an den Helm.
„Ach? Jetzt macht ihr euch darüber Gedanken? Hättet ihr das nicht in der Burg planen können?“
„Ich dachte mir, wir könnten vielleicht eine andere Anstellung bei einem anderen König für dich finden, oder wir machen etwas für König Castle, damit er sich freut“, meinte der blaue Ritter.
„Könnte schwierig werden, nachdem wir jetzt einfach so abgehauen sind“, erinnerte Thunder ihn zynisch daran.
„Dann sollten wir schon eine große Wagenladung mit Gold herbeischaffen“, schlug Venom vor.
„Gute Idee“, war auch Cyrill dafür.
„So lange wir die auf der Straße transportieren und nicht durch dieses vermaledeite Moor, soll es mir recht sein. Hauptsache es dauert nicht zu lange“, gab der rote Ritter seinen Senf dazu.
Er überlegte angestrengt und sagte dann.
„Ich hab mal von Candy Andy eine Geschichte gehört, dass westlich von hier ein Meer liegt, in dem ein goldener Wal schwimmt. Der soll Gold scheißen. Das könnte uns helfen.“
Pyro sah zu seinen Kameraden und freute sich, weil sie überlegten, wie sie ihm helfen konnten.
„Schön, dass ihr da seid. Ihr seid meine allerbestenbesten Freunde.“
„Na klar, was dachtest du denn“, sagte Venom und klopfte ihm mächtig auf die Schulter.
Pyro stöhnte.
„Vorsicht, hab vorhin beim Kampf ein bisschen was abgekriegt.“
Venom zog seine Hand rasch zurück.
„Wir hätten Heiltränke mitnehmen sollen.“
„Fällt dir ja spät ein“, sagte Thunder grantig.
„Du bist heute ein ganz schöner Sauertopf“, giftete Venom zurück.
„Entschuldige mal, aber ich hab eine Scheißnacht hinter mir“, gab Thunder zurück.
„Nicht nur du“, sagte jetzt Thunder.
Pyro rieb sich die schmerzende Schulter.
„Die Banditen waren auch auf der Suche nach Gold. Sie wollten mir nicht glauben, dass ich nur drei Kupferstücke dabei habe, also ging es heiß her.“
„Ja, das sehe ich“, sagte Cyrill und begann das Feuer mit seinem Eis zu löschen.
Nachdem er schon eine anstrengende Nacht hinter sich hatte, forderte das wirklich alles von ihm ab.
„Wo du gerade von Geld sprichst ...“, fing Venom an und zog nebenbei einige Würstchen aus dem Proviantsack, um sie auf einem Stock aufzuspießen und am Feuer zu rösten. „Veit lässt ausrichten, dass du ihm noch Gold schuldest. Wenn du durch sein Tor zurückwillst, sollst du ihn bezahlen.“
„Ach so, na dann …“ antwortete Pyro und seine Stimmlage ließ vermuten, dass er nicht vorhatte so schnell wieder durch dieses Tor zu gehen. „Ich hatte mir überlegt einige Zeit auch einfach so durchs Land zu ziehen und Abenteuer zu erleben. Es ist schade, dass König Castle mich rausgeworfen hat, aber ich versuche es positiv zu sehen. Jetzt habe ich die Gelegenheit die Welt zu sehen. Ich bin mein eigener Herr und muss mir von niemandem was sagen lassen.“
Thunder stöhnte.
„Das hört sich nicht so an, als wenn du dich gleich in den Dienst eines anderen Königs stellen willst.“
„Nö.“
„Sind wir wohl umsonst gegangen.“
„Ach wieso? Kommt doch mit mir und wir ziehen gemeinsam durch die Welt. Vier Ritter auf Abenteuerfahrt. Hinter jedem Berg ein Kampf, in jedem Wald ein Geheimnis, Versunkene Tempel, die auf uns warten, Monster die in Sümpfen auf uns Lauern, Prinzessinnen in Nöten, die gerettet werden müssen“, mahlte Pyro ihre kommende Reise in schillernden Farben aus.
„Ich dachte, wir suchen dir nur schnell eine neue Anstellung und gehen dann wieder nach Hause“, erklärte Thunder grummelnd. „Wir sind immerhin bisher nicht von König Castle hinausgeworfen wurden und wir sollten eigentlich in der Burg sein und die Prinzessinnen beschützen.“
„Ein kleines Abenteuer wird sicher keinen stören“, mutmaßte Venom und reichte jedem ein gebratenes Würstchen.
„Wieso bist du eigentlich ins Moor gegangen?“ wollte der genervte Thunder wissen und biss dann ein großes Stück von seinem Würstchen ab.
„Es sah spannend aus“, antwortete der orangene Ritter schlicht. „Und später hab ich ein kleines lustiges Licht gesehen, das hat blau geleuchtet.“
„Und du bist ihm gefolgt, richtig?“ fragte der Elektroritter gedehnt.
Pyro ließ sich sehr viel Zeit beim Essen, kaute gründlich und erklärte dann: „Ja, zuerst. Ich hab versucht ganz nah an es heran zu kommen, doch da war ich wohl etwas unvorsichtig und steckte plötzlich Hüfthoch im Moor. Als ich meinen Feuersprung einsetzte, haben sich wohl einige Sumpfgase entzündet. Das hat dem Licht nicht gefallen und es ist abgedampft.“
Der rote Ritter seufzte noch einmal, sagte aber nichts mehr.
„Warum hast du Egon oder den Arschknaller nicht mitgenommen?“ wollte Venom wissen und spießte neue Würstchen auf, um sie am kleiner werdenden Feuer zu rösten.
„Im Grunde gehören sie doch irgendwie König Castle, oder? Ich schulde ihm  ja noch was. Soll er sie haben. Ich mag sie, aber auf so einer langen Reise, wo ich nicht weiß was kommt, da ist es besser, wenn ich mich nicht um ein Reittier kümmern muss. Was wäre zum Beispiel bei diesem Moor gewesen? Da wären sie doch eingesunken.“
„Der Arschknaller hätte drüber wegfliegen können“, gab der Elektroritter zu bedenken.
„Ja, und hätte es vermutlich angezündet“, überlegte der orangene Ritter. „Hm… gut, das wäre noch gegangen, aber auf ein Schiff hätte ich ihn zum Beispiel nicht mitnehmen können. Zumindest nicht, wenn der Mannschaft bekannt ist, was er kann. Zu Fuß bin ich einfach ungebundener und kann auch mal spontan unwegsames Gelände erkunden ohne mir Gedanken darüber zu machen, wo ich mein Reittier lasse. Und das will natürlich auch versorgt sein.“
„Verstehe“, sagte der blaue Ritter.
Es wurde still. Sie brieten weißer Rinderwürstchen und aßen schweigend. Cyrill hatte das Feuer mittlerweile gelöscht, bis auf ein Stück direkt vor ihnen, dass sie als Lagerfeuer nutzten.
„He, ist das Andy?“ fragte Venom plötzlich und zeigte auf eine Gestalt, die aus dem morgendlichen Wald auf sie zukam.
„Wo kommst du denn her?“ fragte Cyrill verwundert.
„Ich hab das Feuer gesehen und vermutet, dass Pyro hier ist“, erklärte Andy frei heraus.
„Als wenn jedes Feuer gleich automatisch heißt, dass ich es war“, sagte Pyro mit gespielter Empörung.
„Wenns ein großes ist, dann warst du es ja auch“, sagte Thunder mit zusammengekniffenen Augen.
Venom lachte.
Pyro verschränkte die Arme vor der Brust und reckte sein Kinn.
„Pah! Das heißt doch bloß, dass niemand größere Feuer machen kann als ich.“
„Wir haben auch nie was anderes behauptet“, sagte Venom und grinste immer noch.
„Das Feuer war, um die Banditen zu erledigen“, erklärte Cyrill, der bei Andy nicht den Eindruck erwecken wollte, sie würden Pyro einfach aus purer Lust an der Freude den Wald abfackeln lassen.
„So etwas in der Art hab ich mir schon gedacht“, sagte Andy und kam näher.
„Hätte nicht gedacht, dass es bei euch noch Banditen gibt“, sagte Venom und dachte gar nicht daran, ob Andy das als Beleidigung auffassen könnte, denn immerhin waren er und seine Kollegen für die Sicherheit in König Damians Reich verantwortlich.
Thunder hatte das aber sehr wohl bemerkt und rammte seinem großen grünen Freund seinen gepanzerten Ellenbogen in die Seite. Es klirrte.
„Ist was?“ fragte Venom, der ein Geräusch gehört hatte.
Doch Andy nahm es wohl nicht so schwer. Er war vielmehr um ihre körperliche Unversehrtheit besorgt.
„Seid ihr alle in Ordnung?“
„Uns geht es gut“, erklärte Venom.
„Nur Pyro hat gegen sie gekämpft und mal wieder etwas abbekommen, weil er einfach nicht verstehen will, dass Schilde zum Abwehren und nicht zum Angreifen da sind“, sagte Thunder schnippisch.
Andy sah zu Pyro, von dessen linker Hand ein Rinnsal Blut lief.
„Oh je“, sagte Andy, kam näher und griff nach seinem erste Hilfe Set. „Na komm, lass mich mal sehen!“
Der orangene Ritter sah ihn verwundert an.
„Das ist nur ein Kratzer.“
„Das ist mehr als nur ein Kratzer, außerdem könnte es sich entzünden. Na los, sei brav und gib Pfötchen!“
Pyro knurrte unwillig und drehte sich weg. Andy verdrehte die Augen und griff einfach nach seiner Hand, hielt sie fest und fummelte an den Schnüren, um seinen malträtierten Panzerhandschuh abzulösen. Die Wunde war nicht besonders tief, aber lang. Sie zog sich vom Zwischenraum von Zeige und Mittelfinger bis zum Handgelenk. Andy holte ein frisches weißes Tuch und Wasser aus seiner Tasche und tupfte damit das Blut ab, dann wickelte er das Tuch um Pyros verletzte Hand und zog ihm den Panzerhandschuh wieder über.
„So, war doch gar nicht so schlimm, oder?“ fragte Andy strahlend.
„Nein, war es nicht. Danke“, sagte Pyro knapp.
„Kannst du uns den Weg zur westlichen Grenze zeigen?“ fragte Thunder den rosanen Ritter.
Andy sah verwundert aus.
„Was wollt ihr denn da?“
„Wir suchen nach etwas das für Reichtum sorgt. Du hast doch mal von einem goldenen Wal erzählt, der in einem Meer westlich von hier leben soll, erinnerst du dich?“ fragte Thunder.
„Ach das, aber das ist doch nur ein Gerücht. Wer weiß, ob es diesen Wal wirklich gibt. Hat euch König Castle auf diese Reise geschickt?“
Die Ritter sahen sich verlegen an, außer Pyro natürlich, der an seinem linken ramponierten Panzerhandschuh fummelte, vielleicht drückte es dort wo der neue Verband lag.
„Naja, nicht so richtig“, kam es peinlich berührt von Cyrill.
„Aber im Grunde hat es sich doch so ergeben.“, erklärte Venom. „Hätte Pyro nicht die goldene Gans gegessen und wäre deswegen rausgeflogen, müssten wir jetzt nicht losziehen.“
„Und hättest du das mit der Gans und mir nicht überall herumerzählt, hätte mich König Castle gar nicht rausgeworfen!“ fauchte Pyro hitzig.
„Naja … da bin ich mir ja nicht so sicher“, kam es von Thunder. „Im Grunde gab es doch sehr viele Anlässe, für die dich König Castle hätte rausschmeißen können. Jeder andere König hätte es sicher längst getan. Es war doch nur eine Frage der Zeit.“
Andy sah geschockt aus.
„Pyro wurde rausgeworfen?“
„Ja! Ist das so schwer vorstellbar?“ fragte Thunder sarkastisch.
Candy Andy ging gar nicht darauf ein, sondern sah den orangenen Ritter mitleidig an.
„Du Armer.“
Thunder verdrehte die Augen, denn seiner Meinung nach hatte der Feuerritter seine Strafe wohlverdient.
„Pyro wurde ins Exil geschickt und jetzt versuchen wir ihn wieder zurückzuholen“, erklärte Venom ungewöhnlich geradlinig, denn normalerweise brauchte er ewig um auf den Punkt zu kommen.
„Wir dachten uns, dass König Castle ihn bestimmt nur dann zurücknimmt, wenn wir genügend Gold ranschaffen, um das Königreich aus den Schulden zu holen.“
„… die Pyro verursacht hat“, fügte der rote Ritter hinzu.
Der orangene Ritter verdrehte die Augen.
„Ach was Gold, immer geht es nur um Gold, als wenn es nichts Wichtigeres gäbe.“
„Ein König braucht nun mal viel Gold, um sein Königreich zu führen. Da ist ein geordneter Haushalt nötig“, erklärte Cyrill ihm, obwohl er wusste, dass es bei seinem Freund zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgehen würde.
„Also seid ihr ihm gefolgt und wollt ihm helfen? Das ist Prima“, freute sich Andy, doch dann wurde seine Miene ernst. „Und wer beschützt jetzt die Prinzessinnen, wenn ihr weg seid?“
Die Ritter sahen sich verlegen an, selbst Pyro. Wie sauer war König Castle jetzt auf sie, weil sie Pyro gefolgt waren? Vielleicht galt das bei ihm als Verrat? Würde er sie vielleicht auch rausschmeißen?
„Wir haben ein gutes Beta-Team ausgebildet“, sagte Venom schließlich, vielleicht auch, um sich selbst zu beruhigen.
„Hm… na, wenn du das sagst. Hoffentlich dauert eure Reise aber nicht zu lange. Ich weiß doch wie wichtig ihr für König Castle seid. Aber was ist, wenn er Pyro nicht zurücknehmen will, selbst wenn ihr das Gold habt?“
Wieder beklommene Blicke zwischen den Castle Crashern.
„Tja, das wissen wir noch nicht“, sagte Cyrill beunruhigt.
„Vielleicht kann er sich einem anderen Königreich anschließen“, überlegte Venom.
Selbst unter dem Helm war zu sehen wie sich Candy Andys Gesicht aufhellte.
„Ja, vielleicht kann er unter König Damian dienen, dann wären wir Kollegen.“
Der Giftritter sah aus, als würde er sofort bereuen, was er gesagt hatte und das war nun wirklich ein seltener Umstand. Er seufzte.
„Dann müsste sich ja auch mein Vater mit ihm rumschlagen.“
Pyro sah allerdings nicht ganz so überzeugt aus.
„Weiß nicht, ob ich überhaupt gleich wieder für einen König arbeiten will. König Castle kenne ich ja, da ist es was Anderes. Aber jemand fast fremdes? Ich könnte mir auch vorstellen, erst mal eine Zeit einfach so herumzuziehen. Nur machen was ich will. Die Welt entdecken. Abenteuer erleben.“
Sein Gesicht glühte wegen der Aussicht auf dieses Glück. Andy sah aber bei dieser Idee weniger erfreut als besorgt aus. Unwillkürlich sah er auf Pyros linken Panzerhandschuh unter dem sich seine frische Wunde befand.
„Ob das so eine gute Idee ist?“
„Wieso?“ fragte der orangene Ritter verwundert.
„Naja Pyro, du bringst dich immer wieder in Gefahr. Wenn du wirklich irgendwann allein losziehen musst, wer passt dann auf dich auf?“
„Seh ich aus wie ein Kleinkind?“ fragte der Feuerritter aufgebracht. „Ich kann auf mich selbst aufpassen. Wer sich wagt mir in den Weg zu stellen wird zu Asche verbrannt oder bekommt meine Klinge zu spüren!“
Andy war beunruhigt.
„Und dann überschätzt du dich wieder und nimmst zu wenige Rücksicht auf dich selbst…“
„und andere“, murmelte der rote Ritter dazwischen.
„… und verletzt dich, oder stirbst vielleicht sogar. Ich kenn dich doch, ich hab die vielen Narben auf deiner Haut gesehen, als wir uns alle bei diesem eiskalten Wasser in König Castles Burg duschen mussten.“
„Was für eiskaltes Wasser?“ warf Cyrill ein, aber niemand antwortete ihm.
„Du solltest wirklich mehr auf dich aufpassen. So viele Narben wie du hast sieht es ja so aus, als wenn du dich wirklich immer in die größte Gefahr stürzt“, wollte ihn der rosane Ritter belehren.
„Das sieht nicht nur so aus“, bemerkte Thunder naserümpfend.
Pyro sah das aber wohl als so etwas wie ein Kompliment und sagte stolz: „Tja, ich bin eben ein richtiger Draufgänger.“
„Du weißt schon, dass das Wort „Draufgänger“ von „draufgehen“ kommt, oder?“ fragte der rote Ritter zynisch.
Doch nichts veränderte sich an Pyros Gesichtsausdruck. Thunders Kritik prallte einfach an ihm ab. Andy musste schmunzeln.
„Ach Pyro, du bist schon ein Original. Naja, werden wir ja sehen was aus dir wird. Ich für meinen Teil hätte nichts dagegen, wenn du mein Kollege wirst und wir zusammen König Damian dienen. Meiner Meinung nach ist er ein fähiger und gerechter König, aber, wenn man sich falsch verhält, muss man auch mit Konsequenzen rechnen.“
Das Lächeln schwand aus dem Gesicht des orangenen Ritters.
„Vielleicht kommt es gar nicht so weit und König Castle nimmt Pyro zurück“, hoffte Cyrill, der seinen Freund nicht verlieren wollte.
Es wurde kurz still, dann sagte Andy: „Ich bringe euch zur westlichen Grenze, dort bin ich eh stationiert und muss in drei Tagen dorthin aufbrechen. Bis dahin kommt ihr mit zu mir nach Hause und ruht euch aus. Wir können zusammen Weihnachten feiern.“
„Ist es schon so weit?“ fragte Thunder verwundert, der wohl ganz die Zeit vergessen hatte.
„Du wohnst hier in der Nähe?“ fragte Venom überrascht.
„Ja, nachdem ich zum Ritter ernannt wurde, habe ich eine kleine Villa für meine Familie erhalten. König Damian ist wirklich großzügig, wenn er mit den Leistungen seiner Ritter zufrieden ist. Im Moment habe ich ein paar Tage Urlaub, die ich mit meiner Familie verbringe.“
„Was ist denn Urlaub?“ wollte Venom wissen.
„Ein paar Tage frei, um sich auszuruhen“, erklärte Andy. „Auch das ist ein großer Vorteil unter König Damian zu dienen. Hin und wieder gibt es mal Urlaub, wo wir zu unseren Familien zurückkönnen. Kommt mit! Es wird euch gefallen.“
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