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Nur ein Experiment

Kurzbeschreibung
OneshotRomance, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Kriminalhauptkommissar Frank Thiel Rechtsmediziner Professor Karl Friedrich Boerne
10.10.2022
10.10.2022
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Hallo, meine lieben Leser! :)

Und hier habe ich eine weitere, kleine Story mit unseren Lieblingen aus Münster für Euch! ^^
Dieses Mal ein wenig nachdenklich.


Viel Spass beim Lesen! :D



Vlg Lady Duchess



Titel: Nur ein Experiment

Gedankenversunken beobachtete er den Anderen, wie er sich erneut über die Leiche beugte und irgendetwas untersuchte, wozu ihm gerade eine Idee gekommen war.
Es war seltsam ihm dabei zu zu sehen.
Vom Beruflichen her eigentlich nicht anders als sonst auch.
Doch nun sah er es mit anderen Augen.

Sein Herz zog sich bei diesem Gedanken zusammen und fing leicht an zu schmerzen.

Er wusste nicht, wie lange er diese merkwürdige Anspannung zwischen ihnen noch aushielt, wann immer sie allein waren.
Nein, dass stimmte nicht ganz.
Auch wenn andere Personen dabei waren, und in den unnötigsten Momenten bemerkte er dies.
Dabei hatte sich doch eigentlich gar nichts zwischen ihnen geändert und dann auch wieder alles.
Warum nur waren sie auf diese dämliche Idee gekommen, es einfach mal auszuprobieren, wie es als richtiges Liebespaar wäre.

Er konnte noch nicht einmal sagen, ob es seine oder Boernes Idee gewesen war.
Es war einfach nur eine Spinnerei gewesen, eine absurde Idee, ein Gedankenspiel.
Ob es nun Übermüdung, das katastrophale Ende ihres letzten Falls, oder einfach ihre Neugier war, konnte er ebenfalls nicht mehr sagen.
Wahrscheinlich von allem Etwas.
Zusammen mit den Sticheleien, Anstachelungen und dem Stolz des Egos, nicht zu kneifen, sondern es dann auch durchzuziehen.

Verwirrend war wohl das treffendste Wort für diesen Abend und diese Nacht.
Wie zwei unerfahrene, aber durchaus neugierige und lernfähige Teenager waren sie die Sache angegangen.
Unsicherheit, Scham und Peinlichkeiten auf beiden Seiten.
Und dennoch konnte und wollte er diese Erfahrung nicht missen oder zurück wie vor diesem Abend.

Und trotz des holprigen und leicht desaströsen Beginns wurde es dann doch noch schön.
Nein, nicht nur schön, auf eine seltsame Art und Weise wunderbar.

Nie hätte er dies gedacht, ja, hatte nicht einmal in seinen tollkühnsten Träumen an so Etwas gedacht. Schon gar nicht mit Boerne.

Erschöpft, aber irgendwie zufrieden war er dann irgendwann eingeschlafen und konnte sich nur noch daran erinnern, wie sich Boerne eng an ihn geschmiegt und seinen linken Arm locker über seine Brust gelegt hatte, während er auf dem Rücken liegend seinen linken Arm locker um dessen Schultern gelegt hatte.

Am Morgen danach war er froh gewesen, dass der Andere noch schlief.
Andernfalls wäre es richtig peinlich geworden.
Und doppelt froh war er, dass er aus dessen Bett und Wohnung hinüber in seine Eigene gehen konnte.
Er hätte wirklich nicht gewusst wie er sich verhalten sollte, hätte das Ganze bei ihm stattgefunden.

Bei der nächsten Begegnung hatte es einen äußerst peinlichen Moment gegeben und keiner von ihnen gewusst was er nun sagen sollte.
Immerhin kannten sie den jeweils anderen nun von einer Seite, die man nur jemandem zeigte, wenn man ihm absolut vertraute. Ja, kannte nun faktisch seine Seele.

Am Ende war es dann doch wieder Boerne gewesen, der dann ziemlich normal reagierte und eine flapsige Bemerkung zu seiner Person machte, was ihn kurz irritierte.
Erst beim zweiten Gedankengang verstand er, dass sein Nachbar nicht darüber reden wollte und er tat ihm den Gefallen.

Danach fanden sie schnell zu einem mehr oder weniger normalen Alltag zurück.

Darüber gesprochen oder auch nur erwähnt hatten sie diesen Vorfall nie wieder.
Und stillschweigend hatte er diese Vereinbarung akzeptiert.

Alles wie immer.
Und doch war es das nicht mehr.

In den letzten Tagen ertappte er sich immer öfter dabei, wie seine Gedanken immer wieder zu diesem Ereignis zurückkehrten, es ihn beschäftigte und nicht losließ.
Je stärker er dies zu verdrängen oder ignorieren versuchte, umso schlimmer wurde es und er hatte sich eingestehen müssen, dass er, oder besser sie beide, so nicht weiterkamen.
Denn er hatte auch bei Boerne eine leichte Veränderung bemerkt, auch wenn dieser das sehr gut kaschierte und verbarg.
Immer häufiger hatte er dessen verstohlene Blicke bemerkt, die verborgenen Andeutungen, seine nonverbalen Gesten.
Bei Letzterem war er sich sogar sicher, dass es dem Gerichtsmediziner noch gar nicht aufgefallen war und was er damit eigentlich sagte.
Seinem geschulten Auge war dies jedoch nicht entgangen und es hatte ein wenig gedauert, ehe er es verstanden hatte.
Liebeskummer und unerfüllte Sehnsucht.
Ja, Boerne sehnte sich nach ihm, nach seiner Nähe, seinen Berührungen.
Er war unglücklich verliebt. In ihn.
Und je mehr dieser es versuchte zu verbergen, desto deutlicher traten die körperlichen Anzeichen hervor.
Eine eigenartige Rastlosigkeit, die nichts mit seinem sonstigen Enthusiasmus und seinem Elan zu tun hatte, dunkle Ringe um die Augen, die leicht verkniffenen Lippen und harten Linien um dessen Mundwinkel, wenn er meinte, er wäre allein oder andere bemerken es nicht.
Seine sonst immer so akkurat sitzende Kleidung war in den letzten Wochen ein wenig derangiert gewesen und selbst seine heißgeliebten Opern erklangen viel seltener als sonst aus seiner Wohnung. Wohl das deutlichste Zeichen, dass Etwas nicht stimmte.

Er war sich sicher, dass Frau Haller dies auch aufgefallen war und mit Sicherheit schon versucht hatte ihren Chef zum Reden zu bewegen.
Doch dieser war verschlossen und schweigsam wie eine Auster gewesen.
Und er hatte sehr wohl die merkwürdigen Blicke von dieser in seine Richtung bemerkt, wann immer er hier, in der Gerichtsmedizin, erschien.

Doch die Frage aller Fragen war, was er nun tun sollte.
Es tat ihm weh, Boerne so zu sehen und würde ihm auch gerne helfen.
Auf der anderen Seite wusste er einfach nicht wie.
Nein, dass stimmte nicht. Theoretisch wusste er wie, aber wollte er dies auch wagen?
Denn es gab eigentlich nur eine Möglichkeit diese ganze verfahrene Situation wieder zu bereinigen.
Aber irgendwie schaffte er es nicht.

Ja, er vermisste Boerne. Nicht wie einen Arbeitskollegen, Nachbarn oder Freund, nein, viel mehr und auf einer ganz anderen Ebene.
Er sehnte sich nach dessen Nähe und gleichzeitig fürchtete er sie.
Denn dann, wenn er sie erneut zulassen würde, wäre er verloren.
Verloren in einem wahren Gefühlschaos, einem Strudel an Emotionen, dem er sich nicht wirklich gewachsen fühlte.
Und noch viel unsicherer war die Prognose wohin dies führen sollte, führen würde.
Es wäre ein weiteres, im wahrsten Sinne des Wortes, explosives Experiment, dessen Reaktion und Ausgang nicht vorhersehbar ist.
Andererseits…
Andererseits hatte er nichts zu verlieren, außer, dass es seinen Stolz und sein Ego verletzen würde.

Was sollte er also tun?

Just in diesem Moment sah Boerne von seiner Arbeit auf und blickte direkt in seine Richtung, und wie er hier so im Türrahmen zu dessen Büro, mit den Händen in den Hosentaschen, dastand und grübelte.

Der Blick war zunächst aufgeregt und sprühte nur so vor Elan. Wahrscheinlich hatte sich seine Annahme, was auch immer es war, bestätigt oder er hatte etwas Entscheidendes gefunden, dass ihnen weiterhalf. Schließlich wurde sein Blick verwundert, fragend, bis er schließlich tief und liebevoll wurde.
Und ohne Zögern oder Zweifel, erwiderte er den Blick.
Und hatte sich entschieden.

Die Hände aus den Hosentaschen nehmend, hielt der Blickkontakt an und ohne, dass er sich bewusst dazu entschieden hatte, bewegte er sich vorwärts und auf den Anderen zu.
Das heftig pochende Herz in seiner Brust und das Flattern in seiner Magengegend, ignorierend.

Das Experiment war letztendlich doch erfolgreich gewesen.
Mit einem äußerst überraschenden, aber auch ziemlich zufriedenstellenden Ergebnis.



-Ende-
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