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Survive for your Love

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P18 / Het
09.10.2022
18.01.2023
27
95.765
12
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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27.11.2022 3.706
 
Während der Barista mir meinen Kaffee zubereitet, denke ich darüber nach, ob ich Viv schreiben sollte. Nein! Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich schon, dass ich ihr schreiben will, ich überlege eher was. Wie es ihr heute geht? Dass der Tag gestern schön war und ich gerade an sie denke? Ob wir uns heute wiedersehen?
Verdammt! Peitsche ich hier zu weit vor? Ich will nicht aufdringlich sein und sie vor allem nicht bedrängen. Ja, gut. Ich habe ihr gestern vielleicht einen Orgasmus beschert, aber das muss nichts heißen. Sie hat ja gesagt, dass es wohl seit langem wieder das erste Mal war. Vielleicht will sie ja jetzt nur etwas Unverbindliches. Hin und wieder treffen, gemeinsam etwas unternehmen und vielleicht dazwischen das eine oder andere Vergnügen. Eigentlich wäre das sogar optimal. Dann hätte ich die Zeit und Möglichkeit all die Sachen um Jennifer zu klären. Und vor allem würde man bei diesem Szenario auch nichts überstürzen. Freunde mit gewissen Vorzügen. Das Beste, was man sich gerade wünschen kann.
Der Barista reicht mir meinen Kaffee, womit ich mich bei ihm bedanke und das Café wieder verlasse. Auf dem Weg zu meinem Wagen vibriert es in meiner Hosentasche. Ich fische mein Handy heraus und während ich in mein Auto steige, lese ich die Nachricht von Nathan.
Scheiße! Das kommt jetzt ungelegen. Nicht unerwartet, aber ungelegen. Zwar habe ich mich schon darauf eingestellt, aber nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht.
Ich stelle meinen Kaffee in die Halterung, starte den Motor und steuere statt meines Büros das McDougall Anwesen an.

Ich sehe schon Jennifers Wagen in der Einfahrt stehen und nachdem ich neben ihrem parke, atme ich tief durch und rede mir optimistisch zu. Professionell bleiben! Das haben wir trotz unserer Beziehung in den letzten Jahren auch hinbekommen. Warum also nicht auch jetzt?
Ich steige aus und laufe ins Haus, das mir von all meinen Objekten, die ich je entworfen habe, am wenigsten gefällt. Die Eigentümer hatten sehr eigenwillige Vorstellungen. Aber es ist ihr Haus und sie zahlen dafür, also kriegen sie auch das, was sie sich wünschen.
Ich bin kaum durch die Tür, da höre ich schon Jennifers übliche Anweisungen an ihr Team. Jetzt fällt mir auf, dass sie so auch mit all den Leuten, die zur Hochzeit beitragen sollten, gesprochen hat. Nathan murmelte dann immer auf deren Blicke hin Bridezilla, doch das war dann wohl doch nicht nur diesem Event geschuldet. Sie ist generell so.
„Hallo Jennifer.“ Sie dreht sich zu mir um.
„Jared.“ Ihr Tonfall ist überraschend neutral. Keinerlei Traurigkeit, Wut oder sonstiges ist herauszuhören. Das erleichtert mich enorm. „Wie geht es dir?“
„Danke, gut. Und selbst?“
„Viel zu tun momentan.“ Das beantwortet nicht wirklich die Frage, aber ich kann es ihr nicht verdenken dem zu umgehen.
„Besser zu viel als zu wenig.“
„Das ist richtig.“ Was für ein überflüssiger Small Talk. Aber in unserer Situation wohl gang und gäbe.
„Wie ich sehe, bist du schon fleißig dabei.“ Ich schaue mich währenddessen um und offensichtlich wird wieder die Farbe Beere dominieren. Das entsprach nie wirklich meinem Geschmack, aber es kam bisher stets bei den Kunden an. Jedenfalls bei den Frauen.
„Ja, ich musste früh anfangen. Die McDougalls wollen wohl schon am Donnerstag einziehen.“ Ach? Das erklärt dann wohl, warum es auf einmal so eilig ist.
Ich nicke nur und gehe dann auf den Wintergarten zu. Wenigstens der ist mir gelungen. Der Blick in den Garten ist hervorragend.
„Ich bin übrigens auch übermorgen aus dem Haus raus“, kommt es plötzlich etwas leiser von ihr.
„Kein Stress. Wie gesagt, du hast alle Zeit der Welt.“ Ich bin froh, dass sie gerade hinter mir steht und ich sie nicht ansehen muss.
„Es ist dein Haus.“
„Es war unser Haus“, murmle ich. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich es verkaufen werde. Ich weiß zwar nicht, wann ich diese Entscheidung getroffen habe und ob ich sie überhaupt bewusst getroffen habe, aber sie steht.
„Ich habe ein Haus in Harrisdale.“ Gott sei Dank. Das könnte nicht weiter von West Perth liegen. Ich stutze. Wie komme ich denn jetzt auf West Perth?
„Das klingt toll.“ Ich drehe mich wieder zu ihr um und schaffe leider nur ein halbwegs gezwungenes Lächeln. Währenddessen kommt hinter ihr plötzlich Nathan durch die Tür, was mich stark verwundert. Bevor ich fragen kann, was er hier will, begrüßt er Jennifer und hält den gleichen Small Talk mit ihr wie ich gerade eben.
„Was machst du hier“, flüstere ich ihm zu, als er an meine Seite kommt.
„Dich unterstützen“, kommt es genauso leise zurück. Mich was?
„So!“ Nathan klatscht einmal in die Hände. „Das ist es also!“ Er schaut sich in dem Haus um. „Ist doch gar nicht so schlecht. Ja, gut. Für meinen Geschmack etwas zu viele Ecken. Aber hey, jeder wie er will.“ Ich will gerade darauf etwas sagen, als mein Handy klingelt. Ich gehe heran, ohne aufs Display zu sehen, weil mich Nathans Auftritt noch immer irritiert.
„Shaw“, melde ich mich wie üblich.
„Hallo Mr. Shaw. Hale hier.“ Ich brauche einen Moment, bis ich das einordnen kann, aber dann lache ich auf.
„Ms. Hale, schön von Ihnen zu hören.“ Ich spüre die Blicke von Nathan und Jennifer auf mir und bevor ich etwas sagen kann, verwickelt Nathan Jennifer in ein Gespräch und führt sie weg von mir. Ich stattdessen mache die paar Schritte zurück in den Wintergarten.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, frage ich über beide Ohren grinsend.
„Ich rufe an, weil ich das Gefühl habe, dass unser Meeting gestern etwas abrupt geendet hat. Meiner Meinung nach wurden einige wichtige Absprachen nicht getätigt.“ Gott, ich liebe es, zu welchen Spielchen sie mich immer treibt.
„Bitte klären Sie mich doch auf! Von welchen Absprachen ist hier die Rede?“
„Ich glaube, nach dem gestrigen Meeting ist ein weiteres Meeting unabdingbar.“ Mein Grinsen wird noch breiter, wenn überhaupt möglich. „Oder wie sehen Sie das?“
„Da stimme ich vollkommen mit Ihnen überein.“
„Nach dem Angebot, das Sie mir gestern gemacht haben, sollten Sie sich jetzt mein Gegenangebot anhören.“ Mein Grinsen verschwindet. Redet sie jetzt von das, was ich denke oder geht da gerade meine Fantasie mit mir durch?
„Sie wollen mir ein Gegenangebot machen?“
„Natürlich. Ich vertrete stets das Credo ‚Quid pro quo‘.“ Verdammt! Wir reden hier von dem, was ich denke. Das ist gar nicht gut. Ich bin bei der Arbeit. Da kann ich mir keinen Harten leisten.
„Wissen Sie, Ms. Hale, ich schätze Ihr Engagement, doch das ist wirklich nicht nötig. Ich möchte nicht, dass Sie sich jetzt zu irgendetwas verpflichtet fühlen. Ich bin mit dem Ausgang des gestrigen Meetings mehr als zufrieden gewesen.“
„Mr. Shaw, ich bestehe darauf.“
„Sie bestehen darauf?“
„Ja, das tue ich. Denn ich empfand das Meeting mit Ihnen als äußerst angenehm und habe eigentlich auf eine längere Zusammenarbeit gehofft, bei der natürlich beide Parteien profitieren. Sie wollen mich doch jetzt nicht enttäuschen, indem Sie es lediglich bei der einen Zusammenkunft belassen?“ Wie kann man nur solch ein Gespräch so heiß klingen lassen?
„Natürlich nicht. Das liegt nun wirklich nicht in meinem Interesse.“
„Na dann, würde ich für das nächste Meeting den heutigen Abend um acht Uhr in meinen Räumlichkeiten vorschlagen.“
„Ich denke, das lässt sich einrichten.“
„Sie haben doch sicherlich nichts dagegen, wenn wir unsere Unterredung mit ein paar Gläsern Wein abhalten?“
„Nein, absolut nicht.“
„Sehr schön.“
„Dann danke ich Ihnen für die Einladung und blicke dem Meeting positiv entgegen.“
„Ich hoffe, dass mein Angebot sie überzeugen wird.“
„Oh, Ms. Hale, das wird es mit Sicherheit.“
„Das wird sich zeigen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Mr. Shaw.“
„Das wünsche ich Ihnen ebenso.“ Nachdem sie aufgelegt hat, starre ich amüsiert auf mein Handy. Die Frau ist der Hammer.
„Hast du dich wieder im Griff?“, kommt es von der Seite, womit ich mich zu Nathan umdrehe. Was heißt hier wieder im Griff? „Wenn ja, dann komm! Jennifer wartet.“ Ich will mich in Bewegung setzen, bis mir was auffällt und mich innerlich fluchen lässt.
„Gib mir noch eine Minute“, nuschle ich. Er sieht mich erst irritiert an, bevor er die Augen weitet.
„Das ist nicht dein Ernst?“ Ich kann ihm ansehen, dass er am liebsten losprusten würde, weswegen ich ihm einen warnenden Blick zuwerfe. „Übers Telefon? Alter, ich muss diese Frau endlich kennenlernen.“ Er wendet sich lachend von mir ab und gibt mir meine geforderte Minute.

Nathan dreht sich immer wieder um und mir wird erst bei seinem dritten sichergehenden Blick klar, wonach er Ausschau hält. Die Tür wurde hinter uns geschlossen und wir haben nun genügend Abstand zum Eingang.
„Jetzt erzähl schon!“ Habe ich es doch geahnt.
„Es gibt nichts zu erzählen.“
„Stimmt. Jeder Mann kriegt bei einem Telefonat während der Arbeit einen Ständer.“
„Das war ja nicht gerade geplant.“
„Offensichtlich. Daher will ich ja wissen, wie sie das geschafft hat.“
„Du musst nicht alles wissen.“
„Komm schon!“ Ich lasse ihn stehen und gehe herüber zu meinem Wagen. „Sie weiß es übrigens.“
„Wer weiß was?“
„Jennifer.“
„Was soll sie denn wissen? Ich habe lediglich telefoniert.“
„Ja, und warst etwas zu begeistert von deinem Gesprächspartner. Und dass du dabei noch ihren Namen gesagt hast, hat auch nicht gerade vor ihr verborgen, dass du mit einer Frau telefoniertest.“ Ich will gerade meine Wagentür öffnen, als ich innehalte und zu ihm herübersehe.
„Es wurde rein gar nichts Persönliches besprochen.“ In dem Sinne hatte dieses Spiel eindeutig seinen Vorteil. „Oder etwas, woraus man schließen könnte, was zwischen uns läuft.“
„Mag sein, aber dein Auftreten wird ihr trotzdem alles sagen. Du hast sie kaum abserviert und bist in ihren Augen schon jetzt wieder auf Flirtkurs.“
„Das wäre nicht verboten.“
„Ja, aber ziemlich arschlochmäßig. Schließlich hast du es direkt vor ihrer Nase getan.“ Scheiße, ja! Das habe ich. Hätte ich vorher bloß aufs Display geschaut. „Ich habe dir gesagt, dass du dich nicht vorher mit ihr treffen sollst.“
„Bitte? Also erstens wusste ich gestern noch nicht, dass der Termin schon heute ist. Und zweitens, werde ich doch mein Leben nicht danach takten, wann ich mit Jennifer zusammenarbeite. Und zu meiner Verteidigung, Viv hat etwas an sich, dass es schwer macht sich auch auf anderes zu konzentrieren.“
„Ja, das habe ich gesehen. Du warst völlig weg.“
„Keine Ahnung, wie sie das immer schafft“, sage ich schon fast frustriert.
„Mit einer Anziehungskraft, die nur auserwählte Frauen haben.“ Ja, das muss es sein. „In deinem Universum ist sie gerade der hellste Stern.“ Jetzt übertreibt er es.
„Werden wir jetzt poetisch?“
„Ich spreche nur die Wahrheit, mein Freund.“ Er grinst mich frech an, bevor er in seinen Wagen steigt. Warum ist er nochmal hierhergekommen?

Ich drücke mit einer Vorfreude auf die Klingel, die mich an die etlichen Besuche bei meiner Grandma erinnern, wenn ich zu ihr herüber zum sonntäglichen Mittagessen ging. Ich wusste nie was es gab, aber ich wusste immer es wird himmlisch. Genau so geht es mir jetzt auch.
Als die Tür geöffnet wird, bemühe ich mich Blue zu ignorieren und mich als erstes auf Viv zu konzentrieren. Doch das ist nicht schwer. Sie sieht atemberaubend aus. Sie trägt ein blaues, hautenges Kleid, das verdammt gut ihre Kurven betont und in einem hervorragenden Kontrast zu ihren Haaren steht.
Will sie ausgehen? Es klang heute Morgen so, als würden wir bei ihr bleiben.
„Ms. Hale“, sage ich schon leicht bewundernd.
„Mr. Shaw“, kriege ich grinsend zurück. Sie macht einen Schritt beiseite, damit ich eintreten kann. Als ich das Haus betrete, kann ich es doch nicht unterlassen noch einmal Blue zur Begrüßung zu streicheln.
„Und wie schwer war es?“ Ich drehe mich zu ihr um. Sie schließt gerade die Tür.
„Wie schwer war was?“
„Blue nicht zu beachten?“ Ach so.
„Eigentlich recht einfach. Lag aber wohl hauptsächlich an ihrem Frauchen, deren Anblick einem den Atem raubt.“ Sie verdreht schmunzelnd die Augen.
„Nicht mal eine Minute hier und lässt schon den Charmeur heraushängen.“ Sie gibt Blue das Kommando sich ins Bett zu legen und geht dann an mir vorbei. „Ich hoffe du hast Hunger.“ Sie geht auf einen fein gedeckten Tisch zu und ich bin beeindruckt, was sie hier alles aufgefahren hat. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich noch etwas wie Blumen oder eine Flasche Wein besorgt. Jetzt komme ich mir ziemlich doof vor.
„Setz dich!“
„Du hättest was sagen sollen.“ Sie sieht mich fragend an. „Was du hier geplant hast.“ Ich nicke in Richtung des Tisches.
„Wieso? Hättest du dann meine Einladung ausgeschlagen?“
„Nein, aber ich hätte den Gepflogenheiten entsprechend etwas mitgebracht.“ Darauf winkt sie nur ab und verschwindet in der Küche. Währenddessen setze ich mich zögerlich an den Tisch. Ich sehe mich um und in einer Ecke in einem Hundebett liegt wie befohlen Blue.
„Dein Frauchen macht einen fertig. Hast du nicht ein paar Tipps für mich?“ Als Antwort kriege ich lediglich einen treudoofen Blick. „Na du bist mir ja eine Hilfe.“
„Bier oder Wein?“, kommt es aus der Küche gehallt.
„Wein ist in Ordnung“, rufe ich zurück.
„Du kannst aber auch ein Bier haben.“ Das klingt verlockend, aber kommt mir bei diesem Ambiente unpassend vor.
„Nein, wirklich. Wein ist völlig okay.“ Nach nicht mal einer Minute kommt sie mit einem Weinglas und einem Bier wieder.
„Warum fragst du dann überhaupt?“ Mein Lachen kann ich dabei nicht unterdrücken.
„Das gebietet die Höflichkeit.“
„Und wenn ich jetzt wirklich einen Wein haben wollte?“
„Willst du aber nicht.“ Das sagt sie mit einer Überzeugung, die mich beeindruckt. Sie nimmt mir seltsamerweise nicht gegenüber Platz, sondern auf dem Stuhl neben mir an der Stirn des Tisches. Ich schreibe das dem Umstand zu, dass sie offensichtlich für das Essen noch einmal aufstehen wird.
„Wie war dein Tag?“ Während sie das fragt, nimmt sie einen Schluck von ihrem Wein.
„Langwierig. Lag wohl an dem Telefonat, das ich heute morgen bekam.“
„Wieso? Was war das für ein Telefonat?“ Beginnen wir gerade ein neues Spiel?
„Ein sehr amüsantes und unterhaltsames Telefonat.“ Ich greife mir ihre Hand und streiche ihr vorsichtig über den Unterarm.
„Und inwiefern war der Tag dann langwierig?“
„Weil ich das Meeting, das während des Telefonats vereinbart wurde, kaum erwarten konnte.“ Sie sagt darauf nichts, aber ihr Blick darauf verändert sich.
„Und das Meeting konntest du nicht erwarten, weil …“ Ich kann mir denken, wovon sie ausgeht, weswegen ich sie sofort unterbreche.
„Weil ich dich sehen wollte. Nicht mehr und nicht weniger“, füge ich noch hinzu. Sie entzieht mir plötzlich ihren Arm und kommt auf die Beine. War das jetzt nicht richtig? Oder ist ihr nur das Essen in den Kopf gekommen?
Unerwartet schwingt sie plötzlich ein Bein über mich und lässt sich auf meinen Schoß nieder. Und kaum dass ich mich versehe, liegen ihre Lippen auf meinen. Da spiegelt sich wohl erneut ihre Neigung wider das Dessert zuerst zu genießen.
Sie geht heute um einiges behutsamer vor und tastet sich langsam vor, denn nach einem Moment prüft sie wohl, was ich von ihrem Überfall halte.
Ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht und ziehe sie im Nacken wieder umgehend zu mir. Wir gehen das hier heute deutlich anders an als gestern. Generell ist mir aufgefallen, dass jeder Kuss mit ihr anders ist. Das macht es mit ihr nur noch aufregender. Während es gestern noch heiß herging, ist es heute umso inniger und intensiver. Es schwingt dieses Mal weniger reine Begierde mit, sondern deutlich mehr langersehnte Sehnsüchte. Und es überfordert mich noch immer, dass diese auch von ihrer Seite kommen.
Als ich ihre Hände an der Knopfleiste meines Hemdes spüre, wird mein Griff an ihrer Taille, warum auch immer, fester. Vielleicht, weil ich nicht will, dass sie irgendeinen anderen Weg einschlägt und diesen hier genauso fortfahren soll?
Es kann nichts anderes sein, denn ich helfe ihr dabei, es mir auszuziehen, als sie es so weit hat. Und kaum fährt sie mir mit den Händen von der Brust hinauf zum Hals, kann ich den Drang nicht weiter unterdrücken, sie ebenfalls so fühlen zu dürfen.
Es ist nicht schwer den Reißverschluss ihres Kleides am Rücken ausfindig zu machen und nachdem ich ihn herunterziehe, streife ich ihr das Kleid so weit, wie es mir möglich ist, hinunter.
Verdammt! Sie trägt keinen BH. Das lässt mich jetzt sogar noch schneller hochfahren und meine Lippen umgehend einen anderen Weg einschlagen. Ich küsse sie den Hals hinunter und das Dekolletier hinab. Dabei fällt mir zum ersten Mal auf, dass sie heute anders riecht. Sie trägt Parfum. Aber nicht das Blumige, was ich bisher immer bei Frauen wahrgenommen habe und stets mit Sommer in Verbindung bringe. Sie riecht dominanter, als wäre das ein Parfum, das man sich abends zum Ausgehen aufträgt, um die Männer scharenweise anzulocken. Und genau diese Wirkung hat es auch auf mich. Man will sie nur noch mehr.
Bevor ich mich zu weit vorwage, sehe ich sicherheitshalber zu ihr auf. Doch sie greift sich mein Gesicht und zieht mich wieder zu sich. Sehr gut.
Ich greife sie bei den Schenkeln und stehe mit ihr auf. Mittlerweile weiß ich ja, wo ihr Schlafzimmer ist. Als ich dort ankomme, lege ich sie vorsichtig aufs Bett ab. Ich betrachte sie noch einmal genau, um abzuschätzen, ob wir genau bei diesem Grundton bleiben können oder sie sich nach etwas anderem sehnt. Jedoch sehe ich das Gleiche in ihren Augen, was auch ich gerade will. Daher beuge ich mich zu ihr herunter und küsse sie genauso weiter wie zuvor. Zudem machen sich meine Hände endlich daran mir eine weitere Fantasie zu erfüllen. Keine von damals, mehr eine Neue. Sie fahren über ihren Körper und ertasten jede Rundung, jeden Schönheitsfleck, einfach alles, was sie ausmacht. Bis sie auf ein Hindernis treffen. Ich zögere nicht und ziehe ihr das Kleid über die Hüfte und lasse es neben dem Bett fallen. Dann nehme ich mir den Moment und betrachte sie von oben bis unten.
Sie ist noch schöner als ich es mir hätte vorstellen können. Und genau das werde ich ihr jetzt auch auf jede erdenkliche Weise zeigen.

Meine Finger streichen ihr noch immer leicht über den Rücken, obwohl ich an ihrer Atmung erkenne, dass sie bereits eingeschlafen ist. Ich hingegen starre weiter an die Decke und versuche herauszufinden, was das gerade war. Das war kein Sex, der zu ‚Freunde mit gewissen Vorzügen‘ passt. Dafür war es … ja was? Das Intensivste, was ich je erlebt habe?!
Jedes Detail an ihr war ein regelrechtes Erlebnis für die Sinne und sie fühlte sich auf jede erdenkliche Weise himmlisch an. Das war schon beinahe zu viel, weil es einer Reizüberflutung glich.
Kann man solch einen Sex mit einer Frau haben, mit der man es vorerst nur locker angehen will? Will ich es mit ihr überhaupt locker angehen? Wenn die Umstände anders wären, bestimmt nicht.
„Jared?“ Schläft sie doch noch nicht? Dann ist sie aber kurz davor, denn sie klingt mehr müde als wach.
„Mmh?“
„Bitte geh nicht!“
„Was?“ Wie kommt sie denn darauf?
„Du grübelst doch schon wieder.“ Woher weiß sie das?
Sie schiebt ihren Kopf von meiner Brust hoch zu meiner Schulter und sieht mich durch halbgeöffnete Augen an.
„Ging es dir zu schnell?“
„Nein.“
„Du kannst ruhig sagen, wenn ich zu fordernd bin. Ich will nicht, dass du dich mit irgendetwas unwohl fühlst.“ Da ich darauf nichts sage, richtet sie sich auf und reibt sich über die Augen. „Ist es wegen deiner Ex-Freundin?“
„Es gibt Momente, wo es sich ihr gegenüber nicht fair anfühlt.“
„Sie bedeutet dir noch viel.“ Es ist keine Frage, sondern eine Feststellung.
„Das ist das Problem. Ich rede mir ein, dass es so sein müsste, wenn man bedenkt, wie lange wir zusammen waren. Und wenn es so wäre, dann wäre ich doch nicht hier, oder?“
„Dann fühlst du dich schuldig, weil du weitermachst?“
„Ich fühle mich schuldig, weil …“ Wenn ich es jetzt ausspreche, dann gibt es kein Zurück mehr.
„Weil?“
„Weil du schon jetzt mehr in mir auslöst als sie es in all den Jahren tat.“ Es bleibt für einen Moment still.
„Irgendwie wünscht man sich solch ein Geständnis in einem anderen Kontext.“
„Ich weiß. Tut mir leid. Vielleicht ist es doch besser, wenn ich gehe.“ Ich will mich aufrichten, doch sie legt mir die Hand auf die Brust, um mich daran zu hindern.
„Du kannst mit mir reden. So wie früher.“ Ihr Angebot rührt mich, aber die heutigen Sorgen sind schon eine ganz andere Hausnummer im Vergleich zu früher, insbesondere, weil es auch um sie geht. „Weißt du, was ich schon damals an dir bewundernswert fand? Deine enorme Empathie. Das fand ich immer recht ungewöhnlich für einen Jungen.“ Das erinnert mich unweigerlich an Dad, der mich diesbezüglich stets als zu weich bezeichnete.
„Bewundernswert?“, knurre ich schon fast. „Damit bist du wohl die Einzige.“
„Herrje, woher kommt es, dass du immer so streng mit dir bist?“ Das ist eine verdammt gute Frage. Ich würde mal behaupten von meinem ach so tollen Vater. „Hör zu, es ist okay, wenn du dich so fühlst, und ich mache dir jetzt nochmal das Angebot, dass wir einen Gang zurückfahren. Ich habe kein Problem damit, wenn du dir die Zeit nimmst, um Dinge zu regeln, die noch zu regeln sind und dich voraussichtlich in ein paar Wochen wieder meldest. Wenn du dich losgelöster von allem fühlst.“ Wie kann man nur so verständnisvoll sein? Wir hatten gerade Sex und sie bietet mir nicht mal eine Stunde später an mich um Jennifer zu kümmern?
Ich denke wirklich über ihr Angebot nach und glaube, dass es etwas bringen könnte. Sowohl für mich als auch für meinen zukünftigen Umgang mit Jennifer. Doch dann gleitet mein Blick über ihre Silhouette. Mit der Decke vor dem Körper, um sich zu bedecken, und den Haaren, die ihr traumhaft über die Schulter fallen, sieht sie in diesem Moment aus wie eine griechische Göttin. Wie Helena von Troja, nur mehr rotblond statt blond. Wegen dieser Frau wurde ein Krieg begonnen und ich bin kurz davor den Rückzug anzutreten wegen einer Ex-Freundin. Es gibt keinen Grund mich schuldig zu fühlen. Ich war ehrlich zu ihr und auch wenn noch nicht viel Zeit seit unserer Trennung vergangen ist, habe ich jedes Recht dazu weiterzumachen, wie Viv es so schön ausgedrückt hat. Ich will nicht nur aus Rücksicht Wochen darauf warten weiter meine Zeit mit ihr genießen zu dürfen. Ich will sie jetzt!
Nun richte ich mich doch auf, ziehe ihr die Decke weg und packe sie an der Taille, um sie auf meinen Schoß zu setzen. Ich zeige ihr sofort, was ich statt ihrem Vorschlag bevorzuge.
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