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Survive for your Love

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P18 / Het
09.10.2022
29.01.2023
28
98.160
12
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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21.11.2022 3.756
 
Ich trotte etwas verschlafen in die Küche.
„Morgen“, kommt es mir gut gelaunt entgegen. Ich setze mich zu Nathan an den Tisch und bin erstaunt, dass dieser ausladend bedeckt ist. Er reicht mir sogar einen frischen Kaffee
„Gibt es einen bestimmten Grund hierfür?“, frage ich, während ich ihm die Tasse abnehme.
„Ich dachte, das muss gefeiert werden.“
„Gefeiert? Was?“
„Na, dass du so schnell wieder aufs Pferd gestiegen bist.“ Sein überaus breites Grinsen irritiert mich nur noch mehr.
„Wovon redest du?“
„Na, von dem Sex mit Viv. Von wegen du gehst es langsam an.“
„Ich hatte kein Sex mit ihr.“ Nun schauen wir beide etwas verdattert drein.
„Echt? Du sahst aber so aus, als du gestern nach Hause kamst.“
„Wie sieht man denn deiner Meinung nach aus, wenn man gerade Sex hatte?“
„So wie du. Strahlend, in Erinnerung schwelgend und somit völlig abwesend und befriedigt. Jedenfalls, wenn es sich um atemberaubenden Sex handelte.“
„Tja, tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, aber ich hatte gestern keinen Sex.“ Ich nehme endlich einen Schluck von meinem Kaffee. Er hingegen kneift schon fast die Augen zusammen, als er mich betrachtet.
„Aber irgendetwas ist doch zwischen euch passiert.“ Darauf antworte ich ihm nicht, stattdessen greife ich mir einen Toast. „Oh mein Gott! Hast du dich endlich getraut? War es nur der längst überfällige Kuss, der dich so aussehen ließ wie ein verliebter Trottel aus einem Cartoon?“
„Findest du nicht, du übertreibst etwas?“ Er fängt plötzlich heftig an zu lachen, worauf ich nur die Augen verdrehen kann.
„Wenn das schon ein einfacher Kuss bei dir auslöst, dann will ich ja nicht wissen, wie du aussiehst, wenn es wirklich zur Sache geht.“ Es ist eindeutig zu früh für solche Art von Gespräch.
„Du tust so, als hätte ich noch nie Sex gehabt.“
„Noch nie Sex mit einer Frau, die dich um den Verstand bringt.“ Das lässt mich innehalten, was ihn wiederum über beide Ohren grinsen lässt. „Und bist du jetzt immer noch überzeugt davon, dass ihre baldige Schwangerschaft ein Ding der Unmöglichkeit ist?“
„Es war nur ein einfaches Date.“
„Einfach? Ich habe dich dreimal angesprochen, als du gestern nach Hause kamst. Du bist einfach an mir vorbeigegangen, mit dem dümmlichsten Grinsen, das ich je gesehen habe.“ Was? Ich versuche mich an den gestrigen Abend zu erinnern, doch mir kommen immer nur die Bilder mit Viv ins Gedächtnis. „Und da haben wir es wieder. Alter, du schwebst sowas von auf Wolke Sieben“, sagt er lachend.
„Unsinn!“, gebe ich darauf nur streng zurück.
„Gut, dann erkläre mir das.“
„Ich war bestimmt nur in Gedanken versunken. Habe überlegt, was ich mit ihr heute machen könnte.“ Er zieht die Augenbrauen in die Höhe.
„Ihr trefft euch heute wieder?“ Warum klingt er so seltsam?
„Ja!“
„Wow!“
„Warum Wow? Wir hatten gestern einen schönen Tag. Warum sollte man den nicht wiederholen dürfen?“
„Darum geht es nicht. Du hast bisher immer erst ein paar Tage verstreichen lassen, bevor du dich nach einem Date gemeldet hast.“
„Das stimmt doch gar nicht.“
„Drei Tage! Du hast immer exakt drei Tage gewartet.“ Das kann nicht sein. Ich versuche mich an all meine vergangenen Dates zu erinnern, doch das ist einfach zu lange her. Obwohl… an eins kann ich mich noch ganz genau erinnern.
„Nach dem ersten Date mit Jennifer habe ich mich gleich am nächsten Tag gemeldet.“
„Ja, weil sie deine Innenarchitektin war und du mit ihr über die Einrichtung des Wohnzimmers sprechen wolltest.“ Er wird, warum auch immer, lauter. „Und wenn ich mich recht erinnere, hat sie dann das zweite Date initiiert.“ War das so? Daran kann ich mich nun wiederum nicht mehr erinnern.
„Drei Tage?“, murmle ich, weil mir das fragwürdig erscheint.
„Ja, drei Tage.“
„Warum hätte ich so lange warten sollen?“
„Was weiß ich denn? Bei anderen Männern hätte ich ja behauptet, um sich interessanter zu machen, aber bei dir kann ich mir sehr gut vorstellen, dass du es immer sacken ließest und abgewogen hast, ob sich ein zweites Date überhaupt lohnt. Wie gesagt, ich hatte stets das Gefühl, du gehst da mehr rational statt emotional heran.“
„Mmh…“ Abwegig klingt das nicht.
„Aber schön, dass es offensichtlich endlich eine Frau gibt, bei der du es nicht erwarten kannst, sie wiederzusehen. Oder hat sie das Date heute vorgeschlagen?“
„Nein.“
„Na, Gott sei Dank.“ Seine Reaktion lässt mich stutzen. „Und was kam bei deiner angeblichen gestrigen Grübelei heraus? Was hast du heute mit ihr vor?“ Ich brauche einen Moment, weil ich immer noch etwas neben der Spur bin.
„Summit Climbing“, kommt es nur leise von mir.
„Jetzt willst du es aber wissen, was? Testest du sie auf Herz und Nieren?“
„Wie meinst du das?“
„Erst das surfen, dann das Rollschuhfahren und jetzt das Klettern? Achtest du jetzt darauf, das komplette Gegenteil zu Jennifer zu kriegen? Eine Sportskanone, die bei jeglicher Aktivität mit dir mithält?“ Irgendwie fühle ich mich etwas angegriffen.
„Das mit dem Surfen kam von ihr und das Rollschuhfahren beruht lediglich auf dem Umstand, dass sie das früher schon immer gern gemacht hat. Und das mit dem Klettern …“ Er sieht so aus, als würde meine Pause ihn bestätigen. „Sie hat gesagt, dass sie das mal ausprobieren wollen würde“, verteidige ich mich.
„Hat sie das von allein gesagt?“ Aus irgendeinem Grund traue ich mich nicht, ihm darauf zu antworten, was aber letztendlich für ihn trotzdem eine Antwort ist. „Ich kann verstehen, dass du nach Jennifer das Bedürfnis hast, jemanden zu finden, der sich auch mal dir anpasst. Aber es wäre jetzt auch nicht gut, wenn du ins völlig andere Extrem driftest. Eine Beziehung sollte ausgeglichen sein. Sowohl deine als auch ihre Wünsche sollten Beachtung finden. Warum machst du heute nicht mal was mit ihr, was sie mag?! Sie hat doch bestimmt schon mal was erwähnt.“ Da kommt mir sofort Blue in den Kopf. Viv macht viel mit ihr und ich möchte sie ungern ausschließen. Ich will ihr zeigen, dass ich nicht der Hundehasser bin, den ich ihr zu Beginn vermittelt habe. Und gestern hatte ich ja seltsamerweise wirklich das Bedürfnis auch sie mit einzubeziehen.
„Ja, da gibt es etwas“, sage ich fest.
„Sehr schön. Dann mach doch das mit ihr und das Klettern verschiebst du auf das nächste Date.“ Das klingt vernünftig, weswegen ich nicke, worauf er wiederum nickt, als wäre er zufrieden mit mir. Er nimmt einen Schluck von seinem Kaffee und ich tue es ihm gleich, muss jedoch feststellen, dass er schon fast kalt ist. Genauso wie mein Toast. Mein Gott, diese Frau hebt meine Welt völlig aus den Angeln. Man kommt noch nicht mal bis zum Frühstück, ohne dass man sich schon den Kopf wegen ihr zerbricht.

Ich klingle und wie beim letzten Mal werde ich, nachdem mir die Tür geöffnet wird, von einer freudig schwanzwedelnden Blue überfallen. Ich gehe lächelnd in die Knie und begrüße sie ebenfalls.
„Hey, Blue. Wie geht es dir?“ Sie genießt die Streicheleinheit wieder richtig, da sie sich mit dem Gesicht in meine Hand schmiegt. Das ist irgendwie unglaublich süß.
„Ich will nur einmal erleben, dass ich zuerst begrüßt werde.“ Das lässt mich zu Viv aufschauen und ich brauche einen Moment, bis ihr Kommentar bei mir ankommt. Obwohl man anhand ihrer Worte denken könnte, dass sie der Umstand nervt, sieht man ihr an, dass sie das nicht wirklich ernst meint, denn sie lächelt. Das meinte sie wohl mehr sarkastisch.
„Wenn du die Leute ebenso freudig begrüßen würdest wie sie, dann käme das bestimmt hin und wieder vor.“ Das lässt sie lachen.
„Ich soll mich auf die Leute stürzen und sie ablecken?“
„Das würde bestimmt bei dem einen oder anderen Mann überaus gut ankommen.“
„Ist das so?“, fragt sie jetzt noch heftiger lachend.
„Mit Sicherheit.“ Ich richte mich wieder auf, um sie nun wirklich richtig zu begrüßen. „Hey, Viv. Wie geht es dir?“ Ich grinse sie frech an und sie versteht wohl meine Neckerei.
„Zu spät!“
„Einen Versuch war es wert.“ Blue stubst mich immer wieder an der Hand an, weil sie wohl weiter gestreichelt werden will. Daher kraule ich sie nebenbei am Ohr, aber ohne mich von Viv abzuwenden.
„Versuch es beim nächsten Mal nochmal.“ Das nehme ich mir fest vor. „Komm rein!“ Ich folge ihrer Einladung und nachdem Blue ebenso durch die Tür ist, schließe ich sie hinter mir. Obwohl Viv bereits um eine Ecke verschwunden ist, bleibe ich stehen, wo ich bin. Dennoch höre ich sie noch reden. Ob ihr klar ist, dass ich sie nicht mehr richtig verstehe?
Nach einem Moment kommt mir Blue wieder entgegen, die jetzt einen roten Ball im Mund hat. Sie sieht so aus, als würde sie ihn mir regelrecht vorführen wollen.
„Das ist aber ein sehr schöner Ball.“ Nun kaut sie darauf herum, womit es anfängt zu quietschen. Na, super! Das wäre das letzte, was ich einem Hund kaufen würde. Nervt das nicht irgendwann? Blue offensichtlich nicht, denn sie fängt jetzt an mit ihm durch den Raum zu toben. Sie hat offensichtlich einen Riesenspaß dabei. Und irgendwie kann ich nicht leugnen, dass es schon fast amüsant ist ihr dabei zuzusehen. Das Leben als Hund muss schon schön sein. Schlafen, essen, spielen und von Frauchen stets draußen ausgelastet werden. Was wünscht man sich mehr?
„Verrätst du mir jetzt nun, wo es hin geht?“
„Was?“ Viv ist jetzt wieder im Raum, weswegen ich den Blick von Blue abwende.
„Du hast noch gar nicht gesagt, was wir machen. Wäre schön zu wissen, was ich für den Tag brauche.“
„Oh.. ähm… Ich glaube festes Schuhwerk und alles was du immer für Blue dabeihast.“ Sie kräuselt die Stirn. „Du hast doch gesagt, dass du häufig mit ihr wandern gehst. Ich dachte mir, dass ich mich euch heute mal anschließe.“
„Du willst wandern gehen?“ Sie sieht mich an, als wüsste sie, dass das eigentlich nicht so meine Aktivität ist.
„Ja, warum denn nicht? Das Wetter ist schön und ich könnte es mal wieder vertragen aus der Stadt zu kommen. Nach meinen Recherchen soll Mountain Querry ganz schöne Routen haben.“ Sie weitet die Augen.
„Warst du denn schon einmal wandern?“
„Ähm…“
„Ich denke, Mountain Quarry wäre etwas zu viel für den Anfang.“
„Gut, dann schlag du eine Route vor.“
„Weißt du, wenn du etwas außerhalb der Stadt machen willst, was hältst du dann vom Kalamunda Park?“ Ich glaube, ich starre sie jetzt mit offenem Mund an. „Ich hätte heute Lust auf etwas Action.“ Wirklich? Oder schlägt sie das nur vor, weil sie erkannt hat, dass ich das Wandern nur für sie vorgeschlagen habe?
Irgendwie fühle ich mich gerade so, als würde ich mich in einer Zwickmühle befinden. Alles in mir würde ihr Angebot dankend küssend annehmen, doch auf der anderen Seite habe ich Nathans mahnende Stimme im Kopf. Es geht nicht nur um das, was ich will, sondern auch um ihre Interessen.
Wie kann ich sie denn jetzt am besten darauf testen, dass sie das nicht nur wegen mir macht?
Mein Blick geht unwillkürlich zu Blue, die nun auf einem Teppich liegt und genüsslich auf ihrem Ball herumkaut. Erst jetzt nehme ich das Quietschen wieder wahr.
„Und was ist mit Blue? Ich dachte mir, wir könnten sie heute mal mitnehmen.“
„Können wir doch. Sie kennt die Strecke in- und auswendig.“ Das lässt mich erstaunt wieder zu ihr aufsehen. Mir kommt langsam wieder ins Gedächtnis, wie sie bei unserem Kaffee erwähnt hat, dass Mountainbiking zu ihren Hobbys zählt. Ich hätte bloß nicht gedacht, dass sie solch anspruchsvolle Strecken fährt.
Verdammt! Nathan hat recht. Diese Frau ist wie für mich gemacht.
„Also? Was sagst du?“ Ja, zum Teufel, ja! Aber bevor ich hier zu sehr in Euphorie verfalle, nehme ich mir fest vor, dass ich irgendwann noch einmal mit ihr wandern gehe.
„Ja, gerne“, sage ich strengstens bemüht locker zu wirken.
„Willst du dann nochmal nach Hause und dein Bike holen? Wir können uns in einer Stunde in Paulls Valley treffen. Von da starte ich gewöhnlich, weil man da gut parken kann.“
„Ja, klingt gut.“
„Prima, dann kann ich mich nochmal umziehen.“
„Okay… dann bis gleich.“ Sie nickt mir noch einmal lächelnd zu, doch ich bin noch immer zu perplex, um das zu erwidern. Ich habe sogar das Gefühl, ich stolpere aus dem Haus.
Auf dem Weg zu meinem Wagen fällt mir zum ersten Mal auf, wovon Nathan heute Morgen die ganze Zeit geredet hat. Ich grinse wie ein Vollidiot.

Während ich auf Viv warte, checke ich nochmal mein Bike. Ich bin schon ein paar Wochen nicht mehr gefahren, aber es sieht alles so aus wie immer.
Als ich einen Motor hinter mir höre, richte ich mich auf und drehe mich um. Viv kommt direkt neben meinem Wagen zum Stehen und nachdem sie aussteigt und Blue von der Rückbank lässt, kommt diese wieder direkt auf mich zu. Ich gehe jetzt schon automatisch in die Knie.
„Na… bereit für eine kleine Spritztour?“ Das Streicheln ist jetzt etwas umständlicher, weil sie solch ein Geschirr trägt. Dennoch merke ich, wie sie völlig aufgeregt ist, denn sie ist schon fast hektisch. „Keine Angst. Du bist nicht die Einzige, die sich auf diese Tour freut.“ Ich habe plötzlich eine Zunge im Gesicht, was mich etwas überfällt, weswegen ich wieder aufstehe. „Ich glaube darüber müssen wir noch einmal reden.“ Ich wische mir über das Gesicht und schaue währenddessen herüber zu Viv. Sie ist gerade dabei ihr Bike aus dem Kofferraum zu hieven, weswegen ich sofort zu ihr herüber eile, um ihr zu helfen.
„Geht schon“, sagt sie, als ich ihr zur Hand gehe. Nachdem es sicher steht und sie ihren Kofferraum schließt, fällt mir ihr Aufzug auf. Sie trägt eine kurze, schwarze Radlershorts und ein enganliegendes, rotes Sporttop. Das ist wohl die Sportler-Viv. Das steht ihr ebenso gut wie alles andere bisher.
„Bist du so weit?“
„Das sollte ich dich fragen“, antworte ich lachend. Sie setzt sich nun den Helm auf und ruft Blue zu sich, die auch sofort an ihre Seite kommt.
„Von mir aus können wir.“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Während sie auf ihr Mountainbike steigt, gehe ich zu meinem herüber und tue das Gleiche.
Wir starten gemächlich und ich lasse die beiden vor, um ein Gefühl dafür zu kriegen, welches Tempo sie nach und nach einschlagen. Ich bin beeindruckt, dass Blue wirklich tadellos neben Viv herläuft. Man sieht ihnen an, dass sie das nicht zum ersten Mal machen. Sie wirken wie ein eingespieltes Team und Blue scheint so, als wäre sie in ihrem Element. Sie springt gekonnt und elegant über Stock und Stein.
Nach einer Weile brettern wir wirklich fast in meinem üblichen Tempo durch die Wälder und ich frage mich ständig, ob wir irgendwann eine Pause einlegen sollten. Allein schon wegen Blue. Doch jedes Mal, wenn ich zu ihr herüberblicke, scheint sie mir nicht groß außer Atem. Viv wird schon am besten wissen, wann sie eine Pause braucht.
Ich konzentriere mich wieder auf die Strecke und will gerade über einen kleinen Felsvorsprung, als Blue plötzlich etwas ausweicht und somit mir genau in die Bahn läuft, womit ich stark bremsen muss. Das hat jedoch zur Folge, dass ich vom Felsvorsprung rutsche und mich überschlage. Als ich auf dem Boden aufschlage, bleibt mir die Luft weg, da sich irgendetwas in meinen Bauch rammt. Letztendlich bleibe ich unter meinem Bike liegen und versuche den Schmerz wegzuatmen.
„Jared!“ Ich werde von meinem Mountainbike befreit und habe gleichdrauf Vivs Gesicht über mir. „Alles in Ordnung?“
„Ja, geht schon“, keuche ich. Sie zieht mich am Arm in eine sitzende Position, jedoch stöhne ich dabei schmerzend auf.
„Das tut mir so leid! Blue ist keine zweite Person gewohnt und achtet dementsprechend nur auf mich.“
„Alles gut.“ Es wird plötzlich feucht an meinem Ohr. Blue hat mich schon wieder abgeleckt und sie sieht tatsächlich so aus, als würde sie sich bei mir entschuldigen. „Schon gut“, sage ich und streiche ihr einmal über den Kopf.
„Lass mal sehen!“ Ich spüre auf einmal Vivs Hand am Saum meines Shirts und ziehe unwillkürlich die Luft ein, als sie es mir hochzieht. „Das sieht gar nicht gut aus.“ Ihre Finger streichen mir vorsichtig über die Haut und das verpasst mir trotz des noch immer anhaltenden Schmerzes eine Gänsehaut. „Das sollten wir schleunigst säubern und desinfizieren.“ Was? Ich brauche eine Weile, bis ich den Blick von ihr abwenden kann. Doch dann sehe ich hinunter. Die Hälfte meiner Bauchdecke ist stark aufgeschürft und mit Dreck überdeckt. Zudem kann man den roten Abdruck erkennen, wo sich offenbar der Griff des Lenkrads in meinen Bauch gebohrt hat. Na toll! Das wird bestimmt ein riesiger blauer Fleck.
„Komm!“ Viv zieht mich wieder am Arm und ich komme mit ihrer Hilfe auf die Beine. Wir laufen zurück zum Parkplatz und währenddessen entschuldigt sie sich gefühlt tausendmal, was ich mehr als überflüssig finde. Ich sage ihr jedes Mal, dass das ein dummer Unfall war und ich einfach besser Blue im Auge hätte haben müssen, doch das kommt nicht wirklich bei ihr an.

Trotz vehementer Beteuerungen, dass ich das auch allein hinkriegen würde und nach Hause fahren kann, zieht sie mich durch ihre Tür und direkt durchs Haus. Erst als wir in einem Badezimmer ankommen, lässt sie meinen Arm los. Aber nur, weil sie aus irgendwelchen Schränken etliche Utensilien zusammensammelt.
„Viv, das ist nichts. Ich brauche nur eine Dusche und dann hat sich das.“ Meinen Einwurf ignoriert sie völlig, stattdessen zieht sie mir das Shirt aus. An diesem Punkt gebe ich meine Versuche auf, sie davon abzubringen und beobachte sie nur noch.
Sie hält kurz einen Waschlappen unter den Wasserhahn und wischt mir dann damit über den Bauch. Sie geht wirklich sehr sanft und behutsam vor. Meine Augen folgen ihrer Hand, als hätten sie noch nie etwas faszinierenderes gesehen.
„Das könnte gleich etwas brennen.“ Was?
Ich registriere erst, was sie meint, als das Desinfektionsspray auf meine Haut trifft. Ich ziehe geräuschvoll die Luft ein, was ich sofort bereue. Ich will vor ihr nicht wie ein Schwächling wirken.
Sie wickelt jetzt einen Verband um meinen Bauch, was mich leicht irritiert.
„Ist das wirklich notwendig?“
„Da ich dir leider kein frisches und sauberes T-Shirt geben kann, ja. Wenigstens bis du zuhause bist.“ Ich sehe auf mein verdrecktes und kaputtes Shirt, das sie über den Badewannenrand geworfen hat und das ich wohl wirklich wieder anziehen muss.
Kein frisches und sauberes T-Shirt? Das heißt keine Klamotten von irgendwelchen Ex-Freunden im Haus. Das klingt doch gut.
„So, fertig.“ Ich schaue wieder hinab und der Verband sitzt jetzt und wurde mit einem kleinen Knoten befestigt.
„Danke“, hauche ich.
„Nicht dafür. Das war doch das Mindeste.“ Sie will sich gerade daran machen die Utensilien wieder wegzuräumen, als ich sie am Handgelenk greife. Sie hält inne und schaut fragend zu mir auf. Ich ziehe sie langsam zu mir und als sie direkt vor mir steht, beuge ich mich zu ihr herunter und verleihe meiner Dankbarkeit noch einmal anders Ausdruck. Obwohl… nein! Ich zeige ihr, was ihre Berührungen bei mir ausgelöst haben.
Der Kuss ist genauso intensiv wie gestern, doch er geht schnell in etwas über, das gestern noch keinesfalls mitschwang. Ich versuche mich etwas zurückzunehmen, um sie nicht zu überfallen und es generell nicht zu überstürzen, doch dann fällt mir auf, dass das gar nicht von mir kommt. Sie gibt hier den Ton an und küsst mich auf eine Weise, die gar nicht zu dem Bild des lieben, netten Mädchens, das man von ihr hat, passt.
Ich habe plötzlich ihre Hand in meinem Nacken, die mich noch fester an sie drückt und mich mit sich zieht. Wir straucheln durch den Raum und stoßen immer wieder gegen Wände, Türrahmen oder Möbel, doch das registriere ich kaum noch, weil sie mich immer mehr fordert und eine Erregung in mir auslöst, die ich schon lange nicht mehr so empfunden habe.
Irgendwann geht es abwärts und nicht mal eine Sekunde später habe ich sie unter mir auf einem Bett. Das und die Tatsache, dass sie mit ihrer Zunge in meinen Mund eindringt, lässt nun alle Barrieren bei mir sprengen. Nun bin ich es, der die Führung übernimmt. Denn ich will sie.
Meine Hand sucht den Saum ihres Tops, doch kaum, dass ich es gefunden habe, es ihr etwas hochschiebe und meine Finger die ersten Fetzen Haut erstasten können, muss ich vor Schmerzen aufstöhnen.
„Verdammt! Tut mir leid. Das habe ich jetzt völlig ausgeblendet.“ Ihre Hände, die mich wohl ebenso berühren wollten, weichen sofort von meinem Bauch, womit der Schmerz wieder nachlässt.
„Schon gut.“ Ich beuge mich sofort zu ihr herunter, um mit dem fortzufahren, was mir das Gefühl gibt wieder sechszehn zu sein. Nur dass es dieses Mal keine Fantasie mit ihr ist, sondern die Realität.
„Jared!“ Sie weicht meinem Kuss jedoch aus. Was denn jetzt? „Ich denke, wir sollten das ein andern Mal fortführen, wenn du nicht gerade verletzt bist."
„Das ist nichts“, brumme ich und küsse sie den Hals hinab, was sie kichern lässt und das macht mich wiederum noch schärfer.
„Das hätten wir schon viel früher machen sollen, was?“ Nun klingt sie mehr amüsiert.
„Absolut!“ Ich versuche einen zweiten Anlauf und jetzt küsst sie mich wieder zurück, aber nur für einen kurzen Moment, bevor sie mich erneut von sich drückt.
„Dennoch …“
„Komm schon“, knurre ich auf, was mich schon fast erschreckt. Seit wann bin ich so fordernd und zudem noch unhöflich? Doch Gott sei Dank lacht sie über meine schroffe Reaktion.
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“
„Das sind nur ein paar Kratzer. Nichts weltbewegendes.“
„Ja, das habe ich gerade gemerkt.“
„Ich halte das aus.“
„Trotzdem will ich dir nicht wehtun.“ Schon wieder bahnt sich meine Frustration durch ein lautes Schnaufen seinen Weg. Sie zieht mein Gesicht wieder zu sich und jetzt kriege ich einen Kuss, der nicht mehr meine Erregung nährt, sondern direkt ein Herzstolpern verursacht. Mit der Sanftmut gleicht dieser Kuss einem Versprechen. Einem Versprechen, dass das hier weder eine einmalige Sache noch irgendetwas Unbedeutendes ist.
Als sie sich von mir lösen will, halte ich sie noch etwas in diesem Kuss, denn das beruht eindeutig auf Gegenseitigkeit. Ich will nicht, dass sie glaubt, ich wollte jetzt nur das Eine von ihr. Ja, gut. Ich war gerade absolut in Sex-Stimmung. Aber wie hätte ich nicht? Sie hat mich völlig um den Verstand gebracht. Wie könnte ich bei dem, was sie hier mit mir tat nur einen klaren Gedanken hätte fassen können?
Nachdem ich sie jetzt doch freigebe, streicht sie mir mit den Fingern sachte übers Gesicht und schenkt mir dabei erneut das für mich schönste Lächeln überhaupt. Allein schon, weil mich das schon wieder zu etwas verleiten will, was hier und heute nicht passieren soll, sollte ich mich von ihr losreißen. Doch ich schaffe es nicht. Ich genieße diese Nähe und lasse mich nun wirklich zum ersten Mal fallen, indem ich förmlich in ihrem Anblick versinke.
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