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The Last Song

von Caraga
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / Gen
Meiko Mochizuki und Meikuumon OC (Own Character) Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
06.10.2022
24.11.2022
16
60.945
2
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
24.11.2022 4.478
 
Ihr Lieben, es geht stark auf Weihnachten zu und wie bei euch vermutlich auch, steht einiges auf dem Plan.
Ich werde weiterhin versuchen, ein Kapitel pro Woche zu veröffentlichen, doch versprechen kann ich es, zumindest bis nach Weihnachten, nicht. Auch wird der Sonntag, als Plantag, vorläufig ausgesetzt. Der Advent beginnt schließlich und meine Wochenenden sind recht voll. Wenn ich mehr schaffe, ihr kennt mich, wird es natürlich mehr. Ich kann ja selber nie abwarten ein fertiges Kapitel zu teilen. :-D Ich wollte euch einfach schon einmal Vorwarnen. Falls wir uns nicht mehr lesen, wünsche ich euch allen einen schönen ersten Advent. <3

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“Matt ist nicht da und trotzdem überlässt du meinen Freund sich selbst?” “Was?” Verwirrt drehte er sich zur Balkontür, durch die Mimi gerade zu ihm heraustrat und ihn angrinste. “Ich bin mir sicher, ihm fallen die zehn Minuten gar nicht auf. Dazu ist er zu sehr damit beschäftigt Yui und Eiji zu löchern.” Antwortete er schließlich leise. “Ich mache doch nur Spaß.” Versöhnlich klopfte sie ihm, mit der flachen Hand, auf die Brust. “Was ist mit Meiko? Du lässt sie alleine?” “Oh, Retourkutsche?” Ein Kichern entkam der Brünetten. “Sie wollte das Essen schon einmal vorbereiten, damit es fertig ist, wenn Matt und Sora wieder da sind. Ich habe ihr zwar Hilfe angeboten, doch die wollte sie nicht.” Sie zuckte mit den Schultern. “Ich glaube sie braucht gerade einfach einen Moment für sich.” Meiko kochte also? Das erklärte natürlich, wo Agumon geblieben war. Der kleine Dinosaurier war schließlich immer dort, wo es etwas Essbares gab. Doch warum kochte sie ausgerechnet jetzt? Nachdem Matt, Sora heute Vormittag entführt hatte, waren sie zusammen mit Mimi, Izzy, Yui und Eiji zurück in die WG gefahren. Izzy hatte darauf bestanden den Beiden noch weitere Fragen zu stellen, wobei er nicht wirklich wusste, was das bringen sollte. Die beiden Geschwister schwiegen sich nach wie vor aus. “Du solltest mit ihr reden Tai.” Er sollte mit Meiko reden? Warum und worüber? “Worüber denn?” Ein leises Seufzen entkam der jungen Frau. “Denkst du wirklich, dass sie nichts von deinen Albträumen mitbekommt? Ihr teilt euch ein Bett man.” Nein, natürlich war er nicht davon ausgegangen, dass sie nichts mitbekam. Zwar hatte er es insgeheim gehofft, doch die Sorge in ihrem Blick, jeden Morgen, hatte ihm längst gezeigt was sie wusste. “Sie reißt sich wirklich zusammen aber sie macht sich große Sorgen um dich.” Er war sich sicher, dass sie eigentlich hatte mehr sagen wollen. Das ‘das machen wir alle’ konnte er in ihren Augen lesen. “Mir geht es gut.” Sagte er leise. “Es sind doch nur Träume.” Genau, es waren nur Träume. Es war eine Phase und irgendwann würde auch das wieder aufhören. “Sagst du das um mich, oder um dich davon zu überzeugen?” Ihr Tonfall war scharf und eine Portion Vorwurf schwang darin mit. Ja, sie hatte Recht. Wen versuchte er eigentlich zu überzeugen? Mimi wusste, dass dem nicht so war. Er wusste, dass dem nicht so war. War er nicht genau deswegen auf die Brünette zugekommen und hatte sie um Hilfe gebeten? Egal wie sehr er es sich einzureden versuchte, diese Träume und die Infektion hingen zusammen. Spätestens, seit Yolei aufgrund dessen etwas herausgefunden hatte, war es wohl mehr als klar. “Ja, du hast Recht.” Überraschung flackerte in den bernsteinfarbenen Augen auf und kurz darauf legte sich ein breites Grinsen auf die Lippen der jungen Frau. “Aber ich kann nicht mit ihr reden.” Sagte er, noch bevor sie etwas erwidern konnte. “Nicht solange ich nicht mehr weiß.” “Was du nie wissen wirst, solange du nicht hinsiehst.” Jetzt sah sie ihn ernst und erneut mit einem Hauch von Vorwurf an. Was erwartete sie? Er sah doch hin. Er ging die Träume immer wieder durch und kam doch zu keinem Ergebnis. “Weißt du...” sagte sie und drehte sich zum Geländer, “es hat mich ziemlich überrascht, dass man von eurer Wohnung direkt auf die Tokyo Bay schaut.” Was war das für ein Themenwechsel? “Aber es freut mich.” Fuhr sie fort und schenkte ihm ein Lächeln. Es freute sie? “Warum? Ist doch eine schöne Aussicht und die Wohnung...” “Wirst du dort auch, wie jetzt, auf dem Balkon stehen und in die Ferne sehen?” Unterbrach sie ihn. “Warum sollte ich das nicht?” Irgendwie verstand er nicht was sie von ihm wollte. “Naja, die Tokyo Bay ist für dich doch das Kolosseum der realen Welt.” Für den Bruchteil einer Sekunde zog sich sein Magen zusammen und sein Körper spannte sich an. “Schwachsinn.” Zischte er dann. Was sollte das? Wie kam sie auf so einen Müll? “Warum bist du dann nach Shibuya gezogen?” War das ihr Ernst? “Wegen dem Studium!” Das Thema war doch schon längst durch, warum fing sie schon wieder damit an? “Und warum hast du Odaiba gemieden?” Eindringlich sah sie ihn an. “Zeitmangel! Hör auf in alles etwas hineinzuinterpretieren.” Fuhr er sie, etwas harscher als gewollt, an. “Hör du auf davon zu laufen!” Konterte sie gleich, ebenfalls in einem harschen Tonfall. Eine Zeit lang lieferten sie sich ein Blickduell, welchem sie, erstaunlich gut, standhielt. Vielleicht war es ein Fehler gewesen sie einzuweihen. Vielleicht hätte er einfach... “Wann zieht ihr um?” Was? Mimis Blick war plötzlich wieder sanft. Jetzt war er verwirrt. Sie gab einfach nach? “Wenn Matt und Sora soweit sind.” Hatte er ihr die Frage nicht schon einmal beantwortet? “Du meinst, wenn sie heute ja sagt?” “Woher...?” Woher wusste die Frau das jetzt schon wieder? “Ach komm schon. Ich bin Expertin, wenn es um so etwas geht und diese mysteriöse Entführung... Auffällig.” “Und Sora...?” “Ach, die hat keine Ahnung.” Erleichterung machte sich in ihm breit. Das wäre es nun wirklich noch gewesen, nachdem sein bester Freund Wochenlang alles vorbereitet hatte. “Hast du schon einen Ring?” Wieder lächelte sie. “Wir sind gerade mal zwei Jahre zusammen.” “Ach komm schon Tai! Wir wissen doch Beide, dass du sie vor ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag fragen wirst.” Woher wusste sie das jetzt schon wieder? War er so durchschaubar? “Intuition!” Sie grinste während sie seine unausgesprochene Frage beantwortete. “Außerdem weiß ich, dass Mei-Mei etwas daran liegen würde.” Ja, das wusste er auch. Seine Freundin war recht traditionell aufgewachsen, was für sie eine Heirat oder zumindest eine Verlobung, vor ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag erstrebenswert machte. Da er selbst sich sicher war, dass er mit ihr den Rest seines Lebens verbringen und eine gemeinsame Familie gründen wollte, würde er ihr diesen Wunsch auch erfüllen. Doch vorher gab es da noch eine Sache zu erledigen. “Nein.” Beantwortete er schließlich ihre Frage. Sie nickte nur. “Ein paar Monate hast du ja noch, aber du solltest dich ranhalten.” “Keine Sorge.” Der Plan stand schließlich schon. Eine Weile legte sich eine angenehme Stille zwischen sie. “Lass uns wieder reingehen.” Sagte er schließlich und schob die Balkontür auf. Er ließ die Brünette vor und folgte ihr dann zum Sofa, auf dem Izzy zusammen mit den beiden Neuen und Tentomon, saß. “Taichi-kun?” Hörte er die leise Stimme seiner Freundin, ehe er sich setzen konnte. “Alles okay?” Irgendwie wirkte sie besorgt. “Hast du was von Sora oder Matt gehört?” “Meiko macht sich Sorgen.” Palmon war Meiko hinterhergelaufen, vermutlich im Versuch sie zu beruhigen. “Musst du nicht. Wahrscheinlich genießen die gerade nur ihre Zweisamkeit.” Ein bisschen neidisch war er ja. Er selbst brauchte auch dringend Zeit mit seiner Freundin. Alleine. Ungestört. Das letzte Mal war fast drei Wochen her und es fehlte ihm. Es war nicht nur der Sex, auch wenn er immer öfter diesen Druck verspürte. Es war auch die gemeinsame Zeit, die ihnen aktuell als Paar fehlte. “Aber sie haben Biyomon und Gabumon nicht dabei.” “Sie sind im virtuellen Raum Meiko, wenn sie sie brauchen, sind sie schnell da.” Versuchte Palmon seine Freundin weiter zu beruhigen. “Palmon hat recht. Außerdem glaube ich nicht, dass Albe sie angreift.” Es war mehr als unwahrscheinlich, zumindest sagte ihm das sein Gefühl. “Du weißt es also?” Wie bitte? Überrascht sah er zu Yui, die ihn ebenso überrascht ansah. “Was soll ich wissen?” “Also...” Die Geschwister tauschten einen kurzen Blick aus. “Was soll er wissen?” Hakte nun auch Izzy nach. “Yui, ich mag dich wirklich aber das geht so nicht. Wie sollen wir euch vertrauen oder mit euch arbeiten, wenn ihr nichts sagt?” Erhöhte nun auch Mimi den Druck auf die Beiden. “Naja, ihr müsst euch keine Sorgen um Yama...to und Sora machen.” Sie hatte ihn gerade ernsthaft wieder Yama nennen wollen? Amüsiert zuckten seine Mundwinkel nach Oben. Zum Glück war der Blonde gerade nicht hier. “Eiji,” wandte er sich an Yuis, jüngeren Bruder, “Ist es...” “Ich gehe in der Küche nach Meikuumon und Agumon schauen, bevor die beiden den Kühlschank geleert haben.” Unterbrach dieser ihn, sprang auf und ließ sie sprachlos zurück. “Was läuft denn mit dem schief?” Hörte er Mimi leise fragen. Diese Frage stellte er sich auch. Er hatte sich bewusst an Eiji gewandt, da er das Gefühl hatte, dass dieser ihm aus dem Weg ging. Zwar redete der junge Mann mit keinem von ihnen sonderlich viel, doch bereits gestern hatte er das Gefühl gehabt, dass das besonders auf ihn zutraf. “Warum nicht Yui? Warum bist du dir so sicher, dass wir uns keine Sorgen machen müssen.” Riss die Frage des Rothaarigen, der die junge Frau eindringlich ansah, ihn aus seinen Gedanken. Für den Bruchteil einer Sekunde fing er Yuis Blick auf, ehe sein Freund erneut nachhakte. “Warum...” “Weil es um mich geht.” Antwortete er anstelle der jungen Frau. Schockiert richteten die Blicke sich auf ihn, doch er hielt seinen weiter auf Yui gerichtet. “Stimmt doch, oder?” Er brauchte eigentlich keine Antwort, er hatte es bereits in ihrem Blick gesehen. “Ja...” Sagte sie leise und nickte. “Aber warum?” Rief Mimi aus. “Das ergibt keinen Sinn. Dieses Digimon konnte schließlich nicht wissen wer von uns in die Digiwelt kommt. Wie hätte es das einkalkulieren sollen?” Er hörte seinem Freund nicht mehr zu, sondern sah besorgt zu seiner Freundin, die ihn, wie in Schockstarre verfallen, ansah. Noch bevor er ihr etwas Beruhigendes sagen konnte, hörten sie den Schlüssel an der Wohnungstür. “Kein Wort zu den Beiden. Nicht heute!” Wieß er seine Freunde an, noch bevor Matt und Sora eintreten konnten.  

“Da bist du ja wieder.” Gequält stöhnte er auf. Bitte nicht schon wieder. “Sag bloß du freust dich nicht mich zu sehen.” “Doch, doch. Ich bin entzückt.” Genervt öffnete er die Augen und sah in Menoas Gesicht. Schmollend schob sie ihre Unterlippe hervor. “Du nimmst mich auf den Arm.” “Wie käme ich dazu.” Seine Antwort tropfte nur so von Sarkasmus. Es war wie immer. Er befand sich in einer der Sitzreihen, des Kolosseums in der Digiwelt. Die steinernen Mauern waren, seit einigen Nächten, nicht weiter zerfallen und dennoch wirkten sie so, als würden sie jeden Moment in sich zusammenfallen. Auch die schwarzen Adern hatten sich nur minimal und kaum sichtbar, erweitert. Der Himmel war immer noch grau, tauchte alles in einen dunklen Schatten und kühlte, die sonst so heiße Umgebung, deutlich ab. Trotzdem fror er nicht. Das Einzige von dem er sagen würde, das sich verändert hatte, war seine Sichtweise. Wenn er hier war, wirkte alles viel klarer, viel realer als die ersten Male. Er nahm alles bewusster wahr und hatte auch das Gefühl, gezielt Handeln zu können. “Und?” “Und was?” Fuhr er die junge Frau an. Es nervte ihn. Sie nervte ihn. Was wollte sie noch von ihm? Er wusste schließlich wofür sie stand, warum war sie also noch hier? Hätte sie nicht verschwinden müssen? Lief das nicht so? Aber nein, sie war ja so viel mehr als Verlust. “Bist du endlich bereit?” Fragte sie und griff nach seiner Hand. Er zog seinen Arm weg, ehe sie sein Handgelenk zu fassen bekam und ihm, wie jedes Mal, diese Schmerzen zufügen konnte. “Ich weiß nicht was du von mir möchtest Menoa. Ehrlich gesagt ist es mir so langsam auch egal.” Etwas Hartes blitzte in ihren blauen Augen auf. “Das sollte es aber nicht.” “Wenn du doch so klug bist, dann gib mir doch die Antworten.” Woher kam plötzlich diese Wut? “Ach Tai,” traurig lächelte sie ihn an, “das ist dein Traum.” Warum war sie heute so umgänglich? Sonst drängte sie ihn immer. “Ist es das denn? Ist das hier ein Traum?” Die Rothaarige antwortete nicht, sondern lächelte ihn weiter an. “Wenn das hier mit dieser Infektion, mit Albe zusammenhängt, ist es dann überhaupt ein Traum Menoa?” “Ja und nein.” Was sollte das nun wieder bedeuten? “Du schläfst. Doch mehr kann wohl nur sie dir sagen.” Sie? “Du meinst Albe?” Sie nickte. “Und wie soll ich das anstellen?” Er konnte dieses Digimon schließlich nicht einfach zu sich rufen und selbst wenn, wäre es viel zu gefährlich. “Ich hoffe, dass du dazu niemals die Möglichkeit bekommst.” “Wahnsinnshilfe.” Schnaubend erhob er sich. Vielleicht war es an der Zeit etwas Neues auszuprobieren. Wenn er schon alles bewusster wahrnahm, dann sollte er das auch ausnutzen. “Was hast du vor?” Hörte er die junge Frau fragen. “Ich gehe hier weg.” “Und wohin?” “Keine Ahnung. Auf jeden Fall weg von dir.” Damit setzte er sich in Bewegung und ging den schmalen Gang, in Richtung der Treppen. “Weißt du was? Ich begleite dich.” Bitte nicht. “Kannst du nicht einfach verschwinden?” “Kannst du nicht einfach aufhören davon zu laufen?” Bevor er auch nur einen Fuß auf die Stufen setzen konnte, drehte er sich abrupt um. Das hatte er heute schon einmal gehört. “Bist du heute der Mimi Verschnitt?” Fuhr er sie an. Er konnte es wirklich nicht mehr hören. Wovor bitte sollte er weglaufen? Es gab nichts. Absolut gar nichts. Ein schelmisches Grinsen legte sich auf ihre Lippen. “Danke.” Sagte sie und für einen Moment erstrahlten ihre Augen eisblau, ehe sie ihn die Stufen herunterstieß. Unsanft landete er auf kaltem Boden. Was zur Hölle war das gewesen? Stöhnend richtete er sich auf und begann sich umzusehen. Er befand sich in einem Raum, der aus glatten, steinernen Wänden bestand. Ein leises Surren war zu hören und immer wieder knackte es leise. Wenigstens schien seine Idee, etwas Neues auszuprobieren, etwas gebracht zu haben. Langsam stand er auf, drehte sich um und erstarrte. Was war hier los? Vor ihm war ein Hochspannungsgitter, von dem die leisen Geräusche ausgingen. Er wusste, dass vor ihm ein Durchgang war und er wusste, dass er dort hindurchmusste. Doch er war wie versteinert. Er konnte sich nicht bewegen, alles in ihm sträubte sich dagegen. Warum? Er musste doch. “Auf der anderen Seite ist etwas, das mir sehr wichtig ist.” Murmelte er leise. “Sora?” Hörte er eine Stimme fragen. Kurz ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen. Woher war diese Stimme gekommen? Es war niemand hier. “Nein.” Antwortete er trotzdem. Es war nicht Sora. Sora war in Sicherheit, doch was war es dann? Er wusste es selbst nicht, wusste nur, dass es wichtig war. Wieder drehte er sich dem Gitter zu. Er musste dort hindurch, doch anstatt einen Schritt nach vorne zu machen, wich er zurück und fiel erneut. Dieses Mal landete er einigermaßen weich und rappelte sich sofort auf. Irgendetwas sagte ihm, dass er hier nicht liegen bleiben konnte. Noch bevor er sich den heißen Sand von den Klamotten klopfen konnte, bestätigte sich sein Verdacht. Reflexartig sprang er zur Seite als Sand aufgewirbelt wurde und ein weißer, aus Knochen bestehender Fuß, dort aufkam, wo er gerade noch gestanden hatte. Was war hier los? Hektisch sah er sich um und stellte fest, dass er sich wieder im Kolosseum befand. Dieses Mal sah es jedoch genauso aus wie Damals, als er das erste Mal hier gewesen war. Damals, als... Sein Magen zog sich zusammen und ein ungutes Gefühl kroch in ihm hoch, als sein Blick wieder auf den knöchernen Fuß fiel. “Bitte lass es nicht wahr sein.” Flüsterte er leise zu sich und hob langsam seinen Blick. Sein Magen verkrampfte sich schmerzhaft und er hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, als er auf das riesige Dinosaurierskelett sah. “Skullgreymon...” Hauchte er und rang nach Atem. Eine überwältigende Flut von Gefühlen überkam ihn und panisch taumelte er zurück. Immer noch bekam er keine Luft, weshalb er immer hektischer nach Sauerstoff rang. Luft, er brauchte Luft. Wieder zog sein Magen sich zusammen, als das Digimon seine Atomrakete abschoss und damit den Bildschirm, oben an der Mauer, zerstörte. “Hör auf...” Keuchte er, während der Schmerz ihn in die Knie zwang. “Bitte...” Seine Sicht verschwamm und er spürte wie heiße Tränen seine Wangen hinabrannen. “Bitte... wir sind doch Partner... Freunde...” Waren sie das? Wie konnte er sich einen Freund nennen, wo er doch schuld daran war? Er war es doch gewesen, der Agumon das angetan hatte. Etwas Hartes traf ihn in die Seite, quetschte den letzten Rest Sauerstoff aus seinen Lungen und schleuderte ihn ein Stück weit. Keuchend landete er im weichen Sand, der sich in seine Haut brannte. Wahrscheinlich hatte er das verdient. Nein, ganz sicher sogar. Er hatte seinen Partner zu einer schwarzen Digitation gezwungen. Was war er bitte für ein Partner? Was für ein Freund?  Die heißen Körner brannten sich schmerzhaft in seine Handflächen als er sich aufstützte und sich zwang hinauf zu sehen. “Es tut mir leid.” Schluchzte er und blickte dabei direkt in die dunkle und leere Augenhöhle des gewaltigen Schädels. “Es tut mir leid.” Wiederholte er und zwang sich lauter zu sprechen. Das riesige Skelett hielt einen Moment inne, dann schoss der gewaltige Schädel nach unten und verschluckte ihn. Panisch hämmerte er gegen die Glasscheibe. Er musste hier raus. So hatte das nicht laufen sollen. Neben ihm, auf dem kleinen Bildschirm, schaltete sich ein Countdown an. Was sollte das. “Aufmachen!” Rief er und hämmerte mit aller Kraft gegen die Scheibe. Wenn er stark genug war, wenn er stark genug dagegen schlagen würde, würde es sicher zerbrechen. Es musste. Immer wieder Schlug er dagegen, in der Hoffnung irgendetwas bewirken zu können. Panisch rief er, flehte, während seine Stimme brach. Dann endete der Countdown. Er schrie doch das helle Licht, welches ihn immer mehr umhüllte, schluckte seine Stimme. Niemand konnte ihn hören.  

Keuchend schrak er aus dem Schlaf und setzte sich auf. Sein Herz raste so schnell, dass er das Gefühl hatte, es würde sich jeden Moment überschlagen. Noch immer hatte er das Gefühl keine Luft zu bekommen, weshalb er panisch begann, hektisch zu atmen. Er fror, zitterte und langsam bildeten sich schwarze Sprenkel vor seinen Augen. ‘Beruhig dich.’ Rief er sich selbst zur Ruhe. Er musste sich beruhigen, es brachte nichts, wenn er noch mehr in Panik verfiel und im schlimmsten Fall, noch das Bewusstsein verlor. ‘Ruhig.’ Langsam schloss er die Augen, konzentrierte sich auf seine Atmung und zwang sich zu einem ruhigen Rhythmus. Es war nicht leicht. Das langsame und konzentrierte Atmen gab ihm das Gefühl, noch weniger Luft zu bekommen. Der Drang wieder schneller zu Atmen und in eine Hyperventilation zu verfallen war stark, doch er kämpfte dagegen. Es war schwer, doch langsam beruhigte sein Herzschlag sich und es fiel ihm immer leichter. Noch einmal atmete er tief durch, ehe er die Augen wieder öffnete. Immer noch zitterte er leicht und ganz wohl war ihm nicht. Was war das auch für ein Traum gewesen? So anders als sonst. Woher war das gekommen? Seit Jahren hatte er nicht mehr an diese Ereignisse gedacht. Warum also jetzt plötzlich? Sein Blick fiel auf die junge Frau, die neben ihm lag. Ein leichter Lichtschein, der von Draußen, durch einen Spalt der geschlossenen Vorhänge drang, erhellte sanft ihr Gesicht. ‘Du solltest mit ihr reden Tai.’ Hörte er Mimis Worte in seinen Gedanken. Ja, vielleicht sollte er das. Aber was sollte er ihr sagen? Es waren Träume. Träume die er selbst nicht verstand. Vorsichtig beugte er sich vor und küsste sie behutsam auf die Schläfe. Er würde sie nicht wecken. Er würde jetzt nicht mit ihr reden. Solange er konnte, würde er versuchen es von ihr fernzuhalten. Sie machte sich ohnehin schon genug Sorgen und die neueste Erkenntnis, hatte das nicht gerade besser gemacht. Erneut setzte er sich auf, schob seine Beine über die Bettkannte und ließ seinen Blick noch einmal durch den dunklen Raum schweifen. Sein Magen zog sich zusammen, als er am Fußende des Bettes hängen blieb, an dem, wie schon die letzten Nächte, Agumon und Meikuumon ineinander verknotet schliefen. Nein, er wollte nicht reden. Er wollte gar nichts, nicht mehr daran denken, nicht mehr erinnert werden, er musste hier weg. Er brauchte Abstand, nur für ein paar Stunden, Abstand von dem Ganzen. Schnell sprang er aus dem Bett und griff nach seiner Jogginghose, die noch auf dem Fußboden vor dem Bett lag. Anscheinend hatte seine Freundin das nicht gesehen. Glück für ihn. Er zog sich die Hose an und griff sich ein beliebiges Shirt, welches er sich ebenfalls überzog. Dann verließ er leise das Zimmer.  

Außer Atem und mit den Händen auf seine Oberschenkel gestützt, blieb er, nach vorne gebeugt, vor einem Wohnhaus stehen. Er hatte keine Ahnung wie lange er gerannt war, nachdem er die Wohnung verlassen hatte. Er hatte raus gemusst, den Kopf frei bekommen müssen und Abstand gebraucht. Abstand von allem. Von Agumon, dem Team, der Wohnung, den Träumen und seiner Verantwortung als Digiritter. Seiner Verantwortung als Anführer. Er brauchte eine Pause, nur für einen Moment. Die Bewegung, die kühle Nachtluft und das Brennen in seiner Lunge hatten unglaublich gutgetan. Jetzt stand er hier und ohne sich zu fragen warum, oder was ihn hierher verschlagen hatte, betrat er den Hausflur. Eilig lief er die Stufen hinauf, in die dritte Etage, wodurch seine Lungen erneut von einem süßen Brennen durchzogen wurden. Er musste wirklich dafür sorgen, dass er mehr Sport machte. Die täglichen Übungen und das morgendliche Joggen reichten einfach nicht aus. Nicht nur litt seine Kondition, welche die letzten Jahre erheblich nachgelassen hatte, sondern fehlte ihm der Sport auch als Ausgleich. Während des Studiums, waren es der Nebenjob und seine vollgepackten Tage gewesen, die seinen Kopf freigehalten hatten. Besser gesagt, hatten das ihm gar keine Möglichkeit gegeben und so hatte er es als Ausgleich, für den auf der Strecke gebliebenen Sport angesehen. Zumindest was bestimmte Dinge betraf. Außer Atem blieb er vor einer Wohnungstür stehen. Warum war er eigentlich hier? Er hatte nicht darüber nachgedacht, war einfach losgelaufen und hier gelandet. Wie spät war es überhaupt? War es schon Morgen oder noch mitten in der Nacht? Sollte er überhaupt schellen? Die Frage erübrigte sich schnell für ihn, denn als das Licht, hinter dem kleinen Fenster anging, drückte er wie automatisch, auf den kleinen Knopf.  Es dauerte nicht lange und die Tür öffnete sich einen Spalt, durch den ihn verschlafen, zwei braune Augen ansahen. “Taichi-kun.” Die Stimme seiner Exfreundin klang irritiert. Natürlich, seit ihrem letzten Treffen hatte er sich nicht bei ihr gemeldet und jetzt stand er, unangekündigt, vor ihrer Tür. “Was machst du hier?” Fragte sie, als er nichts sagte und ließ ihn eintreten. “Danke.” Seine Stimme war tonlos. Er zog sich die Schuhe aus und betrat das geräumige Wohnzimmer, mit der offenen Küche. Nanako stand, mit vor der Brust verschränkten Armen, im Raum und musterte ihn eindringlich. Sie trug einen kurzen, aus dunkelgrünem Samt bestehenden, Schlafanzug. Wobei das Wort Schlafanzug wohl übertrieben war.  Mehr war es ein sommerliches Top mit Spagettiträgern und einem Ausschnitt, der mit Spitze verziert war. Die Hose glich mehr einer kurzen Boxershorts und bedeckte, gerade so, ihren Hintern. “Habe ich dich geweckt?” Es wirkte, als sei sie gerade erst aufgestanden. “Was machst du hier?” Fragte sie noch einmal. Ihre Stimme war fest, doch auf gewisse Weise sanft. “Keine Ahnung.” Er wusste es wirklich nicht. “Ich war Joggen und dann war ich hier.” Antwortete er wahrheitsgemäß. “Du warst so Joggen? Um vier Uhr in der Früh?” Zurecht klang sie skeptisch. Was er trug, war nichts, was er für gewöhnlich zum Joggen trug und die Uhrzeit passte auch nicht zu ihm. “Ist etwas passiert?” Sorge legte sich in ihren Blick. “Nein, ich glaube nicht.” “Du glaubst?” Sein Hals schnürte sich zu, weshalb er als Antwort nur nickte. Warum war er gerade so emotional? Für den Bruchteil einer Sekunde presste sie ihre Lippen aufeinander. Vermutlich um sich selbst daran zu hindern, weiter nach zu haken, wofür er ihr sehr dankbar war. Einen Moment sah sie ihn noch an, dann ging sie zu der kleinen Theke und beugte sich darüber. Ein Kribbeln breitete sich in seinem Körper aus und unwillkürlich erhöhte sich der Druck seiner Lenden, als die kurze Hose hochrutschte und den Blick auf ihre wohlgeformten Pobacken freigab. ‘Fuck!’ Feste biss er sich auf die Lippe, um sich abzulenken. Das war seine Exfreundin. Seine ziemlich heiße Exfreundin, die ihm immer noch viel bedeutete. Verdammt sie war wirklich heiß und er wirklich untervögelt. ‘Scheiße!’ Schnell wandte er seinen Blick ab und starrte stattdessen auf das Sofa. “Hier.” Hörte er leise ihre Stimme und sah erst wieder zu ihr, als sie ihm ein Glas Wasser in die Hand drückte. “Danke.” Sagte er leise und bemühte sich, ihr nicht in den Ausschnitt zu schauen. Warum musste sie auch so verdammt heiß sein? “Ich komm gleich wieder, setz dich doch.” Er sah ihr nach, wie sie in einem der Räume verschwand, ging dann langsam zum Sofa und setzte sich. Das Glas stellte er, ohne auch nur einen Schluck getrunken zu haben, auf dem Couchtisch ab. Was tat er hier eigentlich? Bevor er sich darüber genauer Gedanken machen konnte, kam Nanako bereits zurück, setzte sich neben ihn und sah ihn besorgt an. Sie hatte sich eine Sweatshirt Jacke und eine Jogginghose übergezogen, wodurch ihre Reize, größtenteils, verdeckt waren. War es ihr etwa aufgefallen? Oder war ihr einfach nur kalt? Wenn er ehrlich war, wollte er es gar nicht so genau wissen. Die Situation war auch so schon, mehr als nur unangenehm. “Hast du dich mit Meiko gestritten?” “Nein.” Er schüttelte mit dem Kopf. “Was ist dann los?” Sie sah wirklich besorgt aus. “Keine Ahnung.” Antwortete er und es stimmte. Er hatte keine Ahnung. “Warum bist du...” “Ich weiß es nicht.” Unterbrach er sie. Er wusste nicht warum er hier war, nicht wie er hierhin gekommen war und auch nicht, warum er ausgerechnet vor ihrer Tür gestanden hatte. “Taichi-kun ich...” Überrascht brach sie ab, als er, aus einem Reflex heraus, seine Arme um ihre Taille schlang und sie ein Stück zu sich zog. Er musste gerade hier sein. Hier war er richtig. Weg von seiner Arbeit, seinem Team, den Digimon und den aktuellen Sorgen. Sie war kein Digiritter, hatte mit all dem nichts zu tun und genau das brauchte er grade. Ihre Nähe tat ihm gut und wie schon beim letzten Mal, verirrte sich sein Blick auf ihre Lippen. Diese Lippen, die er so oft gespürt, so oft geschmeckt hatte. “Taichi... wir...” Hauchte sie leise und ihr Atem streifte seine Lippen. “Ich weiß...” Antwortete er, ebenfalls tonlos, schloss seine Augen und beugte sich langsam vor. Ihre Wangen berührten sich und er konnte spüren, wie ihr Körper sich anspannte, als er seinen Kopf senkte und seine Stirn an ihre Schulter lehnte. Das war es was er gerade brauchte. Ruhe. Weit ab von allem und wenn es nur für wenige Minuten war.
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