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Kampf ums Überleben

von Achanti
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Het
04.10.2022
09.12.2022
32
72.591
12
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24.11.2022 1.610
 
Es vergingen einige Tage, doch dann kam einer der Ärzte auf Dakota zu. Sie hatte jeden Tag nach dem Baby gesehen, hatte gleichzeitig aber auch um Camerons Leben gebangt. „ Miss Barlow? Wir konnten Ihren Freund operieren. Es wird allerdings noch dauern, bis er auch stabil genug für den Transport ist. Er hatte schwere innere Verletzungen und ich kann Ihnen nicht sagen, ob und wenn ja wann er wieder gesund wird.“ „ Was für Verletzungen hatte er? Wurden irgendwelche Organe verletzt? Sie müssen nichts beschönigen, ich bin selbst Ärztin.“

Der Arzt zögerte kurz, doch er wollte auch ehrlich sein. „ Seine Lunge wurde verletzt, aber wir konnten sie flicken. Darüber hinaus hat er eine sehr schwere Kopfverletzung erlitten. Er liegt noch immer auf der Intensivstation und wird künstlich beatmet.“

Dakota atmete tief durch. „ Aber er wird es schaffen, oder?“, hakte sie leise nach. „ Ich hoffe es. Er ist ein zäher Bursche und vielleicht können wir in ein paar Tagen die künstliche Beatmung abstellen. Sie haben das Baby aufgepäppelt. Sie haben getan was in Ihrer Macht stand. Gut gemacht Kollegin. Für den Rest können wir nur hoffen und beten.“

Dakota lächelte beschämt. „ Kann ich vielleicht zu ihm?“ „ Wenn Sie entsprechende Schutzkleidung anziehen, können Sie zu ihm. Sie kennen sich ja aus.“ Damit ließ der Arzt Dakota wieder alleine.

Langsam aber sicher wurde ihr bewusst wie schlimm es tatsächlich um Cameron stand. Er war lebensgefährlich verletzt und es war nicht sicher, ob er überhaupt überleben würde. Er wurde sogar künstlich beatmet, was kein gutes Zeichen war.

Wie in Trance zog sie sich die Schutzkleidung über und betrat sein Zimmer. Sofort kontrollierte sie die Vitalwerte und atmete tief durch. Sie waren zwar nicht gut, dafür aber stabil und das bedeutete ihr im Moment am meisten. Vorsichtig griff sie nach seiner Hand.

„ Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber ich bin bei dir. Das Baby hat es geschafft. Wir konnten es rechtzeitig evakuieren und es ist gesund. Jetzt musst du auch noch gesund werden.“ Sie schluckte ihre Tränen runter und überlegte was sie noch sagen konnte. Bisher musste sie nur anderen Angehörigen Mut zusprechen, hatte aber keine Ahnung was sie jetzt tun sollte. Sie wusste genau, dass sie nur abwarten konnte, aber sie war ungeduldig.

„ Bitte werde wieder gesund. Wir haben doch noch so viel vor.“ Sie drückte ihm vorsichtig einen Kuss auf die Stirn und verließ das Krankenzimmer dann. Auf dem Flur begegnete sie Sean, welcher sie fragend ansah.

„ Wie geht es ihm?“, fragte er sie. Dakota zuckte die Schultern, während sie sich aus der Schutzkleidung schälte. „ Die nächsten Tage werden entscheiden. Seine Lunge wurde verletzt, aber das konnte gut operiert werden. Allerdings hat er auch schwere Kopfverletzungen und die bereiten den Ärzten Sorge. Er wird künstlich beatmet und…“

Sie schluckte und warf einen Blick in Camerons Zimmer. Nur eine dünne Scheibe trennte sie von ihm, doch sie fühlte sich unendlich weit weg von ihm. Plötzlich spürte sie wie jemand die Arme um sie legte und so lehnte sie sich dankbar an Seans starken Körper.

„ Er schafft das. Cameron ist ein zäher Hund, so schnell hält ihn nichts auf. Außerdem will er doch noch viel Zeit mit dir verbringen. Eure Beziehung hat gerade erst angefangen.“ „ Ich will optimistisch sein, aber ich bin auch Realistin. Jeden weiteren Tag an der Beatmungsmaschine senkt die Chance auf eine vollständige Genesung. Selbst wenn er wieder aufwacht… er wird nicht mehr derselbe sein. Wir wissen nicht einmal ob er uns noch erkennt.“ „ Er wird uns erkennen und er wird auch wieder vollständig gesund. Lass uns gehen, du solltest etwas essen.“

Sie warf wieder einen Blick in das Krankenzimmer, nickte aber schließlich, da sie genau wusste, dass sie nichts für Cameron tun konnte. Es hing jetzt alles von ihm selbst ab und sie glaubte daran, dass er ein Kämpfer war.

Langsam schritt sie nun neben Sean her und fand sich wenig später in einem türkischen Café wieder, wo Sean ihnen etwas bestellte. Sie hatte keine Ahnung von dem was sie gleich bekam, aber sie vertraute Camerons rechter Hand vorbehaltlos.

„ Ich möchte mich noch einmal bei dir entschuldigen“, begann Sean da auf einmal und riss sie damit aus ihren eigenen Gedanken. „ Entschuldigen wofür?“ Er seufzte und nippte an seinem Tee. „ Ich habe dich für das verantwortlich gemacht was deine Mutter fabriziert hat. Der Untersuchungsausschuss ist schon bei der Aufarbeitung und es sieht nicht gut aus. Du kannst aber auf jeden Fall auf meine Unterstützung zählen, sollte irgendwer auf die Idee kommen dich mitverantwortlich zu machen.“

Sie lächelte mit Tränen in den Augen. „ Das bedeutet mir sehr viel“, hauchte sie und trank dann schnell etwas von ihrem Tee. Sean schenkte ihr eines seiner seltenen Lächeln. „ Ich habe mich scheiße benommen, aber ich bin mir nicht zu schade dafür mich zu entschuldigen, wenn es angebracht ist. Du kannst dir nicht vorstellen was ich mir zwischendurch alles von Cameron anhören durfte.“ „ Wir sind uns näher gekommen. Vielleicht war er etwas zu streng zu dir.“

Sean schüttelte den Kopf. „ Cameron ist gerecht gewesen. Er hat immer an dich geglaubt und von vornherein zwischen dir und deiner Mutter getrennt.“ „ Die Chancen, dass er überlebt stehen verdammt schlecht. Ich weiß ich sollte optimistischer sein, aber ich bin selber Ärztin. Ich habe gehört was der Kollege gesagt hat und ich habe seine Werte gesehen. Ich… ich hätte niemals dorthin fahren sollen.“

Sean griff nach ihren Händen und hielt sie fest. „ Cameron ist ein Kämpfer. Auch wenn die Chancen schlecht stehen, solange es eine gibt, nutzt er sie.“ Dakota war froh, dass Sean ihr mittlerweile wohlgesonnen war. Hätte sie diese Situation jetzt alleine durchstehen müssen, hätte sie es gar nicht geschafft. Zu sehr setzte ihr Camerons schlechter Gesundheitszustand zu.

„ Wie lange kennt ihr euch schon?“, wollte sie nun wissen. „ Ich kenne ihn seit unserer Ausbildung bei den Seals. Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel.“ „ Man merkt, dass er dir viel bedeutet“, erwiderte sie mit einem kleinen Lächeln. „ Wir sind wie Brüder. Deswegen weiß ich auch, dass er es schaffen wird. Cameron ist einer der stärksten Menschen die ich kenne.“ „ Nur leider reicht das manchmal nicht und das weißt du.“

Sean zog sie auf die Beine und ging mit ihr in einen nahe gelegenen Park. Dort waren sie etwas ungestörter und so setzte er sich mit ihr auf eine Bank. „ Ich weiß wie realistisch die Chancen sind, aber ich weigere mich an das Schlechte zu glauben. Du hast doch auch schon Wunder erlebt oder nicht?“

Dakota lächelte schwach. „ Natürlich habe ich das, aber sie sind sehr selten. In den meisten Fällen verliere ich die Patienten. Ich will ehrlich sein, ich sähe ihn lieber in einem amerikanischen Krankenhaus als hier, aber das kann ich mir nicht aussuchen. Sie haben sicherlich getan was sie konnten, aber ich…“ „ Hättest du ihn lieber selbst behandelt?“, wollte Sean wissen.

Dakota seufzte lange. „ Das würde ich gerne, aber es hat seine Gründe, warum Ärzte ihre Angehörigen nach Möglichkeit nicht selbst behandeln sollten.“ Sean nickte verstehend. „ Ihr würdet alles für eure Leute tun“, stellte er fest. „ Entweder das oder wir würden in Schockstarre verfallen. Ich jedenfalls war ziemlich geschockt, als Cameron einfach so da lag. Und dann habe ich geflucht, weil ich ihn nicht behandeln konnte. Wenn er jetzt stirbt… ich würde mir ewig Vorwürfe machen. Ich würde mich immer wieder fragen warum ich nicht mehr gemacht habe um ihn zu retten.“

Sean nahm sie in den Arm und drückte sie fest an sich. „ Du hast alles getan was du konntest. Du hattest kein medizinisches Material und hast mit dem was dir zur Verfügung stand geholfen so gut es ging. Jeder von uns hat das gesehen.“ „ Du würdest mir also keine Vorwürfe machen? Obwohl Cameron dein bester Freund ist und ich dir immer ein Dorn im Auge war?“, fragte sie mit Tränen in den Augen.

Sean atmete tief durch ehe er antwortete. „ Ich wäre am Boden zerstört, wenn er es nicht schafft, aber ich weiß auch, dass du alles getan hast um ihn zu retten. Aber lass uns nicht mehr von negativen Dingen sprechen. Lass uns davon sprechen was wir geschafft haben. Wir konnten zwar nicht alle retten, aber wir haben ein neugeborenes Baby gerettet. Wir haben ein junges Leben gerettet, welches gerade erst begonnen hat.“

Dakota schenkte ihm ein kleines Lächeln. „ Wir haben das Baby gerettet, aber es wird nach seiner Mutter fragen. Und die Mutter haben wir verloren.“ Sean legte den Arm um sie und drückte sie an sich. „ Man wird ihm erzählen, dass seine Mutter eine Heldin war. Er wird stolz auf sie sein.“ „ Wird er uns nicht verfluchen? Wird er uns nicht die Schuld am Tod seiner Mutter geben?“ Dakota wusste ganz genau, dass sie so denken würde, wenn man ihr so eine Geschichte erzählen würde.

Sean zuckte die Schultern. „ Vielleicht wird er im ersten Moment so denken, aber sobald er reflektiert darüber nachdenkt, wird er zu genau diesem Ergebnis kommen. Seine Mutter hat für ihn gekämpft und ihm das Leben gerettet. Er verdankt ihr alles und das wird er wissen wenn es soweit ist.“

Dakota nickte langsam, war mit ihren Gedanken aber schon wieder bei Cameron. „ Hör auf an ihn zu denken. Wir können Cameron nicht helfen. Er muss es jetzt alleine schaffen.“ „ Es ist komisch. Ich weiß, dass ich ihm nicht helfen kann, aber trotzdem habe ich das Bedürfnis danach. Ich bin Ärztin und sollte rational denken, aber im Moment fühle ich mich einfach wie eine normale Angehörige und will ihm irgendwie helfen.“ „ Da tickt jeder Mensch gleich. Aber Cameron muss es selbst schaffen und er ist ein Kämpfer. Ich habe schon etliche Einsätze mit ihm absolviert und weiß genau, dass er es schafft. Er ist stark.“ „ Ja das ist er“, murmelte sie und versank wieder in ihren Gedanken.
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