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2022 09 30: Alltagsmonster [by Satyrical]

Kurzbeschreibung
OneshotAngst / P18 / Gen
Taishi Touma
30.09.2022
30.09.2022
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30.09.2022 604
 
Tag der Veröffentlichung: 30.09.2022
Titel der Geschichte: Alltagsmonster
Song: monsters von TJ_babybrain
Autor: Satyrical
Kommentar des Autors: Warnung für Kindesmissbrauch.
Entstanden ist diese Geschichte, als ich gerade in einem Café gesessen und überteuerten Kaffee getrunken habe - immerhin weiß ich jetzt, dass "seine Schreibblockade durchbrechen" ungefähr fünf Euro kostet und nach Haselnuss schmeckt, schätze ich.
Anders als in meiner Geschichte "Retterkomplex" zum 23.09. ist heute nicht Tooru der Hauptcharakter sondern Taishi.  Dementsprechend entschuldige ich mich schonmal für den dunklen Ton der Geschichte.


Das Wort "Monster", das lernte Taishi Touma früh, bedeutete für jeden Menschen etwas anderes.

Für viele von ihnen hatte ein Monster scharfe Krallen oder spitze Zähne wie ein Tier.

Für ihn hatte es schwarze Haare, grüne Augen und trug den unverkennbaren Geruch von Alkohol mit sich. In seinem Mund reihten sich keine scharfen Zähne sondern scharfe Worte, und seine Hand trug keine spitzen Krallen, sondern eine rotorange glimmende Zigarette.

Wo die Monster der anderen Krallenspuren und Zahnabdrücke hinterließen, hinterließen seine kreisrunde Narben. Auf seiner Brust, seinem Rücken, seinen Beinen, bis er aussah wie das Bilderbuchbeispiel für Windpocken. Selbst in seinem Gesicht trug er diese Narben - neun oder zehn von ihnen direkt unter seinem Auge, so dicht beieinander dass sie kaum mehr als einzelne Kreise zu erkennen waren.

Immerhin sah er so ein kleines bisschen weniger aus wie sein Erzeuger, schätzte er. Es war bereits schlimm genug, dass er in den Spiegel blickte und ihn die Augen seines Vaters anstarrten, genauso hasserfüllt und angewidert, wie es dieser in Wirklichkeit tun würde. Für Taishi war es Grund genug, um Spiegel zu vermeiden, jagte es ihm doch jedes Mal einen Schauer über den Rücken.
Die Narben unter seinem Auge erleichterten es ihm, sich selbst von seinem Vater zu unterscheiden, ihm in Erinnerung zu rufen dass die Hände die er dort sah nicht durch den Spiegel greifen und ihm wehtun würden. Es war ein Fluch und ein Segen, wie sehr seine Narben sein Aussehen formten.

Sie hatten keine Narben wie Taishi, aber auch die Kinder im Kindergarten oder in der Schule sprachen von Monstern. Sie versteckten sich unter ihren Betten oder in ihren Schränken, sagten sie, oder jagten sie nachts durch die dunklen Flure, wenn sie sich ein Glas Wasser holen wollten.

Taishi konnte ihre Angst verstehen. Auch seine Monster hatten ihn so manches mal durch die Flure gejagt. Laut schreiend, mit einer Bierflasche in der Hand. Auch er hatte Angst gehabt.

Er war zu jung gewesen, um zu verstehen, warum seine Eltern so waren wie sie waren, warum sie von Tag zu Tag mehr zu den Monstern wurden, die er so fürchtete.

Er wusste nicht, was es bedeutete ein Magier zu sein, was Magie mit einem Menschen machte... Und so blieb er lange Jahre in dem Glauben, es wäre normal, es wäre alltäglich - Erwachsene wurden hin und wieder zu Monstern, und Kinder wie er hatten das zu akzeptieren.

Zwar waren Ioris und Toorus Eltern immer gut zu ihm, aber auch sie mussten wohl von Zeit zu Zeit zu Monstern werden. Das war immerhin der Grund für Ioris viele Verbände, nicht? Er wusste allerdings nichts mit ihren betrübt traurigen Blicken anzufangen, wann immer sie ihm halfen, seine Wunden zu verbinden. Ihren Sohn hatten sie nie so angesehen.

Dass Ioris Wunden von schlichten Spielereien mit seiner Magie stammten erfuhr er erst viele Jahre später.

Mit achtzehn Jahren wurde Taishi selbst zu einem Monster. Tsurugi weinte viel. Verstand nicht, wieso sein ehemaliger Beschützer auf einmal so schrecklich grausam zu ihm war.

Taishi hatte kein schlechtes Gewissen.

Es war immerhin der natürliche Lauf der Dinge, oder? Alltag.
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