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Yu-Gi-Oh! Somnia et Veritas (MMFF)

von Noir776
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
OC (Own Character)
26.09.2022
24.11.2022
3
10.151
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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24.11.2022 4.477
 
Kapitel 2: Das Special Force HQ

Es war ein ruhiger Mittwoch für die meisten Bürger der Stadt Tokio. Die Arbeit oder das Schulleben hatte mal wieder nach sich gerufen und nur wenige konnten ihren Morgen mit purer Freizeit genießen. Für Satou, dem jungen, 19-jährigen Mann aus Hokkaido war dies ein Traum, der ihm schon seit Monaten verwehrt geblieben war. Bevor er von seiner Teilzeitarbeit gekündigt wurde, hatte er immer die Schichten übernommen, die sonst keiner haben wollte. Dies waren entweder die unglaublich zähen Nachtschichten oder die Arbeit in der hellsten Früh, während der eigene Boss sicherlich noch in seinem weichen Doppelbett schlief. Sichtlich schien sich dieser Trend nicht zu verändern, da sein eigentlicher Chef nirgendwo zu sehen war. Stattdessen stand er vor einem Soldaten, der gute zehn Zentimeter größer als er selbst war.

“Sie! Sie kümmern sich um die Neuankömmlinge!”, hallte die Soldatenstimme durch den gesamten Raum, als er seinem Gegenüber eine Aufgabe übergab, die er eigentlich selbst tun sollte. Satou konnte nicht anders als zu seufzen. Er hatte schon oft die Erfahrung gemacht, dass jemand seine Arbeit auf ihn schob, aber noch niemand hatte es so offensichtlich gemacht.

“Aber ich bin erst vorgestern angekommen?”, versuchte er sich aus der Affäre zu ziehen, doch war dies ein hoffnungsloses Unterfangen.
“Dann war dies definitiv genug Zeit, um sich hier einzugewöhnen! Hier haben Sie eine Checkliste!”

Und damit war das letzte Wort des Soldaten gefallen. Widerwillig nahm Satou das Klemmbrett mit der Checkliste entgegen und zu seiner Überraschung wusste er tatsächlich, wo sich die Orte auf der Liste befanden. Zusätzlich war auf dem Blatt Papier auch vermerkt, wo sich die Neuankömmlinge versammeln würden, die er nun herumführen würde, also musste er das zumindest nicht mehr nachfragen. Kopfschüttelnd wandte er sich vom Soldaten ab, der mit einem betonten Schritt davontrat und sich seinen anderen Pflichten widmete, zumindest hoffte Satou das.

Mit einem weiteren Blick auf seine Liste entdeckte er, dass es sich wohl um eine Art Protokoll handelte, welches er im Zuge noch abgeben müsste. Theoretisch sollte dies wohl der Soldat von eben ausfüllen, doch da Satou seinen vollen Namen ohnehin nicht kannte, beschloss er ihm die Arbeit einfach nicht abzunehmen. Davon abgesehen hatte er kein Stift bekommen, mit dem er die Liste abchecken könnte. Zwar könnte er seinen eigenen Kugelschreiber verwenden, doch war ihm dieser eindeutig zu wertvoll. Ein schneller Blick auf seine Billigarmbanduhr verriet ihm, dass er sich schleunigst zum Treffpunkt aufmachen sollte, wenn er noch rechtzeitig sein wollte.

~~ Der Kaserneneingang ~~


Als Satou den Treffpunkt ausfindig machte, fand er eine überschaubar... kleine Gruppe vor. Etwas überrascht sah der Schwarzhaarige auf die Personenliste, die sich unter der Checkliste befand. Eigentlich sollte er sich um zehn Personen kümmern, doch vor seinen Augen entdeckte er nur drei. Seufzend näherte er sich der Gruppe, die aus einer Frau und zwei Männern bestanden, welche höchstwahrscheinlich zwei bis drei Jahre älter waren als er.

„Guten Tag, schön euch kennenzulernen. Mein Name ist Horizumi Satou und ich werde heute die Führung in das Special Force HQ mit euch unternehmen. Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit“, begann der Schwarzhaarige, wobei er dafür den ein oder anderen skeptischen Blick bekam. Es könnte an seinem Alter liegen, doch hatte er irgendwie das Gefühl, dass der eigentliche Grund ein anderer war. Tatsächlich lag er sogar richtig in seiner Annahme, als sich die Dame der Gruppe aussprach.

„Es tut mir Leid Sie zu unterbrechen, aber ich vermute Ihre Armbanduhr ist defekt. Denn jene zeigt eine Uhrzeit von 7:25 Uhr, während es momentan gerade einmal zehn nach ist.“

Etwas leicht irritiert sah der junge Mann auf seine Uhr, nur um festzustellen, das sie tatsächlich von der richtigen Uhrzeit abwich, die er unter anderem von seinem Handy vernahm. Seufzend schüttelte er den Kopf und entschuldigte sich sofort bei den Neuankömmlingen. „Danke, dass Sie mich darauf aufmerksam gemacht...“, begann er sich zu bedanken und versuchte nach dem richtigen Namen in der Liste zu suchen.

„Nennen Sie mich bitte einfach Amor“, kam schließlich die helfende Antwort der jungen Dame, die sich im Anschluss ein Notizbuch herausnahm und sichtlich etwas darin hineinzuschreiben schien. Irgendwie konnte Satou das Gefühl nicht abschütteln, dass sie etwas über ihn notierte.

Wie es sich herausstellte lag er erneut richtig in seiner Annahme, da Amor sich tatsächlich an den jungen Mann erinnerte, der sie einführte. Denn sollte ihr Gedächtnis sich nicht täuschen stand sie nun Nummer 41 gegenüber, der ihrer Vermutung nach eigentlich nicht hätte bestehen sollen. Sie beschloss diese Information in ihrem kleinem Notizbuch zu überarbeiten und bestätigte dabei gleichzeitig, dass Nummer 81 und 72 ebenfalls bestanden hatten, da sie nun ebenfalls hier standen. Warum der 41er jedoch schon vor ihr bei der Special Force war, erschloss sich Amor noch nicht so ganz, doch vermutete sie, dass es etwas gab, was sie nicht wusste.

Um ehrlich zu sein war sie kein großer Fan davon in einer Gruppe eine Einführung zu erhalten. Wenn sie unbedingt wissen wollte wo das war, was sie suchte, dann konnte sie auch eine Karte verwenden. Nichtsdestotrotz könnte es die Möglichkeit geben, dass man nützliche Informationen bekäme, jedoch bezweifelte sie das bei einer Person, die sie erst vor Kurzem bei demselben Bewerbungsgespräch gesehen hatte.

Es dauerte nicht lange bevor einige andere Personen ankamen. Manche von ihnen waren von einer anderen Gruppe, die sich erst eine Viertelstunde danach treffen würden und ihre Führung mit einem anderen Soldaten haben würden. Genau dieselbe Information hatte Amor auch in der Mail vorgefunden, die sie nach Annahme für den Job erhalten hatte. Es wurde versprochen, dass ein Soldat, die Formalitäten, inklusive der Einführung abklären würde, doch stattdessen war es ein Frischling, der sicherlich noch nicht so viel über die gesamte Arbeit hier wusste. Dafür gab es nur zwei Erklärungen. Der Soldat in Frage war verhindert und es gab keinen Ersatz oder die Arbeit wurde einfach an Horizumi-san abgelagert. Was auch immer es war, es änderte nichts an der Ausgangssituation, weswegen Amor überlegte, sich von der Gruppe zu lösen, sobald sie die Anwesenheit und andere Formalitäten geklärt hatte. Jedoch wusste sie nicht in welcher Reihenfolge alles stattfinden würde, also blieb ihr nichts anderes übrig, als selbst einzugreifen.

Aus eigenen Erfahrungen wusste Amor, dass man sich bei erstmaligem Eintreffen immer ausweisen musste, damit die Identität überprüft werden konnte und bei einer Arbeit bei der Regierung war dies unvermeidbar. Genau deshalb konnte sie ohne Bedenken ihre Geldbörse aus der Tasche nehmen und ihren Ausweis herausziehen.

„Hier bitte schön“, reichte sie Horizumi-san einfach ihren Ausweis und zeigte ihm dabei gleichzeitig die Email, die sie von der Regierung erhalten hatte. Nach Amors Ermessen hatte sie sich hiermit ausgewiesen und musste nur noch darauf warten, dass ihr Gegenüber die Daten kontrollierte. Da die Schwarzhaarige mit ihrer Aktion sehr direkt war, rechnete sie damit, dass Horizumi-san auch den Rest des Organisatorischen mit ihr abklären würde. Und genauso wie sie es sich vorgestellt hatte, gab er ihr ihren Ausweis zurück und reichte ihr auch anschließend das Klemmbrett mit der Liste. Schnell zeichnete Amor ihre Unterschrift auf das Blatt und wartete anschließend bis der Schwarzhaarige weitersprach.


„Damit wäre alles Organisatorische für Sie abgeklärt. Ziel der Führung ist immerhin nur zu zeigen, wo sich alles in dem riesigen Donut-Gebäude befindet. Der Rest wird von eurer Dienststelle erledigt.“

„Donut-Gebäude?“, kam eine Frage von einem der anderen Teilnehmer.

„Nun, die Kaserne ist mehr oder weniger ein großer viereckiger Ring, mit einem enormen Innenhof. Wenn man von oben auf das Gebäude schauen würde, dann sehe es aus wie ein eckiger Donut“, begann Horizumi seinen Gedankengang zu erklären, was die Umstehenden etwas sprachlos werden ließ. Nichtsdestotrotz fuhr er fort: „Ich werde euch anschließend noch zeigen, wo alles ist. Dürfte ich übrigens die Ausweise von euch beiden sehen?“

Sofort sammelte er die Unterschriften ein und klopfte anschließend zufrieden auf das Klemmbrett. „So, bei mir wärt ihr theoretisch fertig mit dieser Unterschrift. Ich habe eine Führung zu machen, aber ich kann niemanden von euch zwingen. Solltet ihr das Verlangen spüren einfach zu verschwinden, weil es euch zu langweilig wird, dann nur zu, I don't really care.“

Als Amor dies hörte, konnte sie nicht anders als zu bemerken, wie Horizumi-san sich während seiner Aussage zu ihr gewandt hatte. Es war so, als würde er sie damit direkt ansprechen wollen. Vielleicht hatte sie ihre Intentionen etwas zu offensichtlich gemacht.

~~Der Innenhof~~


Im Zentrum des Special Force – Hauptquartiers, welche eigentlich eine Kaserne ist, lag ein großer Innenhof, der früher oft für Ausbildungszwecke verwendet wurde. Oft konnte man hier die neuen Rekruten sehen, wie sie von ihren Vorgesetzten belehrt und angeschrien wurden. Doch das alles lag weit zurück in der Vergangenheit. Jetzt diente er der Entspannung der Mitarbeiter und wäre heute auch der Startpunkt der Führung gewesen.
Seufzend stand der schwarzhaarige junge Mann im Innenhof, der in seinem Zentrum einen großen Baum beherbergte, den Satou ehrlich gesagt nicht zuordnen konnte. Er hatte sich bis dato noch nie für Bäume oder die Natur allgemein interessiert, dafür war er zu sehr vom Schnee in Hokkaido abgelenkt gewesen. Ein wenig Heimweh baute sich in seinem Herzen auf, als er gen Himmel starrte und sich die Kälte aus dem Norden wieder wünschte. Obwohl er sich schon an das andere Klima gewöhnt hatte, konnte er nicht anders als über seine vergangenen Entscheidungen nachzudenken.

Schnell schüttelte er seinen Kopf, um die Gedanken loszuwerden und versuchte sich eher auf die momentane Situation zu konzentrieren. Denn eigentlich hätte er eine Führung übernehmen sollen, die aufgrund der fehlenden Teilnehmerzahl etwas redundant wirkte. Nachdem er den Neulingen mitgeteilt hatte, dass sie gehen dürften, hatte jeder die Möglichkeit genommen und sich von der Gruppe getrennt. Das Endresultat: Zwei waren nicht erschienen, der Rest war abgehauen.

Tatsächlich störte es Satou recht wenig, da er somit weniger Arbeit hatte. Nichtsdestotrotz konnte er nicht anders, als sich ein wenig enttäuscht zu fühlen. Kopfschüttelnd lehnte er sich an den großen Baum und sah auf seine kaputte Armbanduhr. „Es ist also erst 7:25 Uhr...“, murmelte der junge Mann vor sich hin, bevor er sich wieder daran erinnerte, dass seine Uhr kaputt war. Ein weiteres tiefes Seufzen entfloh seinen Lippen. „Was soll's. Ich sollte wieder zurückgehen.“

„Hm? Was soll denn das lange Gesicht?“, vernahm Satou auf einmal eine weibliche Stimme, die sichtlich ihm zugewandt war. Als er schließlich aufsah, erblickte er eine junge Dame mit langem schwarzen Haar, welches sie in einem hohen Zopf trug. Als der Schwarzhaarige sie genau betrachtete, wurde er irgendwie sofort auf ihre prägnant roten Lippen aufmerksam. War das ein Lippenstift? Nein, das war sicherlich ihre natürliche Farbe. Seine Augen wanderten weiter über ihren Körper, doch bevor er noch weiter überlegen konnte, bekam er einen Finger gegen die Stirn geschnippt. „Was schaust du so blöd?“, lachte sie leicht auf und setzte ein Lächeln auf.

„Tut mir Leid, ich war noch etwas geistesabwesend.“

Nachdem sich Satou entschuldigt hatte, wunderte er sich allerdings doch, warum er gerade angesprochen wurde. Es musste dafür einen Grund geben und deswegen fragte er auch sogleich: „Sag mal, benötigen Sie etwas von mir?“

Irgendwie schien sein Gedankengang aber falsch gewesen zu sein, da die Schwarzhaarige in lautes Gelächter ausbrach, als sie seine Frage gehört hatte. „Lass das mit der Höflichkeitsform einfach weg. Wir sind ja beide recht neu hier! Ich bin Araki Mei! Schön dich kennenzulernen!“

Als Satou den Namen hörte, läuteten ein paar Glocken in seinem Kopf, doch er konnte ihn nichtsdestotrotz nicht richtig zuordnen. „Also, Araki-san...“, begann er deswegen zu reden, um mehr herauszufinden, doch wurde er prompt von seinem Gegenüber abgeschnitten. „Nicht Araki-san, das klingt viel zu höflich für mich!“
„Araki-kun?“, versuchte er es noch auf die Art und Weise, da so meistens junge Angestellte angesprochen wurden, wobei das meist nur von älterem Personal passierte. Irgendwie fühlte sich Satou alt, obwohl er vermutlich der Jüngere war.
Doch auch das schien dem Neuling nicht zu gefallen, weshalb Satou die Namensfindung auf später verschob. „Egal.“
„Nein ist es nicht!“
„Was brauchst du von mir?“

Kurz überlegte die Schwarzhaarige bevor ihr wieder einfiel, warum sie überhaupt gekommen war. „Stimmt! Amor-chan hat mir erzählt, dass mein Name auf deiner Liste war und dass du die Anwesenheit kontrolliert hast. Ich bin quasi hier, um das wett zu machen!“, erklärte sie schließlich, worauf auch bei Satou die Glühbirne anging. Stimmt! Er hatte den Nachnamen Araki in seiner Teilnehmerliste gelesen, aber war der Vorname nicht anders? Etwas verwirrt packte der Schwarzhaarige das Klemmbrett heraus und fand den Namen sogar relativ schnell.
„Araki Jamini“, begann Satou vorzulesen, als ihm auf einmal prompt der Mund zugehalten wurde. Etwas Panik überkam ihm, als er die Kraft in ihrem Griff spürte und er für einen Moment Angst hatte, irgendeinen großen Fehler begangen zu haben. Die Schwarzhaarige kam ihm etwas näher und flüsterte ihm anschließend mit einem bedrohlichen Unterton ins Ohr: „Araki Mei. Verstehen wir uns?“

Schnell nickte Satou panisch zur Bestätigung und versuchte währenddessen zu ignorieren, wie nah ihm seine Angreiferin gerade war. Mit einem skeptischen Blick ließ sie schließlich los und sah zu, wie der Jüngere von den Beiden nach Luft schnappte. Er war zwar in keiner Luftnot gewesen, doch hatte ihm die Situation einen Schrecken bereitet. Eine kurze Weile brauchte er noch, um sich von dem Schock zu erholen und sprach erst danach weiter. „Also, uhm... könntest du dann hier unterschreiben, Mei-san?“

„Das ist besser!“ Zufrieden nickte sie dem neuen Namen zu und richtete anschließend ihre Kleidung, bevor sie aus ihrer Hosentasche einen Stift herausnahm. Die Unterschrift war schnell abgefertigt, worauf sich Mei anschließend streckte und dabei einen zufriedenen Laut von sich gab.

„So, dann hätten wir das endlich abgeklärt! Ahja, da du mich jetzt Mei-san nennst, spreche ich dich mit Satou-san an, okay?“

Satou wusste, dass er hier keine Wahl hatte, weshalb er einfach zustimmte. Manchmal war es wirklich einfacher nicht zu widersprechen und das zeigte sich hier sehr deutlich. Das war eine seltsame Erfahrung mit Mei gewesen. Innerlich konnte er nicht anders als darüber zu schmunzeln. Doch als sich die Schwarzhaarige umdrehen wollte, fiel Satou noch eine Frage ein, die ihm wichtig war. „Seit wann bist du eigentlich hier? Denn wir hätten uns vor einer Viertelstunde zur Führung getroffen.“

„Oh die! Ich hatte meine Führung schon heute in der Früh mit meinem Bruder, also wusste ich nicht, dass ich auch hier dabei sein muss“, lachte das Mädchen ungeniert und ging dann mit einem Grinsen auf Satou zu. „Ich habe gehört, dass niemand bei deiner Führung dabei sein wollte.“
Obwohl Mei nur Fakten aussprach, verletzten ihn ihre Worte doch ein wenig. Eigentlich hätte es ihn nicht stören sollen, aber der Satz tat trotzdem weh!
„Willst du das vielleicht ändern?“
„Was?“, war das einzige was er herausbrachte, da er absolut nicht nachvollziehen konnte, was genau Mei damit überhaupt andeuten wollte.
„Ich will bei deiner Führung dabei sein! Der Typi, der meinen Bruder eingewiesen hat, war extrem dämlich! Also will ich jetzt eine Bessere sehen!“

Etwas irritiert sah Satou zu der Schwarzhaarigen und wusste zu Beginn gar nicht einmal was er zu ihr sagen sollte, doch als er ihr strahlendes Lächeln erblickte und in ihre erwartenden Augen sah, konnte er nicht anders als zuzustimmen. Mit einem leichten Grinsen im Gesicht richtete sich Satou auf und begann anschließend zu erzählen.

„Sure, warum nicht? Man kann dieses große Gebäude in vier große Teile unterteilen. Bei jeder der vier großen Ecken beginnt ein neuer Abschnitt. Und dort in Richtung des Haupttores befindet sich die Hauptkanzlei und...“

~~Speisesaal~~


„Tut mir Leid, aber haben Sie eine Essenskarte?“ Am Eingang zum Speisesaal saß ein junger Küchenjunge, der offensichtlich gelangweilt mit seiner Arbeit war. Schon wieder musste er den Leuten erklären, dass sie nicht einfach so in den Speisesaal eintreten dürften.
„Nein, aber warum brauche ich eine? Ich arbeite hier!“
„Nur weil sie hier arbeiten, heißt das nicht automatisch, dass sie den Speisesaal verwenden dürfen. Bitten gehen Sie zum dienstführenden Unteroffizier, um eine Essenskarte zu beantragen. Dankeschön.“
„Unverschämt!“ Erzürnt drehte sich der großgewachsene Mann um und trampelte genervt davon, was bei dem Küchenjungen für einen tiefen Seufzer sorgte. Zumindest hatte er die lange Schlange nur temporär aufgehalten. Manch andere hatten sich den Weg zurück durch die geordnete Menschenmenge gebahnt, was absolut keinen Sinn ergab, aber in letzter Zeit hatte er einfach akzeptiert, dass manche Dinge seltsam waren.

Unter anderem war der Andrang zum Speisesaal bisher noch nie so ein großes Problem wie heute. Bis gestern war dieser Teil der Arbeit immer extrem langweilig, da die Anzahl an Leuten, die tatsächlich in den Speisesaal wollten mehr als nur überschaubar war. Doch heute hatte sich vor dem Eingang einen lange Schlange gebildet, da der Küchenjunge nun einmal jede einzelne Person kontrollieren und dann auch noch aufschreiben musste. All dies dauerte Zeit, die den wartenden Arbeitern absolut nicht zu gefallen schien. Dass dann auch noch Leute kamen, die keine Ahnung vom System hatten, machte es definitiv nicht besser. Den Grund für diese rapide Veränderung kannte er tatsächlich, denn die Küche hatte heute einen neuen Gehilfen bekommen.

„Siehst du was Hayato alles getan hat? Seit er die Küche erobert hat, ist der Andrang hier so wild, als ob es das beste Restaurant der Stadt wäre!“ Mit einer stolzen Stimme prahlte eine junge schwarzhaarige Dame über die scheinbare Küchenrevolution, die heute wohl passiert war. Selbstverständlich übertrieb sie, weswegen ihre Begleitung nicht anders konnte, als sich da einzumischen.
„Mei-san. Ich hoffe dir ist klar, dass die Mensa der einzige Ort in der Kaserne ist, um sich etwas Warmes zu besorgen. Außerdem hat dein Bruder die Küche nicht erobert. Soweit ich weiß, ist er immer noch ein Gehilfe“, stellte Satou die Fakten auf den Tisch, doch war Mei nicht überzeugt.
„Er ist nur nicht der Küchenchef, weil er heute seinen ersten Tag hat! Gib ihm einen Monat, nein eine Woche und er hat die gesamte Küche um seinen kleinen Finger gewickelt!“
Etwas irritiert schüttelte der Junge seinen Kopf und gab anschließend seinen Senf dazu: „Du lässt es so klingen, als ob er die Küchenleute verführen würde.“

„Essenskarte bitte.“ Plötzlich wurden die beiden aus ihrem Gespräch gerissen, als ein Küchenjunge sie angesprochen hatte. Die Essenskarte war genau das, wonach sie klang: Eine Karte, die einem erlaubte den Speisesaal zu benützen. Das grüne Stück Papier wurde jedem der Neulinge an ihrem ersten Tag gegeben und war für einen Monat lang gültig. Am Ende des Monats würde sie eingesammelt werden und abhängig davon wie oft man die Dienstleistung genutzt hatte, würde einem der Lohn abgezogen werden. Jedoch musste Satou zugeben, dass das Mensa-Essen im Gegensatz zu anderen Alternativen eindeutig billiger war, weswegen ihn das System nicht störte. Er gab seine Karte an den Küchenjungen, der sich Name und Nummer notierte und ließ ihn anschließend weitergehen.

Doch als Mei dran war, schien sie etwas anmerken zu wollen. „Ist das nicht super ineffizient?“
„Bitte nicht jetzt, Mei-san“, versuchte Satou die willensstarke Frau aufzuhalten, doch war sein Versuch zwecklos.

„Ist es nicht eine absolute Zeit- und Papierverschwendung, wenn man diesen Prozess jeden Tag wiederholen muss? Wäre es nicht einfacher einen Scanner zu verwenden, der den Ausweis oder ein anderes Identifikationsmittel nutzt? Du kannst meinetwegen immer noch hier sitzen für Kontrolle, aber das wäre generell auch leichter zu verwalten. Ansonsten muss irgendjemand deine ganze Liste in eine Excel-Tabelle schmeißen, was auch zu mehr Aufwand führt! Kann ich mal mit deinem Chef darüber sprechen?“

Komplett überfordert sah der Küchenjunge zu seinen Kollegen, die alle synchron den Kopf schüttelten. Die Nachricht war klar: „Ich kümmere mich nie im Leben darum!“ Etwas panisch sah er zu der Schlange an Leuten hinter der jungen Dame, die entweder genervt waren, dass es so lange dauerte, oder ihr zustimmten und das System mit Papier und Stift abschaffen wollten. „Uhm, also... Ich weiß nicht, ob das überhaupt so einfach geht?“, brachte er zögerlich heraus, wobei sein Gegenüber absolut nicht nachließ. „Das geht tatsächlich richtig einfach! Man muss nur einen...“, setzte sie an, während der Küchenjunge innerlich betete, dass seine Qual ein Ende haben würde, doch wurde die junge Dame schließlich von dem Neuling aufgehalten, der momentan das heißeste Thema in der gesamten Kaserne war: Der „Meisterchef“ Araki Hayato, ein groß gewachsener junger Mann mit verwuschelten schwarzen Haar und rot leuchtenden Augen. „Mei, wir werden mit dem Chef drüber reden. Mach dir da mal keine Sorgen. Das System wird nicht nur von dir kritisiert.“
„Gut so!“
„Dann könntest du weitergehen? Es gibt noch ein paar Leute hinter dir, die auch hungrig sind“, deutete der Junge auf die Schlange, worauf Mei realisierte, wie unangebracht ihre Aktion war. Nichtsdestotrotz gestand sie sich ihre Schuld nicht ein und tat so wie ihr gehießen wurde. „Ich geh ja schon. Ich habe nur das gemacht, was notwendig war, verstanden?“
„Ja, ich verstehe“, winkte der andere Araki ab und kehrte wieder in die Küche zurück. Seine Schwester war manchmal wirklich etwas zu stur. Hätte sie ihm das persönlich gesagt, hätte er eine Beschwerde eingereicht, aber stattdessen musste sie vor allen anderen so eine Szene veranstalten. Seufzend richtete er sich seine Uniform und trat in die Küche ein, wo sein Chef ihm eine Hand auf die Schulter legte. „Gut gemacht, Neuling! Du hast die Situation sauber entschärft!“
„Also, das war doch eigentlich nichts. Sie ist immerhin meine Schw...“, begann Hayato, doch fiel ihm sein Chef ins Wort. „Du hast dir dafür eine Belohnung verdient. Die Hauptarbeit für den Tag ist schon gemacht. Anstatt Essen auszugeben, gebe ich dir also eine wohlverdiente Pause!“

Prompt wurde Hayato aus der Küche geworfen, wohl aber nicht ohne sich selbst noch eine Portion des heutigen Mittagessen zu besorgen. Heute stand eine Nudelsuppe am Menüplan und irgendwie hatte er es sich nicht nehmen können, sich um die Würzung zu kümmern. Dass der Speisesaal deswegen vor Popularität explodieren würde, hatte er nicht erwartet. Auch hatte er nicht damit gerechnet, dass ihn seine Kollegen auf einmal als „Meisterchef“ betiteln würden. So gut war er doch gar nicht! Seufzend sah er sich im Speisesaal um und erblickte relativ schnell seine Schwester, wie sie mit einem anderen Jungen zusammen das Essen genoss. Mit einem skeptischen Blick kam er näher an die beiden heran und nach kurzer Zeit konnte er den jungen Mann auch besser erkennen. Er war eine schlaksige Person mit schwarzem kurzem Haar und je mehr Hayato ihn sich ansah, desto normaler sah er aus.

Gerade als Hayato in Reichweite war, um sich bemerkbar zu machen, wurde er jedoch prompt von seiner Schwester bemerkt. „Ah da bist du ja, Hayato! Wir haben gerade über dich geredet! Komm, setz dich schnell zu uns!“ Schnell machte Mei einen Platz neben sich frei und widmete sich sofort wieder ihrem Essen.
„Mei-san hat mir schon viel über dich erzählt. Ich bin Horizumi Satou, schön dich kennenzulernen, Araki-san“, stellte sich der andere Junge der Gruppe vor und verbeugte sich ganz leicht im Sitzen.


Hayato nahm neben seiner Schwester Platz und erwiderte anschließend die Begrüßung. Dass seine Schwester die Höflichkeitsformen zwischen ihnen nicht zu gefallen schien, ignorierte er hierbei gekonnt.

„Was hat meine Schwester eigentlich alles über mich erzählt?“, stellte er anschließend eine Frage und sah dabei mit dem Augenwinkel zu Mei. Um ehrlich zu sein hoffte er, dass sie nicht allzu viel Schlechtes über ihn losgelassen hatte.

„Sie hat hauptsächlich gemeint, dass du ein fabelhafter Koch bist. Mei-san wirkte sehr stolz, als sie über dich geredet hat. Du scheinst ein toller Bruder zu sein“, antwortete Horizumi ohne mit der Wimper zu zucken, woraufhin Hayato etwas verlegen wurde. Er hatte nicht erwartet, dass Mei so gut über ihn redete.

„Shush! So habe ich das doch gar nicht gesagt!“, protestierte Mei mit leicht aufgeplusterten Backen und versuchte ihrer neuen Bekanntschaft den Mund zu stopfen, was bei Nudelsuppe nicht so einfach war, wie sie es sich gedacht hätte. „Also eigentlich...“, begann der junge Mann, als er sofort abgeschnitten wurde: „Ich weiß, dass du es schlimmer machen wirst, also shush dich!“

Hayato konnte nicht anders, als leicht zu schmunzeln, als er die beiden sah. Jedoch gab es einen kleinen Teil in ihm, den die Situation irgendwie zu nerven schien. Schnell ignorierte er das Gefühl und führte das Gespräch fort, um Mei davon abzuhalten ihrer neuen Freundschaft den Mund zu stopfen. „Da wir schon über meine Kochkünste reden, welche übrigens nicht so gut sind, wie Mei es vielleicht herumposaunt, kann ich die Chance nutzen, um euch meine neueste Kreation zu zeigen“, schlug Hayato vor und realisierte sofort, dass seine Thermoskanne zusammen mit seiner Tasche noch im Spind lag. „Nach dem Essen dann...“

Etwas verlegen über den fehlgeschlagenen Versuch begann er einfach sein eigenes Essen zu genießen, bevor es noch kalt wurde. Nicht lange nachdem er angefangen hatte, hörte er neben sich ein leises Schlürfen, welches definitiv von seiner Schwester kommen musste. So wie er sie kannte, hatte sie die ganze Schüssel hochgenommen und schlürfte noch die Suppe aus, bevor sie diese in einer merkbaren Lautstärke zurück auf die Tischplatte legte.

„Hach! Danke für das Essen!“, beendete Mei ihr Mahl und leckte zufrieden ihre Stäbchen ab. „Na dann! Ich gehe dann mal zurück zu Amor-chan im Labor. Man sieht sich!“ Mit einem fröhlichen Winken verschwand sie schneller, als es die beiden Jungs realisieren konnten. Selbst für Hayato, der das eigentlich gewohnt sein sollte, war dieser Abschied dann doch etwas abrupter, als er es lieb hatte.

Kopfschüttelnd widmete er sich wieder seinen Nudeln, als er bemerkte, dass Horizumi ebenfalls fertig mit seinem Essen war. Doch im Gegensatz zu seiner Schwester schien er nicht die Intention zu haben zu gehen. Hayato war etwas irritiert von der Tatsache, doch ließ er sich nicht beirren und aß einfach weiter. Wenig später fand er sich satt vor einer leeren Schüssel wieder und bedankte sich für das Essen. Horizumi saß jedoch immer noch an seinem Platz und es wirkte tatsächlich so, als ob er auf ihn gewartet hatte. „Wartest du auf mich?“, stellte Hayato einfach direkt die Frage, die bei seinem Gegenüber für ein leichtes Lachen sorgte.

„Natürlich. Ich dachte, du wolltest mir noch deine neueste Kreation zeigen.“

Als Hayato diesen Satz vernahm, musste er sich selbst eingestehen, dass er diesen Teil des Gesprächs vergessen hatte, obwohl es gerade mal ein paar Minuten her war. Um ehrlich zu sein hatte er nicht erwartet, dass dieser Junge überhaupt Interesse daran hatte. Doch irgendwie machte ihn es glücklich, dass er jemandem seine eigenen Drinks zeigen konnte, der nicht seine Schwester war.

„Ja, wollte ich. Geben wir noch schnell das Tablet ab, dann kannst du meinen Drink kosten. Ich bin dieses Mal etwas kreativ geworden, also mach dich auf alles gefasst“, warnte Hayato seine neue Testperson noch vor, doch dieser winkte nur ab. „Schlimmer als meine Smoothies kann es nicht sein.“
„Ach was. Du hast noch nie meine teuflischen Erdnussbuttermonstrositäten gesehen“, widersprach der junge Koch, da er sich noch an die fehlgeschlagene Kreativität erinnerte, die er an jenem Abend ausgelebt hatte. Allein der Gedanke brachte ihm zum Würgen.
„Das klingt wie etwas, was mir gefallen würde.“
„Bitte was?“, lachte Hayato nur auf die Aussage und machte sich eine mentale Notiz, dass er seiner neuen Bekanntschaft beibringen sollte, wie man einen richtigen Smoothie macht.
 
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