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Sweet Caroline

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Romance / P12 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
23.09.2022
23.09.2022
1
3.847
15
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3 Reviews
Dieses Kapitel
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23.09.2022 3.847
 
Diese Geschichte ist als (vielleicht schon erwartete) Überraschung einem ganz wundervollen Menschen gewidmet <3
Danke, dass es Dich gibt <3

***


Zur Info: Englisch Muttersprachliche Personen können hier auf wundersame Weise Deutsch :)


***


Sweet Caroline


Mit einem milden Lächeln beobachtete Klaas seinen Mann von der großen gemütlichen Couch aus. Joko lief mit seinen AirPods durch Haus, ließ dabei die Robbie-Playlist random durchlaufen und trällerte leise mit.

Sie hatten noch genug Zeit eingeplant, frühestens ab 16 Uhr wollten sie in den VIP-Bereich um dort noch in Ruhe essen zu können. Sollte Joko doch die Hausarbeit machen, die sonst ihre Putzfee Susanne erledigte, wenn er damit glücklich wäre.

Seit Oktober letzten Jahres hätte der andere Zeit gehabt, sich nochmal alle Lieder durchzuhören, aber erst seit einer Woche wurde Joko nervös und murmelte ständig vor sich hin, dass er in den letzten Jahren nichts mehr so richtig mitbekommen hatte, außer diversen Disney-Eisprinzessinnen-Liedern und dem Sandmännchen-Gute-Nacht-Lied jeden Abend.

„Sweeeet Carolineeee… bam bam bam… Good Times never seemed so good…” summte Joko, mit einem Stapel frisch gewaschener Handtücher unter dem Arm und verschwand im oberen Stockwerk. Auch dieses Lied war in der Playlist. Joko fand es so berührend, als er das erste Mal Robbie auf der Bühne mit dessen Papa sah, die dieses Lied anscheinend gerne zusammen auf Robbies Konzert als Vater & Sohn performten. Das hatte Joko zwar bisher leider noch nicht live erlebt, aber immerhin in diversen Video-Schnipseln im Internet.

Mit diesem Lied hatte er nicht nur Klaas schon lange genervt, sondern auch die Redaktion und es schwappte bis in ihre diversen Aufzeichnungen und lief sogar als Hintergrundmusik in den Wartebereichen ihrer Zuschauer.
Klaas schmunzelte wieder darüber, wie einnehmend und mitreißend Joko manchmal sein konnte und nahm sich dafür jetzt seines Handys an, das gerade fröhlich brummte.

Seine Mutter hatte ihm Bilder geschickt.

„Joko!!“
Klaas stand mit einem breiten Grinsen auf, streckte sich kurz und lief ihm ein Stück entgegen.
Gerufener hüpfte fröhlich die Treppenstufen nach unten in seine Richtung, nahm sich die Kopfhörer aus den Ohren, strich sich ein paar der blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht und sah ihn erwartungsvoll an: „Ja?“

„Schau mal, Felix im Pool!“
Joko stellte sich neben Klaas und gemeinsam scrollten sie durch die Bilder ihres bald sechsjährigen Sohnes, der im Hotelpool plantschte, mit Schwimmflügeln am Arm und schwer beschäftigt mit diversen Schwimmtieren und Plastikschiffen.
Gerührt legte Joko den Arm um ihn und küsste ihn auf die Schläfe: „Das war eine gute Idee, dass sie jetzt mal nicht zu Hause sind, wenn wir weg sind. Ich hab immer so ein schlechtes Gewissen wenn wir unterwegs sind und Spaß haben, und die nur zuhause mit der Oma oder unserem Au-Pair abhängen“

Sie hatten Louise für heute freigegeben, sie traf sich mit einem anderen Mädchen aus der französischen Au-Pair-Agentur, mit dem sie sich schnell angefreundet hatte und sie gönnten ihr gerne die freie Zeit, auch, weil sie sie ja gerade nicht dringend benötigten.

„Wir sind nicht nur für Spaß weg von daheim.“ Klaas schmunzelte und tippte ein paar Worte an seine Mutter, bevor er das Handy wegpackte.
„Du weißt was ich meine.“ Joko legte eine Hand an Klaas‘ Taille und eine in seinen Nacken, zog ihn näher an sich und küsste ihn sanft.
Erst vor einer Woche hatten sie Hochzeitstag.
Zehn Jahre.
Die dazugehörige Rose zu diesem „Rosen“-Jubiläum haben sie in einer kleiner romantischen Feier im Garten eingesetzt, höchstpersönlich ausgesucht von Thomas „Schmitti“ Schmitt, der nun nicht nur Katzenkenner war sondern nun auch ein ausgiebiges Inselwissen rund um Rosensträuche besaß.
Trotz all der Jahre kribbelte es immer noch zwischen ihnen und beide mussten sich in der Öffentlichkeit zusammenreißen, dort nicht gar so touchy zu sein wie im Privaten.

„Hast du auch schon was von Elena gehört?“, murmelte Joko leise in sein Ohr, während er ihn fest an sich drückte und mit den Fingerspitzen die dunklen Haare am Hinterkopf seines Mannes kraulte. „Nein, denkst du wirklich die meldet sich nochmal? Die is elf, quasi erwachsen und heilfroh mal was ohne uns machen zu können. Hast du nicht gehört, wie sie uns letztens so uncool fand, als ich dich geküsst hab?“ Klaas lächelte verschmitzt und küsste ihn nochmal, bevor er sich löste.

„Doch hab ich. Und als ich sie bei ihrer Freundin abgesetzt hab, hab ich grad noch ein Tschüss bekommen und weg war sie. Sie werden so schnell groß…“ Mit einem leichten Bedauern in der Stimme seufzte Joko auf und ging um die AirPods in ihre Hülle zu räumen.
„Wann müssen wir los?“

Klaas guckte skeptisch auf seine Uhr und murmelte vorsichtig abwägend: „Julien holt uns um 15 Uhr ab, das müsste reichen dass wir zum Messegelände kommen. Warum?“
Er stutzte, schaute hoch und erhaschte ein funkelndes braunes Augenpaar.
Joko erwiderte leise, fast schnurrend: „Also eine gute Stunde noch, dann müssen wir uns umziehen…?“

Der Brünette nickte vorsichtig und schon zog Joko seine Augenbrauen hoch, grinste ihn schief an und streckte ihm energisch die Hand entgegen.
Klaas ergriff sie mit roten Wangen und ließ sich bereitwillig von Joko ins Schlafzimmer ziehen.


Lärm umfing sie, als sie endlich im VIP-Bereich standen. Es dauerte schier endlos lange bis sie im Parkhaus landeten, fast genau so viel Geduld brauchen sie zur Ticketkontrolle, bekamen schlussendlich mit mehreren Entschuldigungen für die Unannehmlichkeiten ihre VIP-Pässe und konnten sich endlich in Ruhe umsehen.

Das Konzert würde erst nach 20 Uhr beginnen, also noch genug Zeit um jetzt das Buffett zu plündern und mit den anderen Gästen zu plaudern.
Sie sahen schon diverse Freunde und andere Prominente mit Häppchen und Getränken herumstehen und sahen sich trotzdem fast leidend in die Augen: Nur Ruhe, das wärs eigentlich.
Leider fielen sie als „Joko und Klaas, das Paar“ fast genauso auf, wie als „Joko und Klaas die Spaßvögel“.
Ihre Hochzeit war das einzige offizielle private Statement das sie zu ihrer Beziehung gaben: Fans konnten sich nun zusammen reimen was sie wollten. Öffentlich traten sie nur als „Marke“ Joko und Klaas auf, wirklich private Auftritte gab es nur sehr selten.

Sie bedienten sich am Essen und verzogen sich in eine ruhige Ecke ohne viel Betrieb. Ein Stehtisch war frei und sie stellten ihre Teller und Becher ab.
„Ach, weißt du noch wie aufregend das war als Robbie bei uns war?“ Klaas lächelte und nahm einen Schluck seiner Weinschorle.
„Bei uns? Bei Halligalli meinst du? Das war krass. Wir hatten so viele große Stars, aber der war irgendwie so unwirklich. Wir haben doch vor der Sendung schon so lang mit dem gequatscht. Meinst der weiß dass wir hier sind?“ Joko piekte sich die Antipasti sorgfältig auf die Gabel und Klaas stockte kurz: „Warum, willst du hallo sagen?“
„Naja, mal wieder Hallo sagen zu dem Kerl, der meinem Mann feuchte Träume beschert?“, neckte Joko lächelnd und stupste ihn an der Schulter an. Klaas stutzte und sah ihn mit großen Augen an: „Wie bitte?“


Flashback, sechs Jahre früher.
Klaas sang mit Robbie bei „Circus Halligalli“ seinen Hit „Angels“ und völlig ohne Absprache nahm Robbie kurzerhand Klaas‘ Gesicht in die Hände, Klaas‘ Augen flogen zu und er wurde von ROBBIE FUCKING WILLIAMS geküsst. Die nächsten Sekunden waren ein Fiebertraum, er sah sich später in der MAZ in die Kamera jubilieren mit gestreckter Faust, doch die Kamera drehte sich dann mit Robbie mit, der sich bei den Musikern bedankte. Joko zog ihn - sozusagen off-cam - in die Arme, deckte ihre Mikros ab und raunte leise: „Robbie ist OK. Ich bin eifersüchtig as hell, aber Robbie darf alles“
Ein versichernder Blick in die Augen, JEDER in diesem Studio wusste dass sie schon seit Jahren verheiratet waren, aber niemand erwartete jetzt mehr als das.


„Na“
Joko holte ihn aus den Tagträumen zurück, zog neckisch fragend eine Augenbraue hoch und erntete einen Hieb von Klaas: „Ich glaub dass du spinnst, ich werde mich hüten, von jemand anderem als dir zu träumen“.
Sprachs und klaute sich eine gegrillte Zucchini von Teller seines Mannes.


Wenig später standen sie mit Wayne und Annemarie Carpendale, ihrem immer-wieder-Sparring-Pärchen bei „JKvsP7“, zusammen und lachten über das letzte Mal, als die beiden Gast in der Sendung waren und sie sich gegenseitig vorrechneten wie lange sie denn schon verheiratet wären, als sich hinter ihnen jemand räusperte. Das Pärchen gegenüber guckte fragend über die Schultern von Joko und Klaas, die erschrocken auseinander rückten und sich umdrehten.
Ein Security-Mann stand hinter ihnen, laut mehreren Bändern mit Pässen (Aha, er hieß wohl „Jan“) ein ganz hohes Tier.
„Joko und Klaas?“, brummte der bullige 2-Meter-Mann mit verspiegelter Brille und Joko nickte schüchtern: „Ja? Was ist los? Wir stellen nichts an, wir sind privat hier!“

Natürlich kam es vor, dass sie ein Kamerateam hinter sich her schleppten, auch wenn sie zu zweit unterwegs waren. Das war ihr Job, jedoch nicht der Normalzustand, aber trotzdem immer wieder im Hinterkopf ihrer Umgebung wenn sie auftauchten.

„Kommt mit!“

Die beiden sahen sich verwundert an. Eine kurze wortlose Konversation durch ausgetauschte Blicke, schließlich nickte Joko seufzend und wandte sich an die Carpendales: „Wenn da die Florida dahinter steckt, werdet ihr uns gleich als Vorband auf der Bühne erleben. Wir grüßen euch dann…“ Die beiden grinsten und mit einem letzten versichernden Blick liefen sie dem Kerl hinterher.

„Wo müssen wir hin?“, fragte Klaas und bekam sogar eine vage Antwort: „Backstage. Ihr werdet erwartet“

Verwirrte Blicke flogen zwischen braunen und blauen Augen hin und her, Joko zuckte nur mit den Schultern und griff nach Klaas‘ Hand: „Wir haben noch massig Zeit bis Robbie auf der Bühne steht. Solang die Jungs wirklich nichts geplant haben…“
Grob überschlug Joko die letzten Gespräche mit Schmitti und Jakob. Jakob sollte noch im Urlaub sein. Schmitti. Der wollte Karten für heute besorgen, aber er wusste nicht mehr ob er das nun bewerkstelligt hatte oder ob etwas dazwischen kam. Warum aber sollte der Backstage warten, wollten sie doch erst im VIP-Bereich vor der Bühne, wenn, dann…

Joko wurde aus dem Gedanken gerissen, als sich der Griff um seine Hand festigte und fragend guckte er seinen Mann an – der ihn mit großen Augen bedachte. Sie waren kreuz und quer durch mehrere Hallen gescheucht worden und standen nun vor einer Tür, die ihnen Security-Jan aufhielt.

„Kein Zutritt – Künstlerbereich“



Sie ließen einander los, strichen nervös über ihre Klamotten, Joko rückte sich die Brille zurecht und Klaas zupfte an seinen Haaren herum.
Joko beugte sich nah an sein Ohr und raunte ungläubig „Hase, wir werden doch nicht jetzt-“
„KSCHT!“ Klaas winkte ab, schüttelte den Kopf und flüsterte zurück: „Ich glaub immer noch da will uns jemand verarschen. Pass einfach auf. Am Ende ist das ne MAZ für die Show und wir werden gleich irgendwas saudoofes machen müssen!“

Sie schlichen an Jan vorbei. Um sie herum herrschte freudiges, betriebsames Chaos. Man hörte die Band von irgendwo proben und die letzten Instrumente stimmen, ein paar Tänzerinnen hüpften halbnackt an ihnen vorbei in den nächsten Raum, dazwischen weitere gelangweilte Securitys und dauernd klingelte irgendwo ein Telefon.

Ein Bienenstock.

Dagegen war es Backstage bei ihren Shows ruhig wie im Wellnesstempel.

„Da lang“
Jan ging wieder voraus und die beiden eilten hinterher. Neugierige Blicke flogen ihnen zu und mit einem „Ihr habt nicht lang Zeit, ich hol euch wieder“ öffnete Jan eine Tür, schob die beiden zeitgleich durch und schloss sie wieder hinter ihnen.

Augenblicklich herrschte Ruhe, als ob sie hier in einer anderen Welt gelandet wären.
Ein riesengroßer Raum, ein paar Sofas lieblos verteilt, immerhin mit großen Fenstern ausgestattet, die einen Blick auf eine Schotterfläche freigaben.
Es wirkte fast als wären sie alleine und Klaas zog den Kopf zwischen die Schultern. Gleich passierte irgendwas.


„Ah, da seid ihr ja!“ Von rechts kam eine junge schwarzhaarige Frau auf sie zu, ebenfalls mit mehreren Ausweisen um den Hals ausgestattet. Sie winkte ihnen zu und skeptisch folgten sie ihr um ein paar Pflanzen herum.

Abrupt blieb der vorauslaufende Klaas stehen, Joko stolperte fast über ihn und meckerte: „Samma, geht’s noch, was-“

„Oh Dear, da seid ihr ja wirklich! Wie schön!“

Von der hellen Couch in der hintersten Ecke erhob sich eine Gestalt und beide fingen ungläubig zu grinsen an: Wirklich?

Ja.
Mr.  Robert Peter Maximilian Williams höchstpersönlich kam ihnen entgegen, zog sowohl Joko als auch Klaas in eine kurze Umarmung und deutete ihnen mit freundlichen Worten dass sie sich hinsetzen könnten.

Noch während sie sich gemütlich einrichteten, fing auch hier das Gewusel an, ein paar Leute aus Robbies engster Entourage enterten den Raum, verteilten sich auf diverse Sitzgelegenheiten, andere kümmerten sich um Getränke und stellten eine Schale mit Gummibärchen auf den Tisch vor dem Moderatorenpärchen.
Die Maskenbildnerin kam näher und begann an Robbie herumzuzupfen, während der lässig in seinem Sessel lehnte und ihnen wortreich mit seinem schönen englischen Akzent erklärte, er habe sich die Liste von den VIP-Gästen zeigen lassen und sie beide hatte er noch gut im Kopf und waren – „to be honest!“ – die einzigen die er interessant genug fand um sie zu sich zu holen.

Klaas bemerkte die Nervosität seines Mannes sehr wohl, an der Art, wie er grinste und sich unruhig am Platz hin und her schob. Er selber knetete auch fassungslos seine Hände und konnte es selber nicht so recht realisieren, was sie hier taten. Wenn das nun kein Double war, war das auch keine MAZ für eine Show und wirklich privat.

Während sich Robbie mit Joko eingehender unterhielt, musterte er seinen damaligen Kusspartner lächelnd. Natürlich hatte sich der Musiker seit diesem letzten Aufeinandertreffen geändert, das war schließlich sechs Jahre her. Aber er wurde nur noch schöner. Wie sein eigener Mann, schmunzelte er verliebt und war erstaunt darüber, dass Robbie, so ganz aus der Nähe betrachtet, nun doch schon so einige graue Haare hatte. Und diese versteckte er nicht, sondern ließ sie sich soeben stylen und zurechtzupfen.

„Klaas, willst du mal einsteigen ins Gespräch, oder muss ich ihn jetzt alleine bei Laune halten?“ Joko stupste ihn mit einem schiefen Grinsen an und griff nach seiner Hand.

„Entschuldige bitte, ich hab nun wirklich nicht damit gerechnet dass wir nun bei dir landen“, erklärte er Robbie und wurde rot um die Nase.
Sein Mann rückte zu ihm schlang einen Arm um ihn und griff nach der Süßigkeitenschale vor ihnen: „Da, Hase, für die Nerven“
Augenrollend nahm sich der Brünette ein paar Gummibärchen und stopfte sie in den Mund: „Da, zufrieden?“ Er funkelte ihn böse an, piekte ihm zeitglich so sehr in die Seite dass Joko laut aufquietschte, und löste damit ein lautes Auflachen von Robbie aus. Der schob seine Stylistin kurz zur Seite und grinste: „I love that, so wart ihr bei eurer Show auch schon, und ihr seid immer noch so.“

Jokos Hals lief rot an und er nickte beschämt: „Das ist unser Signature Move, ne?“
Klaas nickte auch, atmete tief durch und sie hatten genau zehn Minuten, in denen sie mit Robbie wie mit einem alten Freund darüber sprachen, wie es ihm in den letzten Jahren erging, wie er lebte und dass sich Robbie sehr darüber freute, heute vor so vielen Leuten zu spielen, nach all den Jahren.
„Habt ihr eigentlich noch ein Kind? Ihr hattet damals nur eine Tochter, nicht wahr?“, fragte Robbie nach. „Am Tag der Show wurde unser Sohn geboren, das war echt witzig, als wir das Geburtsdatum gesagt bekamen. Hab das erst geglaubt als das auf den Adoptionspapieren draufstand.“ Joko nickte nostalgisch lächelnd.

Felix, der Glückliche, wenn das nicht passend war für diesen irren Tag mit Robbie hinter und vor den Kulissen.

„Oh wie schön, das habt ihr aber gut geheim gehalten. Ich hab ja selber ein Dutzend Kinder!“
Robbie lachte laut und Klaas zuckte irritiert zusammen.
„Aber that’s a secret, Ayda weiß nur von vier!“
Verschwörerisch zwinkerte ihnen Robbie aus grünen Augen zu und nun lachten alle drei herzhaft.

Viel zu schnell ging die Zeit vorbei, Robbie bestand auf ein paar Selfies mit ihnen, drückte sie herzlich und schmatzte ihnen auf die Wangen. Klaas wurde wieder rot, mit glänzenden Augen starrte er ihn an und schweren Herzens wurden sie von Jan wieder davon gezerrt.


„ALTER, was war das?!“
Klaas hing sich an Jokos Arm, während sie Jan hinterher gingen durch das Labyrinth verschiedener Absperrungen.
„Dein feuchter Traum, ganz real“, neckte ihn Joko und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf den Kopf.

„Hör auf, du bist mein Mann!“ Verlegen schüttelte Klaas den Kopf.
„Nein, wirklich, Klaas, wenns einen Mann gibt der dir nahe kommen darf, dann er.“

Noch etwas neben der Spur von den letzten dreißig Minuten wurden sie wieder in den VIP Bereich gescheucht und Joko stob sofort zur Bar um ihnen Getränke zu holen.

Die Carpendales waren verschwunden und damit mussten sie sich keine Ausreden einfallen lassen, was da gerade passiert war.
„Da“ Joko hielt ihm ein Glas Sekt hin.
„Spinnst du, seit wann trinken wir Sekt zusammen?“ Klaas nahm das Glas skeptisch entgegen.
„Ich mein, so ganz außerhalb vom Bett, mit den Erdbeeren….“

Joko Stimme wurde tief und zum Ende hin auch sehr flirtend:  „Auf sowas muss man anstoßen. Auf uns! – Und das mit den Erdbeeren können wir zuhause nachholen…“


„Ich bin so dumm!“ Klaas schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Weißt du was? Ich hätte den jetzt locker fragen können, ob er mal bei Late Night vorbei kommt. Statt dessen grins ich den nur debil an und frag was seine Kinder machen. Ich war auch schon mal professioneller.“


Wenig später standen sie in ihrem sogenannten „VIP“-Bereich gegenüber der riesigen Bühne, bedienten sich auch hier am bereit gestellten Buffet und standen mit Bierbechern an der vordersten Absperrung.


Unter ihnen schon viele Fans, die Vorbands spielten, fröhliche Festival-Stimmung waberte trotz der diffusen Wetterwarnungen. Zwischen halben Weltuntergang mit der Bitte, eine Arche Noah zu bauen und einer Warnung es wäre zu trocken, bitte kein offenes Feuer, war alles dabei. Der Himmel zog sich leicht zu aber es war noch sehr warm. Joko stellte sich hinter seinen Mann, legte die Hände an die Brüstung vor ihnen und raunte leise in sein Ohr: „Robbie begleitet uns seit Tag 1 – es ist so schön, dass wir ihn endlich zusammen live erleben können“.

„Live, in Farbe, bunt und eben noch ganz real. Das war doch grad ein Traum, oder?“ Klaas seufzte leicht auf und lehnte sich an die so vertraute Brust hinter ihm.

Ja, das letzte große Konzert in Deutschland war 2006. Damals kannten sie einander schon, aber keiner von ihnen besuchte Robbie als Zuschauer.
Die nächsten Konzerte verpassten sie aus diversen Gründen, sahen ihn aber dafür live mit Haut und Haar in ihrer Sendung – und wie hinlänglich bekannt war, waren seine Songs und im Speziellen „Angels“ ihr aller Kryptonit.

Und jetzt das.


Robbie Williams rockte die riesige Bühne auf dem Münchner Messegelände, an diesem Samstagabend im August.

Nach einem grandiosen Opener und dem Klassiker „Let me Entertain you“ wendete er sich an sein Fans:

„MY NAME IS ROBBIE FUCKING WILLIAMS!“

Jubel der Menge, Klaas lief schon ein Schauer über den Rücken.

„THIS IS MY BAND – AND THIS IS MY ARSE!!”

Robbie drehte sich um, streckte den Hintern raus und Klaas machte wieder große Augen.


„Ich weiß schon“, brummte Joko in sein Ohr, er hielt ihn wieder fest im Arm, „du magst seinen Hintern“
„Quatsch. Deiner ist mir lieber!“
Mit roten Ohren griff er blind nach hinten und tätschelte mit einer Hand über den Allerwertesten seines Mannes. Der gehauchte Kuss an sein Ohr ließ eine kleine Gänsehaut über seinen Körper prickeln.

„A hundredthousand People“ waren laut Robbie da und feierten nun den Künstler und seine Band mit Begeisterung.

Kurz nach neun Uhr war der große Moment für Joko: Robbie erzählte auf der Bühne, dass er den folgenden Song immer mit seinem Papa gesungen hat, dies nun aber nicht mehr möglich war. Denn aus gesundheitlichen Gründen konnte der nun nicht mehr so wie er gerne wollte.
Mit einem lachenden und einem weinenden Augen ließen sich die beiden von der Musik mitreißen und sangen lauthals mit

„Hands, touching hands
Reaching out, touching me, touching you
Sweet Caroline
Good times never seemed so good
I've been inclined
To believe they never would”


Innig kuschelten sich die beiden bei den diversen Liebesliedern aneinander aber groovten genauso bei „Rock DJ“ mit dem Publikum mit.
Viel zu früh schon kündigte Robbie das letzte Lied an, mittlerweile im schwarzen Bademantel auf der Bühne.
Zeitgleich fing der Himmel an zu weinen, keine Minute länger schien es das Wetter auszuhalten.

Joko schlang von hinten die Arme um seinen Mann, seinen geliebten Klaas, hielt ihn fest und gemeinsam ließen sie sich von „Angels“ treiben, natürlich sangen sie mit, natürlich änderte Klaas mit einem Grinsen eine bestimmte Zeile und brummte, leise, nur für ihn, ins Ohr: „I’m loving Joko instead“.

Ihre Blicke verhakten sich.

A lot of love and affection
Whether I'm right or wrong
And down the waterfall
Wherever it may take me
I know that life won't break me
When I come to call, she won't forsake me
I'm loving angels instead



Robbie beendete das Konzert ohne dass sie nochmal zur Bühne schauten, sie hatten nur Augen für den anderen.

Um sie rum räumten die Leute hektisch ihre Sachen zusammen, Regenponchos und Schirme wurden herausgekramt, während die beiden regungslos wie im Auge des Tornados dastanden und einander anlächelten.
Und sich schließlich völlig in der Blase verloren, einander innig küssten, so lange, bis ihnen das Wasser in den Nacken lief und sie von Julien angesprochen wurden ob sie nun einen Knall hätten, bei dem Wetter so stehen zu bleiben.

Giggelnd küssten sie sich nochmal und gingen ihm hinterher zum Parkhaus, es regnete nicht nur in Strömen, es schüttete regelrecht, und trotzdem hatten alle Fans gute Laune: Es wurde weiter „Angels“ gesungen und viele hatten sich noch Getränke für den Weg zum Hotel oder zu den öffentlichen Verkehrsmitteln geholt.
Hand in Hand, klatschnass, stiefelten die beiden durch den Matsch und dank dem Regen unerkannt durch die Zuschauermassen. Erleichtert fielen sie nach wenigen Minuten nass bis auf die Unterwäsche auf die Rücksitzbank des Vans.
Julien schimpfte mit ihnen, dass er das Auto damit erst mal grundreinigen müsste, doch das war ihnen gerade so egal.

Kaum angeschnallt, streckte Joko die Hände nach Klaas‘ Wangen aus und küsste ihn wieder.
„Das war mal eine Date Night“, nuschelte er an seinen Lippen und spürte wie Klaas die Hände in seinen Haaren vergrub und ihn sacht kraulte.
„Gerne wieder. Und die Nacht ist noch nicht vorbei…“
Wissend grinsend hob Klaas eine Augenbraue hoch und ließ sich von Joko willig in eine intensive Knutscherei ziehen.

Julien grummelte genervt, dass er dafür eigentlich Schmerzensgeld verlangen müsse, kassierte dafür zwei Mittelfinger und schaltete schnell lautstarke Musik ein um den Geräuschen von der Rücksitzbank zu entkommen.

„I’m loving Joko instead…“ wiederholte Klaas später nochmal leise und kuschelte sich löffelnd in die Arme seines Mannes, spürte einen Kuss im Nacken und bekam als leise Antwort ein „Good times never seemed so good“ bevor sie glücklich einschliefen.




ENDE






Es gibt sozusagen das ganze Konzert als Videoschnipsel auf YouTube.

Diese hier habe ich zu „Recherchezwecken“ gefunden:


Intro, „Let me Entertain you” und der Satz „… and this is my arse!”

Sweet Caroline

Angels


Und da ist noch eine Konzertkritik für Euch:

” Teils beglückend, teils befremdlich“


<3

 
 
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