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Ich glaub, mich knutscht mein Chef

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Atemu Priester Seto Seto Kaiba
22.09.2022
25.09.2022
2
5.630
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Dieses Kapitel
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22.09.2022 3.018
 
Ich melde mich mit dieser kleinen Kurzgeschichte zurück. Sie wird drei oder vier Kapitel bekommen. So sicher bin ich mir noch nicht. Bei mir ufert es öfter ein wenig aus. ^^°
Jede Woche stell ich ein Kapitel rein. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen.
Eure Hayley  :)

~*~*~


Abgehetzt lief der 22-jährige Yasuo in ein weißes Gebäude hinein. Um 8 Uhr begann sein Vorstellungsgespräch als Sekretär. Leider war es bereits 8:10 Uhr und somit war er viel zu spät dran.
Heute Morgen wollte aber auch gar nichts klappen. Erst klingelte der Wecker nicht, dann hatte sein Fahrrad einen Platten und zu guter Letzt verpasste er den Bus.

„Guten Morgen!“ Yasuo versuchte erst einmal zu Atem kommen, bevor er sich bei der netten Dame am Empfang vorstellte. „Ich bin Yasuo Katsuro und habe ein Vorstellungsgespräch bei Seth Kaiba.“
„Oh, sie sind aber spät dran.“ Die junge Dame tippte etwas in ihrem Computer. „Herr Kaiba schätzt es nicht, wenn Termine nicht eingehalten werden.“
Flehend sah Yasuo sie aus seinen rotbraunen Augen an. „Entschuldigen Sie, mein Sohn wollte nicht aufstehen und hat ein Riesen-Theater gemacht.“
Die Dame lächelte milde. „Gehen Sie ins zehnte Stockwerk und warten vor Herrn Kaibas Büro. Sie werden dann hineingebeten.“
„Vielen Dank.“ Mit schnellen Schritten hastete Yasuo zum Aufzug und drückte den Knopf. Doch dieser reagierte nicht. „Komm schon!“ Man! Was war denn heute los? Jetzt durfte er auch noch die Treppen hochrennen. Schwitzte er nicht schon genug?

Die ersten fünf Stockwerke lief es gut, doch jetzt fing die Kraft an ihn zu verlassen und die verbleibenden fünf Stockwerke verwandelten sich in ein Kräftemessen, je mehr Stufen er erklomm. Aufgeben kam nicht in Frage, dafür brauchte er diesen Job viel zu dringend. Stufe für Stufe, Treppe für Treppe ging er immer langsamer den steilen Berg hinauf.

Völlig außer Puste kam Yasuo im zehnten Stock an. Würde er kein schwarzes Sakko zu seinem weißen Hemd tragen, hätte man die vielen Schweißflecken gesehen. „Hoffentlich läuft das Vorstellungsgespräch besser als dieser Morgen.“ Dem Himmel sei Dank, vor Herrn Kaibas Büro standen drei Stühle. Auf einem platzierte er sich und genoss die wenigen Minuten des Friedens.

„Herr Katsuro?“
„Ja, dass bin ich!“ Sofort stand Yasuo auf und musterte seinen Chef in spe. Etwas größer als er, geschniegelte Frisur, typischer Anzugträger. Schien ganz nett zu sein, trotz seines strengen Blickes. Yasuo beendete seine Analyse und folgte Herrn Kaiba ins Büro.

Seth war alles andere als begeistert. Ganze 25 Minuten kam dieser Mann zu spät und so wie er aussah, schien er das Ganze hier nicht ernst zu nehmen. Seine schwarzen Haare waren völlig zerzaust, sein Hemd verschwitzt und das Sakko zerknittert. Dass er sich überhaupt noch die Zeit nahm, lag einzig an seiner guten Laune. Gerade endete der Auftrag eines Kunden und dieser konnte zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Seine kleine Firma gründete der 25-jährige erst vor einem Jahr und endlich lief alles wie am Schnürchen. Bis hierher hatte es viele Nerven, Zeit und Geld gekostet. Seth hatte es weiß Gott nicht einfach, aber er kämpfte sich durch alle Strapazen. Noch war sein Ziel zwar nicht erreicht, doch er konnte behaupten endlich an der Startlinie zu stehen.

Yasuo rückte sich sein Sakko zurecht und setzte sich vor den weißen Schreibtisch. Um ein Schmunzeln kam er nicht umhin, denn Herr Kaiba schien sich gerne seiner Umgebung anzupassen, denn nicht nur der Schreibtisch, sondern auch die Möbel und sogar der Teppich waren weiß. Zu guter Letzt trug der junge Firmenchef einen weißen Anzug. Ganz schön einseitig, wie Yasuo fand.

Seth schob die Bewerbungsmappe beiseite und sah Herrn Katsuro geschäftig an. „Sie haben sich also als Hausmeister beworben.“ Die einzige Arbeit die keiner machen wollte, zumindest nicht für diesen geringen Lohn.
„Wie bitte? Ich habe mich als Sekretär in Herrn Takishimas Abteilung beworben.“
„Mag sein, aber einen anderen Posten werde ich Ihnen nicht anbieten.“
Yasuo öffnete den Mund, doch Herr Kaiba unterbrach ihn, noch bevor das erste Wort seinen Mund verlassen konnte. „Sie kommen fast eine halbe Stunde zu spät und haben ansonsten keine Reverenzen vorzuweisen. Ihr Studium haben Sie im dritten Semester abgebrochen. Aufgrund dieser Tatsachen kann ich Ihnen einen verantwortungsvollen Posten nicht anbieten. Hier gibt es viele Reparaturen, die gemacht werden müssen. Entweder Hausmeister, oder unsere Wege trennen sich direkt wieder.“ Die Verspätung kam Seth gelegen, denn in diesem Gebäude standen viele Reparaturen an und ein Handwerker kostete mehr, als dieser ungebildete Jungspund. Vielleicht taugte er für diese Arbeit und wenn nicht, konnte er ihn jederzeit rausschmeißen.

Das passte Yasuo ganz und gar nicht. Zwar war er handwerklich recht geschickt, aber die Bezahlung konnte nicht allzu hoch sein, so wie dieser Kotzbrocken sich verhielt. „Wie viel bekomme ich denn dafür?“
Seth schrieb den Betrag auf und reichte den Zettel rüber. „Das ist viel zu wenig.“ Reichte nicht zum Leben und auch nicht zum Sterben. Ohne Nebenjob käme er mit seinem Sohn nicht über die Runden.
„Sie brauchen das Angebot nicht anzunehmen.“
Dieser arrogante eingebildete Sack! Würde Yasuo nicht mit dem Rücken zur Wand stehen, könnte er hocherhobenen Hauptes hinausspazieren. „Ich bin einverstanden.“
„Wie schön, dass das geklärt ist. Dann fangen Sie gleich mit den Toiletten an. Die Spülungen funktionieren nicht, sowie der Abfluss.“ Seth reichte eine lange Liste mit anstehenden Reparaturen rüber.
Mit rotem Kopf stampfe Yasuo aus dem Büro und machte sich an die Arbeit. „Dieser widerwärtige Kotzbrocken.“

*

Was für ein mieser Tag. Todmüde schlurfte Yasuo in Richtung Kindergarten. Den ganzen Tag durfte er sich mit verstopften Toiletten herumärgern. Am Ende lief die ganze Suppe über und ruinierte seinen einzigen Anzug. Nicht nur das er bestialisch stank, er sah schlimmer aus als ein Penner. „Ich hasse diesen geschniegelten Wichtigtuer.“ Seine anfängliche Sympathie wandelte sich in puren Hass um. „Sie müssen den ganzen Dreck aber aufwischen!“, äffte Yasuo seinen Chef mit viel zu hoher Stimme nach. „Vorher lass ich Sie nicht gehen, egal ob Sie es eilig haben und Ihr Privatleben interessiert mich nicht.“

Träge stieß Yasuo die Tür zu den Räumlichkeiten der Tagesstätte auf. Deutlich hörte man fröhliche Kinder spielen und herumtoben. In dieser Umgebung fühlte Yasuo sich viel wohler. Wenn Atemu einen schönen Tag hatte, dann bekam er auch wieder gute Laune.

„Guten Tag, Herr Katsuro.“ Der Erzieherin verschlug es dir Sprache. „Was ist mit Ihnen passiert? Sind sie in eine Schlammpfütze gefallen?“
Eher eine Jauchegrube. „Lassen wir das!“, winkte Yasuo peinlich berührt ab. „War Atemu brav?“ Schließlich war das sein erster Tag hier und so wie sich der 3-jährige heute Morgen wehrte, wollte er sich nicht von ihm trennen.
„Es ist so.“ Frau Sakura schaute sorgenvoll aus ihren braunen Augen. „Atemu hat sich mit einem Jungen gestritten.“
„Das kommt schon mal vor.“ Was soll daran bitte so schlimm sein?
Frau Sakura seufzte erschöpft. „Er hat den Jungen gekratzt und gebissen. Wir haben Atemu nur mit großer Mühe von dem Jungen trennen können. Mit solchen Manieren…“
„Ich versteh schon. Selbstverständlich werde ich mit Atemu darüber sprechen.“ Um Himmels willen, der Junge war gerade mal drei Jahre. Was erwarteten die bitte von einem Kleinkind, welches vorher noch keinen Kindergarten von innen gesehen hatte?

„Papa.“ So schnell ihn seine kurzen Beine trugen, rannte Atemu in die Arme seines Vaters. „Bäää, du stinkst!“
„Ich hatte einen harten Tag.“ Oje, sein kleiner Junge sah furchtbar aus. Sein Gesicht war mit Kratzern übersät. Scheinbar hatte sich der andere Junge nichts gefallen lassen und sich kräftig gewehrt. „Du hast dich gestritten?“
„Ja, weil der blöde Seto mich geärgert hat.“
„Was hat er denn gemacht?“
Atemu fing an herumzudrucksen und malte mit dem Fuß unsichtbare Kreise auf den Boden. „Er hat mich dumm genannt.“
„Das ist der Grund?“
Atemu pustete die Wangen auf. „Als dich gestern dieser Mann dumm genannt hat, hast du ihn auch gehauen.“
„Das war doch was vollkommen anderes.“ Schließlich hatte dieser etwas getan, woran man nicht einmal denken durfte. Vor Atemu so ausfallend zu werden, war rückwirkend betrachtet keine gute Idee.

„Sie sollten Ihrem Sohn ein besseres Vorbild sein!“, stemmte Frau Sakura ihre Hände in die Hüften. „Kinder in dem Alter schauen sich alles von ihren Eltern ab. Kein Wunder, wenn Atemu sich bei einer Kleinigkeit provozieren lässt.“
Großartig, jetzt bekam er die Standpauke. „Kommt nicht wieder vor.“

Zuhause angekommen, befreite sich Yasuo von seinen stinkenden Klamotten und pfefferte sie in die Waschmaschine.
„Mit Papa baden.“, jauchzte Atemu übermütig und zog sich aus.
„Du solltest heute alleine Baden. Ich werde das ganze Wasser schmutzig machen, so wie ich aussehe.“, und bestialisch stank, nicht zu vergessen.
„Ich will aber mit Papa baden!“, fing Atemu an zu quengeln und war kurz davor sich wütend auf den Boden zu schmeißen.
„Du hast gewonnen, aber ich muss mich vorher wenigstens abbrausen.“ Heute hatte er keine Lust sich mit Atemu anzulegen. Besser er gab gleich nach.
„Juhuuuu, ich hol mein Spielzeug.“

Die kleine Wohnung, in der Yasuo zusammen mit Atemu lebte, hatte zwei Räume mit einem kleinen Badezimmer. Während Atemu das Kinderzimmer sein eigenen nennen konnte, schlief Yasuo auf der Couch. Das Leben, welches er führte, war nicht einfach, aber irgendwie schaffte er es Monat für Monat über die Runden zu kommen.
Sein Studium musste er abbrechen, weil er sich nicht mehr die Gebühren zusammen mit dem Kindergarten leisten konnte. Vorher passte eine alte Dame, welche gleich nebenan wohnte, auf Atemu auf. Leider verstarb diese vor wenigen Wochen und das fragile Kartenhaus brach über Yasuo zusammen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als einen Vollzeitjob anzunehmen, damit Geld reinkam. Seine Nebenjobs, die er vorher hatte, reichten leider nicht mehr aus.

„Beeil dich Papa, ich will auch baden.“
„Ich bin gleich soweit.“ Mit allem fertig, zog sich Yasuo einen weißen Bademantel über und stieg aus der Wanne. „Das willst du alles in die Badewanne nehmen?“ Für ihn war dann kein Platz mehr, aber das schien Atemu glücklicherweise dann doch nicht zu stören. „Nach dem Baden versorge ich deine Kratzer im Gesicht.“
Heftig schüttelte Atemu den Kopf. „Brennt.“
„In der Apotheke habe ich extra Desinfektionsspray für Kinder gekauft. Das brennt nicht, versprochen.“ Noch einmal machte Yasuo diesen Fehler nicht. Wenn das Zeug mit Alkohol war, brannte es wie die Hölle und Atemu zeigte sich ganz besonders empfindlich darauf. Beim letzten Mal hörte er nicht mehr auf zu weinen. „Willst du das Wasser mit Badeschaum?“
Die rubinroten Kinderaugen leuchteten vor Begeisterung. „Blauer Schaum.“
„Wie gut das ich vorgesorgt habe.“, sonst würde das hier nicht mehr so friedlich ablaufen. „Aber zuerst Haarewaschen.“
Widerwillig nickte Atemu und ließ sich seinen rotblonden Haarschopf einschäumen. Anschließend wurde er in sein blaues Schaumbad gesetzt, mit samt seinem Spielzeug. Yasuo blieb die ganze Zeit dabei und schaute zu, wie ausgelassen sein kleiner Junge spielte. Wenn er ihn so beobachtete, wie glücklich er war, schien er doch nicht so viel falsch zu machen.

*

„Ich will nicht aufstehen!“, quengelte Atemu und zog die Bettdecke über sich.
„Na komm, die vielen Kinder wollen mit dir spielen und du hast ihnen noch nicht deine neue Puppe gezeigt.“ Wie Yasuo dieses Ding hasste.
„Kiki?“
„Genau… Kiki.“ Dieses hässliche Ding mit diesem übertrieben pinken Kleid und den vielen Rüschen, konnte er absolut nicht leiden.
„Ich geh sie holen.“
„Geht doch.“ Dann konnten sie sogar noch Frühstücken.

„Lalaalaaaa.“ Mit schiefen tönen singend saß Atemu in seinem Kindersitz auf dem Gepäckträger und hielt seine heißgeliebte Puppe in den Armen.
„Hauptsache du hast deinen Spaß.“, lächelte Yasuo und trat in die Pedale. Heute lief alles um einiges besser und er hatte noch eine Menge Zeit. Da er für die Reparaturen eingestellt wurde, trug er eine alte Hose und einen ausgeleierten Pullover. In seinen Rucksack hatte er vorsichtshalber Klamotten zum Wechseln eingepackt. Heute wollte er auf alles vorbereitet sein und nichts dem Zufall überlassen.

„Du bist heute ganz brav und wirst dich mit niemandem streiten.“, mahnte Yasuo, als er sich verabschiedete.
„Außer mit dem blöden Seto.“
„Nein, auch mit dem blöden Seto nicht. Zeig den anderen lieber deine tolle Puppe.“
„Au ja.“ Begeistert rannte Atemu zu drei Mädchen hin und präsentierte stolz seine Kiki.
„Hoffentlich ist er lieb.“

Bis zum späten Nachmittag steckte Yasuo bis zum Hals in Arbeit. Ständig musste er irgendwas reparieren. Sei es der Kopierer, ein Computer oder mal wieder die verstopften Toiletten. Sogar als er sich einen kleinen Snack gönnen wollte, pfiff dieser arrogante Sack ihn zu sich, weil der nichts auf die Reihe bekam. „Lassen Sie mich raten, ich soll Ihnen Kaffee bringen?“ Yasuo versuchte so genervt wie möglich zu klingen, denn diesen Pisser konnte er immer weniger leiden. Für das, was er hier leistete, bekam er viel zu wenig Lohn.
„Den kann ich mir noch selber holen.“, rollte Seth mit den Augen. „Sehen Sie zu, dass Sie das Faxgerät zum Laufen bringen.“
Yasuo zog beide Augenbrauen hoch. „Heutzutage benutzen Sie noch ein Faxgerät?“
„Was dagegen?“
„Nö, ist ja nicht mein Problem.“ Widerwillig machte sich Yasuo an die Arbeit.
„Das Ding ist eine Million Jahre alt. Warum verschickt er wichtige Dokumente nicht per Mail. Das machen doch alle so, es sei denn man heißt Seth Kaiba und liebt es umständlich. Wenn der so weiter macht, wird seine Firma Konkurs anmelden.“

„Meiner Firma geht es sehr gut.“, keifte Seth nicht unweit entfernt und verstand sogar das unverständliche Gemurmel seines Angestellten mehr als deutlich.
„Und warum ist dann so viel kaputt?“
„Weil alles nun mal alt ist. Ich kann die Geräte nur nach und nach erneuern und jetzt sehen Sie zu, dass Sie Ihre Arbeit fertigbekommen.“
„Sehen Sie zu, dass Sie ihre Arbeit fertigbekommen!“, äffte Yasuo seinen Chef nach, der alles andere als angetan davon war. „Wenn es Ihnen nicht passt, können Sie jederzeit gehen.“
„Passt schon.“ Dieser Idiot konnte froh sein, dass er ein Kind hatte, sonst würde er auf der Stelle alles hinschmeißen.
Erst der laute Klingelton seines Handys unterbrach seinen inneren Monolog. „Hier Katsuro.“

Seth konnte bei diesem Kerl nur den Kopf schütteln. Telefonieren während der Arbeit. Wenigstens brachte er die vielen Mängel in Ordnung und war eigentlich ganz fleißig, trotz seiner frechen Art.“

„Wie bitte? Er hat sich schon wieder geprügelt?“ Je länger Yasuo zuhörte, desto entsetzter wurde er. „Ja, ich komme ihn abholen.“ So eine verdammte Scheiße. Sonst war Atemu doch nicht so. Noch nie schlug er ein anderes Kind. Auf dem Spielplatz verstand er sich mit allen, doch mit diesem Seto kam er überhaupt nicht klar. „Ich muss kurz weg.“
„Jetzt? Sie können doch nicht einfach gehen.“
„Mein Sohn hat Theater veranstaltet und die Erzieherin will das ich ihn abhole.“
„Dann wollen Sie ihn hierherbringen?“ Seth verschränkte die Arme vor der Brust. „Meine Firma ist kein Kindergarten.“
„Es ist nur heute und die absolute Ausnahme.“
Seth gab sich geschlagen. „Ausnahmsweise und nur wenn er sich benimmt.“
„Ich verspreche es.“ Yasuo rannte aus dem Büro, bevor Herr Kaiba es sich anders überlegte und schwang sich auf sein Fahrrad.
Da die Firma nicht auf dem Weg zum Kindergarten lag, musste Yasuo eine ziemlich weite Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen. Zwar gab es auch eine Tagesstätte in der Nähe seiner Wohnung, doch dort gab es keinen freien Platz mehr. Daran konnte man nichts ändern. Yasuo war schon mit Kleinigkeiten zufrieden und beschwerte sich so gut wie nie über sein jetziges Leben.

Endlich angekommen, stellte er sein Fahrrad ab und eilte zu seinem Jungen.
Drinnen wartete bereits Frau Sakura, neben ihr ein beleidigter Atemu, der seine Puppe im Arm hielt.
Als Yasuo seinen kleinen Atemu sah, mochte er nicht schimpfen. Er schien bereits von der Erzieherin getadelt worden zu sein. „Was machst du nur?“
„Es war nicht meine Schuld.“, fing Atemu an zu weinen und ließ sich von seinem Vater in die Arme nehmen. „Was ist denn passiert?“

„Er hat sich wieder mit dem kleinen Seto in die Haare gekriegt.“, klärte Frau Sakura auf. „Diesmal ging es um seine Puppe.“
„Sie war der Grund?“
„Wenn das so weiter geht, wird Atemu nicht mehr herkommen können.“
„Er ist erst drei Jahre alt und wird es noch lernen. Seit seine Mutter fort ist, hat er es nicht leicht.“ Yasuo versuchte sich zu rechtfertigen und es schien zu funktionieren, denn Frau Sakura bekam weichere Gesichtszüge. „Na schön. Nehmen Sie ihn heute mit, damit sich alle beruhigen können und morgen will ich es nochmal versuchen.“
„Vielen Dank.“ Auf den Rückweg ließ Yasuo sich alles aus Atemus Perspektive erzählen. Anders als sonst klang er betrübt und traurig. „Dann hat der blöde Seto mir meine Kiki weggenommen und sie von der Rutsche geworfen. Sie ist ganz schmutzig geworden.“
„Und dann hast du ihn gehauen?“
Atemu nickte. „Ich war ganz lieb und der blöde Seto ist böse.“
Yasuo beschloss mit den Eltern des Jungen zu sprechen. Egal wie es zum Streit kam, Atemu war nicht alleine schuld.
„Ich hab Hunger.“,
Ratlos zog Yasuo die Stirn kraus. „Hattet ihr heute kein Mittagessen?“
Atemu schüttelte den Kopf. „Der blöde Seto hat’s geklaut.“
Auch das noch. „Ich halte in einem Restaurant, okay?“ Wozu zahlte er so viel Geld für den Kindergarten, wenn sein Junge kein Mittagessen bekam?

Yasuo suchte ein Lokal aus, welches auch Kindergerichte anbot. An einem abgelegenen Tisch setzte er sich mit seinem Sohn hin, damit dieser in aller Ruhe essen konnte.
„Papa auch Hunger?“ Atemu hielt ihm einen vollen Löffel mit Reis hin. „Ich hab schon gegessen.“ Eigentlich hatte er es versucht, aber dieser Kotzbrocken von Sklaventreiber posaunte nach ihm, kaum dass er von seinem Sandwich abgebissen hatte. Das musste Atemu ja nicht wissen.
„Papa, es klingelt.“
„Oh“, so sehr lenkte dieser arrogante Kaiba ihn ab. „Katsuro?“
„Wo bleiben Sie?“, keifte Seth durch den Hörer. „Sie sind eine Ewigkeit weg! Wie lange dauert das noch? Sie werden die versäumte Zeit noch heute nachholen!“
„Ich bin gleich da.“ Yasuo legte mürrisch auf und starrte sein Handy vernichtend an. „Dieser verdammte Pisser! Was bildet der sich ein?“
„Blöder Pisser!“, machte Atemu fröhlich seinen Vater nach. Dieser wurde Leichenblass blass. „Neiiiiin, sowas darf man nicht sagen.“ Diese 3-jährige Nervensäge hatte eine viel zu gute Auffassungsgabe.
„Papa sagt das auch! Blöder Pisser!“, machte Atemu munter weiter und fand das entsetzte Gesicht seines Vater zum Brüllen komisch.
„Verfluchte Scheiße“, legte Yasuo sein Gesicht in die Hände.
„Verfluchte Scheiße, du blöder Pisser!“, rief Atemu durchs ganze Lokal.
„Es kann nicht mehr schlimmer kommen.“ Yasuo hatte einen Punkt erreicht, an dem er sich selbst bemitleidete.
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