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London’s Dreaming - Sugar, Honey, Ice and Tea Prequel

von Usagichan
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Furlan Church Irvin / Erwin Smith Isabel Magnolia Levi Ackermann / Rivaille Mike Zakarius
22.09.2022
30.09.2022
2
9.170
22
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
22.09.2022 4.492
 
Prolog

2011


Aloha!

Herzlich willkommen zu unserer neuen FF!

Wie einige bereits wissen, ist dass die Story vor Sugar, Honey, Ice and Tea. Also ein Prequel Es ist uns sehr wichtig euch von Levis Werdegang zu erzählen. Geplant war dieses Prequel bereits letztes Jahr. Anfang dieses Jahres haben wir hart dafür geplottet und ich habe es geschafft ein paar Kapitel zu schreiben. Dann kam das Leben dazwischen und wir hatten beide keine Zeit dafür an der FF weiter zu arbeiten. Aber seit Anfang Juli sitzen wir wieder daran und nun haben wir genug Vorlauf um euch alle zwei Wochen, jeden Mittwoch, mit neuem Stoff zu versorgen.
Wir sind unglaublich aufgeregt und freuen uns darauf!
Es ist nicht zwingend notwendig, Sugar vorher gelesen zu haben.
Natürlich werdet ihr auch hier wieder mit Zeichnungen von Elli versorgt, die ihr auf Instagram sehen könnt. Eine neue Playlist wird auch erstellt. Dazu sagt Elli gleich mehr :3

Wie ihr erahnen könnt, wird das hier keine Ereri FF. Nein, uns ist es, wichtig euch den Werdegang von Levi zu zeigen. Seine Jugend näher zu beleuchten bis zu dem Zeitpunkt, an dem er das Angebot bekommt, Gear als Aushilfsmanager zu begleiten.
Ihr könnt euch also auf sehr viel Drama freuen.
Elli und ich sind Kinder der 80er. Wir sind beide in den 80er geboren und haben unsere Kindheit und Jugend sowohl in den 90ern als auch in den frühen 200ern verbracht. Daher wundert euch nicht, dass die Musik die euch erwartet von dieser Zeit geprägt ist.
Unser Levi hier ist Jahrgang 84. Daher konnten wir sehr viele Momente und wichtige Ereignisse, sowie Trends einbringen, die wir selbst miterlebt haben.
Es werden auch wieder Livestreams folgen in denen ihr euch mit uns austauschen könnt und wir ggf. Fragen zur FF beantworten.
Über Reviews würden wir uns natürlich sehr freuen, einfach damit wir wissen, wie ihr die ff und Levi findet.

Noch eine kleine Anmerkung: Die einzelnen Kapitel werden Jahreszahlen haben. Wir haben uns für eine chronologische Erzählweise entschieden. Ihr werdet sehen ^^
So, genug geredet. Hier ist noch mal ein kleines Statement von Elli:


Hallo meine Lieben. Hier ist Elli :3 Ich rutsche auch mal kurz rein in das Vorwort um unsere Playlist an zu Preisen und etwas über meine Bilder zu sagen, die ich auf meinem Account hochladen werde.

Bei der Playlist, die wir für diese Vorgeschichte von Levi  erarbeitet haben geht es uns mehr um eine Ästhetik der Zeit in der sie spielt. Weniger um das aneinanderreihen von Songs, welche nur von No Name sind(Das haben wir bei der großen Fan Fiction gemacht, es war unglaublich schön aber jetzt wollen wir noch etwas mehr für euch tun:3
Wir werden mit jedem weiteren Kapitel weitere Songs hinzufügen, welche in den nun folgenden Kapiteln eine Rolle spielen werden oder einfach zu der Ästhetik des jeweiligen Kapitels passen.

Beim erarbeiten der Playlist haben wir darauf geachtet, dass wir mit den Interpreten die wir einsetzen, auch im zeitlichen Geschehen sind. Nur die Musik von No Name wird etwas herausstechen. Warum fragt ihr euch? Nun, wie ihr ja wisst ist Levi mit seiner Band immer derzeit etwas voraus. Und das macht ja auch den Charme des Dreiergespanns und  die damit verbundenen Erfolge aus .

Ich hoffe, ihr habt Freude daran die Playlist beim Lesen zu hören und somit das Leseerlebnis noch zu steigern.

Wie Bereits von Anna  erwähnt, werde ich zu den einzelnen Kapiteln Bilder malen. Falls die Bilder von der Geschichte abweichen liegt es daran, dass ich nicht alles was wir hier veröffentlichen bei Instagram hochladen kann.


Wir wünschen euch sehr viel Spaß :)

Hier der Link zur Playlist:
https://open.spotify.com/playlist/4DKecELSmnEkwlHOdOc3M6?si=qg3UZSBaTIGnULItQL7xUQ
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Jeder Schritt, den er tat war begleitet von einem üblen Gefühl.
Es fraß sich durch seine Eingeweide und und hinterließ nichts als Schmerz und Angst. Nichts weiter als Angst.
Etwas womit er im Moment nicht zurechtkam, denn er war am Ende seiner Kräfte. Müdigkeit hatte sich schon vor Wochen, wie ein nicht enden wollender Traum gelegt. Ein Alptraum, aus dem er niemals erwachen würde.

Sein Herz raste, es war kurz vorm Implodieren. Das konnte er spüren. Ihm war schlecht, ihm war schwindlig, denn sein Kreislauf war im Eimer. Jeder einzelne Schritt auf dem langen Flur, dem roten Teppich mit den goldenen Blumenmustern an den Rändern, der sich ausstreckte wie der Weg in die Hölle, schien immer länger zu werden – fast schon unendlich.

Es war wie in einem schlechten Horrorfilm aus den 80ern. Wenn er aufsah, wenn er den langen Korridor erblickte. Hatte er das Gefühl, dass sich der Weg immer weiter hinaus streckte. Als ob sich alles verlängern würde und er niemals an sein Ziel ankäme, als ob ihn eine höhre Macht davon abbringen wollte, diesen Schritt zu gehen. Er wusste, dass ihn nichts als Schmerz erwartete.

Der Kloß welcher sich in seinem Hals gebildet hatte,  welcher immer größer und mächtiger wurde, drohte ihn fast zu ersticken. Er wollte schreien, er wollte weglaufen, doch er konnte nicht. Das konnte er nicht tun. Das würde er niemals übers Herz bringen. Einfach so ab zu hauen… Ihn im Stich zu lassen war keine Option.  Das war es noch nie. So war er nicht. So war er nie gewesen.  Er war ihm gegenüber total loyal. Egal was er die letzten Jahre mit ihm durchgemacht hatte, egal wie viel Schmerz er durch ihn erleiden musste, egal wie oft er ihm sein Herz gebrochen hatte ... er würde ihn niemals im Stich lassen. Niemals. Denn er war seine große Liebe, sein bester Freund, und noch vieles mehr.
Das hatte er in den ganzen Jahren gelernt. Seit ihrer ersten Begegnung hatte er gewusst, dass sie füreinander bestimmt gewesen waren. Auf irgendeine Art und Weise waren sie Seelenverwandte, das konnte er spüren. Und tief in seinem Herzen wusste er, dass Levi es auch spürte. Dass er auch wusste, dass sie zusammen gehörten - nur wollte er es sich nicht eingestehen. Oft hatte er das Gefühl gehabt, dass er sich immer gegen diese Erkenntnis gewehrt hatte. Dass er es nicht zulassen wollte. All die Jahre nicht und jetzt rechnete er mit dem Schlimmsten.

Farlan wusste nicht, was er vorfinden würde wenn er den Korridor, den langen Flur auf diesem roten Teppich weiter entlang laufen würde. Wenn er die Tür erreichte, sie mit der Chipkarte öffnete und dann in seine persönliche Hölle gelangen würde… Er wusste nicht, was sich hinter der Tür verbarg. Er hatte keine Ahnung, doch er wusste, er musste handeln. Der Blonde musste ihm zur Seite stehen, ihm helfen und alles dafür tun, damit nichts davon an die Öffentlichkeit gelang. Damit überhaupt niemand was mit bekam. Denn das was heute Nacht geschehen war, war jenseits von gut und böse. Levi hatte vollkommen die Kontrolle verloren und jetzt musste Farlan die Suppe auslöffeln – wie immer. Doch nie war es in so einem katastrophalen Ausmaß gewesen. Levi hatte natürlich Freunde, die ihn ebenfalls unterstützten. Allerdings stand ihm niemand  so nah, wie Farlan es tat. Der Schwarzhaarige vertraute ihm am meisten.


Er würde es wieder sein, der ihm zur Seite stand. Der ihn mit der Nase aus dem Dreck ziehen würde. Er folgte ihm immer und überall hin. Doch manchmal konnte er es nicht aushalten und musste dann gehen. Manchmal konnte er all die Schmach und den Schmerz und die Demütigung nicht mehr ertragen. Levi wusste ganz genau, was Farlan für ihn  empfand. Was sich all die Jahre in ihn aufgebaut hatte. Der Schwarzhaarige wusste von der Liebe, die Farlan für ihn fühlte. Die tief in seinem Herzen verborgen war und für immer bleiben würde.  Genau das war das Problem, es war genau das das Problem. Denn er hat alle Macht mit den schier übermächtigen Gefühlen zu spielen, sie zu greifen und dann wieder fallen zu lassen. Levi hatte Macht über Farlan, die sonst keiner hatte. Er spielte mit ihm, nutzte ihn aus und warf ihn weg. Wie ein benutztes Taschentuch, welches keiner mehr wollte, warf ihn in den Müll und wenn, wenn er ihn dann brauchte, wenn Levi in der Scheiße steckte so wie jetzt, und bei Gott das tat er, dann holte er dieses Taschentuch wieder aus dem Müll um sich seine Finger sauber zu machen. Natürlich könnte man sagen, dass der Blonde selbst schuld war. Dass er nichts aber auch gar nichts dafür tat, um es zu unterbinden. Er könnte gehen, er könnte ihm für immer den Rücken zu kehren doch das konnte und wollte er nicht. Das lag nicht in seiner Macht. Er war Levis Marionette, immer dafür da ihm Komfort und Sicherheit zu bieten – ihn bedingungslos zu lieben.

Und Levi? Er nutzte es aus… Immer und immer wieder nahm er Farlan  und benutzte ihn. Der Blonde hatte keine Ahnung, wie lange er das noch aushalten konnte. Wie viel konnte ein Mensch ertragen, bis er endgültig brach? Was musste alles geschehen bis Farlan begreifen würde, dass es keinen Sinn hatte auf Levi zu warten. Denn er wartete schon so lange. So verdammt lange und nichts änderte sich. Jedenfalls nicht zum Positiven. Im Gegenteil – es wurde immer schlimmer, doch Farlan konnte nicht gehen. Er konnte den wunderschönen Sänger, den er, seit seiner Jugend kannte, nicht verlassen. Es war unmöglich. Das wusste Farlan und dem war sich auch Levi bewusst. Der junge Mann, mit den schönen eiskalten Augen, die in intimen Momenten aber so voller Wärme für ihn waren, wusste ganz genau, dass Farlan ihn niemals verlassen würde – es sei denn Levi bat ihn darum.


Als er schließlich um die Ecke bog, in Richtung in der die teure Suite lag, wurde das Gefühl in ihm immer stärker, es wurde immer prägnanter und er spürte, dass er kurz davor war sich zu übergeben. Die Galle kam ihm hoch, denn er hatte seit dem gestrigen Abend nichts mehr gegessen. Er atmete tief durch! Er musste sich zusammenreißen. Für sich selbst und vor allem für Levi. Er hatte keine Ahnung, wie schlimm es war, doch als der Schwarzhaarige ihn angerufen hatte, ihn angefleht hatte zu ihm zu kommen, wusste der Blonde, dass er handeln musste. Er wusste, dass es nicht einfach eine Lappalie war, dass es sogar sehr ernst war. Denn in Levis Stimme war nichts als Verzweiflung gewesen. Er war betrunken, wahrscheinlich voll auf Drogen, das hatte man deutlich hören können, trotzdem hatte Farlan die Ehrlichkeit und die Verzweiflung in der geliebten Stimme hören können. Das geschah nicht oft.  Sogar sehr selten. Wenn er ehrlich war, konnte er an einer Hand ablesen, wann Levi wahrhaftig aufrichtig zu ihm gewesen war. Diese Momente hatte er tief in seinem Herzen abgespeichert.

Levi war stark, er war so ein starker Mann und ließ sich selten etwas anmerken. Er sprach nie über seine Gefühle, er konnte es nicht, er konnte sich nicht artikulieren und deswegen war er irgendwann an die Musik herangetreten. Er hatte Musik genutzt um seine Gefühle aufzuschreiben, um sie nach außen zu tragen und somit der Welt klargemacht, dass er in der Lage war Gefühle zu zeigen. Doch manchmal waren diese Gefühle so heftig, so zerstörerisch, dass sie alles mit sich rissen, dass sie jeden zerstören konnten, der sich Levi nähern wollte. Ob mit guten Absichten oder ohne – das war völlig egal.  Levi nahm selten Rücksicht auf andere. Er versuchte es manchmal, doch emotional war er total verkrüppelt, so dass es ihm nicht leicht fiel, Zuneigung zu akzeptieren und auch an andere weiter zu geben. Deswegen kamen nur wenig Menschen mit dem Superstar zurecht.

Farlan konnte ihm noch nicht mal böse sein. Er wusste ganz genau, dass Levi aus sehr zerrütteten Verhältnissen kam. Dass seine Kindheit alles andere als gut gewesen war. Von emotionalen bis sexuellen Missbrauch war alles dabei gewesen. Gelinde gesagt war sie die absolute Hölle gewesen und er hatte gehofft, dass wenn Levi erst mal aus den Teenagerschuhen hinaus schlüpfte und erwachsen wurde, dass alles besser werden würde ...  

Farlan hatte sich getäuscht… Alles war anders als gedacht und doch irgendwie gleich. Levi war keiner Gefahr mehr ausgesetzt. Die einzige Gefahr, die um ihn herum war, war er selbst. Er selbst war derjenige der sich sabotierte und dafür sorgte, dass er sich nicht weiter entwickelte und jetzt, mit seinen 27 Jahren, sich noch immer wie ein verkackter 18 Jähriger benahm. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne dass ihm jemand Grenzen setzte. Sein Management – ließ ihn machen. Es sagte immer: Schlechte Publicity ist besser als keine. Daher kämpfte Farlan allein gegen den Sturm aus Levis selbstzerstörerischen und egoistischen Gefühlen. Doch vielleicht standen sie jetzt an einem Wendepunkt ihrer gemeinsamen Reise. Möglicherweise hatten sie eine Chance.

Seitdem er Frontmann einer angesagten, nein, der angesagtesten Band der Welt war, hatte Levi sich sehr verändert. Er war selbstsüchtig, manipulativ und unglaublich kaltherzig. Nur wenn er ganz genau wusste, dass er jetzt Gefühle zeigen musste um irgendetwas zu bekommen, dann tat er es. Anders konnte man es nicht aus ihm heraus kitzeln. Doch jetzt glaubte Farlan wirklich, dass Levi an einem Wendepunkt angelangt war. Er wusste nicht wieso, er hatte es im Gefühl. Er spürte, dass irgendwas im Gange war. Dass sich ihr Leben nun bald verändern würde und vielleicht durfte er hoffen. Hoffnung war alles, was ihn an Levi band. Die Hoffnung auf Liebe. Auf ein gemeinsames Leben und Glück. Farlan war ein Mann, der mit vollem Herzen liebte. Leider den falschen Menschen bisher. Doch vielleicht, vielleicht hatten sie Glück und es würde sich alles ändern. Möglicherweise erkannte Levi bald, dass es Farlan war, der ihm Glück und ein Zuhause schenkte. Der ihn so sehr liebte und vor allem mit jeder Ecke und Kante – von denen gab es bei Levi leider viel.

Die Tür, sie war so groß, so schwer, so übermächtig und er spürte einfach, wie sich der Magen herum drehte, als er die Chipkarte nahm und die Tür öffnete. Ganz vorsichtig ganz langsam schob er sie auf, blickte in die dunkle Suite hinein. Sofort drängte sich ihm ein übler Geruch entgegen. Es roch nach Alkohol, Gras, Schweiß und Sex. Irgendwo glaubte er auch, den Hauch von Erbrochenem zu riechen. Doch er war sich nicht sicher. Wollte er es überhaupt genau wissen? Nein, eher nicht. Alles was er wollte, war es Levi zu helfen. Mehr nicht.

Farlan ging hinein, ganz schwaches Licht brannte und irgendwo lief noch Musik im Hintergrund. Was es war ... er konnte es nicht sagen. Er kannte das Lied, doch der Titel war ihm entfallen.  Er sah sich um, das komplette Zimmer war verwüstet, es wurden Flaschen oder Gläser an den Wänden zerschmettert und sogar ein paar Möbel lagen schon im Vorraum herum - kaputt und zerstört. Eine nackte Frau lag irgendwo in einer Ecke, schlief ihren Rausch aus und er konnte sehen, dass noch mehr Personen sich in der Suite befanden. Es waren noch viel mehr Leute da, wie viele, das wollte er sich nicht ausmalen. Er ging ein Stück weiter, schob mit seinem Fuß die Scherben zu Seite und achtete darauf, dass er nirgendwo hintrat. Ein Blick ins Badezimmer genügte, um zu sehen, dass ich eine Katastrophe abgespielt hatte. Die Übelkeit wurde immer schlimmer und ein eiskalter  Schauer lief ihm den Rücken hinunter.

Es war dreckig, voll gepisst und irgendeiner hatte sich dort Heroin gespritzt, so wie es aussah. Denn das Besteck lag noch da. Es war furchtbar und er hatte Angst um Levi. Er schüttelte seinen Kopf.  Farlan war natürlich auch kein Mann der Traurigkeit. Er selbst hatte auch ein paar Drogen genommen, hin und wieder mit Levi gekokst oder Gras geraucht. Doch an sowas, an Heroin, war er niemals herangetreten. Dafür hatte er viel zu viel Schiss und hatte Gott immer angefleht, dass Levi niemals zu dieser Droge greifen würde und bisher war es auch nie passiert. Doch jetzt hat er Angst. So große Angst.

Er ging weiter, stützte sich an einer sauberen Ecke der Wand ab und musste erst mal tief durchatmen. Er musste erst mal versuchen seine Gedanken zu ordnen, als er in das große Wohnzimmer blickte und so viele nackte Leute oder auch welche die halb bekleidet waren entdeckte. Als er das alles sah, wusste er genau, was heute Nacht hier gelaufen war. Sie schliefen alle ...  sie schliefen ihren Rausch aus und bemerkten ihn nicht mal. Farlan konnte erkennen, dass einige sehr jung waren. Das war nicht gut. Es war überhaupt nicht gut, wenn sie sich Levi mit irgendwelchen minderjährigen Fans eingelassen hatte. Es war verdammt noch mal nicht gut, wenn das der Fall sein würde, er würde so viel Geld bezahlen müssen, damit sie ihre Klappe hielten. Schweigegeld ... So nannte man das in diesen Kreisen.

Aber darum konnte er  sich später kümmern. Er musste sich davon überzeugen, dass Levi nicht gespritzt hatte. Dass er sich nicht den goldenen Schuss gesetzt hatte. Denn manchmal hatte Farlan das Gefühl, dass Levi das alles tat und dem Tod nahe zu sein. Einfach, um das Risiko einzugehen, zu sterben um zu gucken wie weit kann er gehen und was sein Körper bewerkstelligen konnte.  Farlan hatte immer öfter das Gefühl, dass Levi das Risiko liebte. Dass der schöne schwarzhaarige Sänger mit seinem Leben spielte und es mit voller Absicht riskierte, nur um zu schauen, wie viel Glück er haben konnte. Oder vielleicht wollte er beweisen, dass ihm nichts anhaben konnte. Dass er in seinen Augen unbesiegbar war – was natürlich nicht der Fall war! Denn irgendwann kam jeder Mensch an seine Grenzen. Selbst Levi Ackerman.

Er setzte seinen Weg fort, immer noch mit einem mulmigen Gefühl. Die Angst wollte ihn einnehmen, doch er ließ es nicht zu. Er setzte einen Fuß vor den anderen und kämpfte sich durch Berge von Müll, Essensresten, Alkoholflaschen und irgendwelchen nackten Menschen, die er noch nie zuvor gesehen hatte durch. Es war abartig. Sicher, er selbst hatte mit Levi ebenfalls schon an der ein oder anderen kleinen ‚Gruppenaktivität‘ teilgenommen doch niemals war es so eklig und pietätlos gewesen wie, dass was er jetzt sah.

Er fand Hanji nicht, Mike war auch nicht anwesend. Wahrscheinlich war Levi  deshalb so eskaliert. Oft passte Hanji auf, wenn Farlan es nicht konnte. Doch vermutlich war selbst die Brünette zu schockiert gewesen um das alles mit zu machen. Er sah sich um, fand Levi nicht und kämpfte sich dann schließlich zu einer weiteren Tür hindurch und blieb erst mal stehen. Bevor er denn den Türknauf anfasste, kramte er in seiner Hose nach einem sauberen Taschentuch, wickelte dieses um den Türknauf herum und erst dann drehte er den Knauf um, um die Tür zu öffnen. Sein Herz blieb vor Aufregung fast stehen und er spürte, wie seine Knie schlackerten. Wieder kroch die Angst in ihm hoch.

Er atmete tief durch, holte tief Luft und sagte sich innerlich immer wieder, dass er sich beruhigen musste. Dass er stark sein musste und es vermutlich gar nicht so schlimm war und Levi einfach nur schlief. Dass er seinen Rausch aus schlief und alles wieder wie vorher werden würde. Doch er bezweifle es.

Als er die Tür geöffnet hatte, die Augen jedoch immer noch geschlossen, zittrig die Luft einatmend, beschloss er, dass er einen Schritt hinein wagte. Ein übler Geruch stieg ihm in die Nase. Es roch nach erbrochenem und vielem mehr. Er wollte das nicht, er wollte seine Augen nicht öffnen. Doch er musste es tun. Er musste es tun, bevor er Levi verlor, denn er hatte das Gefühl, dass er so kurz davor war ihn für immer und ewig zu verlieren. Dass die Welt ihn verlieren würde. Kurz dachte er darüber nach… Levi war 27 Jahre alt… Farlan durfte überhaupt nicht daran denken. Also war er mutig und öffnete seine Augen. Er blieb stark und…


Die Welt blieb für ihn einige Herzschläge lang stehen und hörte auf sich zu drehen. Genau wie sein Herz. Es setzte einfach einen Schlag aus, bevor er es heftig weiter pumpte. Stille um ihn herum. Nichts als Stille und das Rauschen seines eigenen Blutes.



„Oh mein Gott“, kam es nur von seinen Lippen.
„Oh mein Gott!“, sagte er noch mal lauter, als er es sah. Als er Levi auf dem Boden liegend sah, nackt, in seinem Erbrochenem und blutiger Nase.

Er wusste nicht, ob er lebte, ob er ...  ob er schlief oder was mit ihm los war? Er konnte es nicht sagen, denn er war wie versteinert, stand einfach nur da und wusste nicht, was er tun sollte. Er wusste es nicht. Alles war wie in einem Traum. Surreal und irgendwie anders. Wie oft hatte ihn ein derartiger Alptraum aufgesucht? War es jetzt wirklich real? War sein schlimmster Alptraum wahr geworden? Doch dann fiel ihm ein, dass dort die Liebe seines Lebens lag. Er wusste nicht, ob er tot war oder oder sonst irgendwas, daher eilte er auf ihn zu, sank auf die Knie und drehte ihn auf den Rücken. Er wischte ihm die Kotze mit seiner bloßen Hand von seinem Mund, aus seinem schönen Gesicht und gab ihm eine Ohrfeige. Doch Levi rührte sich nicht. Er war blass, kalter Schweiß sowie Blut klebte ihm im Gesicht und seine Atmung war stockend. Sein ganzer Körper war kühl und leblos.  Das schwarze Haar verschwitzt und dreckig. Die Lippen, rissig und spröde. Auf seinem Körper klebten die schlimmsten Sekrete. Farlan wurde übel, wenn er daran dachte, was sich hier abgespielt hatte. Er sah auf, entdeckte in diesem Schlafzimmer allerdings keine weitere Person mehr. Levi musste sich hierher geschleppt haben um allein zu sein, und war dann auf dem Boden zusammen gebrochen.

„Scheiße“, flüsterte der Blonde und drehte Levi wieder auf die Seite, damit er nicht an seiner Zunge oder an dem Erbrochenem erstickte. Er öffnete Levis Mund und holte die letzten Brocken heraus.  Es war eklig doch um ihn zu retten, würde Farlan alles tun. Dann versuchte er, ihn anzusprechen.
„Levi? Hörst du mich? Sag doch irgendwas, mach dich bemerkbar!“, sagte er voller Verzweiflung und hoffte dass, es Levi wieder gut gehen würde. Sein erster Blick, fiel auf Levis Arme. Er suchte nach irgendwelchen Einstichstellen, doch er fand keine. Aber natürlich konnte er sich das Zeug auch woanders hin gespritzt haben oder er hatte irgendwas anderes eingenommen. Es gab so viele Drogen, die er nehmen konnte und Farlan wusste, dass Levi zwar gegen einige Drogen sehr abgeneigt war, aber andere zu nehmen das war kein Problem.

„Babe. Bitte sag doch was“, flüsterte der Blonde mit gebrochener Stimme. Ihm standen die Tränen in den Augen, doch er wusste, er konnte nichts tun. Also kramte er aus seiner Jackentasche, sein Handy heraus und wählte den Notruf. Ihm blieb nichts anderes übrig - er musste es tun. Auch wenn die Zeitungen voll damit sein würden, es war seine Pflicht.Er musste den Notruf wählen, um Levis Leben zu retten denn sonst würde er ihn verlieren! Er würde Levi Ackermann verlieren und nichts auf der Welt würde den jungen Mann wieder zurückbringen.


Farlan sah in das schöne Gesicht. Welches er so liebte und vergötterte. Dunkle Augenringe hatten sich schon vor Monaten gebildet. Sie lagen wie Schatten auf der blassen Haut und verliehen Levi ein grotesk schönes Aussehen. Nichts konnte den Mann vor ihm entstellen. Nicht einmal der drohende Tod. Schwer atmend kramte er sein Handy aus seiner Jackentasche und klappte es auf. Dann wählte er den Notruf.

„Hallo? Ich brauche hier ganz dringend ein Rettungswagen“, sagte er ins Telefon, als sich jemand am anderen Ende meldete. Die Dame an der anderen Leitung war freundlich und fragte, was geschehen war, wo er sich befand und wo genau das Problem war. Farlan beantwortete natürlich alles. Er sagte ihr die Adresse, sagte ihr die Nummer der Suite und erzählte  auch, dass sein Freund bewusstlos auf dem Boden lag und vermutlich an seinem Erbrochenen erstickte. Die Frau wollte wissen, ob er sehen konnte, welche Drogen er genommen hatte und sie wollte wissen. Ob Farlan glaubte, dass es ein Suizidversuch sein könnte.

Farlan verneinte alles. Er wusste nicht, welche Drogen Levi genommen hatte. Er vermutete Kokain aber es konnte natürlich auch noch  was anderes sein. Die Frau versprach ihm, dass sich sofort jemand auf dem Weg machte. Er musste Levi nur in der stabilen Seitenlage halten und seine Atmung kontrollieren. Liebevoll strich er Levi das schwarze verschwitzte Haar aus der Stirn und streichelte mit der Hand über seine kühle Wange.
„Du darfst mich nicht verlassen, wir schaffen das!“
Nur ein Flüstern aber er war sich sicher, dass Levi ihn hören konnte. Tief in seinem Inneren.


Er hatte Angst, er hatte so große Angst und er war nicht bereit Levi gehen zu lassen. Nicht in den Tod und auch nicht irgendwo anders hin. Er liebte ihn von ganzem Herzen und er wusste, tief in seinem Inneren liebte Levi ihn auch. Sonst hätte er ihn doch nicht angerufen? Sonst hätte er nicht geweint am Telefon und gesagt wie leid ihm alles täte… Farlan stockte und das Blut gefror in seinen Adern. Konnte es sein, dass es doch ein Suizidversuch war? Konnte es sein, dass Levi es einfach nicht mehr ausgehalten hatte? Seine Kehle schnürte sich immer mehr zu und er hatte das Gefühl bald zu ersticken.

Nein, er war nicht so. Levi war stark. Er war ein Kämpfer und hatte bisher alles geschafft. Trotz seiner Vergangenheit und alldem was passiert war, war er niemals gebrochen worden. Er hatte alles überwinden können, daher glaubte Farlan das nicht. Die Dame vom Notruf hatte ihm einen üblen Floh ins Ohr gesetzt.  Es war ein Unfall. Es war 100-prozentig ein Unfall… Das musste sein, es musste einfach so sein! Was anderes kam überhaupt nicht in Frage! Denn es passte nicht zu Levi Ackerman.

Farlan sah auf Levis Körper. Er war nackt. Vorsichtig löste Farlan sich von ihm und sah sich um.  Schnell suchte er nach irgendwas, womit er ihn abdecken konnte. Irgendwo in der Ecke fand er ein Shirt, ein Bandshirt von den Smith’s und irgendeine Shorts. Es war ihm egal, wem die Sachen gehörten. Niemand sollte sehen dass Levi vollgekotzt war und wahrscheinlich noch irgendwelche anderen Sekrete an seinem Körper kleben hatte. Alkohol, Speichel ... wer wusste es schon genau? Farlan war sich aber über eine Sache sicher, Levi würde nicht wollen, dass man ihn so sah. Daher tat er alles, um den schönen Mann zu bedecken. Ihm noch das letzte bisschen Würde zu lassen, welches er besaß.

Er wollte nicht, dass Levi so gedemütigt wurde. Der junge Mann umfasste Levis Körper und hielt ihn einfach nur fest. Er  strich immer wieder über die kühle Wange bis zur Stirn und obwohl ihm dieser üble Geruch entgegen wehte, konnte nicht anders, als ihm einen Kuss auf die spröden Lippen zu hauchen ,denn er liebte Levi über alles. Er war alles, was er wollte und ihm gehörte sein Herz.  Vom ersten Tag ihrer Begegnung war Farlan ihm verfallen und er würde niemals von ihm loskommen. Er würde es niemals schaffen Levi hinter sich zu lassen. Es war unmöglich. Levi gehörte zu ihm und er gehörte zu Levi… Und er war sich sicher, dass der Schwarzhaarige es auch bald sehen würde… Wenn er diese Nacht denn überleben würde.



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Sooooo und?

PS: Das passende Bild dazu hat Elli gemalt. Insta: Eliza_Bathory_Chan
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