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Verlieb dich besser nie in einen Rockstar - aber was, wenn es der Richtige ist?

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Raul Ruutu Riku Rajamaa Sami Osala Samu Haber
20.09.2022
05.02.2023
76
136.215
7
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Dieses Kapitel
1 Review
 
24.01.2023 2.525
 
Na, habt ihr schon gegrübelt, was hier passiert ist? Dann erlöse ich euch, aber ich warne euch schon einmal vor, es gibt Blut, Eifersucht, Anstiftung zu einer Straftat und wahrscheinlich werdet ihr das eine oder andere Mal fassungslos den Kopf schütteln.

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Drinnen bot sich uns ein sehr chaotisches Bild, ich hörte Schmerzensschreie, verzweifelte, fast schon flehende Worte, schimpfende Worte und hektisches Gewusel. Jeder im Raum schien von dem was passiert war, völlig überfordert zu sein. Nach dem kleinen Schwächeanfall von eben, wechselte ich in den Notfallmodus und stellte alle Gefühle hinten an. Ich musste jetzt gut funktionieren. Im Job, wenn ich Gruppen begleitete, dann passierte auch immer mal wieder etwas unerwartetes und ich hatte bereits auf die harte Tour gelernt, was es bedeuten konnte, wenn man dann den Kopf verlor. Ich atmete tief durch und straffte die Schultern. Von Rikus Lippen klaute ich mir noch einen sanften Kuss, bevor wir zusammen näher an das Geschehen herantraten. Ich sah Arie am Boden liegen, sie war blutüberströmt und hatte Schwierigkeiten, die Augen offen zu halten. Ihre Atmung ging stoßweise und sie war sehr blass. Sie sah alles andere als gut ist und die Sorge in mir wurde immer größer. Neben ihr knieten Samu und Aki, auch voller Blut und Samu drückte seine Hände auf eine Stelle an Aries Seite. Er starrte sie mit großen Augen an und ich sah, dass er völlig unter Schock und neben sich stand. Auch Aki stand der Schock mehr als ins Gesicht geschrieben. Ich löste mich von Riku und kniete mich vorsichtig neben die drei.

„Hey Arie, ich bin es, Sue. Ich sehe, dass es dir gerade nicht so gut geht, aber versprichst du mir etwas?“
„Sue…..was…..soll…..? Ahhhh…..“ Mehr konnte sie nicht sagen, denn sie schien sehr starke Schmerzen zu haben. Sie war kurz davor ohnmächtig zu werden und das sollte auf keinen Fall passieren.
„Samu, du musst sie wachhalten. Erzähl ihr irgendwas oder sing ihr was vor. Egal was du machst, sie darf nicht einschlafen, auf gar keinen Fall. Aki, lös du Samu ab, wenn er nicht mehr kann. Und Arie du versprichst mir, dass du wach bleibst, das ist wirklich wichtig.“ Mit ruhigen Worten sprach ich auf die beiden ein, um sie ein wenig zu beruhigen. Die Panik stand den beiden ins Gesicht geschrieben und es tat mir im Herz weh, die beiden so leiden zu sehen. Sie nickten mir zu, so dass ich wusste, dass meine Worte angekommen waren. Ich hatte zwar nach wie vor keine Ahnung, was passiert war, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um die beiden danach zu fragen.

Soweit ich es sehen konnte, hatte sich Arie an etwas geschnitten, aber ich konnte mir keinen Reim darauf machen, was hier passiert war. Allerdings hatte Aki eben auch von der Polizei gesprochen. Also hatte das jemand anderes Arie angetan? Aber warum? Ich sah mich im Raum um und mir gefror das Blut in den Adern. In einer Ecke, mit Kabelbindern gesichert und von Sami bewacht, lag ein Typ auf dem Boden, den ich seit über einem Jahr nicht gesehen hatte und auch nicht damit gerechnet hatte, ihm jemals wieder über den Weg zu laufen. Es war ein sehr unangenehmes Gefühl, dass meine Vergangenheit auf einmal Zugang zu meiner Gegenwart und Zukunft hatte. In mir legte sich ein Schalter um und in mir entbrannte eine nie dagewesene Wut. Wie angestochen sprang ich auf und stürmte auf den Mann am Boden zu. Glücklicherweise hatte Sami ihn gut im Blick und auch so gut gefesselt, dass er sich kaum bewegen konnte und zum anderen hielten mich die Gefühle für die meisten Menschen im Raum davon ab, etwas völlig Unüberlegtes zu tun, auch wenn ich innerlich völlig außer mir war. In meinem Kopf griffen die Rädchen ineinander und ich hatte eine Idee, was hier wohl gerade passiert war. Mir war nur nicht klar, aus welchen Gründen, denn wenn es um mich gehen würde, dann machte es wenig Sinn Arie anzugreifen.

Der Mann am Boden bemerkte mein näher kommen und drehte den Kopf in meine Richtung. Als er mich erblickte, riss er die Augen erschrocken auf.
„Sue?“, fragte er da auch direkt. Ich hasste es, wie er meinen Namen aussprach. Ich schüttelte mich vor Abscheu. Seine Reaktion machte aber auch klar, dass er keine Ahnung hatte, dass ich hier war und der Angriff somit mit meiner Person überhaupt nichts zu tun hatte.
„Ja, genau die, aber was um alles in der Welt machst du hier? Und bist du jetzt völlig gestört? Hat es nicht gereicht, was du mir angetan hast? Musst du jetzt auch noch Freunde von mir so verletzten? Was stimmt nicht mit dir?“ Ich hatte Deutsch gesprochen und meine Stimme wurde immer eisiger und ruhiger. Ich war selbst sehr überrascht, dass ich mich so gut unter Kontrolle hatte.
„Kennst du den Spinner?“ kam es ungläubig von Sami und Riku gleichzeitig. Sie hatten zwar nicht viel von meinen Worten verstanden, dass mir der Kerl am Boden aber nicht unbekannt war, hatten sie aber auch ohne Worte mitbekommen, zumal er ja auch meinen Namen wusste.
„Ja, leider, darf ich vorstellen, das ist Lars, mein Ex-Freund.“ Ich ließ die Worte im Raum stehen und ergriff Rikus Hand, denn ich konnte die Wut in seinen Augen aufsteigen sehen, als er realisierte, wer der lag, was er mir angetan hatte und was er nun auch Arie angetan hatte. Leicht schüttelte ich den Kopf. Er sollte jetzt auf keinen Fall etwas Unüberlegtes tun. „Ich erzähl euch nachher alles, versprochen, aber ich werde das Gespräch auf Deutsch führen müssen, okay?“ Beide Männer nickten mir zu und mein Blick wanderte wieder zu Lars.
„Was machst du hier, Sue, warum bist du in Helsinki und warum kennst du diese Leute?“ Er schien von der Situation völlig überfordert zu sein. „Ist der Kerl da etwa dein neuer Macker?“
„Lars, es geht dich einen verdammten Scheißdreck an, was ich hier mache. Unsere beiden Leben haben nichts mehr gemeinsam und ich möchte auch, dass es so bleibt. Ich möchte dich nach Hause nie wiedersehen. Aber was ist bei dir schiefgelaufen? Hast du völlig den Verstand verloren? Was hat Arie dir denn getan?“
„Sie hat mir gar nichts getan, aber der Arsch da neben ihr.“
„Was hat dir denn bitte Samu angetan? Und woher kennst du ihn?“
„Dieser eingebildete Fatzke, denkt doch auch, dass er was Besseres ist und er heiligen Boden hinterlässt. Er benutzt Frauen einfach nur, wenn ihm danach ist und spielt ihnen etwas vor.“ Bei diesen Worten entfuhr mir ein kleines Lachen.
„Sprichst du etwa von dir selbst? Ich mein, du hast während unserer Beziehung ja auch nichts anbrennen lassen und mich wie den letzten Dreck behandelt. Und du hast dich doch schon immer wie der King gefühlt. Du hast es genossen, wenn andere den Boden verehrten, über den du gelaufen bist. Also, warum ausgerechnet Arie, wenn doch Samu dein Problem ist? Ich möchte Antworten, Lars und zwar bevor die Polizei hier ist.“
„Ich war immer fair zu dir und hab mit offenen Karten gespielt. Du wusstest immer, woran du bei mir warst und dass die Beziehung nur vorübergehen war.“ Ich musste mich immer mehr zusammenreißen, sonst würde ich dem Kerl vor mir eine scheuern, dass er die nächsten 3 Wochen noch etwas davon hatte.
„Es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich wir diese Dinge aufgefasst haben. Aber Schluss mit den alten Kamellen. Du bist Geschichte und ich möchte Antworten. Warum? Und komm mir nicht mit Ausreden. Ich kann dir auch deine Finger verbiegen, damit du die nächsten Wochen gar keinen Gedanken ans Gitarre spielen verschwenden brauchst.“ Meine Stimme wurde immer schneidender und eisiger. Sami und Riku sahen mich mit respektvollen Blicken an, so hatten mich die beiden ja auch noch nie erlebt. Wahrscheinlich fragten sie sich gerade, wer da wirklich vor ihnen hockte und was zwischen mir und Lars noch alles passiert war, dass ich gerade eine ganz andere Seite zeigte, die den beiden Finnen gänzlich unbekannt war. „Also, ich höre.“ Lars schien zu merken, dass mir meine Worte sehr ernst waren. Vielleicht waren ihm aber auch seine Finger sehr heilig, denn er begann zu reden.
„Auf einem Festival ist er mir im letzten Sommer hier über den Weg gelaufen und ich fand cool, was er so auf der Bühne macht und ich wollte gern mit ihm reden. Aber er hat mich wie eine lästige Fliege zu Seite gescheucht. Ich mein, er hat den Erfolg, den ich mir auch wünsche.“ Kurz stockte er, so als müsste er etwas überlegen. „Dir ist aber schon klar, wer die Herren hier sind, oder? Also das sie eine Größe in der Musikszene sind?“ Ungläubig sah ich Lars an.
„Echt jetzt? Nein, das habe ich überhaupt nicht gewusst. Ich habe gedacht, dass sind hier einfach nur ein paar Männer mit normalen Jobs.“ Diesen Spruch konnte ich mir nicht verkneifen. Es zeigte aber auch, wie wenig sich Lars damals für das interessiert hatte, was mir wichtig war. Und wenn ich denke, wie er immer geschimpft hatte, wenn das Album der Band lief. Aber wahrscheinlich konnte er sich gar nicht mehr daran erinnern.
„Rede doch nicht so einen Müll. Du weißt genau, wer das ist. Du bist doch auch nur so eine Fame-Bitch. Was versprichst du dir davon, dass du mit denen abhängst?“ Ich konnte seine Worte nicht fassen.
„Ich bin alles, aber ganz sicher keine Fame-Bitch. Ich verbitte mir solche Bezeichnungen.“
„Ach komm schon, was willst du denn dann von denen? Jeder will doch in Samus Dunstkreis sein und da bist du sicher keine Ausnahme. Hat er dich rangelassen? Oder musstest du mit einen der anderen Vorlieb nehmen, da du dem Herrn nicht scharf genug warst? Oder machst du für alle die Beine breit, wenn der Druck zu groß ist?“ Bei diesen Worten vergas ich für einen Moment den Anstand und scheuerte Lars eine, die sich gewaschen hatte. Riku musste mich festhalten, damit ich nichts Unüberlegtes tat, was mir am Ende Leidtun würde. In seinen Augen sah ich, dass er einen Teil des Gesprächs sehr wohl verstanden hat und es war mir wirklich unangenehm. Riku durfte den Worten von Lars auf keinen Fall Glauben schenken, denn bei mir waren wirklich echte und tiefe Gefühle im Spiel. Und es war mir wirklich völlig egal, was Riku beruflich machte. Er hätte auch einfach nur Musiklehrer an einer Grundschule sein können oder auch ein einfacher Handwerker, er wäre auch dann dieser wunderbare Mann mit der Zauberstimme. Mir war es egal, was jemand war, es kam darauf an, wer er in seinem Inneren war.
„Wenn du jetzt nicht endlich Klartext redest, dann werde ich dafür sorgen, dass du länger im Gefängnis sitzt, als dir lieb ist. Ich werde Dinge behaupten, die du mir in der Beziehung angetan hast. Ich werde dich und deine eventuelle Karriere zerstören. Bisher habe ich die Füße stillgehalten, aber jetzt reicht es mir. Ich bin nicht mehr das kleine Mäuschen, mit dem du spielen kannst. Und auch ich habe eine sehr dunkle Seite, ich würde dir wirklich raten, diese nicht herauszufordern, denn so hast du mich noch nie erlebt. Die Ohrfeige eben war dann noch harmlos. Und ich müsste dafür noch nicht einmal handgreiflich werden. Also überlege dir gut, was du sagst.“

In dem Moment betraten Sanitäter das Haus und liefen schnell zu Arie und Samu. Dieser sah erleichtert aus, als er seine Hände von der blutenden Wunde nehmen konnte. Er ließ den Sanitätern Platz, ließ aber Aries Hand die ganze Zeit nicht los und sprach leise mit ihr. In seinem Blick sah ich, dass er sehr große Angst um sie hatte. Er tat mir so leid, dass er das miterleben musste und vor allem Arie tat mir leid, denn sie hatte das nicht verdient. Sie war eine der liebenswertesten Personen, die ich kannte. Ich bat das Universum, dass die ganze Sache gut ausging, denn ich mochte Arie wirklich sehr gern und sie war mir eine gute Freundin geworden. Aki sprach unterdessen mit einem der Sanitäter und schien zu erklären, was passiert war, denn er zeigte immer wieder in unsere Richtung. Riku entschuldigte sich kurz und machte sich auf den Weg zu Samu. Er schien zu spüren, dass dieser ein wenig mentale Unterstützung benötigte, denn er sah aus, als wenn er kurz vor einem Zusammenbruch war.

„Hättest du damals so ein Feuer im Hintern gehabt, hätte ich mir meinen Spaß nicht woanders suchen müssen. Wo kommt das auf einmal her? Wir wären ein Dreamteam gewesen.“ Ich starrte Lars nur stumm an. Darauf würde ich nichts sagen, ich war froh, dass dieser Kerl nicht mehr zu meinem Leben gehörte, sondern ein herzensguter Mensch den Platz an meiner Seite eingenommen hatte. Wenn Lars mir also nicht sagen sollte, was los war, dann würde ich das der Polizei überlassen. Ich wollte gerade aufstehen, da bat er mich zu bleiben. Wahrscheinlich waren meine Worte nun endlich in seinem Gehirn angekommen.
„Sue, warte. Ich rede ja schon.“ Ich zögerte kurz, gab ihm aber eine letzte Chance sich zu erklären. Wenn er wieder mit andren Themen anfing, würde ich endgültig weggehen und ihm seinem Schicksal überlassen. „Samu hat meine Schwester böse abserviert. Die beiden hatten letztes Jahr was miteinander und er hat ihr viele Lügen erzählt und ihr damit das Herz gebrochen. Sie hat ihm alles geglaubt und war sehr verliebt. Nachdem er dann bekommen hatte, was er wollte, hat er sie eiskalt abserviert. Er hat nicht mehr mit ihr gesprochen und alle Anrufe ignoriert. Sie wollte sich kurz vor Weihnachten etwas antun, was ich glücklicherweise verhindern konnte. Aber ich hatte dadurch so eine Wut auf diesen Kerl. Und meine Schwester liebt ihn immer noch. Und dann war da diese Frau. Wir haben die beiden oft zusammen gesehen und man sieht doch, wie verliebt beide in einander sind. Meine Schwester will aber die Frau an seiner Seite sein und so hatten wir den Plan, dass wir sie aus dem Weg räumen, damit der Weg wieder frei ist. Klar würde er zunächst traurig sein, aber sie würde für ihn da sein und ihm die Schulter zum Anlehnen bieten. Meine Wut auf Samu war aber viel größer. Als ich vorhin hier vorbeikam, standen die beiden draußen und haben sich unterhalten. Ich habe sie angesprochen und ich wollte Samu einen Denkzettel verpassen, auch für die Art, wie er mich behandelt hat und hab das Messer gezückt. Leider hat sich diese Arie schützend vor ihn geworfen und ich habe sie erwischt. Den Rest kannst du dir ja sicher denken.“
Ich war sprachlos. Wie konnte man nur auf diese Gedanken kommen. Ja, es tat weh, wenn man nicht den Mann bekam, den man wollte, aber gleich zu solchen Mitteln greifen? Das war doch krank und ein Fall für die Psychiatrie. Und Lars konnte direkt mit. Wie krank war es dann auch noch, den eigenen Bruder zu so einer Tat anzustiften. Bei der Erzählung machte sich zusätzlich noch ein ungutes Gefühl breit und ich stellte die Frage, die hoffentlich den Kreis schloss. Ich hatte Lars Schwester nie kennengelernt, deshalb wusste ich gar nichts über sie.
„Wie heißt deine Schwester?“ fragte ich fast tonlos, was Sami neben mir aufhorchen ließ.
„Jenny.“  Bei diesem einen Wort schlug die Uhr Mitternacht, wir hatten 2010 und draußen stiegen die ersten Raketen in die Luft.
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