Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Im Leben muss man eine Seite wählen

von -June-
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Horror / P18 / Het
Carl Grimes Daryl Dixon Negan OC (Own Character) Rick Grimes
20.09.2022
23.09.2022
2
6.693
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
23.09.2022 4.102
 
Hier nun das zweite Kapitel... Ich werde in dieser Story hin und wieder bekannte Szenen aufgreifen, jedoch etwas abändern. Ich hoffe euch gefällt das neue Kapitel und freue mich natürlich über jede konstruktive Kritik :) Viel Spaß beim Lesen !


Sie schienen schon eine längere Zeit auf etwas Bestimmtes zu warten. Janice kam nun der Gedanke, dass die zwei Männer im Wald hinter ihr du diesen vor ihr gehörten. Doch es kam noch schlimmer.  An einem der Geländewagen lehnte genau der Mensch, dem Janice nie wieder begegnen wollte. Der Mensch, den sie alle so sehr hassten und fürchteten zugleich. Negan. Anführer der Saviors. Lucille , sein mit Stacheldraht umwickelter Baseballschläger, stand auf dem Boden an die Tür des Wagens gelehnt, wartend darauf, geschwungen zu werden, um zu töten. Negan selbst stand überheblich wie immer an der  Motorhaube, die Arme vor der Brust verschränkt und wartete nun darauf, wer oder was aus dem Wald kommen würde, denn das Geschrei seiner Männer und die Schüsse waren ihm nicht entgangen. Nun stand Janice da, zwei Saviors hinter ihr, die sie jagten, vor sich Negan und noch mehr seiner Männer verteilt auf einer riesigen Lichtung. Sie richteten fast zeitgleich ihre Waffen auf die Fremde, doch ihr Anführer hob die Hand, worauf sie sich wieder entspannten. Janice wand sich hektisch nach hinten, unsicher, was sie nun tun sollte. Ihre zwei Jäger waren nun auch am Rande des Waldes hinter ihr angekommen und warteten auf Befehle. Janice bekam kaum Luft, nicht aber durch die Anstrengung sondern aus Angst. Sie war ganz allein, was hätte sie denn ausrichten können?! Einige Sekunden lang geschah gar nichts, was ihr die Zeit wie eine Ewigkeit vorkommen ließ. Dann schnappte sich Negan Lucille und schwang sie sich über die Schulter. Völlig selbstsicher und entspannt lief er langsam auf Janice zu. Da sie nicht wusste, wie sie sich schützen sollte, schnappte sie sich einen Pfeil aus ihrem Rückenköcher und spannte in Sekundenschnelle ihren Bogen, gerichtet auf Negan. Sie wusste, dass sie ihn hier nicht töten konnte. Denn sobald ein Pfeil ihn treffen würde, hätten sie mindestens zehn Kugel erreicht und durchlöchert. Negan blieb stehen und grinste, denn auch er war sich dieser Tatsache bewusst. "Verdammte Scheiße, willst du mich verarschen? Hast du dich mal umgesehen? Zehn meiner Männer stehen hier bewaffnet herum und du willst mich umbringen?!" Janice sagte kein Wort. Das wagte sie auch gar nicht. Negan ging wieder zwei Schritte auf sie zu und blieb stehen. "Naja, du kannst uns gern eine Kostprobe deiner Schießkünste geben", witzelte Negan, da er sicher war, sein Gegenüber würde es nicht wagen, den Pfeil fliegen zu lassen. Doch Janice überkam die Wut bei so viel Überheblichkeit. Ihr Herz raste, sie wendete die Augen ab, überlegte nicht lang und ließ ihre Finger von der gespannten Sehne gleiten. Dieser traf aber nicht Negan, sondern gewollt und sauber gezielt einen Reifen seines Wagens. Das zischende Entweichen der Luft war bis zu ihr zu hören. Negan drehte sich zu seinem Wagen um und dann wieder zurück. Er sah äußerst amüsiert und sogar etwas beeindruckt aus, nahm sein Gegenüber jedoch nicht als wirkliche Gefahr wahr. "Jetzt sieh sich das einer an, du hast echt Eier in der Hose!" Negan kam wieder weiter auf sie zu. Hastig griff Janice wieder hinter sich, um noch einen Pfeil aus dem Köcher zu ziehen, doch sie griff immer wieder ins Leere. „Das darf nicht wahr sein!“, fluchte sie innerlich. Schmerzlich wurde ihr in diesem Moment bewusst, dass sie  die restlichen Pfeile bei ihrem Sturz verloren haben musste. Doch in der Hektik der Verfolgung hatte sie es nicht bemerkt.

Langsam ließ sie den Bogen sinken und trat einen Schritt zurück, der Lauf einer Flinte an ihrem Rücken zwang sie dann aber zum Stehen bleiben. Negan stand nun direkt vor ihr, Lucille noch immer locker über die Schulter geschwungen.  Er musterte sie. Das tat er schon mit Rick, in der Nacht  als sie alle... Nein! Darüber konnte sie jetzt nicht nachdenken!  Sie spürte, wie die Wut und der Hass in ihr aufstiegen. Er sagte nichts. Sein Blick wanderte zu seinen Männern hinter ihr, dann auf den Boden, dann wendete er sich ab und ging ein paar Schritte von ihr weg. Er nahm Lucille von seiner Schulter, und hielt sie nun nach unten hängend in der linken Hand. Er blieb stehen und drehte sich wieder zu ihr um. "Ich wette, du gehörst nach Alexandria. Stimmts?", fragte Negan mit  einem einerseits neugierigen, aber auch gereizten Unterton. Janice entschied sich dafür, weiter stumm zu bleiben. Nichts sagen ist immer noch besser als das Falsche zu sagen, denn das konnte sie den Kopf kosten. Als er keine Antwort bekam, verschwand sein überhebliches Grinsen und er kam wieder näher. Janice verspürte den Drang, weiter zurück zu weichen, doch noch immer bohrte sich der Lauf einer Waffe zwischen ihre Schulterblätter.  Negan griff nach ihrem Gesicht, mit dem Ziel, ihr die Maske herunter zu reißen. Janice aber reagierte blitzschnell und versuchte mit ihrer Hand seine weg zu schlagen. Da er jedoch darauf gefasst war, befand sich ihr Unterarm ebenso schnell in einem derart festen Griff, dass es weh tat. Janice versuchte erfolglos, sich zu befreien. Dabei blitzte ein Tattoo an ihrem Handgelenk hervor, eine Abbildung eines verzierten Bogens. Er schenkte dem aber scheinbar keine Beachtung. Negan´s Blick machte ihr deutlich, dass sie gefährlich nahe dran war, die Grenze zu überschreiten. Unsanft zog er sie weiter heran, um seinen Unmut noch deutlicher zu machen. "Ich hoffe wirklich, dass Rick die Regeln verstanden hat. Sollte das nicht der Fall sein, könnte das sehr unangenehm für euch werden. Es wird wieder jemand sterben. Vielleicht Du. Vielleicht irgendjemand. Bis es alle kapiert haben.“
Der drohende Unterton in seiner Stimme, machte deutlich, wie ernst er es meinte. Janice wollte auf keinen Fall für den Tod eines der Mitglieder ihrer Gemeinschaft verantwortlich sein. Vermutlich wäre dieses Wissen eine härtere Strafe als der eigene Tod. Negan starrte sie an. „Ich weiß nur noch nicht, ob ich dich am Leben lasse, um ihm das auszurichten.“ Sein Griff wurde noch einmal fester und sein Gesicht düsterer, als plötzlich seine Männer nach ihm riefen.

Janice sah, wie sie sich hektisch hinter den Wagen verteilten. Einen Augenblick später wusste sie auch, warum. Eine größere Herde Beißer näherte sich, großflächig verstreut kamen sie näher. Negan wandte sich und seine Aufmerksamkeit kurz von ihr ab und bellte seinen Männern Befehle entgegen. Janice nutzte diesen unaufmerksamen Moment und riss sich mit aller Kraft los, was Negan beinahe zu Fall brachte. Auf das Geschehen achtete sie gar nicht mehr und floh in den Wald hinter ihr. Die Männer, die sie durch den Wald gejagt hatten, waren mittlerweile wie alle anderen damit beschäftigt, die Kugeln ihrer Waffen in die Köpfe der Beißer zu versenken, um diese außer Gefecht zu setzen. Der ohrenbetäubende Lärm, ausgelöst von einer Vielzahl von Waffen übertönte die stöhnenden und krächzenden Geräusche der Beißer. Negan realisierte zwar, dass Janice geflohen war, doch das war nun zweitrangig. Sie hatten es mit einem viel größeren Problem zu tun.


Janice rannte, bis sie kaum noch Luft holen konnte und ging dann ohne Pause einfach weiter. Noch lange Zeit hörte sie die Schüsse, bis sie verstummten. Scheinbar waren alle Beißer besiegt. Sie hatte bewusst einen großen Umweg gewählt, um zu verhindern, dass ihr jemand bis nach Alexandria folgen konnte. Es wurde mittlerweile dunkel, nur ein heller Streifen der untergehenden Sonne war noch am Horizont zu sehen. Janice war sich sicher, dass ihre Abwesenheit bemerkt worden war. Doch Daryl war nicht da, also würde es wohl niemanden stören, dass sie allein zum Jagen gegangen war. Nur er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sie nicht allein in die Wälder gehen zu lassen. Janice wusste nicht einmal, wieso. Schließlich ging Daryl regelmäßig allein los. Ihre Beine trugen sie gerade noch so durch das Tor herein. Die Flucht vor den Saviors und die Meilen, die sie vom eigentlichen Weg abgewichen war, spürte sie nun deutlich. „Wo kommst du denn jetzt noch her?“, fragte sie Frank, der derzeit Wache am Tor hielt. Frank war schon vor ihr in Alexandria. Er gehörte noch zu den Menschen, die hier bereits lebten, bevor Rick und seine Gruppe dazustieß. „Ich?.. Ach weißt du, ich war etwas Jagen aber…“ Janice drehte sich um, sah auf die leere Straße hinter sich und versuchte, sich ihre Erschöpfung nicht anmerken zu lassen. „…Irgendwie hatte ich heute kein Glück.“ Sie zupfte ihren Umhang zurecht, die Maske war bereits abgelegt. „Na dann will ich dich mal reinlassen, bevor dich hier draußen noch irgendwelche Beißer erwischen“, scherzte Frank und öffnete ihr das Tor. „Wenn er nur wüsste …“, dachte sich Janice still. Frank hatte Frau und Kind in Alexandria. Gemeinsam konnten sie aus ihrem Haus fliehen, als immer mehr Beißer ihren Weg dorthin fanden. Tagelang waren sie unterwegs, sahen viele Menschen sterben und mussten lernen, dass Hilfsbereitschaft kaum noch Bedeutung hatte. Jeder kämpfte um sein eigenes Leben, da rückte das Schicksal anderer Menschen leicht in den Hintergrund. Irgendwann erreichten sie verletzt, hungrig und abgekämpft die Tore von Alexandria. Wider ihrer Erwartungen wurden sie aufgenommen.

Janice schlüpfte durch den Spalt und Frank schloss das Tor sofort wieder. Um sich nicht weiter erklären zu müssen, setzte sie zielstrebig den Weg zu ihrem Haus fort, welches sie sich mit zwei weiteren Mitbewohnerinnen teilte. Völlig erschöpft schleppte sie sich die fünf Stufen zur Haustür hinauf, öffnete diese und verstaute ihren Bogen in der Ecke. Da die Saviors bei ihrem ersten Besuch sämtliche Waffen einkassiert hatten, musste Janice sich ein Versteck für ihren Bogen suchen. Außerhalb der Mauern Alexandria´s gab es einen alten Baum, der scheinbar durch einen Blitzeinschlag bis zum Boden gespalten war. Dort verstaute Janice ihn für gewöhnlich, doch heute war sie dafür zu geschafft und es war nicht zu erwarten, das heute noch Saviors auftauchten. Also hatte das Zeit bis zum nächsten Morgen. Den nun leeren Köcher stellte sie dazu und erklomm die nächsten Stufen, an deren Ende sich ihr Zimmer befand. Als die Tür nun endlich hinter ihr in das Schloss gefallen war, ließ sie sich langsam zu Boden sinken. Ihr wurde bewusst, wie viel Glück sie hatte, den Saviors entkommen zu sein. Vorsichtig schob sie sich den rechten Ärmel ihrer Jacke zurück. Negan´s Griff hatte schmerzliche Spuren hinterlassen. Nun da sie sicher war, bedauerte sie es fast, den Pfeil nur im Reifen des Wagens versenkt zu haben…



Als Negan das nächste Mal vor den Toren Alexandria´s stand, ergab sich ein großes Problem. Rick war nicht da. Er zog mit Aaron los, um Vorräte für die nächste Lieferung an die Saviors zu sammeln und mittlerweile mussten sie sich dazu immer weiter von Alexandria entfernen, da der nähere Umkreis nichts mehr hergab. Das wiederum machte es erforderlich, mindestens zu zweit unterwegs zu sein, denn die Gefahr ging nicht zuletzt von den Toten aus. Das musste bereits jeder auf die unterschiedlichste Weise lernen. Keiner von Alexandria´s Bewohnern rechnete mit diesem unangekündigten, offenbar zu frühen und dazu unbeliebten Besuch. Überall kamen die Menschen zum Tor, doch keiner wollte den Mut aufbringen, es zu öffnen.  Jeder wusste, dass Negan es nicht gern hatte, wenn man ihn draußen warten ließ. Dass dies Konsequenzen hatte, war jedem bewusst.
Zum großen Erstaunen aller hatte Negan jedoch eine Begleitung dabei. Carl. Jeder schien sich zu fragen, wie es dazu kam, doch keiner traute sich, diese Frage zu stellen. Das Carl Alexandria verlassen hatte, um Enid zu folgen, er sich anschließend in einem Truck der Saviors versteckt in ihr Hauptquartier geschmuggelt und ein paar von Negan´s Männern umgebracht hatte, wusste keiner. Das war jetzt auch nicht wichtig. Negan war es völlig egal, ob sie ihn hier haben wollten oder nicht. Ganz selbstverständlich marschierte er hinein. „Da wären wir. Ich habe dich nach Hause gebracht, wie ich es dir versprochen habe. Sogar lebend“, betonte er ganz bestimmt mit einem selbstgefälligen Grinsen. „Wo ist Rick? Statten wir ihm doch einen kleinen Besuch ab, hm?“ Eigentlich war das keine Frage, Negan wartete also nicht auf Carl´s Zustimmung. Carl widerstrebte es, dass Negan es für selbstverständlich fand, sich in Alexandria aufzuhalten, wie und wann er es wollte. Dieser Ort sollte ihre Heimat sein, selbst das nahm er ihnen.

Er drehte sich um und breitete seine Arme aus. „Willst du da Wurzeln schlagen? Du kommst natürlich mit!“ Erst als Carl sich widerwillig in Bewegung setzte, ging Negan weiter. Der Weg, den er einschlug gefiel Carl gar nicht. Er ging zielstrebig auf sein Haus zu. Unüberhörbar klopfte er an die Holztür, wartend darauf, dass sie jemand öffnete. Doch nicht Rick war es, sondern Olivia, sie wusste ja nicht, wer der Besucher war. Als sie Negan sah, stockte ihr der Atem. Auf eine Einladung in das Haus wartete er gar nicht, sondern verschaffte sich selbst Zutritt. Ganz selbstverständlich, als gehöre ihm alles. Seine Frage, wo Rick steckte, beantwortete Olivia ihm mehr stotternd, als es ihr recht war, doch die Angst übermannte sie und ließ sich kaum kontrollieren. Mit zitternder Stimme erklärte sie, dass Rick unterwegs war, um für ihn zu plündern und er an diesem Tag wahrscheinlich nicht mehr zurück käme. Wenig später brachte sie sogar den Mut auf, Negan eine schellende Ohrfeige zu verpassen, als er anzüglich wurde. Dies war jedoch eher ein Reflex auf seine widerlichen Worte. Er war scheinbar überrascht, da selbst er der so unsicheren Frau vor ihm solch eine Reaktion nicht zugetraut hatte. Als er sie schließlich aufforderte, ihm eine Limonade zuzubereiten, war sie fast dankbar, das Haus verlassen zu können, denn sie ertrug seine Anwesenheit nicht länger. Ihr war bewusst, dass sie Carl so mit ihm allein ließ, doch eine große Hilfe war sie ohnehin nicht, das musste sie sich eingestehen. Unbemerkt nutzte sie aber die Möglichkeit, jemanden zu finden, der die Situation vielleicht etwas unter Kontrolle halten konnte, bis Rick hoffentlich bald auftauchen würde. In der Zwischenzeit nahm Negan Rick´s und Carl´s Haus genau unter die Lupe. Er bat Carl um eine Führung, doch eigentlich, tat er, was er wollte, so wiedersprach er ihm nicht. Zumindest bis Negan das letzte Zimmer des Hauses betreten wollte – Judith´s Kinderzimmer. Carl versuchte ihm auszureden, die Tür zu öffnen, doch das weckte Negan´s Neugierde noch mehr. Carl´s Worte ignorierend trat er ein und blieb überrascht im Türrahmen stehen. „Himmel, sie dir diesen kleinen Engel an“. Mit diesen Worten ging er auf die kleine Judith zu und nahm sie aus ihrem Laufgitter. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.

Negan hatte es vorgezogen, auf der Terrasse des Hauses in Carl´s und Judith´s Gesellschaft auf Rick zu warten. Er hatte es sich auf einem der Stühle gemütlich gemacht. Das kleine blonde Mädchen ahnte nichts von der Gefahr und schlief seelenruhig an Negan´s Schulter gelehnt. Nach einer guten halben Stunde gingen sie wieder hinein, nun stand Kochen auf dem Plan. Negan hatte sich in den Kopf gesetzt, Spaghetti zuzubereiten und heile Familie zu spielen. In diesem Moment öffnete sich schwungvoll die Haustür, doch es war nicht Olivia, die zurückkehrte, um die gewünschte Limonade zuzubereiten. Zu Carl´s Erleichterung war es Janice, etwas atemlos aber froh war, beide Kinder lebend vor sich zu sehen. Das Limonadenpulver in ihren Händen verriet ihm, dass Olivia sie zu Hilfe geholt haben musste. Negan wandte sich überrascht um. „Na sie mal einer an, du bist nicht…Olivia.“ „Bemerkenswerte Auffassungsgabe“, entgegnete Janice ihm kühl und nahm Judith aus dem Kinderstuhl, um sicher zu gehen, dass es dem kleinen Mädchen gut ging. Als sie Gewissheit hatte, warf sie Carl einen Blick zu, der ihm sagte, dass er jetzt nicht mehr allein war, und widmete sich Olivia´s Aufgabe. Schließlich musste sie es nicht noch mehr darauf anlegen, Negan unnötig zu verärgern. Sie spürte jedoch, dass er sie nicht aus den Augen ließ. Sie schenkte ihm aber keine Beachtung, sondern beschäftigte sich mit Judith, die die Herstellung der Limonade gespannt verfolgte. Ihre Aufmerksamkeit ließ sie dennoch zum größten Teil auf das Geschehen am anderen Ende der lang gezogenen Küche gerichtet. Sie behielt Carl im Blick, ihre größte Sorge war seine Sicherheit. Es kam ihr nichts lächerlicher vor, als Negan kochend am Herd zu sehen, dieses Theater, das er veranstaltete, war kaum auszuhalten. Judith hatte das Interesse an der fast fertigen Limonade verloren und wurde demensprechend unruhig. Carl nahm sie Janice ab und trug sie in das Wohnzimmer, wo einige Spielzeuge herumlagen. Negan nahm dies als Anlass, Janice Gesellschaft zu leisten. Er nahm es sich heraus, ihr etwas näher zu kommen und blieb hinter ihr stehen, einen Arm auf die Arbeitsplatte gestützt. „Wo ist denn Olivia geblieben. Eigentlich hatte ich ihr diese Aufgabe zugeteilt“, hauchte er ihr ins Ohr, Janice spürte dabei seinen Atem an ihrem Hals. Am liebsten hätte sie ihn weggestoßen, doch sie wusste, dass es ratsamer war, das zu ertragen. „Ich habe sie ins Lager geschickt, um schon deine Vorräte zusammenzupacken“, entgegnete sie ihm schnippisch, ohne sich umzudrehen. Dass das nicht die Wahrheit war, würde er herausfinden, dem war sie sich bewusst. Doch sie hoffte, dass Rick bis dahin zurückkehrt war und eine Lösung wusste. „Du denkst mit, sehr clever“, flüsterte Negan und zu Janice´ Erleichterung ging er nun wieder hinüber zu Carl und seiner kleinen Schwester. „Lasst uns den Tisch decken“, verkündete er überschwänglich und schon kurz darauf klapperte Geschirr und Besteck, während Judith sich unbekümmert auf dem Boden ihren Kuscheltieren und Spielzeugen widmete. Janice brachte die fertige Limonade in einer Glaskaraffe zum Esstisch.  Diese ganze Atmosphäre widerte sie an, doch sie mussten dieses Spiel mitspielen, ob sie wollten oder nicht. Negan war sich seiner Macht sehr bewusst und nutzte diese schamlos aus. Es amüsierte ihn, wie er die Menschen zu seinen Marionetten machte.

Nach einer Weile war das Essen beendet, doch Carl und Janice hatten keinen Bissen angerührt, im Gegensatz zu Negan. Doch langsam wurde er etwas ungeduldig und misslaunisch. Es machte nicht den Anschein, dass Rick demnächst zurückkehren würde. Judith wurde mit der Zeit ebenfalls etwas quengelig, was ihrer Müdigkeit zuzuschreiben war. „Ich bringe sie nach oben“, teilte Carl mit und nach Janice´ bestätigendem Nicken nahm er zügig die Treppen nach oben. Janice stand ebenfalls auf und begann, den Tisch abzuräumen, um dieses Theaterspiel zu beenden. Sie würdigte Negan keines Blickes, räumte Teller, Gläser und Besteck in die Küche. Als sie zuletzt die Platzdeckchen vom Tisch nahm, griff Negan ihr Handgelenk, als sie sich zum Gehen abwenden wollte. Ohne es zu wollen, kam ihr die Erinnerung ihres letzten Zusammentreffens mit den Saviors auf der Lichtung nach ihrer missglückten Jagd in den Sinn. „Sag mir, wie lang braucht Olivia eigentlich, um meine Vorräte zusammen zu packen?“, fragte er in einem ungeduldigen Ton. Janice versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien, schaffte es jedoch nicht. „Ist das nicht ein gutes Zeichen? Je länger sie braucht, desto mehr muss sie packen“, entgegnete sie ihm, ließ sich ihre Angst nicht anmerken. Negan stand auf, den Griff noch immer um ihr Handgelenk gelegt. Janice wich etwas zurück, doch weit kam sie nicht. Mit dem Rücken an der Wand hatte sie nun keinerlei Fluchtmöglichkeit mehr und Negan, der sich vor ihr aufbaute, versperrte ihr zusätzlich den Weg. Innerlich hoffte sie sehr, dass er keine Schlüsse auf den Vorfall auf der Lichtung zog, denn nur durch einen Zufall entkam sie ihm damals. Ironischerweise hatten sie die Toten gerettet. „Wie du weißt, kenne ich euer Lager. Selbst, wenn es bis an den Rand gefüllt wäre, was es nicht ist, wäre Olivia ziemlich sicher schon lange fertig.“ Negan´s Tonlage gefiel ihr gar nicht. Es klang, als würde er gleich ein Messer zücken, und es mit der scharfen Seite durch ihre Hauptschlagader ziehen. Die gespielte Freundlichkeit war vollständig verschwunden und seinen Blick füllte nur noch diese grausame Gleichgültigkeit.

Negan kam nun noch ein wenig näher, musterte Janice und strich ihr eine Strähne ihrer braunen aus dem Gesicht. „Wieso steht ihr alle hinter diesem Arschloch Rick? Er hatte die Möglichkeit, mich zu töten, mit einer Axt, als ich mit ihm eine kleine Ausfahrt mit dem Wohnmobil gemacht hatte. Er hat es nicht geschafft! Und trotzdem steht ihr alle hinter ihm“. Sein Ton war immer noch gereizt, ungeduldig und irgendwie drohend. Janice versuchte erneut, ihre Hand aus seinem Griff zu lockern, gab es jedoch schnell wieder auf. „Wieso interessiert dich das?! Du hast deine Leute, die ohne zu zögern Unschuldige für dich umbringen. Sie fragen nicht nach, sondern tun es einfach! Stehen sie etwa nicht hinter dir?!“ Janice funkelte ihn an und hoffte, mit ihrer rhetorischen Frage den Bogen nicht überspannt zu haben. „Das hast du gut erkannt, sie machen was ich verdammt nochmal will und wenn ihr diese ganze Scheiße hier überleben wollt, dann solltet ihr das auch tun!“ Seine drohende Betonung jagte ihr eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Vielleicht war es aber auch die kalte Klinge eines Messers, die nun tatsächlich ihren Hals berührte. Als sie realisierte, dass er sie nun mit einer einzigen kleinen Bewegung töten konnte, schaffte sie es nicht mehr, ihre Angst zu verstecken. Ihre Atmung überschlug sich fast, sie hob die freie Hand nach oben, um ihm zu signalisieren, dass sie verstanden hatte. „Okay okay, wir haben ja verstanden!“, brachte sie nur mit zittriger Stimme heraus. Das Messer verschwand von ihrem Hals und das Lächeln auf seinem Gesicht zeigte Janice, dass er genau das hören wollte. „Na geht doch“, raunte Negan ihr entgegen. Bevor sie irgendetwas tun konnte, spürte sie seine Lippen auf ihren, seine Hand an ihrer linken Hüfte. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihn einfach von sich weg zu stoßen, doch sie erinnerte sich an das Messer an ihrem Hals. Ihr ganzer Körper krampfte sich schlagartig zusammen.  In diesem Moment sah sie Carl auf der Treppe stehen, der nicht glauben konnte, was er sah. Janice wusste, dass er Negan am liebsten die nächstbeste Vase über den Schädel gezogen hätte, um sie aus dieser Situation zu erlösen. Doch ihr Blick bedeutete ihm, zu seiner und ihrer Sicherheit nichts zu tun. Carl ging wieder nach oben. Zu ihrer Überraschung lockerte Negan seinen Griff um ihr Handgelenk,  Janice tat dennoch nichts. Sie wusste nur zu gut, dass es Konsequenzen haben würde und begann, den Kuss zu erwidern. Auch wenn sie mit jeder Faser ihres Körpers davon abgeneigt war, so viel Nähe mit einem derart grausamen und höchst manipulativen Mörder zu teilen. Doch genau das hatte er getan. Er manipulierte sie. Mit seinen Drohungen, mit allem was er bisher getan hatte. Ihre Gedanken überschlugen sich förmlich. Sollte sie das hier tun? Doch was würde passieren, wenn sie sich dagegen wehrte? Würde jemand sterben? Negan fuhr mit seiner Hand von ihrer Hüfte über ihren Rücken und zog sie noch näher zu sich heran, seine linke Hand stützte sich an der Wand ab. Wieder raste ein Schauer über ihren Körper, doch Janice war sich nicht sicher ob es nur Ablehnung und Widerwillen war. Kaum hatte sie diese Frage an sich selbst zu Ende gedacht, hasste sie sich schon dafür. „Nein! Wie kannst du dir nur einen so widerwertigen Gedanken erlauben?“, schoss es ihr durch den Kopf. Als wäre es eine Reaktion auf ihre Gedanken, legte sie ihre Hände an seinen Oberkörper, um irgendwie einen kleinen Abstand zwischen sich und ihn zu bringen. Urplötzlich sprang die Haustür neben ihnen auf.

Tara stand starr da und hielt den Atem an, unfähig irgendetwas zu sagen. Negan ließ langsam von Janice ab und wandte sich Tara zu. „Ich hoffe, du bringst gute Nachrichten. Zum Beispiel, dass Rick endlich da ist. Noch lieber würde ich hören, dass Rick mir viele Geschenke mitgebracht hat.“ Tara´s Blick wanderte von Negan zu Janice, dann wieder zurück. „Ja….äh…genau…das wollte ich gerade…sagen. Rick ist da und...also, er hat einen Truck voller Vorräte für euch.“ Angespannt warteten beide auf irgendeine Reaktion. Auch wenn sie es eigentlich hassten, war endlich dieses überhebliche, triumphierende Grinsen zu sehen, während Negan die beiden Frauen einfach stehen ließ und nach draußen ging, um seine Lieferung zu überprüfen. Mit großen Augen und forderndem Blick sah Tara Janice an, eine Antwort erwartend auf das, was sie gerade gesehen hatte. Janice drehte sich weg, mit der Hand abwinkend versuchte sie auszudrücken, dass ihr keine Wahl blieb. „Frag nicht, glaub mir ich hasse mich dafür“, antwortete sie auf Tara´s Reaktion, spürte dabei immer noch, dass ihr ganzer Körper vor Angst zitterte. Beide gingen nun ebenfalls nach draußen und sahen, dass sich viele Bewohner Alexandria´s rings um Rick und die Saviors versammelt hatten. Negan´s Leute bewachten den Truck, in den Händen ihre Waffen. Sie wirkten wie Aufseher, die die kleinste unpassende Reaktion maßregeln würden. Rick sah nicht gut aus. Er und Aaron sahen abgekämpft und geschwächt aus. Janice wusste, wie hart es ist, Vorräte aufzubringen, doch in dieser Menge schien es fast unmöglich. Zu ihrer Überraschung und Erleichterung sie hatten es geschafft. Dieses Mal…
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast