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Professor Riddles sommerlicher Scheiterhaufen

Kurzbeschreibung
SammlungHumor / P6 / Gen
Albus Dumbledore Horace Slughorn Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Minerva McGonagall
19.09.2022
29.09.2022
6
18.523
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.09.2022 3.560
 
„Flug 934 nach Athen“
Sommer 1976
Airport Edinburgh


von DerWolf


„Beeilen Sie sich doch bitte, Horace! Die Muggel warten nicht auf uns.“

„Wieso müssen wir auch mit so einem dämlichen Fliegzeug nach Athen reisen, wenn es dort doch so viele schöne Kamine gibt?“, hechelt der Zaubertrankmeister, während er eilig versucht, mit dem verwandelten Kobold mitzuhalten.

„Ich muss sagen, Minerva hat wirklich gute Arbeit geleistet. Es hat schon Vorteile, so lange Beine zu haben. Damit geht alles viel schneller.“

„Nächstes Mal … werde ich Minerva um denselben Gefallen bitten.“

„Warum haben Sie eigentlich so viel Gepäck dabei, Horace? Hätte ein leichtes Handgepäck nicht gereicht? Immerhin sind wir in der Lage zu zaubern“, spricht er mit zusammengebissenen Zähnen, damit nur Horace ihn hören kann.
Es waren nebenbei die weißesten Zähne, die Horace Slughorn jemals zu Gesicht bekommen hatte.

„Minerva hat Finley zu einem Adonis werden lassen und ich bin sein dicker, schwitzender Kompagnon“, denkt er und müht sich, seine beiden Rollkoffer auf ihren Rädern zu halten.
In der Tat bildeten die beiden ein merkwürdiges Pärchen. Nicht selten drehten sich ein paar Muggel nach ihnen um. Hier und da sah man auch die ein oder andere Frau, die sich Finleys Bizeps und Podex genauer anzusehen schien. Finley hatte sich für seinen Muggelkörper neue Kleidung besorgen müssen und sich im erstbesten Sportgeschäft mit Muskelshirts und Spandex-Hosen eingedeckt. Dementsprechend betont, bewegte er sich über das Flughafengelände. Er schien es jedoch nicht im Mindesten zu bemerken, dass seine Erscheinung eher Aufmerksamkeit erregte, anstatt von ihm abzulenken.

„Da ist der richtige Schalter! Das ist unsere Airline. Und dort drüben steht auch schon Tom und wartet auf uns. Wir haben es anscheinend noch rechtzeitig geschafft, Horace. Horace?“ Finley bemerkt erst jetzt, dass er seinen Begleiter weit hinter sich gelassen hat. Es dauert ganze fünf Minuten, bis ein mit dem Atem ringender Horace Slughorn die beiden erreicht und sich in die Schlange am Schalter einreihen kann.

„Gebt mir … ein paar … Minuten …“, keucht er.

Finley nutzt die Gelegenheit, um mit Tom zu sprechen. „Danke, dass Sie hier auf uns gewartet haben, Tom. Der Verkehr auf den Muggelstraßen war die Hölle! Ha! Jetzt weiß ich, warum die Muggel das immer wieder sagen. Es ist wirklich so.“

Tom Riddle verzog wie so oft keine Miene. Ihm war das Gerede Finleys meistens ziemlich egal. Ein Zauberer oder Kobold, der seine Zeit mit Muggeln und deren Lebensgewohnheiten verschwendete, konnte nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.

„Haben Sie kein Gepäck, Tom?“, wundert sich Finley, der bereits wieder von mehreren Personen angestarrt wird. Ein kleiner Junge hat anscheinend ein besonderes Interesse an ihm und flüstert seiner Mutter etwas zu, während er auf ihn deutet.

„Ich habe Hagrid mein Gepäck überlassen und gehe davon aus, dass es auf mich wartet. Wo auch immer es hingehen mag. Er nimmt einen … besseren Weg. Eine viel schnellere und verlässlichere Reiseart“, erläutert er.

„Albus hat ihm einen Portschlüssel vorbereitet“, wirft Horace ein. „Hagrid war nicht begeistert, aber er wollte nicht die lange Strecke mit seinem Motorrad fliegen.“

Tom möchte Finleys Frage nicht unbeantwortet lassen und holt weit aus:
„Ich habe mich diesem Projekt angeschlossen, weil ich neugierig bin, wie diese jämmerlichen Muggel es vollbringen, trotz ihrer nicht-magischen Behinderung das Wunder des Fliegens auszukosten. Darüber hinaus hoffte ich auf einige angenehme Tage, fern von meinen hoch geschätzten Kollegen. Dies wurde mir verwehrt. Da sich die meisten dafür entschieden haben, das Flohnetzwerk zu nutzen, habe ich eine andere Methode gewählt. Das hat mir zwar letztlich keine Einsamkeit eingebracht, aber immerhin eine kurze Gnadenfrist, bis mich die akademische Gesellschaft wieder daran erinnert, wie erbärmlich mein Leben ist und wie sehr ich meine zahlreichen Talente verschwende. Daher habe ich nur das Nötigste mitgenommen.“

„Meinen Sie damit diesen kleinen Beutel da?“, schaltet sich Horace ein und zeigt auf das kleine Gepäckstück in Toms rechter Hand. Den Rest von Toms Ansprache ignorierend.
„Da passt ja nicht einmal eine ordentliche Mahlzeit rein.“

Bevor Tom dazu kommt, darauf zu antworten, stört ihn der kleine Junge, der sich Finley vorsichtig genähert hat und ihn nun schüchtern ansieht.

„E-entschuldigen Sie bitte, Sir“, stammelt er.

„Ja, bitte, mein Junge, wie kann ich dir helfen?“.

„I-ich weiß, Sie sind vermutlich sehr be-beschäftigt, Sir. Aber würden Sie mir bitte ein Autogramm geben?“, fragt er und hält Finley, Block und Bleistift unter die Nase.

Finley steht verwirrt da und schaut zu den Eltern des Jungen herüber, die ihm aufgeregt zulächeln.

„Ähm, von mir aus gerne, aber bitte verrate mir zuerst, für wen du mich hältst.“

Der Junge wird puterrot im Gesicht und schaut verlegen zur Seite, während er versucht, ein Kichern zu verstecken.

„Sie sind lustig. Meine Mum und ich halten Sie für David Bowie. Zumindest … sehen Sie so aus wie er, Sir. Naja, außer den Klamotten, die Sie tragen. Deswegen waren wir uns zunächst unsicher.“

Finley denkt nach. Minerva hat sein Äußeres nach einem genauen Vorbild gewählt. Genauer gesagt, mit dem Bild eines Muggels, welches sie irgendwo aufgetrieben hatte. Offenbar hat sie jedoch eine Berühmtheit erwischt statt eines gewöhnlichen Bürgers, den niemand kannte.

„Geben Sie ihm einfach ein Autogramm, Finley. Machen Sie dem Jungen die kleine Freude“, schlägt Horace vor und wenig später verabschiedet sich der junge Muggel mit Glückstränen in den Augen.

„Hoffentlich passiert das nicht mehr allzu oft. Wir wollen nicht so viel Aufmerksamkeit erregen“, bemerkt Tom streng und beobachtet aus dem Augenwinkeln, dass sich inzwischen mehr und mehr Leute umdrehen und unter vorgehaltener Hand miteinander tuscheln.

„Der Nächste bitte!“, ruft eine Frau mittleren Alters hinter ihnen. Tom wirft ihr das kleine Säckchen vor die Nase und macht eine grimmige Miene.

„Oh, nein, Sir. Handgepäck können Sie selbstverständlich während Ihrer Reise mitführen. Der Inhalt wird erst am Gate gecheckt. Vor dem Boarding. Bitte geben Sie mir nur Ihren Ausweis, damit ich Ihre Reservierung einsehen kann“, spricht die Frau freundlich, aber bestimmt. Tom dreht sich zu Finley um, der bereits alle Unterlagen vorbereitet hat.

„Mr. Bowie! Es ist mir eine Ehre, Sie bei unserer Airline willkommen zu heißen. Wenn ich das früher gewusst hätte … leider ist die erste Klasse schon besetzt. Das tut mir jetzt wirklich überaus leid. Allerdings reisen Sie ja offenbar sowieso unter falschem Namen, wie ich sehe. Tun Sie das, um weniger Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?“, fragt sie mit einem charmanten Augenzwinkern.

Alle drei antworten im Chor: „Ja, so ist es.“

„Ich verstehe. Normalerweise müsste ich jetzt die Polizei rufen, wenn ein Gast mit falscher Identität einchecken möchte, aber in Ihrem Fall mache ich mal eine Ausnahme und wünsche Ihnen einen guten Flug, ‘Mr. Fingley’. Bitte übergeben Sie mir noch die Koffer Ihres Begleiters.“

Finley stellt den ersten Koffer von Horace auf das Band. Auf einem kleinen Monitor verfolgt er, was sich in dem Gepäckstück befindet. Es handelt sich hauptsächlich um Kleidung und eine beachtliche Sammlung von Schuhen und Gürteln sowie einiger kleiner Glasphiolen, die allesamt leer zu sein scheinen.

Was hat er nur in dem anderen Koffer, wenn hier seine ganze Kleidung drin ist?“, fragt sich Finley.

Er stellt den zweiten Koffer auf das Laufband und beobachtet wieder den Monitor. Im Inneren von Horace’ zweiten Koffer offenbaren sich die feinsten Speisen. Neben einer ansehnlichen Auswahl von verschiedenen Obstsorten wie Bananen, Birnen, Äpfel, Grapefruits und einer halben Wassermelone, entdeckt Finley einen gegrillten Truthahn, diverse Fische und einen Laib Käse mit großen Löchern. Dazu jede Menge kleinere Snacks wie türkischer Honig aus dem Sortiment des Honigtopfs, einem beliebten Süßwarenladen in Hogsmeade. Außerdem findet sich noch eine große Flasche Butterbier darin.

„Es tut mir leid. Ich muss Sie darauf hinweisen, dass Lebensmittel und insbesondere Flüssigkeiten im Flugzeug strengstens untersagt sind und ohne spezielle Genehmigung nicht in andere Länder eingeführt werden dürfen. Ich muss Sie daher bitten, den Inhalt dieses Koffers hier zu lassen.“

„Aber … dann ist der Koffer ja vollkommen leer! Was soll ich mit einem leeren Koffer anfangen? Und was ist, wenn es im Hotel nichts Ordentliches zu beißen gibt?“, echauffiert sich Horace über den Vorschlag der Frau.

„Horace. Wir haben darüber gesprochen, während wir diese Reise geplant haben. Im Hotel gibt es spitzenmäßiges Essen. Du brauchst nichts mitzunehmen.”

„Behalten Sie den Koffer. Geben Sie uns nur die Fahrscheine und wir sind weg“, spricht Tom in seinem gewohnt trockenen Tonfall. Die Frau überreicht ihm drei Papiere und bedankt sich mit einem verlegenen Grinsen.

„Ich hoffe, du irrst dich nicht, Finley. Das war ein ausgezeichneter Truthahn und ein gut gereifter Emmentaler, den du da verschenkt hast. Die Kinder dieser Frau werden heute Abend etwas Anständiges zu essen bekommen. So viel ist sicher.“

„Wir müssen zum Gate. Das Flugzeug startet in weniger als fünfzehn Minuten“, wirft Tom ein.

„Wie lautet die Flugnummer?“, erkundigt sich Finley und wirft zugleich einen Blick auf die Tickets in Toms Hand.

„ATH934. Gut, das müsste dort drüben sein. Lass uns gehen, Horace.“

„Wo geht es eigentlich hin?”, ruft Tom ihnen hinterher.

„Keine Zeit zu reden, Tom. Lassen Sie uns erstmal dafür sorgen, dass wir den Flug nicht verpassen”, brüllt Finley zurück.

Wenige Minuten später erreichen sie Gate 13.
„Hier ist ja überhaupt nichts los!“, bemerkt Horace verwundert. „Sind wir hier wirklich richtig?“

Von einem Lautsprecher schallt die Ansage: „Flug ATH934 nach Athen startet in wenigen Minuten. Bitte begeben sie sich zum Gate 13!”

Tom, der sich gerade in diesem Moment die Nase geputzt hat, fragt: „Was hat dieser Muggel gesagt?”

„Wir sind sehr spät dran. Lasst uns schnell an Bord gehen, sonst fliegen sie ohne uns los”, übergeht Finley seine erneute Nachfrage.

„Unglaublich, welchem Stress sich die Muggel freiwillig aussetzen“, stellt Tom fest und klingt dabei überaus herablassend.

„Ich kann nur hoffen, dass die Reise in einem dieser Flugzeuge angenehmer verlaufen wird.“

„Es heißt ‘Fliegzeug’, Tom. Und ich finde es bemerkenswert, wie sich die Muggel die Kräfte der Physik zunutze machen. Außerdem sind wir womöglich die ersten Magier, die in einem Fliegzeug der Muggel mitfliegen werden. Also, im Namen der Wissenschaft … lasst uns endlich an Bord gehen!“

„Bitte legen sie alle Wertgegenstände in ein Kästchen und legen Sie es zusammen mit Ihrem Handgepäck auf dieses Band“, befiehlt ein uniformierter Mann in mechanischer Manier.
Tom sieht dem Mann ebenso humorlos in die Augen, streckt seinen Arm aus und lässt den kleinen Beutel theatralisch in ein leeres, durchsichtiges Kästchen fallen. Er zwinkert dabei nicht ein einziges Mal.

„Treten Sie bitte zurück, Sir“, droht ihm der Muggel. Offenbar kommt ihm Tom bereits verdächtig vor. Ein Blick auf den Monitor verrät, dass sich jede Menge kleiner Pillen in dem Beutel befinden.

„Was ist das in dem Beutel?“, fragt der Beamte, ohne zu zögern.

„Pillen.“ Die Luft beginnt sich fühlbar abzukühlen.

„Was für Pillen?“

„Rosa … Pillen.“

„Nun gut, Schlauberger. Sie machen es mir nicht so einfach. Ich frage Sie jetzt nur noch ein einziges Mal. Wozu benötigen Sie dieses Medikament?“

Tom geht einen Schritt auf ihn zu. Er ist fast einen Kopf größer als der wütende Muggel. „Wer hat gesagt, dass es sich um eine Medizin handelt?“

Der Muggel macht ein verblüfftes Gesicht. „Dann müssen es Drogen sein. Was ist das für ein Zeug? LSD? Meskalin? Oder vielleicht sogar Heroin?”

„Das geht Sie überhaupt nichts an, Sie dreckiger, kleiner …“

„Tom, Tom … bitte beruhigen Sie sich. Dieser M-Mann macht nur seinen Job. Es ist seine Pflicht, zu fragen, was man mit ins Fliegzeug nimmt“, schreitet Finley ein.

Beim Anblick Finleys vergisst der Beamte blitzartig seinen Ärger. „David Bowie? Oh, mein Gott, ich bin ein riesiger Fan ihrer Musik! Bitte kommen Sie durch und wir vergessen einfach die Farbe dieser Pillen.“

Finley sieht zufrieden zu Tom, der noch immer wie versteinert da steht und wortlos seinen Beutel mit Pillen aufhebt.

„Vielen Dank, Mr. äh?“

„Adams. Walter Adams, Sir.“

„Sehr gut, Walter. Lauschen Sie bitte weiter meiner Musik“, sagt Finley und hat den Beamten bereits hinter sich gelassen, als dieser ihn erneut anspricht: „Sir, würden Sie mir vielleicht einen kleinen Gefallen tun? Würden Sie kurz mit mir zusammen ‘Moonage Daydream’ anstimmen?“

Finley bleibt abrupt stehen. Dann dreht er sich auf dem Absatz um und lächelt den Beamten nervös freundlich an.

„Wieso denn diesen alten Schinken? Ich kann Ihnen ein ganz neues Lied singen, das noch niemand kennt.“

Die Augen des Muggels werden groß.

„Nun, wie wäre es mit diesem Song … er heißt … ’Drei Kelpies im Sturm’.“

Finley beginnt zu singen und es stellt sich schnell heraus, dass er nicht der geborene Sänger ist und Minervas Verwandlungskünste, die Stimme nicht mit eingeschlossen haben. Die Miene des uniformierten Flughafen-Angestellten verdüstert sich zunehmend. Die Lage droht zu eskalieren, als er zu seiner Waffe greift. Tom greift rechtzeitig ein und richtet seinen Zauberstab auf ihn.

„Obliviate“, sagt er und der Muggel vergisst sofort, was eben passiert ist.

„Ich glaube, wir sollten uns hier schleunigst vom Acker machen“, schlägt Horace vor und rennt als erstes durch das Gate in Richtung des Flugzeugs. Die anderen beiden folgen und zusammen erreichen sie gerade noch rechtzeitig die Einstiegsluke des Muggelfluggeräts.

„Wow, das nenne ich mal einen unbequemen Sitzplatz. Die Sitze sind sicherlich nur für beinlose Muggel konzipiert. Vielleicht müssen wir uns die Beine abnehmen.“

„Ich könnte das für Sie erledigen, Horace.“

„Vielen Dank, Tom, aber ich habe nur einen Scherz gemacht.“

Plötzlich wird Horace Slughorn vom Sitz vor ihm im Gesicht getroffen und nach hinten geschleudert.

„Bei Merlin! Dieses Ding fliegt ja komplett auseinander“, flucht er.

„Nein, jemand hat nur seinen Sitz verstellt. Entschuldigen Sie bitte, wäre es möglich, die ursprüngliche Sitzposition wieder einzunehmen? Mein Kollege klagt ohnehin schon über einen erheblichen Platzmangel.”

Ein untersetzter, älterer Mann dreht sich um und schaut Finley einen Moment lang an. Dann wendet er sich wieder ab, steckt sich eine Zigarre in den Mund und zündet sie genüsslich an.

„Ich glaube, er hat Sie nicht verstanden, Finley“, vermutet Horace enttäuscht. Er ist nahezu vollständig eingeklemmt.

„Er hat sehr wohl verstanden. Sie waren nur nicht überzeugend genug.“

Tom, der am Gang sitzt, beugt sich zu dem Mann hin und beginnt zu flüstern: „Wenn Ihr Sitz nicht in fünf Sekunden wieder aufgerichtet ist, werden Sie dieses Flugzeug nicht lebendig verlassen.“

Erneut dreht der Muggel sich um und sieht Tom ins Gesicht. Er nimmt einen kräftigen Zug und bläst ihm den Rauch mitten ins Gesicht. Dieser fängt fürchterlich an zu husten, woraufhin der Mann in lautes Gelächter ausbricht.

Eine hübsche, junge Frau in Uniform eilt sofort herbei, um ihm einen Becher mit kaltem Wasser zu reichen.

„Hier, trinken Sie!"

Tom nimmt einen kräftigen Schluck und sieht zu der Stewardess auf. Ihre Blicke treffen sich. Für einen wundervollen Moment lang verschlägt es Tom die Sprache und vertreibt jeglichen Zorn. Die Frau lächelt dem gutaussehenden Passagier zu, blickt hinüber zu Finley und lässt Tom links liegen.

„Oh, Mr. Bowie! Sie sind es tatsächlich. Meine Kollegin am Schalter hat wirklich nicht gelogen.“

„Bitte, Madam. Lassen Sie uns diese Tatsache mit absoluter Diskretion behandeln. Ich bin nicht offiziell hier, verstehen Sie?"

Nickend legt die junge Frau einen Finger auf ihre Lippen und deutet eine Bewegung an, die Finley merkwürdig vorkommt, ihn aber zuversichtlich stimmt, dass sie schweigsam sein wird.

Toms Wut erreicht einen neuen Höhepunkt. Im Flugzeug beginnen die Lichter zu flackern. Finley legt ihm gerade noch rechtzeitig eine Hand auf den Oberschenkel und bedeutet ihm, sich zu beruhigen.

Tom schenkt ihm einen zornigen Blick. In diesem Moment setzt sich das Flugzeug in Bewegung.
„Oh, seht nur. Es geht los“, ruft Finley aufgeregt.

Horace gelingt es indes, sich etwas aus der Umklammerung zu befreien.

„Hmpf. Das ist besser. Also Finley, ich glaube, ich bereue bereits, mich auf dieses Projekt eingelassen zu haben. Wie lange wird der Flug denn dauern?“

„Ungefähr vier Stunden“, erwidert Finley.

„Wie bitte? Ich werde das nie und nimmer …“ Bevor Horace den Satz beenden kann, beschleunigt das Flugzeug und hebt schließlich ab.

Finley und einige Kinder im Raum jubeln euphorisch. Tom nutzt die allgemeine Aufregung und jagt dem unfreundlichen Raucher einen Fluch entgegen: „Confringo“, flüstert er und die Zigarre des Muggels explodiert in seinem Gesicht. Vor Schreck richtet er seinen Sitz wieder nach vorne und spuckt aus, was von der Zigarre in seinem Mund gelandet ist.

Mit zufriedenem Lächeln genießt Tom den restlichen Steigflug.

„Danke, Tom“, ruft ihm Horace zu und ist erleichtert, wieder mehr Platz zu haben.

Nach etwa einer Stunde Flug meldet sich Horace wieder zu Wort: „Ich verhungere! Hätten sie mir bloß meinen Koffer gelassen. Haben Sie nichts Essbares im Handgepäck, Finley?”

„Nein. Ich habe nur ein paar andere Klamotten eingepackt. Kobold-Kleidung, um es genau zu sagen. Der Zauber von Minerva hält vermutlich nur bis Sonnenuntergang.“

„Verdammt. Tom, wie schmecken Ihre Pillen?“

Tom dreht seinen Kopf zögerlich zu Horace. „Nach nichts.“

Horace scheint im ersten Moment enttäuscht zu sein. Doch dann sagt er: „Ist mir egal, her damit!“

„Ich benötige diese Pillen für mich selbst.“

„Alle?“

„Allerdings.“

Horace schaut missmutig auf den Sitz vor ihm.

„Finley, lassen Sie mich einen Truthahn heraufbeschwören. Niemand wird es bemerken.“

Der Muggelkundler schüttelt den Kopf. „Horace, bitte gedulden Sie sich. Wir werden gleich versorgt.“

Doch während Horace auf das versprochene Mahl wartet, döst er ein. Laut schnarchend versinkt er ins Reich der Träume.

Er erwacht an einem wunderschönen Kiesstrand. Während er einen Blick auf die Akropolis wirft, die über einer großen Stadt thront, weht ihm ein pikanter Duft in die Nase. Horace folgt den stärker werdenden Aromen zu einem Marktplatz. Links und rechts seines Weges sind Verkaufsstände aufgebaut mit den köstlichsten Speisen, welche die griechische Küche zu bieten hat. Gyros im Fladenbrot mit Tzatziki, Moussaka mit Tzatziki, Souvlaki-Spieße mit Tzatziki, Dolmades mit Tzatziki, Koulouri mit Tzatziki, Loukoumades mit Tzatziki, Keftethes mit Tzatziki und viele weitere mit Tzatziki. Er zögert nicht lange und bestellt das erste Gericht. Gerade in jenem Moment, in dem er herzhaft in sein gefülltes Fladenbrot beißen möchte, wird er von Finley geweckt.

„Finley, verdammt, was ist denn?“, poltert er ungehalten.

„Das Essen wird serviert, Horace. Ich dachte, Sie wären am verhungern.“

Horace Laune ändert sich schlagartig. Zumindest für eine kurze Zeit. Denn als er auf sein Tablett schaut, wünscht er sich zurück in seinen Traum.

„Unfassbar“, grummelt er in seinen nicht vorhandenen Bart hinein.

Während sich Horace und Finley über ihre Mahlzeiten hermachen, macht Tom die Augen kurz zu. Wenig später öffnet er sie wieder und steht in einem antiken Tempel. Um ihn herum knien mehrere vermummte Gestalten. Sie verbergen ihr Gesicht auf dem Steinboden und scheinen auf die Ankunft ihres Anführers zu warten. Plötzlich richtet sich einer von ihnen auf und schreitet auf Tom zu. Er spricht irgendetwas auf Altgriechisch und überreicht ihm einen Gegenstand, der aussieht wie ein schwarzer Edelstein. Ein Onyx. Während er das Obsidian-Gestein betrachtet, kniet sich der Diener wieder hin und im Chor beginnen sie seinen Namen zu rufen: „Herpo, Herpo, Herpo …“

„Tom, wach auf! Wir sind fast da. Du verpasst noch die Landung“, weckt ihn Finley voller kindlicher Vorfreude.

„Vielen Dank für die Warnung“, antwortet er sarkastisch und versucht gleich wieder einzuschlafen. Jedoch ohne Erfolg.

„Das war eine unvergleichbar tolle und wertvolle Erfahrung. Ich glaube, ich werde die Rückreise auch mit einem Fliegzeug machen. Seid ihr wieder dabei?“

„Auf keinen Fall“, antworten Horace und Tom zugleich.

Die Landung auf dem Flughafen in Athen erfolgt reibungslos und kurz darauf verlassen die drei das Flugzeug. Verwundert stellt Finley fest, dass sich bereits eine beachtliche Menschenansammlung auf dem Flugfeld gebildet hat, die bei seinem Anblick zu schreien und zu jubeln anfängt.

„David! Ich will ein Kind von dir!“, schallt es von einem besonders enthusiastischen Fan.

„David! Bitte sing für uns!“, kommt es von einer Gruppe junger Männer, die allesamt ein T-Shirt mit dem Konterfei Finleys menschlicher Erscheinung anhaben.

„Dieser ‘David Booey’ muss ein wahrer Poet sein“, spekuliert Horace. „All die Leute sind nur für diesen einen Kerl gekommen.“

„Lasst uns schnell weiter gehen, bevor Finley ein weiteres Lied zum Besten gibt“, schlägt Tom vor, doch seine Sorge ist unbegründet, wie Finley selbst versichert.

„Ich bin froh, wenn ich dieses Gesicht wieder los bin“, fügt er hinzu.

Kaum ausgesprochen, beginnt sich Finley zu verwandeln. Vor einer Menge grölender und stöhnender Fans, schrumpft David Bowie zu einem gräulich schimmernden, knubbelnasigen Kobold zusammen, der verschmitzt zu ihnen herüber schaut.

Die Menge verstummt in Fassungslosigkeit. Einem der Jungs in der ersten Reihe klappt der Mund auf. Ein anderer ruft: „David, im Fernsehen siehst du besser aus!“

„Das macht die Schminke!“, ruft Horace in die Menge, die ihnen schweigend hinterher blickt.

„Tom, könnten Sie vielleicht … ich kann ja nicht als Kobold über den Flughafen hier laufen.“

„Ist mir ein Vergnügen, Finley“, antwortet er mit einem diabolischen Lächeln und schwingt seinen Zauberstab.

In der Flughafenhalle beginnen die jungen Männer zu pfeifen und glotzen nicht schlecht, als Finley an ihnen vorbei stolziert. Einige von ihnen fangen sich böse Blicke ihrer weiblichen Begleitung ein.

„Mussten Sie unbedingt die Stewardess kopieren?“, flüstert Finley zu Tom, während er einem besonders charmanten Verehrer winkt, der ihm sogleich eine Rose überreicht und dabei fast genauso rot im Gesicht ist wie die Blüte.

„Ja, das musste ich.“

„Und mussten Sie auch unbedingt einen roten Badeanzug aus meiner Sportkleidung machen?“

Tom grinste gehässig. „Oh ja, da hatte ich keine Wahl. Ich glaube inzwischen sogar, dass es grandiose Ferien werden. Da bin ich mir fast ganz sicher.“

In sich hineingrinsend verlässt Tom mit den beiden die Halle des Flughafens. Die Sonne blendet ihn, sodass er sich die Hand vor die Augen halten muss. In der Sommerhitze denkt er: „Das einzige, was ich noch herausfinden muss, ist, wo wir uns überhaupt befinden. Verdammter Dumbledore und die anderen. Nichts bekommt man gesagt und Hinweise findet man auch keine. Ich werde der Sache schon noch auf den Grund gehen …”
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