Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Professor Riddles sommerlicher Scheiterhaufen

Kurzbeschreibung
SammlungHumor / P6 / Gen
Albus Dumbledore Horace Slughorn Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Minerva McGonagall
19.09.2022
05.10.2022
9
26.747
10
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
19.09.2022 2.161
 
Um den Sommer zu verabschieden, haben wir eine kleine Sammlung mit Geschichten über Toms Sommerferien zusammengestellt.
Ausgangspunkt und Rahmen ist Professor Riddles Scheiterhaufen, trotzdem sind die Geschichten ohne Kenntnis des Haupt-Scheiterhaufens lesbar.
Viel Spaß wünschen
A-7064, Der Wolf, Flammendo, Klybneeka, lasdalias, Marilinus und Perthro




Ferien in Little Hangleton (nicht Malfoy Manor)
von lasdalias


Endlich. Endlich Ferien – und das wird auch höchste Zeit!

Er kann diesen desaströsen Scheiterhaufen keine Sekunde länger ertragen.
Die Schüler sind die Pest, aber das Kollegium … Das Kollegium ist mindestens Cholera! Die zum Himmel schreiende Inkompetenz, in allen Bereichen, die geflissentliche Missachtung seiner geliebten Dunklen Künste – und die völlige Kapitulation der eigenen Meinung im Lichte des milden Lächelns von Alabama Persil Wuffwuff Brian Dumb-ledore.
Ja, ganz recht – er lässt Brian in Gedanken stehen. Der Name ist schon dämlich genug. Geschieht Dumbledore recht.

Grummelnd rauscht Tom durch die Gänge, wehenden Umhangs und gewiss das letzte Mal in diesem elenden Schuljahr. Diese Korridore gehörten einst ihm, als Vertrauensschüler, als Schulsprecher, als fähigster Magier aller Zeiten! Und wenn er erst Dumbledore losgeworden und selbst Schulleiter geworden ist, wird das auch vollumfänglich wieder so sein.

Dieser Gedanke lässt ihn glatt die Mundwinkel verziehen. Daran könnte er sich gewöhnen. Doch in Hogwarts sind Zecken nie weit.

„Professor Riddle!“ Ein rothaariger Junge erblickt ihn am Ende des Ganges zu seinen Gemächern und sprintet bereits auf ihn zu.

Ist das nicht einer der Rumtreiber, dieser nervtötenden Schwachmaten aus Gryffindor? Der vierte im Bunde, der eigentlich gar nicht so recht zum Rest passt? Pete Pettiford oder irgendetwas in der Art. Ein kleines Würstchen, das doch immer nur herumgeschubst wird …

„Gut, dass ich Sie noch sehe“, ruft er ungewöhnlich mutig, „ich wollte nur ganz kurz noch zu meiner diesjährigen Zeugnisbemerkung fragen, ob –“

„Ich bin nicht mehr im Dienst. Gehen Sie mir aus den Augen.“

„Aber Sir, Sie könnten doch ganz kurz –“

Levicorpus!“ Nicht heute. Nicht hier. Eigentlich nie. Aber schon gar nicht jetzt.

Dem Schüler zieht es sofort die Beine vom Boden weg – bis er kopfüber vor seinem Professor in Verteidigung gegen die Dunklen Künste in der Luft hängt.

„Was tun Sie denn da, Professor?“, fragt das rotbackige Kind ratlos.

„Was haben Sie in meinem Unterricht gelernt, mh?“

„Na ja, dass … dass Schweigen Gold ist?“

„Ganz genau!“, raunt Tom. „Schweigen ist Gold. Stilles Lesen auch. Den fähigsten Professor der Schule nach Schulschluss in Frieden lassen ebenso. Und dennoch plappern Sie.“

„Könnten Sie mir einfach nur sagen, weshalb Sie geschrieben haben, ich sei ein ‚etwas zu stiller‘ Schüler?“

„Ich weiß nicht mal mehr ganz sicher Ihren Namen, aber Sie werden das schon verdient haben –“

„Aber wir sollen doch von Ihnen aus immer nur still aus den Büchern lesen, wie hätte ich denn weniger still –“

„Quatsch mit Soße, wo ein Wille, da ein Weg“, unterbricht Tom ihn barsch und legt den Kopf schief. „Halten Sie es wirklich für ratsam, mich in meinem psychologischen Einschätzungsvermögen zu hinterfragen?“

„Professor, Sie haben mich hier gerade aus heiterem Himmel aufgehängt, ich –“

„Schweigen Sie! Jetzt sind erst einmal Ferien. Denken Sie einfach über meine Worte nach, dann ist Ihnen schon geholfen. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden – ich habe Besseres zu tun.“

Tom zieht von Dannen, erst nach einer Weile schwingt er über seine Schulter nochmals den Zauberstab, um das nervige Kind mittels eines stummen Finite vom Blut im Kopf zu erlösen.

„Was haben Sie denn zu tun?“, ruft der Schüler nach seinem unsanften Aufprall und einem gurgelnden Schmerzgeräusch den Flur hinab.

Er erhält keine Antwort. Doch nachdem er sich wieder aufgerappelt hat und ehe Tom es sich versieht, steht der Tunichtgut nochmals auf der Matte. Etwas keuchend durch seinen kurzen Sprint zwar, aber dennoch deutlich zu präsent.

„Erzählen Sie schon!“

„Ich besuche Verwandtschaft.“

„Oh“, macht Petti Petergrew überrascht. „Sie haben lebende Verwandtschaft?“

„Wer versiert genug in der Nekromantik ist, hat immer lebende Verwandtschaft. Und jetzt ab mit Ihnen!“

„Viel Spaß also, Professor?“ Der Schüler sagt es schon selbst fragend, weil ihm eigentlich schleierhaft ist, wie Tom Riddle je Spaß haben soll.

Aber das macht nichts. Hauptsache weg hier. Weg von der dämlichen Schülerschaft, weg von der noch dämlicheren Emmi Mokes, dem unfähigen Kennedey, Schnapsdrossel Slughorn und der fauchenden CatGonagall. Weit, weit weg von Dumbledore, diesem prätentiösen Wicht …

Am liebsten würde er zu seinem üblichen Sommersitz. Malfoy Manor. Mit all den todschicken Handtüchern und den Marmorböden. Aber Armand Malfoy stinkt ihm. Er wagte es zu zahlreichen Gelegenheiten, ihn beleidigend plump infrage zu stellen und so erlaubt es Toms Stolz (und Armand) nicht, die Ferien dort zu verbringen.

Er hätte die Malfoys mit seiner Anwesenheit beehrt, aber bitte. Wenn sie sich nicht benehmen können, verdienen sie seine erhabene Präsenz offenbar auch nicht.

Doch er wäre nicht der Dunkle Lord, hätte er keine anderen Optionen. Er ist sozusagen selbst reich. Heimlicher Erbe eines riesengroßen Anwesens, in dem er ebenfalls ganz wunderbar sommern kann.

Als er endlich in Hogsmeade steht, atmet Tom noch ein letztes Mal die Landluft der Scottish Highlands ein, nur so für den Vergleich. Steht er doch gleich durch sein gekonntes Apparieren dort, wo er sein erstes Blut, sein eigenes Blut, vergossen hat – in der idyllischen Kulisse Little Hangletons in Yorkshire …



oOo



Morgenstimmung aus Peer Gynt Suite No. 1, Op. 46. Daran will dieser kleine Ort mitten im Nirgendwo immerzu erinnern. Nichts anderes als ‚In der Halle des Bergkönigs‘ liegt aber vor ihm …

Merope hat hier immerhin ihr krummes Ding gedreht, Toms dämlicher Muggelvater ist ihr an diesem Ort ins Netz gegangen – der Rest ist Geschichte. Und Frank, den noch dämlicheren Muggel-Hausmeister des Anwesens der hochwohlgeborenen Familie Riddle, den hätte Tom eigentlich auch gleich mit dem Rest der Sippe umbringen sollen.

Aber Frank trägt so gut Gepäck. Viel besser als Tom es tut. Und Frank pflegt auch Anwesen viel investierter als Tom, und so findet eben der, alle Jahre wieder, einen einigermaßen betretbaren Tatort vor.

Frank reicht das Wissen um den schaurigen Mord an der Familie als Lohn zum Glück aus. Seine Rechtschaffenheit und Hörigkeit den alten Riddles gegenüber treibt ihn an, Jahr um Jahr seiner einstigen Pflicht als Hausmeister nachzukommen. Sehr zu Toms Vorteil. Dass er der Mörder ist, ahnt ja keiner, und seine verblüffende Ähnlichkeit zu seinem Vater macht jeden kleinen, manipulativen Zauber ohnehin umso wirksamer. Frank hält ihn für Thomas – sei’s drum …

„Ist’s so recht, Mr Riddle?“

„Sie machen das ganz fabelhaft, Frank.“

„Soll ich vielleicht etwas schneller tragen?“

Tom stutzt, wozu den alten Mann schinden? Doch eigentlich … „Ach, wieso nicht, Frank, nur zu, im Hinterhof stehen schließlich noch zwei Koffer.“

„Noch zwei?“ Frank klingt ein wenig verzweifelt.

„Ich reise nie mit leichtem Gepäck“, raunt Tom zurück, und sein Tonfall lässt den schwitzenden Hausmeister prompt wohlgelaunt nach hinten nicken.

Tom stolziert auf das Familienanwesen zu. Prächtig liegt die alte Landvilla auf dem Hang, auf ganz Little Hangleton kann man hämisch und unbeeindruckt herabblicken.

Als Erbe Slytherins könnte es durchaus schlechtere Sommerherbergen geben. Natürlich, Malfoy Manor wäre moderner, magischer, besser ausgestattet, vernetzter – doch es geht schon. Tom braucht die Malfoys nicht. Auch nicht ihre Küchen-Hauselfen, die immer diesen verflucht guten Sommerbraten –

Nein. Er braucht sie nicht. Nichts von ihnen. Genauso wenig wie er das Kollegium der Professoren von Hogwarts braucht.

Tom lässt Frank im Schweiße seines Angesichts die schwere Pforte am Eingang für ihn zu beiden Seiten öffnen, weit klappt die herrschaftliche Tür aus schwerem Holz auf und gibt den Blick auf die Eingangshalle mit den großen Treppen zu beiden Seiten frei.

Kunst und Statuen sind mit weißen Laken verhüllt – damals, als er wie im Blutrausch für den Mord hierher kam, gab es sie noch nicht. Die Teppiche waren nicht aufgerollt, die Vasen mit Blumen gefüllt. Sie lebten hier, und das Haus mit ihnen.

Doch spartanische Einrichtung ist Tom von klein auf gewöhnt. Natürlich sehen die dekorierten Ecken in Malfoy Manor ein wenig ansprechender –

Nein. Zur Hölle mit den Malfoys!

„Danke, Frank“, hört Tom sich selbstvergessen sagen und lässt den Blick über die Fliesen und die hohen Wände schweifen. Der Lichteinfall der Glaskuppel über ihnen lässt die erkalteten Wände hier und da tapfer in goldenem Flimmer erstrahlen.

„Soll ich Ihnen noch etwas einkaufen gehen, Mr Riddle? Der Laden im Ort schließt nur bald, ich müsste mich irrsinnig beeilen. Wenn ich’s mir recht überlege, könnte ich aber auch gerne einfach gleich morgen in der Früh –“

„Heute klingt ganz hervorragend, Frank, zu aufmerksam.“

Frank seufzt, aber nur ganz leise.

„Falls sie im Laden noch Lachs haben – Lachs wäre toll.“

Frank seufzt, etwas lauter.

„Ach und wenn Sie womöglich noch Papier und eine Schreibmaschine auftreiben könnten.“

Mehr Magie ist noch mehr Macht schreibt sich schließlich nicht von selbst …

„Ist recht, Mr Riddle“, murmelt Frank schicksalsergeben, „ich beeile mich, damit ich den Ladenschluss –“

„Zu gütig, Frank, zu gütig …“

Toms Vater, der zweifelsfrei den Tod durch die Hand seines Sohnes verdient hatte, scheuchte den armen Kerl sicher nur immerzu herum. Ein arroganter, abgeschmackter Pinsel war Thomas Riddle gewesen, ohne jedes Gespür für Taktik oder emotionale Intelligenz. Glatt erstaunlich, wie er einen solch brillanten Sohn hatte hervorbringen können, dem es an all diesen Dingen keineswegs fehlt …

„Zaubern? Du kannst zaubern?“ Am liebsten hätte Thomas gelacht bei diesen Worten, seine alte Mutter hatte auch noch ihren Senf dazu gegeben. „Das soll wohl ein Scherz sein!“

Es war kein Scherz. Vielleicht ein tendenziöser Witz, aber keine Lüge. Und der Avada ließ zum Schluss sicherlich auch keine weiteren Fragen mehr offen.

Wären die Riddles noch da, könnte Tom niemals hier unterkommen. Aber so, nach all seiner harten Arbeit zur Beseitigung seiner Wurzeln und der Verschleierung des perfekten Verbrechens, lässt es sich hier leben. Nicht ganz so wie bei den Malfoys natürlich, aber –

Na ja. Endlich frei. Endlich weg von allen. Keine Schüler, keine Lehrer. Einige Wochen am Stück diese verzerrten Visagen nicht mehr sehen zu müssen, keinen Slughorn, der ihn wegen dieses einen, missglückten Vergessenszaubers am Ende ebenso wie Frank für seinen Vater hält. Keinen Dumbledore, der ihm droht, seine Gratifikation zu kürzen, keine McMiau, die einfach nur blöd schnurrt – das ist all der Urlaub, den Tom braucht.

„Thomas!“, hört er den Ruf hinter sich, während er so die Hand über den weiß angestrichenen Treppenlauf gleiten lässt. Sind da etwa noch Blutspritzer von seinem kleinen Foltermanöver kurz vor dem Todesfluch übrig?

Wie ungünstig …

Und was macht zudem Frank noch hier?

„Thomas“, hört er ihn wieder hinter sich, „endlich lernen wir uns persönlich kennen!“

Tom erstarrt, doch dann fährt er wie von der Acromantula gestochen herum. Das darf doch wohl nicht wahr sein!

„Die Tür stand offen“, gluckst definitiv nicht Frank. „Ich hoffe, es stört Sie nicht …“

Tom klappt die Kinnlade herunter.
Horace? Horace Slughorn?
Mit einem Sahara-Hut und im beigen Kolonialisten-Anzug?

„Oh, Sie sehen ja wirklich überrascht aus“, frohlockt er und klopft Tom dann nach seinem eiligen Herannahen so kräftig auf die Schulter, dass es ihn regelrecht erschüttert.

Doch nicht so sehr wie die Anwesenheit der alten Fledermaus. Wie? Wann? Wieso?

„Wissen Sie, die Kollegen und ich waren zufällig des Weges, Thomas.“ Slughorn zwinkert, es ist gar aufdringlich.

Was zur Hölle tut er bloß hier? Am Ende der Welt, noch dazu in Toms geheimer Welt voller Blutspritzer?

Hat er das etwa laut gesagt?

„Wir suchen eigentlich nur Ihren Sohn!“ Slughorn strahlt ihn weiterhin an. „Sie sehen wirklich aus wie er. Wenn ich mich vorstellen dürfte, ich bin –“

„Ich weiß, wer Sie sind!“, fährt Tom ihn an. „Die Frage ist viel mehr, was Sie hier tun!“

„Oh, wie gesagt, wir suchen –“

Wir? Wer ist noch hier?“

„Das gesamte Hogwarts-Kollegium ist vorne auf der Terrasse. Sie können mächtig stolz auf Ihren Sohn sein. Er ist ja nun ebenfalls Professor an unserer Schule und … können Sie das glauben?“ Slughorn gluckst. „Er war so schnell weg, dass wir ihm gar nicht mehr eröffnen konnten, dass wir in diesen Ferien alle gemeinsam Ausflüge geplant haben. Die ganze Zeit über. Keine Ausnahmen, kein Entkommen!“ Grenzdebil lacht er, wahrscheinlich schon wieder einen Feuerwhiskey zu viel intus.

„Was … was soll das heißen, ‚alle‘?“ Tom knurrt, doch es geschieht aus regelrechter Verzweiflung heraus. „‚Gemeinsame Ausflüge‘? Und … und ‚kein Entkommen‘? Wie meinen?“

Slughorn zeigt sich ob Toms Stammelei aufrichtig besorgt. „Mein Lieber, Sie wirken etwas überfordert, geht es Ihnen gut?“

„Mir geht’s ganz fabelhaft“, haucht Tom seine liebste Lüge und wie mechanisch lässt er seinen Blick zum riesigen Salon – dem Zugang zur Terrasse – sowie dessen verglasten Terrassentüren schweifen.

„Genau, da sind sie ja schon alle“, stellt Slughorn erfreut fest, als Tom gerade glaubt, in Ohnmacht fallen zu müssen.

In der Tat. Da sind alle. Alle Professoren, all diejenigen, die er wochenlang nicht sehen wollte.

Und sie sind hier? Hier in Little Hangleton, wo er seinen ersten Mord begangen hat? So gewissenhaft haben er und Frank hier nun wirklich nie aufgewischt …

Das ist jetzt ja wohl absurd ungünstig …

Dumbledore winkt ihm heiter – hinter der Scheibe. „Tom“, formt er unverkennbar mit den Lippen. „Lassen Sie uns rein!“

„Einen Teufel werd ich tun!“, flüstert er aufgebracht, doch Slughorn betätigt längst die Tür.

„Das werden fantastische Ferien, Mr Riddle“, ruft der Meister der Zaubertränke noch schief lächelnd über seine Schulter.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast