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Auge um Auge

von S-Mimi
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi / P16 / MaleSlash
Martin Fuchs Paul Richter Stephan Sindera Tom Mayer
19.09.2022
24.11.2022
6
5.899
7
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24.11.2022 1.035
 
Teil 6

Irgendwie fühlte er sich leer. Aber da waren auch Schmerzen und ein Händedruck, der ihn Kraft spendete. Da waren auch Stimmen, die er aber nicht verstand. Aber er erkannte die Stimmen, doch konnten die sich nicht draußen unterhalten und ihn schlafen lassen? Da fiel ihm der Unfall ein. Sie machten sich sorgen um ihn, darum waren sie hier. Langsam öffnete Stephan die Augen, bekam aber einen Würgereiz als er atmen wollte, irgendwas blockierte seinen Weg.
Paul bekam das mit und drückte die Klingel. „Ganz ruhig Steph, dass ist der Beatmungsschlauch“, ein lächeln huschte über seine Lippen. „Du bist wieder da“.
Es dauerte nicht lange und ein Arzt und zwei Schwestern betraten das Zimmer. Natürlich erkannten auch diese, dass der Patient aufgewacht war. Der Arzt erklärte Stephan, dass er ihn nun von der Beatmung nehmen würde, dann könnte er selbstständig atmen.
Stephan musste husten, als der Schlauch aus seinem Hals war.
Dann machte der Arzt einige Kontrollen, war so weit aber zufrieden.
„Was… was ist passiert?“
„Du hattest einen Unfall“, verriet Paul.
Stephan überlegte und schüttelte den Kopf. „Wurde abgedrängt“.
„Bist du dir da ganz sicher?“ war Martin alarmiert.
Stephan nickte, er war noch so verdammt müde.
„Dann muss in eine andere Richtung ermittelt werden und du brauchst Polizeischutz“, war der Polizist in Martin aufgewacht.
Stephan gab es ungern zu, aber Martin hatte recht. Er selber wäre zu Zeit nicht in der Lage sich zu verteidigen.
„Kannst das Auto beschrieben? Hast du ein Kennzeichen?“
Stephan schloss die Augen, er verstand ja, dass die Fragen wichtig waren, aber es strengte ihn so an. „Pick Up, dunkel grau, schwarze Felgen. Nummernschilder waren abmontiert“.
„Marke?“
Stephan nannte die Marke. „Jungs, ich will nicht unhöflich sein, aber ich bin Todmüde“.
„Dann schlaf. Soll eh die beste Medizin sein“, war Paul einfach nur froh, dass Stephan wieder wach war.
Stephan lächelte kurz und schlief dann wieder ein.

Als er wieder aufwachte, war ein neuer Tag angebrochen und erneut saß Paul an seinem Bett. „Warst du die ganze Nacht hier?“
„Guten Morgen, Langschläfer. Nein, diese Nacht war ich zuhause“.
„Diese Nacht?“
„Davor die Nacht hast du um dein Leben gekämpft“.
„Wie lange war ich weg?“
„Vom Unfall ausgesehen? Gute 27 Stunden, bist du gestern aufgewacht bist und ich glaube, danach hast du auch durchgeschlafen“.
„Und warum bin ich dann immer noch müde?“
„Weil dein Körper heilen muss.“
„Was sagt der Doc?“
„Das soll er dir Mal selber erklären, nicht das ich was falsches sage“.
Stephan guckte zu seinem Bein. „Das sieht nicht gut aus“.
Paul drückte Stephans Hand. „Das wird schon wieder. Und so lange bin ich Mal der Schnellere“.
Stephan guckte Paul an. „Du gibst immer dein Bestes. Ich hab halt längere Beine“.
„Dafür bist…“.
„Stopp. Darüber spreche ich nicht mit dir“, Stephan hatte das Thema leid. „Du bist Perfekt so wie du bist“.
„Darum bin ich auch Single“, seufzte Paul.
„Du bist mit deinem Beruf verheiratet und mit mir“, grinste Stephan.
Paul guckte Stephan an und traf dabei dessen Augen. Waren die eigentlich schon immer so schön? „Weißt du eigentlich, was für eine Angst du mir gemacht hast?“ kam es bei Paul wieder hoch.
Stephan drückte Pauls Hand. „Kann dich doch nicht alleine lassen. Wer passt dann auf dich auf?“
Paul lächelte. „In letzter Zeit, musste ich selber auf mich aufpassen, du hast Abstand genommen“.
„Tut mir leid, lag nicht an dir“.
„Willst du darüber reden?“
Stephan wand den Kopf weg. „Nein“.
„Was habe ich falsch gemacht“, hatte Paul das Gefühl, dass es an ihm lag.
Stephan drehte wieder seinen Kopf zu Paul. „Du hast gar nichts falsch gemacht“.
„Was ist es dann?“
„Ich kann es nicht erklären, ich verstehe es selber nicht. Also lass es gut sein, bitte“.
„Ich versteh auch etwas nicht“, fing Paul an nach Worten zu finden. „Ich war in Schockstarre, als ich dein Auto entdeckte, ohne Tom wäre ich durchgedreht. Hatte den Polizisten vollkommen vergessen, hab den Rettungskräften nicht vertraut. Ich wollte unbedingt zu dir und als ich dann bei dir war, bin ich nicht von deiner Seite gewichen, obwohl ich doch eigentlich wissen müsste, dass du hier in guten Händen bist. Ich hatte so eine Angst um dich, dass mir fast die Luft weggeblieben wäre. Stephan, ich kann ohne dich nicht mehr leben. Wann ist es so weit gekommen? Nicht das ich das schlimm finde. Aber ich gucke dir in die Augen und frage mich, ob die schon immer so schön waren. Der Unfall, die Angst um dich, haben irgendwas ausgelöst“.
Stephan hatte Paul zugehört, war das eine Liebeserklärung? Aber Paul war nicht Schwul. Allerdings war Paul in einer Ausnahmesituation, da wurde man von Gefühlen überrannt und konnte sie nicht einordnen.
„Mir ist klar geworden, was Jahre lang keine Rolle gespielt hat, weil es nie eingetroffen ist. Ich war 17 Jahre alt, da musste ich einen Jungen küssen beim Flaschendrehen. Ich fand den Kuss interessant und irgendwie auch erregend. Ich habe mir aber schnell keine Gedanken mehr darüber gedacht, weil es nie wieder aufgetreten ist“. Paul machte eine Pause, wusste nicht, ob er weiterreden sollte, schließlich konnte er damit alles kaputt machen, wenn er Stephans Blick falsch gedeutet hatte und dessen ausweichendes Verhalten. Aber er musste es wagen. „Beziehungen mit Frauen wurden schnell langweilig, sie verstehen mich einfach nicht oder kommen mit meinem Job nicht klar. Ich wurde immer wieder zu meinem besten Freund hingezogen, wollte so viel Zeit wie möglich mit diesem Verbringen. Ich konnte ich sein, musste mich nicht verbiegen. Ein Streit wurde nicht nachgetragen. Es wurde drüber geredet und gut war es. Er war immer da, egal um was es ging und wie spät es war. Es war so selbstverständlich. Aber als ich dich da liegen sah…“, Paul kullerte eine Träne aus dem Auge. „Da brach eine Welt zusammen. Es war keiner da, der mich auffangen konnte, auch wenn erst Tom und dann Martin es versucht haben. Du warst nicht da. Mein Halt, mein Anker. Es brach alles weg. Martin hat mich gestern gefragt, was das zwischen uns ist. Ich wusste, worauf er hinaus wollte, aber ich habe mir erst hinterher eingestanden, dass er Recht hat. Ich empfinde mehr für dich als Freundschaft. Stephan, ich weiß nicht wann das passiert ist, aber ich hab mich in dich verliebt“.
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