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Auge um Auge

von S-Mimi
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi / P16 / MaleSlash
Martin Fuchs Paul Richter Stephan Sindera Tom Mayer
19.09.2022
27.01.2023
10
9.612
8
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Dieses Kapitel
1 Review
 
12.11.2022 862
 
Teil 5


Es war schon nach Mitternacht als ein Arzt aus dem OP-Bereich kam. „Sagen sie nicht, dass sie zu Herrn Sindera gehören“, wunderte sich der Arzt, dass noch zu so später Stunde Angehörige da waren.
„Wie geht es ihm?“ fuhr sich Paul müde über das Gesicht, er hätte nicht sagen können, wie viel Kaffee er getrunken hatte um wach zu bleiben. Aber er konnte und wollte einfach nicht nach Hause.
Der Arzt senkte den Kopf. „Ich wünschte, ich könnte ihnen sagen, dass er stabil ist, aber das ist er leider nicht. Er hat neben dem Pneumothorax noch eine Milzfraktur und wäre fast verblutet. Dazu kommt ein mehrfacher Bruch des Unterschenkels und ein Trümmerbruch des Sprunggelenks. Die Nacht wird entscheidend sein“, fasste der Arzt zusammen, er war selber müde und die Nacht würde noch lang werden, dennoch bauchte er eine Pause.
„Darf ich zu ihm?“
„Wie stehen sie zu ihm?“
Paul wusste, was der Arzt hören wollte, nur das war er nicht. „Er ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben“, antwortete Paul ehrlich.
„Ich mache eine Ausnahme, da sie anscheinend der Einzige sind, der hier ist und ich nicht weiß, ob er die Nacht überlebt. Sollten sie ihn Schaden…“.
„Werde ich ganz sicher nicht“, versprach Paul und ließ sich dann vom Arzt zum Intensivzimmer führen.
Pauls Blick fiel sofort auf Stephan, der zum Schutz künstlich beatmet wurde, mehrere Schläuche und Kabel führten zum Körper oder von diesem weg. Aus seinem Bein ragten Drähte, die wohl die Brüche zusammenhalten sollten. Der Anblick war erschreckend, aber Paul musste stark sein. Er setzte sich neben das Bett und nahm Stephans Hand. „Was machst du denn für Sachen? Kann ich dich nicht alleine lassen?“ sachte strich Paul über Stephans Handrücken. Er hatte Angst um seinen besten Freund, der Arzt klang nicht gerade zuversichtlich.

Die ganze Nacht hielt Paul Stephans Hand, irgendwann war er vorn rüber gekippt und lag nun schlafend mit dem Kopf auf der Bettkante.
Durch ein Räuspern wurde er wach. „Martin“.
„Warst du die ganze Nach hier?“
„Ich kann ihn doch nicht alleine lassen, wenn er mich am meisten braucht. Der Arzt ist sich nicht sicher, ob er die Nacht überlebt“, schniefte Paul leicht.
„Hat er“, lächelte Martin. „Es ist 9 Uhr. Willst nicht nach Hause, dich frisch machen und etwas essen? Ich bleibe so lange hier“.
Doch Paul schüttelte den Kopf, wie jedes Mal, wenn man ihn von Stephan wegbekommen wollte. „Ich bleibe, solange bis er aufwacht“.
Martin seufzte. „Dann geh hier was essen. Du hilfst Steph nicht, wenn du zusammenklappst. Ich kann dir nichts hierherbringen, ist verboten“.
Paul musste zugeben, Hunger hatte er und seine Blase meldete sich auch. Er konnte sich ja beeilen und wäre schnell zurück. „Pass aber auf ihn auf“.
„Sicher“, schmunzelte Martin.
Paul verschwand und Martin setze sich neben das Bett. Er war zwar nach Hause gefahren, aber wirklich viel schlafen konnte er nicht. Stephan war auch ein guter Freund von ihm und die Sorgen schwirrten durch seinen Kopf, wie sicher bei vielen anderen Kollegen auch.
Paul hatte sich wirklich beeilt und war schnell wieder zurück. „Und? Wacht er auf?“
Martin schüttelte den Kopf. „Wartet auf dich“. Martin stand auf, damit sich Paul wieder zu seinem Freund setzen konnte.
Wieder nahm Pauls Stephan Hand. „Du wirst nie wieder auf mich warten müssen. Nur wach wieder auf“.

Zwischenzeitlich mussten Paul und Martin das Zimmer verlassen, weil die Schwestern bei Stephan waren.
„Weiß man was neues?“ fragte Paul.
„Keine Spur vom Unfallgegner. Aber klar ist, er muss es mitbekommen haben, dafür war der Aufprall zu heftig. Weitere Fahrzeuge waren nicht auf der Strecke, also keine Zeugen“.
„Scheiße“.
„Stephans Wagen ist bei der KTU, vielleicht finden die raus, was für ein Fahrzeug das war. Und Stephans Aussage fehlt auch noch. Die Kollegen warten auf einen Anruf von uns, um Stephan befragen zu können“.
Paul guckte zur Zimmer Tür. „Was dauert das denn so lange?“
Martin legte Paul eine Hand auf die Schulter. „Sie waschen ihn und wechseln die Medikamente, dass dauert“.
„Und was ist, wenn er in der Zeit aufwacht? Er denkt dann, dass wir ihn alleine lassen“.
„Paul, das ist Unsinn. Was ist eigentlich los zwischen euch?“
„Was soll schon los sein? Mein bester Freund kämpft um sein Leben. Und jetzt fang nicht, mit irgendwelchen Problemen an, die es nicht gibt“.
Martin hob entschuldigend die Hände, Paul war gereizt und das sollte im Krankenhaus nicht eskalieren.
„Ich mache mir einfach nur sorgen um meinen besten Freund“.
Martin nickte, daran war nichts Falsches. „Ist da mehr als Freundschaft?“ traute sich der Ältere zu fragen.
„Was? Nein. Nur Stephan ist mir unheimlich wichtig. Ein Leben ohne ihn kann ich mir einfach nicht vorstellen“.
„Und du bist dir sicher, dass da nicht mehr ist?“
„Ich bin nicht Schwul“.
„Aber vielleicht Bi?“
„Das wüsste ich. Und selbst wenn, Stephan ist definitiv Hetero. Also ist dieses Gespräch überflüssig. Flüssiger als Wasser“.
Die Schwester trat aus dem Zimmer und ließ die beiden Herren wieder eintreten.

Paul setzte sich wieder ans Bett und nahm Stephans Hand. „Meinst du nicht, dass du lange genug geschlafen hast? Du musst ja nicht aufstehen, aber aufwachen wäre ganz nett. Du hast Besuch“.
Doch Stephan wollte einfach nicht aufwachen.
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