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Die Spionin

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character)
17.09.2022
30.09.2022
4
9.445
3
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Dieses Kapitel
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23.09.2022 2.050
 
„Die Statistiken sagen klar aus, dass die Kinder zwischen elf und dreizehn Jahren weiße oder schwarze Magie bekommen. Die Vorzeichen sind klar und bekannt. Normale Zauberer erleben nur einen Ausbruch, aber besondere Kinder müssen da zweimal durch. Es dann können sie die Magie auch für sich nutzen und die Magie hilft ihnen dabei, aber das reicht nicht. Die Kinder müssen in Magie klar ausgebildet werden oder es könnte ein Unglück geschehen.“  
>Report des Ordens der schwarzen Magier Anfang der fünfziger Jahre<

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Fünf Wochen der Sommerferien vergingen wie im Flug. In dieser Zeit hatte sich Jasmin auf die faule Haut gelegt und sich nur manchmal mit ihrer Mission befasst. Der ganze Auftrag beinhaltet von ihr eine ganze Liste von Talenten, von denen auch Lügen und Täuschen dazugehört.
Nun aber fuhr sie mit ihren Eltern in dem Jepp zum Bahnhof.
„Zum welchen Bahnstieg müssen wir eigentlich?“ wollte Robert wissen, während er sicher das Fahrzeug durch den Verkehr lenkte. Schließlich hatte er mit achtzehn auch den Führerschein gemacht und in seiner Welt reiste man eben nicht durch Kamine. Als seine Frau ihm das erzählte, hatte er laut gelacht und eine Stunde gebraucht, um sich wieder zu beruhigen.
Für ihn war das genauso komisch, wie das Fliegen mit einem Besen und viele anderen Sachen.
Elisabeth räusperte sich und sah ernst zu ihrem Mann rüber.
„Zum Bahnsteig neun dreiviertel,“ antwortete sie schließlich.
Robert runzelte die Stirn. „So einen Bahnstieg gibt es doch gar nicht.“
Nun lächelte sie. „Für die Muggel nicht, aber für die Zauberer.“
Er schüttelte fassungslos den Kopf. Robert konnte diesen Begriff „Muggel“ nicht leiden und das wusste seine Frau zu gut.
Das war wieder ein Streitpunkt zwischen Malfoy und ihm. Robert kam aus einer Welt, wo Magier und Menschen friedlich nebeneinander lebten. Aber auch, wo die Menschen wussten, dass es die Magier gab.
Und hier? Malfoy und viele andere Zauberer schienen die Menschen nur als zweite Wahl zu sehen. Das glaubte wenigstens Robert und deshalb hatten sie sich auch über den Sommerferien wieder einmal heftig gestritten.
Dreißig Minuten später hielt Robert an dem Bahnhof an und die Familie verließ das Fahrzeug.  
Robert hievte den großen Koffer aus dem Kofferraum des Fahrzeuges, während Jasmin den Käfig für die Eule nahm. Und wieder einmal war es Elisabeth, die die Familie anführte. Unten angekommen trafen sie auf eine große Familie mit roten Haaren und dazu zwei Kinder, die nicht dazu gehörten.
„Die Weasleys und Potter,“ dachte Robert. Er fragte sich, allerdings wer das Mädchen war, und dann fiel es ihm wieder ein. Hermine Ranger.
„Na da haben sich welche gesucht und gefunden,“ dachte Robert weiter.
„Das müssen doch die Holmes sein. Ich habe schon viel von euch gehört,“ begrüßte Arthur Weasley die Familie.
Robert nickte ihnen zu. „Auch ich habe schon viel über eure Familie gehört.“
Die Männer gaben sich die Hand, während Jasmin sich zurückhielt. Sie musste in Deckung bleiben und war nicht darauf aus Freundschaften zu schließen, schließlich hatte sie einen klaren Auftrag.
„Sind sie wirklich mit einem Automobil hier?“ wollte Arthur wissen. Molly, seine Frau, verdrehte die Augen. Seit Jahren war ihr Mann neugierig auf die Spielzeuge der Muggel.
Robert nickte. „Ich bin sogar in Besitz von drei Autos. Ich liebe die Geschwindigkeit und das Gefühl der Freiheit.“
„Wir sollten uns auf den Weg zum Bahnstieg machen,“ schlug nun Elisabeth vor. Schließlich war sie es, der den ganzen Zug anführte und ihre Tochter bildete das Ende. Was auch kein Zufall war, denn so konnte Jasmin die anderen Kinder genau im Auge behalten.
Kurz darauf erreichten sie den Bahnstieg zwischen neun und zehn und ohne zu zögern, lief Elisabeth auf die Wand zu. Robert wollte sie warnen, doch da war sie plötzlich verschwunden. Er runzelte die Stirn, doch als einer nach dem anderen verschwand folgte er ihnen. Auch Jasmin folgte den anderen und hielt dabei die Luft an.
Was dann Tochter und Vater zum ersten Mal sahen, versprach ihnen die Sprache. Eine alte Dampflock stand an einem Bahnstieg und darum wuselten die Leute nur so herum. Robert brauchte dank seiner weißen Magie nicht lange, um die Leute als Hexen und Zauberer zu erkennen.
„Das ist ja umständlich,“ flüsterte er zu seiner Frau.
Elisabeth zuckte mit den Schultern. „Das ist schon seit Jahren so. Die Menschen sollen eben von der Magie nichts erfahren, aber das wusstet du doch seit deiner Ankunft.“
Robert winkte ab, als wäre ihm das Thema nur lästig. Dann erblickte er die Malfoys und er verengte die Augen.
Er wendete sich von ihnen und ging in die Knie, um mit seiner Tochter auf Augenhöhe zu reden.
„Du weißt doch, was ich dir gesagt habe, was deiner Magie betrifft?“ fragte er besorgt.
Sie nickte schwach. „Wenn sie kommt, dann als kribbeln und ich muss zu sehen, dass es keiner merkt. Ich kriege das schon hin. Mach dir keine Sorgen, Papa.“
Robert lächelte zufrieden und strich über ihre Haare.
„Dann solltest du jetzt einsteigen, damit du ein leeres Abteil erwischt,“ schlug ihre Mutter vor. Jasmin umarmte ihre Eltern liebevoll und schleppte ihren großen Koffer in den Zug.
Zurück blieben ihre Eltern, die sich besorgt ansahen.
„Wie unterrichten wir ihr die weiße Magie in den Sommerferien, ohne dass es die Schule merkt?“ fragte Elisabeth ihren Mann leise.
„Ich werde mit ihr diese Welt verlassen, dann klappt das schon. Mach dir deshalb keine Sorgen,“ antwortete Robert sicher. Er hatte deshalb schon Pläne gemacht und wusste, wen er aufsuchen musste.
In diesen Moment trat wieder Arthur Weasley auf ihn zu.
„Mr. Holmes, ich möchte mir mal ihr Fahrzeug ansehen,“ sagte Arthur Weasley.
„Sie dürfen sogar damit eine Probefahrt machen,“ schlug Robert vor. Elisabeth sah ihren Mann an, als hätte er den Verstand verloren.
„Wirklich? Das ist ja wunderbar. Ich heiße übrigens Arthur und meine Frau heißt Molly.“
Robert nickte. „Meine Frau Elisabeth und ich heiße Robert.“
Wieder gaben sich die Männer die Hand und die Frauen umarmten sich kurz, als Mister Malfoy auf die Gruppe zukam.
„Das bedeutet Ärger,“ murmelte Elisabeth.
„Na haben sich ja die Richtigen gefunden,“ spie Malfoy aus. In seinen Augen stand Verachtung und Hass.
„In meiner Welt,“ dachte Robert, “hätte man ihn für seine Vergangenheit hingerichtet und fertig wäre die Laube.“
„Wir sollten einfach gehen,“ schlug Molly vor und Elisabeth folgte ihr einfach. Für einen Moment sahen sich Robert und Lucius noch angriffslustig an, doch dann drehte sich Robert einfach um und ging weg. Arthur schüttelte nur den Kopf und folgte ebenfalls den anderen.
„Eines Tages werde ich meine Rache bekommen, Robert! Das schwöre ich dir!“ schrie ihnen Mister Malfoy hinterher.
„Was haben sie ihm den getan, dass er so sauer auf sie ist?“ wollte Artur von Robert wissen.
Dieser zuckte mit den Schultern.
„Ich habe ihn mehrmals beim Zauber-Ministerium gemeldet, weil er nach meiner Meinung schwarze Magie benutzt.“
Arthur hob anerkennend beide Augenbraunen nach oben.
„Gut gemacht. Ich wünsche mehr Zauberer hätten diesen Mut,“ sagte er und klopfte Robert freundschaftlich auf den Rücken.

Im Zug schleppte Jasmin den schweren Koffer und den Vogelkäfig ins nächste freie Abteil. Sie seufzte, als sie endlich alles abstellte.
Jasmin setzte sich auf die Bank und wartete einfach, bis es losging. Senna zippte ungeduldig und Jasmin gab ihr ein Stück Keks zum Fressen.
„Ich bin auch aufgeregt,“ beichtete sie der Eule. Vorbei aufgeregt nicht das richtige Wort war. Sie war schrecklich nervös und ihr Magen krampfte sich zusammen. Nicht einmal bei der Schulaufführung in der ersten Klasse war Jasmin so nervös gewesen. Sie hoffte das alles möge bald vorbei sein.  
Plötzlich ging ihre Abteiltür auf und Harry, Ron und Hermine strömten in ihr Abteil.
„So war das nicht geplant,“ dachte Jasmin angespannt. Klar, so konnte sie gleich ihren eigentlichen Auftrag antreten und Harry und seine Freunde ausspionieren, aber es gab da einen Haken.
Nämlich der Ausbruch ihre weiße Magie, der schon längst überfällig war. Ihr brach der Schweiß aus und sie fuhr sich durch das Gesicht.
„Bleib ruhig, Jasmin. Es ist alles in Ordnung,“ sagte sie zu sich selbst.
„Du musst Jasmin sein,“ sagte Harry und kam auf sie zu.
„Ich bin Harry und das sind Ron und Hermine.“
Potter zeigte auf seine Freunde und Jasmin nickte.
Sie wusste zwar das schon, doch der Anschein ihre Ungewissheit musste ja gewahrt bleiben.
„Freut mich euch kennen zu lernen,“ brachte sie irgendwie heraus. Und da ging wieder die Tür auf und ein kleines Mädchen erschien mit auffälligem rotem Haar.
„Das musste Ginny sein, die jüngste Weasley,“ dachte Jasmin und lächelte zaghaft. Wieder eine Vorstellungsrunde und als wäre das alles nicht schlimm genug, setzte sich Ginny neben Jasmin. Diese holte tief Luft und versuchte ihre Nervosität unter Kontrolle zu bringen.
Während die drei Freunde von ihrem letzten Abenteuer sprachen, spürte Jasmin plötzlich ein Kribbeln in den Händen. Sie hörte nur fetzen von dem Gespräch, wie zum Beispiel „Stein der Weisen“ und „Lord Voldemort“, doch sie konnte nicht länger zu hören.
Irgendetwas ging mit ihrem Körper vor. Da war weiter das Kribbeln in ihren Händen und nach einem Moment wusste sie es: Die Magie hatte jetzt entschieden sich zu zeigen! Einen ungünstigen Zeitpunkt gab es fast nicht! Verdammte Kacke auch.
Wieder brach ihr der Schweiß aus und sie keuchte plötzlich. Da sahen Harry und seine Freunde sie besorgt an.
„Ist alles in Ordnung? Du siehst irgendwie krank aus,“ meinte Hermine besorgt.
Jasmin schüttelte den Kopf. „Ist alles okay.“
Was hätte sie auch sonst sagen sollen?
Hey hört mal zu, ich bekomme gerade meine weiße Magie?
Das klang nicht gerade Vertrauensweckend.
Ihr Vater hatte ihr gesagt, dass sie das wahrscheinlich zweimal durchmachen musste. Was an ihren Großvater lag, weil er einen Pakt mit einem Engel hatte. Diese Fähigkeiten hatten eine Generation, also ihren Vater übersprungen und würden sich dann in ihr breitmachen.
Dann konnte sie nicht mehr und sprintete aus dem Abteil.
Die drei Freunde sahen ihr besorgt hinterher.
„Was hat die denn?“ fragte Ron verblüfft.
Ginny nickte. „Sie sieht krank aus. Ich sehe mal nach ihr.“
Hermine runzelte die Stirn. Es könnte die Aufregung sein, aber das ist so ausartet das wäre ihr neu. Irgendwas stimmte doch da nicht.
Mit viel Glück fand Jasmin ein freies Abteil und dann ließ sie ihre weiße Magie ihren freien Lauf. Die Magie kam aus ihren Augen und aus ihrem Mund und Jasmin schrie laut auf. Für den Moment war es fürs erste vorbei und sie keuchte vor Anstrengung. Ihr Vater hatte es ihr zwar genau beschrieben, aber das half ihr auch nicht wirklich.
Plötzlich hörte sie an der Tür ein Klopfen.
„Hey Jasmin, hier ist Ginny. Ist alles okay?“
„Ja alles Okay. Ich brauche nur noch einen Moment für mich,“ keuchte Jasmin, dann geschah noch einmal dasselbe. Sie ging in die Knie und ihre braunen Haare bedeckten ihr Gesicht, als Ginny das Abteil betrat.
„Ich habe dich schreien gehört. Ist alles okay? Hat dich jemand belästigt?“ fragte Ginny besorgt.
„Nein, nein. Es geht mir schon besser,“ antwortete Jasmin und stand mit wackligen Beinen auf. Ginny wollte ihr helfen, doch Jasmin entzog sich ihr. Ohne auf Ginny zu achten, betrat sie wieder das erste Abteil.
Dort war Harry mit Ron in einer hitzigen Diskussion verwickelt, aber sie verstummten, als Jasmin wieder auftauchte. Ohne ein Wort setzte sie sich wieder auf ihren Platz, als Ginny auch wieder das Abteil betrat.
„Ist alles in Ordnung?“ wollte Hermine besorgt wissen.
Auch Harry, Ron und Ginny sahen sie besorgt an.
Jasmin konnte nur nicken und versuchte ihre Magie zu kontrollieren. Sie konnte schon spüren, wie sie wuchs und sie noch stärker wurde. Jasmin schloss die Augen und sah in sich hinein. Das hatte ihr Vater ihr beigebacht und Jasmin hatte nicht lange gebraucht, um diese Fähigkeit zu erlernen. Es ging darum sich selbst im inneren zu finden und sich selbst auszubilden. Die ganze Sache war ziemlich kompliziert.
Als Jasmin wieder ihre Augen öffnete, holte sie einmal tief Luft.
„Alles okay mit dir?“ fragte Ginny besorgt.
Jasmin winkte ab und sah gerade, wie eine Hexe mit einem Bauchladen durch den Zug ging. Sie verkaufte dabei Süßigkeiten und andere Leckereien.
Jasmin sprang auf und eilte nach draußen. Kurz darauf kam sie mit fünf Butterbier und mehrere Lakritzstangen zurück.  
„Für jeden ein Bier für eure Besorgnis,“ sagte Jasmin und verteilte so schnell das Butterbier. Sie hoffte auch so den Vorfall mit ihr vergessen zu machen, was erst einmal gut funktionierte. Schnell kamen die Gespräche auf andere Themen und Jasmin hörte nur zu.
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