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Gemeinsam ist leichter

von Judy-BoE
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Het
Borussia Dortmund OC (Own Character)
17.09.2022
23.09.2022
2
5.705
1
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23.09.2022 3.101
 
Und weiter geht es...

Habt ihr schon erraten um welches Pairing es sich handeln wird?

Für alle die gerne musikalische Untermalung habe das Lied am Ende des Kapitels:
River Flows in You
The Rose
Jealous of the Angels

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Mit der Rückkehr der Nationalspieler zur Mannschaft stieg das Arbeitspensum, wie erwartet noch einmal deutlich. Es waren auch viele neue Spieler dabei, die nun ihre ersten Tage im BVB-Trikot verbrachten, das war auch für Juliane mal ganz angenehm, so war mal nicht sie die Neue, sondern ihr Gegenüber.



Auch Marco, der angeschlagene Kapitän kehrte aus seinem Urlaub zurück und wurde direkt intensiv therapeutisch betreut, um ihn möglichst schnell fit für das Mannschaftstraining zu machen. Glücklicherweise war die Verletzung auch nicht ganz so schlimm gewesen, so dass sie größtenteils schon verheilt war und der Muskel wieder durch die Physiotherapie gelockert und aufgebaut werden konnte.

Juliane hatte einige Therapiestunden bei Marco übernommen, mit seiner ruhigen zugänglichen Art machte er gleich einen sehr bodenständigen und sympathischen Eindruck auf sie und sie hatten schnell einen guten Draht zueinander gefunden. Während der Behandlungen unterhielt er sich meist interessiert mit ihr, über die Ausbildung und das Studium, ihre sonstigen Interessen, erzählte auch mal was von seiner Familie oder sie sprachen einfach über alle möglichen Themen, die sie beide beschäftigten.



So vergingen die ersten Tage der Vorbereitung wie im Fluge und schon stand das nächste Testspiel gegen den SC Verl und gleichzeitig die Abfahrt ins Trainingslager nach Bad Ragaz in der Schweiz an. Frank und Olaf würden die Mannschaft während des Spiels betreuen und dann auch gemeinsam mit ihr per Flugzeug anreisen, während Thorben, Michael und Juliane sich mit Mathias, Johannes und Florian, drei Athletiktrainern und Melf, dem Ernährungsberater, einen Kleinbus teilten und schon einen Tag eher in die Schweiz fahren würden, um die ganze Fitness-Ausrüstung und die Behandlungsräume aufzubauen und alles Nötige vor Ort herzurichten. Die ganze Ausstattung war schon per LKW auf dem Weg und am frühen Donnerstagmorgen fuhren sie mit dem 7-Sitzer los in Richtung Süden. Der zweite große BVB-Reisebus würde die riesige Medienabteilung beherbergen und stand auch schon abfahrtsbereit in Brackel, während der Mannschaftsbus in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages losfahren und die Mannschaft direkt in St. Gallen am Flughafen einsammeln würde.



Thorben auf der Rückbank neben Juliane sitzend, machte schnell klar, dass er während des Trainingslagers beabsichtigt, jede freie Minute zum Schlafen zu nutzen, und setzte dies gleich in die Tat um. Juliane steckte sich auch ihre Kopfhörer in die Ohren und schloss sich ihm an, auch wenn sie den undankbaren Mittelsitz in der hinteren Bank hatte und sich so nicht am Fenster anlehnen konnte.

Der Verkehr war ganz erträglich und sie kamen gut voran, hinter Würzburg fuhr Mathias, auf einen Rastplatz für eine kurze Verschnaufpause und einen Fahrerwechsel. Ein unsanfter Stubser in die Seite riss die junge Frau aus ihren Träumen. Leicht verlegen richtete sie sich auf, kaum dass sie die Augen geöffnet hatte, da hatte sie wohl Thorbens Schulter als Kissen missbraucht. Michael ihr anderer Sitznachbar und scheinbar auch derjenige, der sie geweckt hatte, grinste sie frech an. „Ich habe ein schönes Foto von euch gemacht“, frohlockte er und sprang dann schnell durch die offene Seitentür aus ihrer Reichweite, als er ihren bösen Blick registrierte.

Leicht verschlafen folgte sie ihm grummelnd und streckte sich dann ausgiebig. Die frische Luft tat gut, bei sieben Personen war die Klimaanlage des Fahrzeugs etwas überfordert.



„Sollen wir ihn schlafen lassen?“, fragte sie unsicher ihre Mitfahrer mit Blick auf den weiterhin tief und fest schlafenden Thorben.



„Ja, lass ihn, das ist normal bei ihm. Wir haben auch genug Zeit, falls er doch noch aufwacht und austreten muss, können wir ja noch einmal kurz irgendwo anhalten“, meinte Florian, der schon unzählige Trainingslager mitgemacht hatte.



„Das ist ein gutes Stichwort, ich geh dann mal austreten und vielleicht treibe ich ja noch einen guten Kaffee auf, fahrt nicht ohne mich los“, bat Juliane und lief los in Richtung Raststätte.



Mit einem eher mittelmäßigen Cappuccino ausgestattet vertiefte sich die junge Frau die restliche Zeit in ihr Buch und bestaunte in der Schweiz die schöne Bergwelt, die imposanten Gipfel hatten schon immer einen besonderen Reiz auf sie ausgeübt.

Kaum passierten sie das Ortsschild von Bad Ragaz, kehrte etwas Leben in Thorben zurück, Juliane war fasziniert von diesem außergewöhnlichen Timing.





Das Hotel war beeindruckend luxuriös, das Team wurde herzlich begrüßt und die Zimmer waren schnell verteilt. Rasch stellten sie ihr Gepäck in die Zimmer und inspizierten dann die anderen Räume, die den medizinischen Behandlungsbereich darstellen würden. Einige Mitarbeiter von Arnes Organisationsteam waren schon seit mehreren Tagen vor Ort und schon vieles vorbereiten lassen.

Mehrere nebeneinander liegende größere Zimmer im ersten Stock waren schon so weit ausgeräumt worden, dass sie dort ihre sechs Massageliegen aufbauen und alle benötigten Materialien und Geräte verstauen konnten. Zusätzlich gab es noch ein etwas kleineres Zimmer mit mehreren Tischen und Stühlen, das als Büro dienen würde.

Auf dem gleichen Stock gab es auch noch einen Besprechungsraum für ihre morgendlichen Teamsitzungen mit allen Ärzten und Athletiktrainern und ein weiterer großer Bereich war für das Medienteam reserviert, wo gleich in mehreren Räumen diverse Aufnahmen für die verschiedenen Social-Media-Kanäle des Vereins gemacht werden sollten.

Im Erdgeschoss befand sich der große Speisesaal für die Mannschaft und die Betreuer und ein zweiter für die Medienabteilung und sonstigen Mitarbeiter. Aufgrund von Corona wurden die beiden Bereiche der Delegation doch noch recht streng getrennt und bei näherem Kontakt untereinander mussten auch Masken getragen werden.

Freudig entdeckte Juliane bei ihrem Rundgang einen Flügel in einem der Aufenthaltsräume und konnte es sich nicht verkneifen einige Takte zu spielen, der Klang war im Vergleich zu ihrem elektrischen Piano zuhause unvergleichlich gut.

Draußen im Garten bot das Hotel noch einen mittelgroßen Pool, den sie sicherlich nutzen würde, falls sich die Gelegenheit ergab, vor allem da es in den nächsten Tagen laut Vorhersage sehr warm werden sollte. Auf der Terrasse standen noch zwei Tischtennisplatten, die bestimmt, wie sie die Spieler einschätzte, auch großen Anklang finden würden.



Die drei Physiotherapeuten hatten ihren Bereich relativ schnell grundlegend eingerichtet und beschlossen für heute Feierabend zu machen. Die Feinarbeit mit Handtüchern, Verbrauchsmaterialien und die nötigen Dokumentationsunterlagen würden sie am morgigen Vormittag erledigen.



Bis zum Abendessen war noch etwas Zeit und so beschlossen Michael und Juliane dem Trainingsplatz einen Besuch abzustatten, so bekämen sie auch noch etwas Bewegung nach der langen Fahrt. Der Trainingsplatz lag etwas weiter weg, so dass eine ganze Menge Fahrräder bereitgestellt worden waren, um damit dorthin zu fahren. Es würde auch immer ein Bus fahren, um alle Betreuer, Trainer und die ganze Ausrüstung die nicht dort vor Ort verwahrt wurde hin und her zu transportieren.



Die Beiden ließen sich Fahrräder und Helme geben und den Weg beschreiben, Thorben hatte ihre Einladung dankend abgelehnt und so mussten sie sich alleine zurechtfinden.

Der Weg war nicht allzu kompliziert und eine Viertelstunde später waren sie schon angekommen. Neben dem Fußballplatz mit der kleinen überdachten Tribüne war ein großes Zelt mit Boden aufgebaut worden. Dort würden die Fitnesseinheiten stattfinden, weshalb Florian, Johannes und Mathias gerade dabei waren tonnenweise Material aus einem LKW auszuladen und darin zu verteilten. Spinning Räder, Matten, Rollen und Hanteln in allen Varianten, diverse Gewichte und Bänke dazu und auch ihre Druckmessplatten und alle möglichen anderen Analysestationen mussten aufgebaut werden.

Mathias zeigte ihnen noch kurz die wenigen Räumlichkeiten, dies sie vor Ort noch nutzen konnten und dann verabschiedeten sie sich wieder, um nach einer kleinen Runde durch den recht schönen Ort wieder zum Hotel zurückzukehren.



Das gemeinsame Abendessen in der kleinen Runde war sehr gut und die erfahrenen Betreuer ließen immer wieder lustige Anekdoten zu vorherigen Trainingslagern oder dem Alltag vom Stapel, was für eine gute Stimmung sorgte.

Im Anschluss daran versammelten sie sich auf der Terrasse, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.



Juliane vertröstete ihre Kollegen auf später, es juckte ihr in den Fingern den Flügel ausführlich auszuprobieren. Etwa eine halbe Stunde lang spielte sie sich durch einige Instrumentalstücke, die sie auswendig konnte und genoss den Klang des edlen Instruments in dem großen Raum, bevor sie sich zu ihren Kollegen gesellte.



„Na, genug Frauengespräche geführt, oder musstest du deinen Freund von deinem Wohlergehen überzeugen?“, versuchte Olaf sie etwas aufzuziehen.



„Wie kommst du denn darauf? Mit euch werde ich wohl grad noch fertig werden und außerdem bin ich nicht vergeben, wie du mittlerweile sehr wohl mitbekommen haben könntest“, entgegnete Juliane erstaunt. „Ich habe das gute Schätzchen dort drinnen ausprobiert“, sie deutete auf den Aufenthaltsraum, der auch Türen auf die Terrasse aufwies, die aber verschlossen waren.



Etwas irritiert folgten die Blicke der Männer ihrem Fingerzeig und schauten sich ratlos an, bis Johannes ein Licht auf ging, „Ach der Flügel! Du warst das? Man konnte es nur leise hören, für meine Begriffe klang das aber sehr gut. Spielst du schon lange?“



„Danke, ich habe mit 7 Jahren angefangen und mal mehr, mal weniger gespielt. So gut bin ich auch wieder nicht, aber der Klang ist einfach wunderbar, nicht zu vergleichen mit meinem Piano zuhause“, wiegelte sie ab.



Nun drehte sich das Tischgespräch eine Zeit lang um Musik, Instrumente und dergleichen, bis Thorben beschloss den Abend für sich zu beenden. Juliane schloss sich ihm an und gemeinsam gingen sie hoch zu ihren Zimmern. Kurz räumte Juliane noch ihren Koffer aus und richtete sich im Zimmer ein wenig ein, um dann auch schon müde ins Bett zu fallen, Schlafen so viel es ging, war die Devise, bis morgen mit der Ankunft der Mannschaft nicht mehr so viel Zeit dafür sein würde.



Für den nächsten Morgen hatten sie sich für neun Uhr für die letzten Vorbereitungen verabredet, so dass Juliane ausnahmsweise gemütlich ausschlief und dann in Ruhe kurz nach acht Uhr in Richtung Speiseraum ging. Sie nahm sich einen Kaffee und zur Feier des Tages auch mal ein Croissant mit einer kleinen Auswahl süßer Aufstriche und ging an den großen Tisch, an dem sich ihre Kollegen schon niedergelassen hatten.



Thorben sprang direkt auf und zog sie in eine herzliche Umarmung. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag wünsche ich dir, genieß dein letztes zwanziger Jahr!“



Ihre restlichen Kollegen folgten dem Beispiel und eine Glückwunschrunde später konnte sie sich dann endlich auch an den Tisch setzen.



„Vielen Dank für die Glückwünsche, ich hatte nicht damit gerechnet, dass überhaupt jemand davon weiß“, gab sie dann leicht verlegen, aber freudig überrascht zu.



„Na hör mal, zu irgendetwas muss die Mitarbeiterakte und diese ganze Digitalisierung ja gut sein, vielleicht habe ich da einen kleinen Hinweis bekommen“, scherzte Thorben augenzwinkernd.  



Juliane genoss das gemütliche Geburtstagsfrühstück und mit ausgesprochen guter Laune bereiteten sie in den nächsten Stunden gemeinsam alles für den Beginn des Trainingslagers vor.





Gegen 13 Uhr war die Ankunft der Mannschaft geplant und wie im Tagesplan vorgesehen fanden sich alle bereits anwesenden Betreuer zu dieser Zeit im großen Besprechungsraum ein, wo auf einem langen Tisch unzählige mit Namen versehene Kuverts auslagen. Kurze Zeit später erschienen dann auch die beiden Hauptverantwortlichen Sebastian Kehl und Arne Niehörster, ihnen folgten bald die Trainer, Betreuer und Spieler. Mit einer kleinen Ansprache von Sebastian begann das Trainingslager ganz offiziell. Arne verwies auf die Kuverts mit den Zimmerkarten und dem beigelegten vorläufigen Tagesplan für die Spieler, welchen sie jeden Morgen neu an ihrer Zimmertür finden würden und auf die Kalender der Diensthandys für die Betreuer, welche dort ihre Termine finden würden, weiterhin erklärte er alles andere organisatorisch Wissenswerte, wie Essenszeiten und dergleichen. Damit waren alle bis zum ersten öffentlichen Training um 16:30 Uhr entlassen. Die meisten Neuankömmlinge suchten sich zügig ihre Kuverts und verließen den Raum, Dr. Braun und auch Frank vermieden den Ansturm auf die Zimmerkarten und gesellten sich zu Juliane.



Der Mannschafsarzt umarmte sie herzlich und gratulierte ihr leise zu ihrem Geburtstag, „auch von Martina, Sebastian und Niklas soll ich dich grüßen und dir dies geben, dein Geschenk bekommst du aber erst, wenn wir zurück sind“, murmelte er an ihrem Ohr und küsste sie zart auf die Wange.



Dies alles hatte Frank etwas überrascht verfolgt, sparte sich aber jeglichen Kommentar und gratulierte lieber seinerseits seiner Mitarbeiterin, bevor er sich auch auf sein Zimmer zurückzog.  





Vor dem ersten Training fand noch eine Teamsitzung mit der nun vollständigen medizinischen Abteilung statt, in der die geplanten Abläufe und Einteilungen und auch der aktuelle Status der Verletzten besprochen wurden.

Das erste Training begleitete Frank auf dem Platz und wies dabei Juliane und Michael in die Örtlichkeiten und ihre Aufgaben ein. Wobei sich die Aufgaben nicht groß zu denen des regulären Trainingsbetriebs in Brackel unterschied. Für die Zeit nach dem Training und auch nach dem Abendessen hatten sich schon einige Spieler für Behandlungseinheiten eintragen lassen, so dass alle Physiotherapeuten den ersten Abend schon gut beschäftigt sein würden.





Die gemeinsamen Mahlzeiten waren absolute Pflichtveranstaltungen, pünktlich fanden sich die Mannschaft und das Betreuerteam in dem großen Speisesaal ein und verteilten sich auf die verschiedenen Tische. Juliane ließ sich bei ihren Kollegen nieder und gemeinsam genossen sie das abwechslungsreiche Büfett. Nachdem alle gesättigt waren, entstand eine leichte Unruhe im Saal, scheinbar war keine Nachspeise aufgetragen, was wohl ungewöhnlich war.



Plötzlich erschien Sebastian, mit einem kleinen Kuchen und einer brennenden Fontäne darauf, in der Tür, marschierte gefolgt von Marco auf Juliane zu und stimmte Happy Birthday an.

Nachdem das Überraschungsmoment überwunden war, stimmten alle ein und es erscholl lautstark, mehr oder weniger melodisch, ein Geburtstagsständchen. Leicht verlegen, ob der ungeteilten Aufmerksamkeit, erhob sich Juliane und nahm lächelnd die Glückwünsche und den Kuchen von Sebastian entgegen. Auch Marco umarmte und beglückwünschte sie im Namen der Mannschaft und überreichte ihr strahlend einen bunten sommerlichen Blumenstrauß, den er hinter seinem Rücken hervorzauberte.



Sebastian ergriff dann das Wort und verkündete, dass jeder der möchte sich ein Stück Kuchen am Büfett holen könne, dort hatten inzwischen Hotelmitarbeiter schon einige Platten mit Kuchenstücken und einer Beerenauswahl bereitgestellt. Großer Applaus setzte ein und allseits waren nur noch zufriedene Gesichter zu sehen.



Als sie sich wieder auf ihren Stuhl setzte, wandte sich Frank nochmal an sie und überreichte ihr im Namen des Physioteams ein kleines Präsent, eine Auswahl feiner Schweizer Schokolade als Nervennahrung für die nächsten Tage, wie er augenzwinkernd erklärte.

Erfreut, bedankte sich Juliane und versorgte dann alle Tischnachbarn mit einem Stück ihres schokoladigen Geburtstagskuchens.



Nach dem Abendessen wartete aber wieder die Arbeit auf die Therapeuten und so war es schon nach 21 Uhr, als endlich der Feierabend ausgerufen werden konnte.

Obwohl sie auch schon müde war, wollte Juliane sich ihr alljährliches Ritual nicht nehmen lassen, holte nur rasch auf ihrem Zimmer ihr privates Tablet und begab sich ins Erdgeschoss. Vorsichtig öffnete sie die Tür zu einem der Aufenthaltsräume und spähte hinein, es war glücklicherweise kein Mensch zu sehen und so schlüpfte sie hinein und schloss die Tür hinter sich.





Mats hatte nach dem Abendessen noch eine Aufnahme für eines der Social-Media-Formate hinter sich gebracht und war dann gleich auf sein Zimmer verschwunden. Das gestrige Spiel und das erste Training an diesem Nachmittag saßen ihm in den Knochen.

Müde setzte er sich auf den Stuhl auf seinem Balkon, genoss die grandiose Aussicht auf die umliegenden Gipfel und die Ruhe der Abenddämmerung. Von irgendwo her erklang leise Klaviermusik, die Melodie kam ihm bekannt vor, neugierig beugte er sich über das Geländer. Wenn er sich streckte, konnte er in den Aufenthaltsraum im Erdgeschoss sehen, der seines Wissens, den Flügel beherbergte. In den bisherigen Trainingslagern hatte sich niemand als großartiger Klavierspieler hervorgetan, es interessierte ihn schon sehr, wer dort nun spielte.

Mit dem gedimmten Licht, das in dem Raum herrschte, war es etwas schwierig, aber die Terassentür des Raumes stand offen und die dünnen Vorhänge bauschten sich in der leichten Brise und ließen schließlich doch einen guten Blick auf die junge Frau am Flügel zu.



Juliane saß dort, fast komplett vom Fenster abgewandt, auf dem Flügel hatte sie ein Tablet positioniert und wenn ihn nicht alles täuschte, war dort jemand per Videotelefon zugeschaltet.

Das Stück wechselte und nach einigen Tönen setzte eine klare Frauenstimme mit dem Gesang ein. Wieder ein bekanntes Stück, aber diesmal fiel ihm auch der Titel ein, The Rose von Bette Middler, ein sehr trauriges Lied, welches seiner Meinung nach, nicht so Recht zu ihrem heutigen Geburtstag passte, auch wenn sie diesen Tag hier im Trainingslager verbringen musste.



Mit einigen leisen Tönen verklang das Lied und Juliane blieb einen Moment in sich versunken auf dem Hocker sitzen, sprach dann ein paar Sätze mit dem Mann am Tablet und legte dann die Hände wieder auf die Tasten.



Nach ein paar einzelnen einleitenden Tönen trug der Wind ihre warme Stimme bis zu ihm hoch:





I didn't know today would be our last

Or that I'd have to say goodbye to you so fast

I'm so numb, I can't feel anymore

Prayin' you'd just walk back through that door





And tell me that I was only dreamin'

You're not really gone as long as I believe





There will be another angel

Around the throne tonight

Your love lives on inside of me

And I will hold on tight

It's not my place to question

Only God knows why

I'm just jealous of the angels

Around the throne tonight





You always made my troubles feel so small

And you were always there to catch me when I'd fall

In a world where heroes come and go

Well God just took the only one I know

So I'll hold you as close as I can

Longing for the day, when I see your face again

But until then





God must need another angel

Around the throne tonight

Your love lives on inside of me

And I will hold on tight

It's not my place to question

Only God knows why

I'm just jealous of the angels

Around the throne tonight





Singin' hallelujah

Hallelujah

Hallelujah

I'm just jealous of the angels

Around the throne tonight





(Jealous of the angels, by Donna Taggart)





Zum Ende hin, wackelte ihre Stimme bedenklich und es war klar, dass dieses Lied eine große persönliche Bedeutung für sie haben musste. Die einzelnen Worte konnte er nicht immer genau verstehen, das ganze Lied drückte aber eine große Trauer und Sehnsucht aus.

Die letzten Töne verklangen und sie wischte sich wiederholt über die Augen. Schließlich schloss sie den Deckel der Klaviatur, beendete mit ein paar Worten das Telefonat und blieb einige Minuten sitzen, ganz versunken auf den erleuchteten Bildschirm starrend.



Sich etwas unwohl fühlend, weil er sie in diesem privaten Moment beobachtet hatte, zog sich Mats nachdenklich in sein Zimmer zurück und machte sich bettfertig. Er nahm sich fest vor, irgendwann herauszufinden, was diese, sonst so fröhliche junge Frau, an ihrem Geburtstag so unendlich traurig gemacht hatte.
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