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??? - Die Höhle des Drachen

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Bob Andrews Inspektor Cotta Jeffrey Palmer Justus Jonas Peter Shaw Skinner "Skinny" Norris
12.09.2022
27.09.2022
13
19.033
5
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22.09.2022 1.728
 
Als Bobs Wecker am nächsten Morgen schon um 8 Uhr klingelte, weil er am Vortag seiner Mutter versprochen hatte, die Blumen im Garten zu gießen, schlug Bob nur mühsam die Augen auf.

Die ersten Sonnenstrahlen fielen ins Zimmer und Bobs Blick wanderte unwillkürlich zu seinem Nachttisch. Dort, wo sonst sein Notizbuch lag, war nun ein freier Platz. Er hatte es gestern Morgen noch eine kleine Ewigkeit im Käfer gesucht und überall im Haus geschaut. Aber es war nicht mehr aufgetaucht. Er bedauerte es sehr, dass er es anscheinend verloren hatte und überlegte kurz, ob er noch einmal zum Strand zurückfahren sollte, wo er es zuletzt gesehen hatte. Aber zuerst war er mit Peter und Justus verabredet.

Immer noch träge schälte sich Bob aus dem Bett und schlurfte zum Bad. Seinem Fuß ging es zum Glück schon besser, obwohl er immer noch ein leichtes Pochen vernahm, als er etwas zu schnell die Treppen hinunterlaufen wollte. Seine Eltern schliefen noch und Bob machte sich einen Kaffee, ehe er die Schuhe überstreifte und in den Garten hinaus ging.
Wie im Automodus griff er nach dem Gartenschlauch und begann die Blumen zu wässern. Als er fertig war, holte er sich einen zweiten Kaffee und setzte sich auf die kleine Veranda vor ihrem Haus. Die Sonne hatte schon viel Kraft und Bob genoss die Wärme auf seine Haut. Die Vögel um ihn herum zwitscherten und die Blätter in den Bäumen rauschten. Bob ließ sich in dem Hängesessel zurückfallen und schloss kurz die Augen.

-
„Na du Schlafmütze“.
Bob blinzelte. Seine Mutter stand mit einem frischen Kaffee auf der Veranda und grinste ihn an.
„Hab deine Blumen gegossen“ murmelte Bob und sah auf die Uhr. Schon halb 10. Peter würde ihn sicher gleich abholen kommen.
„Wir fahren gleich los zu deiner Tante. Sicher, dass du nicht mitwillst?“ fragte seine Mutter hoffnungsvoll nach.
„Ganz sicher“ bestätigte Bob, der ganz froh war, ein paar Tage allein sein zu können.
„Na gut“, seufzte seine Mutter. „Ich lasse dir etwas Geld da, aber kauf dir was Vernünftiges zu essen, okay. Du bist ganz schön dünn geworden die letzten Wochen.“
Bob rollte mit den Augen. Auch wenn seine Mutter damit sicher nicht ganz unrecht hatte, wollte er es trotzdem nicht hören.
„Keine Angst, ich werde schon nicht verhungern.“

-
Als seine Eltern endlich losfuhren, winkte Bob zum Abschied und sah dann auf sein Handy. Peter hatte geschrieben.

„Guten Morgen, Bob!
Ich muss noch kurz mit Buddy raus, dann komme ich dich abholen und
wir machen noch kurz einen Abstecher zum Zooladen.
– P.“

Bobs Herz machte einen Satz. In letzter Zeit tat es das fand immer, wenn Peter sich bei ihm meldete. Auch, wenn es nur so etwas banales, wie eine SMS war.

Als Bob grade wieder zum Haus gehen wollte, hörte er ein Auto. Konnte das schon Peter sein? Voller freudiger Erwartung drehte er sich um. Aber da kam nicht Bobs Käfer. Das Auto, dass sich schnell seiner Einfahrt näherte und dann mit quietschen Reifen zum Stehen kam, war ein Camaro.
Bob wusste genau, wem der Wagen gehörte. Die Fahrertür öffnete sich und ein großer blonder Junge mit Sonnenbrille und Basecap trat heraus.
„Jeffrey“ stellte Bob verwundert fest. Was wollte der denn hier?

„Peter ist nicht da“ erklärte Bob, als Jeff ausgestiegen und um das Auto herum zur Beifahrertür gegangen war.
„Ich wollte ja auch zu dir“ sagte Jeffrey freundlich und griff ins Handschuhfach. „Ich glaube, du hast das hier bereits vermisst?“. Bob erkannte sofort, was Jeff da in der Hand hielt.
„Mein Notizbuch!“ Bob war ganz aufgeregt, als er es Jeff aus der Hand nahm.
„Ich wollte es dir schon in Santa Barbara im Skatepark geben, aber da warst du so schnell wieder weg, dass ich keine Gelegenheit gehabt habe.

Bob fiel die Szene am Skatepark wieder ein. Darum war er also dort gewesen. Plötzlich kam ihm ein schrecklicher Gedanke.
„Hast du es gelesen?“ wollte er sofort wissen.
„Ich musste nach deiner Adresse schauen“ verteidigte sich Jeff und sah Bob entschuldigend an.
„Da hättest du auch Peter fragen können“ meinte Bob etwas pikiert.
„Und wenn er mich nach dem ‚Warum‘ gefragt hätte?“ wand Jeff ein.
Bob stutzte. „Wie meinst du das“ fragte er nervös. Hatte Jeff sein Buch so genau studiert?
„Ich hätte ihm sagen müssen, dass ich dein Notizbuch habe und dann hätte er mich bestimmt gefragt, ob er es mal lesen darf…“ sagte Jeff.

Bob ahnte, auf was Jeffrey hinauswollte. Er dachte an das Gedicht, dass er nach dem Unfall auf der Gartenparty in das Buch geschrieben hatte. Es hätte von jedem handeln können. Nur leider hatte er naiverweise eine Widmung dazu geschrieben:

Ich würde dir so gern gestehn,
ich kann nicht mehr als Freund dich sehn.
Die Nähe zu dir tut mir gut,
dein Lächeln gibt mir neuen Mut.
Wenn unsere Blicke sich berührn,
dann würd‘ ich dich so gern verführn.
Für P.

„Und?“ antwortete Bob trotzig und mit leicht rotem Kopf. „Was willst du jetzt machen? Willst du allen erzählen, dass ich schlechte Gedichte schreibe?“
„Nein“ sagte Jeffrey mitfühlend. „Ich will dich nicht outen. Ich will meine Unterstützung anbieten. Falls das mit Peter und dir nicht funktioniert, und du einen Freund zum Reden brauchst…“
„Outen?“ fragte Bob und merkte, dass seine Stimmlage höher war als sonst. Das klang so endgültig. Bob war vielleicht in Peter verknallt. Aber Jeffrey hatte kein Recht sich da einzumischen.
„Ich möchte dir nur helfen, falls du Hilfe brauchst?“ bot Jeffrey an.

Bob wusste, dass Jeffrey es gut meinte, aber es widerstrebte ihm noch, sich Peters Freund zu öffnen. Dafür kannte er ihn noch nicht gut genug.
„Danke fürs Vorbeibringen, aber Peter kommt gleich und es wäre komisch, wenn er uns hier zusammen sehen würde“ erklärte Bob, dem das alles grade zu viel wurde.
„Ich verstehe das“ sagte Jeff verständnisvoll. Bob fiel in diesem Moment auf, dass Jeff diese Phase vielleicht auch schon einmal durchgemacht hatte und fühlte sich auf einmal schlecht, dass er ihm gegenüber so abweisend war. „Falls du doch mal das Bedürfnis verspüren solltest, mit jemandem zu reden, habe ich meine Nummer reingeschrieben“ erklärte Jeff und stieg in seinen Sportwagen.

„Warte“ rief Bob hastig und kam noch einmal ans Seitenfenster heran. Jeff sah ihn abwartend an. „Erzähl Peter nichts davon, okay?“ bat er und Jeffrey lächelte.
„Natürlich nicht“ versprach er.
Dann fuhr er mit quietschenden Reifen vom Hof.

-

Peter kam nur ein paar Minuten später, um Bob abzuholen. Bob stieg auf der Beifahrerseite ein und wurde von Peter und Buddy freudig begrüßt.

„Guten Morgen, ihr zwei“ grinste Bob und schnallte sich an.
Peter lächelte zurück und Buddy leckte Bob freudig übers Gesicht. „Nicht so stürmisch, Kleiner“ lachte Bob und dirigierte den Hund auf seinen Schoß, wo dieser zufrieden während der ganzen Fahrt liegen blieb.
Bevor sie zur Zentrale fuhren, hielten sie im nahegelegenen Tierbedarfsladen an, um ein Körbchen, einen Napf und etwas zu Fressen für Buddy zu kaufen. Außerdem suchte sich Peter ein blaues Halsband für den Hund aus und eine dazu passende Leine.
Als sie schließlich an der Kasse zahlten, fiel Bob ein Plakat neben der Eingangstür auf.

Vermisst!
Katze verschwunden!
Unsere Katze Bubbles ist gestern aus unserem Haus in der Hillwoodterrace nahe des Jachthafens verschwunden. Da sie sich sonst nur in der Wohnung aufhält, machen wir uns große Sorgen!
Wer uns hilft, Bubbles zu finden, dem werden wir einen angemessenen Finderlohn bezahlen.
Bitte melden sie sich bei mir unter folgender Nummer.

Darunter waren eine Telefonnummer und der Name des Frauchens angegeben, sowie ein Foto der Katze zu sehen.
„Mensch Peter!“ flüsterte Bob und zog Peter, der grade seine Geldbörse in seiner Hosentasche verstaute, am Ärmel.
„Was ist denn?“ wollte dieser wissen und Bob zeige stumm auf das eben entdeckte Plakat.

„Als ob wir nicht mit einem Raub, einer Lösegeldforderung, ein paar unheimlichen Männern in Schwarz und einem neuen Mitglied in unseren Reihen genug zu tun hätten, willst du dich auch noch um eine entlaufende Katze kümmern?“ fragte er ungläubig.
„Sieh doch mal genau hin!“ forderte Bob und zeigte mit dem Finger erst auf den Namen der Katze und dann auf den Namen ihrer Besitzerin.
„Kein Zufall“ sagte Peter erneut. „Das müssen wir unbedingt Justus erzählen.“

-

In der Zentrale herrschte geschäftiges Chaos. Justus kramte in Unterlagen, tippte auf dem Computer und begrüßte seine Detektivkollegen und Buddy nur kurz.
Der Hund sprang sofort aufs Sofa und machte es sich bequem.
Blacky beobachtete die Szene aus seinem Käfig heraus und krächzte leise, bis Peter ihn herausließ und mit ein paar Sonnenblumenkernen fütterte. Bob nahm derweil auf dem Sofa Platz und krauelte Buddy gedankenverloren hinter dem linken Ohr.

Er und Peter wussten, dass Justus grade in einer Art Automodus unterwegs war und sie warten mussten, bis er von selbst die Sache, in die er vertieft war, abgeschlossen hatte und sie schließlich einweihte.
Nach ein paar Minuten ließ Justus den Stift fallen, mit dem er grade eine Notiz auf einen Zettel geschrieben hatte und wand sich nun Bob und Peter zu.

„Kollegen“ sagte er bedächtig. „Ihr werdet es nicht glauben, aber Inspektor Cotta hat mich heute Morgen angerufen und uns mit einem neuen Fall beauftragt. Da wir den Fall „verschwundenes Archiv“ offiziell abgegeben haben, meinte er, er würde uns damit noch einen Gefallen tun.“
Er ließ eine dramatische Pause, aber darauf hatten Peter und Bob nur gewartet. Es befriedigte sie, dass sie einmal gleichauf mit dem Ersten Detektiv waren.

„Willst du, Peter?“ fragte Bob großzügig in die Stille.
„Nein danke, Bob“ grinste Peter. „Du hast es gefunden, dann kannst du es auch erzählen!“
Justus sah verwirrt aus, als keiner nachfragte, was er zu erzählen hatte.
„Wollt ihr gar nicht wissen, um was es in dem neuen Fall geht?“ fragte er erstaunt und auch etwas beleidigt.
„Du meinst um ‚wen‘“ korrigierte Bob.
„Bubbles ist ja immerhin nicht irgendeine Katze“ ergänzte Peter.

Justus fiel die Kinnlade herunter. Selten hatten seine Freunde ihn sprachlos erlebt, aber nun genossen sie es.
„Am besten fährst du heute noch nach Hillwoodterrace und siehst dich dort um, Justus“ schlug Bob vor, der innerlich grinste, aber versuchte ein ernstes Gesicht zu machen.
„Und dann kannst du noch Caroline Cotta interviewen, wo sie gestern Abend war. Das ihr Bruder gestern Überstunden machen musste, wissen wir ja“ endete Peter.
Nach einer langen Pause, in der sich Justus erstmal orientieren musste, fragte er: „Woher wisst ihr das alles?“
Peter und Bob grinsten sich verschwörerisch an.

„Ich bin doch verantwortlich für Recherchen und Archiv“ sagte Bob und freute sich, als Peter laut auflachte.
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