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Die Perfekten

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Erotik / P18 / Mix
12.09.2022
27.01.2023
20
31.817
2
Alle Kapitel
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12.09.2022 1.444
 
Buddy: “Guten Morgen Sora!”
“Mhm mhm.” Buddy erkennt einfach immer, wann ich wach bin, obwohl ich noch meine Augen geschlossen habe. Kurz vor dem Aufwachen bewege ich mich mehr, drehe mich nochmal auf eine Seite, dann wieder zurück. Und drei Sekunden, bevor ich meine Augen selbst öffnen würde, begrüßt er mich bereits.

“Wer Buddy ist? Okay, das muss ich Dir vielleicht kurz erklären. Also, wir schreiben das Jahr 2522. Ich glaube, in Deiner Zeit gab es auch schon solche Computerprogramme. Die hießen, glaube ich, warte…Buddy wie hießen diese Programme?”

Buddy: “Vor wie vielen Jahren?”
“500.”
“Alexa, Siri oder Google.”

“Ja, okay. Also, heute gibt es den “Buddy”. Er ist mit meinem Smart-Armband verbunden, dass ich rund um die Uhr trage. Er misst meine Körpertemperatur und meinen Blutdruck. Und er hat Zugang zu allen anderen Buddys auf der Welt, mit denen er sich auch austauscht. Datenschutz gibt es nicht. Darüber hinaus hat er Zugriff auf alle elektronischen Geräte. Alle Menschen haben einen Buddy und wenn wir unterwegs sind, tragen wir immer Kopfhörer, damit er uns Anweisungen geben kann. Wenn wir zu Hause sind, gibt es in jedem Raum Lautsprecher dafür. Den größten Einfluss hat er auf unsere Partnersuche. Die geht nämlich von ihm aus. Wenn alle Algorithmen zusammen passen, dann gibt es einen Match. Und er steuert unsere Ernährung. Daher gibt es keine übergewichtigen Menschen mehr. Ziel ist es, die Anzahl der Menschen auf dem Planeten zu reduzieren, um der Natur nicht mehr Ressourcen zu nehmen, als sie geben kann. Man könnte auch sagen, dass bei den Menschen auf Qualität, statt auf Quantität gesetzt wird. Sie sollen möglichst gesund leben und sich kaum noch reproduzieren. Ähm…was noch? Ach ja, im Vergleich zu damals, sind wir dadurch auch unselbstständiger geworden. Durch die Abhängigkeit von Buddy, müssen wir keine eigenen Entscheidungen mehr treffen.”

Buddy: “Mit wem redest du da, Sora?”
“Was? Ach, ich habe geträumt, dass mich jemand aus der Vergangenheit besucht und dem erkläre ich jetzt unser Leben heute.”
“Interessant, du warst eigentlich schon wach.”
“Ja, und?”
“Also, wenn man bedenkt, dass du eigentlich schon wach warst, würde ich sagen, dass du einen Tagtraum hattest und ein Selbstgespräch geführt hast.”
“Oh man, Buddy?”
“Ja?”
“Hör auf immer so analytisch zu sein, okay? Und hör auf, immer alles zu erklären!”
“Okay, das Analytische kann ich nicht abschalten, aber die Erklärungen…das wird abgespeichert.”

Ich sehe zum Fenster heraus. Es ist bewölkt. Gott sei dank ist es bewölkt. Es gab Zeiten, da gab es fast gar keine Wolken mehr. Aber wir haben mit Hilfe von Buddy den Klimawandel aufhalten können und wir sind immer noch dabei, die Schäden an der Umwelt wieder gut zu machen, die die Generationen vor uns verursacht haben. Ich erzähle dir das jetzt nur in meinen Gedanken, damit Buddy uns nicht zuhört, okay?
Noch weiß ich selber nicht, warum ich dir, meinem imaginären Freund, das erzähle. Ich glaube, ich möchte ein Buch darüber schreiben. Aber Buddy weiß noch nichts davon. Ich möchte dafür erstmal schauen, ob ich überhaupt eine gute Erzählerin bin. Okay? Also gib mir Feedback ja? Warte…haha…nein, also das ist ja jetzt Quatsch, wie soll das gehen? Oh man, ich glaube ich bin noch müde.

Ich strecke mich erst noch ein bisschen in meinem Bett…aarrgh…das fühlt sich gut an. Ich stehe auf und schlurfe zur Toilette. Danach stelle ich mich auf meine Waage.

Buddy: “Du wiegst 68,7 Kilogramm. Das sind 300 Gramm weniger als Dein Idealgewicht. Deine heutige aufzunehmende Kalorienanzahl lautet daher: 2.243.
“Okay, was gibt es zum Frühstück?” Ich gehe zum Mahlzeiten-Fahrstuhl in meinem Esszimmer und öffne die Tür. Ich muss das “Ding” Geräusch (wie bei einer Mikrowelle), heute überhört haben, welches die Ankunft des Essens ankündigt.
“Heute gibt es kein Frühstück, Sora.”
“Was?”
“Wenn ich dich daran erinnern darf. Du wirst heute 18 Jahre alt und wirst am Nachmittag mit deinen Freunden im Café noch Torte essen. Um die heutige Kalorienanzahl nicht zu überschreiten, fällt das Frühstück aus.”
“Was mache ich jetzt?”
Ding!
Ich öffne erneut die kleine Tür vom Mahlzeiten Fahrstuhl und nehme ein großes Glas Wasser heraus.
“Du trinkst jetzt erstmal das Wasser aus und machst dich dann fertig.”
Nun gut, ich setze mich an den Tisch und nehme einen Schluck Wasser. Eiskalt, genauso wie ich es liebe.
“Dann leg mal los.”
“Du hast jetzt 32 Minuten Zeit bis zum Verlassen des Hauses. Dann fährst du zuerst zum Gesundheitszentrum, wo ich bereits einen Termin für dich gemacht habe.”
“Erklär mir das nochmal genau. Was wird dort gemacht?”
“Darf ich Deinen Satz vorhin “Hör auf mir immer alles zu erklären!”, als kurze Laune vermerken und diese Aufforderung wieder löschen?”
“Ja.”, seufze ich und stütze mein Kinn auf meine Hand. Vermutlich würde ich heute noch meine Tage bekommen. Das merke ich immer daran, wenn Buddy das Wort “Laune” in den Mund (bzw. Lautsprecher) nimmt.
“Es wird eine gynäkologische Untersuchung und ein Intelligenztest gemacht. Wenn du beides erfolgreich bestehst, erhältst du den Ring. Das ist ein Goldring, der am rechten Ringfinger getragen wird. Er symbolisiert, dass man auf Partnersuche ist. Das Tragen in der Öffentlichkeit ist Pflicht. Er darf erst abgenommen werden, wenn man seit 100 Tagen eine Beziehung führt. Neben den Verkupplungen, die von Buddys geplant werden, können so auch Offline-Beziehungen gegründet werden, die von Partnersuchenden ausgehen. Eigentlich verfügst du bereits über dieses Allgemeinwissen, Sora. Bist du nervös?”
“Nervös? Nein.” Ich schaue meine rechte Hand an. Wenn ich heute den Ring bekomme, bin ich Freiwild und darf mich mit anderen Ringträgern verabreden und wenn ich das nicht tue, kann es passieren, dass Buddy mich verkuppeln will. Will ich das überhaupt?

*

Als ich das Café betrete, höre ich ein lautes Kreischen und sofort fange ich an zu lächeln.
“Ahri!” Sie stürmt auf mich zu und umarmt mich.
“Zeig ihn mir!” Ich halte ihr meine rechte Hand hin. Sie umfasst mein Handgelenk und hebt meinen Arm nach oben.
“Darf ich um Eure Aufmerksamkeit bitten? Sura trägt ab heute den Ring!” Sie strahlt mich an und drückt mich.
“Happy Birthday to you…” Meine anderen Kollegen fangen an zu singen und kommen aus der Küche mit einer großen Torte, auf der eine Wunderkerze in Ringform angezündet ist. So viel Aufmerksamkeit. Das Café ist voll und alle Gäste schauen mich an. Verlegen kratze ich mich am Hinterkopf und lächele. Als das Lied zu Ende geht, klatsche ich in die Hände und küsse Ahri auf die Wange. Sie ist die beste Freundin der Welt. Nirgendwo anders möchte ich gerade sein. Die Torte wird auf dem Tresen abgestellt und Ahri bedeutet mir, mich daneben zu setzen.

“Okay, ein Stück Torte und dann fang ich aber mit arbeiten an.”
“Ach arbeiten! Du hast heute Geburtstag, das müssen wir feiern. Und den Ring natürlich! Hab ich Recht?” Sie richtet die Frage an zwei Männer, die schräg gegenüber am Tresen sitzen.
“Auf jeden Fall.” Diese Stimme! Ich lecke meinen Finger ab, der sich vorher in die Sahne der Torte versenkt hatte (das tue ich immer, bevor die Torte angeschnitten wird, schließlich ist das MEINE Geburtstagstorte, hehe) und schaue jetzt zu den Männern rüber, die ich vorher nur im Augenwinkel wahrgenommen hatte.

“Wie bitte?” Meine Gedanken rasen. Wer von beiden hat diese Stimme?
“Auf jeden Fall. Du solltest erstmal feiern.” Er lächelt mich an.
Überforderung tut sich in mir breit. Diese Sahne ist sooo köstlich. Diese Stimme… ich habe noch nie so eine Stimme gehört. Sie klingt tief, männlich, aber … ich bin durcheinander … denn jetzt sehe ich in seine Augen. UND. ER. SCHAUT. EINFACH. NICHT. WEG.
So als könnte er in meine Seele blicken. Das sind die schönsten Augen, die ich je gesehen habe… und seine Lippen… er schaut immer noch nicht weg. Die drei Worte ´du hast gewonnen` gehen mir durch den Kopf, den ich nun schnell senke. Ich konnte seinem Blick nicht standhalten und merke, wie ich knallrot werde.

Umständlich klettere ich den Barhocker herunter und gehe geradewegs zur Personaltoilette. Ich schließe die Tür hinter mir und frage leise “Hast du ihn hierher geschickt?” Buddys sind dafür bekannt, dich zu verkuppeln, ohne dass irgendjemand davon etwas merkt.
“Nein, habe ich nicht.”
“Warum zur Hölle, begegnet mir dann der schönste Mann der Welt, nachdem ich den Ring seit einer halben Stunde trage?”
“Sora, ich weise dich darauf hin, immer darauf zu achten, ob ein Mann, der dir gefällt, ebenfalls einen Ring trägt.”
“Er trägt keinen Ring?” Ich überlege, mir die Kopfhörer aus den Ohren zu nehmen. Ich will das hier nicht hören.
“Nein, tut er nicht.”
“Warum nicht?”
“Er ist verbannt.”
Erschreckt lege ich meine Hand auf meinen Mund. Er ist…ein Verbrecher!? Der schönste Mann der Welt mit der erotischsten Stimme…ich muss sofort das Café verlassen!
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