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50 Neppdeppen und ein Mädchen - Durch die Brandwüste

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Mix
Aris Jones Ava Paige Kanzlerin Paige Minho Newt Thomas
08.09.2022
24.11.2022
9
11.056
2
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24.11.2022 953
 
Unmotiviert rapple ich mich schließlich auf, um Minho zu holen und mit ihm zu reden. Ich mache einen Schritt vorwärts, stoppe dann jedoch. Was soll ich Minho denn sagen? Ach, das wird schon. Ich erzähle einfach alles. Erneut gehe ich einen Schritt, bleibe allerdings wieder stehen. Wird er dann schlecht über mich denken, weil ich Janson - wenn auch nur kurzzeitig - geglaubt habe? Nein, bestimmt nicht. Minho wird mich schon verstehen. Entschlossen setze ich einen Fuß vor den anderen, doch dann bleibe ich zum dritten Mal stehen. Was, wenn er es doch nicht versteht? Wenn er sauer ist? Schnell schüttle ich den Kopf und versuche das Gedankenchaos zu vertreiben, das unzählige mögliche Szenarien über Minho's Reaktion beinhaltet. Einmal tief durchgeatmet setze ich mich nun schon zum vierten Mal in Bewegung. Da schießt mir plötzlich ein weiterer Gedanke in den Kopf, der mich innehalten lässt: Was ist, wenn er gar nicht mit mir reden will?
Völlig verzweifelt reibe ich mir übers Gesicht. Wieso bin ich nur so ein Angsthase? Wieso kann ich nicht mutiger sein? Ich traue mich ja kaum, mit meinem Freund zu reden. Geschweige denn zu ihm zu laufen. Frustriert kneife die Augen zusammen und will mir in die Haare greifen, doch die Zöpfe verhindern dies. Nachdenklich betrachte ich einen der beiden. Ist das wirklich mein Haar? Wie kann das denn so schnell wachsen? Gestern hatte ich noch die schulterlangen, krisseligen Haare, jetzt sind sie plötzlich gepflegt, gefärbt und hüftlang. Hat A.N.G.S.T. ein selbstentwickeltes Beauty-Produkt an mir getestet? Oder ist das gar nicht mein echtes Haar? Anders könnte ich mir das nämlich nicht erklären.
Als lautes Diskutieren von innerhalb der Hütte zu hören ist, fällt mir ein, dass ich ja eigentlich zu Minho wollte. Diesmal laufe ich ohne Zwischenstopps bis zur Holztür. Ich drücke diese auf und schon springt mir ein unglaubliches Szenario ins Auge: Thomas und Aris, sowie einige der anderen Jungen reden besänftigend auf den schnaufenden Newt ein, der Minho eine Waffe an den Kopf hält. Man kann deutlich das Verrückte in seinen Augen sehen. Der ehemalige Läufer hält abwehrend die Hände hoch, doch das scheint nichts zu bringen, da Newt die Waffe mit einem Klick-Geräusch entsichert.
Ohne darüber nachzudenken renne ich auf Newt zu und drücke den Lauf der Pistole nach oben. Ein Schuss ist zu hören und ein wenig Holz bröselt von der Decke, doch niemand scheint verletzt zu sein. Bevor Newt etwas unternehmen kann trete ich ihm die Füße weg, sodass er auf den Boden kracht. Die Knarre lässt er fallen, woraufhin ich sie beiseite kicke. Doch so schnell Newt zu Boden gesunken ist, so schnell steht er auch wieder auf. Er schubst mich und ich fliege erst einen Meter nach hinten, bevor ich hart auf dem Boden aufkomme. Newt setzt sich auf mich, presst mich mit einer Hand am Kragen auf dem Boden, die andere hat er bereit zum Schlag angehoben und zur Faust geballt. Doch er schlägt nicht zu.
Das Verrückte in seinen Augen verschwindet und er atmet wieder normal. Er sieht sich verwirrt um, als hätte er nicht richtig mitbekommen, was in den letzten paar Sekunden vor sich gegangen ist. Plötzlich wird er grob von mir gezogen. Minho drückt ihn gegen die nächste Wand und rammt ihm seine Faust aufs Auge.
„Minho, hör auf!“, schreien Thomas und ich gleichzeitig. Thomas zieht ihn von Newt weg, der von dem Schlag wie benebelt zu sein scheint.
„Sag mal, spinnst du?“, will Thomas erschüttert wissen. Newt hat seinen Kopf inzwischen kraftlos zur Seite kippen lassen, die Augen sind jedoch noch leicht geöffnet. Vorsichtig hebe ich Newt's Kopf an.
„Newt, nicht einschlafen, verstanden?“, befehle ich dem Blonden. Dieser nickt daraufhin leicht.
„Ist dir schwindelig? Oder übel?“, frage ich nach. Newt antwortet mit einem Grummeln und schüttelt den Kopf.
„Dein Freund kann echt gut zuschlagen“, grinst er schief und sieht zu mir auf.
„Du Idiot“, grummle ich erleichtert.
Dann drehe ich mich um und winke Thomas her.
Ich suche mich in der Hütte um und erblicke schnell die Tasche mit Krankenhausartikeln. Noch während ich sie zu Newt und Thomas rübertrage, durchsuche ich sie nach einer Spritze. Als diese gefunden ist, knie ich mich vor die beiden.
„Ärmel hoch“, weise ich sie an und desinfiziere beider Arme. Dann nehme ich Thomas' Arm und suche eine Vene. Anschließend entnehme ich dem Dunkelhaarigen ein wenig Blut und spritze es Newt. Im nächsten Augenblick betrachte ich die Stelle unter Newt's Auge, die sich schon rot gefärbt hat und fahre mit meinem Daumen drüber. Plötzlich sehe ich Fynn vor mir, dem ich vor Wochen ebenfalls mit dem Daumen über sein blaues Auge gefahren bin. Da fällt mir ein, dass ich Fynn's Tuch nicht mehr bei mir habe. Es ist das Einzige, was noch von ihm übrig ist. Nur, wo ist es? Ein Blick zu meinem Handgelenk verrät mir, dass es nicht mehr da ist, wo es sein sollte. Wie von der Tarantel gestochen springe ich auf und suche das Tuch, das mehr Bedeutung hat, als man es von solch einem Stück Stoff denken würde. Ich taste mich ab, finde es aber dennoch nicht. Um ganz sicher zu gehen laufe ich raus und hinter die Hütte, wo ich kurz vorher Pfeile gezählt und Stofffetzen zurechtgeschnitten habe. Ich lasse mich auf den Boden sinken und durchsuche alles, doch auch dort lässt sich nichts finden.
Aus dem Nichts kniet plötzlich Minho vor mir, beugt sich leicht zu mir und hält mich sanft an den Schultern.
„Ems, ganz ruhig. Was suchst du?“, fragt er sanft und wischt eine Träne weg, die mir unbemerkt aus dem Augenwinkel gekrochen ist.
„Es ist weg, Minho. Fynn's Tuch. Ich hab's verloren“, schniefe ich.
 
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