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50 Neppdeppen und ein Mädchen - Durch die Brandwüste

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Mix
Aris Jones Ava Paige Kanzlerin Paige Minho Newt Thomas
08.09.2022
19.01.2023
16
17.185
2
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.11.2022 792
 
Ein kehliger Schrei ist zu hören, der nicht weit entfernt zu sein scheint. Ein Crank. Bei dem Geräusch zucken die meisten Lichter zusammen, ich renne aus Impuls nach draußen. Keine hundert Meter entfernt ist ein Crank und rast in Richtung Hütte. Schnell ziehe ich einen Pfeil aus dem Köcher, spanne die Sehne des Bogens und fixiere den Crank. Zischend verabschiedet sich der Pfeil und saust auf den Crank zu, welcher im nächsten Augenblick mit dem Pfeil in der Brust am Boden liegt. Gerade, als ich denke, dass die Gefahr vorüber ist, knurren wenige Meter links und rechts neben mir zwei weitere Cranks.
Vorsichtig, mit bedacht, keine ruckartigen Bewegungen zu machen, ziehe ich zwei Pfeile. Doch die zwei Nicht-Immunen sprinten trotzdessen sofort auf mich zu. Einem der beiden jage ich meinen Pfeil in den Hals, bei dem anderen bin ich jedoch nicht so erfolgreich: Er duckt sich unter dem Pfeil hinweg. Doch kurz bevor er mich erreichen kann, wird er von jemandem zu Boden geworfen. Es ist Minho, wie ich erkenne, der den Crank ordentlich verprügelt.
„Wehe du fasst meine Freundin an, du verfaultes Arschloch!“, brüllt er, während er wieder und wieder auf den Crank einschlägt. Selbst als sich der Nicht-Immune kein Stück mehr bewegt, lässt Minho nicht von ihm ab. So aggressiv und wütend habe ich ihn noch nie gesehen. Minho vermöbelt den Crank immer weiter, bis er schließlich von Newt und Thomas weggezogen wird. Keuchend steht er nun zwischen Newt und Thomas, vollgespritzt mit dem schwarzem Blut des Cranks, das ihm von den Fingerknöcheln tropft. Dann wendet er seinen Blick von der Leiche und sieht zu mir. Unsicher sehe ich zurück. Der ehemalige Hüter der Läufer reißt sich von Newt und Thomas los und kommt auf mich zu. Erneut stehen wir voreinander, niemand sagt etwas oder bewegt sich.
Ruckartig überbrückt er den letzten Abstand zwischen uns, nimmt mein Gesicht in seine Hände und presst seine Lippen auf meine. Erneut gehen mir Jason's Worte durch den Kopf und sofort fühlt sich der Kuss falsch an. Ich drücke Minho ein Stück weit von mir weg.
„Wir müssen weiter, A.N.G.S.T. weiß, dass wir hier sind.“, sage ich monoton, ohne ihm in die Augen zu sehen. Dann entferne ich mich von dem überraschten Jungen, ziehe die Pfeile aus den toten Cranks und lasse ihn und den Rest der Jungs stehen, während ich mich auf die andere Seite der Hütte verziehe, wo ein Schattenplätzchen liegt. Dort angekommen schmeiße ich erstmal den Bogen samt Köcher hin und lehne mich an die Wand. Einmal tief durchgeatmet beginne ich, die Pfeile zu zählen. 30 Pfeile. Anschließend betrachte ich meine Kleidung. Wieso zieht A.N.G.S.T. mir sowas an? Stöhnend rapple ich mich auf und laufe zielstrebig in die Hütte. Die Jungs sitzen verteilt auf dem Boden und überprüfen die Munition. Die Blicke aller ignorierend stapfe ich in eine Ecke, in der Waffen liegen. Dort nehme ich mir ein Messer und mache mich wieder auf den Weg nach draußen. Wieder im Schatten angekommen betrachte ich mein Outfit. Das Kleid ist definitiv zu lang, also schneide ich so viel Stoff ab, dass es mir genau bis zur Mitte der Oberschenkel geht. Den Stofffetzen falte ich zusammen und lege ihn beiseite, damit können wir später Wunden verbinden, falls sich jemand verletzt.
„Hey“, sagt eine Stimme. Thomas steht angelehnt an der Hütte ein paar Schritte entfernt.
„Hey“, erwidere ich. „Was ist? Gehen wir weiter?“
„Nein, noch nicht. Ich wollte mit dir reden“, meint er.
„Schieß los“, fordere ich ihn auf und klopfe neben mir auf den Boden. Thomas setzt sich neben mich und ich sehe ihn auffordernd an.
„Newt hat mir erzählt, was Jason dir verklickern wollte. Ich kann dich verstehen, ehrlich. Aber Minho liebt dich“, erzählt er und ich sehe ihn nachdenklich an.
„Als mich die Mädchen hergebracht haben, war eine bei Minho und hat mit ihm geflirtet. Aber er hat sie nichtmal richtig angesehen. Er hat die ganze Zeit nur über dich geredet, als du weg warst. Und ich glaube, er will nicht, dass du davon erfährst, aber... er hat geweint. Stundenlang.“
„Stundenlang?“, frage ich überrumpelt.
„Nur wegen dir“, bestätigt er nickend. Sofort steigen Schuldgefühle in mir hoch, weil ich auch nur ein Wort von dem geglaubt habe, was Janson mir erzählt hat.
„Ich bin ein schrecklicher Mensch“, nuschle ich in meine Hände, in denen ich mein Gesicht vergrabe.
„Das bist du nicht. Rede einfach mit ihm, er wird's verstehen.“, rät Thomas, klopft mir aufmunternd auf die Schulter und geht dann.
Stöhnend reibe ich mir übers Gesicht und lasse mich auf den Rücken sinken, sodass ich nun auf dem staubigen Boden liege. Langsam denke ich wirklich, dass ich verrückt werde. Falls ich's nicht schon längst bin.
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