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50 Neppdeppen und ein Mädchen - Durch die Brandwüste

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Mix
Aris Jones Ava Paige Kanzlerin Paige Minho Newt Thomas
08.09.2022
19.01.2023
16
17.185
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08.09.2022 1.664
 
Hektisch zerren uns die Soldaten aus den eben gelandeten Helikoptern, rein in ein großes Gebäude. Dabei schießen einige der Soldaten in der Ferne Leute ab. Cranks, um genau zu sein. Ich erkenne sie wieder, ihre zerrissene und blutverschmierte Kleidung, die mit schwarzen Adern übersähte Haut und der humpelnde Gang. In dem Gebäude ist alles modern, nicht wie man es mitten in der Wüste erwarten würde. Wir laufen quer durch die Gänge, den Soldaten hinterher. Dann werden wir alle getrennt und in einzelne Artzträume gebracht, weshalb einige protestieren, letztendlich aber doch nachgeben.
„Auf keinen Fall!“, sagt Minho.
„Kleiner, wir müssen euch untersuchen. Ihr seht euch direkt danach wieder.“, meint ein Soldat. Minho überlegt.
„Wir sehen uns gleich wieder.“, sagt Minho, lässt meine Hand los und folgt einem Soldaten. Ich folge einem anderen und komme in ein Ätztzimmer, in der eine Ärztin sitzt. Sie ist sehr jung, vielleicht Mitte Zwanzig. Sie spritzt mir eine gelbliche Flüssigkeit, gibt mir eine Pille und dann bringt mich ein Soldat weg. Schließlich lande ich in einem großen Raum, in dem mehrere Betten sind. Die anderen sollten jeden Moment kommen, sagt der Soldat. Ich werde ziemlich müde und lege mich hin, kurz darauf bin ich eingeschlafen.

Als ich die Augen wieder öffne, befinde ich mich auf einem metallernen Stuhl in einem grellen, weißem Raum ohne Fenster oder Türen. Dazu habe ich einen grauen Overall an. Meine Arme und Beine sind am Stuhl angekettet, ich kann sie jedoch noch ein wenig bewegen. Hektisch zapple ich herum. Dann wird mir etwas klar: Wir sind nicht frei. Es ist immernoch A.N.G.S.T..
„Lasst mich raus!“, brülle ich. Keine Antwort. Immer wieder brülle ich im den leeren Raum hinein, bis meine Stimme versagt und ich aufgebe. Das bringt eh nichts. Ich versuche, den Stuhl zu bewegen, doch es scheint, als wäre er in den Boden eingeschraubt worden. Es gibt keine Fluchtmöglichkeiten. Wollen die, dass ich hier verhungere? Nach schätzungsweise Stunden schiebt sich ein Stück der Wand zur Seite und ein Rohr erscheint, aus dem Wasser läuft. Die wollen mich ertränken! Wie wild rüttle ich an den Ketten, doch es lässt sich nichts ändern und ich bin schließlich bis zur Brust mit Wasser umgeben. Erst bin ich verwirrt, dann wird es mir klar. Metallketten, Metallstuhl, Wasser. Metall und Wasser leiten Strom! Im selben Moment meiner Erkenntnis fahren sie das Rohr wieder ein und ein Stück Decke schiebt sich beiseite. Diesmal fährt ein silberner, langer Stab einen Meter vor mir herunter. Kommt da der Strom heraus? Meine Vermutung bestätigt sich, als der Stab das Wasser trifft und einen Schlag durch mich hindurch schickt. Vor Schmerz und Schreck schreie ich auf. Der Stab wird wieder hochgezogen, sodass er sich wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche befindet. Dann kommt er wieder runter, ich bekomme einen Stromschlag und er fährt wieder wenige Zentimeter hoch. Ich zähle zehn Male, in denen er mich bis jetzt geschockt hat, dann wird der Stromschlag heftiger. Wieder zehn Mal. Dann eine Stufe höher. Die Stromschläge bekomme ich in Abständen von exakt einer Minute verpasst, wie ich zählen kann. Das passiert immer und immer wieder, bis der Stab irgendwann hochfährt, dass Wasser durch ein kleines Loch im Boden abfließt und eine Platte zu mir runter fährt, auf der eine Schüssel mit grauem Brei und ein Glas Wasser stehen. Von dem Brei esse ich zwei Löffel des Hungers wegen, das Wasser lasse, wo es ist. Kurz darauf fährt die Platte wieder zurück nach oben und verschwindet in der Decke, dann kommt das Rohr wieder und füllt meine Gefängniszelle erneut mit Wasser. Ich flehe, schreie und drohe, doch nichts bringt sie davon ab, mich weiter zu quälen. Immer und immer wieder. Fünf Brei-Platten später habe ich keine Sekunde schlafen können. Das geht immer so weiter und weiter und weiter, bis 21 Platten heruntergekommen sind. Also muss genau eine Woche vergangen sein. Gegessen habe ich nur wenig und kaum getrunken. Jedes Mal, wenn das Wasser abgeflossen ist, bemerke ich, wie mein Körper zittert. Von Mal zu Mal mehr. Wie das Zittern steigt auch mein Hass auf A.N.G.S.T., Thomas und diese Teresa. Ich habe schon fette Blutergüsse an meinen Handgelenken wegen der Ketten. Dann passiert etwas Neues. Direkt vor mir schießt eine Spritze auf mich zu, injiziert mir eine gelbliche Flüssigkeit, dann bin ich weg.

Auf einem Bett wache ich auf. Kein Strom. Fürs Erste zumindest. Doch der Raum ist weiß. Nur weiß. Genau wie meine Zelle vorher. Was haben sie jetzt wieder vor? Ich trage meine Sachen aus dem Labyrinth, als wir geflohen sind. Minho's Shirt, seine Hose und Fynn's Tuch ums Handgelenk. Meine Stiefel stehen neben meinem Bett. Ich stehe mit wackeligen Beinen und zitternden Körper auf und sehe mich um. Zwei Stockbetten, zwei Türen, ein Spiegel an der Wand. Eine davon ist geschlossen und der Griff aus Metall. Vor der halte ich mich erstmal fern. Die andere ist offen und bringt mich in ein Badezimmer. Ebenfalls alles weiß. Bis auf das Waschbecken und einzelne Bauteile wie der Wasserhahn. Diese bestehen aus Metall. Sofort schrecke ich zurück. Nach einer Weile habe ich mich wieder beruhigt. Wegen den verdammten Stromschlägen zittere ich immernoch, als hätte ich viel zu viel Kaffe getrunken. Hoffentlich hört das irgendwann wieder auf. Ich sehe mich im Spiegel an, doch das im Spiegel bin nicht ich. Meine einst welligen, brustlangen Haare sind jetzt krisselig und schulterlang, ich habe tiefe Augenringe und so blasse Haut, als wäre ich noch nie in der Sonne gewesen. Das was ich da sehe, ist einfach nur schrecklich. A.N.G.S.T. ist schuld. Sie haben mir das angetan. Was haben sie erst mit den anderen gemacht? Leben sie überhaupt noch? Und wenn ja, werde ich sie je wieder sehen? Aus Verzweiflung bekommt der Spiegel einen Schlag von meiner Faust und zersplittert in tausende Teile. Meine Hand übersteht diese Aktion unversehrt. Gut. So kann ich auf den nächsten einprügeln, der durch die geschlossene Tür kommt. Doch bevor ich sie überhaupt erreichen kann, öffnet sie sich. Drei Leute betreten den Raum. Ein Fremder, Newt und Minho. Wie eingefroren bleiben meine Bekannten stehen und starren mich geschockt an. Verständlich.
„Emily!“, ruft Minho und fällt mir um den Hals. Ich erwidere die Umarmung so fest ich kann.
„Was haben sie mit euch gemacht? Was haben sie mit dir gemacht? Bist du verletzt?“, frage ich und nehme Minho's Gesicht in meine zitternden Hände.
„Sie haben nichts mit uns gemacht. Wir waren eine Woche lang in einer Cafeteria mit anderen Jungedlichen aus anderen Labyrinthen.“, antwortet Newt.
„Sie haben euch nicht verletzt oder gefoltert?“, frage ich und ein riesiger Stein fällt mir vom Herzen.
„Nein. Was haben sie dir angetan? Du zitterst ja.“, sagt Minho besorgt.
„Mir geht's gut.“, erwidere ich, doch Minho besteht darauf, dass ich es ihm erzähle, also setzen sich Newt und der Fremde, der Aris heißt, auf ein Bett und Minho und ich ihnen gegenüber. Den zerstörten Spiegel ignorieren sie für mich.
„Die haben mir Stromschläge verpasst.“, erzähle ich knapp mit glasigem Blick und fummle an Fynn's Tuch herum. Die drei sehen mich geschockt an und Minho nimmt mich fest in den Arm, als jemand anderes den Raum betritt.
Voller Hass, Trauer und Wut sehe ich stumm Thomas an.
„Emily, was ist denn los?“, fragt Minho. Ich trete an den dreien vorbei und auf Thomas zu.
„Wieso hast du das getan?“, frage ich ihn flüsternd und eine Träne bahnt sich ihren Weg meine Wange runter.
„Was meinst du?“, erwidert er verwirrt, während ich ihm immer näher komme.
„Du bist schuld. Du steckst mit denen unter einer Decke. Wie kann man so grausam sein?“, sage ich nun in normaler Lautstärke. Thomas sieht immernoch völlig verwirrt aus und läuft rückwärts durch einen anderen Raum. Leute drehen sich zu uns um, was mir aber am Arsch vorbei geht.
„Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.“, beschwichtigt er.
„Du hast also keine Ahnung, wovon ich rede? Also haben sie sogar dir die Sperre eingesetzt. Ihrem Liebling. Ist es nicht so, Thomas? Sie mögen dich am meisten.“
„Wen meinst du mit 'sie'?“, fragt er.
„A.N.G.S.T., THOMAS! DIE SCHÖPFER! DU HATTEST DIE IDEE FÜR DIE SCHEIẞ GRIEWER! DU HAST DAS VERDAMMTE LABYRINTH ENTWORFEN! WEGEN DIR SIND SO VIELE UNSCHULDIGE GESTORBEN! WEGEN DIR IST CHUCK, EIN UNSCHULDIGER, KLEINER JUNGE GESTORBEN!“, rufe ich, während mir immer wieder Tränen übers Gesicht laufen.
„Du bist ein Monster, Thomas. Du und diese Teresa. Ihr seid Monster.“, flüstere ich nun und gehe zurück in mein Zimmer, ohne irgendwem auch nur eines Blickes zu würdigen.
„Stimmt das?“, fragt Newt.
„Ja. Ich wusste es seit der Verwandlung. Ich konnte nichts sagen, sonst hätte es wahrscheinlich einen Aufstand gegeben.“, erkläre ich.
„Danke. Das hast du gut gemacht.“, sagt Newt und verlässt den Raum gefolgt von Aris.
„Wer hat überlebt?“, frage ich Minho.
„Insgesamt einundzwanzig.“, gibt er zu. Da schießt mit jemand in den Kopf.
„Ben! Ist Ben hier?“, frage ich.
„Tut mir leid.“, sagt er und schüttelt den Kopf. Als mir wieder die Tränen kommen, umarmt und beruhigt mich Minho. Anschließend zeigt er mir hier alles. Wenn man aus meinem Zimmer tritt, landet man in einem runden Raum. Er ist komplett leer, bis auf einen alten, wackeligen Stu. Genau gegenüber von meinem Zimmer ist ein Anderes. Viel größer mit mehr Stockbetten. Da kommen die Jungs her. Ihre Tür war auch verschlossen, und plötzlich einfach offen. Sie sind schon ein paar Stunden hier, haben aber noch keinen Ausgang oder was zu Essen gefunden. Minho zieht mich wieder zu meinem Zimmer zurück, als mir etwas in seinem Nacken auffällt.
„Warte mal, Minho.“, sage ich und sehe es mir genauer an. Ein Tattoo. A7, der Anführer. Wir sagen Newt bescheid, der mit Thomas redet und in Nu haben alle Anwesenden die Tatoos des Nächsten gelesen. Minho sieht bei mir nach.
„A19, die“, liest er vor, dann stockt er.
„Die was?“, frage ich und drehe mich zu ihm um, um ihn in die Augen sehen zu können.
 
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