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the sea hates a coward

von eigengrau
Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
OC (Own Character)
07.09.2022
19.01.2023
10
40.719
8
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2022 3.182
 
chapter o4.


Das Knarzen der Dielen lies Emory immer und immer wieder zusammenzucken. Die Geschwindigkeit, in der die Männer über das Deck liefen, das abrupte Knallen, welches sich immer wieder wiederholte und doch jedes Mal irgendwie anders klang, ließ ihm in dem Glauben, dass irgendetwas nicht ganz nach Plan verlief.
Immer wieder kniff er panisch die Augen zusammen, wenn der Staub auf ihn hinabrieselte. Das Holz über ihm schien zwar robust, doch wer konnte schon wissen, ob nicht gleich irgendjemand, lauthals schreiend, durch die Decke brechen würde.
Emory wollte gar nicht darüber nachdenken. Dankbar für die Tränen, die seinen Blick zunehmend verschleierten und ihm selbst dann, wenn er die Augen öffnete, die Möglichkeit nahmen, seine Umgebung genauer zu betrachten, versuchte er krampfhaft, seine Atmung wieder zu regulieren.
Er zog die Luft ein, tief. So tief, dass er sich beinahe daran verschluckt hätte. Versuchte, sie für einen Moment in seiner Lunge zu sammeln. Und stieß sie doch stoßartig wieder aus, als das Schiff von einem heftigen Ruck erfasst wurde.
Emory wimmerte. Er glaubte, Moxleys strafenden Blick auf seinem Körper zu spüren, wie er sich durch seine Kleidung fraß, ihm an Ort und Stelle die Kleider vom Leib riss und direkt hinein in seine viel zu feige Seele blickte.
Ein Schauer jagte über Emorys Rücken. Die Tränen, die er für ein paar Sekunden tatsächlich hatte kontrollieren können, begannen bereits wieder, seine Wangen hinabzukullern. Atme einfach.
Emory startete einen neuen Versuch. Er atmete ein. Sammelte die Luft. Atmete aus. Und wiederholte den Vorgang dieses Mal, ohne erneut von den grausamen Bewegungen des Schiffes aus dem Konzept gebracht zu werden.

Emory hatte es geschafft, seinem Atem eine gewisse Ruhe zu verleihen. Einen Rhythmus, der ihn entspannte, dadurch, dass er ihm etwas gab, worauf er sich konzentrieren konnte. Etwas anderes als die Kampfgeräusche zumindest.
Angestoßen durch diesen Gedanken, hielt Emory abrupt inne. Kampfgeräusche?
Wenn er die letzten Sekunden Revue passieren ließ, dann war er sich ziemlich sicher, dass er seit mehr als einer Minute weder dumpfes Knallen, noch schnelle Schritte über sich hatte vernehmen können. War der Kampf etwa vorbei?
Emory schluckte schwer. Selbst wenn der Kampf wirklich vorbei war, hätte er weiterhin irgendetwas gehört. Irgendetwas hören müssen. Außer…

Er wollte den Gedanken nicht zu Ende denken. Den Gedanken daran, was wäre, wenn die Piraten, die Moxley und ihn entführt hatten, bei dem Kampf über ihnen umgekommen waren. Wenn niemand mehr am Leben war, der wusste, dass sie beide in diesem winzigen Kämmerchen gefangen waren. Niemand würde sie finden. Sie würden verhungern. Nein.Verdursten.
Wenn man sie irgendwann doch finden würde, wären ihre Leiber vollkommen vertrocknet. Und noch immer an die Wand gefesselt.
Emory spürte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann. Wie es gegen seine Brust hämmerte, erst schwach und dann immer, immer stärker. Wie die Luft, die sich eben noch so schön in seiner Lunge gesammelt hatte, immer knapper wurde. Wie…

Mit einem lauten Krachen knallte die Holztür, die Emory in den letzten Sekunden vorgekommen war, wie das Tor zu einer anderen Welt, gegen die dunkle Wand. Holz splitterte und für einen Augenblick schien alles in Emorys Körper, seine Atmung, ja selbst sein Herzschlag, auszusetzen.
Gelbe Augen blitzen ihm aus der Dunkelheit entgegen. Wie ein Schleier schien sich die pechschwarze Mordlust über sie zu legen

»Ach, auch mal da«, spöttisch durchbrach Moxleys Stimme die drückende Stille. »Hast ja ganz schön lange gebraucht, Nobubaka.«

Provokant schüttelte Moxley den Kopf, ehe er an Nobu vorbei durch den Türrahmen trat. Nicht, ohne sie mit der Schulter leicht anzurempeln.
Nobu selbst hatte für dieses kindische Verhalten ebenfalls nicht mehr, als ein Kopfschütteln übrig. Augenblicklich richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Emory. In ihren Augen loderte das Feuer.

»Willst du deine Schulden begleichen, oder lieber direkt sterben?«

Emory musste sich zusammenreißen, um sich nicht an Ort und Stelle in die Hose zu machen. Sein Verstand raste, so schnell, dass er weder in der Lage war, einen klaren Gedanken zu fassen, noch, Nobu zu antworten.
Dies schien, trotz der tödlichen Wahl, vor die sie ihn gestellt hatte, gerade auch nicht oberste Priorität zu besitzen. Schließlich hing Emory immer noch an der Stelle fest, an der Moxley aufgestanden war, als wäre nie eine Fessel um seine knackenden Gelenke gelegt worden. Eben dies brachte er nun auch stammelnd zum Ausdruck: »Wie?«

Leider schien Nobunaga seine Frage vollkommen falsch verstanden zu haben. Die Antwort, die sie ihm sogleich entgegenwarf, warf schließlich nur neue Fragen auf:

»50.000 Berry. Bar auf die Kralle. Jetzt. Ansonsten werfe ich dich über Board, sobald wir weit genug von der Insel weg sind, dass du nicht mehr bis zum Ufer schwimmen kannst. Wobei… Vielleicht lasse ich dich die Schulden auch abarbeiten. Oder ich sorge dafür, dass du ein Kopfgeld bekommst, was zugegeben recht schwierig werden könnte, und sacke das dann ein. Die Zeit, die ich dafür investieren muss, rechne ich natürlich als Zuschlag oben drauf. Oder…-«
»Ich gebe es dir!«, gequält versuchte Emory, ihren Redefluss zu stoppen. »Ich gebe es dir, sobald du mich losbindest, damit ich an mein verfluchtes Geld rankomme.«

☠️


Die Sonne, die mittlerweile hoch am Himmel stand, blendete ihn. Das Kreischen der Möwen klingelte in seinen Ohren und das Rauschen der Wellen erinnerte ihn an Tage, an die er sich nicht erinnern wollte.
Innerlich fluchte Moxley. Weil er sich schon wieder auf einem verdammten Boot befand. Und weil er es schon wieder einfach nicht hassen konnte. Ganz egal, wie sehr er sich darum bemühte.
Den Griff um einen aufwändig verzierten Flaschenhals gelegt, führte er das Gesöff, für welches er sich eigens tiefer in den Bauch dieses Kahns begeben hatte, zum Mund.

Der süßliche Geschmack des Likörs war nichts, was Moxley besonders milde stimmte. Er schmeckte nicht nach verrauchten Abenden, gebettet in weichen Betten zwischen geschmeidigen Körpern. Viel mehr schmeckte er nach viel zu kurzen Abenden und viel zu starken Kopfschmerzen.
Doch er hatte auf die schnelle nichts Besseres finden können und da Moxley sich selbst als äußerst genügsame Person bezeichnen würde, konnte er auch damit vorliebnehmen. Zumindest für den Moment.

»Na alter Sack, säufst du schon wieder?«

Moxley stöhnte innerlich. Zumindest war er davon überzeugt. So schwer wie der Seufzer auf seiner Brust gelastet hatte, würde es ihn jedoch auch nicht wundern, wenn er Nobubaka seinen Unmut über ihr plötzliches Erscheinen ganz unvermittelt mitgeteilt hätte.

»Hast du mit dem Bürschchen noch was Unanständiges gemacht, oder warum grinst du so?«

Feuer mit Feuer zu bekämpfen war eine seiner leichtesten Übungen und so versuchte Moxley gar nicht erst, nach einer passenden Antwort auf die Frage der Oni zu antworten. Schließlich wussten sie auch so beide, dass sie recht hatte.

»Besser«, ein verschwörerisches Grinsen zierte ihre Lippen. »Ich hab mein Geld.«
»Das war alles, was ich hatte.«

Emory schälte sich nur zögerlich aus dem Schutz der Dunkelheit heraus. Mit der einen Hand hielt er das Handgelenk der anderen umschlossen. Auf seinen geröteten Wangen glitzerten Tränenspuren im Schein der Sonne.
Obwohl er eingeschüchterter wirkte, als jeder noch so kümmerliche Haufen Elend, so setzte er sich doch überraschend zielstrebig in Bewegung, als er Moxley am anderen Ende des Decks erblickte.
Wenige Meter von ihm entfernt, verlangsamten sich seine jedoch Schritte zunehmend, bis Emory schließlich zum Stehen kam.

»Wie«, er musste noch einmal Luft holen, da seine Stimme bereits dabei war, zu versagen. »Wie hast du das gerade gemacht?«
»Hmm?«

Moxley machte keine Anstalten, den Blick zu dem Knirps zu schwenken. Alles auf diesem Kahn war schöner anzuschauen als das verheulte Gesicht der Dumpfbacke.

»Wie hast du dich befreit? Warum hast du das nicht schon vorher gemacht? Wie…Wieso hast du mich nicht auch befreit?«
»Halt die Schnauze.« Moxleys Stirn begann augenblicklich wieder, unangenehm zu pochen. »Wenn du es wissen müsstest, hätt‘ ich’s dir verraten. Aber es geht dich nichts an, Bengel. Nobubaka war doch da, um dich zu befreien. Keine Ahnung, was du schon wieder für’n Problem hast.«

☠️


Die rauen Fasern der Taue brachen die Sonnenstrahlen und malten winzige, dunkle Streifen auf das Deck der Mantis. Im sanften Wind, der die Küste immer wieder zur selben Uhrzeit erfasste, tanzten die Schatten einen eigentümlichen Walzer.
Ein Detail, welches Emory auf jeden Fall aufgefallen wäre, von Nobu jedoch gekonnt übersehen wurde. Viel zu beschäftigt war die Oni damit, das gesamte Schiff auf seinen Zustand zu überprüfen, der sie, bei genauerer Inspektion, positiv überraschte.
Ganz egal, wie stümperhaft die Piraten mit ihrem Piraten-Sein umgegangen waren, in der Schiffspflege konnte ihnen so schnell keine Crew das Wasser reichen.
Auch die Vorräte, die Nobunaga unter Deck gefunden und an denen Moxley sich bereits zum zweiten Mal bedient hatte, ließen ihre Augen funkeln. Zunächst würden sie erstmal keine Berry in ihre Verpflegung investieren müssen. Wobei… zumindest den Alkoholvorrat würden sie wohl in der nächsten Stadt wieder auffüllen müssen.
Verdammter Moxley.

Den Gedanken im Hinterkopf behaltend, kehrte Nobunaga schon kurz darauf zurück zu ihren neuen Kameraden. Zu Moxley, der sich gegen den Mast gelehnt bereits die zweite Flasche wer-weiß-was in den Rachen schüttete und zu Emory, der nach wie vor in der Mitte des Decks stand, vollkommen überfordert von den Eindrücken und der Frage, was ihm nun bevorstand.
Nobunaga konnte sich seine Antwort auf ihre nächste Frage bereits denken. »Du warst noch nie auf einem Schiff, oder?«

Emory verneinte.
Wie sie es erwartet hatte. Eine echte Landratte also. Beim Himmel, vielleicht war es doch die falsche Entscheidung gewesen, den Dreikäsehoch zu ihrem neuen Käpt’n zu ernennen.

»Na schön, dann lernst du’s jetzt halt auf die harte Tour.« Ihr Grinsen war eine Spur zu schadenfroh. »Wir sind dann bereit.«
»Bereit wofür?«

Emory schien die Situation, in der er sich befand, noch immer nicht vollständig begriffen zu haben. Ob er wohl einen Kater hatte? Oder ob die Piraten ihm ein paar Gehirnzellen aus dem blonden Schädel geschüttelt hatten, als sie ihn verschleppten?

»Für’s Ablegen, du Trottel. Also wirklich.«

Moxley schien drauf und dran, Emory mit der ersten, bereits geleerten Flasche, abwerfen zu wollen, doch Nobus mahnender Blick belehrte ihn eines Besseren und so wand er sich grummelnd wieder seiner neusten Errungenschaft zu.

Während der Blick der Oni auf ihrem trinkenden Kameraden ruhte, gezeichnet von der Frage, wann es so schlimm geworden war, entging ihr, wie der blonde Knirps neben ihr immer nervöser zu werden schien.
Nur Sekunden später brach es aus Emory heraus.

»Wir können noch nicht ablegen! Ich muss noch mein Zeug holen!« Emorys Gesicht war von wahrhafter Panik gezeichnet. »Das ist das Einzige, was ich noch von meiner Mum habe.«

Nobu beobachtete die Situation argwöhnisch. Sie sah, wie Moxley den Mund öffnen wollte, vermutlich, um dem Jungen eine geschmacklose Beleidigung an den Kopf zu werfen, aber Emory ließ ihm gar keine Gelegenheit dazu.

»Wisst ihr… ich erinnere mich nicht gut an meine Mutter.«
Emory nestelte mit seinen Fingern am Saum seines T-Shirts herum. Es fühlte sich seltsam an sich jemanden wie Moxley gegenüber zu öffnen. »Nur daran, was die Leute auf Maedow über sie sagen… keine sonderlich netten Dinge, weswegen ich den genauen Wortlaut nicht wiederholen will. Aber…«

☠️


Je mehr Emory sprach desto genervter schien Moxley von ihm zu werden. Die Furchen auf seiner Stirn vertieften sich nur noch mehr, als er seine Augenbrauen argwöhnisch zusammenzog, während sein rechter Mundwinkel zuckte. Die Sehnen in seinem Handrücken spannten sich an und Emory war sich sicher, dass er ihm gleich eine reinhauen würde, also brach er mitten im Satz ab und suchte unsicher Moxleys Blick.
Emory hatte das Gefühl, als würde Moxley ihm direkt in die Seele starren. Gerade als er den Blickkontakt beschämt abbrechen wollte, hörte Emory wie Moxley entrüstet seufzte. Der Ältere wendet sich ab und Emory musste sein Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass er mit den Augen rollte.

»Du hast zehn Minuten. Wenn du nicht pünktlich bist, kannst du nach Ka No Kuni schwimmen.«

☠️


Er spürte, wie Nobunagas Blick unverhohlen auf ihm ruhte, doch Moxley störte sich nicht daran.
Ächzend erhob er sich, begleitet vom hämischen Knacken seiner Knochen.
Er wusste, dass sie etwas sagen wollte. Und dass sie es doch nicht tat, weil sie trotz all den Jahren noch immer der kleine Schiffsjunge war, dem er den Hintern versohlt hatte, wann immer in ihm der Drang dazu aufgekommen war.
Etwas, was sie bei genauerer Betrachtung gerne nochmal wiederholen durften. Dann jedoch auf… erwachsenere Art. Und am Besten ohne den scheiß Bengel.

»Wieso passiert immer mir so ein Dreck?«

Moxley sprach mehr zu sich selbst, als zu irgendjemand anderem. Dennoch registrierte er im Augenwinkel, wie Nobunaga zu einer Antwort einsetzte.
Faszinierend, dass sie trotz all den Jahren unter Menschen, noch immer nicht mit ihren rhetorischen Fragen zurechtkam. Faszinierend und ein wenig bezeichnend.

»Ey Nobubaka, wenn es mich das nächste Mal hierher verschlägt, erinnere mich daran, dass ich dieses Dreckskaff von einer Insel niederbrenne.«

Er wusste, dass sie seine schlechte Laune nicht in Frage stellen würde. Weil sie von ihm nichts anderes gewohnt war. Und auch, wenn dies ebenso bezeichnend war, wie Nobunagas rhetorische Defizite, so war er in diesem Moment doch froh darüber. Weil er keine Lust auf Fragen hatte. Vor allem jetzt nicht, in seinen letzten Momenten Ruhe, ehe der Bengel ihn wieder wie eine Zielscheibe durchlöchern würde.
Irgendwie musste er ihn an Nobu loswerden.

»Was machst du da?«

Eben diese war gerade in Begriff, zu ihm herüber zu kommen. Neugierde spiegelte sich in ihrem Blick, gemischt mit einem Hauch Verwirrung, den sie nicht einmal ansatzweise zu verstecken versuchte.
Die Stirn in Falten gelegt sah sie dabei zu, wie Moxley dabei war, den Anker zu lichten und die letzten Leinen, die das Schiff noch am Steg hielten, zu lösen.

»Wolltest du dem Kleinen nicht zehn Minuten geben?«
»Hmm.« Moxley zuckte teilnahmslos mit den Schultern. »Zeitgefühl war noch nie meine Stärke.«

Sein Grinsen strafte seine Aussage als Lüge.

☠️


Das sanfte Plätschern der Wellen, die gegen den Bug der Mantis schwappten, schaffte es nicht, Emorys Keuchen zu übertönen. Dafür war es viel zu ohrenbetäubend.

Nobu schüttelte spöttisch den Kopf, während sie ihm eine Hand reichte, um wieder auf die Beine zu kommen.

»Also wirklich, Käpt’n. Du kannst nicht saufen, du kannst nicht rennen. Mal schauen, ob wir auf der Grand Line irgendetwas finden, was du kannst.«
»Pff.« Wie eine Ohrfeige schallte Moxleys Stimme über das Deck. »Das bezweifle ich.«

Emory versuchte, zum Konter anzusetzen, doch alles, was seinen Mund verließ, war ein weiteres, hektisches Schnappen nach Luft. Erst eine halbe Minute später fühlte er sich bereit, einen neuen Versuch zu starten.

»Ich habe nie zugestimmt, dass ich der Käpt’n bin.« Sein erschöpfter Blick spiegelte sich in Nobus Augen. »Es gibt bestimmt jemanden, der dafür besser…-«
»Es gibt Moxley«, sie unterbrach ihn, ehe er den Satz beenden konnte. »Und der ist ganz sicher nicht besser geeignet, Käpt’n. Sei ehrlich zu dir, du weißt das nämlich auch. Und wenn du nicht hier sein wollen würdest, wärst du nicht so gerannt, huh.«
»Ich…-«

Dieses Mal war es Emory selbst, der seinen Satz unterbrochen hatte. Ein weiteres Mal spiegelte sich Panik in seinen Augen.

»Ich habe ganz vergessen, mich bei Alma und den anderen zu entschuldigen! Und mich zu verabschieden! Oh Gott, so kann ich doch nie wieder zurückkommen!«

Emory hechtete plötzlich, gepackt von neuer Energie, zum Heck. Moxley schnalze nur mit der Zunge und wand seinen Blick Nobu zu, die genau denselben, fiesen Witz auf den Lippen trug, wie er selbst.

»Witzig. Der glaubt wirklich, dass er es lebend nochmal hierher zurückschafft.«

Vermutlich war es zu seinem eigenen Vorteil, dass Emory nicht wirklich verstand, was die beiden sagten. In diesem Moment interessierte es ihn zugegeben auch kaum. Er hatte schließlich genug damit zu tun, auf den eigenen Beinen stehen zu bleiben. Zu realisieren, dass sie bereits dabei waren, aus dem kleinen Hafen auszulaufen. Wenn er jetzt ins Wasser springen würde, um sich zu verabschieden, konnte er sich die Verabschiedung gleich sparen. Wieder zurück aufs Schiff würde er es mit Sicherheit nicht schaffen.

Aber wollte er es denn zurückschaffen?
Wollte er gemeinsam mit diesen zwei schrägen Vögeln in See stecken und sein Leben riskieren?
Nur, um seinen Vater zu finden?

Gedanklich strich Emory das ‚Nur‘ aus seinem letzten Satz. Um seinen Vater zu finden. Genau dies war der Antrieb, der Grund, aus dem er überhaupt noch hier war. Weil er es tun ‚musste.
Emory ballte die Hand zur Faust. Er wollte sich zu Moxley und Nobunaga umdrehen. Ihnen von seinem neu erwachten Kampfgeist erzählen. Doch noch ehe er sich vollends um die eigene Achse gedreht hatte, wurde er das Schiff von einer heftigen Welle erfasst.

Hart krachte Emory gegen die Reling. Die Kräfte der Natur hatte ihn herumgeschleudert, wie ein kleines Blättchen im Wind. Und in ihm noch etwas ganz anderes.

☠️


Die Wellen, die gegen den Bug des Schiffes schlugen und es immer wieder ins Wanken brachten, zauberten eine fantastische, wahnsinnige Melodie, die nur von denen gehört werden konnte, die nicht gerade mit dem Kopf über einem Eimer hingen, die normalerweise wohl einem ganz anderen Zweck dienten. Emory gehörte nicht zu den Auserwählten.

»Hey Em, wie sieht’s aus? Lebst’e langsam wieder?«

Emory fehlte die Kraft, um zu Nobunaga hinaufzublicken. Wie ein Fels stand sie auf dem Deck, unerschütterlich, ganz gleich, wie sehr das Meer kämpfte, sie zu Fall zu bringen.
Er konnte die Belustigung in ihrer Stimme hören. Hören, wie Moxley im Hintergrund hämisch zu lachen begann.
In ihren Augen war er ein Schwächling.

Obwohl Emorys neugefundene Entschlossenheit in diesem Moment noch beinahe unerschütterlich waren, war sein Körper doch nicht zu mehr in der Lage, als einem gequälten ‚Hm-mm‘ und einem, in die Luft gereckten Daumen.

»Gut.« Nobu klopfte ihm lachend auf den Rücken. »Schön weitermachen.«

Emory wollte nicken, doch noch in der Bewegung spürte er, wie etwas ganz anderes sich in Bewegung setzte. Er wollte wimmern, doch dazu blieb keine Zeit. Die Augen geschlossen haltend schickte er ein Stoßgebet an den Himmel, ihn endlich zu erlösen. Von der Übelkeit und von Moxleys verdammtem Geschwafel, der nicht einmal seine schlechte Verfassung unkommentiert lassen konnte.

» Jedes Mal, wenn ich denke die Messlatte für das Balg kann nicht noch weiter sinken, schafft er es sich darunter hindurch zu winden…«

☠️


Und während im Westen die Sonne verbrannte und das Meer in schöneren Farben färbte, als je zuvor, zogen Wolken über den Teil dieser Welt, der den roten Feuerball niemals zu Gesicht bekam.
Blaue Fäden spannten sich über den Himmel. Gleich dem Rad eines stolzen Pfaues breiteten sie sich aus, um all das Unheil, welches die Dunkelheit mit sich brachte, von denen abzuhalten, die vor ihnen rasteten.
Die Augen des Pfaues blitzten verdächtig, als er dem Herrn dieses Teiles der Welt verkündete, was dieser sowieso längst wusste.

»Ein kalter Wind ist aufgezogen. Wir sollten ihn im Auge behalten. Nicht, dass er zum Orkan wird.«
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nachwort




Hallo ihr Lieben,

hier das vierte Kapitel, heute mal etwas früher! :3 Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht, das war schon mein letztes vorgeschriebenes Kapitel und die Einsendefrist ist mit der Verlängerung in 1 ½ Wochen auch schon wieder rum xD

Wie immer ein herzliches Dankeschön an die lieben Reviewschreiber Grauschwinge, Liya Pheles und Shadow Crystal !

Ich bin schon mega gespannt auf eure Steckbriefe und wer sich schlussendlich in Emorys Crew verirren wird! :D

eigengrau ❤️
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