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Reisetagebuch

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
05.09.2022
27.09.2022
30
23.707
6
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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22.09.2022 1.360
 
Der Start in den Tag? Ein alltägliches Ereignis hier bestehend aus nicht aufstehen wollen, sich einen Tee machen, genervt von dem Köter nebenan sein, eine Tasse – bzw. heute war es ein Teller, da die Tasse mit Tee schon gefüllt war – Müsli verspeisen und zur Uni dackeln.

Auf dem Weg dorthin sah ich eine tote Taube am Wegesrand liegen. Igitt.
Aber dafür eine weniger, vor der ich Angst haben muss, dass sie bei offenem Fenster in meine Bude fliegt…

In der Uni ging ich auch meiner neu etablierten Tradition das Menü zu übersetzen nach. Heute gab es unter anderem gebratener Guss mit Käse. Aha. Während ich da also saß und mich fragte, was zum Geier ein gebratener Guss mit Käse ist, sagten mir die Jungs, die schon vor mir da waren, dass der Nachmittagsunterricht heute ja ausfällt und ob ich trotzdem hier esse. Ich verneinte letzteres und war genervt, dass ich ersteres vergessen hatte. Ich hatte gestern Abend extra noch die Hausaufgaben gemacht…

Wir hatten also nur den für mich lustigsten Unterricht, in dem wir heute alte Magazine auseinanderschnippeln durften, weil wir eine – genau genommen sogar insgesamt 5 – Collagen machen sollten. Als Übung für unsere Farbwahrnehmung, oder wie unsere Professorin es immer nennt: Den „Augenmuskel“.
Wir schnippelten und rissen und sammelten Papierfetzen und klebten und auf einmal war der Unterricht schon vorbei. Dabei war kaum jemand von uns schon fertig, also mussten wir unsere gesammelten Papierfetzen irgendwie aufbewahren, mit nach Hause nehmen oder beim nächsten Mal komplett von vorne anfangen…
Ich stopfte meine also zwischen ein paar Seiten Buntpapier, das ich eigentlich als Hintergrund benutzen wollte, es aber nicht tat, und diese wiederum in mein Sketchbook.

Den „freien“ Nachmittag nutze ich um die Bürokratie, die ich schon lange vor mich herschob, endlich soweit mir es möglich war fertig zu machen und – davor sogar – einen Happen zu essen. Der Teller Müsli heute Morgen war nicht unbedingt sättigend. Das schlimmste an dem ganzen Papierkram war, dass ich es digital machen konnte. Und wer jetzt denkt, dass sei einfacher: nein. Es fängt schon beim Login auf der Website an: „Bei deiner Frage ist ein Fehler der Seite aufgetreten“, „Die Seite reagiert nicht“, „Zeitüberschreitun“, „Fehler: Gesicherte Verbindung fehlgeschlagen“ UND WAS SONST NOCH SO ALLES.

Als ich dann am Ende war mit dem Papierkram – und damit auch nervlich so halb – war ich dabei einer meiner üblichen Menschens zu schreiben, ob wir uns doch noch treffen wollten. Ich hatte die Einladung zu einem Ausflug direkt nach der Uni nämlich abgelehnt, damit ich mich um den Mist da Kümmern konnte.
Da fing es auf einmal an so richtig zu Schütten. Vielleicht sogar hageln, weil die Tropfen echt fett aussahen, aber das konnte ich dann auch nicht mehr so genau unterscheiden.
Danke Wetter.

Der Schauer beruhigte sich jedoch schnell wieder und ich konnte wieder einen Regenbogen sehen.
Wir beiden Mädels machten eine Uhrzeit aus, die noch etwas hin war, damit sie noch Zeit für ihre Arbeit hatte und ich noch Hausis oder ähnliches machen konnte.
Da fing es wieder an zu Schütten. On-Off Regenwetter hier, aber diesmal war es noch etwas heftiger als vorher, dazu noch Wind und die Tropfen flogen fast horizontal…Das konnte ich ziemlich gut beobachten wie ich da im Trockenen auf der Couch fläzte, den Laptop aufm dem Schoß und in eine Kuscheldecke eingehüllt.

Ja, Pustekuchen mit den Hausis, ich bekam von der Schule direkt die angefragten Formulare zurückgeschickt, die ich dann auch hochladen wollte. Und dann kam die ganze Chose mit dem Login. Erneut. Und die Fehlermeldungen. Erneut. Und als ich endlich drinnen war, klappte das Hochladen anscheinend auch nicht, weil – wer kann es erraten? – eine FEHLERMELDUNG kam. Dann hatte ich keinen Nerv mehr und brach zu dem ausgemachten Treffen auf.

Weil ich etwas früh war, brachte ich noch schnell den Müll mit raus. Vor dem Gebäude traf ich jedoch die nicht bestellte vor der Tür an, unterhielt mich mit ihr ein wenig, bis die richtige herunter kam. Wir staxelten die Straße entlang, eigentlich planlos, wie wir zu dem angepeilten Laden kämen, bis ich meine heilige MapsApp, die mich schon so oft gerettet hatte, hervorzückte. Ich habe einen schlimmeren Orientierungssinn als ein betrunkener Affe, der Fahrrad fahren lernen will, aber Karten lesen ist mein Ding.

Erfolgreich betraten wir also den angepeilten Laden und ich musste etwas schlucken, weil es ein Kleidungsgeschäft ist. Ich bin kein Fan von Fashion und gehe zudem ungern einkaufen. Man kann sich denken, welche große Freude es mir bereitete in einem Kleidungsgeschäft herumzuwuseln, in dem es auch noch warm und stickig war. Ich lief also einfach nur wie ein gut dressierter Hund dem Grund, weshalb ich überhaupt hier war, hinterher. Was man nicht alles über sich ergehen lässt für Freundschaft, aber ich hatte ja eh nicht viel Besseres zu tun und versicherte der Verunsicherte, dass mich das nicht allzu sehr stört. Was ja auch der Fall war.

Zum Glück gingen wir danach als Belohnung in eine Boulangerie, kauften uns einen Kaffee und ein dazu passendes Stückchen – ich schnappte mir die letzte Mohnschnecke – und streunerten danach weiter in der Stadt herum. Wir fanden eine riesige Halle, in der mehrere Marktstände aufgebaut waren, die aber alle unbesetzt waren. Sie hatten nur bis halb vier offen, was wir dank der vielen Aufkleber/ Zettel mit den Öffnungszeiten erfuhren. Auf unserem Restlichen Weg gingen wir jedoch immer wieder in kleinere Kleidergeschäfte, schnüffelten nur und verließen sie wieder.

Bei dem Carré angekommen gingen wir sogar dort in den H&M, der laut der Expertise meiner Freundin bessere Sachen hatte als die in Deutschland – ich hab keine Ahnung, da ich mich immer noch nicht für Kleidung interessierte – aber kauften auch hier wieder nichts. Das Carré beherbergte ja auch den BubbleTea shop, in dem das letzte Mal das Licht einfach ausging, und da ich herausgefunden hatte, dass man mit der internationalen Studentenkarte hier Prozente bekam, machten wir einen kleinen Abstecher dorthin. Ich holte mir auch diesmal kein BubbleTea, sondern einen caramel Latte.

Das war der letzte Ausflugspunkt des Tages. Wir gingen wieder zurück in unsere Behausungen, in der ich erst einmal eine heiße Dusche nahm. Ich weiß nicht warum, aber ich fühlte mich danach.
Da konnte ich auch endlich meine neu erworbene Haarmaske ausprobieren, zu der ich überredet wurde. Mal sehen, ob sich dadurch mein Spliss bald geschlagen gibt.

Solange meine Haare lufttrockneten – ich besitze keinen Fön – schrieb ich an meinem Tagebuch weiter und bemerkte beim versehentlichen Öffnen des E-Mail-Programms, dass ich anscheinend doch Erfolg hatte beim Hochladen trotz der Fehlermeldung? Müsste ich spätestens beim nächsten hochzuladenden Dokument überprüfen, vorausgesetzt ich kann mich anmelden.
Kurz darauf bekam ich schon eine Nachricht von meiner Mutter, mit der ich nun einen etwas zu lang geratenen Videochat führte. Wie immer verquasselten wir uns ein wenig, aber das machte nichts.
Ich bemerkte, dass ich noch etwas auf meiner To-Do Liste stehen hatte, wobei es mir dann sehr gelegen kam, dass ich meine Mutter in der Leitung hatte, denn sie musste mir ein paar Daten übermitteln, die ich nicht hier parat hatte.

Es ging um die Rückerstattung vom Preis des Semestertickets in den drei Monaten, in denen das 9€-Ticket erworben werden konnte. Und weil ich es nur online machen kann, brauchte ich die Ticketnummer sowie das Kaufdatum des Semestertickets, das ich nicht mitgenommen hatte. Warum auch?
Aber wie es heute schon den ganzen Tag war, hasste mich das Internet auch diesmal und feuerte mir eine Fehlermeldung ins Gesicht. Danke. Du mich auch.
Aller Guten Dinge sind drei. Das bewies sich, als ich zum dritten Mal die vermaledeiten Daten auf dieser Seite eingab und tatsächlich abschicken konnte, ohne einen Error als Ergebnis zu erhalten. Nein, diesmal bekam ich sogar die Bestätigungsmail, dass der Antrag eingegangen ist. Hurra, ich bekomme (hoffentlich) etwas Geld zurück!

Danach machte ich mich an die Bestellung meiner Mutter: Ein Buch.
Genau genommen das 11. einer Buchreihe.
Und weil ich schon dabei war: noch ein Buch. Für mich. Einfach weil ich kann.
Natürlich bestellte ich das nicht hier her, sondern an die Heimatadresse meiner Eltern, sodass das Paket auch angenommen und eines der Bücher auch direkt gelesen werden konnte.

Und weil ich danach kein Bock mehr auf den Tag hatte, ging ich ins Bett.
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