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Tödliche Leidenschaft

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Krimi / P12 / MaleSlash
04.09.2022
09.09.2022
6
19.100
4
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05.09.2022 3.574
 
...(Sichtwechsel: Liam)...

Es ist Mittwoch, 05:49 Uhr und ich befinde mich in eines der Polizeireviere unserer Stadt. In einer Hand halte ich einen Becher frisch gebrühten Kaffee, die andere stütze ich neben mir auf den Tisch, auf den ich sitze, ab. Mein Blick haftet dabei auf das Board, an dem wir alle bisherigen Indizien des zu bearbeitenden Falles angebracht haben. Abschätzend begutachte ich die Bilder, die den Tatort, das Opfer und die gefundenen Beweise zeigen. Von den Beweisen gibt es nicht viel, da das meiste am Tatort, eine kleine Wohnung, verbrannt ist. Okay… Eigentlich gibt es gar keine Beweise, jedenfalls nichts, was uns nützen könnte, den Täter zu identifizieren.

“Schon wieder ein neues Opfer?”, ertönt eine tiefe Stimme hinter mir und ohne mich um zu drehen nicke ich bestätigend.

“Na. Ausgeschlafen?”, erkundige ich mich noch und lausche dem kurzen ironisch klingenden Lachen.

“Nein! Du hast mich ja geweckt.”, kommt es als Antwort und nun drehe ich mich doch um, sehe meinen Partner Schulterzuckend an.

“Warum soll ich denn auch alleine an dem Fall arbeiten? Immerhin ist es auch deiner, wir sind Partner und sollten den zusammen lösen.”

“Wieso sagst du nicht einfach, dass du meine Hilfe brauchst, weil du selber nicht weiterkommst?” Manchmal kann Patrik, mein Partner, wirklich arrogant sein. Dabei kommt er an dem Fall genauso wenig weiter, wie ich. Immerhin arbeiten wir schon einige Wochen daran, diesen Irren zu schnappen. Und nun haben wir schon das vierte Opfer, in zwei Wochen.

“Ist das wieder unser Feuerteufel gewesen?”, erkundigt er sich, nachdem er eine Weile auf das Board geschaut hat.

“Ja. Jedenfalls gehe ich davon aus. Es ist dieselbe Vorgehensweise, wie die letzen Male.”

“Und lass mich raten. Wie die letzten Male, hat er keine Spuren hinterlassen, mit denen wir seine Identität ausfindig machen können?”

“Genau.” Frustriert kommt mir dieses Wort über die Lippen, drehe mich dann wieder um, sehe nun ebenfalls wieder auf das Board.

“Wer ist diesmal das Opfer?”, möchte mein Partner wissen.

“Ein junger Modedesigner, in der Ausbildung. Sein Name: Dennis Mortima, 21 Jahre, Single, Lebt alleine.”

“Verwandte? Freunde?”

“Eltern leben in einem winzigen Dorf, er ist allein hier in die Großstadt gezogen. Freunde hat er hier noch keine.”

“Und wird auch keine mehr bekommen.” Über diese Aussage kann ich nur meine Augen verdrehen. Manchmal hat Patrik schon einen seltsamen Humor.

“Wer hat den Mord gemeldet?”, möchte er nun weiter wissen.

“Niemand. Es wurde der Brand gemeldet. Circa 02:03 Uhr in der Nacht rief eine Frau bei der Feuerwehr an, sie war ganz aufgelöst, immerhin wohnt sie auch in dem Mehrfamilienhaus. Sie war auf den Weg zur Arbeit, als ihr das Feuer in dieser Wohnung auffiel. Sie hat zufällig nach oben geschaut, warum weiß sie nicht mehr. Und nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte und endlich in die Wohnung konnte, fand man den jungen Mann, oder besser gesagt seine verkohlte Leiche.”

“Wie kommt man darauf, dass es unser Feuerteufel war und kein Unfall?”

“Unser Gerichtsmediziner hat Spuren an der Leiche gefunden, die darauf hindeuten, dass dieser kurz zuvor Sex hatte, außerdem schien sein Hals zusammengedrückt worden zu sein. Es gab auch Indizien, die auf einen Erstickungstod hindeuten.”

“Also Dinge, die darauf weisen, dass es sich um unseren Serienmörder handelt.” Ja. Mittlerweile dürfen wir ihn so bezeichnen. Vier Morde sind genug, um ihn als Serientäter abzustempeln.

“Langsam reicht es!" Patrik klingt wütend. Was ich gut verstehen kann, dennoch sehe ich fragend zu ihm.

"Ich meine… Der Typ verarscht uns, führt uns an der Nase herum und lacht sicherlich über unsere Unfähigkeit ihn zu schnappen." Ja… da hat er wohl Recht.

"Das ist einfach frustrierend." Damit auch.

"Vielleicht sollten wir undercover ermitteln. Uns als leichte Opfer anbieten und hoffen, dass er anbeißt.", schlage ich vor, da mir nichts besseres einfällt.

"Das wird nicht funktionieren. Wenn ich mir die Opfer so anschaue, passen wir Beide nicht in sein Beuteschema..." So ungern ich es zugebe, aber auch damit hat er Recht. Wir sind Beide groß, er 1,92 Meter und ich 1,90 Meter, außerdem sind unsere Körper durch das Polizeitraining sportlich geformt, weisen also an den richtigen Stellen Muskeln auf, nicht zu viel, aber dennoch sichtbar. Und die Opfer… Na ja.. Sie sind eher etwas kleiner, von 1,70 Meter bis 1,81 Meter und sind eher schlaksig und auch nicht kräftig, so wie wir.

“... Außerdem wissen wir gar nicht, in welcher Lokalität er sich seine Opfer sucht. Bisher gingen die jungen Männer in unterschiedliche Bars oder Discos.”

“Ich weiß…. Dennoch…. Irgendwas müssen wir doch machen können?!” Langsam verzweifle ich echt an den Fall. Und dabei haben wir hier noch einige andere ungelöste Fälle, die ebenfalls ungeklärte Morde sind. Nur gab es da andere Vorgehensweisen. Nichts, was man miteinander verbinden kann. Außer, dass der jeweilige Täter keine Indizien, mit denen wir ihn überführen könnten, zurückgelassen hat. Aber das war es auch, weswegen sie wohl nichts miteinander zu tun haben.

“Hoffen, dass der Täter irgendwann einen Fehler macht?”, schlägt mein Partner vor, was mich nur frustriert seufzen lässt.

“Ich hoffe nur, dass das bald passiert. Wenn wir noch einen Fall ungeklärt lassen, lacht noch die Presse über uns.” Nicht, dass sie das nicht sowieso schon tut. Oder sie beschwert sich darüber, wie unfähig die Polizei doch sei. Im ernst. Wenn sie es besser wissen, können sie doch den Job machen. Mal sehen, wie viele Kriminalfälle die lösen.

Patrik sieht mich daraufhin leicht mitleidig an, meint dann allerdings: “Das wird schon. Ich meine…. Wieviel Menschen gibt es schon, die einen perfekten Mord hinbekommen?”

“Also… Wenn ich an all unsere ungeklärten Mordfälle denke… Wohl eine ganze Menge. Außer es ist immer ein und derselbe Täter.”, gebe ich leicht ironisch zurück.

“Der ständig seine Methode ändert? Wohl kaum!”, entgegnet mein Partner eher ungläubig.

“Wieso nicht? Vielleicht wurde ihm die eine Art zu Morden langweilig und hat sich was neues ausgedacht?” Außerdem fällt mir gerade ein, dass dort die Opfer auch kurz vor ihrem Tod Sex hatten. Soll das wirklich nur Zufall sein?

“Das glaube ich nicht. Mörder, besonders Serienkiller bleiben ihrer Methode immer treu. Das lernt man auf jeder Polizeischule.”, beharrt Patrik auf seine These, dass es unterschiedliche Täter sind. Seufzend muss ich mir eingestehen, dass es genau so ist, wie mein Partner sagt. Serienkiller ändern nie ihre Vorgehensweise. Es gibt immer etwas, woran sie festhalten und bei jedem Mord wiederholen. Etwas womit sie sagen, dieser Mord geht auf meine Kappe, das war ich. Eine Art Unterschrift, die allerdings nicht mit einem Stift getätigt wird.

Und doch… Nagt da so ein Gefühl an mir, dass es hier anders ist. Nur warum? Wieso glaube ich, dass unser Täter hier anders vorgeht, es nur so aussehen lässt, als würde es unterschiedliche Mörder geben? So als ob, dieser wüsste, wie Serienkiller normalerweise ticken. Dass die Polizei weiß, dass es bei jedem so ist. Und sich deswegen anders verhält.

“Und was, wenn unserer Feuerteufel das weiß? Was wenn er gerade deswegen seine Methoden öfters ändert und man ihn doch noch mit den anderen ungelösten Fällen in Verbindung bringen kann. Was wenn… es wirklich nur einen Täter gibt, über die ganzen Jahre hinweg, in denen wir einen ungelösten Mordfall nach dem anderen haben, weil der Täter es schafft, keine Hinweise auf seine Identität am Tatort zurück zu lassen.” Während ich rede, beobachtet Patrik mich aufmerksam. Und in einem Moment glaube ich irgendwas seltsames in seinen Augen aufblitzen zu sehen, etwas was ich nicht beschreiben kann.

“Du verrennst dich da in etwas, Liam.”, meint er und und dreht sich wieder um, haftet seinen Blick wieder auf das Board. “Anstatt sich irgendwas zusammen zu spinnen, sollten wir uns lieber auf das konzentrieren, was wir haben. Auch wenn es nicht viel ist.”

Seltsam… Sonst ist er meinen Ideen doch immer offen gegenüber. So verrückt sie auch sein mögen. Und immerhin, lag ich mit den meisten sogar noch richtig. Wieso also, versucht er mich hier davon abzubringen?

…(Sichtwechsel: “Feuerteufel”)...

Seit meiner letzten Tat sind nun drei Tage vergangen. Die Presse hat über mein kleines Feuer berichtet und über den armen Kerl, der dabei umgekommen ist. Genauso wie, dass dieser schon vorher tot war, umgebracht von einem noch Unbekannten. Noch…. Das ich nicht lache! Als ob sie mich je erwischen werden und meine Identität herausfinden. Bisher bin ich immer davon gekommen, mit allem! Und ich habe schon einige Morde begangen, auf unterschiedliche Weise, über Jahre hinweg. Doch nie wurde ich geschnappt, nie hat Jemand herausgefunden, wer ich wirklich bin, was ich getan habe. Und so wird es auch bleiben. Da kann sich die Polizei noch so viel Mühe geben, wie sie möchte.

Ich konnte nur über die zwei Polizisten lachen, die vor der Kamera behauptet hätten, sie würden mich schnappen. Besonders der eine… Wie war sein Name? … Ach ja… Liam Miller. Besonders er ist ja sehr motiviert, aber das war er bei den anderen Malen, wo ich hinter den Killer steckte, genauso. Auch sein Partner meinte, dass er mich überführen wird. Witzig. Dass man ihm das wirklich abnahm. Aber er war auch wirklich überzeugend…

Doch spielt das jetzt keine Rolle. Im Moment bin ich anderweitig beschäftigt. Immerhin drücke ich gerade mein neustes Opfer gegen seine geschlossene Wohnungstür, wobei wir noch im Treppenhaus stehen. Meine Zunge steckt dabei in seinem Mund und mein eines Knie drückt gegen seine Intimzone. Er selber, hat seine Arme um meinen Nacken geschlungen und keucht in unseren Kuss hinein. Verdammt. Ich könnte ihn hier schon nehmen, wenn es nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen würde. Aber er ist so wild und heiß. Wenn ich ihn nicht etwas gebremst hätte, wäre er schon an der Bar der Disco, wo ich ihn aufgegabelt habe, über mich hergefallen. Auf einen der Hocker, die dort stehen, vor den anderen Gästen. Er scheint es echt nötig zu haben.

Die Tür knarrt ziemlich laut, als er anfing sich gegen mein Bein zu bewegen. Anscheinend etwas zu laut. Da sich plötzlich eine Tür uns gegenüber öffnet und ein Mann, so um die 50 Jahre heraus schaut, wütend.

“Könnt ihr nicht endlich in die Wohnung gehen, anstatt hier auf den Flur herum zu huren? Das ist hier schließlich kein Bordell und andere wollen ihre Ruhe! Und keine Schweinereien sehen, wenn sie im Treppenhaus sind.”, brüllt er uns ziemlich erbost an.

Michael, mein heutiges Opfer sieht seinen Nachbarn erschrocken an, dann drückt er mich von sich weg, sucht seinen Wohnungsschlüssel raus und schließt die Tür auf.

“Tut mir Leid. Kommt nicht noch mal vor.”, stottert er dabei in Richtung des anderen Mannes, der sich wieder in seine Wohnung zurückzieht und betritt seine eigene Wohnung. Ich folge ihm einfach, ohne seinen Nachbarn zu beachten. Allerdings gefällt es mir gar nicht, dass er mich gesehen hat, auch wenn ich nicht glaube, dass er mich beschreiben könnte, dafür war es zu dunkel im Treppenhaus, das Licht war aus. Daher gehe ich nicht davon aus, dass er mir gefährlich werden könnte. Mich wieder erkennt, bei einer Gegenüberstellung.

“Puh! Sorry, aber der Typ kann einem echt Angst machen, besonders wenn er so wütend ist.”, meint Michael und sieht mich aus seinen braunen Augen entschuldigend an.

“Kein Problem. Doch jetzt sind wir ja in deiner Wohnung. Hier können wir ungestört weiter machen. Was meinst du?”, erkundige ich mich und gehe auf ihn zu. Mein Opfer fängt nun wieder an zu grinsen.

“Au ja! Wie wäre es, wenn wir gleich in die Schlafstube gehen? Oder willst du noch was trinken?”, fragt er, während er sich schon mal sein Oberteil abstreift und rückwärts den Flur entlang geht. Mir über die Lippen leckend, bei den Anblick, folge ich ihm.

“Hast du was hochprozentiges da? Einen Schluck könnte ich vertragen, nach dem Schreck von gerade eben.”, gebe ich so unschuldig, wie möglich zurück.

“Muss ich mal schauen. Aber ich denke schon.”, mit diesen Worten verschwindet er in einem Raum. Ich folge ihm und stehe kurz darauf in der Küche. Michael öffnet gerade den Kühlschrank und schon von hier aus kann ich sehen, dass er neben einer Vodkaflasche, noch Whisky und Gin zur Auswahl hat. Da er etwas unschlüssig auf die Alkoholgetränke schaut, gehe ich zu ihm und nehme mir den Whisky raus.

“Das ist doch in Ordnung für dich, oder?”, frage ich auf eine Art, als ob ich seine Meinung wirklich wissen möchte. Er nickt nur, nimmt mir allerdings die Flasche aus der Hand.

“Dann brauchen wir aber Gläser. Den aus der Flasche zu trinken wäre ein Verbrechen.”, meint er, während er den Kühlschrank schließt und zu einem der Küchenschränke geht, diesen öffnet und zwei Whiskygläser heraus nimmt.

“Trinken können wir aber in der Schlafstube.”, bestimmt er dann noch und geht voraus. Lachend folge ich ihm mit den Worten: “Was immer du willst.” Jedenfalls jetzt noch…

Circa drei Stunden später befinde ich mich auf dem Gehweg, gegenüber dem Mehrfamilienhaus, in dem dieser Michael wohnt. Von unten kann man schon sehen, wie Rauch aus dem geöffneten Fenster dringt und die Flammen im Inneren alles verschlingen. Grinsend erinnere ich mich an den verblüfften Gesichtsausdruck des jungen Mannes, als dieser merkte, dass ich ihm die Luftzufuhr abdrücke und nicht vorhabe dies sein zu lassen, bis er mit leeren glasigen Augen die Zimmerdecke betrachtet.

Bevor mich allerdings noch Jemand hier sieht, mache ich mich auf den Weg, diese Gegend zu verlassen und in mein eigenes Bett zu kommen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es wieder eine kurze Nacht wird, wie immer, nach einem Mord, der auf meine Kappe geht.

...(Sichtwechsel: Liam)...

Es ist wieder einer der Tage, wo ich Mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt wurde. Aber nicht nur ich, auch andere Kollegen, wie Patrik, wobei ich das bei ihm immer selbst übernehme. Es traut sich sonst keiner, da mein Partner ziemlich aggressiv sein kann, wenn man ihn aus dem Schlaf holt. Er ist auch ein richtiger Morgenmuffel, was ich mal auf einer Schulung feststellen durfte, wo wir uns ein Zimmer teilten.

Der Grund wieso man uns nicht ausschlafen ließ? Mal wieder ein neuer Mord, ausgeführt von unserem Feuerteufel. Dieses Mal ist das Opfer ein zwanzigjähriger Florist in Ausbildung, der auf den Namen Michael London hört. Wie auch bei den anderen Opfern, wurde er kurz nach dem Geschlechtsverkehr gewürdigt, so dass er erstickt ist. Ebenfalls wurde auch seine Wohnung in Brand gesetzt.

Also alles so, wie bei den vier Opfern zuvor. Bis auf eine Sache. Dieses Mal gab es Jemanden der unseren Täter gesehen hat. Sozusagen einen Zeugen. Leider, hat dieser nur einen kurzen Blick auf den Täter erhaschen können und diesen auch nur von Hinten gesehen. Dazu war es noch recht schummrig im Treppenhaus, wo der Zeuge den Täter sah. Aber besser als gar nichts. So haben wir immerhin ein paar Anhaltspunkte, auf die wir uns stützen können.

Gerade sitze ich mit dem Zeugen und unseren Phantomzeichner zusammen, ohne Patrik. Dieser meinte, dass es ausreicht, wenn ich dabei bin, er wolle lieber die Indizien durchgehen, die wir bisher haben.

“Dieser Mr. London war echt ne Hure, sag ich euch. Jede Nacht, hatte der Kerl nen Anderen, den er mit nach Hause gebracht hat.”, erzählt der Zeuge, ein gewisser Georg Brown, uns unaufgefordert. “Ich weiß ja, dass man über Tote nicht schlecht reden soll… Aber ihr solltet schon wissen, wie dieser Kerl war. Es wundert mich ehrlich gesagt nicht, dass er diesem Serienmörder in die Hände gefallen ist. Ich meine… So viele verschiedene Kerle, wie der schon hatte. Da musste ja mal ein Psycho dabei sein.”

“Aha.”, gebe ich nur gelangweilt von mir. Das ist nun wirklich nicht hilfreich für diesen Fall. Das Manche auch immer denken, dass uns solche unwichtigen Informationen weiterhelfen könnten…

“Es war auch nicht das erste Mal, dass ich Mr. London daran erinnern musste, dass das Treppenhaus nicht zu seiner Wohnung gehört. Als ob es so viel verlangt ist, dass er erst Sex hat, wenn er auch in seiner Wohnung ist. Sie hätten die Beiden mal gestern sehen müssen. Nicht mehr lange und die hätten es gleich da getrieben. Wie Tiere, die einfach keinen Anstand haben.”, redet er einfach weiter. Und ich denke mir nur, dass wenn ich die Beiden gestern gesehen hätte, ich wenigstens den Serienmörder endlich hätte fassen können.

“Wie hat sich der Mann, also der Täter, denn verhalten?”, erkundige ich mich, um vielleicht doch noch was nützliches in Erfahrung zu bringen.

“Hm… Irgendwie distanziert. Ich meine… Er hat sich nicht mal zu mir umgedreht. Er hat zwar Mr. London losgelassen, so dass dieser die Tür aufschließen konnte und ist dann mit diesem in der Wohnung verschwunden. Doch sonst… Er hat nichts gesagt und sich auch nicht so bewegt, dass ich ihn von vorne hätte sehen können oder generell einen besseren Blick auf ihn hätte erhaschen können. … Jetzt wo ich so darüber nachdenke, ist das schon seltsam. Nur hab ich mir in dem Moment nichts dabei gedacht. … Allerdings war ich auch müde und wollte endlich weiterschlafen, nachdem die Zwei mich geweckt hatten.” Hm… Dann hat unser Feuerteufel also dafür gesorgt, dass man sein Gesicht nicht sieht. So haben wir nur in etwa seine Größe, so um die 1,90 Meter und wissen, dass er kräftig gebaut ist. Hat breite Schultern, ist leicht muskulös. Außerdem, dass er dunkle kurze Haare hat und Locken. Aber sonst… Nichts.

Wenige Zeit später stoße ich zu meinem Partner, der auf den Tisch sitzt, gegenüber dem Board, an dem wir alle bisher gesammelten Indizien zu dem Fall haben. Einen Moment bleibe ich schräg hinter ihm stehen und betrachte nachdenklich seine hochgewachsene Gestalt, die breiten Schultern und die gelockten dunklen kurzen Haare. Wenn man es so nimmt, passt die Beschreibung unseres Zeugen auf Patrik. Doch wenn man danach geht, passt sie auf zu viele Menschen dieser Stadt. Seufzend geselle ich mich nun zu ihm, setze mich neben ihn auf den Tisch.

"Und? Hat der Zeuge euch wichtige Indizien liefern können?", kommt die Frage von ihm, wobei sein Blick weiterhin auf das Board gerichtet ist.

"Wie man’s nimmt…", gebe ich zurück und rassel alle Fakten runter, die wichtig sind. Zum Schluss sehe ich ihn mit einem gespielt ernsten Gesichtsausdruck an und frage: "Gibt es irgendwas, was du gestehen möchtest?"

Patrik wendet sich mir nun zu, wobei seine schönen grünen Augen ausdruckslos wirken. Was mich leicht unwohl fühlen lässt. Er sollte doch wissen, dass das nur scherzhaft gemeint war.

"Mal angenommen, ich wäre der Täter. Meinst du dann wirklich, ich würde es so einfach gestehen?", erkundigt er sich leicht genervt.

"Außerdem…. Wieso sollte ich dann ausgerechnet an diesen Fall mitarbeiten?", fragt er noch, während er sich wieder von mir abwendet und auf das Board schaut. Seufzend folge ich seinem Blick.

"Um nicht verdächtig zu wirken?", eigentlich war das nicht als Frage gemeint, kam nun aber doch so raus.

Sofort spüre ich wieder seine Augen auf mir ruhen, weswegen ich auch wieder zu ihm sehe. Diesmal liegt etwas lauerndes in seinem Blick und etwas, was ich nicht identifizieren kann. Nervös schluckend sehe ich ihn unsicher an. Das Ganze sollte doch nur Spaß sein. Und doch wirkt es gerade so ernst.

Eine Weile sehen wir uns so an, bis sich ein süffisantes Grinsen auf Patriks Lippen legt. Was mich nun verärgert schauen lässt. Mein Partner hingegen verfällt in ein belustigtes Lachen.

"Du bist so ein Arsch!", gebe ich wütend von mir, während ich ihm gegen den Oberarm boxe. Patrik beruhigt sich nun wieder, grinst mich allerdings weiterhin an und legt einen Arm um meine Schulter.

"Und trotzdem magst du mich.", meint er selbstgefällig. Womit er leider Recht hat. Ich mag ihn, mehr als nur das. Und das weiß er. Ich hab es ihm gesagt, in der Hoffnung, er erwidert meine Gefühle. Was er allerdings leider nicht tut. Jedenfalls meinte er dies. Und doch…

Seufzend wende ich mich von ihm ab, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen. Patrik bemerkt dadurch, wohin meine Gedanken gedriftet sind. Mit einem Räuspern nimmt er den Arm von meiner Schulter und meint, den Blick nun wieder auf das Board gerichtet: “Vielleicht sollten wir doch mal die Bar’s und Discos absuchen. Jetzt wo wir ungefähr wissen, wie der Typ aussehen soll.”

“Hattest du nicht vor ein paar Tagen noch behauptet, dass das nichts bringen wird?” Es wäre trotz der so ungenauen Personenbeschreibung die Suche im Heuhaufen.

“Stimmt. Aber wir können ja damit anfangen, dass wir die Lokalitäten in der Nähe der bisherigen Opfer absuchen. Vielleicht hat ja Jemand einen Typen gesehen, der auf die Beschreibung passt. Und vielleicht sind nur wenige dabei, die auch in einer der Lokalitäten waren, die jeweils bei einem der Wohnorte sind.”, meint Patrik nachdenklich. Und auch, wenn ich weiß, er meint es nur gut und versucht damit mich auf andere Gedanken zu bringen, weg von ihm. Ist der Vorschlag einfach nur Zeitverschwendung.

“Und wenn sie mit einem Auto gefahren sind?”, halte ich dagegen.

“Das glaube ich nicht. Die jeweiligen Opfer haben entweder kein Auto oder sind nicht an dem Tag damit gefahren. Was heißt, dass diese zu Fuß unterwegs und somit nicht weit von ihrer Wohnung in eine Bar oder Disco oder Ähnliches waren. Wenn man feiern geht, dann möchte man nicht ewig bis nach Hause brauchen, besonders nicht, wenn man noch Jemanden mitnimmt.” Hm… Gut. Das klingt schon irgendwie schlüssig.

“Es würde dennoch Ewigkeiten dauern, alles abzuklappern.”, meine ich seufzend.

“Wer sagt, dass wir das allein machen müssen? Unsere Kollegen können uns ruhig helfen. Immerhin leidet auch ihr Ruf darunter, wenn wir wieder einen Fall nicht abschließen.”, kontert mein Partner, wo ich ihn nur Recht geben kann.
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