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Predator Germany: Trauma

von Red-Queen
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Action / P18 / Gen
04.09.2022
23.09.2022
5
5.023
 
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23.09.2022 809
 
Hestia lief eine Weile durch den Wald bis sie sich irgendwann auf einen großen Stein setzte und das Gesicht in den Händen vergrub. Vielleicht bin ich wirklich das Problem, dachte sie. Wieso schaffe ich es nie, mich zusammenzureißen und mein Leben zu genießen? Schon damals in der Schule haben alle immer gesagt, dass ich arrogant und ständig schlecht gelaunt bin, offenbar stimmt das ja wirklich.

Sie zog den Rucksack von den Schultern und nahm den Joint heraus. Ohne lange darüber nachzudenken, zündete sie die Tüte mit dem entwendetem Feuerzeug an und nahm einen tiefen Zug. Der Rauch reizte ihre Lunge und Hestia hustete kräftig. Sie rauchte, bis sie den Filter erreicht hatte, bevor sie die letzte Glut am Stein erstickte und den übrig geblieben Müll wieder in den Rucksack warf.
Die Wirkung der Droge setzte langsam, aber kräftig ein. Sie wusste nicht, wie lange sie schon auf derselben Stelle saß, als sie endlich beschloss, nach ihrer Kamera zu suchen. Die Dunkelheit hatte sich bereits über das Land gelegt und als Hestia aufstand, fing alles in ihrem Kopf an sich zu drehen. Sie irrte eine Weile durch den Wald und stieß währenddessen mehrmals mit Bäumen zusammen. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen, aber es herrschte nur ein vernebeltes Durcheinander in ihrem Inneren. Sie wusste schon lange nicht mehr, wo sie eigentlich war oder was genau sie in diesem Wald machte, also lief sie einfach nur geradeaus - auch wenn ihr geradeaus sich in diesem Moment von einer wirklichen geraden Strecke erheblich unterschied. Ein paar Mal lief sie sogar im Kreis, ohne es zu merken.

Irgendwann war sie von einer immer stärker werdenden Hitze umgeben. Sie legte den Kopf in den Nacken und sah hellrote Flammen zwischen den Baumkronen am Nachthimmel aufsteigen. Die Flammen tauchten den ansonsten so dunklen Wald in rot-oranges Licht. In ihrer Verwirrung war Hestia sich sicher, dass ein paar Wanderer dort ein Lagerfeuer hatten und sie dort bestimmt Hilfe bekam. Doch je näher sie den Flammen kam, desto mehr realisierte sie, dass sie es hier nicht mit einer harmlosen Gruppe Wanderer zutun hatte.

Um das Feuer herum tanzten  schwarze, längliche Gestalten, sie hatten keine Gesichter und sackförmige Körper. Sie schrieen und sangen, aber so durcheinander, dass Hestia kein Wort verstehen konnte. Die Gestalten vermischten sich mit dem Feuer, wurden rot, schmelzten, sprangen wieder aus dem Feuer und tanzten unbeirrt weiter. Dann fielen markerschütternde, schrille Schreie, und Hestia erblickte eine junge, nackte Frau in der Menge. Ihr Körper war übersät mit blutigen Schnittwunden. Die Frau wurde von zwei Gestalten festgehalten, während eine dritte ein Messer über die blasse Haut des Opfers wandern ließ.

Ich träume, dachte Hestia. Viktor hat sein Weed mit LSD, Kokain oder sonst was gestreckt. Ich träume. Sie blinzelte mehrmals, kniff sich in den Arm, aber die Szene veränderte sich nicht mehr.

Selbst für einen Traum erschien ihr diese Situation zu heftig. Trotzdem waren ihre Beine so schwer, als seien sie aus Blei und Hestia konnte nichts tun, als an Ort und Stelle stehenzubleiben. Als dann das Messer an den Hals der Frau angesetzt wurde, stieß Hestia einen Schrei aus. Sie presste erschrocken die Hand vor den Mund.

Plötzlich hielten die tanzenden Gestalten an. Der leblose Körper der fremden Frau glitt zu Boden.
“Wir haben wohl ein neues Opfer”, sagte eine männliche Stimme, die, die das blutverschmierte Messer hielt. All ihre Blicke waren auf Hestia gerichtet, die ihren Schock endlich soweit überwunden hatte, dass sie rennen konnte.

Doch sie kam nicht weit. Nach wenigen Metern stürzte sie über eine Baumwurzel und fiel bäuchlings auf den Waldboden. Jemand packte sie von hinten am Kragen ihres Kleides und zog sie unsanft auf die Beine. Sie wurde zurückgeschleift, direkt auf das Feuer zu, und wieder auf den Boden geworfen.
Dicht neben ihr lag die blutüberströmte Leiche der geopferten Frau. Die Augen der Frau waren weit aufgerissen und Hestias Herz begann zu sprinten.

Sie blickte hoch zu den maskierten Gestalten und starrte in die grauen Augen des Mörders. Der Rest seines Gesichts war von einer schwarzen Kapuze verhüllt. Hestia kramte die Details aus dem Fall des Sekten-Mädchens aus ihren Erinnerungen. Was hatte sie in der Dokumentation erzählt? Oft wurden die Opfer nach der Tötung verspeist? Und die Tötung jedoch musste so lang und schmerzvoll wie irgendwie möglich sein? Ja, das klang plausibel, wenn auch nicht erfreulich.

Hestia wollte irgendetwas sagen, sie wollte schreien, irgendwelche Beleidigungen rufen, aber sie brachte keinen Ton hervor. Ihre Augen brannten vom Feuer und ihren eigenen Tränen und ihre Hände zitterten unkontrolliert. Sie versuchte sich einzureden, dass sie zumindest keine starken Schmerzen haben würde - Drogen sei Dank.

Hestias wurde mit einem Fußtritt auf den Bauch gedreht. Jemand kniete neben ihr, zog ihre Arme schroff nach hinten und wickelte ein raues Seil um ihre Handgelenke.
Sie spürte ein leichtes Brennen an der Stelle, wo das Seil saß und ihre Hände begangen zu pochen.
 
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