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Der Schauspieler, der mein Herz eroberte

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
02.09.2022
21.10.2022
13
19.408
4
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02.09.2022 1.558
 
War ja wieder einmal klar, dass meine kleine Schwester ihren Willen durchgesetzt bekommt. Anstatt jedes zweite Wochenende ins Theater zu gehen, hatte ich vorgeschlagen doch mal etwas anderes zu unternehmen. Weil sie aber erstens ein Mädchen ist und zweitens auch noch zwei Jahre jünger als ich, wird ihre Meinung bevorzugt. Ich verstehe nicht, was sie so toll am Theater findet. Meiner Meinung nach ist es nur langweilig. So kommt es, dass ich, ein 16 jähriger Junge, zwei mal im Monat am Wochenende dazu gezwungen werde, mit meiner Familie ins Theater zu gehen, während meine Freunde zusammen Spaß haben..

„Luca, mit wem schreibst du da?“, fragte meine Schwester mich unschuldig.
„Sei doch nicht immer so neugierig.. Mit Jan, der gerade das gute Wetter ausnutzt und Fahrrad fährt, während ich hier im Auto auf dem Weg zum Theater sitze“, antwortete ich genervt.
Ich warf ihr einen Und-das-ist-nur-deine-Schuld-Blick zu, doch sie lachte nur.
„Ach Brüderchen, Familienausflüge sind doch wichtig“, versuchte sie mich umzustimmen.
Ich schaute meine Schwester gelangweilt an: „Ja, aber nicht ins Theater! Was findest du nur so toll daran?“
Sie grinste breit.
„Ist doch klar. Die Musik, die Leidenschaft, die während der Vorführungen herrscht, das alles macht das Theater unbezahlbar. Und.. ganz besonders Marlon“, schwärmte sie.
Ihre Augen funkelten wie Sterne, als sie den Namen aussprach.
„Marlon?“, hakte ich nach.
Diesen Namen hatte ich noch nie zuvor gehört.
„Jaa! Er sieht voll süß aus und ist für sein Alter ein sehr guter Schauspieler. Bei ihm spürt man die Leidenschaft richtig!“
Sie wurde beim Reden immer aufgeregter und lauter.
„Lina, bitte etwas leiser, Papa muss sich aufs Autofahren konzentrieren!“, mahnte Mutter sie.
Meine Schwester lächelte verlegen: „´Tschuldigung.“
Den Rest der Fahrt über war Lina still und schrieb offensichtlich ihrer Freundin. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum man freiwillig ständig ins Theater geht, nur um irgendeine Person zu sehen. Aber jetzt war ich ein wenig neugierig. Ich war zwar schon oft im Theater, habe aber nie wirklich auf die Darsteller geachtet, weil sie mich einfach nicht interessierten.

Das Theater sah schon prächtig aus von außen. Man könnte denken, es hätte gar kein Ende mehr, so groß war es. Über dem Eingangsbereich hing ein riesiges Plakat, auf dem dick und fett “Hamlet“ stand. Der Name kam mir bekannt vor, jedoch wusste ich nicht, worum es in dem Stück ging.
Darunter stand ebenfalls groß “Autogrammstunde 13-15 Uhr“. Jetzt war mir klar, warum meine Schwester unbedingt heute ins Theater gehen wollte. Schon beim Betreten des Theaters stach einem die riesige Menschenschlange links von der Auskunft ins Auge. Komischerweise waren die meisten der anstehenden Personen weiblich und circa zwischen 13-16 Jahre alt. Lina war auf einmal ganz aus dem Häuschen und rannte, als würde sie von einer Schar Hunde verfolgt werden, zur Menschenmenge hin.
„Lina, nicht so schnell!“, rief Vater ihr hinterher.
Doch sie hörte nicht auf das, was er sagte. Wir beeilten uns und liefen ihr nach. Ich konnte nicht begreifen, wie man nur für ein Autogramm so ausflippen musste. Aber vielleicht lag das auch daran, dass ich keines dieser schwärmenden Mädchen war. An der Schlange angekommen wusste ich, warum Lina so aufgedreht war. Scheinbar war es eine Autogrammstunde mit diesem Marlon. Wir stellten uns also an und nach knapp 40 Minuten Wartezeit waren wir an der Reihe. Die ganze Zeit über habe ich gerätselt, wie dieser Marlon wohl drauf ist. Er hatte zwar offenbar viele *weibliche* Fans, aber er war bestimmt einer dieser arroganten, eingebildeten Angeber, die damit prahlten, wie beliebt sie doch sind und die sich für etwas besseres halten. Dann war es endlich so weit und man öffnete uns die Kordeln zum abgetrennten Bereich. Das war das erste Mal, dass ich diesen “super-tollen“ Schauspieler zu Gesicht bekam. Er sah wirklich relativ jung aus, verglichen mit den anderen Schauspielern. Seine Haare waren mittellang und pechschwarz. Er trug lässige Klamotten. Ich musterte ihn gründlich, während meine Schwester ihn tatsächlich nach einem Foto fragte, obwohl das hier nur eine Autogrammstunde war. Ich dachte mir schon, dass sie das vergessen könne, doch er willigte zu meinem Erstaunen ein. So glücklich hatte ich Lina noch nie gesehen. Er stellte sich neben meine Schwester und sie machten ein Foto mit ihrem Handy. Er sah nicht einmal genervt aus und das, nachdem er zwei Stunden Unterschriften verteilt hatte und das Geschreie der Mädchen ertragen musste.
„Möchtest du auch ein Foto mit mir machen?“
Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Marlon stand lächelnd vor mir. Gott, hatte der mich erschreckt. Ich war überrascht von der Situation und fand es irgendwie unhöflich, nein zu sagen. Immerhin stand ich ja auch mit in der Reihe.
„..Ja“, antwortete ich.
Er stellte sich neben mich und ich holte mein Handy aus der Tasche. Mir war schon etwas unwohl dabei, immerhin interessierte ich mich gar nicht für ihn. Also machte ich schnell das Foto und bedankte mich anschließend noch. Den ersten Teil hatte ich hinter mir, fehlte nur noch das Theaterstück. Wir gaben einige unserer Sachen vorne an der Garderobe ab und betraten dann den Ort des Geschehens. Es war ziemlich voll für so einen heißen Samstag Nachmittag. Wir begaben uns auf unsere Plätze und kurze Zeit später begann das Stück. Ich war wie immer nicht mit ganzem Herz bei der Sache, da ich langsam echt keine Lust mehr darauf hatte. Es dauerte nicht lange, da betrat der junge Schauspieler die Bühne. Jetzt wollte ich mit eigenen Augen
sehen, wie gut er denn wirklich ist. Er spielte wohl den Prinzen Hamlet. Meine Schwester war schon wieder ganz aus dem Häuschen und hatte nur noch Augen für Marlon. Ich beobachtete ihn die ganze Zeit über kritisch und merkte, dass er wirklich sehr viel Leidenschaft in die Rolle steckte. Man sah ihm an, wie sehr er sich anstrengte und, dass er auch noch viel Spaß dabei hatte. Ich war echt überrascht. Niemals hätte ich gedacht, dass ein Junge in seinem Alter so gefallen daran hat, im Theater zu spielen.
Pause - die Hälfte war überstanden. Ich gab es nur ungern zu, aber bis jetzt war es gar nicht so schlecht. Trotzdem würde ich nicht freiwillig hierhin kommen. Lina und ich verließen den großen Saal um uns etwas die Beine zu vertreten, während meine Eltern bei unseren Plätzen blieben.
„Und? Bis jetzt wars doch gar nicht so schlimm, oder?“, fragte Lina mich.
Dann grinste sie mich an. Ich seufzte leise.
„Es war ganz okay“, gestand ich.
Sie machte einen zufriedenen Eindruck und ging plötzlich etwas schneller.
„Hey, Lina, wohin gehst du?“, fragte ich irritiert.
Sie antwortete mir nicht, aber da ich ihr großer Bruder bin, musste ich auf sie aufpassen. Also folgte ich ihr. Wir kamen an einem weißen Schild vorbei, auf dem “Darsteller Garderobe“ stand.
„Lina, ich weiß nicht, ob wir hier sein dürfen!“, rief ich ihr zu. Doch sie reagierte nicht auf das, was ich sagte, weshalb ich noch einen Schritt schneller ging, um sie einzuholen. Als ich sie gerade eingeholt hatte, kam uns plötzlich jemand im dunklen Gang entgegen.
„Huh? Was macht ihr denn hier?“, fragte uns eine männliche Stimme.
War ja klar, dass so etwas passieren musste.
„Entschuldigung, meine Schwester ist-.. Marlon?“
„Oh, hallo. Euch kenne ich doch“, sagte er sanft.
Er schaute uns freundlich an, obwohl wir uns gerade unerlaubt in diesen Bereich geschmuggelt hatten.
„Ja, ähm meine Schwester ist einfach vorgelaufen und ich wollte sie zurück holen, da sind wir hier gelandet“, erklärte ich ihm.
Er schaute zu meiner Schwester herüber, die erstaunlich gelassen war, dafür, dass der von ihr so verehrte Schauspieler vor uns stand.
„Achso, sie ist deine Schwester? Jedenfalls ist das kein Problem. Wenn ich den Anderen sage, dass ich euch hierhin mitgebracht habe, könnt ihr ruhig bleiben. Wollt ihr euch mal anschauen, wie es so hinter den Kulissen aussieht?“, fragte er uns mit einem Lächeln im Gesicht. Meine Schwester platzte fast vor Freude, das sah man ihr sofort an.
„Ja, bitte!!“, freute Lina sich.
Ihr Benehmen war nicht gerade das Beste, aber wenn man ihre Situation bedachte, konnte man wohl darüber hinweg sehen. Ich wollte ihr diese Chance auch ungerne nehmen, sonst hätte ich mir sicher ihr Gejammer anhören müssen.
„Wenn es keine Umstände bereitet, würden wir gerne noch eine Weile bleiben“, antwortete ich freundlich.
Naja, sonderlich interessieren tat es mich nicht so, aber für meine Schwester tat ich es gerne.
„Ist schon in Ordnung, die Pause hat ja gerade erst angefangen. Dann kommt mal mit.“
Wir folgten ihm durch eine etwas größere Tür und waren anschließend in einem Bereich, der in der Nähe der Bühne lag. Hier lagen viele Dinge herum wie zum Beispiel Kostüme. Einige Darsteller zogen sich gerade um.
„Das hier ist der Bereich hinter der Bühne. Hier wird sich auf das Stück vorbereitet und ein Teil wird auch zum Lagern von Requisiten benutzt, wie ihr sehen könnt. Schaut euch gerne um, aber bitte fasst die Requisiten nicht an.“
Wir nickten zum Verständnis und schauten uns dann eigenständig etwas um. Die Zeit verging schneller als gedacht und die Pause neigte sich dem Ende zu. Marlon sagte uns Bescheid, dass das Stück bald weiter gehen würde und wir zu unseren Plätze gehen sollten.
„Und? Wie hat es euch hier gefallen?“, wollte er zum Schluss noch von uns wissen.
Lina strahlte natürlich bis über beide Ohren.


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Das war das 1. Kapitel. Ich würde mich über konstruktive Kritik freuen, bedenkt aber bitte, dass es mein erstes Werk ist :)
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