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Urlaub im Schnee

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Action / P16 / Gen
Chin Ho Kelly Danny "Danno" Williams Jerry Ortega Kona "Kono" Kalakaua Max Bergman Steve McGarrett
28.08.2022
23.09.2022
10
10.631
 
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23.09.2022 2.198
 
Im Hauptquartier angekommen wurden sie von Kono und Chin in Empfang genommen. Chin war immer noch wütend und sah ziemlich mitgenommen aus und Kono machte der Computer zu schaffen. Irgendwelche Probleme mit der Technik, die nicht so einfach zu beheben waren. Steve brachte Wagner in den Verhörraum, während sich Danny ein frisches Hemd überzog.
Wagner saß auf einem Stuhl und sah, ohne irgendeine Regung zu zeigen, auf die verschlossene Tür ihm gegenüber. Detective Williams war ein ganz schöner Pitbull, und auch dieser Commander schien nicht gerade sehr freundlich zu sein. Wagner fragte sich, wer von den beiden wohl der härtere Knochen war. Er hatte jedenfalls nicht vor, ihnen irgendetwas zu erzählen. Er wusste, wie der Hase lief. Ein falsches Wort und er saß für mehrere Jahre hinter Gittern. Und da wollte er nie wieder hin, unter gar keinen Umständen. Reichte schon, dass er vor fünf Jahren eingesessen hatte. Aus Dummheit, weil er nicht nachgedacht hatte und diese Tankstelle hatte überfallen müssen.
Als sich die Tür öffnete und Danny als Erstes den Raum betrat und er in sein Gesicht sah, dachte er zuerst, okay, so schlimm wird’s nicht, doch dann betrat der Commander den Raum. McGarrett strahlte eine gewisse physische Präsenz aus; selbstsicher und beherrscht aber dennoch nicht die Ruhe in Person.
„Warum bin ich hier, wieso halten Sie mich hier fest? Wie bereits gesagt, ich bin unschuldig“, wandte er sich an Danny, der einen Schritt auf ihn zugemacht hatte.
„So fängt fast jedes Verhör an, ist dir das aufgefallen Steve?“
„Jetzt, wo du es sagst. Wäre mir gar nicht aufgefallen. Als ob die sich alle abgesprochen hätten.“
Wagner wusste sofort, dass sich die beiden Männer, die sich vor ihm aufgestellt hatten, über ihn lustig machten. Er hatte nicht vor, auf ihr Spiel zu reagieren.
„Eine kurze Frage: Wieso sind Sie abgehauen? Ich meine, wenn Sie nichts getan haben, wieso flüchten Sie? Das verstehe ich nicht. Erklären Sie mir das bitte!“, sagte Danny mit einem Gesichtsausdruck, als würde er ein Zweitklässler sein, der die Aufgaben, die ihm gestellt worden waren, nicht verstanden hätte. „Lassen Sie mich raten, Sie haben uns für jemand anderes gehalten?“
Wagner schwieg beharrlich. Die beiden konnten sich die Zähne an ihm ausbeißen, er würde nichts sagen.
„Hat, das etwas mit ihrer Ex-Freundin zu tun?“, fragte Steve.
Wagner hatte eine Weile nicht an sie denken müssen, jetzt, da der Commander sie erwähnt hatte, musste er wieder an die schönen Tage mit ihr denken. An ihren gemeinsamen Urlaub in den Bergen und an ihr letztes Weihnachten, wo er sie gefragt hatte, ob sie ihn heiraten würde. Doch dann war alles anders gekommen. Und sie hatte ihn wegen eines anderen verlassen. Einem reichen Schnösel, der ihr sprichwörtlich die Sterne vom Himmel holte.
„Sagen Sie es uns, wir werden es sowieso irgendwann erfahren“, sagte Danny, während er den ersten Knopf seines Hemdes öffnete. Die Hitze verfolgte ihn obwohl die Klimaanlage auf Hochtouren lief, überall hin.
Was würde es bringen? Sie würden es sowieso nicht verstehen und glauben schon mal gar nicht. Er war nicht der Böse. Der, der alles kaputtgemacht hatte, sondern seine Ex. Wagner sah zu Boden und versuchte die Erinnerungen beiseitezuschieben.
„Es stimmt doch, dass Sie wegen Stalking angezeigt worden sind oder nicht?“
Wagner konnte dem Detective nicht in die Augen sehen. Er blickte zur Wand, an der ein paar Putzarbeiten vorgenommen worden waren.
„Und es stimmt auch, dass Sie Spielschulden haben. Soweit ich weiß, bei dem übelsten Typen auf der Insel“, meinte Steve, der sich kurz darauf an Danny wandte. „Ich glaube, wir sollten ihn freilassen und Akonis Männern Bescheid geben, dass wir wissen, wo sich ein gewisser Robert Wagner aufhält. Das würde Akoni sicherlich brennend interessieren.“
Als Wagner Akonis Namen hörte, blieb ihm fast die Luft weg. Auf gar keinen Fall durfte das geschehen. Wenn Akoni ihn in die Hände bekam, war er ein toter Mann.
„Das dürfen Sie gar nicht!“
„Was wir dürfen und was nicht, ist ganz alleine unsere Angelegenheit. Glauben Sie mir, mein Partner hier nimmt es mit den Regeln nicht ganz so ernst“, meinte Danny.  
Wagner sah zu Steve, der breitbeinig mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihm stand.
„Sie bluffen.“ Wagner versuchte Steves Blicken auszuweichen. Irgendetwas stimmte mit dem Typen nicht. Er erinnerte sich an einen Kerl, den er vor Jahren gekannt hatte, der fast so ähnlich wie McGarrett drauf gewesen war. Sein Name war Alfonso Rossi gewesen, ein eiskalter Hund, der sich nichts gefallen gelassen und seine Widersacher ohne mit der Wimper zu zucken, wie einen Pfahl in den Boden gerammt hatte.
Der Commander sah ihn unheilvoll an und Wagner war sich nicht mehr sicher, ob Schweigen wirklich die beste Wahl war.
„Steve, ich glaub, er beißt an.“
„Ja, ich glaube auch. Na wie sieht’s aus Wagner? Wollen Sie uns nicht doch etwas erzählen. Zum Beispiel: inwieweit Sie etwas mit dem Versuch, einen Menschen zu mumifizieren, zu tun haben.
„Bitte was soll ich?“
„Sie haben richtig gehört. Irgendjemand hat versucht, einen Menschen zu mumifizieren. Was aber schiefgelaufen ist. Der oder die Täter, vielleicht sogar Sie selbst, sind dabei sehr stümperhaft vorgegangen. Wir haben die besagte Leiche in einem Transporter gefunden, der eine Reifenpanne hatte. Wissen Sie mehr darüber?“ Steve zückte sein Handy, auf dem ein Foto der Leiche zu sehen war, und hielt es Wagner direkt unter die Nase. „Sehen Sie das?“
Wagner sah kurz auf das Bild. „Und, was soll ich damit anfangen? Ich habe niemanden mumifiziert, und ich kenne auch niemanden, der das vorgehabt hätte. Glauben Sie mir.“
„Laut der Aussage von Rebecca Smith kennen Sie sich damit aus, wieso also sollten Sie mit dem Fall nichts zu tun haben? Ganz besonders unter dem Aspekt, dass Sie Spielschulden haben?“
„Ich kann nur wiederholen, dass ich nichts damit am Hut habe. Bitte, Sie müssen mir das glauben.“
„Sollte ich vielleicht doch Akoni kontaktieren? Steve sah Wagner eindringlich an. „Ich an Ihrer Stelle würde endlich den Mund aufmachen. Wir glauben Ihnen nämlich nicht. Irgendeinen Zusammenhang muss es geben, und wenn es nur ein klitzekleiner ist. Vielleicht sind sie nicht unmittelbar darin verstrickt, wurden womöglich benutzt. Alles ist möglich. Wer weiß das schon.“
„Ich denke, es gäbe sicherlich viel Geld für eine Mumie. Sammler bezahlen gerne mal ein paar Tausende für solche Relikte.“ Danny bedeutete Steve Wagner das Foto erneut zu zeigen. „Sehen Sie genau hin und sagen Sie uns endlich, was hier gespielt wird. Ich verliere so langsam meine Geduld. Und ich würde gerne, aus diesem stickigen Verhörraum raus.“
„Und ich kann Ihnen nur sagen, dass ich unschuldig bin, wirklich, Sie haben den falschen Typen.“
„Wo waren Sie um kurz vor zwölf Uhr heute Mittag?“, fragte Steve.
„Auf dem Weg zum Strand. Ich war Surfen.“
„Wo ist ihr Board?“, fragte Danny.
„Als wir Sie aufgegriffen haben, hatten Sie kein Board bei sich. Also, wo waren Sie?“ Steve verlor so langsam die Beherrschung.
Wagner wurde nervös. Er sah immer wieder zur Seite; Schweiß, der nicht von der Hitze zu kommen schien, rann ihm von der Stirn. Sein Herzschlag beschleunigte sich. „Gut gut, ich sage Ihnen, wo ich war.“
„Na, da bin ich ja gespannt, was er uns jetzt für eine Geschichte auftischt.“ Danny konnte es kaum erwarten und lief wie ein Tiger auf und ab.
Wagner atmete tief durch, bevor er zu reden begann: „Also, es war so, ich wurde heute Morgen von einem Mann angerufen, der meinte, er hätte da etwas für mich, was mich interessieren könnte. Ich bin, wie sie wissen, ein leidenschaftlicher Surfer, und der Mann sagte, er hätte da etwas zu verkaufen. Ein ganz spezielles Board, das dem damaligen Weltmeister Brody Beckett gehört haben soll. Sie wissen schon, der Mann, der vor Jahren von einem weißen Hai getötet wurde.“
Danny sah seinen Partner fragend an. Er kannte keinen Brody Beckett. „Noch nie gehört.“
„Ich erinnere mich an ihn. Er war ein begnadeter Surfer, der hier damals, als ich ein Kind war, eine kleine Surfschule betrieben hat. Er hat einem kleinen Mädchen das Leben gerettet. Ein wahrer Held“, sagte Steve. „Aber was hat dieses Treffen mit unserer Mumie zu tun?“
Wagner sah sich noch einmal das Foto an, auf dem die Leiche zu sehen war. „Ich kenne diesen Ort, weil ich genau dort hinkommen sollte. Aber glauben Sie mir bitte, ich habe sonst nichts getan. Der Mann, der mir Becketts Board verkaufen wollte, ist dort nie aufgetaucht. Ich habe über eine halbe Stunde dort auf ihn gewartet.“
„Hat der Transporter bereits dort gestanden?“ Steve zeigte Wagner ein weiteres Foto auf seinem Handy.
Wagner schaute sich das Foto an, runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf.
„Sind Sie sich sicher?“
„Ja man, der wäre mir aufgefallen. So runtergekommen wie der ist.“
„Und was haben Sie, nachdem niemand aufgetaucht ist, gemacht?“, fragte Steve und steckte das Handy zurück in die Hosentasche.
„Nachdem ich mehrfach versucht habe, meinen Kumpel David anzurufen, bin ich nach Hause, hab mir mein Board geschnappt und bin zum Strand, so wie ich es bereits gesagt habe.“
„Erklärt aber nicht, wo Sie ihr Board gelassen haben.“
„Ich bin, nachdem ich mit einem Mädel zusammengekracht bin, mit dem Board so unglücklich gestürzt, dass es sich einen Bruch zugezogen hat. Da es keinen Sinn mehr gemacht hätte, es zu reparieren, habe ich es einfach am Strand liegen lassen.“
„Illegale Müllentsorgung kommt jetzt also auch noch dazu.“ Danny schüttelte verständnislos den Kopf. „Sie reiten sich von einer Sache in die nächste, das ist Ihnen  klar, oder?“
Wagner ignorierte Dannys Einwurf und erzählte weiter. „Ich weiß, dass ich in letzter Zeit Fehler gemacht habe, auch mit meiner Ex, aber ich bin kein Mörder. Glauben Sie mir.“
„Und, wieso haben Sie uns das nicht vorher erzählt?“
Wagner zuckte die Achseln. „Aus Angst, noch mehr Ärger zu bekommen? Ich weiß es nicht.“
„Aber irgendjemand ist für die Mumifizierung verantwortlich.“ Steve war sich sicher, dass Wagner mehr wusste.
„Haben Sie sich mal mit Rebecca darüber unterhalten?“
„Mit der Museumsleiterin?“, fragte Danny.
„Vielleicht hat sie ja etwas damit zu tun.“ Wagner stieß hörbar die Luft aus seinen Lungen. „Rebecca kennt sich ebenfalls mit dem Mumifizieren aus.“
„Darf ich Sie etwas fragen Robert?“ Wie sind Sie eigentlich an den Job im Museum gekommen?“ Steve hatte Blut geleckt. Ein Ex-Knacki, der als Autohändler gearbeitet hatte, fing nicht einfach so in einem Museum an zu arbeiten. Schon gar nicht ohne Vorkenntnisse. „Was arbeiten Sie im Museum?“
„Ich bin ein einfacher Gehilfe. Ich brauchte keine Ausbildung, wenn Sie das meinen.“
„Ah, okay, ich verstehe.“
„Und Rebecca Smith hat Ihnen gezeigt, wie man Tote mumifiziert?“, wandte sich Danny an Wagner, der sich mittlerweile kaum noch auf dem Stuhl halten konnte und extrem käsig aussah.
„Ich bin so etwas wie ein Zuarbeiter.“ Wagner befeuchtete seine Lippen. Er hatte Durst und sein Blutzuckerspiegel war bereits so weit unten, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis er vom Stuhl kippen würde. „Wenn es Ihnen nichts ausmachen würde, würde ich gerne etwas Trinken. Mir ist kotzeschlecht.“ Wagner schloss die Augen, um dem Schwindel entgegenzuwirken.
Danny reagierte sofort, verließ den Verhörraum und kam ein paar Minuten später mit etwas zu Trinken und einem Schokoriegel zurück. „Hier. Trinken Sie“, sagte er und reichte Wagner die kleine Flasche Wasser und den Riegel.
Hastig nahm Wagner beides entgegen und öffnete die Flasche. Er nahm mehrere große Schlucke und schlang den Riegel so schnell hinunter, als ob er seit Tagen nichts gegessen hätte.
„Danke, das war höchste Eisenbahn.“
„Fürs Protokoll. Sie waren zwar in der Nähe des Fundortes der Leiche, haben aber mit der Tötung nichts zu tun! Danach sind Sie zu sich nach Hause und sind mit dem Board zum Strand, um ein paar Wellen zu reiten! Dabei, wie wir von zwei Mädchen bestätigt bekommen haben, sind Sie mit einem der Mädels zusammengekracht. Und sind dann so unglücklich gestürzt, dass Ihr Board dabei kaputtgegangen ist. Habe ich das jetzt alles richtig im Kopf?“ Steve qualmte bereits der Kopf.
Wagner nickte und nahm zwei große Schlucke Wasser.
„Und was wollten Sie danach tun?“, fragte Steve.
„Ich habe mit meinem Kumpel David telefoniert, um mich mit ihm bei Kamekona zu treffen. Ehrlich man, ich habe mit dem ganzen Scheiß nichts zu tun.“
„Ich denke, dass Ihr Kumpel das bestätigen kann?“
„Sicher, wir haben ungefähr zehn Minuten telefoniert.“
Steve wies Danny an, ihm nach draußen zu folgen. „Und, was denkst du“, fragte er seinen Partner.
„Klingt seltsam. Besonders der Teil mit dem fremden Typen, der ihm das Board verkaufen wollte.“
„Vielleicht klingt es seltsamer, als es ist Danny. Ich denke, dass irgendjemand wollte, dass Wagner dort auftaucht. Wir sollten die Aufnahmen der umliegenden Überwachungskameras angucken, vielleicht finden wir ja den Kerl, den Wagner meinte. Und wir sollten noch mal mit der Museumsleiterin sprechen. Ich habe da so die Befürchtung, dass sie uns angelogen hat. Ich denke, sie weiß viel mehr, als sie zugegeben hat.“
„Spricht da dein sechster Sinn?“, fragte Danny, der ganz genau wusste, wenn Steve so ein Gefühl hatte, dass er meistens richtig lag. Auch wenn diese Erkenntnis bedeutete, dass ihr Fall noch lange nicht aufgeklärt war.
„Ich bin mir sicher, dass sie etwas verheimlicht. Die Frau weiß irgendetwas.“
„Und wir werden herausfinden, was es ist.“ Danny betrat den Verhörraum, um Wagner laufen zu lassen. Jedenfalls fürs Erste. Die Sache mit dem Stalking war deswegen aber nicht vom Tisch.
 
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