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Desperated hearts

von TheWInd
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
HIM
26.08.2022
27.11.2022
29
66.038
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24.11.2022 2.501
 
Gerade als Paul das Zimmer verlassen hatte um zu telefonieren klopfte es. Ville fühlte sich müde und erschöpft, drehte aber dennoch den Kopf in Richtung Tür und erstarrte dann, als er wenig später Daniel erkannte, der zögernd in der Tür stehen blieb und ebenso entsetzt zu ihm hinüber sah.
„Ville... hey... darf ich reinkommen?“
„Sicher.“
Daniel nickte, dann schloss er die Tür hinter sich und blieb nun zögernd am Bettende stehen. In seinem Blick lag pures Entsetzen, auch wenn er versuchte sich merklich zusammen zu nehmen, aber sein Blick blieb immer wieder an den Monitoren wie auch an Villes geschwollenem Gesicht hängen.
„Wie geht es dir?“
Der Fronter zog langsam die Schultern hoch. „Es sind nur Prellungen. Und eine Gehirnerschütterung. Warum bist du hier und nicht am Flughafen?“
Daniel sah ihn noch immer mit sichtlich gemischten Gefühlen an.
„Ich... ich wollte mit dir reden. Ich konnte nicht einfach so zurück nach Utah fliegen. Was wenn das alles nur wegen mir passiert ist? Ville? Ich weiß ja nicht mal so genau was alles schon während der Tour passiert ist. Ich habe versucht mit Taylor zu sprechen, mit ihm zu telefonieren, aber er hat mich immer öfters weg gedrückt oder ignoriert oder erst Stunden später geantwortet. Ich wusste irgendwann, dass da etwas war. Er war so seltsam zu mir, er war einfach weg und dann hat er nicht mal mehr darauf geantwortet, als ich am Flughafen war und ihn gefragt habe ob er mich abholen kann... ja ich habe es geahnt, irgendwie. Auch wenn ich natürlich gehofft habe mich zu irren, aber als ich dich dann sah, und Jack... da war es mir auch klar, dass irgendwas gewesen sein musste. Ich wusste nur nicht was.“
Er brach ab, wie um seine eigenen Gedanken zu sortieren. Ville schwieg dabei und musterte ihn mit seinem einen Auge, während er sich wieder die Hand auf den Magen presste und versuchte tief und gleichmäßig Luft zu holen.
„Gestern Abend dann wollte ich mit Taylor darüber sprechen, ihn zur Rede stellen... auf dem Parkplatz. Und das habe ich dann auch getan. Wir sind in Streit geraten und deshalb denke ich, dass es doch meine Schuld ist, dass du jetzt hier liegst und verletzt bist. Ich hätte nichts sagen sollen, ihn nicht noch weiter aufregen sollen, oder? Verdammt aber auch.
Taylor ist jähzornig und er fährt leicht aus der Haut. Verdammt... ich war so durcheinander, ich liebe ihn, zumindest dachte ich, dass ich das tun würde, aber dann wurde mir allmählich klar, dass sich alles, aber auch alles verändert hatte und niemals mehr zu dem werden konnte was es einst gewesen war. Zwischen ihm und mir. Er war die ganze Zeit über mehr als abwesend zu mir, er hat mich nicht mal mehr wahrgenommen, geschweige denn gefreut, dass ich da war, und das, wo wir schon so oft über ein Treffen während eurer Tour gesprochen haben. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, ich war enttäuscht und wütend zugleich und das habe ich ihm dann auch gesagt. Und das tut mir leid, er war außer sich, er war wütend, und er leugnete es etwas mit einem anderen gehabt zu haben, aber ich konnte ihm nicht mehr glauben. Und dann sind wir zurück zum Tourbus gelaufen, weil wir kaum noch Geld für das Taxi, und nicht mal mehr für den Flug zurück in die USA hatten und dein Gesicht... es hat Bände gesprochen... da wusste ich, dass ich mich nicht geirrt hatte. Nur wusste ich nicht warum. Und ich weiß es auch jetzt nicht. Aber ich weiß, dass diese Schlägerei meine Schuld ist, ich weiß es einfach. Weil ich da war und Taylor es sicherlich nie zugegeben hätte, und Jack auch nicht.“
Seine Stimme brach und er senkte kurz den Blick, ehe er Ville wieder ansah, der ebenso entsetzt und blass war und ihn anstarrte.
„Daniel...  Nein, Unsinn. Hör zu, Daniel, ich erinnere mich nicht mal mehr an die letzte Nacht, auch der Gig ist vollkommen ausradiert, wie auch alles, was danach passiert ist, aber ich weiß, dass es sicherlich nicht deine Schuld ist! Taylor hat dich betrogen und ich war es, der es ausgesprochen hat. Und dafür hat er mir eine gelangt... ich...“
Der andere Mann seufzte auf. „Ich wollte doch nicht, dass er dich derart zusammen schlägt! Dich trifft doch auch keine Schuld... ich meine ja er hat mich betrogen.. mit Jack, nicht mit dir. Ich verstehe das einfach nicht...“
Er klang merklich bedrückt und fuhr sich mit einer kurzen, fahrigen Bewegung durch die hellen Haare, ehe er Ville wieder ansah. Das Piepen der Monitore hallte ihm im Kopf wieder.
„Ville? Was ist wirklich passiert? Während der Tour?“
Der Frontmann neigte den Kopf ein wenig zur Seite, sein Gesicht pochte, sodass er erneut kurz die Zähne zusammen biss, ehe er ihm halbwegs antworten konnte. Dazu schlug ihm das Herz dumpf und klackernd bis zum Hals, aber es half nichts, denn Daniel hatte die Wahrheit verdient.
Die ganze Wahrheit. Die ganze Geschichte.
Das ganze Drama.
„Daniel, ich...“
„Bitte Vil, du musst es mir sagen. Bitte.“
„Uhh...“, der Fronter zögerte noch immer, „Taylor und ich hatten schon von Anfang an unsere... Differenzen, noch bevor wir überhaupt ins Studio gegangen sind.“ Auch er wirkte gequält, aber die Worte drängten sich immer mehr an die Oberfläche, sodass er sie nicht mehr länger zurück halten konnte.
Daniel legte eine Hand auf das Bettgestell.
„Warum?“
„Uhh. Jetzt weißt du ja, dass Taylor was mit Jack hatte... es tut mir leid, ich hätte die Klappe halten und nicht alles noch schlimmer machen sollen zwischen dir und ihm, aber ich... ja ich dachte, ich müsste es sagen,. Zur Hölle noch mal.“ Er verzog vor Schmerzen das Gesicht, während er sich im Bett etwas umdrehte, ihn dabei aber auch weiterhin ansah und nur heiser Luft holte. Er empfand tiefe Scham, selbst jetzt noch, aber er hielt seinem Blick stand.
„Daniel. Ich war davor mit Jack zusammen. Das zwischen uns war etwas besonderes, es war anders als all die anderen Beziehung. Er hat mir das Leben gerettet, ich habe bei ihm in Utah gelebt... wir. Haben uns geliebt als ob es danach nichts mehr geben würde.. uhh aber es hat nicht sollen sein. Und dann begann das zwischen ihm und Taylor und irgendwann wusste ich, dass es da auch noch dich gibt...“
„Du und Jack? Ihr ward ein Paar?“
„Ja...“ Ville seufzte auf. „Ja, es ist wahr. Aber Jack ist nicht schlecht, Himmel nein, im Gegenteil, er ist perfekt, er ist süß und ich denke noch immer viel an ihn, er ist ein Teil meiner Seele, ja das ist er, ein ganzer Teil sogar. Ich...“ Er versuchte mit den Händen zu gestikulieren, doch fehlte ihm noch die Kraft dazu und auch der Schwindel setzte ihm zu, sodass er keuchend den Kopf wandte.
„Ich habe ihn abgöttisch geliebt, bis es zwischen uns zerbrach. Ich war wütend, verletzt und enttäuscht, vor allem dann, als ich wusste, dass er es mit Taylor... treibt und mich einfach so ersetzt hatte, ich wusste nicht mal warum oder was er an ihm so toll fand...“ Er musste innehalten und sich sammeln, das Sprechen fiel ihm schwer. „Es war nicht richtig, ich fand es abstoßend und es hat mich verletzt, dennoch habe ich mich die ganze Zeit über raus gehalten. Auch wenn ich es nie verstanden habe. Aber was hätte ich auch tun können? Jack wollte zu diesem Zeitpunkt nichts mehr von mir wissen... und dennoch sind wir auf Tour gegangen.“
„Was? Mit Taylor und Jack?“ Er klang erstaunt und schüttelte dabei leicht den Kopf. „Obwohl du und Jack auseinander ward? Oh Ville das muss hart gewesen sein...“
Der Fronter seufzte auf, ehe er den Blick kurz durch das Zimmer gleiten ließ.
„Ja, Daniel, das war es, und verrückt. Jack wirkte glücklich, wenn er spielen konnte und wenn er mit Taylor zusammen war, aber irgendwann merkte ich, dass es Taylor nicht ernst meinte und Jack erzählte mir dann irgendwann von dir und wie schlecht er sich fühlte... ich war wütend. Auf Taylor, auf Jack und auf mich selbst.. und dann standest du plötzlich da, ohne zu wissen, was wirklich los war. Was die ganze Zeit über gelaufen war. Das habe ich nicht ertragen, Daniel, denn ich denke, dass du das nicht verdient hast. Ihr wolltet heiraten... und Taylor hatte eine Affäre, es hat ihm bloß Spaß gemacht. Er wusste was er da tat, er hat es nicht nur einmal getan, und er hat auch nicht versucht es zu verheimlichen und mich hat am meisten aufgeregt, dass ich das Gefühl hatte, als wenn er Jack bloß ausgenutzt hätte oder nur so lange mit ihm zusammen sein würde, wie er auf Tour war... ich war einfach wütend und ich wollte Jack schützen...“ Er schüttelte traurig den Kopf, „Ich hätte es nicht tun sollen. Sicher hättest du es auch so irgendwann heraus bekommen... ich...“ Wieder stockte er, dann trafen sich ihre Blicke für einige Augenblicke.
„Und Taylor hat mich erpresst. Mit meiner Sucht, mit den verdammten Rezepten, mit allem, er hat mir das Leben zur Hölle gemacht und beinahe hätte er es auch beendet... ich...  ich konnte keine ganze Wut einfach nicht mehr zurück halten.“ Er schüttelte den Kopf. „Aber ich bin froh, dass du hier bist, ja das bin ich wirklich, aber auch ich kann das, was passiert ist nicht ändern oder rückgängig machen, ich kann euer Beziehung nicht kitten, ich kann ja nicht mal mehr mich selbst retten.“ Er war atemlos und die nackte Verzweiflung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben, während Daniel ruhig am Bett gestanden hatte.
„Und Jack? Er hat was für meinen Freund empfunden?“
„Ja das hat er wohl.“
„Uhh... und Taylor nicht, mm?“
„Nein Daniel. Ich hatte nie das Gefühl. Es war eher ein Spaß für ihn. Frag mich nicht warum. Ich weiß es nicht. Und ich wusste, dass das zwischen euch kompliziert werden könnte, sollte er mit auf Tour gehen... aber Jack bat mich darum. Nicht weil er vorhatte mit ihm zu schlafen, nein, sie waren Freunde. Von damals. Und daraus wurde dann mehr. Aus Langeweile, ich weiß es nicht. Aber das ist das ganze Drama, was sich letzte Nacht abgespielt hat.“
Das Kissen unter ihm raschelte, Daniel holte einige Male heftig Luft, er wirkte gefasst, auch wenn er sehr blass war und mit sich wie auch mit seinen Gefühlen kämpfte.
„Taylor war mein absoluter Traum, ich war hin und weg, auch wenn ich wusste, dass er mir wohl nie ganz treu sein würde, ich habe das ignoriert... aber dann kam die Tour... und ja es wurde kompliziert. Schwieriger. Bis ich ihn nicht mehr erreicht habe. Aber ich höre noch immer in deinen Worten wie sehr du Jack schätzt und vielleicht auch liebst... ich... was ist er für ein Mann?“
„Uhh,“ Ville lächelte, „Der beste, der mir in meinem Leben passieren konnte, ja, das ist er. Aber es hat nicht sollen sein. Ich war zuvor mit seinem Dad zusammen, und ich... uhh... bin nie über dessen Tod hinweg gekommen und habe bei Jack wohl zu viel Trost gesucht.“
Daniel zog die Augenbrauen zusammen.
„Mit seinem Dad?“
Ville kicherte traurig. „Ja. Mit John. In Utah.“
„Aber das mit Jack war erst später, oder?“
Wieder kicherte Ville heiser. „Was denkst du denn? Natürlich erst lange nach Johns Tod. Bitte... hör zu was auch immer aus dir und Taylor werden mag, du darfst Jack nicht die Schuld geben. Es war falsch von ihm, er ist zu weit gegangen, er hätte nein sagen müssen und das von Anfang an, aber gib ihm nicht nur die Schuld...“
„Nein, das tue ich nicht. Taylor war verlobt, nicht Jack. Ich... bin noch etwas durcheinander und erschüttert, über all das. Ich dachte wirklich, dass wir beide heiraten würden, und auch, dass es dann vielleicht etwas besser werden könnte. Es tut mir leid, was mit dir passiert ist. Bitte, zeig ihn an. Er soll dafür bestraft werden und wenn du es nicht tust, dann werde ich es tun!“
Ville riss das gesunde Auge auf und versuchte sich im Bett etwas aufzusetzen.
„Was? Das verlangst du doch nicht wirklich, oder?“
Daniel nickte.
„Doch, das tue ich. Es ist genug! Er hat mich betrogen und hintergangen, das muss ich hinnehmen, nicht aber dass er dich wegen der Wahrheit derart zusammen schlägt, nein. Er hätte auf Jack los gegen müssen, nicht aber auf dich. Ich bin froh, dass du es gesagt hast, Ville. Ja das bin ich. Auch wenn es unsagbar weh tut, und ich nun alleine in die Staaten zurück fahren und mich von ihm trennen werde aber das ist allemal besser als mit dieser Lüge leben zu müssen. Ich hätte ihn geheiratet, verdammt, ohne zu wissen, was während dieser Tour wirklich gelaufen ist. Und das wäre weitaus schlimmer gewesen.“
Ville versuchte zu lächeln, doch er war traurig und auch die Schmerzen waren zu stark. Er keuchte leise auf, wälzte den Kopf herum, sah ihn dann jedoch wieder an.
„Ich wünschte es wäre anders gelaufen... Jack und ich... wären noch zusammen... genauso wie du und Taylor... und wir hätten noch eine Tour...“
Daniel senkte beschämt wie auch sichtlich gezeichnet den Kopf.
„Ja Ville, ja das wünschte ich auch, aber es ist wie es ist, mm?“ Beide Männer schwiegen einige Augenblicke lang, bis der junge Amerikaner erneut das Wort ergriff und sich einige Schritte im Zimmer auf und ab bewegte aber dabei immer wieder zu Ville hinüber sah.
„Was wird jetzt aus der Tour?“
„Ich weiß nur, dass die nächsten beiden Gigs ausfallen werden und ich kann nur hoffen, dass ich Amsterdam dann wieder spielen kann.. oder in Frankfurt... verdammt... und Taylor war unser Keyboarder...“
„Habt ihr Ersatz?“
Villes Miene verfinsterte sich. „Ja. Und ich weiß nicht ob ich lieber Hannu oder doch Taylor mit im Tourbus und auf der Bühne wüsste, nein ich weiß es wirklich nicht. Aber ich bin froh, dass du hier warst. Ich wünsche dir alles gute, Daniel.“
Der andere Mann musterte ihn.
„Ich wünschte ich könnte etwas tun.“
Doch Ville schüttelte nur den Kopf. „Nein. Nein das kann niemand. Aber es ist schon gut. Es ist nicht deine Schuld.“
„Gut? Nein, Vil, nein das ist es nicht. Taylor wird weitermachen, und dich erpressen... du musst ihn anzeigen! Ich bitte dich. Hier meine Nummer, falls du mich brauchen solltest. Ganz gleich bei was, ich stehe in deiner Schuld.“
Mit zitternden Händen nahm Ville die kleine, zerknitterte Karte entgegen, dann wandte sich Daniel auch schon um und verließ das Zimmer, während der Finne ihm mit deutlich gemischten Gefühlen nachsah, ehe er die Karte genauer betrachtete und dabei erst bemerkte, dass er die Nummer einer wohl größeren Anwaltskanzlei in Salt Lake City in den Händen hielt. Er war überrascht und begriff zuerst nicht, denn soweit er wusste war Daniel nicht als Anwalt tätig, aber dann erkannte er am Namen der Kanzlei, dass er wohl verwandt war.
Langsam legte er die Karte zurück und schloss die Augen. Ihm schwindelte und sein Gesicht pochte, aber sein Herz fühlte sich zum ersten Mal seit Monaten wieder etwas leichter an, auch wenn er wusste, welch hohen Preis sie alle dafür bezahlt hatten.
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