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Desperated hearts

von TheWInd
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
HIM
26.08.2022
27.12.2022
50
113.831
1
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24.11.2022 2.383
 
Einige Stunden später
Sanftes, morgendliches Licht drang durch die Vorhänge und tanzte blass auf dem grauen Linoleumboden der Klinik. Paul war eingenickt und hatte den Kopf auf die linke Hand gestützt, während er noch immer auf dem unbequemen Stuhl saß und leise vor sich hin schnarchte.
Ville blinzelte stöhnend, dann drehte er vorsichtig den Kopf und blinzelte erneut, da vor seinen Augen noch immer alles verschwamm und ihm zum sterben übel war, sodass er augenblicklich zu stöhnen wie auch zu würgen begann, sodass Paul benommen hochschreckte und ihn besorgt ansah und sich über ihn beugte.
„Ville... du bist wach...“
Der Fronter stöhnte bloß, dann schloss er die Augen wieder. Alles drehte sich wild durcheinander, seine Schläfen pochten wie unter Hammerschlägen und ihm war ziemlich flau im Magen, sodass er sich halb im Bett herum wälzte und sich die Hand auf den Magen presste. Er hing noch immer an dutzenden von Kabeln und Schläuchen, sodass Paul aufstand und ihm mit dem Arm und der Infusion half, dann blieb er dicht bei ihm stehen und strich ihm behutsam mit der Hand über das grün und blau angeschwollene Gesicht. Die rechte Gesichtshälfte war verbunden, sodass Ville nur mit der linken Seite blinzeln konnte.
Er stöhnte wieder vor Schmerzen, sodass Paul ihm mitfühlend die Hand auf die rechte Schulter legte. „Soll ich die Schwester rufen, Vil? Oder den Arzt? Hast du starke Schmerzen?“
„Nein...“
Paul seufzte auf, ehe er ihm behutsam die dunklen Haare aus der Stirn strich und ihm dabei sogar noch Laub aus den Haaren entfernte, dann setzte er sich wieder zu ihm ans Bett, beobachtete ihn aber weiterhin, ebenso auch die Monitore, die um das Bett herum standen und blinkten. Er hielt seine Hand fest umklammert.
„Wie geht es dir?“
„Beschissen. Oh Paul... oh Gott ich... mein Schädel platzt gleich...“
„Du hast eine Gehirnerschütterung, Vil.“
„Was haben die Ärzte gesagt?“, fragte der Fronter stöhnend, ehe er wieder zu ihm hinüber blinzelte, ehe er sein verbundenes Gesicht vorsichtig befühlte und dann die zitternden Hände wieder sinken ließ. Er wirkte unruhig, auch wenn sich sein Puls kaum verändert hatte. Wieder befühlte er vorsichtig den dicken Verband in seinem Gesicht.
„Was ist mit meinem Auge? Bin ich etwa blind? Was... was ist passiert?“ Panik klang in seiner Stimme mit, während er versuchte sich halb aufzusetzen, aber dann doch wieder vor Übelkeit und Schmerzen zusammen sank und Paul ihn halb stützte und zugleich auch versuchte zu beruhigen.  
„Beruhige dich, Ville, bitte. Ruhig ein und wieder ausatmen, hörst du? Beruhige dich! Es ist nichts gebrochen, und auch dein Auge ist vollkommen intakt, Vil, es ist nur zugeschwollen, da du eine heftige Platzwunde am Auge hast, die genäht werden musste. Hier du solltest dein Gesicht weiterhin kühlen.“ Behutsam hielt er ihm den Kühlakku an die Stirn. Dann betrachtete er ihn wieder eingehend wie auch besorgt von der Seite.
„Beruhige dich, es ist nur geschwollen.“
Der Finne nickte langsam, dann sah er ihn jedoch wieder merklich gequält an. „Was... was ist passiert? Paul? Bitte du musst es mir sagen, bitte...“
Der Ältere drückte seine Hand.
„Haben die Ärzte nicht mit dir gesprochen?“
„Doch, ich denke schon, aber ich war zu müde und zu benommen, ich habe sie nicht verstanden. Sag es mir. Bitte.“ Er keuchte auf, er war blass und sah zu ihm auf. „Paul bitte was ist mit mir passiert? Warum bin ich im Krankenhaus? Wer hat mich denn derart zusammen geschlagen? Und warum? Paul...“ Er klang verzweifelt und keuchte wieder auf, während er gegen die Übelkeit wie die Schmerzen ankämpfte und die Zähne aufeinander biss und aufstöhnte, bis Paul schließlich aufstand und klingelte.
Wenig später betrat eine Schwester das Zimmer. Paul sah ihr entgegen.
„Bitte... er braucht mehr Schmerzmittel...“
Doch die Schwester schüttelte den Kopf. „Er hat bereits vor einer Stunde eine Dosis Paracetamol bekommen, jedoch ist seine Schmerztoleranz durch den Missbrauch an Tilidin erheblich gesunken, sodass er das Gefühl hat mehr zu brauchen, aber wir können ihm erst in ein paar Stunden wieder eine Infusion anhängen. Bitte gut kühlen. Ich kann ihm noch etwas gegen die Übelkeit geben, aber keine Schmerzmittel mehr, es tut mir leid.“
Ville keuchte auf, dann ballte er die Hand zur Faust, während er um Fassung rang, dann nickte er jedoch. „Schon gut, ich brauche nichts,“ presste er mühsam hervor, obwohl ihm die Qual geradezu anzusehen war.
Die Schwester verließ den Raum wenig später wieder. Ville stöhnte nur noch und ließ den Kopf sichtlich erschöpft zurück sinken, dann sah er Paul mit dem gesunden Auge fragend an.
„Verdammt... was... Paul... was ist passiert?“
Der Freund umklammerte seine Hand. „Es tut mir leid, dass sie dir nicht mehr geben dürfen... ich...“
„Was ist passiert?“, fragte der Fronter nun mit Nachdruck, sodass Paul bedrückt den Kopf senkte, ehe er ihn wieder ansah.
„Du erinnerst dich an nichts mehr, oder? Auch nicht an den Gig?“
Ville runzelte angespannt die Stirn, soweit es die heftigen Prellungen in seinem Gesicht zu ließen. Seine Hände zitterten ein wenig und er war blass. Paul reichte ihm ein Glas mit Wasser und half ihm beim trinken, dann schüttelte er ihm das Kopfkissen wieder auf und blieb schließlich dicht bei ihm stehen. In seinem Gesicht zeichneten sich deutliche Sorgenfalten ab.
„Der Gig? Nein... es ist zu verschwommen, ich... ich weiß es nicht mehr, ich bin mir nicht sicher... ich...“
„Schon gut, die Ärzte meinten, dass eine solche Amnesie nach einer Gehirnerschütterung völlig normal ist und die Erinnerungen vielleicht auch zurück kommen werden. Vielleicht auch nicht, das können sie nicht sagen, aber dir fehlt nur der letzte Tag. Bitte, du darfst dich jetzt nicht zu sehr aufregen, Ville... du hast keine schweren Verletzungen erlitten, keine Brüche, dein Herz war in Ordnung, es sind nur die Prellungen und Platzwunden im Gesicht.“
Ville versuchte tapfer zu sein, wie auch sich zusammen zu nehmen, aber aufgrund der heftigen, pochenden Schmerzen in seinem Schädel wie auch der zunehmenden Übelkeit fiel es ihm sichtlich schwer. Er umklammerte Pauls Hand.
„Da ist nichts mehr... nicht mal mehr an den Gig kann ich mich erinnern... nur wie wir davor im Tourbus gesessen haben. Danach ist nichts mehr, rein gar nichts... und das macht mich wahnsinnig... mein Gott... ich habe es vergessen. Es ist schwarz, vollkommen schwarz alles.“
„Beruhige dich, es geht vorbei. Oder aber die Erinnerung kommt zurück. Beruhige dich, bitte! Die Ärzte haben dir auch etwas gegen die Übelkeit gegeben und Sauerstoff, als sie dich letzte Nacht eingeliefert haben haben.“
„Letzte Nacht also?“
„Ja. Nach dem Gig seid ihr auf dem Parkplatz aneinander geraten.“
Ville sah ihn mit seinem einen Auge fragend aber auch flehend an. „Was ist passiert?“
Paul holte gequält Luft, „Es war Taylor, er hat dich so zusammen geschlagen, Vil. Er hat nicht aufgehört, wir sind dazwischen gegangen, Jack, Antero und ich, erst dann hat er endlich von dir abgelassen... überall war Blut und du warst kaum mehr bei Bewusstsein.“ Auch seine Stimme brach, sodass er sich räuspern musste. Die Sorgenfalten waren tiefer geworden. Noch immer umklammerte er die Hand seines Freundes.
„Taylor? Warum hat er das getan? Ich verstehe das nicht und ich erinnere mich nicht mehr daran, an gar nichts...“
Paul drückte liebevoll seine Hand. „Du hast Daniel gesagt, dass Taylor was mit Jack hatte... und auch, dass Taylor sein Geld nicht bekommen würde, da ihr noch auf Tour seid und das Geld nicht habt, er wollte wohl zum Flughafen... er ist vollkommen ausgerastet und hat auf dich eingeprügelt.  Ville... es war dennoch richtig es Daniel zu sagen, wir hatten vorher darüber gesprochen, erinnerst du dich daran noch?“
Der Fronter stöhnte wieder hörbar wie auch gequält auf.
„Ich habe was? Daniel? Er... er war hier?“
„Ja, Vil. Er wollte seinen Freund sehen...“
Ville schüttelte traurig den Kopf, „Und dann habe ich nichts besseres zu tun als ihm von der Affäre seines Verlobten zu erzählen, ja? Nein, Paul, das war nicht richtig... ich...“
Kurz trafen sich ihre Blicke, Ville wirkte erschöpft und ließ den Kopf zurück aufs Kissen sinken, während er mit dem einen Auge zur weißen Decke hinauf starrte und versuchte ruhiger zu atmen, aber es ging nicht, er fühlte sich elendig und dann glitzerte es auch noch in seinen Augen, sodass er sich fahrig mit der Hand übers geschwollene Gesicht fuhr.
Paul hatte es dennoch bemerkt und strich ihm über den nackten, tätowierten Arm, in dem immer noch die Kanüle steckte.
„Es ist schon gut. Du hast das richtige getan.“
„Habe ich das, ja? Sieh mich doch an verdammt, nein, es war nicht richtig, es war falsch... ich weiß nur nicht mehr warum ich es ihm unbedingt sagen wollte, was mit mir los war...“
„Es ist passiert, Ville, du kannst es jetzt ohnehin nicht mehr rückgängig machen.“
„Nein, das nicht, aber zugleich habe ich auch Jack vor allen anderen bloßgestellt... ich...“
„Er ist okay.“
„Ja?“, fragte Ville heiser, während Paul ihn ansah und nickte. „Ja, das ist er. Er war krank vor Sorge um dich, Ville, und er war die ganze Nacht über hier im Krankenhaus. Er wollte sofort wissen wie es dir geht. Ich werde ihn gleich anrufen, in Ordnung?“
Der Fronter nickte nur matt.
„Es tut mir leid,“ sagte er auf einmal und heftete den Blick wieder auf Paul, dieser wandte sich ihm fragend zu.
„Was? Was meinst du?“
Ville holte Luft, die Übelkeit quälte ihn noch immer, er war blass im Gesicht und wieder presste er sich eine Hand auf den Magen, während er versuchte den Kopf anzuheben, ohne dass ihm dabei erneut alles wild durcheinander kreiselte.
„Dass ich dir gesagt habe was ich für Jack empfinde...“
Paul senkte den Blick. Es tat weh, aber dann sah er ihn wieder an und strich ihm sogar durch die langen, dunklen Haare, die ihm wirr auf die Schultern fielen. „Das wusste ich, auch ohne dass du es mir gesagt hättest, Vil. Du brauchst jetzt vor allem Ruhe, denk nicht an ihn. Und auch nicht an Taylor, versprich es mir. Du musst dich ausruhen um wieder zu Kräften zu kommen.“
Ville hielt seinem Blick stand.
„Aber es war auch dir gegenüber nicht fair, Paul... ich liebe dich.“
„Und Jack. Ville ich habe Augen im Kopf. Und ja auch ich habe Gefühle. Aber solange du mir treu bist und mich ebenso lieben kannst werde ich nie etwas sagen.“
„Das bin ich!“ Ville war zu erschöpft, zwang sich aber dennoch weiter zu sprechen. Wieder schwindelte ihm, sodass er das Auge zusammen presste und den Kopf ein wenig zur Seite drehte. Das Hämmern in seinem Schädel ließ ihn kaum mehr zur Ruhe kommen. „Das bin ich. Immer, Paul... es tut mir leid...“
Es senkte sich ein seltsames Schweigen zwischen den beiden Männern nieder, Paul seufzte auf und versuchte zugleich seine aufkommende Sorge, aber auch seine Eifersucht auf Jack zu verdrängen wie auch nicht weiter in seinen Gedanken zuzulassen, während Ville krampfhaft darum kämpfte sich an irgendetwas von letzter Nacht zu erinnern, aber es war weg, seine gesamte Erinnerung war wie ausgelöscht.
„Wo ist Taylor?“, fragte er plötzlich mit wachsender Unruhe wie auch Angst in der Stimme, sodass Paul merklich zusammen fuhr. Er rieb sich das Kinn.
„Die Polizei hat ihn verhaftet, noch auf dem Parkplatz vor dem Club, aber ich denke sie werden ihn mittlerweile wieder frei gelassen haben. Vielleicht ist er noch in der Stadt, ich weiß es nicht, oder aber er ist schon zum Flughafen gefahren, Ville. Und ich weiß auch nicht, ob Daniel bei ihm ist.“ Er seufzte schulterzuckend auf, „Über eine Anzeige sprechen wir später, Vil. Sicherlich wird die Polizei dich auch noch vernehmen wollen, aber erst, wenn es dir etwas besser geht. Es ist noch zu früh, ruhe dich aus, bitte. Du solltest etwas schlafen und nicht weiter darüber nachgrübeln.“
Doch Ville schüttelte trotz seiner Übelkeit wie auch des Schwindels energisch den Kopf. „Er wurde verhaftet? Bist du da sicher?“
Sein Freund nickte bedächtig, während er den Blick kurz über Ville und dann durch das Krankenzimmer schweifen ließ.
„Ja. Wir haben die Polizei gerufen.“
„Und ich soll gegen ihn Anzeige erstatten?“
Paul sah gequält aus  und strich ihm dabei sachte mit den Fingern über den Handrücken. „Ja, aber das liegt ganz alleine bei dir, du hast damit noch etwas Zeit. Aber ja ich denke, dass wir das tun sollten. Er hat dich schwer verletzt und es hätte sonst was passieren können. Jack denkt ebenso. Genauso auch wie die anderen.“
Ville schien über seine Worte nachzudenken. „Ja es wäre richtig, aber dann wird er mich sicherlich auch anzeigen... wegen der Rezepte... mein Gott, ich...“
Paul sah ihn mitfühlend an.
„Hör auf damit, es bringt dir jetzt nichts. Hör einfach auf dein Bauchgefühl, in Ordnung? Und ja es wäre besser ihn anzuzeigen. Schließlich müsst ihr nun einige der Gigs absagen...“
Villes sah schlagartig entsetzt aus und schüttelte erneut stöhnend den Kopf. „Was? Die Gigs? Was ist jetzt mit der Tour? Paul?“
Sein Freund machte ein ernstes Gesicht. Die Monitore piepsten um sie herum, Ville drehte ihm wieder den verbundenen Kopf zu. Seine blassen Lippen zitterten sogar ein wenig. „Was ist mit der Tour?“
Kurz senkte sich Schweigen nieder, sodass nur Villes ruhiger, gleichmäßiger Puls zu hören war, ebenso auch wie seine heiseren Atemzüge.
„Wir werden vielleicht erst wieder in Hamburg oder auch in Amsterdam spielen, je nachdem wie du dich fühlst und wie schnell du entlassen werden kannst.“
„Nein!“
Paul schüttelte nochmals den Kopf. „Du bist verletzt, du brauchst Ruhe! Du musst vernünftig sein, Taylor hat ziemlich heftig zugeschlagen, das braucht einfach Zeit zu heilen ich bitte dich! Keine Tour ist so wichtig wie deine Gesundheit, ich bitte dich wirklich, hör auf die Ärzte und auch auf mich und deine Freunde, denn sie werden dir alle das selbe sagen.“
Ihre Blicke trafen sich für die Dauer eines einzigen Herzschlages. Wieder schüttelte Ville den Kopf, er keuchte und seine Kiefer bewegten sich.
„Nein verdammt, ich will spielen! Ich muss... wir haben Schulden, und das schon jetzt mehr als es gut für uns wäre. Ich muss spielen und ich will..“
„Antero hat die Gigs bereits gecancelt. Es hat keinen Sinn, du kannst mit einer Gehirnerschütterung nicht auftreten...“
„Aber...“
„Kein aber. Hamburg. Das sind drei Tage und ich weiß nicht, ob das reicht, Ville. Es ist so wenig Zeit und ich mache mir Sorgen um dich, ja verdammt das tue ich. Denn ich liebe dich.“
„Aber ich... Hamburg also erst, mm?“
„Ja. Und das zusammen mit Hannu. Er hat zugestimmt. Er wird spielen.“
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