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Desperated hearts

von TheWInd
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
HIM
26.08.2022
27.12.2022
50
113.831
1
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26.08.2022 1.731
 
Finnland, Helsinki

2 Wochen später
14.02.

Paul lehnte rauchend im Hausflur, während er auf Ville wartete. Die bereits gepackten Koffer und Rucksäcke stapelten sich vor ihm auf dem dunklen Boden. Er wirkte angespannt und sah dabei immer wieder auf die Uhr, bis er oben endlich Schritte und dann eine Tür hörte und den dunkelhaarigen Fronter auf der Treppe ausmachte.
„Wir müssen zum Flughafen, Vil. Das Taxi ist schon da.“ Er sah auf und musterte den Freund eingehend.  Der Finne sah nur kurz in seine Richtung, in der Dunkelheit des Flures war sein Gesicht jedoch kaum zu erkennen, nur die grünen Augen schimmerten im wenigen Licht seiner glimmenden Kippe.
Er lächelte angespannt, „Wir werden es schon zeitig schaffen.“ Er wirkte gestresst und er war dazu merklich blass, dann ging er nochmals in die Küche, wo er nach seinen Kippen wie auch dem Ladekabel suchte, dann zog er sich die dunkle Lederjacke an, schulterte einen der Rücksäcke und gemeinsam verließen sie das Haus. Paul sah ihn noch immer von der Seite her an und ihm war nicht entgangen wie angespannt der Fronter war und auch nicht, wie blass er war. Vor dem Taxi hielt er ihn nochmals kurz am Arm zurück.
„Bist du wirklich okay, ja?“
„Sicher.“
„Ville!“
„Mein Herz rast so… aber das,“ er klang atemlos, während er bereits den Kofferraum öffnete und seinen ersten Rucksack keuchend hinein beförderte, „Ist bloß die Aufregung!“
Auch Paul verstaute die Koffer im Taxi, stand dann jedoch wieder neben seinem Freund. Ihre Blicke trafen sich, sodass auch Ville innehielt. „Es ist nichts. Ich habe alle Medikamente genommen und ich fühle mich eigentlich ganz gut, es ist nur… der Stress.“
Sie stiegen ein und nannten dem Fahrer die Adresse des Flughafens in Vantaa. Beide saßen hinten, sodass Paul ihn weiter im Blick hatte und die Stirn tief gerunzelt hatte. „Stress?“
Ville seufzte gequält auf, während sie durch die noch dunklen Straßen der finnischen Hauptstadt fuhren und er versuchte sich zu entspannen wie auch den Kopf zurück legte und immer wieder hinaus sah.
„Ja… dieses Interview gestern…“
„Mm? Du hast mir nicht viel darüber erzählt.“
Über Villes blasses Gesicht huschte ein schüchternes Lächeln, „Ja… wie auch, wenn du mich andauernd ablenkst…“ Er kicherte und dann griff er plötzlich sogar nach seiner Hand, sodass Paul erschrocken aufsah aber die sachte Berührung zwischen ihnen beiden dennoch sichtlich genoss, dann schloss auch er die Finger um Villes Hand. Es war so ein vertrautes Gefühl, sodass sein Herz ebenfalls zu pochen begann. „Du hast angefangen!“
„Ich?“ Ville zog belustigt eine Augenbraue hoch, als er daran dachte, wie er halb nackt aus der Dusche gekommen war, es aber nicht mal mehr in Richtung Schlafzimmer geschafft hatte, da ihn Paul regelrecht verführt hatte und sie es sogar im Flur, an der Wand lehnend, heftigst miteinander getrieben hatten. Er räusperte sich, ehe er heiser Luft holte und sich eine dünne, dunkle Haarsträhne aus den zusammen gekniffenen Augen schob. Er trug eine dunkle, dicke Wollmütze und einen langen Schal, dazu unter der Jacke einen Pullover und einen schwarzen Blazer, dazu eine enge, ebenfalls dunkle Jeans und Vans. Er musste kichern.
„Nein Paul, du hast mich ja förmlich an die Wand genagelt…“
Auch Paul kicherte, doch dann bemerkte er, wie Villes Miene wieder ernst wurde und dieser sogar den Blick senkte.
„Was haben die gesagt? In dem Interview?“
Der Fronter wirkte angeschlagen, wie auch beschämt, und er war sichtlich aufgewühlt. „Ich weiß nicht wie oder warum, aber sie haben alte Dinge aus der Vergangenheit wieder ausgegraben, die ich lieber nicht mehr besprochen hätte… ich…“ Er schüttelte den Kopf, „Tut mir leid, Paul, es ging wieder um Jack und seinen berühmten Vater, und ob sich das Album nach ihm anhören würde und warum wir ausgerechnet auch in Utah spielen werden und wie es mir dabei geht und…“
„Und? Was hast du gesagt?“
„Nicht viel, ich konnte einfach nicht. Und…“ Er holte angespannt Luft, „Es ist ja kein Geheimnis, dass ich zwei neue Herzklappen habe und einen Herzschrittmacher… sie wollten alles über diese Zeit in der Klinik wissen, und auch, ob ich denn überhaupt wieder in der Lage wäre zu touren und…“
Paul nickte langsam, während er ihm zuhörte und ihn zugleich noch immer an der Hand hielt. Der Wagen fuhrruhig durch das völlig verschneite, winterliche und kalte Helsinki.
„Und? Du wirkst so aufgewühlt, und auch gestern schon hast du nicht viel gesagt, Vil, was ist wirklich los, mm? Du kannst es mir sagen. Bitte ich…“
Der Finne zog wütend die grünen Augen zusammen, ehe er wieder nach draußen in die dunkle, erstarrte Kälte sah, die er förmlich spüren konnte, auch wenn er hier drinnen im warmen Wagen saß. Er seufzte schwer auf.
„Da wir jetzt das Album fertig haben und auf Tour gehen, ruft das auch immer viele Menschen auf den Plan, die an diesem Erfolg gerne beteiligt gewesen wären.“
„Was meinst du damit?“
„Ich weiß gar nicht,“ begann Ville auf Finnisch, „Ob ich es dir überhaupt erzählt habe, aber die ursprünglichen Songs hatte ich zusammen mit Hannu und Matti aufgenommen, oder zumindest hatten wir es versucht, auch wenn wir keine vollständige Band damals waren und ich mir nicht sicher war, ob John die Sachen überhaupt mögen würde.“
„Und?“
Ville schüttelte missmutig den Kopf, während sie an einer roten Ampel warten mussten und es wieder zu schneien begonnen hatte. Der Himmel war tief grau und schwer, sodass man selbst den herauf dämmernden Morgen kaum wahrnehmen konnte, außer einem schwachen, silbernen Strich am fernen Horizont.
„Hannu will seine Anteile haben. Doch durch das Interview ist er wieder auf mich aufmerksam geworden, zumal die Reporterin ausgerechnet ihn auch noch erwähnt hat… das Ganze ist ziemlich schnell viral gegangen und ob du es glaubst oder nicht, aber es mischen sich nun viele Leute ein, die weder mich noch Matti oder die Songs kennen… und das uhh ist keine gute Publicity für das Album oder für uns. Sie stellen es sogar so hin, als hätte ich ihn rausgeworfen und würde mich aber dennoch an seinen Ideen und seinen Parts bedienen… er hat mir eine SMS geschickt und mir nun sogar mit einer Schadensersatzklage gedroht…“ Ville war noch immer sehr blass, „Und er behauptet sogar, dass ich somit auch das damalige Label, mit dem John zusammen gearbeitet hat und für das er uns sicher auch den Weg zu einem Vertrag geebnet hätte verklagen würde. Roadrunner Records… aber ich habe dort nie etwas unterschrieben oder zugesagt, nie! Und…“
Paul war entsetzt. Langsam fuhr der Wagen wieder an, sie konnten den Schneematsch unter den Reifen hören. Noch immer zeigte sich kaum ein Lichtschimmer am Himmel.
„Roadrunner?“
Ville seufzte auf. „Ja. John hat mit denen oft zusammen gearbeitet und wir hatten damals kein Label, wir hatten keine richtigen Songs, und auch keinen Manager, nichts…“ Er zuckte kurz die Schultern, „John wollte da vermitteln und vielleicht hätte es auch ganz gut gepasst, aber es hat nicht sollen sein.“
„Ah.. aber du bist zu John gegangen?“
„Wir alle drei waren bei ihm und haben ihm die Songs vorgespielt…“
„So seid ihr also zusammen gekommen?“
Ville lächelte traurig. „Nein. Da waren wir schon wieder getrennt, sind aber durch dieses Treffen dann doch wieder zusammen gekommen… es ist kompliziert, ja… das mit den Songs meine ich, mm?“
„Sind es denn jetzt die gleichen Songs?“
Ville seufzte auf. „Zum Teil ja, aber ich habe sie aufgenommen, ich habe die Riffs komponiert und die Texte geschrieben und umgeändert, Matti und Hannu haben quasi nur die ursprüngliche Form gespielt…“
„Habt ihr die Sachen aufgenommen?“
„Ja. Bei John im Studio.“
Paul fluchte auf. „Und jetzt sind die Stücke, wenn auch in einer etwas anderen Form auf dem Album, ja?“
„Ja.“
„Oh Ville ich… ich kenne mich damit nicht so gut aus, aber es könnte doch sein, dass er Ansprüche hat, oder?“ Sein Blick war sorgenvoll geworden, während er den Freund, aber auch noch immer das graue, trübe Wetter draußen beobachtete und dabei erneut seine Hand umklammert hielt.
„Wir hatten damals keinen Vertrag.“
„Nicht?“
Ville schüttelte den Kopf. „Nein. Wir standen mit nichts da, niemand hätte uns so unter Vertrag genommen, auch nicht mit meinem Namen, John wollte uns oder mir da helfen, wenn das denn wirklich seine Absicht war, uhh ich… aber ich weiß, dass ich die beiden nicht beteiligen muss. An gar nichts.“ Wütend zog er die Schultern hoch, „Es ist damals so vieles schief oder anders gelaufen, nie konnte ich mit ihm über die Songs sprechen, schon gar nicht von einem Album, weil ich immer das Gefühl hatte als würden wir uns gar nicht kennen, geschweige denn verstehen.“
Ihre Blicke trafen sich kurz. Der eisige Wind draußen presste immer wieder den fallenden Schnee gegen die Autoscheiben, sodass man von der Straße kaum etwas sehen konnte. Bis nach Vantaa war es noch ein ganzes Stück.
Vorne lief leise Radio, während sie dahin fuhren.
„Hast du sie denn aus der Band geworfen?“, fragte Paul vorsichtig, während er kurz die Schilder draußen betrachtete, ehe er den Blick wieder auf Villes blasses Gesicht heftete und versuchte in ihm zu lesen.
„Es war keine richtige Band, das war es wirklich nie und es hat sich auch nicht danach angefühlt. Es hätte zu dem werden können, aber das ist es nicht. Es hat nicht gepasst. Und wir hatten keine Verträge miteinander, nichts. Wir wollten einfach sehen ob und wie weit wir mit dem, was wir damals hatten kommen würden.“ Ville sah auf, „Wir sind dann schließlich im Streit auseinander gegangen, während ich weiter an den Sachen gearbeitet habe.“
„Etwa in Utah?
„Ja… in Utah… während die beiden Jungs hier in Finnland waren.“
„Dann sind sie für die Aufnahmen nicht noch mal in die USA geflogen?“
Ville presste kurz die noch immer blassen Lippen aufeinander. „Nein. Ich… ich habe sie nicht gefragt, ich wollte das mit John machen, weil ich gehofft hatte wieder mit ihm zusammen zu kommen, so richtig…“
Paul neigte den Kopf zur Seite. „Habt ihr denn darüber gesprochen? Du und Hannu? Oder mit Matti?“
„Nicht viel… wie gesagt, es ging im Streit auseinander. Und jetzt klagt er auf Schadensersatz und behauptet ich hätte ihn aus der Band geworfen.“
„Hast du das denn?“
„Paul… ich… nein, nicht direkt. Aber da gehalten habe ich ihn auch nicht…“ Er ließ die Arme auf seine Knie sinken und starrte eine Weile vor sich hin. „Aber die Songs sind nicht mehr die, die wir damals aufgenommen haben, nicht einer… und wenn, dann ist er nicht auf dem Album.“
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