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Ohne jede Spur

von Kaylee75
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi / P16 / Div
25.08.2022
29.09.2022
7
18.124
 
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22.09.2022 3.603
 
Kapitel 5 von 5

                  17.09.2022


Hallo, es ist wieder Donnerstag, Zeit für Kaylees Crime Time. Entschuldigt, dass das Kapitel erst jetzt kommt. Ich bin leider nicht ganz fit und hatte zwischendurch hohes Fieber. Aber ich wollte euch nicht schon wieder vertrösten. Darum nun viel Spass mit dem neuen Kapitel.


              "Freund oder Feind?"

Lilly ging auf den Dachboden. Die kleine Treppe der Dachluke knarzte als sie sie empor stieg. Oben lag viel Staub und es standen viele Kartons herum. Ein wenig unschlüssig stand sie neben der Klappe. Dann ging sie langsam über die alten staub bedeckten Holzdielen, wich einem Balken aus und hob einen Karton an. Kinderspielzeug stand drauf. Sie lächelte traurig, stellte ihn ab, öffnete ihn und wurde von Trauer erfasst. Ganz oben drauf lag Malias alte Spieluhr. Ein kleiner Bär mit kuscheligen Fell, seelenvollen Knopfaugen und dem Lied Guten Abend Gute Nacht. Malia hatte diesen Bären geliebt. Lilly begann zu schluchzen und zog kurz an dem Band. Leise ertönte die Melodie und Lilly drückte den kleinen Bären an sich. Sie war nun im Geiste wieder an Malias Bettchen. Malia war wieder ein Baby, strampelte glucksend und zupfte an dem Bären, der diese Melodie spielte. Wie sehr ihr ihre Tochter doch fehlte. Es war so ungerecht, so unwirklich. Lilly hatte oft das Gefühl, Malia könnte jeden Moment zurückkehren. Zur Tür herein kommen mit ihrem strahlenden Lächeln und mit ihrer sanften Stimme "Hallo Mama" sagen. Aber Malia würde nie wieder zurück kommen. Sie würde nie wieder ihre Stimme hören. Nie wieder in die Augen ihrer Tochter blicken. Wann hatte sie sie das letzte Mal in die Arme geschlossen? Wann ihr das letzte Mal gesagt, dass sie sie lieb hatte? Es war so lange her. Lilly spürte unendliche Trauer. Sie stellte die Kiste beiseite und öffnete eine weitere. Dort drin waren Fotoalben.


Sie öffnete die Kiste und nahm eines heraus. Sie blätterte kurz darin, dann blieb ihr Blick an einem Foto hängen. Gartenparty mit Theo und Peter stand darunter. "Ach Peter, Theo", seufzte sie. Dann hörte sie die Haustür. Kiara war zurück. "Bin wieder da", sie klang ein wenig schuldbewusst. Dann fiel ihr auf, dass Lilly nicht unten war. "Mama?", fragte sie und sah sich um. "Ich bin hier oben", sagte Lilly und ließ das Fotoalbum verschwinden. Kiara kam die Treppe hoch, "was machst du hier?", fragte sie vorsichtig. "Ich habe eine Grabbeigabe für Malia rausgesucht.", sagte Lilly leise. Sie zeigte Kiara den Bären. "Malias Geburtsteddy? Willst du den nicht lieber behalten? Als Erinnerung?", fragte Kiara vorsichtig. Lilly betrachtete den Bären erneut. "Ja du hast Recht, aber ich", begann Lilly zu schluchzen. "Ich weiss Mama, ich vermisse sie auch. Jeden Tag." Kiara ging zu ihrer Mutter und schloss sie fest in die Arme. Beide gingen nun hinunter und in Malias Zimmer. Es war immer noch so, wie sie es hinterlassen hatte. Das Bett war gemacht, ein Buch lag auf dem Nachtschrank. Über ihrem Schreibtischstuhl hing ein Pullover und die Tür ihres Kleiderschranks stand einen Spalt offen. Auf ihrem Schreibtisch lagen noch ihr Deutsch und Biologie Buch und in ihrem Bücherregal standen weitere Bücher aus derselben Reihe wie das, welches auf dem Nachtschrank lag. Eine leichte Staubschicht hatte sich auf den Sachen gebildet. Trotzdem strahlte das Zimmer eine gewisse Ruhe aus und es schien so, als wenn sie jeden Moment zurückkommen könnte. Kiara glaubte sogar schon, ihre Füße auf der Treppe zu hören. Aber dann wurde ihr schmerzlich bewusst, dass es nur eine Einbildung war. Lilly strich über Malias Schultasche, die noch in ihrer angestammten Ecke stand. "Ich vermisse sie so sehr", Kiara begann zu schluchzen und Lilly schloss sie nun in die Arme. "Ich vermisse sie auch." In ihrem gemeinsamen Kummer wurde beiden nun bewusst, dass nichts mehr sein würde, wie es war. Nie mehr. "Mama? Bitte sag mir was los ist. Wer ist Theo Meinert?" "Das kann ich dir nicht sagen."

Jessica flog förmlich die Straße entlang. Ihre Haare wehten im Wind und sie fröstelte leicht. Sie musste nach Hause, ihre Mutter wartete sicher mit dem Essen. Sie radelte auf den Hof und machte vor ihrem Vater George eine Vollbremsung. "Hallo Papa", rief sie und stellte ihr Fahrrad beiseite. "Wo kommst du her?", fragte er streng. "Ich war mit Julia und Kiara unterwegs wieso?'' Jessica verstand nicht ganz, wo das Problem war. "Das besprechen wir drinnen", der Blick ihres Vaters wurde noch strenger. Jessica folgte ihm irritiert und fragte sich, was sie ausgefressen hatte. Als sie das Wohnzimmer betrat, empfing sie der eisige Blick ihrer Mutter, die auf dem zweier Sofa saß. An der Wand neben dem Sofa auf dem sie saß, stand Lizzy, daneben auf dem dreier Sofa saß Kristy mit Julia und Lilly mit Kiara. "Setz dich!", forderte ihre Mutter streng. Jessica nahm Platz und Julia sah sie entschuldigend an. "Verratet ihr mir was hier los ist?", fragte Jessica nun, nachdem sie Julia und Kiara verwirrt angesehen hatte. "Das kann ich dir gern erklären", Lizzy war sichtbar wütend. "Wart ihr am Tatort und habt euch dort umgesehen?" Jessica bekam große Augen. "Ja, aber", versuchte Jessica sich zu rechtfertigen. "Nein, kein, aber!" schimpfte Lizzy. "Ihr habt euch aktiv in unsere Ermittlungen eingemischt. Ihr habt womöglich wichtige Spuren verwischt oder unbrauchbar gemacht. Ist euch klar was ihr angerichtet habt?", Jessica seufzte. "Wir wollten doch nur helfen", sagte sie kleinlaut. "Helfen? Mädels, das ist Polizeiarbeit. Ihr seid keine Polizisten. Ihr habt aktive Ermittlungen gestört. Haltet euch jetzt bitte da raus!" Lizzy sah streng in die Runde. "Aber Patrick ist unschuldig!", entfuhr es allen dreien nun. Lizzy grollte genervt: "Jessica, Kiara, Julia, ich verstehe ja, dass ihr für Patrick einstehen wollt. Aber wir müssen allen Hinweisen nachgehen. Jede Möglichkeit in Betracht ziehen. Und gerade deuten alle Zeichen auf ihn. Ich weiss dass ihr eng befreundet seid, aber danach können wir nicht gehen." "Aber Patrick ist kein Mörder! Er hat Malia geliebt. Welchen Grund sollte er haben, Malia zu töten? Er ist ein friedliebender Mensch, der keiner Fliege was zuleide tut und er hat sich auch schon so oft sozial engagiert. Hast du das alles vergessen? Spielt das keine Rolle mehr? Nur wegen ein paar "Beweisen", die eigentlich gar nichts verraten?" Jessica funkelte Lizzy wütend an. Julia und Kiara sogen scharf die Luft ein, das würde Ärger geben. "Jessica!", rief ihre Mutter Rosi nun entrüstet. "Nein, Mama! Du weißt genau, dass ich Recht habe. Du warst selbst immer so begeistert davon, wie sozial engagiert Patrick ist und jetzt auf einmal zählt das alles nicht mehr? Ihr seid allesamt so verlogen und engstirnig. Dieses ganze Dorf ist auf Lügen aufgebaut!" Jessica zitterte nun vor Wut. "Jessica, es reicht jetzt!", rief ihre Mutter entrüstet. "Nein, Mama! Wir wollen jetzt antworten! Wieso seid ihr alle so wild drauf, Patrick als schuldig zu betiteln? Und wer ist Theo Meinert? Ich will antworten!" Jessicas Gesicht war nun hoch rot vor Zorn und Julia versuchte, sie zu beruhigen. Kiara jedoch stand auf ihrer Seite. Bei dem Namen Theo Meinert, war Jessicas Mutter aber auch Lilly zusammengezuckt.  Jessicas Vater George bemerkte es und sah seine Frau an, dann seine Tochter. "Was wisst ihr von Theo?", fragte er ruhig. "Er hat meiner Schwester geschrieben. Nachdem sie ermordet wurde. Er wollte uns beide treffen, bei der alten Waldkapelle. Wer ist er?"  George Birkner seufzte, denn auch er wusste nur wenig. Aber die Mädchen hatten die Wahrheit verdient.

Er räusperte sich und wollte gerade anfangen zu erzählen, als Lizzy angepiept wurde. Sie zog ihr Handy aus der Tasche. "Ja?" Sie bekam große Augen. "Was? Aber wie?" entfuhr es ihr. "Und du bist dir sicher?" Sie schwieg einen Moment. "Gut, wir kommen", Lizzy legte auf und sah Kristy ernst an. "Wir müssen los, Patrick Wintersloh ist getürmt.''



Patrick rannte, er keuchte, hatte Seitenstechen. Aber er musste weg. Er wusste durch Harald, dass er einer Verurteilung sehr wahrscheinlich nicht entkommen würde. Aber er war unschuldig. Er hatte Malia so sehr geliebt. Und nun war alles nur noch ein großer Alptraum. Von Angst getrieben, rannte er noch immer und wünschte sich nur eines halt. Halt durch eine Person, die ihm glaubte. Er rannte immer tiefer in den Wald, blieb fernab der Wege. Irgendwann hörte er ein Klingeln. Es war sein Handy. "Verdammt!", rief er und wollte es ausschalten. Dann erblickte er Kiaras Nummer. Kurz überlegte er, ob er ran gehen sollte. Es war riskant, aber er vertraute Kiara und nahm das Gespräch an. "Patrick? Bist du dran? Hier ist Kiara. Kannst du mich hören?", fragte sie sanft. "Hallo Kiara, ja laut und deutlich.'' Kiara fiel ein Stein vom Herzen. "Oh Gott sei Dank, wie geht es dir? Wo steckst du? Ich mache mir solche Sorgen." Kiara war mit den Nerven am Ende. "Kiara beruhige dich, es geht mir gut. Aber ich musste hier weg. Ich, es, ich habe sie doch so geliebt", heulte er. "Patrick, das weiss ich doch. Wo bist du? Ich will dir helfen." Kiara war am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Nachdem Lizzy und Kristy los mussten, weil Patrick getürmt war, hatten auch die drei Reißaus genommen. "Das kann ich dir nicht sagen, Kiara. Aber ich will dich auch nur zu gern sehen", er klang unendlich traurig. Nun zupfte Jessica an Kiaras Oberteil. "Ich weiss wo ihr euch treffen könnt", sagte sie leise, da sie durch den Lautsprecher an Kiaras Handy alles gehört hatte. Kiara sah sie gebannt an und innerhalb von Sekunden wussten beide, welchen Ort Jessica meinte, ohne dass Jessica es aussprechen musste. Patrick beendete den Anruf und schaltete sein Handy aus.



Lizzy gab Gas, denn sie war in Eile. Wie konnte das nur passieren? Kristy, die neben ihr saß, grübelte ebenfalls. "Wie konnten sie sich nur einmischen? Und was soll die Geheimniskrämerei? Wenn wir Patrick nicht schnell finden, können wir den Fall nicht abschließen", schimpfte Lizzy vor sich hin. Kristy reagierte nicht darauf. Sie war in Gedanken versunken. "Mensch, Kristy, nun sag doch auch mal was!", meckerte Lizzy. "Was?", Kristy Schrack auf. "Du bist ja völlig weg getreten. Was ist los mit dir?", Lizzy fuhr rechts Ran und sah sie prüfend an. "Ich Rätsel die ganze Zeit darüber, warum Julia mich derart hintergangen hat. Es muss doch einen Grund geben. Ist Patrick ihr wirklich so wichtig?" Kristy grübelte wieder. "Mensch Kristy", Lizzy haute mit der Hand aufs Lenkrad und erwischte die Hupe, die prompt ein lautes Geräusch machte. "Ups", sagte Lizzy und nahm die Hand vom Lenkrad. "Julia hat dich hintergangen, weil sie zu sehr von den anderen beiden beeinflusst wird. Patrick ist Kiaras bester Freund und Julia ihre beste Freundin. Mag sein das er Malia geliebt hat, aber alle Zeichen deuten auf ihn. Deine Tochter will es aber nicht wahr haben. Freundschaft verbindet Kristy, sie macht loyal. Julia glaubt das richtige zu tun. Aber sie behindert unsere Ermittlungen. Wir müssen die Mädels aufhalten. Nur dann können wir die Wahrheit aufdecken." Lizzy sah Kristy nun tief in die Augen. "Kristy", sagte sie sanft, dann strich sie Kristy über die Wange. "Lass dass Lizzy, es ist vorbei", Kristy entzog ihr das Gesicht. "Wirklich? Kannst du einfach so vergessen? Oder verdrängst du nur?", Lizzy sah sie prüfend an. "Ich dachte du bist darüber weg", sagte Kristy distanziert. "Das bin ich auch, aber bist du es?" Kristys Gesicht näherte sich ihrem, Lizzy schloss die Augen. Sie kam auch näher. Dann verschmolzen ihre Lippen zu einem kurzen liebevollen Kuss.

"Wagen 13 bitte kommen. Wagen 13 Lizzy kannst du mich hören?", tönte es aus dem Funkgerät. Lizzy seufzte, sie griff nach dem Funk. "Hier ist Lizzy, ich höre dich laut und deutlich Manuel." Das Funkgerät knackte und Lizzy hatte Mühe Manuel zu verstehen.  Doch dann klappte es wieder. "Kannst du das bitte wiederholen Manuel?", "Ich sagte, wir haben das Handy von Patrick Wintersloh geortet. Er hat einen Anruf vom Handy von Kiara Baumgartner erhalten." Lizzy konnte es nicht fassen. Sie hatte ihr und den anderen gerade gesagt, dass sie sich raushalten sollten. Nun gut, wenn sie Kiara fanden dann vielleicht auch Patrick. Könnt ihr das Handy von Kiara Baumgartner Orten?"

Patrick rannte zwischen den Bäumen hindurch. Es war nicht mehr weit zur Lichtung. Patrick legte einen Zahn zu, dann kam sie in Sichtweite und er blieb stehen. Hinter einem Baum blickte er vorsichtig dorthin. Kiara war noch nicht da und Patrick wollte nicht riskieren, entdeckt zu werden. Dann sah er sie. Mit Julia und Jessica betrat sie die Lichtung. Julia und Jessica sahen sich wachsam um. Währenddessen ging Kiara in die Mitte der Lichtung. "Patrick?", rief sie vorsichtig. Er trat hinter dem Baum hervor. "Ich bin hier Kiara." "Patrick", rief sie erleichtert, rannte zu ihm und nahm ihn in die Arme. "Kiara, ich bin ja so froh dich zu sehen", hauchte er und drückte sie an sich. "Ich auch, mein Gott, es tut mir alles so leid Patrick. Ich hab das nicht gewollt." Sie begann zu weinen und Patrick versuchte, sie zu trösten. "Es ist nicht deine Schuld Kiara, du kannst nichts dafür. Es bedeutet mir unglaublich viel, dass du von Anfang an an meine Unschuld geglaubt hast. Aber was mich interessieren würde, ist, wer Malia getötet hat." "Das wüsste ich auch gern." Alle sahen nun auf und blickten in die Richtung, aus der die Stimme kam. Neben einem Baum stand die schwarz gekleidete Person, die sie seit Wochen beobachtete. Julia, Kiara, Jessica und Patrick sogen scharf die Luft ein. Der Fremde nahm nun seinen schwarzen Hut ab und enthüllte sein Gesicht. Es war ein hageres Gesicht und er hatte eine Halbglatze mit seelenvollen grünen Augen. "Wer sind sie?", fragte Julia misstrauisch und stellte sich mit Jessica schützend vor Kiara und Patrick auf. "Mein Name ist Theo Meinert und ich denke ich bin euch ein paar Antworten schuldig.''


Kiara fiel aus allen Wolken, dieser Mann war der sie die ganze Zeit beobachtet hatte, war Theo Meinert? Sie löste sich von Patrick und ging auf ihn zu. "Warum haben sie uns ständig beobachtet? Was wollen sie?" Er hob beruhigend die Hände. "Ganz ruhig Kiara, ich werde euch alles erklären." Er kam ein paar Schritte näher. "Na auf die Erklärung bin ich gespannt Herr Meinert. Ich denke, sie haben einiges zu erklären", Lizzys Tonfall ließ alle zusammenzucken.  Sie, Kristy, Manuel, Peter, und zwei weitere Kollegen hatten die Gruppe eingekreist. Alle richteten ihre Waffen auf die kleine Gruppe. "Patrick, bitte tritt von den Mädchen zurück und leg die Hände hinter den Kopf. Dasselbe gilt für sie Herr Meinert. Julia, Jessica und Kiara, ihr kommt bitte zu uns rüber. Aber langsam." Lizzy sah alle Drei streng an. Julia und Jessica wussten, sie hatten verloren. Sich jetzt zu weigern, brachte noch mehr Ärger. Aber sie wollten auch Patrick nicht im Stich lassen. Hin und her gerissen, sahen die Mädchen zwischen ihm und Lizzy hin und her. Dann nickte er, "schon in Ordnung. Es reicht mir völlig zu wissen, dass ihr an meine Unschuld glaubt. Geht nur", lächelte Patrick gequält. Kiaras Augen füllten sich erneut mit Tränen. Sie umarmte ihn noch einmal fest und schluchzte auf, bevor Julia sie sanft am Arm nahm und weg führte. Alle Mädchen senkten den Blick, Patrick nahm die Hände hinter den Kopf und die Kollegen von Lizzy, Kristy, Manuel und Peter traten an ihn heran. Sie tasteten ihn ab, belehrten ihn und führten ihn in Handschellen ab. Dann gingen Peter und Manuel zu Theo Meinert. Auch er ließ sich widerstandslos abführen, aber bevor er sich in den Polizeiwagen setzte, drehte er sich noch einmal um. "Kiara?", sie blickte auf, sah ihm in die Augen. "Ich habe deiner Schwester nichts zu leide getan. Ich weiss nicht, warum sie sterben musste, aber du hast nichts vor mir zu befürchten. Vergiss das niemals. Ich bin nicht euer Feind, im Gegenteil, ich wollte für sie da sein. Denn ich bin ihr Vater."

Geschocktes Schweigen herrschte nun und schien alles zu erdrücken. Theo Meinert setzte sich widerstandslos ins Auto, während Kiara ihm fassungslos in die Augen sah. Das konnte doch nicht sein. Wie sollte das zusammen passen? Malia war ihre Zwillingsschwester und ihr Vater Peter Baumgartner. Oder verschwieg ihre Mutter etwas? Aber wenn es so war, wieso sagte er dann, er wäre Malias Vater? Er müsste dann doch auch ihr Vater sein. Kiara wurde von Wut gepackt. "Sie lügen, unser Vater ist Peter Baumgartner!", schrie sie zornig. Dann schlug die Autotür zu und Kiara sah nur noch seinen verletzten Blick. Die Streifenwagen fuhren ab und die Mädchen blieben mit Lizzy und Kristy zurück. Still und regungslos standen sie da, sagten keinen Ton mehr. Doch zum Rätseln blieb ihnen keine Zeit. Eine außerordentlich wütende Lizzy trat an sie heran. "Wir bringen euch jetzt nach Hause", sagte sie knapp und mühsam beherrscht. Kristy nahm ihre Tochter am Arm und führte sie weg. Die anderen folgten ihnen schweigend. Alle Drei waren bedrückt. Jede hing ihren Gedanken nach. Und als sie sich ins Polizeiauto setzten, wusste jede von ihnen, es würde ärger geben. Großen Ärger. So viel war sicher, aber er war es wert.


Kiara wurde zuerst zuhause rausgelassen. Lilly wartete in der Auffahrt. Ihr Blick war unergründlich. Kiara ging kleinlaut auf sie zu. Lilly deutete ihr an, ins Haus zu gehen. Dort ging es direkt in die Küche. Lilly setzte sich und blickte auf ihre Hände, die zitterten. Schweigen. Stille. Enttäuschung. Kiara sah so viel in Lillys Gesicht. "Es tut mir leid, Mama", sagte sie nun traurig. "Es tut dir leid? Es tut dir leid! Ist das alles, was du zu sagen hast? Hast du eine Ahnung, was jetzt auf uns zukommt, Kiara? Du hast die Ermittlungen der Polizei behindert. Du hast dich strafbar gemacht. Ich kann verstehen, dass du Malia vermisst und wissen willst, wer ihr das angetan hat. Aber das ist doch keine Lösung." Lilly sah ihre Tochter verzweifelt an. "Schweigen ist aber auch keine Mama! Du verschweigst mir so viel! Wer ist Theo Meinert? Wo kommt er her? Was will er von uns? Er meint, er wäre Malias Vater. Aber das ist unmöglich. Also, was verschweigst du uns? Ist Papa unser Papa? Oder ist er es nicht? Bitte rede mit mir Mama." Kiara konnte nicht mehr, es war so unglaublich viel, was da auf sie eingeprasselt war. Lilly war auch den Tränen nah. Sie stand auf, nahm Kiara in die Arme und beide weinten eine Zeitlang. Dann ging Lilly noch mal auf den Dachboden und holte das versteckte Fotoalbum. Sie setzte sich mit Kiara an den Tisch und schlug es auf. Dann begann sie zu erzählen.



Patrick wurde direkt in die JVA gebracht. Dort bekam er eine Einzelzelle, die ziemlich klein war. Nur der Nasszellenbereich war mit einer kleinen Wand vom Rest abgetrennt. Sein Bett war hart und unbequem und die Wärter grimmig und unnachgiebig. Er verzog sich in eine Ecke und begann zu grübeln. Es war hoffnungslos. Er konnte nur auf die Verhandlung hoffen. Darauf, dass Harald ihn da heraus holte. "Ach Malia", seufzte er, dabei liefen ihm Tränen übers Gesicht.

Währenddessen hatten es auch Julia und Jessica nicht besser. Beide hatten gehörige Standpauken erhalten. Nun saßen beide auf ihren Zimmern und telefonierten heimlich. Sie diskutierten und stellten Theorien auf, eine skurriler als die andere. Wegen Theo Meinert, was jetzt mit Patrick geschah, wer Malias Mörder war und wie es Kiara nun ging. Julia wusste bereits von ihrer Mutter, dass diese sie auf ein Internat schicken wollte. Das hieße, sie würde ihre Freundinnen vielleicht nie wiedersehen. Dieser Gedanke verursachte einen Kloß in ihrem Hals. Aber auch Jessicas Eltern wollten sie wegschicken auf ein Internat und das schon in einer Woche. Sie mussten sich also beeilen. Denn die Gerichtsverhandlung von Patrick sollte schon in 3 Tagen sein. Sie mussten sich also beeilen. Aber wie sollten sie in so kurzer Zeit Patricks Unschuld komplett beweisen? Es schien ein unmögliches Unterfangen zu sein. Oder vielleicht auch nicht? Julia begann in ihrem Kopf eine Idee zu entwickeln. Außerdem mussten sie noch mit Felix reden. "Mach dir keine Sorgen, Jessica, wir werden es schaffen. Du weißt doch, für jedes Problem gibt es eine Lösung."



Nachdem sich die Ereignisse überschlagen haben, ist Patrick geflohen. Bei einem Treffen zwischen ihm und Kiara, sowie Jessica und Julia bleiben sie jedoch nicht allein. Theo Meinert taucht auf und auch Kristy und Lizzy sind nicht weit. Patrick wird wieder eingesperrt. Auch Theo Meinert wird verhaftet, doch bevor er fort gebracht wird, offenbart er Kiara Malias Vater zu sein. Doch wie kann das sein? Was hat Lilly Kiara zu erzählen? Und wie geht es für die Mädchen weiter? Werden sie alle auf andere Schulen geschickt?


Viele Fragen, aber sie werden bald beantwortet. Bis nächste Woche.

Eure Kaylee75
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