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Lieblingskollege

von kathi-H
Kurzbeschreibung
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass
22.08.2022
22.08.2022
1
965
4
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2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
22.08.2022 965
 
Hey meine Lieben! Die Geschichte hat sich von selbst geschrieben, ich bin nicht 100 % zufrieden, aber besser wird es nicht mehr XD Hoffe trotzdem, dass sie euch gefällt… Freu mich über Reviews! Genießt die Sommertage! Viel Spaß beim Lesen!



Noch immer konnte ich es nicht glauben. Das stand nicht im Skript. Was sollte ich jetzt antworten? Fragend hob ich den Blick, schaute in die stahlgrauen Augen meines Lieblingkollegen, mit dem ich schon seit so vielen Jahren K11 drehte. Ich kannte jede Kleinigkeit an ihm, seine Figur, seine Tattoos, seinen Humor, seine Eigenheiten. Doch gerade wusste ich tatsächlich nicht weiter. Etwas lag in diesen Augen, dass ich nicht deuten konnte. Natürlich wäre es eine süße Wendung für unsere Charaktere, doch wir hatten das nicht zu entscheiden, schon gar nicht er allein?!

Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen schossen. Scheiße, was sollte das denn jetzt! Professionalität wahren, Professionalität! Egal, schon zu spät. Ich ließ mich von meinen Gefühlen übermannen. Nicht von denen der Kommissarin, die ich spielte, nein. Zu lange hatte ich mir gewünscht, diese Worte aus seinem Mund zu hören. Als ich meine Augen schloss, spürte ich bereits die erste Träne über meine Wange rollen. „Alex?“, hörte ich einen Kollegen leise fragen. Wieso stoppte uns denn keiner? Das lief aus dem Ruder. Ich wusste, dass alle auf eine Antwort warteten, schneiden konnte man später schließlich immer noch.

Widerwillig hob ich den Blick und schaute ihn an. Den Mann, der seit Jahren Bestandteil meiner Träume war und mir so viel bedeutete. Den Mann, den ich an meiner Seite wollte. Sein Blick war so sanft, dass ich einen kurzen Gedanken daran verschwand, ob er noch spielte. Sofort verwarf ich den Gedanken, es passte schließlich perfekt in die Szene. Achja, Szene. Es half ja alles nichts.

„Ich dich auch, Gerrit“, beendete ich sein offenes Liebesgeständnis mit einem Happy End. Ich konnte förmlich sehen, wie Gerrits Augen anfingen zu strahlen, wie er lächelte und mich noch enger an sich zog. Kurz befürchtete ich, er würde mich auch noch küssen, doch da ertönte auch schon das erlösende „Cut!“ unseres Aufnahmeleiters Clemens und die Szene war beendet.

Sofort löste ich mich aus Gerrits Umarmung, drehte mich um und verließ fast schon rennend das Studio. Flucht nach Vorne. Aufs Klo. Durchatmen. Wieder klar kommen. Das hatte jetzt Priorität. Jetzt, so ungesehen, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Gerrit war mehr für mich, schon seit Langem. Ich hasste es zu sehen, wie er mit anderen Frauen flirtete, meist dünne Langhaarige mit so viel Schminke im Gesicht, dass es für zwei reichen würde. Also das genaue Gegeteil von mir. Jedes Mal hatte ich das Gefühl, als würde er eine Waffe auf mich richten. Umso schmerzhafter war es, ihn das sagen zu hören, was ich mir so dringend wünschte. Weinend vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und schluchzte auf.

Es klopfte. „Liebeleien?“, hörte ich Michael vorsichtig fragen. „Darf ich reinkommen?“ „Ja…“ Ich wusste, dass es keinen Wert hätte, es ihm zu verbieten. Michael kannte mich besser als alle anderen, wusste von meinen Gefühlen zu Gerrit und konnte sich denken, wie es mir gerade ging. Er betrat den Raum, öffnete die Kabine, in der ich saß und schaute mich sanft und verständnisvoll an. „Komm her…“ Michi breitete einladend die Arme aus in die ich, ohne zu zögern, fiel. Gemeinsam sanken wir auf den Toilettenboden. „Ich will genau das! Genau das! Wieso.. wieso musste das sein? Wieso tut er mir das an?“, schluchzte ich verzweifelt.

Er hielt mich einfach nur fest, fing mich auf, schwieg und hörte sich mein Gejammer an. „Er…sein…sein Blick…Sein Blick war so…liebevoll… Erhat mich angeschaltet…Ich…Shit…Hat man die Tränen gesehen?“ Ich spürte nur wie er nickte. „Fuuuuuuuuck…Ich… es hat so weh getan…Wieso…wieso….kann er das nicht ernst gemeint haben? Ich…Ich will ihn…Warum…muss ich ausgerechnet ihn lieben?!“, wimmerte ich in Michaels Armen.

„Weil er es auch tut“, hörte ich eine leise Stimme, die nicht in diese Situation passte. Ich erkannte sie sofort, den sanften Tonfall und das leise Lächeln in seiner Stimme. Wo kam der jetzt her? Er musste alles gehört haben. Scheiße, ich musste total fertig aussehen. Was hatte er gesagt? Egal, jetzt war es eh zu spät…

„Ich lass euch mal reden“, verabschiedete sich Michi, mein Fels in der Brandung. Augenblicklich trat Gerrit an dessen Stelle und setzte sich zu mir auf den Boden. Zärtlich hob er mein Kinn an und zwang mich somit, ihm in die Augen zu sehen. „Sag das nochmal…“ „Was genau?“, fragte ich schüchtern. „Das letzte…Bitte…Ich muss sicher sein, dass ich das richtig verstanden habe.“ Es hatte keinen Sinn etwas zu leugnen.

„Ich liebe dich Gerrit.“, wiederholte ich den Satz mit festem Blick erneut. Seine Augen begannen zu strahlen. „Ich liebe dich auch Alex. Schon lange…. Das vorher war nicht gespielt. Tut mir leid, dass ich dich übertrumpft habe, ich wollte deine Reaktion abwarten… und dann schauen, ob du das Gleiche empfinden könntest…“

Ich konnte es nicht glauben… „Du bist so ein Arsch Gerrit…“, murmelte ich leise lächelnd. „Aber deiner…“, hörte ich ihn keck erwidern, ehe wir beide verstummten und breit grinsend einfach nur die Nähedes jeweils anderen genossen. „Darf ich dich jetzt küssen  oder rennst du wieder weg?“; unterbrach er nach einer Weile das Schweigen.

Noch bevor ich richtig realisieren konnte, was der Inhalt seiner Frage war, lagen seine Lippen so zärtlich auf den meinen, dass ich alles andere vergas. In dem Kuss lag mehr als 1000 Worte hätten sagen können. Die Wertschätzung, die bitteren Tränen der letzten Minuten, die Unsicherheit der letzten Monate und die Freude auf alles, was jetzt kommen würde. So vieles stand unausgesprochen im Raum, vorallem die Vorfreude auf die gemeinsame Zeit mit meinem Lieblingskollegen, der gerade zu meinem Lebensgefährte geworden war.
 
 
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