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Der Weg der Aurelia (Plötzlich Fee FF)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Mab OC (Own Character)
21.08.2022
25.09.2022
5
7.792
1
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Dieses Kapitel
1 Review
 
22.09.2022 1.606
 
,,Ronan…“ Entkam es ihr fassungslos. Dieser hellhaarige Junge war tatsächlich Ronan, ihr bester Freund. Es war unüblich Freunde zu haben, das wusste Aurelia. Aber sie waren in etwa in einem Alter und Ronan und sie teilten viele Ansichten. Schon als Kinder hatten sie ihre Zeit gerne einmal miteinander verbracht. Ronan arbeitete mittlerweile bei den Rittern und ließ sich ausbilden, weswegen Mab ihre Freundschaft mit einigen zugekniffenen Augen akzeptierte. Es war aber kein Geheimnis, dass er ihr dennoch ein gewisser Dorn im Auge war.
Ihn nun so zu sehen, das Gesicht vor Angst schrecklich verzerrt…
Schnell sah sie sich um. Aber niemand hatte ihren verzweifelten Seufzer mitbekommen.
Das war ihre Schuld. Mit den anderen mochte sie kein Mitleid haben, aber bei Ronan war das anders. Ein wahnsinniger Druck baute sich in ihr auf, wie eine Welle, die drohte sie zu überschwemmen. Sie war froh, dass niemand hier war und sehen konnte wie ihre Fassade drohte zu bröckeln. Aber wenn sie nun auch nur den Anflug von Schwäche zeigte, würden Dinge passieren, die noch viel schlimmer waren.
,,Das war mein Fehler…“
Sprach sie ihren Gedanken aus. Mal wieder verspürte sie den Drang sich selbst zu ohrfeigen. Was hatte sie sich bloß dabei gedacht? Was bei allen Schneewehen hatte sie geritten, als sie aufs Ross gestiegen war, um in den wilden Wald zu reiten? Ohne Ritter, ganz allein? Sie war naiv, nein sogar dumm gewesen, das wurde ihr nun klar.
Ihre Mutter hatte ihr oft erzählt, wie gefährlich dieser Wald war, aber genau deswegen war er für sie auch so interessant gewesen. Während sie sie im Schein ausgebildet hatte, was sie auch heute stets noch tat, da hatte Aurelia sich immer große Mühe gegeben und sich stark gefühlt. Sie hatte geglaubt den Schrecken des Waldes standhalten zu können. Und nun stand sie hier. Mehr als nur enttäuscht von sich selbst, weil sie scheinbar doch nicht so erwachsen und stark war, wie sie gedacht hatte. Stattdessen hatte sie Mab bewiesen, dass sie noch immer ein Kind war, das ihren Schutz mehr als nötig hatte. Diese beschämende Tatsache hatte sie mit ihrer Aktion womöglich sogar sich selbst bewiesen. Wie gerne hätte sie nun Ronan von all dem erzählt. Es war nur schwer die Launen der Königin auszuhalten, aber wenn er da war, war es erträglicher. Manchmal sprachen sie über ihre jeweiligen Ausbildungen und scherzten sogar miteinander. Er war der einzige, mit dem sie das tun konnte. Und jetzt war er in diesem Eisblock gefangen.
Weil sie die größte Dummheit ihres Lebens begangen hatte. Aurelia wusste genau, dass von nun an er jeden Fehler spüren würde, den sie machte. Jeden einzigen. Ihre Mutter wusste genau, wie eng sie miteinander befreundet waren und nun benutzte sie ihre Freundschaft, um sie zu erpressen.
Eigentlich durfte sie kein Mitleid haben. Eigentlich müsste es ihr egal sein, so wie auch bei den anderen Statuen, die hier im Garten standen und jede Sekunde ihres Daseins dachten sie würden nun ertrinken. Aber das war es nicht. Es war ihr alles andere als egal und genau das war ihre größte Schwäche.
Nichts was sie zu sagen vermocht hätte, würde Ronan nun helfen.
Aurelia wandte sich ab und schritt von dannen. Für einen Außenstehenden mochte es wirken, als sei sie gerade durch einen Garten voll lebloser Bäume gelaufen. Nichts ließ auf das Gefühlschaos hindeuten, welches in ihrem Inneren losbrach. Da war die Verzweiflung darüber, was sie angerichtet hatte. Die Angst vor weiteren Strafen, die Scham über ihr Versagen…aber auch Wut. Ja, irgendwo war sie wütend, dass ihre Mutter ihren Freund missbrauchte, um sie leiden zu sehen. Dass sie sie genau damit erpresste und auf die offene Wunde drückte, um eine Reaktion aus ihr herauszukitzeln, die nicht sein durfte. Es war schrecklich.
Sie bemerkte gar nicht, dass ihre Füße sie immer schneller trugen, wo schnell, dass sie beinahe rannte.
Dass dabei ihre Haut rund um ihren Rumpf spannte und wehtat, war ihr nur kaum bewusst. Ihre Gefühle drohten die Überhand zu übernehmen.
,,Du hast ihn eingesperrt.“
Sagte Aurelia, als sie die Tür zu den Gemächern ihrer Mutter abermals aufriss. Noch immer saß die Königin hinter ihrem Schreibtisch und als sie aufblickte, konnte Aurelia das süffisante Lächeln in ihrem Gesicht sehen. Das steigerte ihre Wut. Es war ein ganz flattriges Gefühl in ihrem Inneren, das sie kaum zu unterdrücken vermochte. Und dennoch kämpfte sie gegen den Drang an der dunkelhaarigen Fee ins Gesicht zu schlagen.
,,Das habe ich.“
Das sagte sie wie beiläufig. So, als wäre es keine grausame Methode sie für ihr Vergehen zu bestrafen.
Aurelia wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war so wütend, dass sich in ihrem Magen ein Knoten an Gefühlen auftat, mit dem sie nicht umzugehen wusste. Manchmal erschrak es sie doch, zu welchen Mitteln ihre Mutter manchmal griff. Sie hatte viele ihrer Grausamkeiten gesehen, aber sie selbst zu erfahren war ein ganz anderes Thema.
,,Bevor du etwas sagst, das du vielleicht bereust Aurelia, jedes Fehlverhalten deinerseits, sagst du auch nur ein falsches Wort, dann wird er leiden. Widersetzt du dich mir auch nur ein einziges Mal, bleibt er dort 100 Jahre.“
Aurelia erstarrte. Natürlich hatte sie das bereits geahnt, aber es auch nochmal zu hören…
100 Jahre. Für ihre Mutter mochte das nichts sein, aber für Aurelia war es wie eine Ewigkeit. Sie erwischte sich selbst dabei, wie sie leicht den Kopf schüttelte, was Mab nur zum lächeln brachte.
,,Und noch etwas. Du wirst nirgends mehr hingehen, mein Kind. Du wirst auf deinem Zimmer bleiben.“
Sie vermochte nichts mehr zu sagen. Das wurde ja immer schlimmer. Wie gerne hätte sie nun verzweifelt zu weinen begonnen? Aber würde sie sich dann auch widersetzen? Weil sie Schwäche zeigte? In was für eine Lage hatte sie sich selbst da nur versetzt?
,,Kommt rein.“
Aurelia wandte sich, bemüht ihr Gesicht unter Kontrolle zu halten, zur Tür um, als diese sich leise öffnete.
Zwei Ritter standen darin. Beide Männer waren groß und trugen ihre Uniformen. Ihre Gesichter waren kalt wie Eis, die Augen vielleicht sogar noch Kälter.
,,Eure Majestät.“
Sagte einer der beiden. Es war der Rechte. Er war ein muskulöser Mann mit langen dunklen Haaren, die er sich elegant zum Zopf zurückgebunden hatte.
,,Bringt die Prinzessin auf ihr Zimmer. Sicherlich ist sie noch erschöpft und braucht Zeit, um über ihre Vergehen nachzudenken. Sollte sie beschließen auf Wanderschaft zu gehen, habt ihr die Erlaubnis sie ohne Umwege in ihr Zimmer zurückzubringen.“
Ihre Mutter blickte ihr vielsagend entgegen. Wie demütigend. Nun standen also auch noch Ritter über ihr.
Aurelia sah sie noch einmal an, ehe sie auf die Ritter zuging.
,,Prinzessin.“
Sagte abermals der Rechte zur Begrüßung und beide Männer verbeugten sich einmal respektvoll vor ihr, ehe sie von der Tür beiseitetraten.
Aurelia nickte nur und ging langsam den Flur aus Eis entlang. Lange musste sie ja nicht laufen.
Ihre Schritte hallten leise und kalt von den Wänden wider.
Die zwei Ritter gingen neben ihr her. Die Schwerter, die an ihren Hüften hingen, klapperten bei jedem Schritt ein wenig, ansonsten war es aber still. Niemand sagte etwas.
Als sie an ihrer Zimmertür ankamen, öffnete Aurelia diese selbst und beobachtete die Ritter dabei, wie sie Stellung bezogen. Beide zu je einer Seite ihrer Tür.
Na großartig.
Möglichst würdevoll ging sie in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
Auch jetzt bemühte sie sich noch immer nicht zu weinen. Was war, wenn die Ritter sie hörten? Der Gedanke, dass sie doch jemand sehen würde können, obwohl sie sich in ihrem Zimmer befand, hatte sie schon öfter einmal gequält.
Dennoch dauerte es nicht lange, bis die ersten Tränen liefen.
Sie versuchte ihren Blick durch das Zimmer schweifen zu lassen, um sich abzulenken.
Auf ihr etwas größeres, aber weitaus kleineres Bett als das, was ihre Mutter besaß. Sie sah ihren Kleiderschrank, der mit Kleidern befüllt war, die ihre Mutter schön fand. Dann war da noch der Schreibtisch, auf dem unordentlich irgendwelche vollgekritzelten Papiere lagen und natürlich der edle Kronleuchter aus Eis, der von der Decke hing. Aber es brachte nichts, die Tränen wollten trotzdem laufen.
Seufzend ließ sie sich auf ihr Bett fallen, während ihre Augen brannten.
Es war einfach zu viel. Ihr Freund war nun vielmehr ein Dekostück als eine Fee, sie selbst war praktisch auch eingesperrt, ohne jedes Recht auf wirkliche Privatsphäre und dann war da noch diese Scham. Scham darüber so kläglich versagt zu haben.
Ihr ganzer Körper krampfte sich zusammen. Dieser vorhin noch dagewesene Knoten aus Gefühlen explodierte und löste sich mit den Tränen auf. Es tat gut zu weinen.
Das war eine Tatsache, die sie niemals zugeben würde oder gar durfte. Es tat einfach gut ihren Gefühlen Luft zu machen, vor allem deshalb, weil sie niemand sehen konnte. Danach konnte sie wieder stark sein. Sie hatte es bereits geschafft stark vor ihrer Mutter zu sein, wenigstens das war ein Fortschritt im Vergleich zu den letzten Tagen.
Doch wie sollte sie ihre Gunst zurückgewinnen? Wie sollte sie es bewerkstelligen, dass Ronan freikam und sie dieses Zimmer wieder verlassen konnte?
In Momenten wie diesen fragte sie sich oft, wie ihre Brüder sich verhalten hätten. Ob sie auch solche Fehler gemacht hatten?
Aurelia kannte nur ihre Namen. Sage, Rowan und Ash. Ash hatte sie hin und wieder beim Elysium gesehen, aber sie konnte nicht behaupten ihn zu kennen. Ihre anderen Brüder waren tot, ohne dass sie diese jemals gekannt hatte.
Wie es ihnen wohl ergangen war? Wie hatten sie ihre Mutter wieder zur Vernunft gebracht? Zu gerne hätte sie einem von ihnen diese Frage gestellt.
Aber das war nicht möglich. Ash lebte am eisernen Hof, dorthin konnte Aurelia ihm nicht folgen. Rowan und Sage waren tot.
Also war es an Aurelia selbst darüber nachzudenken und ihr Glück zu versuchen…
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