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Hallo Leben… Ich will bleiben!

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P18 / Gen
Biggi Schwerin Dr. Karin Thaler Dr. Michael Lüdwitz Thomas Wächter
20.08.2022
23.09.2022
20
20.818
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23.09.2022 1.023
 
Immerhin war nun auch klar, dass Michael zu jeder Zeit über Thomas Zustand informiert werden durfte, da die Ärzte ihm gegenüber nicht mehr an die Schweigepflicht gebunden waren. Selbiges galt für Biggi und das überraschte Michael auch nicht. Biggi war für Thomas eine der wichtigsten Personen. Nicht so schön war allerdings, dass mit dieser Patientenverfügung in einer gewissen Situation die gesamte Last der Entscheidung auf Michael fiel. Ob dieser Fall eintreten würde, war unklar, aber er wollte das auch nicht. So hart es auch klingen mochte, Michael würde es unter diesen Umständen auch lieber sehen, wenn Thomas eindeutig aufgab, als dass er eine Entscheidung über sein Leben treffen musste. Was war denn schon ein angemessener Zeitraum für ein Koma? Mit der Patientenverfügung in der Hand verließ Michael die Wohnung und ging zu seinem Auto. Er würde sich jetzt auf den Weg nach Salzburg machen, um das Dokument in der Klinik abzugeben und auch, um ein paar Minuten zu Thomas zu gehen. Das war ihm wichtig. „Also ich habe jetzt eine Verfügung gefunden, ich bringe die auch gleich vorbei. Fakt ist, dass erst einmal die Maßnahmen erwünscht sind, den Rest kannst du dann selbst lesen…“, erklärte Michael seinem ehemaligen Kommilitonen am Telefon. Damit war dieser erst einmal zufrieden. Als nächstes kontaktierte Michael noch seine Freundin Karin. Er hoffte, dass sie gerade nicht in einem Einsatz war. „Hey Michael…“, an ihrer Stimme konnte man ihre Müdigkeit hören. Sie war noch immer erschöpft. „Ich habe seine Patientenverfügung bei ihm zu Hause gefunden und bringe die jetzt nach Salzburg“, erklärte er Karin. „Okay… und was steht drinnen, hast du das schon gelesen?“, wollte sie wissen. „Er will solange lebensverlängernde Maßnahmen, bis ein in meinen Augen angemessener Zeitraum ohne Erfolg verstrichen ist.“ „Er will also, dass du am Ende festlegst, wann er sterben darf?“, vergewisserte sich Karin. „Ja, er vertraut mir eben… aber ich finde das scheiße, das ist nichts, was ich beurteilen kann!“, Michael war ehrlich. Diese Entscheidung gehörte nicht in seine Hand. „Entschuldige jetzt, dass ich dich das frage, aber… Wie lange würdest du Thomas denn überhaupt Zeit geben?“, wollte Karin wissen und nachdem sie es ausgesprochen hatte, bereute sie es auch schon wieder. Michael schwieg einige Augenblicke lang. Was sollte diese Frage? „Darüber denke ich erst gar nicht nach. Soweit wird es hoffentlich nicht kommen… Ich kann das nicht entscheiden!“, erwiderte er anschließend doch noch. Karin konnte diese Antwort nachvollziehen. Sie wusste selbst nicht, wie sie reagieren würde, wenn man etwas Derartiges von ihr fordern würde. „Entschuldige bitte…, das war gemein von mir, Michael. Ich hätte das nicht fragen dürfen…“, meinte Karin nun. „Schon okay… Ich melde mich nachher nochmal, wenn ich wieder auf dem Rückweg bin“, danach beendete Michael das Gespräch. Er wusste nicht, wohin er mit seinen ganzen Gedanken sollte. Es reichte nicht aus, dass er sich noch immer Fragen zu dem Unfall stellte, auf die er vielleicht nie eine Antwort bekam, nun musste er sich auch noch fragen, ob er diese schwere Entscheidung im Zweifelsfall überhaupt treffen konnte. Konnte er über das Leben seines besten Freundes entscheiden? Es dauerte noch eine ganze Weile, ehe er das Klinikum in Salzburg erreicht hatte. Die gesamte Fahrt über war Michael total unruhig. Er hatte Thomas das letzte Mal gesehen, bevor er zu seinem Urlaub aufgebrochen war. Es kam ihm unwirklich vor, dass er jetzt nicht mit ihm sprechen konnte. Es gab so viel, was er gern von ihm wissen wollte. Und gesprochen hatte Michael mit seinem Kumpel vor einer Woche das letzte Mal. Dieses Telefonat war vielleicht das letzte, was es jemals zwischen ihnen beiden gegeben hat. Seitdem war einiges passiert. Michael konnte das noch immer nicht ganz fassen. Die letzten Stunden hatten ihm nicht nur Fragen, sondern auch Sorgen beschert. Er würde Thomas gleich auf jeden Fall besuchen. Zuerst musste er aber ohnehin die Patientenverfügung abgeben. Er suchte seinen ehemaligen Kommilitonen auf, um ihm das Dokument zu geben. „Also hast du etwas gefunden…“, meinte er. Michael nickte. „Du wirkst ziemlich bedrückt, ist alles okay?“, seinem Gegenüber war das Verhalten des Arztes aufgefallen. Michael reichte seinem Kollegen die Verfügung, dann antwortete er: „In der Patientenverfügung steht etwas drinnen, was ich nicht so berauschend finde… Er will, dass ich am Ende entscheide, wann die Geräte abgeschalten werden sollen, wenn er nicht bald aufwacht“, erklärte Michael. „Oh, das ist eine schwere Entscheidung… Wie sieht das mit der Schweigepflicht aus, Michael?“, wollte sein ehemaliger Kommilitone wissen und überflog nebenher das Blatt in seiner Hand. „Ach ja… hier steht es ja…“, er hatte die Textstelle gefunden. „Du willst doch jetzt sicher mal kurz zu deinem besten Freund, oder?“, meinte sein Kollege zu ihm. Michael nickte: „Ich fühle mich ein wenig dazu verpflichtet, ihm beizustehen.“ „Dann erkläre ich dir alles auf dem Weg zur Intensivstation“, schlug er vor und so machten sich Michael und sein ehemaliger Kommilitonen auf den Weg. „Wie geht es ihm?“, war das erste, was der Notarzt wissen wollte. „Nicht besonders gut, das muss ich dir sagen. Die ganzen Eingriffe haben ihn zusätzlich zum eigentlichen Unfall geschwächt. Sein Hirndruck ist soweit stabil, aber immer noch nicht ganz normal. Ich glaube aber, dass sich das bald noch bessern könnte, aber wer weiß schon ganz genau, was dennoch beim Unfall verletzt worden ist… Am meisten Sorgen macht uns aktuell wirklich sein Allgemeinzustand. Die Brüche können wir damit frühestens in zwei Tagen versorgen, eher erlaubt es sein Zustand wirklich nicht.“ „Und weiß heißt schlechter Zustand in Werten?“, wollte Michael von seinem Kollegen wissen. „Das volle Programm… Er hat sich schließlich ordentlich unterkühlt bei dem Unfall, dann der Eingriff im Rettungswagen durch Frau Thaler… Dann noch niedriger Blutdruck und ein hoher Puls, keine Ahnung wie lange sein Körper das noch mitmacht.“, lautete die Antwort. „Also gehst du nicht davon aus, dass er es schaffen wird?“, fragte Michael. Sein Gegenüber schüttelte den Kopf. Michael ließ das einfach so stehen und setzte mit einer weiteren Frage fort: „Was hat er denn überhaupt für Brüche, die versorgt werden müssen?“ „Im Prinzip ist das Hauptproblem die offene Tibiafraktur und dann müssen wir noch sehen, inwieweit wir uns um etwas anderes kümmern müssen. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Die nächsten Tage entscheiden erst einmal.
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