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Trøllabundin

von Lofari
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P18 / Mix
Jener der bleibt/Kang der Eroberer Loki Mobius M. Mobius Ravonna Renslayer Sylvie
16.08.2022
16.08.2022
1
1.300
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Dieses Kapitel
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16.08.2022 1.300
 
Hallo ihr Lieben :) ich hatte die Geschichte bereits vor einiger Zeit hochgeladen, allerdings habe ich sie nun noch einmal abgeändert. Ich hoffe, dass sie euch gefallen wird. Lasst gerne auch ein Kommentar da :) ich würde mich riesig freuen!


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Sylvies Herz klopfte ihr bis zum Hals. Sie war bleich und zitterte, zog schluchzend ihre Knie an die Brust und schlang die Arme darum. Was hatte sie nur getan?

Nach all den Jahren hatte sie ihr Ziel endlich erreicht: der Gründer der TVA war tot. Sie hatte ihn getötet. Sie hatte endlich ihre Rache bekommen. Rache für das, was dieses Monster ihr angetan hatte. Doch was sie nun in ihrem Inneren fühlte war weder Triumph noch Freude. Stattdessen hatte sich eine dumpfe, beinahe schmerzende Benommenheit in ihr breit gemacht. Beinahe ihr gesamtes Leben hatte sie nur für diesen einen Augenblick gelebt. Jetzt wo er endlich da war, fühlte sie nichts. Sie war wie gelähmt. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis, immer und immer und immer wieder.  

Ihr Blick wanderte durch den schwach erhellten Raum, blieb schließlich bei dem Mann hängen, der nun zusammengesunken auf seinem Sessel saß. Der Anblick des Toten hätte Befriedigung in ihr wachrufen sollen. Doch stattdessen machte sich lediglich eine düstere Unruhe in ihr breit. Sie hatte ihre Rache bekommen, ja. Aber zu welchem Preis? Erst jetzt wurde ihr wirklich bewusst, was sie mit ihrer Handlung ausgelöst hatte. Sie hatte alles für eine große Lüge gehalten, war besessen von dem Gedanken gewesen diejenigen auszulöschen, die ihr alles genommen hatten. Loki hatte versucht sie aufzuhalten. Er hatte es für möglich gehalten, dass der Tod dieses Mannes etwas weitaus Schlimmeres herrufen könnte. Sie hatte es nicht glauben wollen, hatte IHM nicht glauben wollen. Loki hatte Recht gehabt mit seinen Worten…sie konnte niemanden vertrauen. Seitdem die TVA sie damals entführt hatte, war sie immer auf sich allein gestellt gewesen. Sie hatte sich immer nur auf sich selbst verlassen. Und das war auch gut so. Zumindest redete sie sich genau das ein. Sie wollte und brauchte niemanden. Wenn einem etwas an jemand anderem lag, war man verletzlich, angreifbar. Und genau das hatte ihr im Leben schon genug Ärger eingehandelt. Die Erinnerungen allein ließen Sylvie schaudern. Und doch hatte Loki es geschafft sich in kürzester Zeit in ihr Herz zu stehlen. So sehr sie sich auch gegen den Gedanken wehrte – sie mochte ihn. Mehr als sie jemals für möglich gehalten hätte. Mehr als für sie beide gut war. Worte drangen in ihre Erinnerung.

„Woher weiß ich, dass du mich nicht im letzten Moment verraten wirst?“
„Hör zu, Sylvie. Ich…ich habe jeden verraten, der mich je geliebt hat. Ich habe meinen Vater verraten, meinen Bruder, meine Heimat…ich weiß um meine Taten und auch wieso ich es tat. Aber ich bin nicht mehr der, der ich einst war. Okay? Ich lass dich nicht hängen.“
„Ganz sicher?“
Loki nickte.  


Sylvie schluckte schwer. Er hatte ihr versprochen, sie nicht im Stich zu lassen und sie hatte ihm geglaubt. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und plötzlich kam sie sich entsetzlich dumm vor. Loki hatte versucht sie aufzuhalten, aber nicht, weil er sich gegen sie gewandt hatte. Nein, er wollte sie beschützen. Sie war ihm nicht egal. Im Gegenteil…

„Ich weiß was in dir vorgeht. Ich habe gefühlt, was du fühlst. Frag mich nicht woher ich das weiß. Ich weiß nur…Ich weiß nur, dass ich dir nicht wehtun will. Ich will keinen Thron. Ich will nur, dass es dir gut geht.“

Plötzlich begann Sylvie zu weinen. Laut, krampfhaft und so heftig, dass ihr der Hals wehtat. Nach wie vor auf dem kalten Boden kauernd, verbarg sie das Gesicht in den Händen und schluchzte hemmungslos. Sie konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Ihr wurde bewusst, dass sie den Kampf nicht gewonnen, sondern alles verloren hatte. Nicht er hatte sie verraten, sondern sie ihn.

„…aber ich bin nicht wie du.“

Ihre eigenen Worte hallten immer und immer wieder in ihrem Kopf nach. Sie war ein Narr. So ein entsetzlicher Narr…

„Mir ist eine Antwort eingefallen!“
„Auf was?“
„Auf deine Frage: Liebe…ist ein Dolch. Sie ist eine Waffe, die aus der Ferne geführt werden kann oder aus der Nähe. Man kann sich selbst in ihr erkennen. Sie ist wunderschön. Bis sie dich bluten lässt. Aber wenn du dann versuchst nach ihr zu greifen…“
„…ist sie nicht echt.“


Sie begann zu schreien. Laut, schrill und voller Verzweiflung. In ihr war so viel Schmerz und Wut, dass sie es kaum noch ertragen konnte. Unter Tränen griff sie nach ihrem fallengelassenen Schwert, sprang auf die Füße und ballte in hilflosem Zorn die Faust. Plötzlich hatte sie das unbändige Bedürfnis, irgendetwas zu zerstören. Mit einem gellenden Schrei fuhr sie herum und versetzte dem Sessel, auf dem sie zuvor noch gesessen hatte, einen so gewaltigen Tritt, dass er quer durch das Zimmer flog und an der gegenüberliegenden Wand zerschellte. Die Tränen behinderten ihre Sicht, aber es war ihr egal. Sie riss ihre Waffe mit beiden Händen über den Kopf. Die Klinge krachte mit einer gewaltigen Wucht auf den verbliebenden Sessel herunter, zerbarst schon bei ihrem ersten Schlag, aber Sylvie war das egal. Sie schlug weiter und weiter auf alles ein, was sich ihr und ihrer Wut in den Weg stellte, bis alles um sie herum in Trümmern lag und sie einfach nicht mehr die Kraft hatte, das Schwert zu heben und erschöpft auf die Knie zurücksank.

Sylvie schauderte. Ein Gefühl eisiger Kälte durchflutete sie und plötzlich hatte sie Angst, panische Angst. Da war er wieder. Der Schmerz des Verlustes. Er war so präsent wie zuletzt, als sie alles verloren hatte. Ihr Zuhause, ihre Familie, einfach alles…es war bereits solange her, dass die TVA ihr Leben zerstört hatte, dass sie sich kaum noch daran erinnern konnte, was davor war. Asgard, der Ort an dem sie aufgewachsen war, ihre Eltern – alles war irgendwie mit den Jahren verblasst. Sie hatte Loki nach seinen Eltern gefragt, hatte gehofft, dass sie sich an irgendetwas erinnern könnte, doch da war nichts. Heiße Tränen brannten auf ihren Wangen. Sie begann zu vergessen wer sie war. Ihre Vergangenheit lag im Nebel des Vergessens. Am Ende hatte sie alles verloren. Was sollte sie nun tun? Sie war mit ihren Kräften am Ende. Sie fühlte sich ausgebrannt und so müde wie nie zuvor in ihrem Leben.

Sylvie wusste nicht wie lange sie so dasaß, die Arme fest um ihren Oberkörper geschlungen und schluchzend, als sie plötzlich ein vertrautes Geräusch hinter sich vernahm. Sie drehte alarmiert den Kopf und griff routiniert zu ihrer Waffe.

Es war ein Portal. Hatte die TVA sie gefunden? Wie war das möglich? Bisher war Sylvie davon ausgegangen, dass es keine Möglichkeit gab an diesen Ort zu gelangen. Keinen, außer den den sie selbst gewählt hatte, um Loki zu finden.

Keuchend, weil ihre Glieder steif geworden waren, stand sie auf. Ihr Kopf tat weh. Es stach und pochte hinter ihrer Stirn und in ihren Ohren dröhnte ihr Herzschlag.

Angespannt starrte sie auf das leuchtende Tor, wartete darauf, dass sich einer oder eine ganze Gruppe von Minuteman zeigen würde und sie für das was sie getan hatte zur Rechenschaft ziehen würde.

Aber es geschah nichts.

Sylvie zögerte. Ihre Hände begannen vor Nervosität zu zittern. Instinktiv packte sie ihr Schwert fester und trat einen Schritt näher. Was hatte das zu bedeuten? Wollte jemand, dass sie durch das Portal ging? Wer wartete am anderen Ende? Und warum zeigte sich dieser jemand nicht?

Eine leise Stimme in ihrem Inneren versuchte sie noch davon abzuhalten durch das Portal zu gehen, hinter dem sich höchstwahrscheinlich eine Falle verbarg. Doch was war die Alternative? An diesem Ort zu bleiben war keine Option. Sie straffte ihre Schultern und überwand die letzten Meter, um im nächsten Moment wie durch Geisterhand mitsamt dem Portal zu verschwinden.


*Fortsetzung folgt*
 
 
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