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2022 08 07: Boiling Frog Syndrom [by lula-chan]

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Het
07.08.2022
07.08.2022
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07.08.2022 1.323
 
Tag der Veröffentlichung: 07.08.2022
Titel der Geschichte: Boiling Frog Syndrom
Song: one_ & _only von TJ_babybrain
Autor: lula-chan
Kommentar des Autors:
Wie sinnvoll ist es, eine Geschichte zu einem Film zu schreiben, den man vor Jahren gesehen hat? Die Antwort war mir, wie es aussieht, wohl so ziemlich egal, denn genau das ist das hier. “Whiskey Tango Foxtrot” habe ich vor fünf, sechs, sieben(?) Jahren das erste und bisher einzige Mal gesehen.  
Als ich letzte Woche die noch freien Tage für diese durchgegangen bin, ob etwas für mich dazwischen wäre, hatte ich zu den Liedern erst mal nur vage Ideen, aber nichts Konkretes. Am nächsten Tag habe ich mir die Lider erneut angehört und hatte bei dem heutigen Tag plötzlich die Beziehung zwischen Kim und Ian im Kopf. Keine Ahnung, wo das herkam, da ich den Film überhaupt nicht mehr auf dem Schirm hatte, aber die Idee war da.
Leider war es mir nicht möglich, mir den Film vorher noch einmal anzusehen, daher habe ich mich mit dem Lesen von Zusammenfassungen und dem Anschauen von Trailern und einigen Promoschnipseln begnügt. Das einzige Problem war dabei, dass die Beziehung zwischen Ian und Kim lediglich angeschnitten wurde, also habe ich schließlich auch noch YouTube bemüht und nach dem Film gesucht. Dabei bin ich über jemanden gestolpert, der alle Szenen mit Martin Freeman (Teil 1, Teil 2, Teil 3) zusammengeschnitten hat und genau das habe ich gebraucht.
Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen!


Boiling Frog Syndrom


Es war einmal ein alter Mann, der vor seiner Hütte saß und über das Leben nachdachte. Und während er so da saß, entdeckte er am Ufer des kleinen Sees einen Frosch. Der alte Mann packte den Frosch und nahm ihn mit in seine Hütte, wo er ihn sogleich in einen großen Topf mit kochendem Wasser gab.

Der Frosch machte einen entsetzten Sprung heraus aus dem Topf und sprang schnell wieder aus der Hütte hinaus, noch eher der alte Mann es recht bemerkte.

Wieder saß der alte Mann vor seiner Hütte – und wieder dachte er über das Leben nach. Er dachte an den Frosch, der sich sicherlich ordentlich verbrannt hatte, sich aber beherzt der Situation entzogen hatte, um weiter leben zu können.

Da bemerkte der alte Mann wiederum einen Frosch am Ufer des Sees und der alte Mann nahm auch diesen Frosch mit in die Hütte. Da er dieses Mal keinen Topf mit kochendem Wasser auf dem Ofen stehen hatte, setzte er den Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser und zündete dann den Ofen an und setzte kurze Zeit später den Topf auf das Feuer.

Zu seinem Erstaunen stellte der alte Mann fest, dass der Frosch im Topf sitzen geblieben war und auch weiter blieb. Das Wasser wurde immer wärmer, schließlich heiß und dann kochend, doch der Frosch blieb selbst im kochenden Wasser sitzen und machte keinerlei Anstalten der bedrohlichen Situation zu entkommen.

Der alte Mann freute sich über das unerwartete Abendmahl und dachte weiter über das Leben nach, während er genüßlich seine Froschsuppe schlürfte.

Eine Frage ließ dem alten Mann einfach keine Ruhe: warum war der Frosch nicht irgendwann doch aus dem immer heißer werdenden Wasser gesprungen, sondern lieber gestorben, als sich zu retten?

Der alte Mann dachte an die Menschen und er glaubte, eine gewisse Ähnlichkeit im Verhalten des Frosches und der Menschen entdeckt zu haben. Gab es nicht auch Menschen, die in ihrem Leben nichts änderten, obwohl es ihnen immer schlechter und schlechter ging oder eine Situation immer bedrohlicher wurde?

Lieber starben diese Menschen, als sich durch einen beherzten Sprung heraus aus der Problemsituation zu retten? Oder hatte der Frosch erst viel zu spät bemerkt, wie heiß das Wasser war und er hatte dann keine Kraft mehr für die rettende Veränderung gehabt und ergab sich so seinem Schicksal?

Geht es etwa vielen Menschen auch so? Und wenn die Verschlechterungen nicht schleichend, sondern schlagartig kämen, würden die Menschen dann aus dem kochenden Wasser springen?


(Frank Obels)



Schüsse peitschen durch die Luft.
Auf der einen Seite die Taliban, auf der anderen die amerikanischen Soldaten und mittendrin: Ian - gefesselt und mit verbundenen Augen.
Schließlich passiert das Unvermeidliche: Gleich mehrere Kugeln treffen Ian und lassen seinen Körper leblos zusammensacken.


Mit einem Keuchen reißt Kim ihre Augen auf. Ihr Herz pumpt ihr Blut viel zu schnell durch ihren Körper. Kalter Schweiß bedeckt Kims Haut und lässt sie frösteln. Ihre Bewegungen sind noch unkoordiniert. Umständlich schlägt sie die Decke zurück. Fahrig richtet sie sich auf und rückt an den Rand ihres Bettes. Ihre nackten Füße berühren den kalten Boden. Die Kälte ist ein willkommener Gegensatz zu der Hitze ihres Körpers. Ihre Hände zittern. Stöhnend vergräbt sie ihr Gesicht in ihnen. Sie hätte ihn so leicht verlieren können.
Diesen Albtraum hatte sie schon lange nicht mehr. Es muss die Nervosität sein. Morgen - nein, heute schon - würde sie Ian wiedersehen, zwar nur über eine Kamera, aber immerhin. Er würde in der Sendung sein neues Buch vorstellen und sie würden über Afghanistan reden.
Kim wirft einen Blick auf ihren Wecker - 03:44 Uhr. Sie kann sich also noch einmal hinlegen, aber zuerst wird sie sich etwas anderes anziehen. In diesen klammen Klamotten wird sie es sonst nicht wieder schaffen einzuschlafen.

Kim ist Profi genug, um ihre Aufregung nicht durchblicken zu lassen, als die Verbindung aufgebaut ist und sie Ian über den Bildschirm sehen kann. Er sieht besser aus als damals, als sie sich zuletzt in Afghanistan gesehen haben, viel frischer. Ihre Stimme ist klar und flüssig, als sie ihn schließlich anmoderiert. Sie kann Ians Nervosität sehen und findet es wirklich süß, als er in der Pause nachfragt, ob er irgendetwas hätte anders machen sollen. Kim kann ihn da zum Glück beruhigen. Dann kommt seine Einladung zum Kaffee, wenn er Ende des Monats wegen seinem Buch in New York sein würde. Da die Pause natürlich genau dann zu Ende sein muss, bleibt sie ihm eine Antwort schuldig. Sie sieht seine Unruhe, doch jetzt müssen sie wieder professionell sein.

Der Monat neigt sich seinem Ende zu. Kim hat sich in die letzte Reihe gesetzt und lauscht Ians Ausführungen zu seinem Buch. Sie ist sich nicht sicher, ob er sie bereits bemerkt hat, wenn, hat er es sich zumindest nicht anmerken lassen. Mittlerweile sind sie bereits in der Fragerunde und natürlich kommt die Sprache dabei auch auf seine Entführung durch die Taliban und seine anschließende Rettung. Für einen kurzen Moment sieht sie Unbehagen in seinem Blick aufblitzen, dann hat er sich wieder unter Kontrolle. Kim atmet tief durch, als sich die Bilder aus ihrem Albtraum wieder in ihren Kopf drängen. Sie hatte ihn seitdem nicht mehr, aber diese Bilder vergisst sie nicht so einfach, das kann sie einfach nicht. Es hätte schief gehen können. Sie hätten zu spät kommen können. Sie hätte ihn so leicht verlieren können.
Als sie zurück in der Journalistenunterkunft waren, hat er so locker von dem Ganzen gesprochen, als hätte es ihm überhaupt nichts ausgemacht. Er hat Witze gemacht und eine Leichtigkeit zur Schau getragen, die sie ihm sogar abgekauft hätte, hätte sie es nicht besser gewusst. Sie hat ihn gesehen, kurz nachdem er gerettet wurde. Sie hat das Videomaterial gesehen - richtig gesehen mit dem Blick eines Vertrauten. Sei hat seinen Blick gesehen, als er sie quer über den Raum angesehen hat, nachdem er seine Geschichte zum besten gegeben hat. Sie haben nie richtig darüber gesprochen, aber auch so weiß sie, dass Ian es eben nicht so leicht genommen hat, wie er es die anderen hat denken lassen.

Die Veranstaltung beginnt sich aufzulösen. Kim wartet, bis kein anderer mehr da ist, ehe sie zu Ian tritt.
“Hey.”
Ian blickt auf. Sie kann sein Erstaunen und seine Freude über ihre Anwesenheit in seinem Blick sehen. “Hey. Ich, uhm, war mir nicht sicher, ob du kommen würdest.”
Kim lächelt. Sie ist so froh, ihn nun endlich wieder in echt zu sehen.
“Also, uhm. Kaffee?”
“Das hoffe ich doch.”
Auch er lächelt jetzt - breit und freudestrahlend - und Kims Lächeln vertieft sich.
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