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Dog Days Are Over

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
Harumi Taniguchi Himeko Momokino Matsuri Mizusawa Mei Aihara Nina Tachibana Yuzu Aihara
06.08.2022
19.08.2022
5
9.502
 
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06.08.2022 999
 
Kapitel 1 Love Is A Losing Game


Es war ein stürmischer Tag, als Mei an diesem Dienstag Nachmittag nach Hause kam. Natürlich, da hatte sie einmal, seit Monaten, eine Stunde früher Feierabend machen können, dann schüttete es wie aus Eimern. Sie schloss auf, trat sich die Füße ab und ging in den Hausflur. Sie sagte lange schon nicht mehr „Hallo“, wenn sie nach Hause kam. Stumm streifte sie sich den Schal ab, als sie ein verräterisches Geräusch hörte.
Ein Stöhnen und jetzt, wo sie sich darauf konzentrierte hörte sie noch mehr. Oh Gott, dachte sie, jetzt ist es endlich passiert. Den dicken Schal, den sie gerade noch um den Hals hatte, wickelte sie jetzt langsam um ihre behandschuhte rechte Hand. Sie zog den Knoten am Handgelenk fest und machte sich auf den Weg zu ihrem Schlafzimmer. Sie öffnete die Tür wie jede andere Tür auch, weder in Eile noch schlüpfte sie leise durch einen Spalt. Das erste, was sie sah, war ein heller Haarschopf, in dem eine blaue Schleife im Rhythmus der Bewegungen auf und ab hüpfte. Nina. Aber das war im Moment nicht wichtig. Sie stieß sie zur Seite, runter von ihrem Mann. Natürlich schrie sie auf, aber wahrscheinlich eher vor Schreck als vor Schmerz.
Jetzt vor sich hatte sie das erschrockene Gesicht von ihrem Mr. Perfect. Und sie schlug darauf ein. Danke, Großvater, da hast du mir ja einen tollen Mann ausgesucht. Es war wie ein Blutrausch: Immer wieder holte sie kräftig aus; die Schläge spürte sie kaum. Es war als wäre ihre Faust taub und nur die Genugtuung, ihm weh zu tun, drang mit jedem Schrei zu ihr durch. Und diese kostete sie aus.
„Bitte!“, flehte er. Vergebens.
Er floh natürlich vor den Schlägen; der Schal schützte lediglich ihre Finger, nicht aber sein Gesicht. Er kroch Rückwärts aus dem Bett und als er halb auf dem Boden lag, griff sie in seine Haare und hielt seinen Kopf fixiert.
„Irgendwelche letzten Worte?“, fragte sie kühl.
„Bitte Mei, ich kann das erklären!“ Falsche Antwort. Sie zweifelte nicht, dass die Angst, die sie in seinen Augen sah, echt war, aber Reue war darin nicht zu erkennen.
Sie schlug ihm mit voller Wucht auf die Nase. Er hatte nicht gekämpft, sie nicht mal abgewehrt, sondern war geflohen, war ein Feigling. War immer ein Feigling gewesen.
Sie richtete sich wieder auf und hörte zu ihrer Rechten ein leises Schluchzen.
„Nina“, sagte sie. Ihr Tonfall war neutral; sie war nicht wütend, sie fühlte sich hohl. Seit Jahren schon fühlte sie sich hohl, wie ein Roboter, der nur seine einprogrammierte Arbeit verrichtete. Auch die (einseitige) Prügelei hatte daran nur kurz etwas geändert.
„Es tut mir alles so Leid, Frau Aihara“, sagte Nina, die sich notdürftig in die Bettdecke eingewickelt hatte und weinte weiter.
„Darüber reden wir später. Erst mal brauche ich deine Hilfe.“
Sie nickte und wischte sich vorsichtig eine Träne aus dem Gesicht.
„Gut. Schnapp’ dir seine Füße, ich nehme die Schultern“, befahl Mei.

Zwei Worte fielen Mei zu ihrem bewusstlosen Mann ein, als sie ihn mit Ninas Hilfe vor die Tür trug: Verlogen und dick.
Als Herr Amamiya hatte sie ihn kennengelernt. Der Mädchenschwarm, der schlaue Herr Lehrer mit der Eliteausbildung, der ganze Stolz der Aiharaakademie und ihres Großvaters, der die Verlobung arrangiert hatte. Das war der verlogene Teil.
Das Dicke kam nach der Hochzeit. Er hörte auf mit seiner Lehrertätigkeit, sobald die Flitterwochen gelaufen waren. Hatte er früher komplizierte Mathematik gelehrt verwendete er fortan nur noch die Zahlen bis 21 zum Blackjack spielen.
Jetzt, wo Mei an seinem nackten Körper herunter sah, sah sie, wie dick und unansehnlich er in den wenigen Jahren ihrer Ehe geworden war. Wenigstens hatte er seine unansehnliche Brust rasiert für Nina.
Sie legten ihn Draußen vor dem Haus im Gras ab. Wenn sein Gesicht nicht blutüberströmt gewesen wäre, hätte er als gewöhnliche Schnapsleiche durchgehen können.
„Wollen Sie ihn nicht wenigstens in stabile Seitenlage bringen?“, fragte Nina. Sie zuckte zusammen, als Mei sie darauf hin ansah.
„Sie sollten vielleicht jemanden für ihn rufen, oder so“, nuschelte sie dann.
„Gute Idee“, sagte Mei eisig, „Sie gehen schon mal rein und setzten Teewasser für uns beide auf; Sie kennen sich ja sicher im Haus schon aus. Ich rufe einen Schlosser an und lasse sofort die Schlösser austauschen.“

Während der Tee zog, zog sie ebenfalls und zwar das Laken vom Bett. Sie wollte es nicht mehr verwenden und die Bettdecke auch nicht. Beides warf sie zu ihrem „Gatten“ vor die Tür.
Dann setzte sie sich zu Nina und dem Tee. Nina studierte Englisch auf Lehramt und hielt ein Volontariat an ihrer Schule ab.
„Ich werde Ihnen ein gutes Zeugnis ausstellen, machen Sie sich darum keine Sorgen“, versprach sie gleich zu Anfang.
„Und diese Sache?“
„Das ist jetzt nicht mehr wichtig. Sie werden ein Zeugnis erhalten und ich werde mit Ihrer Universität reden, dass Ihr Volontariat hier abgeschlossen ist“, erklärte sie nüchtern.
„Danke, aber warum machen Sie das alles noch für mich?“, fragte Nina.
„Reiner Eigennutz. Sollte mein, hoffentlich bald, Exmann versuchen, irgendetwas von dem Geld oder der Schule zu bekommen, kann ich mich dann im Gegentausch darauf verlassen, dass Sie für mich vor Gericht aussagen?“
„Ja. Abgemacht.“ Sie sagte es recht selbstsicher, hatte aber immer noch diesen Gesichtsausdruck, wie ein verschrecktes Tier oder so etwas. Nervosität lag in ihren Augen.
„Also“, fuhr Mei fort, „welche Stärken, meinen Sie, sind für Ihre weitere Karriere von Vorteil?“

11.7.022
Korrigiert: 30.7.022

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Ich hatte die Idee für diese FF, als ich mir das Amy-Winehouse-Konzert auf Arte angesehen habe, darum trägt das Kapitel auch diesen Namen. Ich habe versucht, und werde es auch weiterhin versuchen, den Kapiteln nur Titel zu geben, die das Wort „Love“ enthalten, weil die Titel der Citrusfolgen es auch alle enthielten.
Außerdem sorry an alle Fans von Nina, aber ich wollte keinen OC nehmen, als Herr Amamiyas Affäre und da war sie die Erste, die mir in den Sinn kam. War trotzdem unfair gegenüber Nina (und vor allem OOC).
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