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All The Young  Dudes, Deutsche Übersetzung

von Phienig
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P12 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
05.08.2022
11.08.2022
7
14.467
1
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05.08.2022 2.005
 
Samstag 7. August, 1971

Er erwachte im Dunklen. Es war zu heiß in dem kleinen Raum in den sie ihn gesteckt hatten, denn es war früher August. Doch es konnte auch das Fieber sein. Er hatte immer erhöhte Temperatur am Morgen danach. Früher hatten sie ihn in einen Raum mit Fenstern gesperrt, aber vor ein paar Monaten war es ihm gelungen eines davon zu zerbrechen und wäre es nicht vergittert gewesen, wäre er entkommen. Er hatte gehört wie sie darüber sprachen, wie man ihn zurückhalten konnte wenn er älter war. Er versuchte nicht darüber nachzudenken.

Er erinnerte sich an das Gefühl von Hunger, so stark, dass es in Wut umschlug. Er erinnerte sich an das Heulen und Winseln, stundenlang, das immer und immer wieder im Kreis Laufen in seiner Zelle. Vielleicht würden sie ihn heute vom Unterricht entlassen, sodass er etwas schlafen konnte. Es waren ohnehin Sommerferien und es war unfair, dass er Unterricht nehmen musste, während die anderen Jungen den ganzen Tag pennten, Fußball spielen und Fernsehen durften. Er setzte sich auf und streckte sich vorsichtig und untersuchte sich nach Verletzungen. Da war eine frische Kratzwunde hinter seinem Ohr und ein tiefer Biss in seinem rechten Schenkel.

Er strich mit seiner Hand über seinen rasierten Schädel. Er hasste diesen Haarschnitt, aber jeder Junge im Kinderheim hatte diese akkurat getrimmten Haare. Es hieß, dass man, selbst wenn sie in die Stadt gehen durften, immer sah, dass sie Jungen aus St. Edmund waren – was vermutlich auch der Sinn war. Die Verkäufer wussten dann immer bei wem sie aufpassen mussten. Nicht, dass die Jungen selbst etwas für diese Erwartungshaltung konnten. Ihnen wurde so oft gesagt, dass sie der Abschaum der Gesellschaft waren; hinter sich gelassen und ungewollt – also warum nicht ein bisschen Chaos verursachen?

Remus hörte Schritte am Ende des Flures. Es war die Oberin; er konnte sie riechen, er hörte ihren Herzschlag. Seine Sinne waren nach einer seiner Episoden immer verstärkt. Er stand auf, wickelte trotz der Hitze eine Decke um seinen Körper und ging zur Tür um besser hören zu können. Sie war nicht allein, es war ein Mann bei ihr. Er roch alt und irgendwie… anders. Ein schwerer Geruch wie Eisen, der Remus vage an seinen Vater erinnerte. Es war Magie.

“Sind Sie sicher, dass es ihre Zeit wert ist?” fragte die Oberin den Fremden, “Er ist wirklich einer unser schlimmsten Fälle.”

“Oh ja,” antwortete der alte Mann. Seine Stimme war warm wie Schokolade. “Wir sind uns sehr sicher. Ist das wo sie ihn haben während…?”

“Seinen Episoden.”, beendete die Oberin in ihrer knappen, nasalen Stimme. “Für seine eigene Sicherheit. Er hat angefangen zu beißen seit seinem letzten Geburtstag.”

“Ich verstehe.”, antwortete der Mann. Er klang eher nachdenklich als beunruhigt.

“Darf ich fragen was Sie über das Gebrechen des jungen Mannes wissen?”

“Alles was ich wissen muss.” Antwortete die Oberin kalt . “Er ist hier seit er fünf ist. Und er hat schon immer Probleme gemacht – nicht nur weil er einer von ihrer Sorte ist.”

“Meine Sorte?” antwortete der Mann ruhig und unbeirrt. Die Oberin senkte ihre Stimme beinahe zu einem Flüstern, aber Remus konnte sie immer noch hören.

“Mein Bruder war einer. Ich habe ihn natürlich seit Jahren nicht mehr gesehen, aber er bittet mich gelegentlich um Gefallen. St. Edmund ist eine sehr besondere Institution. Wir sind ausgerüstet für Problemfälle.” Remus hörte das Klimpern von Schlüsseln, “Nun, Sie müssen ihn mich zuerst ansehen lassen. Er muss oft zusammen geflickt werden. Ich weiß nicht, warum Sie ihn überhaupt nach einem Vollmond sehen wollten, wenn Sie es schon wussten.”

Der alte Mann antwortete nicht und die Oberin ging in Richtung Remus Zimmer, ihre Lederschuhe klapperten auf dem Steinboden. Sie klopfte drei mal an die Tür.

“Lupin? Bist du wach?”

“Ja.”, antwortete er und zog die Decke enger um sich. Sie hatten ihm seine Kleider ausgezogen, damit sie nicht zerreißen konnten.

“Ja, Frau Oberin.”, korrigierte sie ihn durch die Tür.

“Ja, Frau Oberin.” Murmelte Remus, während der Schlüssel sich knarrend im Schloss drehte. Die Tür war aus einfachem Holz und er wusste, dass es ihm während seiner Episoden ein leichtes wäre durch sie hindurch zu brechen, doch nach dem Vorfall mit dem Fenster war sie mit Silber verstärkt worden. Allein von dem Geruch wurde ihm mulmig und er bekam Kopfschmerzen. Die Tür öffnete sich. Licht strömte hinein und er musste blinzeln. Als die Oberin der Raum betrat trat er automatisch einen Schritt zurück.

“Brauchst du dieses Mal irgendwelche Verbände?”

Er zeigte ihr seine Wunden. Sie bluteten nicht mehr. Ihm war aufgefallen, dass die Verletzungen, die er sich selbst zufügte, obwohl sie tief waren, schneller heilten als die, die er sich anderswo beifügte – es musste nie etwas genäht werden.Die Narben verblassten allerdings auch nie und hinterließen auf Netz aus silbrigen Spuren auf seinem Körper. Sie kniete sich vor ihm hin versorgte schnell seine Wunden mit kratzigen Mullbinden und reichte ihm seine Kleidung. Er zog sich schnell vor ihr an.

“Du hast Besuch.”, sagte sie endlich, als er sich sein T-Shirt über den Kopf zog. Es war grau, wie alle ihrer Sachen.  

“Wen?”, fragte er während er ihr in die Augen sah, weil er wusste, dass sie das nicht mochte.

“Einen Lehrer. Er ist hier um mit dir über die Schule zu sprechen.”

“Ich will nicht.” Sagte er. Er hasste Schule. “Sag ihm er soll verschwinden.”

Die Oberin gab ihm eine Ohrfeige. Er hatte damit gerechnet und zuckte nicht zusammen.

“Sei nicht so frech.”, zischte sie. “Du tust was man dir sagt, oder ich lasse dich für den Rest der Tages hier eingesperrt. Komm raus jetzt.” Sie packte seinen Arm und zog ihn vorwärts.

Er dachte darüber nach sich zu wehren, doch es hatte keinen Sinn. Sie würde ihn wirklich wieder einsperren und jetzt war er wirklich neugierig auf den Fremden. Der Geruch nach Magie wurde stärker, als sie den schattigen Korridor hinab liefen.

Der Mann, der auf sie wartete war groß und trug den eigenartigsten Anzug den Remus jemals gesehen hatte. Er war aus rotbraunem Samt und hatte goldene Verzierungen an den Ärmeln und aus Aufschlag. Die Krawatte war Mitternachtsblau. Der Mann musste sehr alt sein – sein Haar war schneeweiß und er hatte einen langen weißen Bart, der ihm bis zum Nabel reichen musste. Doch so eigentümlich wie er auch aussah, Remus fühlte sich nicht so eingeschüchtert von ihm, wie von den meisten anderen Erwachsenen. Er hatte liebe Augen und lächelte Remus hinter halbmondförmigen Brillengläsern hervor zu, als sie näher kamen. Er streckte eine Hand aus.

“Mr Lupin,” Sagte der alte Mann mit warmer Stimme, “Es ist eine Freude Sie zu treffen.”

Remus starrte ihn entzückt an. Niemand hatte ihn je zuvor mit solchem Respekt angesprochen. Es war ihm fast peinlich. Er schüttelte die Hand des Mannes und fühlte dabei ein elektrischen Brennen, wie Batterien Säure.

“Hi.” Antwortete er und starrte den Mann weiter an.

“Ich bin Professor Dumbledore. Würdest du mich bei einem Spaziergang im Garten begleiten? Es ist so ein schöner Tag draußen.”

Remus sah zur Oberin hinüber, welche nickte. Das allein war es wert mit diesem eigenartigen Fremden über Schule zu sprechen – sie ließ ihn sonst nie während eines Vollmondes nach draußen, nicht einmal unter Aufsicht.

Sie liefen weiter die Korridore hinunter, nur die beiden. Remus war sich sicher, dass er Dumbledore noch nie in St. Edmund gesehen hatte, doch dieser schien den Weg genau zu kennen. Als sie endlich im Freien waren atmete Remus tief ein und ließ sich die Wärme Sommersonne ins Gesicht scheinen. Der ‚Garten’ wie Dumbledore ihn genannt hatte war nicht gerade umfangreich. Ein Flecken gelbliches Gras, welchen die Jungen zum Fußballspielen nutzten und eine kleine Terrasse, bei der Gräser durch Risse im Boden wuchsen.  

“Wie fühlen Sie sich, Mr Lupin?” fragte der alte Mann. Remus zuckte mit den Achseln. Er fühlte sich so, wie er sich jedes Mal danach fühlte. Aufgebracht und ruhelos.

Dumbledore rügte ihn nicht für seine Unhöflichkeit, sondern lächelte ihn weiter, während sie am Zaun, der das Gelände umgab entlang schlenderten.

“Was wollen Sie?”, fragte Remus endlich und schoss einen Stein aus seinem Weg.
“Ich nehme an du hast bereits ein paar Ideen,”, antwortete Dumbledore. Er zog eine braune Papiertüte und bot Remus ein Zitronenbonbon an. Er nahm es an und lutschte daran.

“Sie sind magisch.”, sagte er schlechthin. “Wie mein Vater.”

“Erinnerst du dich an deinen Vater, Remus?”

Er zuckte wieder mit den Schultern. Er tat es nicht wirklich. Alles woran er sich erinnern konnte war die Siluette eines großen, dünnen Mannes in einem langen Umhangen, der sich weinend über ihn beugte. Er nahm an, dass das in der Nacht war in der er gebissen wurde. Daran konnte er sich noch gut erinnern.

“Er war magisch.” , sagte Remus. “Er konnte Dinge passieren lassen. Mum war normal.”

Dumbledore lächelte ihn freundlich an.

“Ist es das was deine Mutter dir erzählt hat?”

“Manches davon. An manches kann ich mich erinnern. Er ist tot, er hat sich selbst umgebracht.”

Dumbledore sah leicht bestürzt aus, was Remus gefiel. Es war eine Sache des Stolzes, wenn man eine tragische Hintergrundgeschichte hatte. Er dachte nicht oft an seinen Vater, außer wenn er überlegte ob er sich vielleicht nicht umgebracht hätte, wäre Remus nicht gebissen worden. Er redete weiter.

“Mum ist aber nicht tot. Sie wollte mich nur nicht haben. Deshalb bin ich hier.” Er sah sich um. Dumbledore war stehen geblieben. Sie waren nun am äußersten Rand des Geländes, beim großen schwarzen Zaun. Es gab hier ein loses Brett von dem niemand wusste. Remus konnte durch es hinaus kriechen und über die Straße in Richtung Stadt hinunter wandern. Er hatte nie ein besonderes Ziel. Er lief nur herum und wartete darauf, dass die Polizei ihn einsammelte und zurück brachte. Es war besser als gar nichts zu tun.

“Magst du es hier?” , fragte Dumbledore. Remus schnaubte,

“’Natürlich verdammt nochmal nicht.”, er blickte Dumbledore von der Seite an, doch kam nicht in Schwierigkeiten für’s fluchen.

“Nein, das hatte ich auch nicht erwartet.”, bemerkte der alte Mann, “Ich habe gehört du machst Probleme, stimmt das?”

“Nichts schlimmeres als die anderen.” , sagte Remus. “Wir sind ‚Problemkinder‘.”
“Ja ich verstehe.” Dumbledore strich über seinen Bart, als ob Remus etwas extrem wichtiges gesagt hätte.

“Haben Sie noch ein Bonbon?” Remus hielt abwartend seine Hand hin. Dumbledore reichte ihm die ganze Tüte und er konnte sein Glück kaum fassen. Der alte Idiot war ein totaler Schwächling.

“Ich leite eine Schule. Die selbe auf die auch dein Vater gegangen ist .”

Das warf Remus aus der Bahn. Er schluckte das Bonbon herunter und kratzte seinen Kopf. Dumbledore fuhr fort.

“Es ist eine ganz besondere Schule. Für Zauberer, so wie ich. Und wie du. Würdest du gerne über Magie lernen, Remus?”

Remus schüttelte schnell seinen Kopf.

“Ich bin zu dumm.” Sagte er entschieden, “Ich würde nicht rein kommen.”
“Ich bin mir sicher, dass das absolut nicht wahr ist.”

“Fragen Sie sie,” Remus deutete mit seinem Kopf auf das große graue Gebäude, wo die Oberin wartete. “Ich kann nichtmal richtig lesen. Ich bin dämlich.”

Dumbledore sah ihn für eine lange Zeit an.

“Du hattest keinen leichten Start ins Leben, Mr Lupin, und das tut mir Leid. Ich kannte deinen Vater – nur ein bisschen– und ich bin mir sicher er hätte nicht gewollt… wie auch immer. Ich bin hier um dir etwas anderes anzubieten. Einen Platz unter deines gleichen. Vielleicht sogar einen Weg um mit all der Wut umzugehen, die du in dir trägst.”

Remus starrte ihn an. Was machte es für einen unterschied ob er hier lebte oder wo anders? Die Oberin gab ihm keine Süßigkeiten und roch nicht nach Magie. Die Kinder an Dumbledores Schule konnten auch nicht schlimmer sein, als die Jungen in St. Edmund. Aber. Es gibt immer ein ‚Aber’.

“Was ist mit meinen Episoden?” Fragte er und verschränkte seine Arme. “Ich bin gefährlich, wissen Sie.”

“Ja, Remus, ich weiß,”, sagte Dumbledore traurig. Er legte sanft eine Hand auf Remus Schulter. “Wir werden sehen was man tun kann. Überlass das mir.”

Remus schüttelte ihn ab und kaute auf einem weiteren Zitronenbonbon. Sie gingen still zurück zum Gebäude, zufrieden, dass sie einander nun verstanden hatten.
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