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Lerne mich kennen, um mich zu verstehen

von Aniera
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Damon Salvatore Malachai "Kai" Parker OC (Own Character)
05.08.2022
27.11.2022
59
112.725
3
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25.09.2022 1.167
 
Anni Preston

Zuhause hatte ich mich unter der Bettdecke verkrochen und erst einmal geweint. Zum Glück war keiner im Wohnzimmer. Ich hatte keine Lust mich noch vor allen erklären zu müssen, warum ich panisch rennend und voller Tränen nach Hause kam. Ich weiß nicht wie viel Zeit verging, aber es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ich meine Zimmertür hörte. Mein ganzer Körper verkrampfte sich und ich bemerkte sogar, wie ich etwas zitterte. Nein, es war keine Angst, die ich im Moment empfand, aber eine Unsicherheit darüber, was als nächstes passieren würde. Aufmerksam lauschte ich jedem Schritt, der über den Boden glitt.
Schließlich spürte ich, wie sich die andere Seite der Matratze senkte, als sich jemand darauf setzte. Daraufhin hörte ich Schuhe, die zu Boden fallen gelassen wurden und zwei Kleidungsstücke, die ihnen folgten. Schützend zog ich die Bettdecke enger um mich, um nicht wieder loszuheulen. Natürlich war es Kai, der ich bei mir auf dem Bett saß. Seine Schritt würde ich überall wieder erkennen, aber das er nicht mit mir sprach, machte mich völlig fertig. Ich bemerkte, wie die Matratze mehr nachgab und sich jemand neben mich legte. Die Decke hob und senkte sich, was mir ein kühler Luftzug bescherte. Noch ein tiefes Seufzen, dann kehrte Stille ein.
Mein Brustkorb zog sich zusammen und ich musste erneut damit kämpfen, nicht in Tränen auszubrechen. Verdammte Scheiße, rede mit mir du dämlicher Idiot! Aber ich konnte mich nicht zu ihm umdrehen, um ihn zur Rede zu stellen. Es war, wie eine innere Blockade. Allerdings beruhigte mich alleine die Tatsache, dass er zu mir zurückgekehrt ist. Das er hier bei mir liegt und nicht irgendwo herumstreunt und irgendwelche Dummheiten macht.
„Ich bin ein Narr des Schicksals.“, flüstert Malachai und ich spürte, wie mich ein Stich ins Herz traf. Das er ausgerechnet Romeo und Julia dazu benutzte, um dieses Gespräch zu beginnen. Mein Magen rebellierte und meine Augen begannen zu brennen. „Als ob der Name, aus tödlichem Geschütz auf sie gefeuert, sie mordete.*“, sprach er weiter und sein Zitat bringt mich schließlich doch zum Schluchzen. Er hörte es und lehnte sich zu mir herüber, drehte mich sachte zu ihm herum, sodass er mein Gesicht sehen konnte. Es war dunkel im Zimmer, doch durch den Mondschein, der durch das Fenster fiel konnte ich sein schmerzverzerrtes Gesicht erkennen. „Es tut mir so leid.“, hauchte er und küsste sanft meine Wange. Seine Berührung ließ mich erschaudern. Sie war nicht wie sonst, sondern… bittend, flehend, beinahe vorsichtig und ängstlich. Ich drehte mich nun ganz zu ihm um und sah, wie er neben mir lag. Er wirkte erschöpft, seine Augen waren rot und verquollen, womöglich hatte auch er geweint. Diese Vorstellung bereitete mir Übelkeit. Ich strich ihm sanft über die Wange, wobei er tief Luft einsog und mich intensiv ansah.
„War je ein Buch, so arger Dinge voll, so schön gebunden? Oh, daß Falschheit doch solch herrlichen Palast bewohnen kann…*“, murmelte ich, während ich meine Hand sinken ließ. Ja, es verletzt mich ihn so zu sehen, doch auch er hatte mich verletzt und es schien mir das passende Zitat für meine Gefühle. Er schluchzte daraufhin und griff nach meiner Hand. „Ja du hast Recht. Es tut mir auch unendlich leid.“, sagte er und ich sah, wie eine richtige Träne über seine Wange lief. Oh Gott! Es brach mir das Herz ihn so zu sehen. „Ich weiß selbst nicht, was mit mir los war. Ich… ich… Gott, ich hab keine Ahnung.“

Doch die hatte er. Er log. Es war das Gespräch mit Damon, das ihm in den Knochen saß und ihm den ganzen Tag in den Ohren widerhallte. >Du bist ein Psychopath und wirst es immer bleiben. Ich warte nur darauf, dass du einen Fehler begehst. Sie wird dich danach hassen. Sie wird dich danach verlassen. Also wieso gehst du nicht einfach und ersparst ihr diese Enttäuschung?< Den ganzen Tag über, wieder und immer wieder, hörte er diese Sätze, die wie Messer in ihn stießen. Doch er konnte es ihr nicht sagen. Er brachte es nicht über sich.

„Aber, dass du solche Angst vor mir hattest wie damals-“, sprach er schließlich krächzend weiter. „Schhhh“, unterbrach ich ihn, als seine Stimme wegbrach. Ich nahm ihn in den Arm und er drückte seinen Kopf an meine Brust. Gierig und verlangend schlang er seine Arme um mich, um sich fester an mich zu pressen. Ich weiß nicht, was mit ihm los war, doch dass es ihn selbst so sehr verletzte, wie er sich verhalten hatte, ließ meine eigene Wut verrauchen. „Es tut mir so unsagbar leid!“, wimmerte er immer wieder. „Schhhh, ist schon gut.“, versuchte ich ihn zu beruhigen und streichelte ihm sanft über die Haare.
Nach einer Weile merkte ich, wie er aufhörte zu Schluchzen und sein Atem gleichmäßig ging. Er war eingeschlafen und umklammerte mich immer noch fest. Zwar geisterten immer noch meine Gedanken in meinem Kopf umher, doch der Abend war auch anstrengend, weshalb ich kurz darauf ebenfalls die Augen schloss und allmählich einschlief.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich schweißgebadet. Malachai hatte die ganze Nacht schwer und eng umschlungen auf mir gelegen, als hätte er Angst gehabt, ich könnte unter ihm verschwinden. Ich konnte mich kaum bewegen, bzw. ich wollte es auch eigentlich gar nicht. Es war zu viel passiert, um ihm fern sein zu können. Aber jetzt fühlte ich das Bedürfnis nach einer Dusche und versuchte ihn möglichst vorsichtig von mir zu drücken. Als ich es geschafft hatte und aus dem Bett krabbeln wollte, griff eine Hand nach meiner.
„Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang.*“, murmelte Kai ins Kissen. Ich musste kurz auflachen, dann lehnte ich mich zu ihm und flüsterte: „Ich brauche eine Dusche, egal wer da draußen singt.“
Kai richtete sich auf und sah mich mit einem Schmollmund an. „Du bist unromantisch.“, grummelte er und zog sich das Kissen über den Kopf. Ich lachte wieder, dann stand ich endlich auf, um ins Bad zu gehen. Da packte er mich an der Hüfte und warf mich zurück auf das Bett. Ich schrie auf, doch dann musste ich sehr lachen. Er legte sich wieder auf mich, diesmal sanft und zärtlich. „Es tut mir wirklich leid wegen gestern. Ich habe es nicht vergessen und werde es auch nie wieder vergessen. Ich werde dir nie wieder solche Angst einjagen.“, sagte er sachte und strich mir dabei meine Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ich hatte einen Kloß im Hals. Mir lag die letzte Nacht noch schwer auf dem Herzen und das schlimmste für mich war, dass ich nicht wusste, warum. Warum hatte er sich so verhalten? Morgens war noch alles gut, als wir aufgestanden sind. Auf einmal drehte sich sein gesamtes Verhalten. Ich wüsste einfach gerne, wie ich ihm hätte helfen können, damit wir solch eine Situation nicht mehr erleben müssten.

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Kurzer Hinweis:
Die Zitate, die mit * gekennzeichnet sind, habe ich von der Seite https://www.projekt-gutenberg.org/shakespr/romeo1/romeo.html (25.09.22).
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