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Lerne mich kennen, um mich zu verstehen

von Aniera
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Damon Salvatore Malachai "Kai" Parker OC (Own Character)
05.08.2022
03.10.2022
46
88.026
3
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22.09.2022 2.138
 
Anni Preston

Ich stieg ins Auto, wo Kai bereits auf mich wartete. „Das wurde aber auch Zeit.“, grummelte er und startete den Wagen. „Tut mir leid, ich hatte meine Tasche oben vergessen.“, sagte ich und schenkte ihm ein Lächeln, damit er nicht sauer auf mich sein würde. Er nickte etwas abwesend und fuhr los zum Mystic Grill. Wir hatten uns mit Bonnie verabredet, die heute ein Date hatte. Allerdings wollte sie den Typen nicht beim ersten Mal alleine treffen, weshalb sie uns bat auch zu kommen. Während der Fahrt ignorierte ich Kais schlechte Laune. Ich hatte keine Ahnung, wieso er so komisch war. Heute Morgen war noch alles in Ordnung.
Als wir beim Grill ankamen, schlenderten wir zu Bonnies Tisch und ich nahm mir die Zeit, den Typen, der ihr gegenübersaß zu inspizieren. Er war groß gewachsen, ich schätze etwas größer als Damon, hatte blonde Haare und helle Augen, die Farbe konnte ich jedoch nicht erkennen. Ich fand er sah nett aus, konnte aber auch erkennen, dass Bonnie nervös mit ihrem Ring am Finger spielte.
„Hallo ihr zwei!“, rief ich, als wir am Tisch ankamen. Ich umarmte Bonnie und reichte dem Mann die Hand. „Ich bin Anni.“ Er reichte mir ebenfalls die Hand. Seine Hand war groß, aber schmiegte sich angenehm an meine, während er sie sanft drückte. „Robert.“, sagte er mit einem Lächeln. Kai schob sich dazwischen und reichte ihm ebenfalls die Hand. „Kai“, sagte er knapp und setzte sich dann neben ihn an den Tisch. Ich nahm neben Bonnie Platz, die mich ansah, allerdings konnte ich ihren Blick nicht deuten. Lief es gut? Lief es nicht gut?
„Und Robert, wo arbeitest du?“, fragte ich, um das peinliche Schweigen zu brechen, dass sich gerade an unserem Tisch breitmachen wollte. „Ich bin Automechaniker bei Tobeys am anderen Ende der Stadt.“, sagte er und nahm einen Schluck Bier aus seiner Flasche. „Ein dreckiger Job.“, blaffte Kai und musste über seinen eigenen Kommentar kichern. Ich sah ihn verwirrt an, verwundert darüber, dass er so unhöflich war. Als er meinen Blick streifte, sah er mich fragend an, als wüsste er nicht, wo mein Problem lag.
„Ja das ist wohl wahr, aber mit der Zeit weiß man, wie man das Motoröl von den Händen und den Kleidern bekommt.“, antwortete Robert locker. Ich war froh, dass er den Kommentar nicht als Beleidigung auffasste und schenkte ihm ein Lächeln.
„Und du studierst mit Bonnie, nicht wahr?“, fragte er mich und winkte gleichzeitig dem Kellner zu, damit wir bestellen konnten. „Ähm, nein. Leider war ich etwas spät mit der Anmeldung für den Studienplatz. Aber beim nächsten Semester bin ich mit dabei.“, sagte ich lächelnd und knuffe Bonnie dabei in die Seite. Sie kicherte und strich sich nervös eine Strähne hinter das Ohr. Keine Ahnung, warum sie so angespannt war. Er schien doch nett zu sein.
„Woher kennt ihr euch eigentlich?“, fragte uns Robert und sah dabei mich und Bonnie an. Kai schürzte die Lippen, was mir aber egal war. Er war genervt, aber ich ignorierte ihn. Ich wusste nicht, was er für ein Problem hatte, aber ich wollte Bonnie den Abend nicht verderben.
„Bonnie und ich, wir zwei kennen uns schon ewig. Wir sind schon zusammen in den Kindergarten gegangen.“, sagte ich lachend, nachdem sie nicht antwortete und stupste Bonnie erneut an. Wieso redete sie nicht mit ihm? Bonnie lächelte schüchtern und sah dann wieder auf ihren Ring. So war das aber auch nicht abgemacht. Schließlich war es ihr Date. „Seitdem sind sie ein süßes Pärchen, oder?“, grätschte Kai dazwischen und verzog theatralisch das Gesicht. Wieder warf ich ihm einen tadelnden Blick zu. Am liebsten hätte ich ihm gegens Schienbein getreten.
„Und wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“, fragte ich Robert, obwohl ich die Antwort schon wusste. Natürlich hatte mir Bonnie bereits alles detailgetreu erzählt, aber ich suchte verzweifelt ein Gesprächsthema, bei dem Bonnie auch mal was sagte und weil die Situation irgendwie unangenehm und Kai in merkwürdiger Streitlaune war. Hätte ich jemanden gebraucht, der freche Kommentare abfeuert, hätte ich auch Damon mitbringen können.


Nach dem Essen verabschiedeten wir uns vorm Grill. Robert hatte angeboten, Bonnie nach Hause zu fahren und sie hatte dankbar angenommen. Als ich sie umarmte flüsterte sie mir ein aufgeregtes „Dankeschön. Er ist wirklich süß!“ ins Ohr und lächelte aufgeregt. Nach den Startschwierigkeiten gefiel ihr der Abend und so wie ich es deuten konnte gefiel ihr Robert ebenfalls. Ich freute mich für sie und winkte noch, als sie mit dem Auto vorbeifuhren.
„Können wir endlich gehen?“, fragte Kai grob. Jetzt da wir alleine waren, hielt ich mich nicht mehr zurück. „Was hat dich heute eigentlich in den Arsch gebissen?“, keifte ich ihn an. Er wich einen Schritt zurück, wahrscheinlich, weil ich mich selten so ausdrückte. „Ich hatte darauf heute Abend keine Lust, das habe ich dir schon gesagt. Außerdem habe ich Hunger.“, grummelte er schließlich hervor.
Es stimmt, er hatte sich gesträubt, den Abend mit Bonnie und ihrem Date zu verbringen. Wir sollten sie alleine lassen, das wäre schließlich unpassend als Anstandsdamen dabei zu sitzen, so sein Argument. Ich weiß nicht, wo das herkam. Normalerweise liebte er es Essen zu gehen. Eigentlich war es egal was, Hauptsache wir gingen aus dem Haus. Und mit Bonnie verstand er sich doch auch immer so gut. Er grummelte mich den ganzen Nachmittag nur an, sodass mir selbst schon fast die Lust verging. Aber Bonnie wünschte es sich so sehr, dass ich nicht absagen wollte.
„Du hast doch eben gegessen.“, gebe ich barsch zurück. Er aß ein ganzes Steak mit Fritten und einen Salat, während ich mir einen Salat mit Hühnerstreifen bestellte. „Den Hunger meine ich nicht.“, brummte er weiter vor sich hin. „Wieso hast du dann nichts getrunken?“, fragte ich ihn etwas ruhiger. Wir hatten immer Blut zuhause. Er hätte ohne Probleme trinken können. „Weiß nicht. Vergessen.“, murmelte er weiter. Herrjeh, schlimmer als jeder Teenager. „Was ist nur mit dir los?“, fragte ich, bemüht, ihn nicht anzupflaumen. Er hatte doch alles so gut im Griff, was hatte er nur?
„Was mit MIR los ist?!“, schrie er mich plötzlich an. Ich erschrak über seine Reaktion und starrte ihn ungläubig an. Ok, bleib ruhig, er hat Hunger. „Komm, wir fahren nach Hause. Dort kannst du was trinken.“, sagte ich angestrengt ruhig und wollte nach seiner Hand greifen. Doch er wich mir aus und schüttelte den Kopf. „Ich werde mir selbst was holen.“, sagte er knapp und ging zurück in den Grill. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl.


Ich blieb eine Weile stehen, weil ich nicht genau verstand, was gerade passiert war. Dann folgte ich ihm schließlich und sah, wie er an der Theke mit einer jungen Kellnerin sprach. Sie lächelten einander an und er griff nach ihrer Hand. Mich durchzuckte ein wütender Schmerz von Eifersucht und ich stiefelte zur Bar.
„Kannst du mir erklären, was das hier werden soll?“, fragte ich ihn barsch. Ich fühlte mich, als könnte ich mit meinen Augen Blitze verschießen. Die Kellnerin sah mich an und hob provozierend die Augenbrauen. „Ist das deine Freundin?“, fragte sie gehässig und schenkte ihm wieder ein verführerisches Lächeln. Sie war viel zu übertrieben geschminkt und ihr Ausschnitt konnte wohl kaum noch größer sein. Ich hatte sie noch nie hier gesehen, muss aber auch gestehen, dass die Kellner im Grill ziemlich regelmäßig wechselten. Es waren eben Studentenjobs.
„Ja, das ist meine wunderbare Freundin.“, sagte er und griff nach ihrer Hand. Wieso nicht nach meiner? Hallo? „Vielleicht ist sie auch durstig?“, sagte er und wandte sich nun zu mir. Ich betrachtete die Hand der Kellnerin, die er mir entgegenhielt und sah die blutigen Einstiche in ihrem Handgelenk.
„Hast du sie noch alle?“, fragte ich ihn bemüht leise, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich Hunger habe.“, gab er achselzuckend zurück. „Und das ist deine Entschuldigung dafür, fremde Kellnerinnen einfach zu beißen?!“, schrie ich ihn flüsternd an. Er rollte mit den Augen, dann beugte er sich über den Tresen, um der Kellnerin in die Augen zu sehen. „Verschwinde Schätzchen. Verbinde dir das Handgelenk und vergiss, was passiert ist.“, hauchte er ihr entgegen, woraufhin sie mit den Augen blinzelte und sich kurz den Kopf hielt. Dann ging sie wieder.
„Was ist nur los mit dir?“, fragte ich ihn zum zweiten Mal an diesem Abend. „Spiel doch hier nicht den Moralapostel. Es ist doch nichts passiert.“, sagte er genervt, rollte erneut mit den Augen und kippte den Rest aus seinem Shot hinunter. Danach stand er vom Hocker auf und lief zum Ausgang. Ich seufzte und folgte ihm nach draußen.
Schweigend stiegen wir in den Wagen und fuhren nach Hause. Während der Fahrt hielt ich die dicke Luft zwischen uns schließlich nicht länger aus. „Ich kann nicht fassen, dass du von ihr getrunken hast.“, sagte ich kühl und blicke dabei aus dem Autofenster. „Was ist daran so schlimm? Außerdem habe ich ihr nicht den Kopf abgerissen, sondern nur etwas Blut getrunken.“, verteidigt er sich genervt. „Naja, schlimm ist, dass sie ein Mensch ist und es nicht verdient hat, manipuliert und verletzt zu werden.“, entgegnete ich scharf.
„Oh Anni ich bitte dich! Wir sind Vampire! Und wir könnten so viel mehr tun!“, schrie er mich plötzlich an. Ich spürte, wie die Wut in mir wuchs und sah ihn nun zornig an. „Was zum Teufel meinst du damit?“, blaffte ich zurück. „Wir könnten um die Welt reisen, ohne einen Pfennig dafür zu bezahlen. Wir könnten jeden einzelnen blöden Kaffee am Morgen einfach manipulieren. Wir könnten verdammt nochmal tun und lassen, was wir wollten.“, schimpfte er im Wagen, während er immer schneller fuhr. „Das ist nicht dein Ernst. Hast du keine Skrupel?!“, schrie nun ich ihn an. Wütend funkelte er mich an, wodurch er nicht mehr auf die Straße sah. Jetzt bemerkte ich erst, wie schnell er gerade fuhr.
„Halt sofort an.“, sagte ich knapp und griff bereits zur Beifahrertür. Er wand sich von mir ab und stieg noch mehr aufs Gas. „Ich hab gesagt, du sollst sofort anhalten!“, brüllte ich ihn an, doch er beschleunigte den Wagen nur noch mehr. Ich öffnete die Beifahrertür und wollte gerade meinen Sicherheitsgurt lösen, als er blitzschnell nach meiner Hand griff und auf die Bremse trat. Ein Ruck durchfuhr meinen Körper und ich knallte fast mit dem Kopf auf das Armaturenbrett, hätte er mich nicht zurückgehalten. Mit quietschenden Reifen kamen wir schließlich zum Stehen.
Als ich bemerkte, dass ich die ganze Zeit die Luft angehalten hatte, schnappte ich schnell danach. Ich keuchte, hastig löste ich meinen Gurt, um so schnell wie möglich aus dem Wagen herauszukommen. Mit zittrigen Beinen lief ich vom Auto weg und atmete schwer. Was sollte diese Scheiße? Was war mit ihm los? Ich musste weg hier. Ich hatte Angst.
„Anni!“, hörte ich Kais Stimme, doch ich konnte nicht stehen bleiben und ich konnte mich nicht umdrehen. Meine Beine trugen mich unweigerlich weg von ihm. Schließlich erreichte er mich und griff nach meinem Arm, den ich aber ruckartig wegzog. „Anni…“, flüsterte Kai, als ich ihn geschockt ansah. „Geh weg. Ich kenne dich gerade nicht.“, sagte ich fast tonlos und setzte meinen Weg fort. „Anni ich bitte dich. Es tut mir leid. Ich weiß doch selbst nicht, was los war.“, rief er mir hinterher. Ich hörte auch seine Schritte hinter mir. Er folgte mir, bemühte sich dabei aber um einen Sicherheitsabstand.
„Lass mich einfach in Ruhe. Geh zurück zur Kellnerin oder beiß jemand anderes. Mir scheißegal.“, schrie ich in die Dunkelheit, wobei ich mit den Tränen kämpfen musste. „Fuck Anni, was soll der Scheiß!“, brüllte Kai und als er merkte, dass ich nicht stehen blieb, stellte er sich blitzschnell vor mich. Da ich nicht aufpasste, knallte ich gegen seine Brust. Er griff nach meinen Armen und hielt mich fest gepackt.
„Was die Scheiße soll?! Das frage ich dich!“, schrie ich ihn an, während er mich festhielt und ich mich versuchte, aus seinem Griff zu befreien. „Du hast mir eine scheiß Angst eingejagt! So viel Angst hatte vor dir nicht mehr seit…“, ich stockte. Aber leider stimmte es, was ich sagen wollte. Ich hatte seit der Gefängniswelt nicht mehr solche Angst vor ihm gehabt, als er mich quälte, mich folterte, mich tyrannisierte.
Schockiert ließ mich Kai sofort los. Er starrte mich an und ich konnte das Entsetzen in seinem Gesicht sehen. „Das ist nicht dein Ernst.“, flüsterte er, doch seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Das du mich damit vergleichst.“, grummelte er nun. „Was soll ich anderes sagen.“, murmelte ich und senkte den Kopf. Kai drehte sich um, fuhr sich mit den Händen durch die Haare und lief auf den Wagen zu. Er holte aus und mit einem heftigen Schlag fabrizierte er eine tiefe Beule in mein Auto. Ich schnappte nach Luft. Das kann doch alles nicht wahr sein! Nun rannte ich. Ich wollte nur weg von ihm. Weit weg. Keine Ahnung, was sein Problem war, aber das hier war nicht der Malachai Parker, den ich kannte.
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