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Magie war ...

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Mix
Dean Thomas Seamus Finnigan
05.08.2022
27.09.2022
7
22.168
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
23.09.2022 2.806
 
M A G I E // W A R . . .


He is half of my soul, as the poets say. – Madeline Miller

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V


Magie war ein Höhenflug.


Dieser Abend im Schlafsaal änderte etwas in ihrer Freundschaft. Sie redeten zwar noch miteinander, aber es war stets ein kühler, abweisender Ton in Seamus’ Stimme. In den Klassen wandte sich Seamus immer häufiger Lavender zu, mit der er zwar nicht zusammen war, aber mit der er wohl offensichtlich irgendetwas Körperliches am Laufen zu haben schien, und Dean arbeitete mit Neville zusammen.

Am Anfang hatte es Dean weh getan, sowohl diese Kühle zwischen ihnen als auch das Körperliche zwischen Seamus und Lavender. Dean hatte gehofft, die Gefühle für Seamus einfach beiseite schieben zu können, aber dies war kein einfaches Unterfangen. Die beiden Bilder von Seamus in Deans Kopf – auf der einen Seite Deans bester Freund, der fröhliche, lustige Ire, immer für einen Witz zu haben und dennoch unfassbar loyal und hilfsbereit, auf der anderen Seite der düster dreinblickende, stets gereizte und immer häufiger schweigende Seamus – kämpften Schlachten miteinander. Tat Dean zunächst noch alles, damit das Bild seines besten Freundes gewann, wurde Dean langsam, aber unweigerlich von der Realität eingeholt: Sein bester Freund hatte sich verändert. Es tat weh und es machte Deans Magie unkontrollierbar, so dass immer wieder Vorhänge in Feuer aufgingen, Scheiben oder Gläser zerbrachen und es im Schlafsaal anfing zu regnen. Er fühlte sich immer mehr wie Harry, dessen Laune – allerdings verständlicherweise – ebenfalls immer explosiver und unberechenbarer wurde. Dean versuchte mit Seamus darüber zu reden, immer und immer wieder, aber mit jedem versuchten Gespräch wurde die Mauer zwischen ihnen höher, breiter und dicker. Und irgendwann fing Dean an, damit zu leben, mit dieser unberechenbaren Wut und diesem Schmerz. Seamus hatte sich für eine Seite entschieden und Dean für die andere und Dean wusste nicht, wie er dies ändern sollte: Dean hatte sich für Harry entschieden, für die Wahrheit.

Vor allem Umbridge gegenüber konnte Dean seine eigene Wut meistens nicht zurückhalten. Er pflichtete in ihrem Unterricht immer und immer wieder Harry bei, was Seamus mit einem genervten, absichtlich lauten Ausatmen quittierte, trat ihr mit Worten entgegen und tat – mit anderen Schülern und Schülerinnen – alles, um ihr das Leben zur Hölle zu machen. Er hasste sie. Dean hasste Umbridge, weil sie diesen Wandel der Zeit personifizierte, der daran schuld war, dass Deans und Seamus’ Freundschaft am seidenen Faden hing. Er hasste Umbridge, weil sie sie wie Kinder behandelte, indem sie ihnen keine Verteidigung gegen die dunklen Künste beibrachte, die sie aber so sehr benötigten. Er hasste Umbridge und viele hassten sie ebenfalls und das gab Dean endlich wieder ein gutes Gefühl.

Als Hermine eines Abends an ihn und Neville herantrat und fragte, ob sie sich vielleicht mit Harry und ein paar Leuten am nächsten Hogsmeade-Wochenende im Eberkopf treffen wollten, weil sie etwas gegen Umbridge unternehmen müssten, sagte Dean sofort zu. Er hatte es satt, wie ein Kind ohne Stimme in ihrem Unterricht zu sitzen und darauf zu vertrauen, dass die Erwachsenen – die untereinander und gegeneinander allesamt Krieg zu führen schienen – das Ganze regelten.

Dean überlegte, ob er Seamus davon erzählen sollte, aber ihm war augenblicklich klar, dass Seamus nicht mitkommen würde. Er glaubte nicht, dass Seamus sie verraten würde, aber er wusste, dass er ihn in diese Sache nicht mit hineinziehen wollte.

Dean war erstaunt, wie viele Leute zu ihrem ersten Treffen kamen, aber es freute ihn für Harry zu sehen, wie viele Leute ihm zu vertrauen und zu glauben schienen. Es waren nicht nur Gryffindors, die Dean eh erwartet hatte, sondern auch Hufflepuffs und Ravenclaws. Einige waren zwar nur über Beziehungen dabei – Ginnys Freund Michael Corner und seine Kumpel oder Zacharias Smith, der nur wegen Hannah und Ernie mitmachte –, aber im Großen und Ganzen waren sie eine gute Truppe.

Dean verfiel in eine Art Adrenalinrausch, der merkwürdigerweise seine Magie kontrollierte und seine Sinne schärfte, als sie sich trotz des Ausbildungserlasses Nummer 24 – eine absurde Erfindung Umbridges, um sie zu schikanieren – darauf einigten, sich weiterhin treffen zu wollen. Der Adrenalinrausch fühlte sich unbeschreiblich gut an, als sie sich zum ersten Mal im Raum der Wünsche trafen und als sie dann endlich etwas taten, um sich gegen dunkle Magie zu wehren. Harry war ein guter Lehrer, besser als Quirrel, Lockhart und alle Male Umbridge. Er erinnerte Dean sogar in seiner Art ein wenig an Professor Lupin und sie lernten so viele Dinge, dass sich Dean zum ersten Mal seit langer Zeit am Abend nach den Treffen endlich wieder komplett magielos fühlte. Aber im positiven Sinne. Dean konnte die nächsten Treffen kaum erwarten und auch, wenn es ihm einen kurzen Stich im Herz versetzte, wenn er sah, wie Seamus ihm jedes Mal nachschaute, sobald Harry, Ron, Neville und er gemeinsam abends für einige Stunden verschwanden.

Er lernte viele Leute besser kennen, vor allem Luna und Ginny. Besonders Ginny wuchs ihm ans Herz. Es war, als würde sie eine Mischung aus all ihren Brüdern in einem weiblichen Körper sein – Rons Loyalität, George und Freds Humor und gepaart mit einer scharfe Zunge, die alle Weasleys innehaben zu schienen – und zudem war sie freundlich und nachsichtig und mutig und hatte das Herz am richtigen Fleck. Und sie war hübsch. Verdammt hübsch. Sie erinnerte Dean ein wenig an Seamus mit den vielen Sommersprossen und den hohen Wangenknochen und er ertappte sich immer häufiger dabei, wie er Ginny unkontrolliert angrinste und wie er viel zu laut über ihre Witze lachte. Es war nicht das Gefühl von Feuerwhisky wie mit Seamus, aber er mochte es, in Ginnys Nähe zu sein und inzwischen verbrachte er manchmal sogar lieber Zeit mit ihr als mit Seamus, der immer griesgrämiger und griesgrämiger dreinblickte, je häufiger gefühlt der halbe Gryffindor-Gemeinschaftsraum auf einmal verschwand.  

Je mehr sie sich als DA trafen, desto mehr änderte sich auch das Klima in der magischen Welt. Es gab einen Massenausbruch aus Askaban und auch, wenn der Tagesprophet behauptete, Sirius Black habe irgendetwas damit zu tun, schienen viele Leute, die vorher der Zeitung noch alles geglaubt hatte, erste Löcher in dem gesamten Konstrukt des Ministeriums zu entdecken. Als Harry Kimmkorn ein Interview gab und dieses im Klitterer veröffentlicht werden sollte mit allen Details und der ganzen Wahrheit, war sich Dean sicher, dass das Lügen-Gerüst fallen würde.

Und es fiel. Es fiel, als das Interview veröffentlicht wurde, es fiel, als Seamus Harry mitteilte, dass er ihm glaubte und seiner Mutter ein Exemplar des Klitterers geschickt hatte, und es fiel, als Seamus am Abend nach der Veröffentlichung während der kleinen Feier im Gryffindor-Gemeinschaftsraum auf Dean zukam, ihn in eine feste und lange Umarmung zog und ihm »Es tut mir leid, Dean« ins Ohr flüsterte, während seine lange Nase Dean in die Wange piekste.

Dean fühlte sich seit langer, langer Zeit wieder so, als könne er nicht höher fliegen.    

Magie war ein Höhenflug.

*

V


Magie waren Prüfungen.


Kein Lebewesen konnte ewig in der Höhe fliegen. Mit den ZAG-Prüfungen kam auch der Fall. Der gesamte Jahrgang schien kurz davor, endgültig die Nerven zu verlieren. Dean war sich sicher, dass er nie wieder im Leben so häufig seine Nase in Bücher stecken würde. Selbst Hermine verlor langsam den Verstand, je länger sie in die Bücher starrte, desto krauser wurden ihre Haare und desto kürzer ihr eh schon angespannter Geduldsfaden.

Sie lernten allesamt am Sonntagabend zusammen im Gemeinschaftsraum, wobei nebeneinander es eher traf. Harry fragte Hermine ab, welche ihm immer wieder mit der scharfen Ecke des Buches auf die Nase haute, Ron las seine Notizen von zwei Jahren Zauberkunst, während er seine Finger in die Ohren steckte und seine Lippen geräuschlos bewegte. Parvati und Lavender ließen ihre Federtaschen von der einen Ecke eines Tisches zu der anderen Ecke fliegen und Seamus lag auf dem Boden, den Kopf in Deans Schoß abgelegt, und rezitierten die Definitionen des Wortes Verzauberungen. Dean selbst starrte auf das Buch Das Standartwerk der Sprüche, 5. Grad und versuchte irgendeinen Sinn in diesen Worten zu finden, aber sein Kopf war leer. Dafür wirbelte in seinem Körper das Feuerwhisky-Gefühl, welches er eigentlich unter Kontrolle geglaubt hatte, welches aber genau in den Moment wieder ohne Nachsicht aufgetreten war, als Seamus seinen Kopf ohne groß nachzudenken in seinen Schoss gelegt hatte.

Dean drückte seinen Rücken so fest gegen das Sofa, dass er Ron, welcher auf dem Sofa lag, samt Sofa langsam aber sicher immer weiter wegschob. Der Druck in seinem Rücken und vor allem die Konzentration darauf half ein wenig, das Gefühl in seinem Körper abflachen zu lassen, aber sobald Dean nur für den kürzesten Augenblick diese Ablenkung vergaß oder versuchte, die Worte vor seinen Augen zu verstehen, schoss das Gefühl umgehend durch seinen Körper und kam seinem Schoß gefährlich nahe.  

Die Sache mit Seamus war – wie immer – kompliziert und merkwürdig und verwirrend. Seit sie wieder normal miteinander redeten und wieder richtig Freunde waren, war da wieder die Körperlichkeit zwischen ihnen. Wie früher umarmte Seamus ihn, wie immer legte Seamus seinen Arm um ihn und zog ihn nah an sich heran – was ihn aufgrund des Größenunterschiedes wie einen Klammeraffen aussehen ließ – und in manchen Nächten teilten sie sich sogar wieder das Bett. Dean bemerkte, dass Seamus nicht mehr nach Lavenders Parfüm roch.

Was die Sache allerdings noch komplizierter machte und Dean an den Rand seines Verstandes brachte, war – Ginny. Sie hatte sich von Michael getrennt, nachdem dieser sich nach Ravenclaws Niederlage gegen Gryffindor wie ein Kind benommen hatte. Achselzuckend hatte sie Deans Mitleid zur Kenntnis genommen, als sie eines Abends noch zu zweit vor dem Kamin gesessen hatten und sie ihn die Zutaten für verschiedene Zaubertränke abgefragt hatte. Seit diesem Abend gesellte sich Ginny abends immer häufiger zu ihm und sie redeten über alles Mögliche. Es war unkompliziert mit Ginny, sie hörte ihm zu, sie ließ ihn aussprechen, sie wollte seine Zeichnungen sehen, lachte über lustige Geschichten aus seiner Kindheit mit Patrick und sie interessierte sich sogar für Fußball, was Dean bei einer magischen Person noch nie mitbekommen hatte. Und er fühlte sich wohl in ihrer Umgebung, er fühlte Ruhe mit ihr. Sie war eine Möglichkeit, für einige Stunden Seamus zu vergessen und auch, wenn sie eigentlich mehr sein sollte als nur ein Fluchtort und Ginny ihm insgeheim deswegen leid tat, war Dean ihr mehr als dankbar für diese Momente der Ruhe. Jeden Abend verabschiedete sie sich mit einem Kuss auf die Wange und jedes Mal brannte seine Wange die ganze Nacht. In seinem Kopf kämpften dann Seamus und Ginny und auch, wenn die Vernunft definitiv zu Ginny tendierte, war da ein Rest an Gefühlen, die deutlich stärker für Seamus brannten.

Dean seufzte und klappte das Buch in seiner Hand zu. Seamus hob die Augenbrauen und schielte grinsend zu ihm hoch. Deans Herz setzte aus, als sein Blick an Seamus’ Lippen hingen blieb. Es war nicht gut. Das mit Seamus war nicht gut. Es brachte Dean um den Verstand und auch, wenn Seamus das alles offensichtlich nicht zu verstehen oder gar zu bemerken schien, wusste Dean, dass er irgendwann zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt das Gefühl nicht mehr kontrollieren können und etwas Dummes tun würde.

Er brauchte Ginny. Er brauchte Ginny, um von Seamus wegzukommen und er mochte Ginny wirklich sehr, sehr gerne. Ginny würde ihm gut tun. Ginny würde ihm und Seamus gut tun. Und deswegen entschied sich Dean dazu, die Gefühle für Ginny zuzulassen. Weil Seamus immer nur sein bester Freund bleiben und nie mehr sein würde.  

Er löste seinen Blick von Seamus’ Lippen und blickte ihm in die Augen. Vorsichtig lächelte er zurück und klappte wieder das Buch auf. Er atmete tief ein und aus und versuchte ein letztes Mal, sich auf die Wörter vor ihm zu konzentrieren.

Magie waren leider auch Prüfungen.

*


V


Magie war der Geschmack von Kirschen.


»Was ist passiert?«
Erschrocken blickte Dean zum Eingang des Gemeinschaftsraumes, durch den Ginny humpelte. Ihr Gesicht war dreckig, aus ihrem geflochtenen Zopf hingen lose Strähnen und ihre Hose war am Knie zerrissen.

Ginny verzog die Miene zu einem schiefen Lächeln und schüttelte mit dem Kopf. Dean hatte Gerüchte gehört, dass Umbridge von einer Herde Zentauren im Verbotenen Wald gekidnappt worden war; er hatte gehört, dass irgendwelche Ravenclaws in der Luft fliegende Schüler gesehen hatten und Seamus und Dean hatten ziemlich schnell eins und eins zusammenzählen können, als Harry, Ron, Hermine, Neville, Ginny und Luna nirgends auffindbar gewesen waren. Wie immer hatte es natürlich etwas mit Harry zu tun gehabt.

Aber Ginny blieb die einzige der Vermissten, die in den Gemeinschaftsraum kam. Es war mitten in der Nacht und während Seamus vor ein, zwei Stunden gähnend in den Schlafsaal hochgegangen war, hatte Dean im Sessel vor sich hingedöst.    

»Ginny – «

Er stolperte ein wenig, als er aus dem Sessel kletterte und mit zwei, drei großen Schritten vor Ginny stand. Sein Herz klopfte wie wild. Sie sah aus der Nähe noch schrecklicher aus, um eines ihrer Augen schimmerte ein Veilchen und ihre Haut hatte einen ungesunden, aschigen Farbton.

Sie presste die Lippen zusammen und ihre Hände krallten sich zitternd in seinen Rücken, als er sie in eine Umarmung schloss. Sie war eiskalt und wirkte so klein und zerbrechlich in seinen Armen.

»Ginny – «, wiederholte er wieder verzweifelt, »Was ist – wo sind die anderen? Wir haben hier Gerüchte gehört und wir konnten euch nirgends finden und – «
»Ron und Hermine und Neville sind noch im Krankenflügel. Luna geht’s gut. Harry ist bei Dumbledore. Ich hatte meinen Knöchel gebrochen, aber das hat Madam Pomfrey ohne Probleme wieder hinbekommen. Es tut nur noch ein bisschen weh, wenn ich gehe«, fasste Ginny leise zusammen. Dean packte sie ohne Umschweifen und trug sie zu den Sesseln vor dem Kamin. Ginny kicherte müde. Anstatt sie in einen eigenen Sessel zu setzen, kugelte sie sich wie eine Katze in Deans Schoss zusammen und drückte ihr Gesicht an seine Brust.

Dean schluckte. Die Wärme des Kamins und seine eigene Körperwärme vertrieben die Kälte aus ihrem Körper in wenigen Momenten. Dean glühte. Sein Herz schlug so stark, dass Ginny es wahrscheinlich hören oder an ihrer Wange fühlen konnte.

Er hatte sich Sorgen gemacht. Er hatte sich mehr Sorgen gemacht, als er sich vorher überhaupt hätte vorstellen können. Nach Cedric Diggorys Tod hatte sich Dean zwar solche Sorgen um seine Familie und Seamus gemacht, aber er hatte nie erwartet, sich um irgendjemand anderes – abgesehen von vielleicht Patrick – so zu sorgen.

»Was ist denn – «
»Wir waren im Ministerium. Harry – Harry hat dieses Jahr über immer wieder Visionen gehabt. Beziehungsweise Vol-Voldemorts«, ihre Stimme stockte ein wenig, »Gedanken gelesen oder so. Als mein Vater angegriffen wurde, hat Harry es gesehen. Dieses Mal aber hat Voldemort einen Gedanken so manipuliert, dass Harry dachte, sein Patenonkel sei in Gefahr. Dabei wollte Voldemort ihn nur zu sich locken. Wir sind – wir wurden getrennt im Ministerium, es ist so viel passiert, so viel Chaos, ich weiß – Sirius ist tot und das Ministerium weiß, dass Voldemort zurück ist. Fudge hat ihn gesehen.«

Dean verstand nur die Hälfte davon, er blieb vor allem bei Sirius hängen und war sich nicht sicher, ob damit Sirius Black gemeint war. Aber er sagte nichts. Er ließ Ginny erzählen, er unterbrach sie nicht, er drängte sie nicht. Er wusste, dass es manchmal gut tat, einfach nur die eigenen Gedanken aus sich heraussprudeln zu lassen. Sie würden Zeit haben, genügend Zeit, um darüber zu sprechen, wenn Ginny es wollte.

» – und dann wurden wir in den Krankenflügel gebracht. Neville hat einen Schlaftrank bekommen, Hermines Rippen sind gebrochen, glaube ich, und Ron – Ron wird wieder. Madam Pomfrey meinte, Ron wird wieder.«

Ginny holte tief Luft und atmete stockend aus, als unterdrücke sie ein Schluchzen. Dean lächelte ihr aufmunternd zu, es kostete ihn viel Kraft, aber er schaffte es irgendwie, seine Mundwinkel in die Höhe zu treiben.

»Ron wird wieder«, nickte er zustimmend und strich beruhigend über Ginnys Rücken.

Ginny blickte zu ihm hoch. Ihre Sommersprossen tanzten durch das Licht des Kaminfeuers wie wild auf ihrem bleichen Gesicht und ihre Augen hatten die Farbe von geschmolzenem, dunklem Bernstein. Dean schluckte. Sein Herz flatterte, er war es nicht gewohnt, ein anderes Gesicht als Seamus’ so nah vor sich zu sehen.

»Danke, Dean«, hauchte Ginny beinahe stimmlos und fixierte seinen Blick. Es lag eine Frage darin, Unsicherheit und Verwirrung, so wie sie die Augen leicht zusammenkniff und die Augenbrauen wie bei Seamus tief über den Augen hingen.

Und Dean beantwortete die Frage und die Unsicherheit und die Verwirrung, er beantwortete ihre und seine Frage gleich mit, weil Ginny es nicht verdiente, mit Seamus verglichen zu werden, und weil Dean wusste, dass er nicht ewig ohne Aussicht auf die Erwiderung seiner Gefühle warten konnte. Seamus war sein bester Freund. Und das würde er für immer bleiben. Aber er durfte nicht mehr sein. Er würde nie mehr sein. Und Ginny wollte mehr sein.

Dean beantwortete ihre Frage mit dem Senken seines Kopfes und tief in seinem Magen kehrte Ruhe ein.

Magie war der Geschmack von Kirschen. Der Geschmack von Kirschen an Ginnys Lippen.
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