Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Liebe / Paranormal / Ronan

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Ronan

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Het
04.08.2022
05.08.2022
4
6.640
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05.08.2022 1.961
 
Was sollte sie tun? Im Augenblick drohte Felicia alles über den Kopf zu wachsen. Wenn Ronan wirklich so mächtig war und die ganze Welt bedrohen konnte, dann wollte sie dieses Erbe nicht. Die Verantwortung war ihr zu groß. Und da gab es noch einen Grund. Beinahe ihr ganzes Leben hatte sie damit verbracht, den Geistern dabei zu helfen, ihren Frieden zu finden. Sie war es gewohnt, Erlösung zu bringen und keine Knechtschaft. Ganz egal, ob Ronan es nun verdient hatte oder nicht, sie wollte niemanden gegen seinen Willen gefangen halten. Sie fragte sich, ob man in all den Jahrhunderten schon mal versucht hatte, mit Ronan zu reden. Wenn Taran es konnte, dann der Drache bestimmt auch. Felicia schüttelte ihren Kopf. Was dachte sie da nur? Mit einem Drachen zu reden, erschien ihr unmöglich. Schwer seufzte sie und konnte ihre tiefe Enttäuschung kaum verbergen. Sie hatte geglaubt, dass sich hier in Gravestone ihr Leben bessern würde, doch alles schien nur noch schlimmer zu werden. Sie wäre am liebsten einfach nur davongelaufen.
Tatsächlich hatte sie plötzlich das Gefühl, es nicht länger in diesem stinkenden Raum auszuhalten. Rasch erhob sie sich und rannte davon. In Windeseile floh sie die Treppen hinab. Endlich unten angekommen, stürzte sie aus dem Haus. Die Nachtluft schlug ihr entgegen und endlich konnte sie befreiter Atmen. Aber Felicia lief weiter und irrte Blind durch die Dunkelheit. Es kam einem Wunder gleich, dass sie ihr Auto fand. Rasch stieg sie ein und bettete ihren Kopf auf dem Lenkrad. Minutenlang dachte sie nach, nicht wissend, was sie tun sollte. Doch schließlich beschloss sie, das Schicksal entscheiden zu lassen.
“Startet der Motor, gehe ich. Wenn nicht, bleibe ich”, sprach sie zu sich selbst und drehte den Schlüssel herum. Nichts passierte. Felicia fluchte heftig und schlug auf das Lenkrad ein. Es war wirklich zum Haare raufen. Nach ein paar weiteren Minuten stieg sie schließlich aus und spähte durch die Dunkelheit. Sie konnte, irgendwo im Tal, den Drachen brüllen hören.
“Tut mir leid”, flüsterte sie und trat schweren Herzens den Rückweg an. Als sie das Haus erreichte, wartete Taran auf der Türschwelle sitzend.
“Hast du dich beruhigt?”.
“Ein wenig”, antwortete sie, stieg über ihn hinweg und betrat das Haus. Kurz darauf hatte sie den Turm bestiegen und fand den Geist ihrer Großmutter noch immer im Stuhl vor dem Schreibtisch sitzend vor.
“Du bist schneller zurück als vermutet”, sagte Deleylia. Felicia winkte ab und positionierte sich am Fenster, weil die herein wehende Nachtluft ihr das Atmen erleichterte.
“Hast du dich entschieden?”.
“Ich nehme das Erbe an”.
“Aber du tust es ungern”.
“Ich will niemanden Gefangen halten, selbst wenn es Ronan ist”.
“Du hast Mitleid mit ihm?”.
“Ein wenig”.
“Ich fühlte genauso, vor langer Zeit”, gestand Deleylia.
“Und jetzt nicht mehr?”.
“Nein. Ich habe erkannt, dass er ein Monster ist. Mitleid hat er nicht verdient”.
“Wurde den jemals versucht, mit ihm zu reden?”.
“Sobald wir Gravestone verlassen, versucht er uns zu töten. Mit ihm zu sprechen, ist daher nicht möglich. Ich weiß nicht einmal, ob Ronan überhaupt sprechen kann”.
“Innerhalb der Mauer sind wir also sicher?”
“Richtig. Es ist wie die Barriere, die ihn im Tal gefangen hält. Nur andersherum. Solange er nicht die ausdrückliche Erlaubnis bekommt, kann er nicht hinein. Egal wie sehr er es auch immer wieder versucht”.
“Sind wir und Ronan die einzigen im Tal?”.
“Früher waren wir mehr. Doch nun sind wir allein. Lebende kommen nicht freiwillig in dieses Tal. Ronan ist zu präsent und die Angst, die er verbreitet, zu real. Dennoch ist es durchaus schon passiert, dass sich Wanderer versehentlich hierher verirrten. Manche konnten wir retten, die Erinnerung löschen und fortschicken. Andere jedoch, fielen dem Drachen zum Opfer. Die einzigen, die freiwillig kommen, sind die Toten”.
“Und was wollen sie hier?”.
“Sie suchen sich bei uns Hilfe und wollen Erlösung”, sagte Deleylia und Felicia seufzte schwer. Selbst hier, würden die Geister sie nicht in Ruhe lassen.
“Ich habe noch eine Frage. Wenn ich das Erbe annehmen, bin ich dann auch im Tal gefangen oder kann ich es verlassen?”.
“Du bist natürlich keine Gefangene, du kannst das Tal verlassen, aber nur eingeschränkt”, meinte Deleylia und zeigte zu den Gefäßen auf den Tisch.
“Füllst du eines davon mit deiner Magie, kann es dir fünf Tage verschaffen”.
“Verstehe, aber wie bekomme ich meine Magie, dahinein?”.
“Wenn der Moment gekommen ist, wo du es wissen musst, wird Taran es dir erklären”, sagte Deleylia und Felicia gab sich damit zufrieden.
“Allerdings sollte dir bewusst sein, dass jeder deiner Schritte außerhalb dieser Mauer, sehr gut durchdacht sein muss. Gehe niemals unnötig das Risiko ein, auf Ronan zu treffen”, warnte Deleylia. Felicia nickte.
“Werde ich gezwungen sein, mein Leben lang über das Tal zu wachen?”.
“Ja, es sei denn, du findest einen Weg diesen verdammten Ronan zu töten”.
“Ich werde niemanden töten. Nicht einmal ihn”, sagte Felicia entschieden.
“So dachte ich einst auch. Doch nachdem ersten Mal, werden die anderen Male leichter”, meinte Deleylia und Felicia erstarrte. Es klang als habe ihre Großmutter schon oft getötet. Für einen kurzen Moment fragte sich Felicia, wer hier das wahre Monster im Tal sei.
“Genug geredet, wenn du bereit bist, das Erbe anzunehmen, dann tue es endlich”, fauchte Taran der gerade den Raum betrat und seine Geduld zu verlieren schien.
“Aber ich habe noch viele Fragen”.
“Für die haben wir später noch Zeit”, erwiderte Taran, sprang auf das Bett und zog der Leiche, mithilfe seines Maules, die Halskette ab. Dann kam er zu ihr und zögerlich nahm sie die Kette an sich.
“Zieh sie an”, drängte Taran.
“Setzt mich verdammt nochmal nicht so unter Druck”, fauchte Felicia.
“Jetzt mach einfach”.
Genervt von dem Kater, legte sich Felicia rasch die Kette um. So geschwind, dass sie keine Zeit mehr hatte irgendwelche Zweifel zu hegen. Erschrocken blickte sie aus dem Fenster als man hören konnte, wie Ronan zornig aufbrüllte. Es hallte durch das ganze Tal. Konnte er etwa spüren, dass das Tal einen neuen Besitzer hatte? Mit einem Keuchen stolperte Felicia etwas zurück als sie plötzlich von einem sonderbaren Gefühl erfasst wurde. Es war als würde anstatt Blut, nun pure Energie durch ihre Venen strömen. Die Magie in ihr begann zu reagieren und damit schwanden selbst die letzten Zweifel in ihr. Mit einem Blick zur Kette erkannte sie, dass der Stein sich verändert hatte. Er war Blau geworden und schimmerte beinahe Blendend. Rasch versteckte sie es unter ihrem Shirt.
“Diese Reaktion beweist, dass deine Magie rein und unbefleckt ist”, hörte sie Deleylia sagen, doch Felicia stellte keine Fragen, dar plötzlich ein Surren zu hören war und sich das Licht anschaltete. Nicht nur hier, sondern auch in ganz Gravestone. Mit einem Blick aus dem Fenster konnte sie nämlich sehen, wie sich die Straßenlaternen anschalteten und in so manchem Haus das Licht aus den Fenstern drang. Felicia kam zu der Erkenntnis, dass der Strom an diesem Ort wohl auch abhängig von der Magie war.
“Endlich”, seufzte Taran.
“Nun ist meine Pflicht erfüllt und es wird Zeit, Lebewohl zu sagen”, meinte Deleylia und sogleich sah Felicia zu ihr. Die Gestalt ihrer Großmutter begann zu leuchten.
“Nein”, rief Felicia und rannte zu ihr. Sie wusste, was dieses Licht zu bedeuten hatte. Deleylia hatte ihre Erlösung erreicht. Verzweifelt wollte sie, sie festhalten, sie daran hindern zu gehen. Doch natürlich ging dies nicht.
“Tu mir das nicht an. Wieso willst du gehen? Ich habe doch noch so viele Fragen”, rief Felicia und Tränen stiegen ihr in die Augen.
“Taran wird sie dir beantworten, von nun an, ist er dein Diener”, flüsterte Deleylia und dann wurde das Licht so intensiv, dass Felicia wortwörtlich geblendet wurde. Die Gestalt ihrer Großmutter implodierte und als das Licht schwand, war ihr Geist verschwunden. Keuchend sackte Felicia zu Boden und starrte fassungslos den nun leeren Stuhl an. Sie fühlte sich zutiefst erschüttert. Es war nicht, weil sie ihre Großmutter liebte, denn das tat sie nicht. Um sie zu Lieben, kannte sie, sie zu wenig. Aber es war nun mal so, dass sie das einzige gewesen war, was Felicia noch gehabt hatte. Sie war trotz allem ihre Familie gewesen, die einzige, so hoffte Felicia, der sie etwas bedeutet hatte.
“Warum hat sie es mir nicht gesagt? Hätte ich es gewusst, hätte ich noch gewartet”.
“Was hätten ein paar Stunden mehr schon geändert?”, fragte Taran und Felicia warf ihm einen bösen Blick zu. Jede verdammte Minute mehr, wäre Gold wert gewesen.
“Deleylia hat sich ihren Frieden verdient. Sie sehnte sich danach, zu gehen. Akzeptiere das”, bat Taran und Felicia nickte.
“Ich habe dennoch viele Fragen. Ich weiß, meine Eltern sind Tod, aber wie waren sie? Warum sind sie gestorben? Habe ich vor meinem sechsten Lebensjahr in diesem Tal gelebt? Und was kann ich alles mit meiner Magie tun, wie kann ich damit umgehen?”.
“Nun aber mal langsam, Mädchen. Das alles wird sich mit der Zeit beantworten. Du musst Geduld haben”, sagte Taran.
“Geduld war noch nie meine Stärke”, seufzte Felicia.
“Wie ich gestehen muss, meine auch nicht”, meinte Taran und lief zur Treppe.
“Komm, als Erstes solltest du nun Anaja kennenlernen”.
“Wer ist Anaja?”, fragte Felicia und eilte sich, ihm zu folgen.
“Die Seele dieses Hauses”.
“Das Haus hat eine Seele? Bedeutet das, es lebt?”.
Taran antwortete ihr nicht und führte sie in die große Eingangshalle. Mit einem schaudern sah sich Felicia um. Nun wo der Strom funktionierte und alles im hellen Licht gehüllt war, wurde ihr deutlicher als zuvor bewusst, wie baufällig und schmutzig alles war. Taran hielt inne und setzte sich. Er schien auf etwas zu warten. Felicia fielen beinahe die Augen aus dem Kopf als durch eine Wand hindurch, ein Licht erschien. Die kleine Lichtkugel war nicht größer als ein Tennisball und schwebte langsam zu ihnen.
“Willkommen, Willkommen”, ertönte der süße Singsang einer Frau. Felicia starrte die Kugel mit offenem Mund an. Das wurde ja immer verrückter hier.
“Ähm, Hey also ich bin Felicia”.
“Schön euch kennenzulernen, Felicia”, sang die Lichtkugel. Felicia lächelte, diese Stimme war sehr angenehm.
“Was genau bist du für ein Wesen?”.
“Diese Frage klingt sehr unhöflich”, fauchte Taran.
“Wirklich? Dann entschuldige ich mich”, meinte Felicia rasch.
“Ich bin nicht gekränkt”, sang die Lichtkugel.
“Sehr gut, du bist also diese Anaja?”.
“Die bin ich, meine Herrin”.
“Wie genau soll ich das verstehen, Taran meinte, du wärst die Seele dieses Hauses?”.
“Das bin ich. Ich existiere, um euch zu Dienen. Ich erleichter euer Leben. Wenn ihr wollt, kann ich mich formen und Dekorieren, wie ihr es wollt”, sang Anaja.
“Warte, stopp. Du kannst dich selbst umbauen und einrichten?”.
“Natürlich”.
“Würdest du mir dein Können demonstrieren?”, fragte Felicia nach kurzem Zögern.
“Habt ihr besondere Wünsche?”.
“Es wäre schön, wenn es hier etwas heller wäre und nicht so Altbacken. Modern sollte es sein und vielleicht hier und dort ein paar Pflanzen?”, schlug Felicia vor.
“Ich probiere mein bestes”.
“Wenn du das hinbekommst, fress ich einen Besen”, sagte Felicia.
“Dann werde ich schon mal einen holen”, scherzte Taran. Felicia wollte etwas Kontern, doch die Worte blieben ihr im Halse stecken. Die Eingangshalle begann sich vor ihren Augen zu verändern. Es passierte innerhalb weniger Sekunden. Plötzlich war da ein heller Anstrich und man roch sogar die frische Farbe. Die alten Möbel schwanden und neue erschienen. Hier und dort ploppten prächtige Grünpflanzen auf. Fast genauso, hatte es sich Felicia vorgestellt, aber das Beste an allem war, dass gleichzeitig eine Reinigung stattfand.
“Unglaublich”, keuchte Felicia und taumelte etwas. Warum fühlte sie sich so erschöpft?
“Mit jedem Zauber, den Anaja wirkt, entzieht sie dir Magie. Bedenke das, bevor du sie zu oft nutzt. Aber wie siehst mit dem Besen aus, willst du Ketchup dazu?”, meinte Taran.
“Pass lieber auf, dass ich DICH nicht gleich esse”, fauchte Felicia ihn an.
“Sind sie zufrieden?”, fragte Anaja.
“Sehr, du bist die beste”, versicherte Felicia ihr und dachte daran, dass sie nun nichts lieber tun würde, als einfach ein Nickerchen zu machen.
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